Sollte man versuchen, Gott zu beweisen?

Meiner Meinung nach: ja!

In anderen Artikeln wurde schon angesprochen, dass Gottesbeweise kaum zu missionarischen Zwecken taugen, weil ein überzeugter Atheist eher nach Fehlern in der Argumentation des Beweises suchen wird, als sich zum Glauben an Gott bewegen zu lassen.
Gott beweisen zu wollen, um andere zu überzeugen, scheint demnach ein fragwürdiges Unterfangen zu sein.
Ich möchte aber von der anderen Seite herangehen: Gottesbeweise sollten nicht unbedingt deshalb gemacht werden, um andere zu überzeugen. Sie sollten vielmehr dem Gläubigen, der sie macht, oder auch anderen Gläubigen, eine Unterstützung sein. Glaube wird oft als etwas Gegensätzliches zur Vernunft gesehen, das auf Gefühlen beruht und sich nicht mit rationalem Herangehen ermessen, beweisen oder begründen lässt. Gläubige werden schnell als „naiv“ oder „leichtgläubig“ bezeichnet. Gerade für sie ist es eine Hilfe, sich auf etwas Logisches, Rationelles berufen zu können – auch zur eigenen Rechtfertigung vor Ungläubigen, aber vor allem für sich selbst, wenn sie ins Zweifeln kommen und sich fragen, ob ihr Glaube wirklich nur auf Gefühlen beruht.
Abgesehen davon kann es nicht schaden, einen Gottesbeweis zu versuchen. Warum sollte hier ein Denkverbot herrschen? Es gibt genauso Versuche, die Nichtexistenz Gottes zu beweisen, und eine Argumentation für Gott bereichert doch die Diskussion über dieses Thema. Also sollte es auch Philosophen geben, die für eine Gottesexistenz argumentieren.
Meiner Meinung lassen sich beide Thesen nicht irrtumslos beweisen – ob man nun glaubt, dass es Gott gibt, oder dass es ihn nicht gibt, muss jeder für sich selbst entscheiden können.

Die Relativität des Todes

„Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik.“
Josef Stalin

http://zitate.net/zitate/suche.html?query=stalin

Sieht man sich das Leben und Tun Stalins an, so wird schnell klar, dass er mit diesem Satz vermutlich Folgendes sagen wollte: „Wenn ich sterbe, ist das wirklich schlimm, aber wenn Millionen von Menschen durch mich sterben, ist das unbedeutend.“

Aber nur weil das von Stalin kommt, muss der Satz nicht weniger wahr sein!
Ich muss nur auf meine Reaktionen achten, um festzustellen, dass Stalin in gewisser Weise recht hatte: Wenn jemand aus meiner Familie oder aus meinem Freundeskreis sterben würde, wäre das zunächst sehr schlimm für mich, es wäre eine Tragödie. Aber wenn ich in den Nachrichten höre, dass schon wieder irgendwo soundso viel Menschen bei einem Bombenattentat starben, oder dass 2004 bei dem Erdbeben und dem Tsunami 230.000 Menschen umkamen, dann ist das für mich oberflächlich betrachtet nur eine Statistik, es sind nur Zahlen, die mich selbst nicht betreffen. Ich sehe nicht das Leid und die Menschen, die hinter diesen Zahlen stehen. Ich habe vielleicht Mitleid, bin ein bisschen geschockt, aber es trifft mich nicht mit derselben Wucht, als wenn ein mir nahestehender Mensch sterben würde.
Unter diesen Umständen ist der Tod eines Menschen (subjektiv gesehen) schlimmer als der Tod vieler Menschen.
Auch in der Öffentlichkeit und in den Medien macht sich das bemerkbar. Wenn eine berühmte Persönlichkeit stirbt, z.B. Michael Jackson, so bekommt diese Nachricht fast genauso viel Aufmerksamkeit wie eine Naturkatastrophe, bei der Hunderttausende umkommen.
Angemessen ist das meiner Meinung nach nicht, aber es ist verständlich. Jeder kann mit einem bekannten Idol mehr anfangen als mit anonymen Opferzahlen.

