Januar 6

Ist die Freundschaft heute nur noch Ausdruck unseres Egoismus?

In unserer heutigen Leistungs- und Luxusgesellschaft, bestehend aus Individualisten, ist der Wert einer wahren Freundschaft immer mehr herab gesetzt worden. Heute leben wir für Geld und Status. Dabei lassen wir uns von nichts ablenken und verschieben unwichtige Dinge, wie zum Beispiel zwischenmenschliche Beziehungen auf soziale Netzwerke wie Facebook. Im Zusammenhang mit meinen Vorbereitungen auf das Abitur in Ethik habe ich mir darüber Gedanken gemacht wie selten heute noch richtig echte Freundschaften vorkommen. Ich war bei der Vorstellung betrübt, dass es wohl so eine Art aussterbendes Gut ist. Hat dieser Verlust Auswirkungen auf unsere Gesellschaft? Aristoteles schrieb einst über den Wert und die Tugend der Freundschaft.
Nach der Definition, wie er sie in seinen Abhandlungen verwendet, ist die Tugend „die Einheit von Wissen um das sittlich Gute und der Bereitschaft und Tatkraft, dieses zu verwirklichen“. Dem zu folge muss man zuerst, um auf diese Frage nach dem Verlust eine Antwort zu bekommen, darüber nachdenken, ob die Freundschaft überhaupt einen sittlichen Wert hat.
Welche Motivationen bringen uns dazu eine Freundschaft einzugehen?
Aristoteles hat diese in drei Motivationsarten von Freundschaft Unterteilt: Entweder aus Nutzen für sich sebst, aus Lust oder der Tugend.
Mir scheint es, dass wir uns in unserer Zeit immer mehr In Richtung der Nutzen- und Lustfreundschaften bewegen.
Die eine beschreibt die Freundschaft aus Gründen des Nutzens für sich selbst, die andere aus Gründen der Lust.
Heutzutage geht es vielen In einer Freundschaft nicht mehr um die Person wegen der Person selbst, sondern um den Nutzen, den sie mit sich bringt.
Es geht um die Lustbefriedigung, die sie zu versprechen scheint. Man hat heute viel mehr „Freunde“ als früher, da man austauschbar ist und nur um des gegenseitigen Nutzens Willen einander eine Fassade der Freundschaft vorspieltt. Oft ist es der Spaß und die Kurzweil, die uns dazu führen eine Freunschaft einzugehen. Man möchte unterhalten werden und Sich vergnügen, ganz nach dem, schon wieder aus dem Trend gekommenen, Motto „yolo“, was soviel heißt wie „Du lebst nur einmal!“, also ist es ja egal wie eng und tief die Freundschaft ist, hauptsache man hat Spaß und hauptsache sie hat kurzzeitig Erwartungen und Wünsche erfüllt. Freundschaft ist zu einer oberflächlichen Fassade aus Masken geworden, die dafür gut ist das eigene Ego und den Trieb zu befriedigen. Die wahre, tugendhafte, tiefe Freundschaft ist aus unseren Kreisen weitgehend verschwunden. Kaum einer kann heute noch von sich behaupten gegenüber einer Person echtes Vertrauen zu haben, selbstlos handeln zu können, einander zu nutzen und zu unterstützen und nicht den geringsten Grund Zu haben misstrauisch zu sein.
Nach diesem Ideal sehnen sich heute viele und auch viele können diesen Verlust an sich selbst feststellen. Ich frage mich wie diese Entwicklumg zusatande kommen konnte. Warum haben wir dieses kostbare Gut weitestgehend aus unserer Mitte verbannt? – Weil wir heute mehr denn je von unserem Ego getrieben werden, das von der Anonymität in der Gesellschaft unterstützt und von unserem Drang nach Individualität verstärkt wird. Wir haben verlernt selbstlos zu handeln und immer mehr danach gestrebt das möglichst beste für sich selbst zu erreichen. Ich denke wir sollten uns wieder mehr auf unsere eigentlichen Werte, Normen und Tugenden wie zum Beispiel echte Freundschaft besinnen. Sie machen das Leben um so viel lebenswerter und auf Dauer füllen sie es mit mehr Lebensfreude und Zufriedenheit. Wir sollten wieder lernen in die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu infestieren und lernen das Wertvolle an Freundschaften wieder aufleben zu lassen.



