Greenwashing – Ist das noch faire Werbung?

Um diese Fragestellung beantworten zu können, muss zu allererst geklärt werden, was man unter Greenwashing genau versteht.

Greenwashing bezeichnet eine Strategie, mit der sich Akteure durch die gezielte Verbreitung von Desinformationen ein Image ökologischer Verantwortung zu verschaffen suchen. Hierbei muss aber angefügt werden, dass Desinformationen nicht immer Unwahrheiten sind, sondern auch „nur“ das Verdrängen der schlechten Seiten des Produkts durch besonderes Hervorheben der guten Seiten sein kann.

Greenpeace hat hierfür 4 Kriterien definiert:

  1. Wenn das Kerngeschäft an sich schon umweltschädlich ist (zum Beispiel Kreuzfahrten und die Kohle oder Mineralöl-Industrie)
  2. Wenn mehr Geld für Werbung als für den Umweltschutz ausgegeben wird
  3. Wenn Lobbyarbeit betrieben wird, um den Umweltschutz zu umgehen. Also mit der rechten Hand Umweltschutz vorgaukeln und gleichzeitig die Politik für das Gegenteil zu beeinflussen
  4. Wenn mit Selbstverständlichkeit geworben wird. Bsp.: Ein Unternehmen wirbt damit, dass es ab 2021 keine Plastikstohhalme mehr verwendet, obwohl dies sowieso gesetzlich verboten ist.

Aber warum betreiben Unternehmen den Aufwand des Greenwashings?

Dadurch, dass Konsumenten zunehmend immer mehr auf umweltfreundliche und soziale Produkte achten, stehen die Unternehmen unter dem Druck, nachhaltig zu handeln, denn wenn sie dies nicht tun, sind sie bei weitem nicht mehr so wettbewerbsfähig. Hierbei kommt das Greenwashing ins Spiel, da es einfacher und günstiger ist ihr Image dadurch zu verbessern, als das eigene Geschäftsmodell zu verändern. Das heißt Unternehmen schmücken sich mit vermeintlich grünen Auszeichnungen, um somit von den wahren Problemen abzulenken. Beispiele für Unternehmen, die Greenwashing betreiben sind H&M, Nestle, McDonald´s, Primark oder Amazon.

Doch wie kann es sein, dass Greenwashing in Deutschland überhaupt möglich ist?

Das Problem am Greenwashing ist, dass die Strategien sehr schwer zu durchschauen sind. Deswegen ist es oft nicht eindeutig erkennbar, wenn Greenwashing betrieben wird. Während Greenwashing zwar eine Form der Verbrauchertäuschung ist, aber grundsätzlich nicht illegal ist, zählt eine Lüge als unlauterer Wettbewerb und ist verboten. Als Folge muss die irreführende Werbung unterlassen werden und die Unternehmen werden zu einer Schadensersatzzahlung verpflichtet.

(Bild entfernt, Quelle fehlte)

Zudem hat das Wort „natürlich“ rechtlich gesehen keine Definition; somit ist es sehr einfach für Firmen, das Wort zu benutzen, ohne irgendetwas nachweisen zu müssen. Neben einer Vielzahl von offiziellen Siegeln mit entsprechenden Vorgaben und Überprüfungen, gibt es inzwischen auch Unternehmen, die sich eigene Siegelausdenken. Das ist nicht verboten, hinterlässt aber keinen guten Eindruck bei den Konsumenten, vorausgesetzt sie merken es. Verboten ist auf jeden Fall die Nutzung von Gewährleistungsmarken bzw. Gütesiegeln ohne die entsprechende Genehmigung.

Durch die Umsetzung der EU-Richtlinie 2019/2161 (geplant bis November 2021) sind dann bei grenzüberschreitender irreführender Werbung mit den sogenannten „green claims“ auch hohe Bußgelder möglich. Zudem bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher nun eigene Rechtsbehelfe und können selbst Rechte wie zum Beispiel Schadensersatz gegen Unternehmen durchsetzen.

Ein Unternehmen darf nicht für Produkte mit „besonders umweltfreundlich oder sozialverträglich“ werben, wenn es diese Begriffe nicht auch erläutert, urteilte das Landgericht Köln.

