Was ist Toleranz?

Wir sind tolerant. Wir tolerieren Verhalten, Ideen und sogar Menschen. Toleranz: Das klingt immer gut. Ist das immer gut? Was ist überhaupt Toleranz? Wie beeinflusst Toleranz unser Verhalten anderen gegenüber? Sind wir gar nur tolerant, um uns selbst zu gefallen? Nach Reiner Forst lässt sich Toleranz (auch Duldsamkeit) in drei Aspekte gliedern. Zunächst gibt es die Ablehnungskomponente. Wenn man von Toleranz spricht, gibt es immer etwas, was einem persönlich missfällt. Dinge, die einem gefallen, muss man nicht ertragen. So gibt es mehrere Faktoren, die diesem Aspekt entsprechen, so z.B. politische Ablehnung, falls jemand die Meinung anderer nicht teilt. Dies wirkt beinahe „pervers“, da man für sich selbst erhofft, dass der andere nicht ablehnend gegenüber mir, bzw. meiner Meinung steht. So ist die eigene Intoleranz dadurch besonders hervorgerufen und fördert ein negatives Verständnis dessen, was überhaupt toleriert werden darf, kann oder soll. Des Weiteren, wird die Ablehnungskomponente durch die Akzeptanzkomponente ergänzt. Dies scheint nun gar nicht wirklich ins Bild zu passen, da Akzeptanz das Gegenstück von Ablehnung ist. Jedoch akzeptiert man eine Sache, die einem missfällt, ob man will, muss oder soll. Beispielsweise hat meine Freundin ein Tatoo, was mir nicht gefällt. Ich muss aber akzeptieren, da es sich nicht um das meinige handelt, sondern um das, einer anderen Person, dessen Lebensstil ich nicht teilen muss. Die dritte Säule ist die Zurückweisungskomponente. Ab einem bestimmten Punkt „reicht“ es einem. So zum Beispiel, wenn die Musik meines Nachbarn zu laut ist, oder sonstige Unannehmlichkeiten mich an mein Limit bringen. Hier bewegt man sich im Grenzbereich, wo das Akzeptieren durch das Zurückweisen ersetzt wird. Sie zeigt die Grenze dessen auf, ab wann wir etwas nicht mehr akzeptieren, bzw. dulden und annehmen. Alle drei Aspekte stecken sozusagen im Wort Toleranz und helfen den eigentlich sehr abstrackten Begriff „Toleranz“ genauer zu verstehen. Doch ist festzustellen, dass Toleranz negativer konogiert ist, als weithin angenommen. So setzt sie voraus, dass man die Vernuft besitzt, die eigene Ablehnung gegenüber dessen, was einen zum Ablehnen bringt, deutlich geringere Beachtung, bzw. Aufmerksamkeit schenkt, da man sonst, nicht mehr toleriert sondern diese ablehnt und die Tatsache, dass das Missfallen existiert, in den Vordergrund stellt. Deswegen läuft man eher Gefahr zu kokketieren, anstatt seinen eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Tolerieren wir andere, um unsere eigene Individualität zu wahren? Oder tolerieren wir andere, um Konflikten schon im Vorhinein vorzubeugen – eine „Schönwettergesellschaft“ zu generieren, die nach außen hin harmonisch und friedlich erscheint? Was mit einer intoleranten Gesellschaft passiert, ist uns hierzulande aus der jüngeren Geschichte bekannt. Weltweit sind die Folgen von Intoleranz auch heute deutlich sichtbar. In einer Welt, die offen und globalisiert sein möchte, treffen wir dennoch auf Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhass. Was wäre, wenn wir allen Mitmenschen unvoreingenommen entgegentreten würden? Was, wenn wir für jeden – unabhängig von Nationalität, Religion oder sozialem Stand – offen sind, wenn wir jedem seine verdiente Anerkennung zollen? Toleranz. Toleranz ist Harmonie, ist Anerkennung, ist aber vor allem Respekt – Respekt vor unseren Mitmenschen. Respekt, den wir genau so von ihnen erwarten, wie wir unseren Respekt ihnen entgegenbringen müssen. Was ist also Toleranz? Wie bin ich tolerant? Tolerant bin ich dann, wenn ich meinem Gegenüber auch dann mit Respekt gegenübertrete, wenn ich nicht derselben Meinung bin. Tolerant bin ich, wenn ich offen bin für neues, wenn ich niemanden für seine Meinung oder Haltung verurteile. Mit Toleranz zeige ich, dass ich ein klarer Gegner von Diskriminierung, von Hass und von Neid bin. Was also mit unserer Gesellschaft passieren würde – was mit einer Gesellschaft passieren würde, die „global“ sein möchte, ohne dass ich auch nur versuche, meinem gegenüber mit Freundlichkeit, mit Respekt, mit Toleranz entgegenzutreten – das kann sich jeder selbst ausmalen…

