Ist es moralisch vertretbar, dass in Zeiten der Corona-Pandemie Zuschauer bei der Fußball-Europameisterschaft zugelassen werden?

„Knapp 2000 Corona-Fälle in Schottland lassen sich nach offiziellen Angaben in Verbindung mit Spielen der Fußball-Europameisterschaft bringen. Zwei Drittel von 1991 positiv Getesteten seien Fans, die entgegen der Ratschläge aus dem Norden zu Spielen nach London gereist seien, wie die Gesundheitsbehörde Public Health Scotland am Mittwoch mitteilte. Am 18. Juni hatten die Schotten in London gegen England gespielt. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, wurden für das Spiel 2600 von insgesamt 22.500 Tickets an schottische Fans verkauft. 15 Prozent, also knapp 400 schottische Fans seien infiziert im Stadion gewesen, während Tausende weitere Fans in der Innenstadt Straßen und Plätze bevölkerten.“

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-faelle-in-schottland-nach-em-spielen-17416812.html

Diese und ähnliche Schlagzeilen gingen die letzten Tage um die Welt. Nicht nur Schottland veröffentlicht erneut steigende Zahlen, auch Finnland und weitere Länder meldeten neue Corona-Fälle, die in Verbindung mit der Europameisterschaft stehen. Dies ist ein weiterer Rückschlag im Kampf gegen das Corona-Virus. Daher muss man sich die Frage stellen, ob die Zulassung von Zuschauern bei dem europaweiten Turnier im Kontext der aktuellen Lage moralisch vertretbar ist.

Im ersten Moment könnte man zu dem Urteil gelangen, dass die Genehmigung von tausenden Zuschauern, die aus ganz Europa zusammenkommen, während der Pandemie verantwortungslos und unmoralisch sei. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass Zuschauer von Land zu Land fliegen und dabei das potentiell mitgebrachte Corona-Virus übertragen, während man doch gleichzeitig überall versucht die Ausbreitung des Virus mit allen möglichen Einschränkungen in der Zivilgesellschaft einzudämmen. Hier könnte mein Blogbeitrag bereits sein Ende finden, doch meiner Meinung nach kann man die Antwort auf diese Frage nicht so vereinfachen. Es müssen weitere Aspekte und Hintergründe miteinbezogen werden, auf welche ich im Folgenden eingehe.

EM als Lichtblick

 EM 2020 – ausgefallen bzw. verschoben aufgrund des Corona-Virus! Diese Nachricht war nicht nur für große Fußballfans schwer zu verkraften. Sowohl die EM als auch die WM sind Turniere, die viele Menschen aus ganz verschiedenen Ländern verbindet. Es kommt eine Stimmung auf, die sogar Menschen, die nicht an Fußball interessiert sind, die Spiele verfolgen lässt. Den ein oder anderen veranlasst es sogar, ein Stadion zu besuchen, um seine Heimatmannschaft anzufeuern. Umso mehr ist die nachgeholte Europameisterschaft in diesem Sommer eine Art „Lichtblick zur Normalität“. Ich selbst kann als ehemalige Fußballspielerin und Fußballfan aus eigener Erfahrung sprechen. Gemeinsam mit Freunden und Familie die deutsche Nationalmannschaft anzufeuern, mitzufiebern, zusammen zu feiern, das gab mir ein Stück Freiheit- und Sommergefühle zurück. Vor allem, wenn man sich von den tosenden Zuschauermengen im Hintergrund wieder anstecken lassen kann und nicht die Anweisungen der Trainer an die Spieler die einzige Geräuschkulisse ist. Eine halbwegs normal ablaufende Europameisterschaft mit Zuschauern, kleineren Public Viewings etc. gibt einem ein bisschen Normalität und Stabilität zurück in dieser abnormalen Pandemiezeit.

