Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 23.10.2020

  • Thema: Freiheit -> Psychologie
  • Gymnasium Gerabronn, Raum 2204 von 11:25 bis 13:00 Uhr
  • Referentin: Frau Straub
  • Anwesende: 15 von 16 Schüler*innen
  • Gliederung der Stunde:
  • Vorstellung Portfolio „Unser Boden – welchen Einfluss hat unsere Konsumgesellschaft auf ihn?
  • Trailer „Die Welle“
  • Trailer „Das Milgram-Experiment“
  • Arbeitsauftrag

Am Anfang der Stunde wurde mit der Vorstellung eines Portfolios begonnen. Darin wurde das Problem der Ausbeutung des Bodens thematisiert.

Der Mensch braucht den Boden zum Nahrungsanbau. Mittlerweile hat sich die Landwirtschaft an den hohen Konsum angepasst, jedoch ist der Boden schon so ausgelaugt, dass es kaum noch Erträge ohne Zusatzmittel gibt. Das liegt daran, dass der Boden überbeansprucht wurde, besonders die Monokultur, fügt ihm großen Schaden zu. Der Botaniker George Washington Carver wusste schon Ende des 19 Jhd. was der Boden braucht: Ruhe. Dadurch sollte der Boden wieder ertragsfähiger werden.

Die derzeitige einseitige Bebauung des Bodens ist ein Teufelskreis: Um genügend Ertrag zu erwirtschaften, benutzen die Bauern Dünger. Dadurch wird zwar der Ertrag für dieses Jahr erhöht, jedoch nicht für das nächste. Da wird es dann so aussehen, dass der Boden noch weniger Nährstoffe zu Verfügung hat, dadurch müssen die Bauern mehr Dünger benutzen. Und so geht das immer weiter. Aus diesem Teufelskreis kommen wir nur raus, wenn wir unseren Konsum deutlich verringern und die Bauern dem Boden Zeit geben, damit er sich erholen kann. Dazu kann man während der Ruhezeit gewisse Gründüngungspflanzen, die den Boden nachhaltig wieder mit Nährstoffen versorgen. Jedoch ist das für die herkömmlichen Bauern schwer umzusetzen, da mit den Lebensmitteln gehandelt wird. Das bedeutet, dass es keinen vorgeschriebenen Preis für die einzelnen Produkte gibt und wenn z.B. ein Großbauer seine Produkte billig verkauft, hat der Kleinbauer so gut wie keine Chance mehr, seine Waren zu einem „normalen“ Preis zu verkaufen. Das führt wiederum dazu, dass er den Boden durchgehend bewirtschaften muss, um schlussendlich ausreichend Geld zu verdienen.  Das heißt für ihn ist es gar nicht möglich, dem Boden die nötige Ruhe zu geben.

Für uns bedeutet das, dass wenn wir weiterhin genügend zu essen haben möchten, müssen wir dringend unseren Konsum überdenken und am besten die Lebensmittel nicht nur im Supermarkt kaufen, sondern auch mal direkt beim Bauern einzukaufen.

Als Leitfrage hatten wir: „Wie ist meine Psyche vorprogrammiert, dass ich nicht frei handel?“

Dazu haben wir uns den Trailer „Die Welle“ angeschaut. In dem Film geht es darum, dass um das Jahr 1967 in den USA die Schüler davon überzeugt sind, dass das, was in Deutschland mit der Diktatur passiert ist, ihnen nicht passieren kann. Der Lehrer nimmt es sich als Aufgabe, sie von dem Gegenteil zu überzeugen, indem er eine Gruppe „Die Welle“ gründet, mit ihm als Anführer. Die meisten sind zwar am Anfang etwas skeptisch, aber nach und nach schließen sich immer mehr Schüler an. Sie sind überzeugt von ihrem Handeln und meinen, dass sie Privilegien haben. Die, die nicht zu der Gruppe gehören wollen, schließen sie aus. Letztendlich artet es aber so aus, dass die Jugendlichen gewalttätig werden. Während eines Streits schlägt z.B. auf einmal einer der Mitglieder von „der Welle“ seine Freundin.