Quellen:

-Brockhaus Enzyklopädie Band 12 TO-UL (S.200-210)
– https://www.grin.com/document/458970

Marx: Aktuell oder doch passé?

Am 5. Mai 2018 jährte sich der Geburtstag des Philosophen Karl Marx zum 200. Mal. Umstritten ist er immer noch. Manche bewundern seinen Weitblick, andere geben Marx die Schuld an kommunistischen Diktaturen. Aber ist seine Philosophie fast 140 Jahre nach seinem Tod überhaupt noch relevant, geschweige denn legitim? Im Folgenden werde ich versuchen diese durchaus komplexe Frage zu beantworten.
Marx, der im persönlichen Umgang mitunter schwierig gewesen sein soll, zählt sicher zu den berühmtesten Deutschen. In allen Teilen der Welt haben sich die Revolutionäre auf ihn berufen , oft vermutlich, ohne seine Theorie verstanden, geschweige denn überhaupt gelesen zu haben. In seinem Namen ist viel Unrecht beseitigt worden , und neues, womöglich teilweise noch schlimmeres geschaffen worden. Trotzdem hätte uns Karl Marx heute noch etwas zu sagen.
Zunächst einmal ein klares Ja: Der Marxismus hat heute noch eine Bedeutung. Es ist aber nicht so, wie manche selbsternannte Marxisten meinen, dass die Aussagen seiner Bücher auf die Gegenwart übertragbar wären, seine Methoden und Theorien insofern aktuell oder gar bewiesen wären. Die große historische Leistung von Karl Marx besteht darin, dass er die Schattenseiten des aufstrebenden Kapitalismus, die ungleiche Vermögensverteilung, die Ausbeutung und Ausnutzung der Arbeiter bewusst gemacht hat. Seine Antwort darauf war der Klassenkampf, die Aufforderung an alle Unterdrückten, sich zusammenzuschließen und auf die irgendwann notwendigerweise kommende Umwälzung zu vertrauen. Insofern bot Karl Marx für die Schwachen und Gepeinigten eine Art Religionsersatz, eine Lehre, die ihnen Hoffnung machen konnte auf einen aus seiner Sicht zwangsläufigen Wechsel zu Sozialismus und Kommunismus. Der Kapitalismus, so lautete seine Lehre, geht irgendwann natürlich zugrunde, als historische Gesetzmäßigkeit. Aber die Abhängigen hätten den Auftrag, sich für die Umschwung zu einer neuen Zeit ständig zu rüsten. Das Marx’sche Klassenmodell ist geeignet, gravierende Machtunterschiede und Benachteiligungen erkennbar zu machen. Es überspitzt, teilt in Freund und Feind, vereinfacht und generalisiert. Damals, als er seine Werke schrieb, mag das eine Bereicherung gewesen sein – Marx befreite die Philosophie von abgehobenen, lebensfernen und die Probleme der Menschen vernebelnden Diskussionen. Gleichzeitig schuf er mit Dialektik und Materialismus ein Modell zur Erklärung der Verhältnisse. Das half, die wirklichen Sorgen und Nöte der Leute in den Mittelpunkt der Wissenschaft und der Politik zu rücken. Trotzdem war dieser Ansatz nicht nur segensreich. Mit der Dialektik wurde eine neue Glaubenslehre geschaffen: Er sagte den Geknechteten, dass ihnen irgendwann bessere Zeiten bevorstünden. Mit dem Materialismus wurde zugleich eine gefährliche Abwertung des politischen Diskurses verknüpft: Für Marx kam es allein auf die Produktionsverhältnisse und die Eigentumsverhältnisse an. Wer etwas besitzt, hat Macht über andere. Besitz- und Machtverhältnisse waren für ihn entscheidend, alles andere wollte er nur davon ableiten. Er teilte nach der ökonomischen Rolle in Klassen ein. Die bösen Kapitalisten hier, das gute Proletariat dort. Und er sprach von der „Diktatur des Proletariats“, also