Ethik ist wichtiger als Religion ~ Der Appell des Dalai Lama

„An manchen Tagen denke ich, dass es besser wäre, es gäbe gar keine Religionen!“ Wer könnte einen solch provokanten Satz verfasst haben? Sicherlich niemand religiöses, oder? Falsch gedacht, dieses Zitat stammt von dem Dalai Lama. Eine Welt ohne Religionen und die Bräuche, Kulturen, aber auch Probleme, die diese geschaffen haben, ist kaum vorstellbar. Um allerdings verstehen zu können, was dieser Ausspruch bedeutet muss man den Verfasser genauer betrachten.

Der Dalai Lama ist das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus. Der Legende nach ist der Dalai Lama das Wesen Avalokiteshvaras. Dies ist der Bodhisattva (ein vollkommen erleuchtetes Wesen) des Mitgefühl und der Schutzpatron von Tibet. Durch Reinkarnation bleibt der Dalai Lama sozusagen langfristig auf der Erde. Der Dalai Lama übt allerdings nicht nur spirituelle Funktionen aus, sondern ist auch das Oberhaupt der tibetischen Regierung. Das Wort Dalai stammt aus dem Mongolischen und steht für Ozean (voll Weisheit) und Lama ist tibetanisch und bedeutet Lehrer.

Der aktuelle Dalai Lama trägt den Namen Tenzin Gyatso und er ist der 14. seiner Art. Aufgrund des Konfliktes zwischen China und Tibet, war der Dalai Lama 1959 gezwungen aus Tibet zu fliehen und nach Nordindien ins Exil zu gehen. Der chinesische Konflikt ist der Grund, weshalb der Dalai Lama entschieden hat, dass er wahrscheinlich vorerst der letzte seiner Art gewesen ist. Somit will er den Einfluss der chinesischen Regierung in den tibetanischen Buddhismus verhindern.

Der Friedensnobelpreisträger ist bekannt für seine Offenheit, seine Freundlichkeit und sein sympathisches Lachen. Er steht für Mitgefühl und Einsicht: „Ich kenne keine Feinde. Es gibt nur Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe.“ Dies bezieht sich vor allem auf die Volksrepublik China. Obwohl er aus seinem Land fliehen musste, hegt er keinen Groll gegen die chinesische Regierung, was ich sehr bewundernswert finde.

Die Grundaussage des Dalai Lama ist, dass die Menschheit zusammenhalten soll und sich als Einheit sehen, statt sich aufgrund von sekundären Merkmalen zu distanzieren und gegenseitig auszugrenzen. Nationalität, Religion, Kultur und Aussehen sind zweitrangig. Er beginnt seine Reden stets mit: „Liebe Brüder und Schwestern“, da er jeden Menschen als sein Geschwister betrachtet. Eine weltweite Einheit würde viele Missstände beseitigen, welche ausschließlich aufgrund der Überbewertung solcher Merkmale auftreten. Deshalb ist er ein absoluter Fan der Europäischen Union, da es hier geschafft wurde ehemalige Kriegsfeinde in einem Bündnis zu vereinen. Russland als Mitglied der EU wäre ein Traum für ihn. Gewaltlosigkeit, Abrüstung und das friedvolle Lösen von politischen Konflikten sind zentrale Themen für ihn. Er steht ebenso für Klimaschutz, Gleichberechtigung und er ist Atomwaffengegner. Im Westen wäre er also eher links orientiert.

