Ist es ethisch vertretbar den Konsum von Cannabis für Genusszwecke zu legalisieren?

Die seit Jahren umstrittene Legalisierung von Cannabis in Deutschland kommt. „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein“, schreiben SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag. Dadurch werde die „Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet“, heißt es.

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/cannabis-legalisierung-ampel-100.html

“Cannabis“- während die einen es als gesundheitsschädliche Einstiegsdroge verteufeln, loben andere das aus Hanf-Pflanzen hergestellte Rauschmittel als wohltuend und entspannend in den höchsten Tönen. So ist es nicht verwunderlich, dass es seit langen andauernden Diskussionen rund um das Thema Cannabis gegeben hat. In den letzten Jahren wurden die Stimmen, welche die Legalisierung von Cannabis in Deutschland befürworten, immer zahlreicher. Nun hat die amtierende Regierung in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften zu legalisieren. Die Regierung führt einige Gründe für die Legalisierung an. Einer davon ist der Versuch damit den Schwarzmarkt auszutrocknen, um unter anderem den oft verunreinigten Stoff aus dem Verkehr zu ziehen. Der Kinder- und Jugendschutz spielt hierbei eine wichtige Rolle, da den Jugendlichen so der unkontrollierte Zugang zu der Droge verwehrt würde. Im Gegenzug warnt der Deutsche Ärztetag davor, Cannabis zu legalisieren und führt dafür ebenfalls den Kinder- und Jugendschutz an. Er schreibt: „Die Legalisierung verharmlost (…) die gesundheitlichen Gefahren, negativen Folgen und Langzeiteffekte des Cannabiskonsums für Kinder und Jugendliche“. Auf den ersten Blick, scheinen die Positionen paradox. Aufgrund dieser kontroversen Meinungen habe ich mich dazu entschieden, das Thema genauer zu betrachten. Durch die Auseinandersetzung mit den Pro- und Contra Argumenten hoffe ich anschließend auf Grundlage dessen ein fundiertes Fazit ziehen zu können, ob es ethisch vertretbar ist, den Konsum von Cannabis für Genusszecken zu legalisieren.

Zunächst ist es wichtig die noch aktuelle Gesetzes-Lage von Besitz und Konsum dieser Droge anzuschauen.“ In Deutschland zählen „Pflanzen und Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen (…) gemäß § 1 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) (…) zu den nicht verkehrsfähigen Stoffen. Ohne Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind Anbau, Herstellung, Handel, Einfuhr, Ausfuhr, Abgabe, Veräußerung, sonstige Inverkehrbringung, Erwerb und Besitz von allen Pflanzenteilen des Cannabis nach §§ 29 ff. BtMG strafbar.“ Im Jahr 2020 wurden 220.414 Rauschgiftdelikte in Verbindung mit Cannabis registriert. Eine sehr hohe Anzahl, die die Ampelkoalition mitunter als Fakt für die Argumente zur Legalisierung von Cannabis anführt.

Entlastung von Staat und Justiz

Einen großen Vorteil, den die Bundesregierung in der Legalisierung sieht, ist eine Entlastung des Staates und vor allem der Justiz. Wie oben bereits erwähnt, sind die Zahlen der Strafdelikte in Bezug auf Cannabis hoch. Den enormen Kosten-, Zeit- und Arbeiteraufwand, der für Polizei-Einsätze, Strafvollzug und Gerichtsverfahren einher geht, könnte man durch ein neues Gesetz minimieren und die gesparten Ressourcen anderweitig einsetzen. Dadurch könnten nicht nur Kosten verringert, sondern sogar Profit generiert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Wie auch auf andere Rauschmittel, wie etwa Tabak oder Alkohol, würden auf Cannabis-Produkte Steuern erlassen werden. Darüber hinaus könnten neue Arbeitsplätze im Anbau, Handel und Vertrieb entstehen. Bezieht man all diese Faktoren mit ein, könnte man laut dem Hanfverband mit Einnahmen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro pro Jahr für den Staat einkalkulieren. Diese errechneten Daten stammen vom „Düsseldorf Institute for Economics“, die diese basierend auf einer Studie im Auftrag des Hanfverbands aus dem Jahr 2018 unternommen hat. Wenn Personen auf legalem, kontrolliertem Weg Cannabis anbauen und verkaufen würden, würde dieses Milliardengeschäft, was bisher im Untergrund läuft, mit in den Staat eingebunden werden können. Vorschläge wie man die entstehenden Steuern einsetzten könnte, waren beispielsweise Präventionsarbeit gegen den Missbrauch von Cannabis zu leisten.

Experten vom deutschen Ärztetag prophezeien dagegen eher einen steigenden Aufwand und damit verbundene Kosten für den Staat voraus. Die Gelder, die durch die Legalisierung hinzukommen, könnten durch steigende medizinische Versorgungskosten wieder zunichtewerden. Er warnte vor allem vor den möglichen Risiken für die Gesundheit der Konsumenten. Es gibt Hinweise aus anderen Ländern, dass es durch die Legalisierung von Cannabis, einen Anstieg des Konsums und damit einhergehend einen Anstieg medizinischer Notfälle gegeben hat. Auch zeige sich in diesen Ländern ein erhöhter psychiatrischer Behandlungsbedarf. Ebenfalls sei mit einem Anstieg cannabisbedingter tödlicher Verkehrsunfälle und Suizide zu rechnen. Dazu kommt, dass die Präventionsarbeit noch wichtiger wird, da es vor allem für junge Menschen negative Folgen haben kann, wenn sie mit dem Cannabiskonsum beginnen und oft ein sozialer Abstieg damit einher geht. Die erwünschte Wirkung von Entspannung und einer gewissen Trägheit ist ein zweischneidiges Schwert. Oft leidet die Konzentration und die schulischen Leistungen und als Konsequenz daraus resultieren schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Stilllegen des Schwarzmarktes