davon, dass „die da unten“ sich über „die da oben“ erheben sollten, also wie in einem Rollentausch. Wenn das Eigentum an Fabriken und die Herrschaft über die Arbeitsverhältnisse neu verteilt würden, dann werde das Leben für alle besser. Denn für Marx bestimmte das Sein das Bewusstsein. Ob einer gut oder schlecht war, hing von seiner ökonomischen Rolle ab, von seinem Stellenwert im Arbeitsprozess. Zur Interpretation von gesellschaftlichen Verhältnissen ist diese Sichtweise vorteilhaft, ermöglicht sie es doch, hinter die Kulissen vorgeblicher großer Gedankengebäude zu blicken. Zugleich bedeutet sie aber eine Geringschätzung des intellektuellen Disputs, des Widerstreits unterschiedlicher Ansichten. Mag sein, dass dies jetzt arg vereinfacht geschildert wird. Aber jede komplizierte Theorie, die an wichtigen Stellen Unklarheiten und grobe Verzerrungen zulässt, ist eben gefährlich. Wie gefährlich die Theorie von Marx war, zeigte sich in der Blutherrschaft der Bolschewisten, vor allem unter Stalin, in der Sowjetunion, später auch in China unter dem Massenmörder Mao, später in anderen Teilen der Welt. In Nordkorea und Venezuela berufen sich undemokratische Herrscher auf ihn. Die ganzen Errungenschaften der aufgeklärten Philosophen vor Marx, die Gewaltenteilungslehre von Montesquieu, die Ethik von Kant, die Erkenntnistheorie von Locke, hat der Urvater der modernen Kommunisten beiseite gewischt. Die Bürgerrechte, die Regeln der Demokratie und des Parlamentarismus – sie mussten wertlos werden, wenn es nur noch darum ging, die herrschende Klasse durch die beherrschte Klasse zu ersetzen, und wenn dazu Gewalt als legitimes Mittel angesehen wurde. Es lag auch an Marx, dass ein Lenin seine Theorie daran anknüpfen konnte – eingesetzt zur zu dem Zweck, seiner Clique von Gleichgesinnten mit möglichst eingängigen Erklärungen den Aufstieg zur Herrschaft zu ermöglichen. Die Marxisten mögen Marx ebenfalls zugutehalten, dass es ohne ihn vermutlich keine starken Arbeiterparteien in Europa gegeben hätte, kein einigendes Band für jene, die sich Sozialisten oder auch Sozialdemokraten nennen. Ohne solche Parteien eben herrschte hierzulande vermutlich der Kapitalismus pur, nicht die soziale Marktwirtschaft. Dass SPD wie Union als „sozialdemokratische“ Parteien eingestuft werden, hängt auch mit den Folgen des Wirkens von Marx zusammen. Aber es gibt auch die Negativ-Bilanz, die erwähnt werden muss. Der Aufbruch der „68er“ vor fünfzig Jahren förderte eine Bewegung, die zutiefst intolerant und dogmatisch agierte, ganz so, als fühle man sich nicht nur im Besitz der alleinigen Wahrheit, sondern habe zudem auch noch die Freiheit der Wahl aller möglichen Mittel. Ist der Dogmatismus der Marx’schen Thesen daran schuld? Bedingt, denn wenn seine Theorie verträglicher, toleranter, aufgeklärter gewesen wäre, dann hätten die revoltierenden Studenten damals womöglich jemand anders als Vorbild gewählt. Immerhin: Sie zogen ja auch nicht mit Marx-Rufen durch die Straßen, sondern skandierten „Ho-ho-ho-Chi-Minh“. Ja, das ist nun eine Folge des Klassenkampfes. Der Diktatur aus Vietnam war nun mal der Feind des Feindes, der USA, und damit ein Guter. An dieser Denkweise jedenfalls kann man Marx schon eine Mitschuld attestieren. Ökonomisch lag Marx unterm Strich ebenso falsch. Das kapitalistische System erwies sich als wandelbar, die Demokratie erzwang