Besonders wichtig ist ihm eine säkulare Ethik. Diese besteht aus Mitgefühl, Vergebung, Geduld und Friedfertigkeit. Wie der Titel verrät, stellt er diese Ethik über Religion. Mitgefühl und moralische Grundsätze sind dem Menschen angeboren, religiös wird ein Mensch erst durch äußere Einflüsse. Der Dalai Lama brachte einst diesen treffenden Vergleich:

Nach meiner Überzeugung können Menschen zwar ohne Religion auskommen, aber nicht ohne innere Werte, nicht ohne Ethik. Der Unterschied zwischen Ethik und Religion ähnelt dem Unterschied zwischen Wasser und Tee. Ethik und innere Werte […] sind eher wie Wasser. Ohne Wasser kein Leben. Der Tee, den wir trinken, besteht zum größten Teil aus Wasser, aber er enthält noch weitere Zutaten […] und das macht ihn gehaltvoller, nachhaltiger und zu etwas, dass wir jeden Tag haben möchten. Aber unabhängig davon, wie der Tee zubereitet wird: Sein Hauptbestandteil ist immer Wasser. Wir können ohne Tee leben, aber nicht ohne Wasser. Und genauso werden wir zwar ohne Religion geboren, aber nicht ohne das Grundbedürfnis nach Mitgefühl.

~ Dalai Lama

Meiner Meinung nach, vertritt der Dalai Lama äußerst interessante Ansichten. Ich finde Religionen bereichern die Vielfalt der Menschheit durch Bräuche und die Prägung von unterschiedlichen Kulturen. Allerdings haben Religionen der Menschheit auch schon viel Unglück gebracht.

Religionen sind etwas sehr persönliches und jeder sollte das glauben und ausleben, was er will, solange dabei niemandem geschadet wird. Ich finde es allerdings sehr schade, dass es so viele Mitläufer gibt. Ich frage mich des Öfteren, wie viele Menschen ihrer jetzigen Religion angehören würden, wenn alle Kinder unbeeinflusst aufwachsen würden und ihnen nach Bekanntmachung mit den unterschiedlichen Religionen die Wahl gelassen werden würde, ob sie einer Religion beitreten, bzw. welchen Glauben sie vertreten und ausleben wollen. Wie bereits erwähnt, ist Glaubensfreiheit sehr wichtig, allerdings nehmen viele Menschen Religionszugehörigkeiten als weiteres Merkmal nach dem kategorisiert werden kann. Dies führt zu Kriegen, Terroranschlägen und Ausgrenzung. Dabei ist die Religion doch ein so kleiner Teil des Daseins eines Menschen. Wir haben alle ähnliche Körper, Gehirne, Intelligenzen sowie die gleichen angeborenen Grundwerte. Ich kann mir gut vorstellen, dass in vorangegangenen Zeiten, in welchen die Bevölkerung der Erde isoliert zueinander lebte, ein engstirnigeres Weltbild hatten als viele, zumindest aus der westlichen Welt es heute vertreten. Damals war es einfach sich in physische und ideologische Unterschiede hinein zu steigern, was zahlreiche Kriege belegen. Selbst innerhalb einer Religion gibt es oft Differenzen, wie im Christentum zwischen evangelisch und katholisch. Heute leben wir allerdings in einer modernen und globalisierten Gesellschaft, in welcher meiner Meinung nach Ausgrenzung aufgrund der genannten Merkmale kein Platz mehr hat. Ich kann hier also den Appell des Dalai Lama unterstützen. Alle sollten sich in einer allgemeingültigen säkularen Ethik, Geduld und Altruismus üben. Natürlich dürfen Menschen gerne ihre Religion vertreten und ausleben, allerdings nur wenn dies nicht als Anlass gesehen wird, den Rest der Gesellschaft, der nicht eben dieser Religion angehört, herabzustufen.

Wir leben in einer Welt, die von Kapitalismus, Egoismus und sozialen Unterschieden geprägt ist. Wäre nicht eine Welt erstrebenswert in der es keine BlackLivesMatter-Bewegung geben würde, weil es niemals angezweifelt würde, dass das Leben eines Menschen etwas wert ist? Was haltet ihr von dem Thema? Stimmt ihr dem Dalai Lama zu oder findet ihr Religion wichtiger als Ethik?

Quellen:

Hier habt ihr eine gute kurze Zusammenfassung über den Dalai Lama (englisch!)

Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020 – John Stuart Mill und der Utilitarismus

Datum: 26.06.2020

Klassenstufe: K1

Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn

Teilnehmer: 15 von 15 Schülern

Inhalt

Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br über den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende gehört und anschließend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. Moonlight hat in ihrem Beitrag vom 25.06.2020 die Lösungen des Arbeitsauftrages bereits gut zusammengefasst, weshalb ich nicht mehr detailliert darauf eingehen werde. Hier als Übersicht eine grobe Zusammenfassung und am Ende dieses Beitrages findet ihr den passenden Aufschrieb.

Der Utilitarismus laut John Stuart Mill – Zusammenfassung

Das Gemeinwohl wird über das Wohl des Einzelnen gestellt. Grundsätzlich sollen jedem Individuum größtmögliche Freiheiten eingeräumt werden, außer dies könnte dem kollektiven Gemeinwohl schaden. So lehnt diese Philosophie ungleiche Gesellschaftsformen ab, in welchen kleine Eliten den Großteil des Gesamtvermögens besitzen. Um eine utilitaristische Gesellschaft zu ermöglichen, dürfen die einzelnen Teilnehmer der Gesellschaft keine egozentrischen Weltanschauungen vertreten, sondern müssen stets das Gemeinwohl im Auge behalten (→ Wohlverstandenes Eigeninteresse). John Mills Theorie widerspricht der von Jeremy Bentham in dem Punkt, dass laut Mill Leid und Glück nicht quantitativ, sondern qualitativ gemessen werden muss. Hierbei ist vor allem die Langfristigkeit des Leids oder Glücks ausschlaggebend, also welche Folgen die Handlung mit sich bringt. Hat eine Handlung die Tendenz langfristiges Glück zu befördern, so wird sie von Mill als gut erachtet. Er sprach auch oft von Lust. Damit war allerdings nicht die sinnliche Lust, sondern die Freude an geistiger Betätigung gemeint.

Gerecht ist was dem Kollektiv nützt. Hier spielt vor allem der Pro-Kopf-Nutzen, d.h. das durchschnittliche Glück, welches die Beteiligten erleben, eine wichtige Rolle. Der Zweck kann also die Mittel heiligen. Dies ist aus heutiger Sicht allerdings fraglich, da menschenunwürdige Mittel nicht durch eine positive Konsequenz ausgeglichen werden können.

1867 wurde das britische Wahlrecht reformiert, wodurch die Anzahl an Wahlberechtigten ungefähr verdoppelt wurde. Hierbei war John Stuart Mill maßgeblich beteiligt. Er forderte allerdings ein Zensuswahlrecht auf der Grundlage von Bildung, um eine Tyrannei der ungebildeten Mehrheit zu verhindern.

Trotz seiner liberalen Ansichten, sah Mill es als die Aufgabe vom Staat und der Gemeinschaft bei der Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Heizung die Bürger zu unterstützen. Außerdem war es seiner Meinung nach legitim, wenn der Staat beispielsweise die Alkoholpreise erhöht, um so die Bürger vor sich selbst zu schützen.

Das Trolley-Dilemma

Den Rest der Stunde haben wir uns mit dem Trolley-Dilemma befasst. Hierbei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in welchem man sich in Situationen hineinversetzt, bei denen es keine gute Lösung gibt, da beispielsweise über Menschenleben abgewägt wird. Bekannt hierbei ist vor allem das Modell des Zuges. Man nimmt die Position des Weichenstellers ein, welcher entscheiden muss auf welchem Gleis der Zug weiterfährt. Das Problem ist, dass egal wie man sich entscheidet, die Situation stets ein schlechtes Ende nimmt, da auf beiden Gleisen sich z.B. unterschiedliche Anzahlen an Bauarbeitern befinden.

Hierzu haben wir das Video „Filosofix: Das Gedankenexperimet „Straßenbahn““ von dem SRF geschaut und ein passendes Arbeitsblatt bearbeitet. Auf diesem muss man selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg der Zug nehmen soll.