Ein weiteres wichtiges Argument der Politik Cannabis zu legalisieren, ist der Versuch den Schwarzmarkt stillzulegen. Schätzungen zufolge liegt der illegale Umsatz durch das Rauschmittel bei ca. 2,5 Milliarden Euro pro Jahr, was mehr ist als beispielsweise die Musikbranche in Deutschland im gleichen Zeitraum umsetzt. Obwohl der Markt so immens ist, ist der Verbraucherschutz der Konsumenten nicht gegeben. Die Qualität des Cannabis ist durch Streckmittel und Verunreinigungen mangelhaft. Der Zugang für Jugendliche ist sehr leicht, da es keine staatliche Alterskontrolle oder Regulationen gibt und somit der Kinder- und Jugendschutz nicht gewährleistet ist. Die fehlende Rechtssicherheit führt beim Kauf zu Gefahr von Raub, Betrug und Selbstjustiz. Kriminelle Organisationen mit höherem Gewaltpotential können sich durchsetzen und größere Marktanteile sichern. Sie dominieren den Schwarzmarkt. Wie oben bereits erwähnt sind hohe Kosten für Strafverfolgung, Justiz plus die volkswirtschaftlichen Schäden durch Inhaftierungen und Berufsverluste impliziert. Aus diesen Gründen will der Staat versuchen, den Schwarzmarkt durch eine Legalisierung stillzulegen. Durch den kontrollierten Verkauf mit vorgegebenen Qualitätsstandards würde sich der Konsum regulieren lassen und weg vom Schwarzmarkt, hin zum Verkauf von legalen und hochwertigen Produkten verschieben lassen.

Über ein effektives Verdrängen des Schwarzmarktes aufgrund einer Legalisierung lässt sich jedoch nur spekulieren. Einige Experten vertreten die Meinung, dass es sehr unrealistisch sei. Im Vergleich zu dem schon heute zu medizinischen Zwecken legal vertriebene Cannabis, kostet das Rauschmittel, was man auf dem Schwarzmarkt erhält halb so viel. Auch wenn man Cannabis auf legalem Weg mit Qualitätsgarantie erwerben können wird, bei dem auch der Rechtsschutz gewährleistet ist, wird der Schwarzmarkt, der ohne Besteuerung immer eine billigere und unkompliziertere Möglichkeit bietet, nicht aussterben. Es wird immer einen Teil der Bevölkerung geben, dem der geringere Preis kurzfristig wichtiger ist, als Qualität und Verbrauchersicherheit.

Gesundheit- Cannabis vs. Alkohol

Nun zum letzten, aber für mich wichtigsten Aspekt: Cannabis im Zusammenhang mit unserer Gesundheit und vor allem der von Kindern und Jugendlichen. Um besser darstellen zu können inwieweit Cannabis schädlich oder harmlos für uns ist, ziehe ich einen Vergleich mit einem gesellschaftlich akzeptierten Rauschmittel: Alkohol. In diesem Vergleich werde ich die medizinisch sinnvolle Anwendung von Cannabis außenvorlassen, da Cannabis wie allgemein bekannt für diese Zwecke bereits zugelassen ist.

Generell haben beide Drogen in den meisten Fällen eine erwünschte entspannende Wirkung auf unseren Körper ohne gravierende Folgen, jedoch kann es bei regelmäßigem bzw. exzessivem Konsum zu diesen Folgen kommen. Längerfristig kann Cannabis einen starken Einfluss auf unsere Psyche haben und zum Beispiel zu Depressionen, Unruhe und irrationalen Ängsten führen. Auch sind Wahnvorstellungen, Panikreaktionen und Verwirrtheit mit Verfolgungsfantasien möglich. Cannabis kann außerdem das Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis beeinflussen. Nach exzessiven Alkoholkonsum dagegen, treten unmittelbar Benommenheit und Müdigkeit auf, bei hohen Mengen Alkohol kann das in Bewusstlosigkeit oder Koma enden. Generell ist Alkohol ein Zellgift, dass Zellen und Gewebe direkt schädigt.

Derzeit ist kein bestätigter Todesfall durch Cannabis-Konsum registriert. Unvollständige Tierstudien aus den 70ern legen nahe, dass selbst massive Cannabisdosierungen nicht tödlich verlaufen. Eine Alkoholvergiftung kann den Hirnstamm, der für unsere Atmung und weitere Prozesse im Körper zuständig ist so stark beeinträchtigen, dass die Atmung aussetzt. Man kann Todesfälle in Zusammenhang mit Alkohol mit Zahlen belegen. Schätzungsweise 74.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Alkoholkonsum. Auch wenn Cannabis im Vergleich zu Alkohol harmlos klingt, darf man die Auswirkungen vor allem in Bezug auf Kinder und Jugendliche nicht unterschätzen. Gerade für Jüngere birgt der Cannabis Konsum Gefahren, da die Reifung des zentralen Nervensystems geschädigt wird. Je früher, häufiger und intensiver es konsumiert wird, desto höher ist das Risiko, das gerade vorbelastete Menschen, an einer Psychose oder Schizophrenie erkranken. Der Konsum von Cannabis hat also vor allem mit so hochprozentigen THC- Werten, wie es heute in Cannabis Produkten vorkommt sehr wohl negative Auswirkungen auf unseren Körper. Dennoch muss man sagen, dass qualitativ hochwertiger Cannabis definitiv besser und “gesünder“ für den Körper ist, als verunreinigtes und mit Zusatzstoffen gestreckter Cannabis.   

Fazit

Wenn ich abschließend beide Seiten mit dem Hintergrundwissen betrachte, fällt es mir schwer ein eindeutiges Fazit darüber zu ziehen, ob es ethisch vertretbar ist, den Konsum von Cannabis für Genusszwecke zuzulassen. Der Grund hierfür ist schlichtweg der, dass hinter dem Gedanken der Legalisierung so viel mehr steckt, als der reine Genusszweck. Ginge es nur darum hätte ich mich mit voller Überzeugung gegen eine Legalisierung ausgesprochen. Die Politik möchte die Legalisierung in erster Linie aber als Schutzmaßnahme, Eindämmung des Schwarzmarktes und zusätzlichen Steuereinnahmen nutzen. Den Hintergedanken den die Ampelkoalition hinter dem Ganzen hat, finde ich sehr gut, ich bezweifle jedoch, dass das Vorhaben die Vorteile bringt, die sich die Regierung erhofft. Eine Legalisierung übergibt die Verantwortung an unsere Gesellschaft, dass sie einen bewussten Umgang mit Cannabis findet. Der Großteil der Gesellschaft würde diesen auch finden, aber ein kleiner Teil der Gesellschaft eben nicht. Er wird diese Legalisierung ausnutzen und die Freiheit missbrauchen. Auch sehe ich eine große Gefahr, dass Kindern und Jugendlichen der richtige Umgang mit Cannabis nicht gelingt und es zu einer großen Belastung des Gesundheitssystems kommt. Zuletzt bin ich ebenfalls davon überzeugt, dass man den Schwarzmarkt in dieser Hinsicht nicht austrocknen kann, denn das billige Cannabis bleibt für viele attraktiv oder wird von härteren Drogen ersetzt, wie beispielsweise in Holland zu sehen ist. Zusammengefasst bin ich also der Meinung, dass es eine Idee mit guten Intensionen ist, in der Praxis aber kaum umsetzbar ist und eher die bestehenden Probleme potenzieren wird.