Objektiv betrachtet hat Stalin natürlich nicht Recht. Dass unter Hitler etwa 6 Millionen Juden umkamen, ist schrecklich, auch wenn es auf den ersten Blick „nur“ eine Zahl ist, mit der die meisten von uns keine persönliche Verbindung haben. Viele Menschen weinen, wenn ein Nahestehender stirbt, aber ich glaube, dass nur wenige um der 6 Millionen willen eine Träne vergießen. Trotzdem ist solch ein Massenmord eine riesige Tragödie, und nach dem Prinzip des Utilitarismus wäre es für die Allgemeinheit nützlicher gewesen, wenn nur einer gestorben wäre und dafür 6 Millionen überlebt hätten.
So gesehen ist die Aussage Stalins unhaltbar – es ist eben nicht gleichgültig und unbedeutend, wenn so viele Menschen sterben, auch wenn es sich für den Einzelnen nicht so „anfühlt“, und es zeugt von einem unglaublichen Egoismus, wenn man seinen eigenen Tod als Tragödie bezeichnet und dem Tod Millionen anderer gegenüber gleichgültig ist.

Aus dem Ganzen könnte man schlussfolgern, dass der Tod etwas Relatives ist, und dass das subjektive Empfinden und die objektive Beurteilung weit auseinandergehen können.
Wenn man das Subjektive, Persönliche dem Objektiven, Allgemeinen überordnet, passiert meiner Meinung nach Folgendes: Man verliert die Verhältnismäßigkeit und dreht sich nur noch um sich und die eigenen Gefühle und Wünsche, dabei vergisst man jedoch die anderen Menschen. Das muss nicht bei jedem katastrophale Auswirkungen haben, aber im Falle Stalins ging es so weit, dass er sich für die wichtigste Person hielt und kein Problem damit hatte, Millionen von Menschen umbringen zu lassen.

Was hältst du von Stalins Aussage?

Protokoll vom 10.10.12

Ergebnisprotokoll vom 10.10.12
Kurs: Ethikgrundkurs K2

Anwesende: 8 Schüler, 1 Lehrerin, 1 Blockreferendar

Thema: Rawls Gerechtigkeitstheorie

 

Gliederung:

  1. Person John Rawls
  2. Gedankenexperiment nach Rawls
  3. „Urzustand“ und Gerechtigkeitsgrundsätze bei Rawls
  4. Fazit

1. Person John Rawls

John Rawls war ein US-amerikanischer Philosoph, der von 1921 bis 2002 lebte. Sein Hauptwerk, von dem wir einen Auszug besprachen, heißt „A Theory of Justice“ und wurde im Jahre 1971 veröffentlicht.

 

2. Gedankenexperiment nach Rawls

Wir stellten fest, dass man beim gesellschaftlichen Zusammenleben gerechter Regeln bedarf. Die Notwendigkeit solcher Regeln und Absprachen, an die sich alle halten, zeigt sich am Beispiel einer WG:

In zwei Vierergruppen stellten wir uns jeweils vor, dass wir eine WG gründen, bei der die Wohnungsmiete 800 € pro Monat kostet. Unsere Aufgabe war es, Regeln für die Aufgabenteilung und die Finanzierung festzulegen.

Eine Gruppe bekam Rollenkärtchen, d.h. jedem wurde eine bestimmte Persönlichkeit zugewiesen, die er vertreten sollte:

–          Frieda, die nur wenig Geld zur Verfügung hat und sich auf ihre Prüfungen vorbereiten muss
–          Udo, der gern nachts sein Instrument spielt und durch Konzerte ab und zu Geld verdient
–          Petra, die ausreichend Geld hat, aber unter Migräneanfällen leidet
–          Torsten, der viel Geld verdient, aber auch wenig Zeit hat

In der anderen Gruppe wusste niemand, welche Rolle jeder später einnehmen würde. Sie sollten die Regeln festlegen, bevor sie das erfuhren.