Aber nicht nur der persönliche und soziale Bereich ist zu beachten, sondern auch der wirtschaftliche Aspekt spielt eine Rolle. Eine so große internationale Veranstaltung ist ein enormer ökonomischer Faktor, auf den viele Branchen setzen. Beginnend bei den Ticketverkäufen, allerlei Textilwaren, verschiedensten Lebensmitteln mit EM-Marketing, Fanartikeln, über die Gastronomie bis hin zum Turnierausrichter „UEFA“ verdienen sehr viele Unternehmen an so einem Event. Wenn die EM nur eingeschränkt zugelassen werden würde, ginge dies mit großen Einkommensverlusten einher. Da die Europameisterschaft nun aber weitestgehend wie gewohnt abläuft, machen auch alle mitwirkenden Branchen einen entsprechenden Umsatz.

Chance als Experiment

Die Organisatoren hätten bei so einem wichtigen und einflussreichen Vertreter der Großveranstaltungsbranche ein Vorbild sein und vernünftige, klar definierte, einheitliche Vorgaben ausarbeiten können. Dies hätte als Großversuch für andere Events dienen können. Es gab bereits Testveranstaltungen, die mit sinnvollen Hygienekonzepten gut funktioniert haben. Zum Beispiel wurden große Musikfestivals in den Niederlanden ausgetragen, die einem klar strukturierten Konzept folgten wodurch es kaum zur Verbreitung von Covid-19 kam. Genau so eine Art Experiment hätte die Europameisterschaft auch sein können. Doch leider wurde diese Chance von der UEFA verpasst. Stattdessen wurde den Ländern die Erarbeitung eigener Hygienestandards überlassen, nach der Devise „Legt ein Konzept fest dessen Konsequenzen ihr verantworten könnt“. Das Problem ist, dass es dabei um den Schutz der Bevölkerung geht und diese Herangehensweise daher verantwortungslos ist. Die Europameisterschaft hat, sowohl bei gutem, als auch bei schlechtem Ausgang, Auswirkungen auf alle anderen Großveranstaltungen. Im Gegensatz zur UEFA können es sich jedoch die meisten Veranstalter nicht leisten einen weiteren Sommer ohne das Austragen ihrer Events durchzustehen. Die durchaus wahrscheinliche Konsequenz der EM ist, dass sich die hochansteckende Delta-Variante immer weiter ausbreitet, was sich wiederum fatal auf die ganze Welt auswirken würde. Die gerade sinkenden Fallzahlen würden wieder sprunghaft ansteigen und die allmählig gelockerten Maßnahmen würden sofort wieder verschärft werden. Ab dem Punkt muss man sich fragen, welchen Stellenwert Fußball wirklich einnimmt. Ist dieser Sport so viel wichtiger als andere Bereiche der Kultur, Bildung, Existenzen und Gesundheit? Oder um es überspitzt aber dennoch prägnant auszudrücken: „Wie viele Zuschauer im Stadion sind der UEFA ein Menschenleben wert?“. Darauf gehe ich später noch einmal ein.                                                

Keine einheitlichen Regelungen

Wie schon im vorherigen Abschnitt angeschnitten, gibt es ein Problem mit der gesamten Thematik „einheitliche Regelungen“. Es ist kein länderübergreifendes einheitliches Hygienekonzept vorhanden, welches verbindlich für alle Austragungsorte gilt. Während in Glasgow und Baku beispielsweise keine Testpflicht besteht, muss in Amsterdam ein negativer Test vorgelegt werden. In Bukarest dagegen wird nur von ungeimpften ein Test verlangt. Die Problematik hierbei ist, dass nicht alle Impfstoffe überall gleich zugelassen sind. Zum Beispiel der Impfstoff Sputnik-V ist in der EU aufgrund von mangelhafter wissenschaftlicher Fundierung nicht zugelassen, in Ungarn jedoch schon. So muss man sich doch fragen, inwiefern man sich auf die Regelungen verlassen kann, wenn sie so unterschiedlich sind. Auch die Inzidenz-Werte werden bei diesen Maßnahmen völlig außer Acht gelassen. Jedes Land beschließt sein Konzept einfach nach eigenem Ermessen. Jedoch wurde die Option Spiele, aufgrund der Ansteckungsgefahr, unter Ausschluss der Zuschauer durchzuführen von der UEFA kategorisch ausgeschlossen. Dadurch wurden Städte wie Dublin und Bilbao, die keine Spiele vor Zuschauern garantieren konnten, als Austragungsstätte gestrichen. Diese Maßnahme übt auf andere europäische Städte einen großen Druck aus. Wenn diese in ihren Stadien keine Zuschauer garantieren, werden diese einfach nicht als Austragungsorte zugelassen. Aus diesem Grund entstanden Spiele, wie in Budapest mit maximaler Auslastung von 61.000 Zuschauer, zwar mit verpflichtendem Covid-Test oder Impfnachweis, aber ganz ohne Maske.