Quellen:

https://bnn.de/mittelbaden/baden-baden/cannabis-legalisierung-schwarzmarkt-staatsanwalt-zweifel-nutzen-rauschgift-abhaengigkeit-jugendliche-gesetz

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/cannabis-legalisierung-ampel-100.html

https://hanfverband.de/faq/welche-folgen-hat-der-schwarzmarkthandel-von-cannabis

https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/marihuana-fuer-den-freizeitkonsum-ampelkoalition-will-cannabis-fuer-erwachsene-legalisieren-die-wichtigsten-fragen-und-antworten/27815016.html?ticket=ST-8915977-7l5uEqOlB3EFsBZTsPfo-cas01.example.org

https://www.jumpradio.de/thema/debatte-um-legalisierung-von-cannabis-100.html

https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/soviel-kosten-illegale-drogen-den-staat-li.54215

https://web.de/magazine/wirtschaft/wirtschaftsfaktor-cannabis-gras-geld-verdienen-33032880

https://www.quarks.de/gesundheit/drogen/alkohol-gegen-cannabis-was-ist-schaedlicher/

https://www.aktionswoche-alkohol.de/presse/fakten-mythen/zahlen-und-fakten/

Zitat „DÄT:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/128670/Aerzteschaft-warnt-vor-Legalisierung-von-Cannabis

Zitat Gesetzeslage Deutschland:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtslage_von_Cannabis

Videos zum Thema

https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/wie-wirkt-thc-im-gehirn-creative-commons-100.html

https://www.facebook.com/watch/?ref=external&v=452260835267552

Stundenprotokoll

Klassenstufe: Kursstufe 2 Ethikunterricht

Reverentin: Frau Straub

Thema: Vergleich- Immanuel Kant mit anderen Philosophen

Ort und Datum: Gymnasium Gerabronn 06.10.2021 von 9:40- 11:15 Uhr

Teilnehmer: 11 von 12 Teilnehmer

Besucher/Zuhörer: Herr Mankir

Verfasser: Faultier

Gliederung:

-M1 eine Frage der Luftsicherheit – Einstiegsdiskussionsfrage

-M2 Text von Immanuel Kant- Pflicht und Verbindlichkeit

-Podcast anarchistische Pflichtethik von Antje Schrupp

Wir sind in die Stunde mit einer Quelle „M1 eine Frage der Luftsicherheit“ (Kolleg Ethik neu Kapitel Moralphilosophie S.172) und der damit verbundenen Frage eingestiegen. Die Frage war, ob es moralisch vertretbar wäre, ein Passagierflugzeug, welches von Theroristen übernommen wurde mit Raketen abzuschießen oder nicht? Dieses Gesetz wurde am 15 Januar 2005 erlassen, am 25.08 2007 jedoch vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidirg eingestuft und revidiert.

Zu Beginn durften die Schüler ihre Entscheidung mit deren Argumenten erläutern. Dann aber wurde der Bogen zu bereits behandelten Philosophen und ehtischen Theorien gespannt, wie diese sich bei diesem Dilemma entscheiden würden. Die Klasse kam zu dem Schluss, dass das hedonistische Kalkühl nach Benthem den Befehl zum Beschuss geben würde. Das Nutzen aller die -Bezug auf 9.11-, die durch einen potentiellen Anschlag, also ohne Beschuss des Flugzeuges, umkommen würden größer wäre. Im Gegenzug wäre das Leid derer, die durch den Beschuss umkommen würden verglichen zum Glück der oben Erwähnten kleiner. Immanel Kant dagegen würde gegen den Beschuss des Flugzeuges agrumentieren. Das aktive Töten von Menschen durch die Raketen müsste als moralisch verwerflich bewertet werden. Des weiteren würde er die Folge des Handelns bzw, nicht Handelns nicht miteinbeziehen. Die potentielle Katastrophe durch den gezielten Absturz des Flugzeuges wäre nicht zu beachten. Durch das Weiter- und Überdenken des Dilemmas kamen die Schüler dann zu dem Fazit, dass es enorm schwer wäre so eine Entscheidung treffen zu müssen, da man in dem Moment der Entscheidung die Folgen seines Handelns nicht abschätzen kann. (Was wäre wenn..?).

Nachdem diese Diskussion beendet war, haben sich die Schüler mit einer weiteren Quelle M2 (Buchquelle siehe erste Quelle) beschäftigt. Diese stammt aus den Schriften von Immanuel Kant über das Thema „Pflicht und Verbindlichkeit“. Diese spannte abermals den Themenbogen zu dem Podcast der anarchistischen Philosophin Antje Schrupp(1964 in Hessen). Diesen Podcast hatte die Klasse bereits die Ethikstunden davor begonnen und sich mit den Ansätzen ihres Menschenbildes und ihrer Haltung gegenüber der Pflichtethik auseinandergesetzt. Hierzu hatten die Schüler eine Tabelle angelegt mit den Spalten Immanuel Kant, Kapitalismus und anarchistische Pflichtethik. Die Spalten Kapitalismus und Immanuel Kant wurden bereits fertig behandelt und ausgefüllt, die Spalte der anarchistischen Pflichtethik musste noch vervollstendigt werden. Die Ergebnisse der vergangenen Stunden waren, dass Antije Schrupp beschreibt, warum Kants Pflichtehtik nicht alltagstauglich für die heutige Zeit ist (Vergleich mit Goldmarie und Pechmarie). In dem Abschnitt den die Schüler behandeln beschrieb sie, wie durch die anarchistische Pflichtethik man moralisch gut handele, also den Zustand der Notwendigkeit erreiche, um vom Müssen zum Wollen zu gelangen. Im Vergleich der Goldmarie bzw. Pechmarie, sieht man den Zustand des Wollens an der Goldmarie. Sie muss die fertigen Brote nicht aus dem Ofen nehmen oder den vollen Apfelbaum schütteln. Sie macht es aber im Gegensatz zur Pechmarie, diese will es nicht. In ihrer Argumentation bezog sie sich auf mehrere Philsophinnen.