Für uns Verbraucher bedeutet das nun, dass wir uns nicht mehr sicher sein können, ob das Produkt wirklich so umweltfreundlich ist, wie es angepriesen wird, denn selbst informierte Kunden überfordern teilweise die Flut an Öko-Siegeln. Bei der Fülle an Produkten und Dienstleistungen ist es für den Konsumenten also sehr schwierig, zu beurteilen, wie nachhaltig diese tatsächlich sind.

Wie kann man persönlich nun Greenwashing-Produkte vermeiden?

Ab und zu kann man schon durch die Anpreisung erkennen, ob es sich um Greenwashing handelt oder nicht. Werden viele Behauptungen, ohne Begründung aber vielen Fremdbegriffen aufgestellt, weißt es auf Greenwashing hin. Grundsätzlich ist also ein kritischer Umgang mit Werbung wichtig. Bspw. kann auf manchen Produkten Slogans wie „baumwollweiches Gefühl“ stehen, ohne dass auch Baumwolle enthalten sein muss. Also nicht von schwammigen Begriffen überzeugen lassen! Natürlich ist die kritische Hinterfragung das A und O hierbei. Als Hilfestellung gibt es einige Apps und Websiten wie z.B. die EWG’s Skin Deep App (EWG Skin Deep® Cosmetics Database), der Ethik.Guide (https://ethikguide.org/einkaufsfuehrer/ ) oder die nabu-App (https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/bio-fair-regional/labels/16627.html). Oftmals können schon „rustikale“ Verpackungen oder Markennamen zur Täuschung führen. Eine hilfreiche Seite zur Enttarnung von fake Siegeln ist: https://www.siegel-klarheit.de/

Wenn einem nun Greenwashing auffällt, gibt es die Möglichkeit den Verdacht bei der Verbraucherzentrale zu melden. Es gibt auch eine jährliche Fashion Revolution Week, bei denen viele Menschen die Fast Fashion Konzerne dazu aufrufen, mehr Transparenz zu zeigen.

Meiner Meinung nach sollten die Unternehmen eben zu mehr Transparenz gezwungen werden, denn wenn man als Konsument schon vorhat, nahhaltige Produkte zu kaufen, sollte man sich nicht noch ewig vorher informieren müssen. Deshalb würde ich es mir auch wünschen, dass eigens erstellte Öko-Siegel verboten werden, da ich es als Verbrauchertäuschung ansehe. Denn wenn ich bereit bin mehr Geld für nachhaltige Produkte auszugeben, sollten es auch wirklich nachhaltige Produkte sein. Um auf die Fragestellung zurückzukommen, würde ich auf jeden Fall sagen, dass die Werbung nicht fair ist, da sie die Unternehmen im Wettbewerb weiter nach vorne bringt und das teilweise auch noch mit Unwahrheiten. Das bedeutet, dass Unternehmen, die wirklich nachhaltig wirtschaften im Grunde kaum eine Chance gegen die Greenwashing-Firmen haben, da diese hierfür mehr Richtlinien einhalten müssen, um sich nachhaltig zu nennen, was mehr Aufwand und somit mehr benötigtes Geld bedeutet.

Wie seht ihr das Ganze? Findet ihr auch, dass die Regelungen verschärft werden sollten oder sind sie ausreichend? Habt ihr noch weitere nützliche und hilfreiche Webseiten oder Apps?

Zum Schluss noch ein kleines Video zu false advertising: https://youtu.be/AftZshnP8fs

Quellen:

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/darum-ist-greenwashing-ein-problem/

https://nachhaltige-deals.de/nachhaltiger-leben/greenwashing-beispiele/#:~:text=Feiner%20Unterschied%3A%20W%C3%A4hrend%20Greenwashing%20zwar%20eine%20Form%20der,Beispiel%3A%20Bio%20drauf%20schreiben%20obwohl%20aus%20konventioneller%20Landwirtschaft.

Wer sollte über das Leben eines todkranken Kindes entscheiden?

(Sü: Bild entfernt, Urheberrechtsverstoß!!! Bitte gründlicher nachlesen!)