Frage der Solidarität

Nun zum letzten, aber wichtigsten Aspekt, der zuvor schon angeklungen ist. Die Frage nach der Solidarität. Hierzu ein Beispiel aus England: Der Flugzeugmechaniker Richard Morris musste, nachdem er sechs Monate in den Philippinen gearbeitet hatte, da er wegen Corona keine Arbeitsstelle in seiner Heimat gefunden hat, nach seiner Ankunft in England 10 Tage in Quarantäne. Er wurde in einem sehr heruntergekommenen Hotel untergebracht, was für ihn für 10 Tage 2000 Euro gekostet hat. Dagegen dürfen zeitgleich Fußball-VIPs ohne Quarantäne durchs Land reisen. Das klingt in meinen Ohren äußerst unsolidarisch und unfair. Morris muss aus Jobgründen reisen und muss sich in Quarantäne begeben, während König Fußball die Ausnahme sein darf. Viel gravierender sind jedoch die potentiellen Negativfolgen der reisenden Zuschauer. Folgende Hypothese habe ich bereits oben schon einmal kurz skizziert, aber nun gehe ich tiefer darauf ein. Durch mangelnde Maßnahmen verbreitet sich die Deltavariante schneller durch die Zuschauer in allen europäischen Ländern, was zu erneut verschärften Corona-Regeln, bzw. ein weiterer Lockdown. Wegen einigen wenigen, die für kurze Zeit Freiheit und Freude empfunden hatten, müssten dann viele zurück in Homeoffice, Homeschooling, Treffen würden verboten werden und Läden und Gastronomien müssten erneut schließen. Neben diesem ökonomischen und dem sozialen Aspekt kommt ein weit wichtigerer dazu, unsere Gesundheit bzw. unser Leben. Es ist nicht unbekannt, dass Covid- Erkrankungen sehr schwer und mit Langzeitfolgen verlaufen können oder sogar bis zum Tod führen. Mit den Fachbegriffen des Utilitarismus beschrieben; diese Handlung ist als unmoralisch zu bewerten, da sie das kurze Glück weniger, aber zugleich das langfristige Leid vieler beinhaltet.