Ihr erster Bezug war die Französische Philosophin Simmone Weil(1909 in Paris-1943 in Ashford). Laut ihr funktioniert die existierende Moralethik bzw. Pflichtgefühl nicht, da ein falsches Menschenbild existiert. Sie skizziert ein neues Menschenbild im Zusammenhang mit der Notwendigkeit und des praktischen Übens. Laut Simmone Weil muss der Mensch üben ein guter Mensch zu sein, genauso wie ein Läufer auf einen Marathon trainieren muss. Gleichzeitig kann man Situationen nicht theoretisch erfassen, sondern muss diese praktisch erleben. Während Kant also die Gefühle komplett vom Verstand isoliert, bezieht Weil die Gefühle als wichtigen Faktor mit ein. Hier disskutierte die Klasse dann, ob die Theorie von Simmone Weil mit der damaligen Lebenssituation der Phliosophin in den 1930ern auf die heutige Zeit und deren Probleme anwendbar wäre. Anhand des Beispiels von E-Autos sind sie diese Theorie durchgegangen. Hiebei müsste man sich die Frage über die Notwendigkeit von E-Autos stellen und warum diese eingeführt wurden. Zeitgleich müsste man den kompletten Entstehungsprozess eines solchen E-Autos nachvollziehen. Man müsste also gezwungenermaßen nach Afrika reisen, um dort praktisch zu sehen wer die Schürfer des benötigten seltenen Erden sind. Und genau da scheitert diese Theorie bzw. ist sie nicht mehr anwendbar. In unseren mittlerweile so globalen und vernetzten Welt, wäre es unmöglich dies alles nachzuvollziehen. Dem Folgend sahen sich die Schüler eine Bildquelle (M1 Kolleg Ehtik- Moralphilosophie S. 170) an. Dieses in 2 Teile aufgeteilte Bild, zeigte einerseits ein Mädchen mit einer palietten-bestickten Bluse, auf der anderen Seite ein kleiner Junge, der durch Kinderarbeit diese besagte Bluse genäht hatte. In dieser Quelle überschneiden sich sowohl Kapitalismus, als auch die Pflichtethik. Es war also ein Rückblick auf die Stunden davor.

Am Ende der Stunde hörte sich die Klasse den letzten Teil der angefangenen Podcastepisode an. Hier bezieht sich Antje Strupp auf zwei weitere Philosophinnen Diana Sartoris und Iris Murdoch(1919 in Dublin-1999 in Oxford).Laut Diana Sartoris sollte man nach dem „mütterlichen Imperativ“ handeln, nach dem Motto „handle so, dass deine Mutter es wissen könnte. Es ist eine moderne Version zu Kants kategorischen Imperativ „handle so, dass deine Maxime deiner Handlung ein Gesetz sein könnte“. Iris Murdoch dagegen hinterfragt unsere Entscheidung im Generellen…sind wir überhaupt fähig frei zu entscheiden?! Laut ihr sind wir durch Prägung, Erziehung, Gene und unserer Erfahrung gar nicht fähig uns frei und selbst zu entscheiden. Unsere Entscheidung ist durch die ganzen eben genannten Faktoren schon festgelegt. Hier kam die Klasse auf das Thema Freiheit und Determination zurück, welches sie in der Vergangenheit bereits behandelt haben (siehe Anhang). Auch laut Iris Murloch sollte das Verhalten im Vorhinein geübt sein, sodass man es beim Eintreten einer solchen Situation anwenden kann. Ebenfalls ist sie davon überzeugt, dass man dem Guten im Alltag mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Mit der Diskussion warum es in Deutschland genau anders herum ist, warum das Schlechte so hervorgehoben wird und nicht wie in anderen Kulturen zum Beispiel dem Iran oder der USA, haben wir die Stunde geschlossen.

Quellen:

https://www.daserste.de/unterhaltung/film/terror-ihr-urteil/luftsicherheitsgesetz100.html

https://www.tagesschau.de/inland/meldung133132.html

Ist es moralisch vertretbar, dass in Zeiten der Corona-Pandemie Zuschauer bei der Fußball-Europameisterschaft zugelassen werden?

„Knapp 2000 Corona-Fälle in Schottland lassen sich nach offiziellen Angaben in Verbindung mit Spielen der Fußball-Europameisterschaft bringen. Zwei Drittel von 1991 positiv Getesteten seien Fans, die entgegen der Ratschläge aus dem Norden zu Spielen nach London gereist seien, wie die Gesundheitsbehörde Public Health Scotland am Mittwoch mitteilte. Am 18. Juni hatten die Schotten in London gegen England gespielt. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, wurden für das Spiel 2600 von insgesamt 22.500 Tickets an schottische Fans verkauft. 15 Prozent, also knapp 400 schottische Fans seien infiziert im Stadion gewesen, während Tausende weitere Fans in der Innenstadt Straßen und Plätze bevölkerten.“

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-faelle-in-schottland-nach-em-spielen-17416812.html

Diese und ähnliche Schlagzeilen gingen die letzten Tage um die Welt. Nicht nur Schottland veröffentlicht erneut steigende Zahlen, auch Finnland und weitere Länder meldeten neue Corona-Fälle, die in Verbindung mit der Europameisterschaft stehen. Dies ist ein weiterer Rückschlag im Kampf gegen das Corona-Virus. Daher muss man sich die Frage stellen, ob die Zulassung von Zuschauern bei dem europaweiten Turnier im Kontext der aktuellen Lage moralisch vertretbar ist.

Im ersten Moment könnte man zu dem Urteil gelangen, dass die Genehmigung von tausenden Zuschauern, die aus ganz Europa zusammenkommen, während der Pandemie verantwortungslos und unmoralisch sei. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass Zuschauer von Land zu Land fliegen und dabei das potentiell mitgebrachte Corona-Virus übertragen, während man doch gleichzeitig überall versucht die Ausbreitung des Virus mit allen möglichen Einschränkungen in der Zivilgesellschaft einzudämmen. Hier könnte mein Blogbeitrag bereits sein Ende finden, doch meiner Meinung nach kann man die Antwort auf diese Frage nicht so vereinfachen. Es müssen weitere Aspekte und Hintergründe miteinbezogen werden, auf welche ich im Folgenden eingehe.