Erst vor kurzem stand ein Artikel über ein todkrankes Mädchen in der Zeitung. Ihr Name ist Pippa, sie ist 5 Jahre alt und lebt in Großbritannien. Sie leidet an einer akuten nekrotisierenden Enzephalopathie. Enzephalopathie ist ein Sammelbegriff für krankhafte Zustände des Gehirns. Auslöser war eine schwere Grippeerkrankung. Seit Januar 2019 liegt sie in einer Art Wachkoma und muss künstlich beatmet werden. Die Ärzte wollen nun nach fast zwei Jahren die lebenserhaltenden Maßnahmen einstellen, da sie sich sicher sind, dass die Hirnschäden irreparabel sind und keine Besserung des Zustandes mehr eintreten könne. Pippa könne kein Vergnügen mehr spüren, weshalb es für sie nutzlos wäre, weiter künstlich am Leben erhalten zu werden.

Doch ab wann ist ein Leben „nutzlos“ oder „sinnlos“? Wann kann man ein Leben als „lebenswert“ bezeichnen? Und vor allem wer entscheidet über diese Frage? Ich persönlich finde, dass es für diese Fragen nicht wirklich eine eindeutige Antwort gibt. Einige sind davon überzeugt, dass Behinderte kein lebenswertes Leben führen können, bzw. der Pflegeaufwand nicht im Verhältnis zur Lebensfreude des Individuum steht. Dies zeigt sich am Beispiel der Fruchtwasseruntersuchung, bei der der Fötus auf Trisomie-21 getestet wird und einige Eltern sich dann nach einem positiven Ergebnis oftmals für eine Abtreibung entscheiden. Andere finden es hingegen noch nicht sinnlos, wenn jemand schon jahrelang im Koma liegt, da immer noch ein Funken Hoffnung in den Angehörigen steckt. Ich finde, wenn man sich nur noch quält und auch keine positiven Emotionen mehr spüren kann, ist das Leben nicht mehr sehr lebenswert. Sind es nicht die Emotionen, die unser Leben prägen? Aber ich denke kein Außenstehender kann die Frage beantworten, ab wann ein Leben eines anderen Menschen nicht mehr lebenswert ist. Die Entscheidung für sich selbst zu treffen, ist etwas anderes, als die Entscheidung für eine andere Person zu übernehmen, da ich mir einfach nicht vorstellen kann, diese Verantwortung zu übernehmen. Ich denke weder Ärzte, noch Eltern, noch Gott oder sonst wer, kann das wirklich entscheiden, denn es gibt immer pro und contra Seiten bei so einer unumkehrbaren Entscheidung.

Die Mutter hat 2017 schon ihren Mann verloren. Nun will sie wenigstens für das Leben ihrer Tochter kämpfen und zieht deshalb vor Gericht. Ihr größter Wunsch ist es, dass Pippa wieder zu ihr nach Hause kann: „Wenn es eine Möglichkeit für sie gibt, nach Hause zu kommen, dann ist es das, was Gott wollen würde.“  Um das zu ermöglichen, wären ein Luftröhrenschnitt und ein mobiles Beatmungsgerät notwendig. Ihre Hoffnung besteht darin, dass es in Zukunft neue Erkenntnisse in der Medizin geben könnte, die Pippa helfen würden.

Mich hat an diesem Artikel am meisten verwundert, dass die Ärzte in Eigenverantwortung die Geräte abstellen wollen und die Mutter deshalb vor Gericht zieht muss, um dies zu verhindern. In Deutschland wäre das nicht möglich gewesen, denn wir haben gelernt, mit schwer behinderten Patienten anders umzugehen. Bei uns entscheiden die Eltern oder Angehörige eines todkranken Kindes, ob es weiter am Leben bleiben soll oder nicht. Im Fall von Erwachsenen können dies auch Personen sein, die vom Patienten eine Generalvollmacht erhalten haben. In Großbritannien sieht das anders aus: In der Regel sind es die Mediziner, die entscheiden, was für das Wohl des Kindes am besten sei. Sie sind also davon überzeugt, dass sie besser entscheiden können, als die Eltern, was für das Kind am besten ist.