eine Gesetzgebung, die auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmerschaft abgestimmt war. Zusammengebrochen sind – bis auf einige – die Systeme, die sich auf Marx beriefen und im Namen der „Diktatur des Proletariats“ ihre Herrschaft rechtfertigten. Ein großer Denker war Marx fürwahr, ein leuchtendes Vorbild? Sicherlich nicht. Karl Marx war ein wichtiger deutscher Philosoph und Ökonom. Aber er war auch Antisemit und Wegbereiter grausamer Diktaturen. Nach Meinung vieler tauge er deshalb als Vorbild nach wie vor nicht. Des Weiteren gab Marx damals den Schwachen eine Stimme und machte im beginnenden Kapitalismus auf Unrecht aufmerksam. Manches ist heute noch lesenswert, zum Beispiel seine Warnung vor Disproportionalitäten, wenn sich der Wert von der materiellen Realität abkoppelt. Anderes muss heute revidiert werden. Der Preis eines Artikels wird eben nicht wie von Marx beschrieben allein vom enthaltenen Arbeitseinsatz widergespiegelt. Das gehört aber in den rein ökonomischen Diskurs. Für Marx‘ gesellschaftliche Bedeutung müssen auch die Folgen seines Wirkens und der Philosoph selbst in Augenschein genommen werden. Und hier dürfte vielen nicht gefallen, was dabei zu sehen ist. Zudem war Marx kein Freund der Freiheit, er war ein Befürworter der Diktatur. Für Marx war der Klassenkampf ein zentrales Element, die verhasste Bourgeoisie sollte unterdrückt werden. Auch wenn Marx, anders als Che Guevara, das Gewehr nicht selbst in Hand nahm, hat er in seinen Schriften Gewalt und Unterdrückung propagiert. Marx war kein Freund der Freiheit, er war ein Befürworter der Diktatur. Das Proletariat solle als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufheben, schrieben Marx und Engels 1848. Für Marx war der Klassenkampf ein zentrales Element, die verhasste Bourgeoisie sollte unterdrückt werden. Damit war er eben doch ein totalitäres Vorbild für Lenin, Stalin oder auch Mao. Es hatte seine Gründe, warum Marx in Zeiten der Teilung Deutschlands in Ost und West auf beiden Seiten unterschiedlich gesehen wurde. Die westliche Skepsis gegenüber dem Philosophen aus Trier ist auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall angebracht. Sein Klassenmodell ist zudem auf das heutige Deutschland so nicht mehr übertragbar, auch wenn die politische Linke das nach wie vor propagiert und immer noch in Klassen denkt. Marx hat mit einer sozialen Marktwirtschaft nicht das Geringste zu tun. Noch unschöner wird es, wenn man sich dem Menschen Karl Marx nähert. Denn er war nicht nur ein aggressiver Schmarotzer mit chronischen Geldsorgen und privat wenig vorbildlich oder gar fürsorglich. In seinen Schriften findet sich auch immer wieder Antisemitismus. Seine Rezension „Zur Judenfrage“ nannte Hannah Arendt ein klassisches Werk des Antisemitismus der Linken. Und an den Schriftsteller Arnold Ruge schrieb Marx: „Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein anderer Gott bestehen darf.“ Wie antisemitisch Marx war, wird in der Wissenschaft bis heute kontrovers diskutiert. Frei von Schuld ist er aber auf jeden Fall nicht. Karl Marx bleibt eine umstrittene Person der deutschen zeit- und Kulturgeschichte. Respekt ist auch heute noch vor seinem Werk angebracht. Eine größere Relevanz sollte ihm aber nicht zuteilwerden. Vielleicht sollten wir genau deshalb anfangen über eine Art „Sozial-Kapitalismus“ nachzudenken.