Die beiden Gruppen kamen zu folgenden Ergebnissen:
Gruppe 1:

 

Gruppe 2:

Quelle der Bilder: Frau Schütze

 

Unsere Beobachtung: Die erste Gruppe ging individuell auf Bedürfnisse und Möglichkeiten der Einzelnen ein, während die zweite allgemeine Regeln aufstellte und die WG-Mitglieder als Gleichgestellte betrachtete.

3. „Urzustand“ und Gerechtigkeitsgrundsätze bei Rawls

Aus dem Text „Gerechtigkeit als Fairness“ arbeiteten wir folgende zentrale Punkte und ihre Definitionen heraus:

 

Vertragstheorie/prozedurale Theorie

–          Gemeinsame Verpflichtung zu gemeinsamen Grundsätzen
–          Zusammenarbeit ist wichtig
–          Ausarbeiten der Grundsätze ist ein Prozess

 

„Urzustand“

–          Gleichheit der Teilnehmer, die unter dem „Schleier des Nichtwissens stehen
–          Suche nach gemeinsamen Regeln des Zusammenlebens
–          Theoretischer/fiktiver Zustand

 

„Schleier des Nichtwissens“

–          Personen wissen nicht, was ihre zukünftige Lage sein wird (natürliche Begabungen, Status, Einkommen, …)
–          Dient der Neutralität

 

1. Freiheitsprinzip

–          Gleichheit der Grundrechte und –pflichten

 

2. Differenzprinzip

–          Ungleichheiten sind (später) vorhanden
–          Die Regeln sind also nur gerecht, wenn alle davon profitieren, besonders die weniger Begünstigten

 

 4. Fazit

Das Verfahren der zweiten Gruppe bei der Bildung einer WG verdeutlichte also das, was Rawls mit dem „Urzustand“ meinte: Sie standen unter dem „Schleier des Nichtwissens“, waren dementsprechend neutral und versuchten, für alle die Bedingungen so gut wie möglich zu gestalten.

Wir stellten uns die Frage, wie diese Theorie heute überhaupt funktionieren könnte.
Unsere Antwort fiel so aus: Zum Urzustand wird es nie kommen, aber Regelfindung und Gesetzgebung sind Prozesse, die auch heute immer wieder durchlaufen werden, und die beteiligten Personen sollten versuchen, sich ihren Hintergrund so gut wie möglich weg- und sich in den Urzustand hineinzudenken.

Außerdem kamen wir zu folgendem Schluss: Wenn Rawls heute eine Partei hätte, so wäre es ihm wichtig, sich besonders für die gesellschaftlich Benachteiligten und die sozial Schwachen einzusetzen sowie die Vermögenskonzentration auf wenige Reiche zu verhindern.

Müdigkeit

„Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.“
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Ich konnte entdecken, wie wahr diese Aussage ist. Zunächst wirkt es paradox: Normalerweise ist man doch erschöpft, wenn man viel arbeitet, noch dazu körperlich arbeitet. Aber durch das Nichtstun müde werden? Wie geht das? Ist Entspannen nicht eine schöne Beschäftigung? Eigentlich schon. Aber hier geht es um ein besonderes Nichtstun: Nicht etwa um das Ausruhen nach getaner Arbeit, oder das geruhsame Dösen an einem Ferientag, sondern das Nichtstun, wenn man eigentlich viel arbeiten müsste. Außerdem ist die Müdigkeit hier weniger auf den Körper, als vielmehr auf das seelische Befinden bezogen.

Ich für meinen Teil erlebe das oft: In meinem Hausaufgabenheft stehen so viele Dinge, die ich erledigen müsste, Klausuren, die vorbereitet werden müssten, und auch im Hinterkopf gibt es noch eine Liste, die sich mehr um meine Familie und meine Freunde dreht und um Beziehungen, die gepflegt werden müssten. Von allen Seiten werden Erwartungen gestellt. Ich sehe all das vor mir, und trotzdem fange ich nicht an zu arbeiten. Ich bin irgendwie blockiert. Gleichzeitig stehe ich unter Druck, weil die Zeit vergeht. Und diese innere Blockade und das schlechte Gewissen zermürben mich, machen mich müde.
Oft erlebe ich, wenn ich dann doch noch anfange, dass die erledigte Arbeit mich richtig glücklich macht, und ich Spaß daran habe, die Liste abzuarbeiten. Aber der erste Schritt der Überwindung fällt sehr schwer.
Am Schlimmsten ist es sogar, wenn ich keinen Termindruck habe – dann schiebe ich die Arbeit vor mir her und werde sie nie los, sie schwebt immer über mir wie ein Schatten. Ich kann keinen Frieden mehr haben, solange sie mir immer wieder in den Sinn kommt und mich geradezu quält, weil ich Angst vor ihr habe, oder weil ich sie in meiner Faulheit für sehr aufwendig oder unangenehm halte.