Zwar beraten die Ärzte in Deutschland die Eltern, jedoch können sie nicht ohne deren Zustimmung die Geräte abschalten. Es wird vermutet, dass hinter den Entscheidungskriterien der Ärzte nicht nur ethische Gesichtspunkte erörtert werden, sondern auch Fragen zur Kostenübernahme der lebenserhaltenen Maßnahmen, oder inwieweit die limitierten Ressourcen im Krankenhaus zur Entscheidungsfindung beitragen.

Eine klassische Krankenversicherung gibt es in England nicht. Das Gesundheitssystem wird vom NHS (nationalen Gesundheitssystem) organisiert. Dadurch hat jeder Bürger freien Zugang zu medizinischer Versorgung. Jedoch ist nicht genau definiert, welche Leistungen die Versicherungen wirklich übernehmen, es heißt nur, dass „Leistungen in dem Ausmaß zur Verfügung gestellt werden sollen, wie es erforderlich ist, um alle begründeten Anforderungen zu befriedigen“. Es ist also nicht mit der gesetzlichen Krankenkasse zu vergleichen, die wir in Deutschland haben. Hier ist es so, dass jeder Mensch krankenversichert sein muss. Dabei hängen die Beiträge vom Einkommen und von der Versicherung ab.

In Großbritannien übernimmt im Normalfall die Krankenkasse die Bezahlung der lebenserhaltenden Maßnahmen. Jedoch ist dies nicht zwingend immer so, es hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab und der Genesungschance, die der Patient hat. Seit 2018 wurde beschlossen, dass sich bei Einigung zwischen Ärzten und Eltern, die Maßnahmen ohne Gerichtsbeschluss eingestellt werden dürfen. Sollte es nicht zur Einstimmigkeit kommen, müssen weiterhin die Gerichte darüber entscheiden. Vor diesem Beschluss durfte man nicht ohne richterliche Erlaubnis die Geräte abschalten. In Deutschland können Eltern von einem Gericht nur entmündigt werden, wenn sie ihrem Kind absichtlich Schaden zufügen wollen. Doch was passiert, wenn die Eltern die Behandlung, z.B. aus religiösen Gründen untersagen, obwohl ihr Kind eine Chance auf Heilung oder Besserung hätte? Dürften die Ärzte dann trotzdem das Kind behandeln? Wie das offiziell geregelt ist, ist mir nicht bekannt, doch ich denke mir, dass es in Deutschland den Ärzten dann untersagt ist, das Kind zu behandeln, zumindest wenn die Eltern ihrem Kind keinen eindeutigen Schaden zufügen wollen. Ich finde, dass ein Kind, vor allem wenn es die Chance auf eine Genesung hat, die Behandlung bekommen sollte, auch wenn die Eltern dagegen sind. Denn jeder hat ein Recht darauf zu leben.

Letztendlich stellt sich nun die Frage, wem eher die Entscheidung über Leben oder Tod des Kindes zustehen würde – den Eltern oder den Ärzten?

Im Gegensatz zu Großbritannien, dürfen Ärzte in Deutschland ohne Einwilligung der Eltern, die lebenserhaltenden Geräte nicht abstellen. Ich finde das gut so, denn die Eltern haben schließlich das Sorgerecht, also sollten sie auch entscheiden dürfen, wie lange ihr Kind behandelt wird. Es sollte das Recht aller Eltern sein, selber entscheiden zu können, was sie für richtig halten.

Bei einer gemeinsam getroffenen Entscheidung von Ärzten und Eltern die Geräte abzustellen, werden Eltern vermutlich eher damit klar kommen und ihren Frieden finden, als wenn fremde Ärzte das ohne ihre Einwilligung beschließen. Es wird dann sicherlich viele Eltern geben, denen es zwar bewusst ist, dass es keinen Sinn mehr hat die Geräte weiter laufen zu lassen, sie jedoch darauf bestehen, weil sie es nicht schaffen loszulassen.

Würden nur Ärzte entscheiden, wäre dies vermutlich eher eine Kosten/Nutzen-Entscheidung, als eine ethische ,da sie nicht den emotionalen und familiären Bezug zu dem Kind haben und ihnen deshalb das Abschalten der Geräte weniger ausmachen würde, als den Eltern. Nur ist es für jeden schwer vorstellbar, dass jemand anderes darüber entscheidet, ob das eigene Kind weiter am Leben gehalten wird oder nicht.