Quellen:
– Brockhaus Enzyklopädie Band 6 NAZ-MIZ (S.399-320) Leipzig Baden Baden Brockhaus GmbH
– https://www.youtube.com/watch?v=fvtq8zyYpqs
– https://www.youtube.com/watch?v=fjtHD2xNhok
– https://www.youtube.com/watch?v=pQNR0cgd5bg
– https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Statue_(Trier)
– https://www.zeit.de/zustimmung?url=https%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2Fgesellschaft%2Fzeitgeschehen%2F2018-05%2Ftrier-200-geburtstag-karl-marx-statue-enthuellung
– https://www.zeit.de/zustimmung?url=https%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2Fentdecken%2Freisen%2Fmerian%2Fkarl-marx-denkmal-geburtsstadt-trier-kapital
– https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/

Kritik an Israel: Antisemitisch?

Es ist bereits schon alltäglich, in irgendeiner x-beliebigen Zeitung israelkritische Artikel lesen zu können, die sich v.a. mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästina, bzw. der israelischen Siedlungspolitik auseinandersetzen. Doch die meisten Menschen, die meinen diese kritisieren zu können, haben sich im Voraus nicht mit den Hintergründen dieser beschäftigt und wälzen ihre allgemein schon antiisraelische Haltung, ohne jegliche Vernunft, auf ganz Israel, und damit indirekt auf Juden ab, wodurch sie unbewusst, bzw. mittlerweile mehr und mehr beabsichtigt, Juden- und Israelfeindliches versuchen zu legitimieren. Jedoch ist Kritik am israelischem Staate nicht gleich Antisemitismus, denn kein Staat der Welt ist perfekt, und lebt daher vom demokratischen Austausch der verschiedenen Standpunkte. Doch ab wann ist “Israelkritik“ antisemitisch, bzw. ist sie überhaupt antisemitisch?

Israelkritik beinhaltet meistens einen verkapselten Antisemitismus, der darin besteht, dass man dem Staat, und dessen Politik, auf alle dort lebenden Menschen- der Großteil ist jüdisch- bezieht. Sicherlich bedeutet das nicht gleich, dass man Antisemit ist, jedoch verleitet dies, tendenziell, zu einer großen Verallgemeinerung, die dazu führen kann, dass manch dummer moderner “Halbnazi“ sich bestätigt fühlt, dass aus ihrer Sicht, das Grauen, das die Deutschen an über sechs Millionen Juden verübt haben, doch nicht so katastrophal war, da man “den Juden“ nun das “Doch-So-Schlimm-Sein“ vorwirft. Ein oft genanntes Beispiel ist die Siedlungspolitik des Ministerpräsidenten B. Netanyahus und der dazugehörigen, grob durchdachten Reaktion Palästinas, die das Gebiet Israels bombardieren, wodurch bereits sämtliche Israelis ums Leben kamen. Jedoch bewirkten die Vergeltungsanschläge Israels auf palästinensischem Boden das gleiche. Die relativ einseitige Berichterstattung der, vor allem deutschen Presse, unterstreicht den verfehlten Eindruck, da Israel meistens als das schwarze Schaf dargestellt wird. Außerdem spielt das übertriebene mit dem Zeigefinger auf Israel Zeigen eine ebenso große, wie auch wichtige Rolle. Das Ausblenden anderer, viel größerer Konflikte, wie z.B in Burkina Faso, oder in Mali, wirkt zudem kategorisch. Erschreckend dargestellt wird dies, durch die überdurchschnittliche und meist negative Berichterstattung und Publikationen über Israel, was, wie kein anderes Land, damit “beschossen“ wird, was fast schon perverse Ausmaße angenommen hat, und schon kollektiv wirkt. Ebenso wirkt das Zusichern der Bundesregierung an das Existenzrecht Israels fast schon heuchlerisch, wenn man in 83 UNO-Abstimmungen gegen Israel votiert hat. Sicherlich, Kritik an der Politik, der israelischen Regierung, ist völlig angemessen, angesichts der Tatsache, dass man das palästinensische Siedlungsgebiet zu großen Teilen geradezu abgekapselt und isoliert hat. Jedoch ist dies nun überhaupt nicht auf die Einwohner, und spezifisch auf Juden, zu zuschieben, denn es ist unmöglich, das Handeln einer kleinen Gruppe, kollektiv auf die Allgemeinheit zu übertragen. Das gilt für ALLE und sollte eigentlich unverhandelbar sein, egal ob man Jude, Syrer, Deutscher, Ukrainer, Chinese oder sonst irgendwer ist. 