Seelisch müde machen auch die Pflichten, die unser Gewissen uns vorschreibt, aber die wir trotzdem liegenlassen, ignorieren und einfach weitergehen. Man hat die Gelegenheit nicht genutzt, und nun ist sie vorbei, und man fühlt sich schuldig. Innere Vorwürfe rauben die Ruhe. Es war nicht richtig, das Notwendige zu unterlassen, und doch hat man es getan. Wie viel hätte man sich erspart, wenn man einfach angepackt hätte! Es wäre vielleicht anstrengend und schwierig gewesen, aber dafür könnte man noch ruhig schlafen, das Gewissen wäre rein.
So eine unerfüllte Pflicht kann z.B. unterlassene Hilfeleistung bei einem Autounfall sein, an dem man einfach vorbeifährt, oder wenn man einem Mitschüler nicht hilft, von dem man weiß, dass er große Probleme hat, und eines Tages erfährt man, dass er Selbstmord gemacht hat.
Manche Menschen schleppen solche Erlebnisse ihr Leben lang mit sich herum und können sich nicht vergeben. So etwas ist nie wieder gutzumachen! Wäre man nur vorher schon so klug gewesen, und hätte sich nicht gedrückt.

Insofern ist die Arbeit, die man liegen lässt, viel belastender und zermürbender als die Arbeit, die man angeht und erledigt. Bei der einen wird man seelisch, bei der anderen körperlich müde – und seelische Müdigkeit ist oft schwerwiegender und lässt sich nicht so leicht beheben, wie körperliche Erschöpfung.

Hat dich das Nichtstun schon mal erschöpft?

Protokoll vom 14.06.12

Protokoll vom Donnerstag, dem 14. Juni 2012

Anwesende: 9 Schüler, 1 Lehrerin
Protokollant: T.S.
Klasse: K1, Raum 84

Gliederung:

1. Besprechung der Thesen von Peter Singer
2. Inhalt der Fernsehsendung
3. Meine Antworten auf die Fragen zu der Sendung

 

1. Besprechung der Thesen von Peter Singer

Unsere Lehrerin begann den Unterricht damit, dass sie die Thesen von Peter Singer, mit denen wir uns in der letzten Stunde auseinandergesetzt hatten, wiederholte. Sie stellte uns die Frage:
Welche Konsequenzen hat Peter Singers Ansatz für das Handeln?
Antwort der Schüler: Im Gegensatz zu Kant zähle für Singer nur das Ergebnis einer Handlung. Damit gehöre er zu den Utilitaristen. Nach Singer solle man sich beim Handeln nur auf das Ziel konzentrieren, die Maximen und Grundsätze, die für die Handlung zugrundeliegen, würden nicht bewertet werden. Somit könne man auch aus eigensinnigen Motiven handeln, solange das Ergebnis der Mehrheit der Gruppe nützlich sei.
Die Lehrerin entgegnete daraufhin, dass nach Peter Singer zuerst die Interessen und Wünsche aller Beteiligten geprüft und die Perspektiven der anderen berücksichtigt werden sollten. Man solle diese abwägen und dann erst handeln. So seien allerdings, wie es bei ethischen Grundsätzen oft der Fall sei, keine spontanen Handlungen möglich. Zudem könne man Singer kritisieren, weil es nicht möglich sei, objektiv abzuschätzen, was die anderen wollen.