Der Zug tötet entweder:

  1. Einen oder fünf Bauarbeiter.
  2. Fünf Bauarbeiter oder einen dicken Mann, den man selbst von einer Brücke schubsen muss und welcher den Zug stoppen würde.
  3. Einen Bauarbeiter oder fünf Bauarbeiter, zu denen man selbst gehört.
  4. Einen selbst oder fünf Bauarbeiter.

Nach der Besprechung in der Klasse, hat sich herausgestellt, dass sich die meisten folgendermaßen entschieden haben:

  1. Die fünf Bauarbeiter retten und den Einen opfern.
  2. Den dicken Mann nicht schubsen, da dies eine mutwillige Tat wäre und einen Unbeteiligten involvieren würde.
  3. Den einzelnen Arbeiter opfern und sich selbst sowie die vier anderen Arbeiter retten.
  4. Intuitiv würde sich wahrscheinlich jeder selbst retten. Hätte man allerdings länger Zeit zu überlegen, würden sich eventuell manche selbst opfern.

Gemeinsam als Kurs haben wir per Mehrheitsabstimmung den Test der Moral Machine durchgeführt. Hierbei entscheidet man in verschiedenen Szenarien, wie ein autonomes Auto in ausweglosen Situationen zu reagieren hat. Das Prinzip ist wie oben dasselbe: Man muss zwischen Leben abwägen. In diesem Gedankenexperiment geht es jedoch nicht nur darum, wie bei den Bauarbeitern die Quantität an Leben abzuwägen, sondern die Qualität muss auch berücksichtigt werden. Der Simulator stellt einen vor Entscheidungen, bei welchen die Anzahl, das Geschlecht, die soziale Stellung, das Alter, die Befolgung der Gesetze (Fußgänger überqueren die Straße bei rot/grün) und sogar die Spezies (Haustiere sind auch Teil der Aufgabe) abgewogen werden müssen. Ein angenehmes Gefühl hinterlässt das Gedankenexperiment nicht wirklich. Trotzdem war das Ergebnis sehr interessant. Nach der Beendung der Simulation, wird eine Zusammenfassung erstellt, welche Präferenzen sich während der Durchführung gezeigt haben. In unserem Kurs sah dies wie folgt aus: Im Durchschnitt hat unser Kurs sehr utilitaristisch entschieden, was sich z.B. durch das Retten von Ärzten zeigte. Es wurden von der Mehrheit eher Männer gerettet, genauso wie jüngere und sozial höher gestellten Menschen Vorrang gegeben wurde. Bei der Entscheidung zwischen Mensch und Tier hat sich der Kurs stets für den Menschen entschieden.

Führt den Test einmal selbst durch und schreibt in die Kommentare, wie eurer Ergebnis lautet. Findet ihr die Entscheidungen unseres Kurses richtig oder hättet ihr anders gewählt? Ihr könnt auch gerne zu dem oberen Dilemma mit den Bauerbeitern Stellung beziehen.

Aufschrieb

Grundgedanken

  • Gerechtigkeit
  • Allgemeinwohl vor Eigenwohl → Pro-Kopf-Nutzen steigern
  • Größtes Glück für die größte Zahl (an Menschen) → „Pig philosophy“? →langfristiges Glück, Bildung, Qualität des Glücks ( ↯ Gegensatz zu Bentham) →auch Einschränkungen der Freiheit Einzelner möglich

Kritikpunkte

  • „Pig philosophy“ (Gegner vertreten die Meinung, Mills Philosophie würde ausschließlich kurzfristige Lust erzielen)
  • Einzelinteressen werden geopfert
  • Zensuswahlrecht (Interessen von Arbeitern und Unterschicht werden nicht vertreten)
  • Gerechtigkeit ist subjektiv, wird auch von außen beeinflusst
  • Zweck kann Mittel heiligen, auch wenn diese menschenunwürdig sind