EM als Lichtblick

 EM 2020 – ausgefallen bzw. verschoben aufgrund des Corona-Virus! Diese Nachricht war nicht nur für große Fußballfans schwer zu verkraften. Sowohl die EM als auch die WM sind Turniere, die viele Menschen aus ganz verschiedenen Ländern verbindet. Es kommt eine Stimmung auf, die sogar Menschen, die nicht an Fußball interessiert sind, die Spiele verfolgen lässt. Den ein oder anderen veranlasst es sogar, ein Stadion zu besuchen, um seine Heimatmannschaft anzufeuern. Umso mehr ist die nachgeholte Europameisterschaft in diesem Sommer eine Art „Lichtblick zur Normalität“. Ich selbst kann als ehemalige Fußballspielerin und Fußballfan aus eigener Erfahrung sprechen. Gemeinsam mit Freunden und Familie die deutsche Nationalmannschaft anzufeuern, mitzufiebern, zusammen zu feiern, das gab mir ein Stück Freiheit- und Sommergefühle zurück. Vor allem, wenn man sich von den tosenden Zuschauermengen im Hintergrund wieder anstecken lassen kann und nicht die Anweisungen der Trainer an die Spieler die einzige Geräuschkulisse ist. Eine halbwegs normal ablaufende Europameisterschaft mit Zuschauern, kleineren Public Viewings etc. gibt einem ein bisschen Normalität und Stabilität zurück in dieser abnormalen Pandemiezeit.

Aber nicht nur der persönliche und soziale Bereich ist zu beachten, sondern auch der wirtschaftliche Aspekt spielt eine Rolle. Eine so große internationale Veranstaltung ist ein enormer ökonomischer Faktor, auf den viele Branchen setzen. Beginnend bei den Ticketverkäufen, allerlei Textilwaren, verschiedensten Lebensmitteln mit EM-Marketing, Fanartikeln, über die Gastronomie bis hin zum Turnierausrichter „UEFA“ verdienen sehr viele Unternehmen an so einem Event. Wenn die EM nur eingeschränkt zugelassen werden würde, ginge dies mit großen Einkommensverlusten einher. Da die Europameisterschaft nun aber weitestgehend wie gewohnt abläuft, machen auch alle mitwirkenden Branchen einen entsprechenden Umsatz.

Chance als Experiment

Die Organisatoren hätten bei so einem wichtigen und einflussreichen Vertreter der Großveranstaltungsbranche ein Vorbild sein und vernünftige, klar definierte, einheitliche Vorgaben ausarbeiten können. Dies hätte als Großversuch für andere Events dienen können. Es gab bereits Testveranstaltungen, die mit sinnvollen Hygienekonzepten gut funktioniert haben. Zum Beispiel wurden große Musikfestivals in den Niederlanden ausgetragen, die einem klar strukturierten Konzept folgten wodurch es kaum zur Verbreitung von Covid-19 kam. Genau so eine Art Experiment hätte die Europameisterschaft auch sein können. Doch leider wurde diese Chance von der UEFA verpasst. Stattdessen wurde den Ländern die Erarbeitung eigener Hygienestandards überlassen, nach der Devise „Legt ein Konzept fest dessen Konsequenzen ihr verantworten könnt“. Das Problem ist, dass es dabei um den Schutz der Bevölkerung geht und diese Herangehensweise daher verantwortungslos ist. Die Europameisterschaft hat, sowohl bei gutem, als auch bei schlechtem Ausgang, Auswirkungen auf alle anderen Großveranstaltungen. Im Gegensatz zur UEFA können es sich jedoch die meisten Veranstalter nicht leisten einen weiteren Sommer ohne das Austragen ihrer Events durchzustehen. Die durchaus wahrscheinliche Konsequenz der EM ist, dass sich die hochansteckende Delta-Variante immer weiter ausbreitet, was sich wiederum fatal auf die ganze Welt auswirken würde. Die gerade sinkenden Fallzahlen würden wieder sprunghaft ansteigen und die allmählig gelockerten Maßnahmen würden sofort wieder verschärft werden. Ab dem Punkt muss man sich fragen, welchen Stellenwert Fußball wirklich einnimmt. Ist dieser Sport so viel wichtiger als andere Bereiche der Kultur, Bildung, Existenzen und Gesundheit? Oder um es überspitzt aber dennoch prägnant auszudrücken: „Wie viele Zuschauer im Stadion sind der UEFA ein Menschenleben wert?“. Darauf gehe ich später noch einmal ein.                                                

Keine einheitlichen Regelungen

Wie schon im vorherigen Abschnitt angeschnitten, gibt es ein Problem mit der gesamten Thematik „einheitliche Regelungen“. Es ist kein länderübergreifendes einheitliches Hygienekonzept vorhanden, welches verbindlich für alle Austragungsorte gilt. Während in Glasgow und Baku beispielsweise keine Testpflicht besteht, muss in Amsterdam ein negativer Test vorgelegt werden. In Bukarest dagegen wird nur von ungeimpften ein Test verlangt. Die Problematik hierbei ist, dass nicht alle Impfstoffe überall gleich zugelassen sind. Zum Beispiel der Impfstoff Sputnik-V ist in der EU aufgrund von mangelhafter wissenschaftlicher Fundierung nicht zugelassen, in Ungarn jedoch schon. So muss man sich doch fragen, inwiefern man sich auf die Regelungen verlassen kann, wenn sie so unterschiedlich sind. Auch die Inzidenz-Werte werden bei diesen Maßnahmen völlig außer Acht gelassen. Jedes Land beschließt sein Konzept einfach nach eigenem Ermessen. Jedoch wurde die Option Spiele, aufgrund der Ansteckungsgefahr, unter Ausschluss der Zuschauer durchzuführen von der UEFA kategorisch ausgeschlossen. Dadurch wurden Städte wie Dublin und Bilbao, die keine Spiele vor Zuschauern garantieren konnten, als Austragungsstätte gestrichen. Diese Maßnahme übt auf andere europäische Städte einen großen Druck aus. Wenn diese in ihren Stadien keine Zuschauer garantieren, werden diese einfach nicht als Austragungsorte zugelassen. Aus diesem Grund entstanden Spiele, wie in Budapest mit maximaler Auslastung von 61.000 Zuschauer, zwar mit verpflichtendem Covid-Test oder Impfnachweis, aber ganz ohne Maske.