Ich denke dass es das Beste wäre, wenn Ärzte die Eltern beraten und auch Entscheidungsvorschläge darlegen, aber schlussendlich trotzdem die Eltern entscheiden dürfen, ob die Geräte an bleiben oder nicht. Durch das Gespräch kann den Eltern, denen der Abschied schwer fällt, bewusst gemacht werden, dass es z.B. eher eine Qual oder aussichtslos für das Kind ist. Vielleicht würde ihnen das doch die Augen öffnen und sie sehen ein, dass es besser für das Kind ist, die lebensverlängernden Maßnahmen zu beenden. Ist dies nicht der Fall und die Eltern sehen es nicht ein, ihr Kind gehen zu lassen, sollte diese Entscheidung ebenfalls akzeptiert und respektiert werden. Denn für keinen ist der Abschied leicht und ich finde, wenn die Möglichkeit besteht auf eine Besserung zu hoffen, sollte man dies auch tun dürfen, egal wie sinnlos es die Ärzte fänden.

Wenn ihr nun in der Lage der Mutter wärt, wie würdet ihr euch entscheiden? Würdet ihr auch für die weitere Behandlung kämpfen oder die Entscheidung der Ärzte hinnehmen? Kann man ein Menschenleben mit einer Kosten/Nutzen-Rechnung beurteilen? Wer darf sich überhaupt anmaßen über Leben und Tod eines anderen Menschen zu entscheiden?

Hier noch ein Video mit Beweggründen von Seiten der Mutter und den Ärzten, sowie ihre Geschichte.

Quellen:

London: Gericht soll entscheiden, ob schwerkranke Pippa (5) leben darf (rtl.de)

Großbritannien: Leben oder sterben lassen? Warum ein Gericht in London über das Schicksal der kleinen Pippa entscheidet | SÜDKURIER Online (suedkurier.de)

Abbruch der lebenserhaltenden Maßnahmen ohne Gerichts-Plazet möglich (aerztezeitung.de)

Mädchen (5): Gericht muss über Leben oder Tod entscheiden | Wunderweib

Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 23.10.2020

  • Thema: Freiheit -> Psychologie
  • Gymnasium Gerabronn, Raum 2204 von 11:25 bis 13:00 Uhr
  • Referentin: Frau Straub
  • Anwesende: 15 von 16 Schüler*innen
  • Gliederung der Stunde:
  • Vorstellung Portfolio „Unser Boden – welchen Einfluss hat unsere Konsumgesellschaft auf ihn?
  • Trailer „Die Welle“
  • Trailer „Das Milgram-Experiment“
  • Arbeitsauftrag

Am Anfang der Stunde wurde mit der Vorstellung eines Portfolios begonnen. Darin wurde das Problem der Ausbeutung des Bodens thematisiert.

Der Mensch braucht den Boden zum Nahrungsanbau. Mittlerweile hat sich die Landwirtschaft an den hohen Konsum angepasst, jedoch ist der Boden schon so ausgelaugt, dass es kaum noch Erträge ohne Zusatzmittel gibt. Das liegt daran, dass der Boden überbeansprucht wurde, besonders die Monokultur, fügt ihm großen Schaden zu. Der Botaniker George Washington Carver wusste schon Ende des 19 Jhd. was der Boden braucht: Ruhe. Dadurch sollte der Boden wieder ertragsfähiger werden.

Die derzeitige einseitige Bebauung des Bodens ist ein Teufelskreis: Um genügend Ertrag zu erwirtschaften, benutzen die Bauern Dünger. Dadurch wird zwar der Ertrag für dieses Jahr erhöht, jedoch nicht für das nächste. Da wird es dann so aussehen, dass der Boden noch weniger Nährstoffe zu Verfügung hat, dadurch müssen die Bauern mehr Dünger benutzen. Und so geht das immer weiter. Aus diesem Teufelskreis kommen wir nur raus, wenn wir unseren Konsum deutlich verringern und die Bauern dem Boden Zeit geben, damit er sich erholen kann. Dazu kann man während der Ruhezeit gewisse Gründüngungspflanzen, die den Boden nachhaltig wieder mit Nährstoffen versorgen. Jedoch ist das für die herkömmlichen Bauern schwer umzusetzen, da mit den Lebensmitteln gehandelt wird. Das bedeutet, dass es keinen vorgeschriebenen Preis für die einzelnen Produkte gibt und wenn z.B. ein Großbauer seine Produkte billig verkauft, hat der Kleinbauer so gut wie keine Chance mehr, seine Waren zu einem „normalen“ Preis zu verkaufen. Das führt wiederum dazu, dass er den Boden durchgehend bewirtschaften muss, um schlussendlich ausreichend Geld zu verdienen.  Das heißt für ihn ist es gar nicht möglich, dem Boden die nötige Ruhe zu geben.