Fazit

Nachdem ich mich nun intensiv mit dieser Frage beschäftigt habe, komme ich zu meinem persönlichen Fazit. Meiner Meinung nach ist es nicht generell unmoralisch, Zuschauer bei der Fußball-Europameisterschaft zuzulassen, wenn die Umsetzung den Umständen entsprechend stattfindet, was jedoch bei der EM dieses Jahr von der UEFA nicht verantwortungsvoll gehandhabt wird. Ich glaube die Frage sollte eher lauten, unter welchen Voraussetzungen es moralisch vertretbar ist, Zuschauer bei der Europameisterschaft zuzulassen und nicht im Generellen. Die Europameisterschaft hätte, wie oben schon erörtert, eine große Chance für zukünftige Großveranstaltungen sowie ein wirklicher Lichtblick in Richtung Normalität und mehr Freiheiten sein können. Nun jedoch stehen wir an einem Punkt, an dem Großveranstalter, Clubbesitzer und junge Menschen in England demonstrieren gehen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. Fußball hat definitiv einen wichtigen Stellenwert in Europa, doch es zwingt sich die Frage auf, ob es nicht zu sehr bevorzugt wird. Ist Fußball und die Freiheit der Fans wirklich wichtiger als die Gesundheit vieler?! Es ist eine schöne Sache Fußballspiele im Stadion anzuschauen, aber den Meisten ist das Risiko und der damit verbundene Preis im Kontext von Corona bewusst? Es kann sein, dass diese Europameisterschaft eine neue Corona-Welle erzeugt. Es kann auch sein, dass es nicht so ist, alles Spekulation. Wäre es aber nicht moralisch verwerflich, wenn hunderte Millionen Personen, die nach über einem Jahr Einschränkungen langsam in die Normalität zurückkehren, wieder Beschränkungen oder einen Lockdown ertragen müssen, nur weil ein paar tausend Zuschauer ausgelassen ein paar Fußballspiele zelebriert haben und temporär etwas Freiheit zurückbekommen haben. Meiner Meinung nach, widerspricht das völlig der Definition von Solidarität. Mir ist bewusst, dass sich das ziemlich pauschalisiert und heruntergebrochen anhört, aber wenn man es ganz rational betrachtet ist das der Fakt. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, kein Virologe, der die Folgen abschätzen kann, kein Fußballspieler, der die Unterstützung seiner Fans vielleicht benötigt. Ich kann nur aus meiner Perspektive als Schülerin sprechen. Es wäre sehr bedauerlich, wenn ein solches Event, was eigentlich eine positive Ausstrahlung und Hoffnung auf Normalität sein soll, der Grund für eine weitere Corona-Welle ist.

Was ist deine Meinung zu diesem Thema? 

Quellen

Allgemein: https://www.swr.de/wissen/fussball-em-mit-publikum-in-corona-zeiten-100.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-faelle-in-schottland-nach-em-spielen-17416812.html

Geltende Corona Regeln in den verschiedenen Stadien und Länder:

https://www.ispo.com/know-how/uefa-euro-2020-und-corona-diese-regeln-gelten-fuer-fans

https://ezeitung.swp.de/suedwestpresse/crailsheim/2021-07-03/2/-57852005.html

Ganz aktuell:

https://www.derstandard.at/story/2000127912729/die-uefa-wankt-von-einem-desaster-ins-naechste

Wäre es sinnvoll, Corona Geimpften Privilegien einzuräumen?

Am 27. Dezember sind die Corona-Impfungen deutschlandweit angelaufen. Durch den Start der Impfungen kam neben dem sowieso schon sehr umstrittenen Thema „Corona“, ein weiteres großes Diskussionsthema auf, nämlich ob Geimpfte in Zukunft Privilegien gegenüber Nichtgeimpften erhalten sollten. Gemeint damit sind beispielsweise gelockerte Ausgangsbeschränkungen, Reiselockerungen oder Vorteile im Job. Angeheizt wurde die Diskussion durch die Ankündigung der australischen Airline „Qantas“, ab dem Sommer nur noch Geimpfte auf speziellen Strecken zuzulassen. Um sich zu diesem Thema eine Meinung bilden zu können, ist es notwendig, diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. 