Frage der Solidarität

Nun zum letzten, aber wichtigsten Aspekt, der zuvor schon angeklungen ist. Die Frage nach der Solidarität. Hierzu ein Beispiel aus England: Der Flugzeugmechaniker Richard Morris musste, nachdem er sechs Monate in den Philippinen gearbeitet hatte, da er wegen Corona keine Arbeitsstelle in seiner Heimat gefunden hat, nach seiner Ankunft in England 10 Tage in Quarantäne. Er wurde in einem sehr heruntergekommenen Hotel untergebracht, was für ihn für 10 Tage 2000 Euro gekostet hat. Dagegen dürfen zeitgleich Fußball-VIPs ohne Quarantäne durchs Land reisen. Das klingt in meinen Ohren äußerst unsolidarisch und unfair. Morris muss aus Jobgründen reisen und muss sich in Quarantäne begeben, während König Fußball die Ausnahme sein darf. Viel gravierender sind jedoch die potentiellen Negativfolgen der reisenden Zuschauer. Folgende Hypothese habe ich bereits oben schon einmal kurz skizziert, aber nun gehe ich tiefer darauf ein. Durch mangelnde Maßnahmen verbreitet sich die Deltavariante schneller durch die Zuschauer in allen europäischen Ländern, was zu erneut verschärften Corona-Regeln, bzw. ein weiterer Lockdown. Wegen einigen wenigen, die für kurze Zeit Freiheit und Freude empfunden hatten, müssten dann viele zurück in Homeoffice, Homeschooling, Treffen würden verboten werden und Läden und Gastronomien müssten erneut schließen. Neben diesem ökonomischen und dem sozialen Aspekt kommt ein weit wichtigerer dazu, unsere Gesundheit bzw. unser Leben. Es ist nicht unbekannt, dass Covid- Erkrankungen sehr schwer und mit Langzeitfolgen verlaufen können oder sogar bis zum Tod führen. Mit den Fachbegriffen des Utilitarismus beschrieben; diese Handlung ist als unmoralisch zu bewerten, da sie das kurze Glück weniger, aber zugleich das langfristige Leid vieler beinhaltet.

Fazit

Nachdem ich mich nun intensiv mit dieser Frage beschäftigt habe, komme ich zu meinem persönlichen Fazit. Meiner Meinung nach ist es nicht generell unmoralisch, Zuschauer bei der Fußball-Europameisterschaft zuzulassen, wenn die Umsetzung den Umständen entsprechend stattfindet, was jedoch bei der EM dieses Jahr von der UEFA nicht verantwortungsvoll gehandhabt wird. Ich glaube die Frage sollte eher lauten, unter welchen Voraussetzungen es moralisch vertretbar ist, Zuschauer bei der Europameisterschaft zuzulassen und nicht im Generellen. Die Europameisterschaft hätte, wie oben schon erörtert, eine große Chance für zukünftige Großveranstaltungen sowie ein wirklicher Lichtblick in Richtung Normalität und mehr Freiheiten sein können. Nun jedoch stehen wir an einem Punkt, an dem Großveranstalter, Clubbesitzer und junge Menschen in England demonstrieren gehen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. Fußball hat definitiv einen wichtigen Stellenwert in Europa, doch es zwingt sich die Frage auf, ob es nicht zu sehr bevorzugt wird. Ist Fußball und die Freiheit der Fans wirklich wichtiger als die Gesundheit vieler?! Es ist eine schöne Sache Fußballspiele im Stadion anzuschauen, aber den Meisten ist das Risiko und der damit verbundene Preis im Kontext von Corona bewusst? Es kann sein, dass diese Europameisterschaft eine neue Corona-Welle erzeugt. Es kann auch sein, dass es nicht so ist, alles Spekulation. Wäre es aber nicht moralisch verwerflich, wenn hunderte Millionen Personen, die nach über einem Jahr Einschränkungen langsam in die Normalität zurückkehren, wieder Beschränkungen oder einen Lockdown ertragen müssen, nur weil ein paar tausend Zuschauer ausgelassen ein paar Fußballspiele zelebriert haben und temporär etwas Freiheit zurückbekommen haben. Meiner Meinung nach, widerspricht das völlig der Definition von Solidarität. Mir ist bewusst, dass sich das ziemlich pauschalisiert und heruntergebrochen anhört, aber wenn man es ganz rational betrachtet ist das der Fakt. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, kein Virologe, der die Folgen abschätzen kann, kein Fußballspieler, der die Unterstützung seiner Fans vielleicht benötigt. Ich kann nur aus meiner Perspektive als Schülerin sprechen. Es wäre sehr bedauerlich, wenn ein solches Event, was eigentlich eine positive Ausstrahlung und Hoffnung auf Normalität sein soll, der Grund für eine weitere Corona-Welle ist.

Was ist deine Meinung zu diesem Thema? 

Quellen

Allgemein: https://www.swr.de/wissen/fussball-em-mit-publikum-in-corona-zeiten-100.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-faelle-in-schottland-nach-em-spielen-17416812.html

Geltende Corona Regeln in den verschiedenen Stadien und Länder:

https://www.ispo.com/know-how/uefa-euro-2020-und-corona-diese-regeln-gelten-fuer-fans

https://ezeitung.swp.de/suedwestpresse/crailsheim/2021-07-03/2/-57852005.html

Ganz aktuell:

https://www.derstandard.at/story/2000127912729/die-uefa-wankt-von-einem-desaster-ins-naechste

Wäre es sinnvoll, Corona Geimpften Privilegien einzuräumen?

Am 27. Dezember sind die Corona-Impfungen deutschlandweit angelaufen. Durch den Start der Impfungen kam neben dem sowieso schon sehr umstrittenen Thema „Corona“, ein weiteres großes Diskussionsthema auf, nämlich ob Geimpfte in Zukunft Privilegien gegenüber Nichtgeimpften erhalten sollten. Gemeint damit sind beispielsweise gelockerte Ausgangsbeschränkungen, Reiselockerungen oder Vorteile im Job. Angeheizt wurde die Diskussion durch die Ankündigung der australischen Airline „Qantas“, ab dem Sommer nur noch Geimpfte auf speziellen Strecken zuzulassen. Um sich zu diesem Thema eine Meinung bilden zu können, ist es notwendig, diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. 