 Abschließend ist es wichtig zu sagen, dass Kritik an der Politik B. Netanjahus, und damit an der Regierung Israels legitim, sogar notwendig ist. Es gehört zu jedem demokratischen Staat dazu, dass man sich kritisch mit der Politik des Landes oder sonstigen Dingen auseinander setzt. Jedoch verleitet das Thema Israel schnell zu Antisemitismus, da sich viele Menschen entweder zu wenig mit dessen Problematik auseinander setzen und bereits schon leicht antisemitische Züge aufweisen, oder eine kleine Personengruppe auf die ganze Gruppe übertragen. Die Frage ist, ob dies bewusst, oder unbewusst ist. Denn durch die Banalität des Bösen, dies einfach durchzuwinken, was momentan in der Gesellschaft geschieht, wird Antisemitismus erschreckenderweise mehr und mehr salonfähig. Es ist unsere Aufgabe differenziert und sachlich dem entgegen zu stehen und unseren jüdischen Bürgern beistand zu leisten.

Arendts “Banalität des Bösen“ und die AfD

Seit der Bundestagswahl 2017, und dem damit verbundenem Einzug der AfD in den Bundestag, polarisiert diese, quer durch die gesellschaftlichen Schichten, Massen. Durch die eigens inszenierte “Opferstellung und -haltung“, und, durch Spitzenpolitiker, wie Alexander Gauland, hervorgebrachte Aussagen, wie “Die Zeit des Nationalsozialismus war ein Vogelschiss in der glorreichen Geschichte des 1000-jährigen Reichs“. Das Ziel, was mit solchen Verbalkatastrophen verfolgt wird ist, dass die AfD den vermeintlichen “Demokratieverlust“, seitens der “etablierten Parteien“ anprangert, und dies mit Sätzen, wie “Das darf man doch wohl noch sagen“ krankhaft versucht diese zu legitimieren. Das Erstarken und Polarisieren der rechtspopulistischen Parteien erinnert stark an das Ende der 1920er Jahre sowie die Machtergreifung Hitlers, und den damit verbundenen katastrophalen Folgen- der Genozid an über 6 Millionen Juden, Homosexuellen, Sinti und Roma, Behinderten und Regimekritiker. Die Täter scheinen im ersten Augenblick wahre Monster zu sein, denn: Wem könnte man solch grauenvolle Verbrechen zutrauen? Der zweite Blick sorgt für erschreckende Ernüchterung. Es handelt sich, so Arendt, um “Schreibtischmörder“, sprich: dummes Beamtentum. Arendt beschreibt dies, als Banalität des Bösen, doch ist dies auf unsere Zeit, und dem damit verbundenen Erstarken von fremdenfeindlichen und rechtpopulistischen Parteien und Bewegungen zutreffend, speziell auf die AfD?