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Veröffentlicht6. Januar 2015 von madbread in Kategorie "Allgemein", "Gerabronn

2 COMMENTS :

  1. By egalistotto99 on

    Ist Freundschaft heutzutage nur noch ein Ausdruck von Egoismus?
    Wenn man wirklich richtig über diese Frage nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass heutzutage -gerade durch die vielen verschiedenen sozialen Netzwerke- viele Freundschaften nur noch oberflächlich sind. Das beste Aussehen, das coolste Handy, die meisten Likes, das alles führt dazu, dass man mit einer Person befreundet sein, mit ihr feiern und durch sie neue Menschen kennenlernen möchte. Man zieht einen Nutzen aus dieser oberflächlichen Freundschaft.
    Meiner Meinung nach kann eine wahre Freundschaft nur entstehen, wenn man sich schon länger kennt und die Person genau einschätzen kann, da alles auf Vertrauen basiert. Wenn man seiner sogenannten „besten Freundin“ nicht vertrauen kann, dann ist es keine wirkliche Freundschaft. Mann kann natürlich auch mit oberflächlichen Freunden Spaß haben, aber eine echte Freundschaft besteht natürlich nicht nur aus Spaß.
    Am wichtigsten ist, miteinander zu reden, darauf zu vertrauen, dass diese wichtige Person nichts weitererzählt und auch mal zu streiten.
    Eine richtige Freundschaft besteht aus Nehmen und Geben. Wenn man in einer Freundschaft also auch mal zuhören kann und nicht nur von sich selbst erzählt, ist die Freundschaft meiner Meinung nach kein Ausdruck von Egoismus. Dies bezieht sich aber nur auf Freundschaften, die auf Vertrauen basieren. Oberflächliche Freundschaften haben die meisten Menschen zwar viele, aber diese basieren nicht auf vollständigem Vertrauen und man geht sie meistens nur ein, um daraus einen Nutzen zu ziehen. Es handelt sich dabei also um Egoismus.
    Insgesamt haben die meisten Menschen nur wenige wahre Freunde, da eine solche Freundschaft gepflegt werden muss.
    Meiner Meinung nach basieren zwar die meisten Freundschaften heutzutage nur auf Egoismus, trotzdem sollte jeder Mensch mindestens eine Person in seinem Leben haben, der man alles anvertrauen kann.

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  2. By Gerechtigkeit on

    Du schreibst, dass es heute vielen Menschen egal ist wie eng und tief ihre Freundschaften sind, wichtig ist nur das man Spaß hat. Und ich denke, dass das auch wirklich auf die heutige Gesellschaft zutrifft, wenn auch nicht auf jeden einzelnen Menschen. Eben weil man auch unter großem Leistungsdruck steht und heut zu Tage noch so viele andere Dinge wichtig sind, womit die Zeit und die Lust eine tiefe Freundschaft aufzubauen oder gar zu erhalten vielleicht teilweise in den Hintergrund rückt. Aber ich denke andrerseits auch, dass genau das das Problem ist, dass man Freundschaften als nicht mehr wichtig genug ansieht, als dass sie es wert wären, dass man seine Zeit dafür „opfert“. Nur denke ich, dass Freundschaften eines der wichtigsten Dinge im Leben sind, für die man sich immer Zeit nehmen sollte, egal ob es viel oder wenig ist. Denn man hat viel mehr von Freunden denen man vertrauen kann, mit denen man auch einfach mal nichts machen kann, als nur von „oberflächlichen“ Freundschaften, die „nur“ als spaßiger Zeitvertreib dienen. Wobei auch diese Freunde nicht schlecht sind, denn sie sorgen eben für Spaß. Aber man ist ja auch nicht immer nur gut drauf, oder will nicht jeden Tag was aufregendes Unternehmen, unter anderem weil man dafür gar nicht die Zeit hat, und genau dann sind es vielleicht die tieferen Freundschaften, die von Bedeutung sind.

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