Für uns bedeutet das, dass wenn wir weiterhin genügend zu essen haben möchten, müssen wir dringend unseren Konsum überdenken und am besten die Lebensmittel nicht nur im Supermarkt kaufen, sondern auch mal direkt beim Bauern einzukaufen.

Als Leitfrage hatten wir: „Wie ist meine Psyche vorprogrammiert, dass ich nicht frei handel?“

Dazu haben wir uns den Trailer „Die Welle“ angeschaut. In dem Film geht es darum, dass um das Jahr 1967 in den USA die Schüler davon überzeugt sind, dass das, was in Deutschland mit der Diktatur passiert ist, ihnen nicht passieren kann. Der Lehrer nimmt es sich als Aufgabe, sie von dem Gegenteil zu überzeugen, indem er eine Gruppe „Die Welle“ gründet, mit ihm als Anführer. Die meisten sind zwar am Anfang etwas skeptisch, aber nach und nach schließen sich immer mehr Schüler an. Sie sind überzeugt von ihrem Handeln und meinen, dass sie Privilegien haben. Die, die nicht zu der Gruppe gehören wollen, schließen sie aus. Letztendlich artet es aber so aus, dass die Jugendlichen gewalttätig werden. Während eines Streits schlägt z.B. auf einmal einer der Mitglieder von „der Welle“ seine Freundin.

Danach haben wir den Trailer von dem Film „Das Milgram-Experiment“ angeschaut. Dieses psychologische Experiment wurde erstmals 1961 durchgeführt. Hierbei wurde eine zufällige Person aus der Bevölkerung ausgewählt. Sie bekam von Versuchsleitern Anweisungen. Und zwar sollte sie einem angeblichen „Schüler“ für jeden Fehler, den er machte, Stromschläge verpassen, die mit jedem Fehler verstärkt wurden. Zwar war der Schüler ein Schauspieler, der nur so tat, als würde er die Stromschläge bekommen, doch das wusste die ausgewählte Person nicht. Während des Experiments hat der Schüler teilweise sogar die Person angefleht aufzuhören. Da aber der Versuchsleiter gesagt hat, dass die Person weiter machen soll, hat sie das auch gemacht. Sogar bis zu 450V, obwohl der Schüler ab dieser Spannung gestorben wäre, wenn die Stromschläge echt gewesen wären. Fast alle Personen haben sozusagen riskiert, dass der Schüler unter den Stromschlägen stirbt und das nur, weil ihnen jemand die Anweisung gegeben hat, weiter zu machen. Waren sich die Anführer uneinig, haben die Testpersonen eher den Versuch abgebrochen, als wenn sich die Anführer einig waren.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Filme liegen darin, dass es einen Anführer, also eine sogenannte Autorität gibt und alle Befehle, die sie erteilt, befolgt werden, ohne, dass darüber nachgedacht wird. Die Menschen lassen sich also sehr leicht beeinflussen und passen sich den Forderungen an. Sobald der Anführer Befehle gibt, schaltet der Verstand bei vielen Menschen aus und sie gehorchen blind. Das heißt, ihre Moral wird so beeinflusst, dass sie gar nicht mehr wirklich wissen, was sie gerade tun und welche Konsequenzen daraus entstehen können. Besonders bei dem Film „Die Welle“ ist der Gruppenzwang einer der Hauptgründe, weshalb das überhaupt funktioniert hat. Je mehr Anhänger eine Gruppe besitzt, desto mehr wird das Verhalten des Einzelnen von dieser beeinflusst. Man ist also nicht mehr fähig alleine zu entscheiden, geschweige denn, die Entscheidungen zu treffen, die man als Individuum für richtig gehalten hätte. Somit ist Gruppenzwang auch eine Art Unfreiheit, da das eigene Denken und Handeln sehr stark eingeschränkt wird. Ein Funfact: ca. 2/3 der Bevölkerung haben unbedingten Gehorsam. Das bedeutet, wenn man ihnen eine Aufgabe erteilt, dies auch entsprechend ausgeführt wird, ohne darüber nachzudenken. Dieser Personenkreis denkt, dass die Autoritätsperson (immer) Recht hat und schon die richtigen Entscheidungen treffen wird. Sie denken nicht selbst darüber nach, ob das überhaupt Sinn macht, sondern lassen sich einfach von dem leiten, was der Anführer sagt. Jeder Einzelne ist in diesem Moment davon überzeugt, dass er/ sie das Richtige tut. Oftmals kann man sich nicht einmal selbst erklären, warum genau man das jetzt macht, aber man macht es einfach.

