Kreativität, Freiheit und des Rätsels Lösung

Versuche mal, die Punkte alle mit einer Linie zu verbinden, aber nur mit vier zusammenhängenden Geraden.

Ich wette mit Dir, dass Du das nicht schaffst, wenn doch, sag mir Bescheid. Was dieses Rätsel jetzt mit Ethik zu tun hat? Erkläre ich Dir gleich. Erst müssen wir mal noch das Rätsel lösen. Die Lösung findet ihr in den Kommentaren.

Tja, da wärst Du nicht draufgekommen, oder? Ich auch nicht. Und wieso? Weil man dazu nicht nur „ums Eck“ denken muss, sondern über das System heraus. Der Mensch ist so darauf fokussiert, die Punkte zu verbinden, dass er gar nicht auf die Idee kommt, mal die Linien länger zu ziehen. Man sieht also „den Wald vor lauter Bäumen nicht“. So oder zumindest so ähnlich ist das ja auch oft im echten Leben. Da stellt sich aber die Frage: Wieso? Wieso sind wir oft von Problemen oder Situationen überfordert, obwohl mit ein bisschen, ich nenne es mal Kreativität, die Lösung ganz einfach erscheint? Wieso fehlt den Menschen manchmal das kleine bisschen Freiheit um das System herum zu denken?

An dieser Stelle möchte ich gerne ein kleines Beispiel anführen: Jeder kennt die Momente, in denen man von Familie oder Freunden mal wieder aufgezogen oder geneckt wird, man aber einfach gerade total auf dem Schlauch steht und einem keine gewitzte, schlagfertige Antwort einzufallen vermag – die vielen möglichen Antworten fallen einem natürlich erst hinterher ein.

In so einer Situation ist der Mensch unfähig, sich von seiner gewohnten, rationalen Denkstruktur, die von uns im täglichen Leben, in der Schule oder auf der Arbeit gefordert werden, loszulösen und ein wenig „kreativ“ ums System herum zu denken. So ist das auch in unserem Rätsel: Man ist zusehr darauf fokussiert, die Punkte möglichst innerhalb des „Rahmens“ zu verbinden, dass man gar nicht auf die Idee kommt, weiter zu gehen als der letzte Punkt, über den Rand hinaus zu gehen. Jetzt kommt vielleicht die Frage auf „Ja, schön und gut, Theano, aber was ist denn jetzt eigentlich die Kreativität und die Freiheit, von der Du da sprichst?“

Beginnen wir einmal mit der Kreativität. Meiner Meinung nach kann man jemanden als kreativ bezeichnen, wenn er fähig ist, das gewohnte, rationale Denke bewusst zu umgehen, bewusst nach anderen Wegen zu suchen, um ans Ziel zu kommen. Udo Jürgens hat es einmal (etwas drastischer) so formuliert:

Vernunft ist der Tod der Kreativität.

Udo Jürgens; Quelle: http://familien-info.blogspot.com/2015/01/udo-juergens-zitate.html

Mich selbst würde ich noch nicht als sonderlich kreativ bezeichnen, und auch Menschen, die vielleicht furchtbar toll zeichnen können (was natürliche sehr lobenswert ist!) würde ich nach dieser Auffassung nicht als kreativ bezeichnen. Aber ich denke, diese Kreativität, die ich beschrieben habe, kann man gewissermaßen „lernen“, man sich diese Art von Problemlösungen nur bewusst machen.

Oben habe ich aber neben der Kreativität auch noch die Freiheit, die mit eng verknüpft mit jener erscheint, erwähnt. Erich Fromm drückte es einmal so aus:

Kreativität erfordert den Mut, Sicherheiten loszulassen.

Erich Fromm; Quelle: https://gutezitate.com/zitat/202705

Die „Sicherheiten loszulassen“, das setzt doch voraus, mehr Freiheit zu bekommen: In der Diskussion um den Patriot Act in den USA nach 9/11 und in der Diskussion in Deutschland um die Vorratsdatenspeicherung wurde oft diese einfache Gleichung erwähnt: mehr Sicherheit = eingeschränkte Freiheit. Umgedreht ergibt das also mehr Freiheit = wenig Sicherheit. Um zu größerer Kreativität zu gelangen, müssen wir also die Freiheit haben, unsere gewöhnlichen Denkmuster zurückzulassen und uns auf etwas neues, ungewohntes einlassen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Wir bei Problemen zu sehr auf die Lösung fixiert sind, zu uns zu sehr unter den Druck setzten, das Problem zu lösen; und dass uns deshalb die Kreativität verwehrt bleibt, die wir mit der Freiheit erlangen können, die gewohnten Denkmuster hinter uns zu lassen. Ansonsten rennen wir, ähnlich wie das Eichhörnchen bei Ice Age, ewig der linearen Lösung des Problems hinterher, ohne über einen Umweg, ohne das „System zu durchbrechen und zu einer einfachen Lösung zu gelangen.