Zunächst einmal stellt sich die Frage, welche Vorteile diese Maßnahme im Zusammenhang mit Corona hätte? Ganz grundlegend ist natürlich, dass eine Impfung eine notwendige und wichtige Präventionsmaßnahme gegen das Virus ist. Ihr Einsatz hat in der Regel zwei Ziele: die Geimpften zu schützen (individuelle Gesundheit) und eine Herdenimmunität innerhalb der Bevölkerung aufzubauen (öffentliche Gesundheit), durch die dann wiederum Personen, die nicht geimpft werden können, geschützt werden. Im Idealfall verhindern Impfstoffe die Übertragung des Erregers, so dass dessen Ausbreitung innerhalb der Bevölkerung gestoppt wird. Man hat ja mit den bisherigen Maßnahmen nicht viel erreicht, zumindest nicht so viel wie nötig. Die Lockdowns haben der Wirtschaft enorm geschadet und es ist auf lange Sicht gesehen keine Dauerlösung, da man das öffentliche Leben ja nicht für immer auf Eis legen kann. Mit den verbundenen Privilegien einer Impfung würden also Leute belohnt werden, die helfen, durch eine Impfung gegen Corona anzukämpfen und zu schützen. Die Airline Qantas würde durch die geplante Maßnahme, nur noch Geimpfte zuzulassen, zu der Eindämmung des Virus beizutragen und damit sich als Airline, also die angestellten und die Passagiere schützen. Die Ansteckungsgefahr in Flugzeugen ist extrem hoch, weil Passagiere während eines Fluges nah beieinandersitzen und eine höhere Aerosolkonzentration an Board auftreten kann. Auch würde eine Impfpflicht der Passagiere verhindern, dass die Airline in potentielle schlechte Schlagzeilen, wegen einer Massenansteckung gerät oder noch schlimmer zu vorrübergehenden Streichung von Flugstrecken gezwungen sein würde, vorbeugen. Zusammengefasst ist es zum einen also eine Schutzmaßnahme, aber auch um größeren Imageschaden bzw. Wirtschaftsschaden vorzubeugen. Beides nachvollziehbare und gute Argumente für dieses Vorhaben. Aber was ist eigentlich der Grund, dass so eine Überlegung über eine Art Belohnungssystem für Impfungen überhaupt notwendig ist und sich nicht alle freiwillig gegen das gefährliche Virus impfen lassen wollen, um so schnellstmöglich wieder zum Normalzustand zu gelangen?

Es gibt viele verschiedene Ansichten, warum sich Menschen nicht impfen lassen wollen. Eine Begründung liegt im Misstrauen gegen die Pharmaindustrie im Allgemeinen bzw. gegen den Corona-Impfstoff explizit und dieser ist durchaus nachvollziehbar. Die renommierte Fachärztezeitschrift „Arzt & Karriere“ schrieb zu diesem Thema folgendes.                                                                                                                                                                                                                                                                              Einen wirksamen und sicheren Impfstoff gegen ein neues Virus herzustellen, ist ein langwieriger und aufwendiger Prozess. Im Schnitt kann man von der Erforschung bis zur Zulassung mit einem Zeitraum von circa zehn bis zwölf Jahren rechnen. Geht man zu Beginn der Forschung im Labor von 10.000 Kandidatensubstanzen aus (Screening Phase), gelangen aufgrund der hohen Anforderungen an die Qualität des Arzneimittels nur circa 250 davon in die präklinische Phase. Vielleicht fünf davon gehen in die klinische Entwicklung (Phase 1-3). Ist diese für einen Kandidaten erfolgreich, können die Daten für eine Zulassung bei den Gesundheitsbehörden eingereicht werden. Nach der erfolgreichen Zulassung durch die Behörden, darf ein Impfstoff verkauft werden. 1)

Der Prozess der Herstellung des Corona Impfstoffes ist vergleichen mit anderen Impfstoffen sehr kurz. Anstatt in zehn Jahren wird der Corona Impfstoff bereits nach einem Jahr angewandt. Daher ist Misstrauen gegen die Wirksamkeit und Sorge um mögliche unbekannte Nebenwirkungen gewissermaßen begründet. Zwar ergaben die Testergebnisse eine Wirksamkeit von etwa 95 Prozent,  prozentual ist das gesehen relativ hoch, aber trotzdem besteht eine fünf prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Impfung keine Wirkung zeigt.

Auch traten bei einigen geimpften Probanden kurzfristige Nebenwirkungen auf, wie Schwellungen oder Schmerzen an der Einstichstelle, Erschöpfungs- und Müdigkeitsanzeichen, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen, Fieber und Gelenkschmerzen. Hierbei ist aber zu beachten, dass diese Nebenwirkung weitverbreitet und allgemein oft bei allen möglichen Impfungen auftreten. Über langfristige Nebenwirkungen (durch das neue mRNA-Verfahren) ist bisher noch nichts bekannt, da sich diese erst in ein paar Jahren bemerkbar machen werden. Ebenfalles ist unklar, ob Menschen trotz Impfung den Virus weitergeben können.