Zunächst einmal stellt sich die Frage, welche Vorteile diese Maßnahme im Zusammenhang mit Corona hätte? Ganz grundlegend ist natürlich, dass eine Impfung eine notwendige und wichtige Präventionsmaßnahme gegen das Virus ist. Ihr Einsatz hat in der Regel zwei Ziele: die Geimpften zu schützen (individuelle Gesundheit) und eine Herdenimmunität innerhalb der Bevölkerung aufzubauen (öffentliche Gesundheit), durch die dann wiederum Personen, die nicht geimpft werden können, geschützt werden. Im Idealfall verhindern Impfstoffe die Übertragung des Erregers, so dass dessen Ausbreitung innerhalb der Bevölkerung gestoppt wird. Man hat ja mit den bisherigen Maßnahmen nicht viel erreicht, zumindest nicht so viel wie nötig. Die Lockdowns haben der Wirtschaft enorm geschadet und es ist auf lange Sicht gesehen keine Dauerlösung, da man das öffentliche Leben ja nicht für immer auf Eis legen kann. Mit den verbundenen Privilegien einer Impfung würden also Leute belohnt werden, die helfen, durch eine Impfung gegen Corona anzukämpfen und zu schützen. Die Airline Qantas würde durch die geplante Maßnahme, nur noch Geimpfte zuzulassen, zu der Eindämmung des Virus beizutragen und damit sich als Airline, also die angestellten und die Passagiere schützen. Die Ansteckungsgefahr in Flugzeugen ist extrem hoch, weil Passagiere während eines Fluges nah beieinandersitzen und eine höhere Aerosolkonzentration an Board auftreten kann. Auch würde eine Impfpflicht der Passagiere verhindern, dass die Airline in potentielle schlechte Schlagzeilen, wegen einer Massenansteckung gerät oder noch schlimmer zu vorrübergehenden Streichung von Flugstrecken gezwungen sein würde, vorbeugen. Zusammengefasst ist es zum einen also eine Schutzmaßnahme, aber auch um größeren Imageschaden bzw. Wirtschaftsschaden vorzubeugen. Beides nachvollziehbare und gute Argumente für dieses Vorhaben. Aber was ist eigentlich der Grund, dass so eine Überlegung über eine Art Belohnungssystem für Impfungen überhaupt notwendig ist und sich nicht alle freiwillig gegen das gefährliche Virus impfen lassen wollen, um so schnellstmöglich wieder zum Normalzustand zu gelangen?

Es gibt viele verschiedene Ansichten, warum sich Menschen nicht impfen lassen wollen. Eine Begründung liegt im Misstrauen gegen die Pharmaindustrie im Allgemeinen bzw. gegen den Corona-Impfstoff explizit und dieser ist durchaus nachvollziehbar. Die renommierte Fachärztezeitschrift „Arzt & Karriere“ schrieb zu diesem Thema folgendes.                                                                                                                                                                                                                                                                              Einen wirksamen und sicheren Impfstoff gegen ein neues Virus herzustellen, ist ein langwieriger und aufwendiger Prozess. Im Schnitt kann man von der Erforschung bis zur Zulassung mit einem Zeitraum von circa zehn bis zwölf Jahren rechnen. Geht man zu Beginn der Forschung im Labor von 10.000 Kandidatensubstanzen aus (Screening Phase), gelangen aufgrund der hohen Anforderungen an die Qualität des Arzneimittels nur circa 250 davon in die präklinische Phase. Vielleicht fünf davon gehen in die klinische Entwicklung (Phase 1-3). Ist diese für einen Kandidaten erfolgreich, können die Daten für eine Zulassung bei den Gesundheitsbehörden eingereicht werden. Nach der erfolgreichen Zulassung durch die Behörden, darf ein Impfstoff verkauft werden. 1)

Der Prozess der Herstellung des Corona Impfstoffes ist vergleichen mit anderen Impfstoffen sehr kurz. Anstatt in zehn Jahren wird der Corona Impfstoff bereits nach einem Jahr angewandt. Daher ist Misstrauen gegen die Wirksamkeit und Sorge um mögliche unbekannte Nebenwirkungen gewissermaßen begründet. Zwar ergaben die Testergebnisse eine Wirksamkeit von etwa 95 Prozent,  prozentual ist das gesehen relativ hoch, aber trotzdem besteht eine fünf prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Impfung keine Wirkung zeigt.

Auch traten bei einigen geimpften Probanden kurzfristige Nebenwirkungen auf, wie Schwellungen oder Schmerzen an der Einstichstelle, Erschöpfungs- und Müdigkeitsanzeichen, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen, Fieber und Gelenkschmerzen. Hierbei ist aber zu beachten, dass diese Nebenwirkung weitverbreitet und allgemein oft bei allen möglichen Impfungen auftreten. Über langfristige Nebenwirkungen (durch das neue mRNA-Verfahren) ist bisher noch nichts bekannt, da sich diese erst in ein paar Jahren bemerkbar machen werden. Ebenfalles ist unklar, ob Menschen trotz Impfung den Virus weitergeben können.

https://www.bildderfrau.de/gesundheit/krankheiten/article230974538/Corona-Impfstoff-Nebenwirkungen-Biontech.html

Weitere Gründe, die bei Menschen gegen eine Impfung sprechen sind ganz aktuell die auftretenden Mutationen, bei denen nicht klar ist, ob die jetzige Impfung überhaupt etwas bringt, auch sind beispielsweise Glaubens- und Gewissensgründe, eine Nadelphobie oder aus gesundheitlichen Gründen, weil sie zum Beispiel allergisch auf die Impfung reagieren, ausschlaggebende Gründe gegen eine Impfung. Das ist jetzt nur ein oberflächlicher Einblick in die Gründe, nur um zu verstehen, warum diese Maßnahme im Raum steht.

Ausgehend von diesen Argumenten stellt sich die Frage, ob so eine Maßnahme dann nicht Diskriminierung gegenüber den ebengenannten Personen wäre. Wenn eine bestimmte Gruppe nämlich bevorzugt wird, wird automatisch eine andere Gruppe benachteiligt. In unserem Grundgesetz heißt es in Artikel 3 Ab.3. Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Hier wird sichtbar, dass sich in gewisser Weise zwei Komponenten gegenüberstehen: die Sicherheit der Bevölkerung und die Grundrechte des einzelnen.

Wichtig ist auch zu klären, ob die Privilegierung von Geimpften nicht eine versteckte Impfpflicht anpeilen würde und ob dann nicht ein Verstoß gegen das Grundgesetz vorliegen würde?