 

2. Inhalt der Fernsehsendung

Wir sahen uns die Aufnahme einer Gesprächsrunde an. Diese hieß „Menschen bei Maischberger“ und wurde vom WDR 2008 ausgestrahlt.
Zu Gast waren: Peter Singer (Philosoph), Claudio Kürten (Querschnittsgelähmter), Simone Guido (Mutter von Tim, der eine Abtreibung überlebte), Christa Nickels (Grünen-Politikerin und ehemalige Krankenschwester) sowie Michael de Ridder (Arzt).
Die Diskussion drehte sich um die Frage des Lebensrechts und des Lebenswertes im Falle von abgetriebenen Kindern, Behinderten, Komapatienten usw.

 

3. Meine Antworten auf die Fragen zu der Sendung

a) Notiere die Kriterien Peter Singers für den „Wert des Lebens“

Das macht nach ihm ein lebenswertes Leben aus:

– Sich wahrnehmen zu können und autonom zu sein
– In der Zeit befindlich zu sein (sich seiner selbst bewusst sein)
– Nicht leiden zu müssen
– Einen Lebenswillen zu haben

Der Lebenswert hänge zudem von den Fähigkeiten ab. Die Eltern sollten entscheiden, ob das Kind abgetrieben werden solle, oder nicht. Peter Singer unterscheidet unter Lebenswert und Lebensrecht – z.B. Tim, der behindert ist und seine eigene Abtreibung überlebte, hat für ihn kein Lebenrecht, aber sein Leben sei lebenswert, weil er die Kriterien erfülle.

b) Welche Argumente (+) und Gegenargumente (-) zu Singers Thesen gibt es?

– Nach den Menschenrechten hat jeder das Recht auf Leben
– Zu bestimmen, wer ein Recht auf Leben hat und wessen Leben lebenswert ist, führt zur Selektion und ist eine Anmaßung
– Singers Thesen erinnern teilweise an dunkle Kapitel der Menschheitsgeschichte (z.B. das Dritte Reich), in denen die Menschenrechte außer Kraft gesetzt wurden und grausame Verbrechen das Resultat waren

+ Irgendwo müssen Grenzen geschaffen werden. Wenn Abtreibung unter gewissen Bedingungen straffrei ist und Menschen ab dem Herztod für tot erklärt werden, muss man definieren, was die Bedingungen dafür sind, ab wann  man einem Menschen das Lebensrecht oder den Lebenswert absprechen kann. Peter Singer hat mit seinen Kriterien dafür eine Lösung gefunden.
+ Man könnte (laut Singer) die Frage stellen, warum ein geistig behinderter Mensch grundsätzlich mehr Recht zu leben haben soll als ein Schimpanse. Er bezeichnet dies als Rassismus.

c) Wie wirken die Personen?

Peter Singer (Philosoph): konsequent in seiner Theorie, abgeklärt, überraschend sympathisch (obwohl er eine so strittige Position vertritt)
Claudio Kürten (Querschnittsgelähmter): sehr überlegt, ruhig, klug, interessante Beiträge, tolerant
Simone Guido (Mutter von Tim, der eine Abtreibung überlebte): sympathisch
Christa Nickels (Grünen-Politikerin und ehemalige Krankenschwester): schwer einzuordnen, aber gute Argumente
Michael de Ridder (Arzt): wirkt nicht überzeugend

Was ist Freiheit

(Inspiriert durch den Film „Drei Farben: Blau“ und http://www.epos.uni-osnabrueck.de/music/templates/buch.php?id=25)

Bedeutet Freiheit, frei zu sein von allem, was bindet?