https://www.bildderfrau.de/gesundheit/krankheiten/article230974538/Corona-Impfstoff-Nebenwirkungen-Biontech.html

Weitere Gründe, die bei Menschen gegen eine Impfung sprechen sind ganz aktuell die auftretenden Mutationen, bei denen nicht klar ist, ob die jetzige Impfung überhaupt etwas bringt, auch sind beispielsweise Glaubens- und Gewissensgründe, eine Nadelphobie oder aus gesundheitlichen Gründen, weil sie zum Beispiel allergisch auf die Impfung reagieren, ausschlaggebende Gründe gegen eine Impfung. Das ist jetzt nur ein oberflächlicher Einblick in die Gründe, nur um zu verstehen, warum diese Maßnahme im Raum steht.

Ausgehend von diesen Argumenten stellt sich die Frage, ob so eine Maßnahme dann nicht Diskriminierung gegenüber den ebengenannten Personen wäre. Wenn eine bestimmte Gruppe nämlich bevorzugt wird, wird automatisch eine andere Gruppe benachteiligt. In unserem Grundgesetz heißt es in Artikel 3 Ab.3. Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Hier wird sichtbar, dass sich in gewisser Weise zwei Komponenten gegenüberstehen: die Sicherheit der Bevölkerung und die Grundrechte des einzelnen.

Wichtig ist auch zu klären, ob die Privilegierung von Geimpften nicht eine versteckte Impfpflicht anpeilen würde und ob dann nicht ein Verstoß gegen das Grundgesetz vorliegen würde?

Anfang 2019 beschloss die Bundesregierung eine offizielle Impfpflicht gegen Masern. Bedeutet, dass jeder der öffentliche Einrichtungen besucht, sich gegen Masern impfen lassen oder eine Immunität nachweisen muss. Es ist also legitim vom Staat für alle beschlossen worden. (Einschub als Vergleichsbasis)

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/jede-impfung-zaehlt-1745266

Mal eine rein hypothetische Annahme – gehen wir davon aus ein Teil dieser Privilegien beinhaltet, dass geimpfte Personen wieder in Restaurants gehen dürfen, ihnen erlaubt wäre ohne Maske herumzulaufen oder in der Jobvergabe bevorzugt werden würden, wäre dies nicht Diskriminierung? Man darf Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts nicht benachteiligen, aber aufgrund einer Impfung schon? Oder die deutsche Bahn ließe nicht geimpfte Passagiere nicht mehr mitfahren, obwohl sie eigentlich dem Beförderungsgesetz unterliegen.2) Wenn man hier weiterdenkt, würde es also zu willkürlichen Entscheidungen von Personen kommen, welche für diese gar nicht legitimiert wären. Beispielsweise kann ein Unternehmen dann dies als Kriterium zur Jobeinstellung benutzen. So läge die Entscheidungsmacht darüber nicht beim Staat durch ein Gesetz, sondern beim Individuum. Man müsste sich also zwangsläufig impfen lassen, um nicht in allen möglichen Lebensbereichen benachteiligt zu werden. Die Entscheidung einer Impfpflicht, wenn auch eine verschleierte, läge also beim Individuum und nicht wie gesetzlich vorgeschrieben beim Staat. Es wäre also nicht, wie im Fall der Masernimpfung, dass es zum Schutz alle geimpft werden müssen, sondern ein ungeschriebenes Gesetz, dass nicht Legitimierte eine Entscheidungsmacht überträgt. Es würde also definitiv gegen die demokratischen Grundsätze verstoßen, zu einer Verschiebung der Entscheidungsgewalt führen und noch dazu die Bevölkerung in Geimpfte, die ein Stück weit zurück in den normalen Alltag zurückkehren könnten und nicht Geimpfte, die benachteiligt werden, spalten. Dies geschieht bereits schon auf der Länderebene mit der Entscheidung welches Land wie viel Impfstoff erhält.