Anfang 2019 beschloss die Bundesregierung eine offizielle Impfpflicht gegen Masern. Bedeutet, dass jeder der öffentliche Einrichtungen besucht, sich gegen Masern impfen lassen oder eine Immunität nachweisen muss. Es ist also legitim vom Staat für alle beschlossen worden. (Einschub als Vergleichsbasis)

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/jede-impfung-zaehlt-1745266

Mal eine rein hypothetische Annahme – gehen wir davon aus ein Teil dieser Privilegien beinhaltet, dass geimpfte Personen wieder in Restaurants gehen dürfen, ihnen erlaubt wäre ohne Maske herumzulaufen oder in der Jobvergabe bevorzugt werden würden, wäre dies nicht Diskriminierung? Man darf Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts nicht benachteiligen, aber aufgrund einer Impfung schon? Oder die deutsche Bahn ließe nicht geimpfte Passagiere nicht mehr mitfahren, obwohl sie eigentlich dem Beförderungsgesetz unterliegen.2) Wenn man hier weiterdenkt, würde es also zu willkürlichen Entscheidungen von Personen kommen, welche für diese gar nicht legitimiert wären. Beispielsweise kann ein Unternehmen dann dies als Kriterium zur Jobeinstellung benutzen. So läge die Entscheidungsmacht darüber nicht beim Staat durch ein Gesetz, sondern beim Individuum. Man müsste sich also zwangsläufig impfen lassen, um nicht in allen möglichen Lebensbereichen benachteiligt zu werden. Die Entscheidung einer Impfpflicht, wenn auch eine verschleierte, läge also beim Individuum und nicht wie gesetzlich vorgeschrieben beim Staat. Es wäre also nicht, wie im Fall der Masernimpfung, dass es zum Schutz alle geimpft werden müssen, sondern ein ungeschriebenes Gesetz, dass nicht Legitimierte eine Entscheidungsmacht überträgt. Es würde also definitiv gegen die demokratischen Grundsätze verstoßen, zu einer Verschiebung der Entscheidungsgewalt führen und noch dazu die Bevölkerung in Geimpfte, die ein Stück weit zurück in den normalen Alltag zurückkehren könnten und nicht Geimpfte, die benachteiligt werden, spalten. Dies geschieht bereits schon auf der Länderebene mit der Entscheidung welches Land wie viel Impfstoff erhält.

Zuletzt komme ich zu meiner Annahme, warum es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht relevant ist, sich mit der Leitfrage nach Privilegien für Geimpfte zu beschäftigten.  Fakt ist nämlich, nicht alle Bürgerinnen und Bürger haben zum jetzigen Zeitpunkt die Möglichkeit, eine Impfung zu erhalten, weil wir noch ganz am Anfang der Impfkampange stehen. Der Staat hat im Zuge der ersten Impfungen eine Reihenfolge nach Dringlichkeit der Personengruppen festgelegt. Diejenigen, die zu einem frühen Zeitpunkt geimpft werden, werden also aus gesundheitlichen Gründen bevorzugt gegenüber denjenigen, denen der Zugang zu einer Impfung durch staatliche Regelungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Angefangen wurde mit Menschen ab 80 Jahren sowie diejenigen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen betreut werden oder tätig sind. Zur ersten Gruppe gehört zudem, wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Wenn man also zu diesem Zeitpunkt über Privilegien sprechen würde, würden diese Personen ja doppelt bevorzugt, weil sie sich früher impfen lassen konnten und damit die Privilegien erhalten würden. Es ist also nicht der Zeitpunkt, über so eine Maßnahme zu sprechen, noch nicht. Erst wenn alle Bürgerinnen und Bürger uneingeschränkt die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen, ist es legitim und notwendig darüber nachzudenken, da dann die Impfung auf Freiwilligkeit bei allen basiert.

Wie in dem vorliegenden Text schon herauszunehmen ist, ist diese Frage ob Geimpften Privilegien zugesprochen werden sollten oder nicht sehr komplex, weil man viel berücksichtigen muss. Ich für mich komme deshalb zu dem Schluss, dass wie bereits gesagt, der Zeitpunkt nicht passend gewählt ist, darüber zu diskutieren. Die Impfung muss erst einmal richtig starten, um die Risikogruppen zu schützen. Wenn der Zeitpunkt in Zukunft da sein wird, dass jeder freien Zugang zum Impfstoff hätte, würde ich dieser Frage aber immer noch sehr kritisch gegenüberstehen. Nicht nur, dass mich die Impfung selbst noch etwas skeptisch macht, da sie in so kurzer Zeit entwickelt wurde. Nein vor allem glaub ich, dass man so eine Impfung, wenn, für alle verpflichtend machen sollte wie die Masernimpfung oder auf ganz freiwilliger Basis. Solche Privilegien können den Anreiz auf jeden Fall schaffen, dass die Menschen sich impfen lassen und somit zur Sicherheit für sich selbst und aller beitragen, keine Frage! Ich finde aber, dass dieser Lösungsansatz viel zu viele Negativaspekte hervorbringt. Einerseits wird es die Gesellschaft spalten und andererseits ein schlechtes Licht aufs Impfen generell werfen. Dies ist natürlich alles nur hypothetisch, da ich ja nicht sagen kann, wie diese Privilegien aussehen würden. Für mich ist aber der triftigste Grund der, dass es gegen unsere demokratischen Grundsätze verstoßen würde. Nicht nur, dass eine große Masse benachteiligt werden würde, auch die Entscheidungskraft liegt in gewisser Weise willkürlich im Individuum und gibt mir stark zu bedenken. Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nach einer Alternative suchen würde, um Personen zur Impfung gegen Covid-19-Virus zu bewegen.       

Quellen:

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-debatte-impfen-vorteil-100.html

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-wer-geimpft-ist-darf-nicht-bevorzugt-behandelt-werden/26675618.html?ticket=ST-24537164-vnSdyiZXpUaMWzgLGDFh-ap6

https://www.deutschlandfunk.de/spahns-corona-impfplan-wer-wird-zuerst-geimpft-wer-spaeter.1939.de.html?drn:news_id=1209435

1)https://arztundkarriere.com/forschung/die-entwicklung-impfstoffen/

2) https://www.gesetze-im-internet.de/pbefg/BJNR002410961.html

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