Ich hoffe, mein Beitrag konnte euch ein neue Erkenntnis liefern 😉

Was denkt ihr zu dem Thema? Ist Kreativität manchmal des Rätsels Lösung? Und was bedeutet Kreativität für euch?

Ethik Protokoll vom 09.11.18

Stundenprotokoll vom 9.11.18

Thema: moralische und unmoralische Handlungen; Datum: 9.11.18; Zeit: 7.45-9.20; Referentin: Frau Schütze; Anwesend: alle Schüler des Ethik-Kurses der K1

 

  • Organisatorisches
  • Das Floß
  • Kant + Sophie
  • Pflicht + Neigung
  • Beurteilen von Handlungen

 

Zu Beginn der Stunde führten wir eine Abstimmung durch, über die wir entschieden, die anstehende Klassenarbeit am 30. November ohne Hefter zu schreiben.

 

Anschließend schauten wir (natürlich bei einer Tasse Tee 🙂 ) den Kurzfilm „Das Floß“ an, in dem es um zwei Männer auf einem Floß auf dem Meer geht. Zu Beginn möchte der Braunhaarige einen Fisch mit dem Messer fangen, der Blondhaarige realisiert jedoch schneller, dass es sich bei dem besagten Fisch um einen Hai handelt, und rettet seinen Kumpanen vor diesem. Später geraten die beiden aber über einen Fisch, den sie einer Möwe abluchsen konnten, in Streit, der darin endet dass der Braunhaarige vom Blondhaarigen ins Wasser gestoßen wird. Dies führt den Blondhaarigen in eine Dilemma-Situation: Entweder er rettet den Braunhaarigen vor dem sich nähernden Hai, und überlässt den Fisch, der noch auf dem Floß liegt, der hinzugekommenen Möwe; oder er rettet den Fisch und somit seine Nahrung, und überlässt seinen Kumpane dem Hai.
An dieser Stelle stoppten wir den Film und diskutierten, wie wir uns und dieser Situation verhalten würden und wie der Blondhaarige im Film sich wohl verhalten würde. Wir kamen (einstimmig!) zu dem Schluss, dass jeder von uns in dieser Situation den Menschen retten würde, da unser Gewissen uns dazu bewegen würde, wir nicht allein sein wollten und wir die Pflicht haben zu helfen; der Blondhaarige im Film aber vermutlich den Fisch retten würde, sei es aus Egoismus, Moral oder purem Hunger.

Wie wir es vorausgesagt hatten, endete der Film damit, dass der Blondhaarige den Fisch rettete, der Braunhaarige vom Hai gefressen wurde, und, von uns jedoch unerwartet, der Blondhaarige sich am Fisch verschluckte und starb. Nach seinem Tod tauchte natürlich direkt im Hintergrund ein Passagierschiff auf, das beide hätte retten können, hätten sie sich anders entschieden…

 

Anschließend schauten wir uns eine Serie des Bayrischen Rundfunks an, in der es um die Philosophiestudentin Sophie ging, die sich eingehend mit Kant beschäftigt und sich auch gewissermaßen mit ihm „unterhält“. Darin kamen die verschiedenen ethischen Richtungen zum Ausdruck:

Auf die Idee zu seiner Pflichtethik kam Kant auf einem seiner Spaziergänge: Er hielt inne, als er einige tote Schwalbenküken auf dem Weg entdeckte, die aus dem Nest herausgestoßen waren, um mit der knappen Nahrung wenigstens einige der Küken versorgen zu können. Kant dachte, dass es so etwas wie den Instinkt der Tiere (z.b. eben in dieser Situation) auch bei den Menschen geben sollte, etwas, woraus der Mensch seine Entscheidungen ableiten kann. So kam Kant also auf die Lehre der Pflichtethik.

Anschließend lasen wir den ersten Abschnitt von Kants Text „Grundlagen zur Metaphysik der Sitten“ und gliederten mit den Aussagen dieses Textes Handlungen in pflichtwidrige und pflichtgemäße Handlungen und Handlungen, deren Beweggrund die Pflicht selbst ist.

Zum Schluß beurteilten wir nach diesem erarbeiteten Schema verschiedene Situationen, wobei die Grundsituation jeweils die Gleiche war: Es ging um einen Blinden,B, und einen Sehenden,S, wobei der Blinde über die Straße möchte. In einigen Situationen hilft der Sehende dem Blinden, in manchen nicht und in einigen führt er in sogar vor ein Auto.

Bei der Einordnung in unmoralisch, ethisch neutral und moralisch diskutierten wir vor allem die Beweggründe des Sehenden, da die Motive ausschlaggebend zur Beurteilung sind.

Nach dieser Diskussionsrunde endete die Ethikstunde, obwohl natürlich, wie sooft, die Diskussionen noch in die Pause getragen wurden ; )