Danach haben wir den Trailer von dem Film „Das Milgram-Experiment“ angeschaut. Dieses psychologische Experiment wurde erstmals 1961 durchgeführt. Hierbei wurde eine zufällige Person aus der Bevölkerung ausgewählt. Sie bekam von Versuchsleitern Anweisungen. Und zwar sollte sie einem angeblichen „Schüler“ für jeden Fehler, den er machte, Stromschläge verpassen, die mit jedem Fehler verstärkt wurden. Zwar war der Schüler ein Schauspieler, der nur so tat, als würde er die Stromschläge bekommen, doch das wusste die ausgewählte Person nicht. Während des Experiments hat der Schüler teilweise sogar die Person angefleht aufzuhören. Da aber der Versuchsleiter gesagt hat, dass die Person weiter machen soll, hat sie das auch gemacht. Sogar bis zu 450V, obwohl der Schüler ab dieser Spannung gestorben wäre, wenn die Stromschläge echt gewesen wären. Fast alle Personen haben sozusagen riskiert, dass der Schüler unter den Stromschlägen stirbt und das nur, weil ihnen jemand die Anweisung gegeben hat, weiter zu machen. Waren sich die Anführer uneinig, haben die Testpersonen eher den Versuch abgebrochen, als wenn sich die Anführer einig waren.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Filme liegen darin, dass es einen Anführer, also eine sogenannte Autorität gibt und alle Befehle, die sie erteilt, befolgt werden, ohne, dass darüber nachgedacht wird. Die Menschen lassen sich also sehr leicht beeinflussen und passen sich den Forderungen an. Sobald der Anführer Befehle gibt, schaltet der Verstand bei vielen Menschen aus und sie gehorchen blind. Das heißt, ihre Moral wird so beeinflusst, dass sie gar nicht mehr wirklich wissen, was sie gerade tun und welche Konsequenzen daraus entstehen können. Besonders bei dem Film „Die Welle“ ist der Gruppenzwang einer der Hauptgründe, weshalb das überhaupt funktioniert hat. Je mehr Anhänger eine Gruppe besitzt, desto mehr wird das Verhalten des Einzelnen von dieser beeinflusst. Man ist also nicht mehr fähig alleine zu entscheiden, geschweige denn, die Entscheidungen zu treffen, die man als Individuum für richtig gehalten hätte. Somit ist Gruppenzwang auch eine Art Unfreiheit, da das eigene Denken und Handeln sehr stark eingeschränkt wird. Ein Funfact: ca. 2/3 der Bevölkerung haben unbedingten Gehorsam. Das bedeutet, wenn man ihnen eine Aufgabe erteilt, dies auch entsprechend ausgeführt wird, ohne darüber nachzudenken. Dieser Personenkreis denkt, dass die Autoritätsperson (immer) Recht hat und schon die richtigen Entscheidungen treffen wird. Sie denken nicht selbst darüber nach, ob das überhaupt Sinn macht, sondern lassen sich einfach von dem leiten, was der Anführer sagt. Jeder Einzelne ist in diesem Moment davon überzeugt, dass er/ sie das Richtige tut. Oftmals kann man sich nicht einmal selbst erklären, warum genau man das jetzt macht, aber man macht es einfach.

Gruppendynamik muss nicht immer so ausgeprägt sein, wie in dem Film, es reicht schon, wenn man z.B. die gleiche Verkleidung oder Uniform trägt. Allein das löst schon etwas im Menschen aus. Beispielsweise trägt im Kampfsport jeder die selbe Kleidung , wodurch eine Gemeinsamkeit, wie auch eine zu „spielende“ Rolle suggeriert wird. Aus diesem Grunde nimmt man oftmals schon unbewusst eine aufrechtere Haltung ein oder auch einen anderen Gesichtsausdruck an. Im Grunde kann jeder selbst für sich entscheiden, ob er dieser Gruppe zugehörig sein möchte. Die Alternative wäre dann, dass man alleine ist, aber die wenigsten Menschen diesen Zustand mögen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie weit gehe ich, um mich der Gesellschaft oder Gruppe anzupassen und ab wann denke ich selber? Ich finde diese Frage sollte sich jeder individuell beantworten. Doch sobald man in einer Gruppe ist, die Dinge macht, die man alleine nicht machen würde, fände ich es sinnvoller darüber nachzudenken, ob man wirklich in der Gruppe bleiben will.

FreiheitMoralLat. „moralis“ = „die Sitte betreffend“; Eine Sitte ist eine menschliche Umgangs- bzw. Verhaltensform
 GruppenzwangBeeinflusst die Verhaltensweisen innerhalb einer Gruppe und bewirkt eine Anpassung des Verhaltens an die Gruppennormen
 GruppendynamikEin Phänomen, das bei wiederholter sozialer Interaktion im persönlichen Kontakt in Gruppen von Menschen auftritt
 Unbedingter GehorsamMenschen handeln genauso, wie ihnen gesagt wird und denken nicht darüber nach, warum und was sie tun
 AutoritätAnsehen, das einer Person zugeschrieben wird und bewirken kann, dass sich andere Menschen in ihrem Denken und Handeln nach ihr richten

Diese Tabelle sollte vom nächsten Protokollanten weiter geführt werden.

In der zweiten Stunde haben wir einen Arbeitsauftrag bekommen: In einer (Experten-)Gruppe von drei Schüler*innen wurden drei Themen zur Auswahl gestellt. Jeder aus der Gruppe sollte ein anderes Thema übernehmen. Zur Auswahl standen psychologische Experiment von verschiedenen Personen: Sigmund Freud, Alfred Adler und Pawlow und Skinner. Nun sollte man sich in der Gruppe von Menschen zusammenfinden, die dasselbe Thema haben, um die Aufgaben zu bearbeiten. Die Ergebnisse werden nächste Stunde und somit vom nächsten Protokollant zusammengefasst.

Gute Quellen für die Zusammenfassung und Trailer der Filme und der Definitionen aus der Tabelle:

Die Welle:          

https://www.moviemaster.de/filme/film_die-welle-2008.htm

Das Milgram-Experiment:          

https://www.philoclopedia.de/2016/03/03/milgram-experiment/

Definitionen:

https://www.wasistwas.de/archiv-geschichte-details/die-frage-der-woche-was-ist-moral.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenzwang

https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppendynamik https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4t