Grundprinzipien des Utilitarismus

  • Konsequenzen: Nicht die Motive, sondern die Folgen entscheiden über die Moralität und Gutartigkeit einer Handlung
  • Utilität: Der Nutzen ist der Maßstab nach dem eine Handlung beurteilt wird
  • Hedonistisches Prinzip: Das allerhöchste Gut ist die Lust oder das Glück (pleasure)
  • Prinzip der Universalität: Nicht die Individuen, sondern die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Quellen

Pränatale Tests und Designerbabies

Der deutsche Ethikrat beschäftigt sich im Bezug auf Wissenschaft der Gene, im Besonderen mit der Veränderung des Genoms. Jedoch kann bereits die Analyse des Gensatzes zu Kontroversen führen. Im Folgenden werde ich über pränatale, also vorgeburtliche Tests, ob sie eingesetzt werden sollten und welche Folgen sie tragen, schreiben, im besonderen Bezug auf das Down-Syndrom. Außerdem werde ich auf das mögliche Risiko der Entstehung eines Designerbabies eingehen.

Bei Pränataldiagnostik kann noch während der Schwangerschaft festgestellt werden, ob das Kind voraussichtlich Behinderungen, Krankheiten oder sogar Allergien hat. Dies klingt anfangs wie eine äußerst nützliche Erfindung, jedoch muss man auch die Schattenseiten betrachten.

Für viele werdenden Eltern hört sich die Vorstellung bereits vor der Geburt auf gewisse Einschränkungen vorbereitet zu werden sicherlich verheißungsvoll an. Das Umfeld kann schon dementsprechend verändert werden, die Eltern verfügen über mehr Zeit für ihre mentale Vorbereitung und auch die Ärzte sind auf möglich auftretende Gefahren während der Geburt vorbereitet. Natürlich ist es die Erleichterung, die bei einer Entwarnung zu erwarten ist, die viele von diesen Diagnosen überzeugt. Allerdings darf man sich nicht unbedingt auf die Ergebnisse verlassen, da sie ungenau, falsch oder auf eine vorliegende Behinderung nicht ausgelegt sein können .

Diese Art Test birgt auch einige ethisch fragliche Risiken. Sollte das Ergebnis lauten, dass das Kind gesund auf die Welt kommen wird, ist dies sicherlich eine gewaltige Erleichterung für die Eltern. Was ist jedoch wenn der Test anders verläuft? Die Situation wird sofort viel komplizierter und auch tragischer für manche Eltern, da viele mit diesem Wissen nicht umgehen können. Eine Erkrankung, auf welche die meisten pränatale Tests ausgelegt sind ist die Trisomie 21 oder auch bekannt als Down-Syndrom. Auch hier bieten die Tests kein absolut verlässliches Ergebnis, was beispielsweise mit undiagnostizierbaren Untergruppen der Trisomie 21 zusammenhängt. Studien belegen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Abtreibung auf 90% ansteigt, sollte die Frau einen Test mit dem Ergebnis der Trisomie 21 durchführen. Dies wirft die Frage auf, ob die vom Down-Syndrom betroffenen Kinder ein geringeres Recht auf Leben haben, als Kinder mit unauffälligen Testergebnissen. Dafür müssen die einzelnen Symptome der Betroffenen betrachtet werden, welche zusammengefasst neben leicht verändertem Aussehen, eine langsamere Entwicklung, eine beeinträchtigte Lern- und Konzentrationsfähigkeit, eine unterschiedlich starke geistige Behinderung und Fehlbildungen der Organe sind. Allerdings besitzen Menschen mit Trisomie 21 auch Gaben, wie künstlerische und musikalische Fähigkeiten und emotionales Feingefühl, was sie als liebevolle Frohnaturen erscheinen lässt.

Meiner Meinung nach, haben Betroffene vom Down-Syndrom, eine Daseinsberechtigung, wie jeder andere. Ich kann verstehen, dass die Vorstellung ein beeinträchtigtes Kind zu bekommen für einige Eltern eine starke psychische Belastung darstellt, jedoch kann man sich bei den meisten Behinderungen auf das Kind einstellen und es genauso lieben wie ein „normales“. Ausgenommen sind hier Behinderungen, die ein Überleben des Kindes oder der Mutter unmöglich bzw. sehr unwahrscheinlich machen. Bei solchen Fällen ist eine Abtreibung für mich ersichtlich, um unnötiges Leiden zu ersparen.