Gruppendynamik muss nicht immer so ausgeprägt sein, wie in dem Film, es reicht schon, wenn man z.B. die gleiche Verkleidung oder Uniform trägt. Allein das löst schon etwas im Menschen aus. Beispielsweise trägt im Kampfsport jeder die selbe Kleidung , wodurch eine Gemeinsamkeit, wie auch eine zu „spielende“ Rolle suggeriert wird. Aus diesem Grunde nimmt man oftmals schon unbewusst eine aufrechtere Haltung ein oder auch einen anderen Gesichtsausdruck an. Im Grunde kann jeder selbst für sich entscheiden, ob er dieser Gruppe zugehörig sein möchte. Die Alternative wäre dann, dass man alleine ist, aber die wenigsten Menschen diesen Zustand mögen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie weit gehe ich, um mich der Gesellschaft oder Gruppe anzupassen und ab wann denke ich selber? Ich finde diese Frage sollte sich jeder individuell beantworten. Doch sobald man in einer Gruppe ist, die Dinge macht, die man alleine nicht machen würde, fände ich es sinnvoller darüber nachzudenken, ob man wirklich in der Gruppe bleiben will.

FreiheitMoralLat. „moralis“ = „die Sitte betreffend“; Eine Sitte ist eine menschliche Umgangs- bzw. Verhaltensform
 GruppenzwangBeeinflusst die Verhaltensweisen innerhalb einer Gruppe und bewirkt eine Anpassung des Verhaltens an die Gruppennormen
 GruppendynamikEin Phänomen, das bei wiederholter sozialer Interaktion im persönlichen Kontakt in Gruppen von Menschen auftritt
 Unbedingter GehorsamMenschen handeln genauso, wie ihnen gesagt wird und denken nicht darüber nach, warum und was sie tun
 AutoritätAnsehen, das einer Person zugeschrieben wird und bewirken kann, dass sich andere Menschen in ihrem Denken und Handeln nach ihr richten

Diese Tabelle sollte vom nächsten Protokollanten weiter geführt werden.

In der zweiten Stunde haben wir einen Arbeitsauftrag bekommen: In einer (Experten-)Gruppe von drei Schüler*innen wurden drei Themen zur Auswahl gestellt. Jeder aus der Gruppe sollte ein anderes Thema übernehmen. Zur Auswahl standen psychologische Experiment von verschiedenen Personen: Sigmund Freud, Alfred Adler und Pawlow und Skinner. Nun sollte man sich in der Gruppe von Menschen zusammenfinden, die dasselbe Thema haben, um die Aufgaben zu bearbeiten. Die Ergebnisse werden nächste Stunde und somit vom nächsten Protokollant zusammengefasst.

Gute Quellen für die Zusammenfassung und Trailer der Filme und der Definitionen aus der Tabelle:

Die Welle:          

https://www.moviemaster.de/filme/film_die-welle-2008.htm

Das Milgram-Experiment:          

https://www.philoclopedia.de/2016/03/03/milgram-experiment/

Definitionen:

https://www.wasistwas.de/archiv-geschichte-details/die-frage-der-woche-was-ist-moral.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenzwang

https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppendynamik https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4t