Zuletzt komme ich zu meiner Annahme, warum es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht relevant ist, sich mit der Leitfrage nach Privilegien für Geimpfte zu beschäftigten.  Fakt ist nämlich, nicht alle Bürgerinnen und Bürger haben zum jetzigen Zeitpunkt die Möglichkeit, eine Impfung zu erhalten, weil wir noch ganz am Anfang der Impfkampange stehen. Der Staat hat im Zuge der ersten Impfungen eine Reihenfolge nach Dringlichkeit der Personengruppen festgelegt. Diejenigen, die zu einem frühen Zeitpunkt geimpft werden, werden also aus gesundheitlichen Gründen bevorzugt gegenüber denjenigen, denen der Zugang zu einer Impfung durch staatliche Regelungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Angefangen wurde mit Menschen ab 80 Jahren sowie diejenigen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen betreut werden oder tätig sind. Zur ersten Gruppe gehört zudem, wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Wenn man also zu diesem Zeitpunkt über Privilegien sprechen würde, würden diese Personen ja doppelt bevorzugt, weil sie sich früher impfen lassen konnten und damit die Privilegien erhalten würden. Es ist also nicht der Zeitpunkt, über so eine Maßnahme zu sprechen, noch nicht. Erst wenn alle Bürgerinnen und Bürger uneingeschränkt die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen, ist es legitim und notwendig darüber nachzudenken, da dann die Impfung auf Freiwilligkeit bei allen basiert.

Wie in dem vorliegenden Text schon herauszunehmen ist, ist diese Frage ob Geimpften Privilegien zugesprochen werden sollten oder nicht sehr komplex, weil man viel berücksichtigen muss. Ich für mich komme deshalb zu dem Schluss, dass wie bereits gesagt, der Zeitpunkt nicht passend gewählt ist, darüber zu diskutieren. Die Impfung muss erst einmal richtig starten, um die Risikogruppen zu schützen. Wenn der Zeitpunkt in Zukunft da sein wird, dass jeder freien Zugang zum Impfstoff hätte, würde ich dieser Frage aber immer noch sehr kritisch gegenüberstehen. Nicht nur, dass mich die Impfung selbst noch etwas skeptisch macht, da sie in so kurzer Zeit entwickelt wurde. Nein vor allem glaub ich, dass man so eine Impfung, wenn, für alle verpflichtend machen sollte wie die Masernimpfung oder auf ganz freiwilliger Basis. Solche Privilegien können den Anreiz auf jeden Fall schaffen, dass die Menschen sich impfen lassen und somit zur Sicherheit für sich selbst und aller beitragen, keine Frage! Ich finde aber, dass dieser Lösungsansatz viel zu viele Negativaspekte hervorbringt. Einerseits wird es die Gesellschaft spalten und andererseits ein schlechtes Licht aufs Impfen generell werfen. Dies ist natürlich alles nur hypothetisch, da ich ja nicht sagen kann, wie diese Privilegien aussehen würden. Für mich ist aber der triftigste Grund der, dass es gegen unsere demokratischen Grundsätze verstoßen würde. Nicht nur, dass eine große Masse benachteiligt werden würde, auch die Entscheidungskraft liegt in gewisser Weise willkürlich im Individuum und gibt mir stark zu bedenken. Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nach einer Alternative suchen würde, um Personen zur Impfung gegen Covid-19-Virus zu bewegen.       

Quellen:

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-debatte-impfen-vorteil-100.html

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-wer-geimpft-ist-darf-nicht-bevorzugt-behandelt-werden/26675618.html?ticket=ST-24537164-vnSdyiZXpUaMWzgLGDFh-ap6

https://www.deutschlandfunk.de/spahns-corona-impfplan-wer-wird-zuerst-geimpft-wer-spaeter.1939.de.html?drn:news_id=1209435

1)https://arztundkarriere.com/forschung/die-entwicklung-impfstoffen/

2) https://www.gesetze-im-internet.de/pbefg/BJNR002410961.html

aktuell zum Thema:

aktuell zum Thema: https://www.tagesschau.de/inland/corona-impfung-maas-101.html