Diese Frage wirft sich durch den oben genannten Film auf. Wenn man etwas so Schreckliches erlebt wie die Hauptperson des Filmes, will man, wie sie, erst einmal Abstand gewinnen bzw. alle Erinnerungen an die Person, die man verloren hat, vernichten, um nicht länger gequält zu werden. Dazu müssen auch alle Beziehungen abgebrochen werden, letztlich muss man sein ganzes Leben ändern, sich eine neue Umgebung suchen, um zumindest nicht mehr bei jedem Schritt und Tritt daran denken zu müssen. Vielleicht beschließt man auch, nie wieder Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen – auch sie könnte man doch eines Tages wieder verlieren, und dieses Risiko will man nicht mehr eingehen. Die Frau aus dem Film drückt sich so aus: »Aber jetzt habe ich verstanden, dass ich nur noch eins tun werde: nichts; dass ich keinen Besitz mehr will, keine Erinnerungen, keine Liebe, keine Bindungen, keine Freunde.«

Im Laufe des Films erlebt sie aber, dass Erinnerungen wie das Seil bei einem Bungeesprung sind: Wenn man losspringt (wenn man sich befreien will), spürt man zunächst nichts mehr von dem Seil und erlebt kurzfristig das Gefühl „absoluter Freiheit“ – aber bevor man den Boden erreicht, spannt es sich und man wird von ihm zurückgehalten (die Erinnerungen holen einen irgendwann wieder ein).

Diese Rolle der Erinnerung übernimmt in dem Film die Musik ihres Mannes, die ihr ständig in den Kopf kommt – genauso, wie man sich von einem Ohrwurm nur schwer wieder trennt, sind auch Erinnerungen nur schwer loszubekommen.

Letztlich muss sie einsehen, dass sie nicht ewig davonrennen kann, und sie beginnt, sich wieder neu für ihre Umwelt und menschliche Bindungen zu öffnen, schließlich komponiert sie sogar das Stück zu Ende.

Ich denke, dass das eine sehr gute Metapher ist: Freiheit bedeutet meiner Meinung nach nicht, frei zu sein von jeglicher Bindung und sich von allem loszusagen. Man mag eine Weile lang vermeintlich frei sein, aber irgendwann kommt, wie in dem Film mit der Musik, alles wieder zurück, und man spürt, dass man doch noch immer an dem „Bungeeseil“ der Erinnerungen hängt.

„Die Flucht nach vorn“ ist es also nicht, was frei macht. Ich denke, dass nur der frei ist, der vor nichts mehr davonlaufen muss, der seinen Frieden mit der Vergangenheit und mit seiner Lebenssituation geschlossen hat.

Was denkst du darüber? Was ist Freiheit?

Protokoll, 22.09.11

Kurs: Ethikgrundkurs Gymnasium Gerabronn, K1
Anwesende: 8 Schüler und 1 Lehrerin
Protokollant: T.S.

Gliederung:

  1. Organisatorisches
  2. Was kennzeichnet den Menschen?
  3. Übung zur Textanalyse

1. Organisatorisches:

Am Anfang der Doppelstunde klärten wir, wer eine GFS in Ethik halten möchte und verteilten die Themen. Danach besprachen wir ein Arbeitsblatt zum Thema Protokoll schreiben. Das Kursprotokoll wird ins Weblog gestellt, um Wichtiges festzuhalten und um die Nichtanwesenden zu informieren. Frau Schütze machte uns darauf aufmerksam, dass ihr das Weblog als Gedächtnisstütze diene und dass wir ungeklärte Fragen, Buch-/Film- oder sonstige Empfehlungen hier einstellen sollten.

2. Was kennzeichnet den Menschen?

Die Diskussion (ausgelöst durch ein Bild von einem Menschen und einem Affen, die die gleiche nachdenkliche Pose haben), was den Menschen vom Tier unterscheidet, hielten wir in folgendem Tafelaufschrieb fest:

Was kennzeichnet den Menschen?

– er denkt, handelt bewusst
– Perspektivwechsel
– er kann sprechen
– er kann über seine Gefühle nachdenken
– er ist weltoffen (kommuniziert)
– er kann seine Zukunft gestalten

3. Übung zur Textanalyse

Anschließend begannen wir mit den Basis-Lernstationen zu einer Abhandlung von Descartes, die uns Schritt für Schritt zu einer Textanalyse führen. Nächste Stunde machen wir damit weiter.

Hausaufgabe: E-Mail an Frau Schütze schreiben, damit sie uns hier anmelden kann; Erlaubnis-Zettel mitbringen