Arendts Theorie beschreibt das Vollüben von Verbrechen, aufgrund, beispielsweise, eines Befehls höherer Instanz, ohne diesen zu hinterfragen und infrage zu stellen: quasi aus reiner Dummheit. Dies steht jedoch auf dem ersten Blick  im Widerspruch zu dem, was die AfD von sich gibt. Es handelt sich nicht um einen Befehl von oben, sondern um scheinbar “Selbstproduziertes“. Es ist zwar somit kein Befehl, jedoch ist Vorhandenes wieder neu ausgegraben und verwendet worden, und im Bezug auf die Arendt’sche Theorie, als aus Dummheit und Nichthinterfragen gesagte Phrasen und getane Handlungen, die allerdings von einer längst vergangenen radikalen, menschenverachtenden und grauenvollen “höheren Instanz“- Nazis-   hervorgebracht wurden. Es handelt sich dabei nicht um explizite Phrasen. Es handelt sich viel mehr um- aus der Sicht von Rechtspopulisten- Allgemeingültiges, welches durch scheinbar einfache und “logische“ Antworten auf hochkomplexe Themen, welche mit einem Glanz von Dummheit und Xenophobie strahlen, die “einzig wahre Lösung“ zeigt. Die Kernaussage solcher ist:  “Wir- die wahren Deutschen- sind die Opfer der Eliten.“, womit die Altparteien gemeint sind, die nach Auffassung der AfD, dem Willen der Wähler nicht mehr nachkommen,bzw. nicht erfüllen, da sie en favor des von Rechtsradikalen und -populisten gesponnen “Bevölkerungsaustausches“ sind. Das Spinnen solcher Theorien und Gedanken spielt hierbei eine bewusste Rolle. Diese Rolle ist nun nicht mehr die Rolle des Unschuldigen, der bloß aus reiner emotionalen Angst und Wut, solches behauptet. Es ist mittlerweile ein Teil der Gesellschaft geworden, in der solche Phrasen- so scheint es- mehr und mehr akzeptiert werden, da es psychologisch deutlich einfacher ist, die Masse, die ängstlich ist, und nach einem einfachen “Ausweg“ sucht, zu manipulieren. Es bräuchte theoretisch nur einen Wahnsinnigen, der die Massen von einst, wieder mobilisieren kann, da durch die Allgemeingültigkeit der Banalität des Bösen, das ernsthafte und  unabhängige Hinterfragen geradezu zerstört wird. Die Banalität der AfD besteht darin, die Massen zu manipulieren und gleichzeitig zu mobilisieren. Die momentane Anhängerschaft dieser ist bereits schon förmlich “gleichgeschalten“ und in ihrer emotionalen Bubble gefangen. Die Aussagen und Handlungen sowie die Taten der AfD werden i.d.F., durch die Banalität des Bösen einfach durchgewunken, d.h. die Mitglieder radikalisieren sich immer mehr und unterstützen die Entwicklung zum “Schreibtischmörder“,der durch die Anhängerschaft der AfD nun wieder erneut in der modernen Form des Nationalsozialismus aufkommt. Auf der anderen Seite muss man von reiner Boshaftigkeit sprechen, da man, durch die Möglichkeiten, sich unabhängig aufklären zu können, das “Gehabe“ der Nazis erkennt und solche Tendenzen wahrnimmt. Die reine Boshaftigkeit liegt darin, dass man die Wahrheit ausblendet, und sich eine eigene erschafft. Der Hass gegenüber dem, was anders ist, ist bewusst und wird nicht nur durchgewunken, sondern weiter unterstützt, durch den eigenen Hass. Die Boshaftigkeit dieser kann nie unbewusst sein.

Die AfD fördert dies durch bewusste Verbalprovokationen, die gezielt gegen Minderheiten ausgerichtet sind, siehe A. Weidls “Kopftuchmädchen und sonstige Taugenichtse“-Rede und etc.. Im Umgang mit der AfD ist festzustellen, dass es beide Arten von Boshaftigkeit gibt: Absolute, wie die Banalität dieser. Die Gefahr besteht darin, bestimmte Seiten auszublenden und nur eine, bzw einen Teil der dargestellten Seite zu zeigen. Jedoch ist es im großen eher die Absolute Boshaftigkeit, da, die geistige zurückgebliebene Anhängerschaft, nun nicht mehr unwissend ist, sondern die Wahrheit ausblendet, und somit eine Eigene erfindet, um den selbst kreierten Hass zu “legitimieren“.