Ein weiteres Problem ist der Missbrauch der Pränataldiagnostik. In den USA gibt es bereits Tests, welche Föten auf bis zu 80 unterschiedliche Merkmale analysieren. Bei einer Weiterentwicklung dieser Diagnostiktechnik ergibt sich die Gefahr eines Designerbabies. Damit ist die Auslese der Kinder aufgrund von nicht lebensbedrohlichen Merkmalen gemeint. Eltern, die eine klare Vorstellung ihres Kindes im Kopf haben, könnten so lange Abtreibungen durchführen, bis das Kind mit dem gewünschten Merkmal ausgestattet ist. Als ich zum ersten Mal von diesem Phänomen gehört habe, musste ich sofort an das Erstellen eines Avatars in einem Videospiel denken. „Das Baby ist nicht blond? Dann will ich es nicht.“ Zwar mag dies sehr überspitzt wirken, jedoch besteht bereits seit längerem diese Art von Kinderwunsch. Dazu zählen z.B. Schwangerschaftsabbrüche in China und Indien, die durchgeführt werden, da ein Mädchen erwartet wird. Bei einer Weiterentwicklung der Pränataldiagnostik werden immer mehr Paare auf solch eigentlich unwichtige Details Wert legen. Dabei geht allerdings die Vielfalt und Individualität verloren, was in großem Stile zu einer Veränderung der Bevölkerung führen könnte. So wären unter dem Nationalsozialismus weniger, aber mehr dem Ideal des Ariers entsprechende Kinder geboren worden. Diese Auslese der Kinder wäre ein weiterer Faktor in dem die Menschen versuchen sich die Natur untertan zu machen. Die Frage stellt sich allerdings, ob nicht schon das Testen auf Fehlbildungen etc. und dadurch begründete Abtreibungen eine Unterform dieser menschlichen Hybris ist.

Als abschließende Betrachtung sind die Möglichkeiten der vorgeburtliche Analyse sehr vielversprechend und manchmal definitiv sinnvoll. Jedoch sind sie mit Vorsicht zu genießen, da stets ein Risiko auf Missbrauch besteht und bei vielen Verfahren das Fehlgeburtenrisiko steigt. Meiner Meinung nach sollte man sich früh entscheiden, ob man das Kind haben möchte oder nicht. Dabei sollten werdende Eltern keine Bedingungen an ihr Kind stellen, welche bei Abweichungen zur Abtreibung führen. Besonderheiten eines Kindes, wie Trisomie 21, würden es nicht weniger liebenswert machen wie ein normales. Bei vielen Behinderungen ist es, denke ich, nicht allzu schwer sich daran zu gewöhnen. Dafür gibt es auch sehr viele Unterstützungseinrichtungen, die sowohl dem Betroffenen, als auch seinen Angehörigen helfen. Trotzdem gibt es für die meisten eine Grenze ab welcher sich für eine Abtreibung entschieden wird. Diese liegt z.B bei der Fähigkeit des Kindes zu überleben, wie bei mir persönlich. Jedoch gibt es auch Eltern, bei denen das Kind besondere Eigenschaften haben muss, ohne welche die Schwangerschaft abgebrochen wird. Dieses Verhalten empfinde ich als abscheulich, da jedes Kind eigentlich ein Recht auf Leben haben sollte und eine Bewertung, beispielsweise nach dem Geschlecht absolut unfair diskriminierend ist. Deshalb sehe ich eine zu ausführliche Pränataldiagnostik als gefährlich, obwohl eine technische Weiterentwicklung jener Tests, die auf lebensbedrohliche Einschränkungen abzielen natürlich äußerst positiv ist.

Sind wir mit der Rettung der Welt überfordert?

Die westliche Gesellschaft in der wir leben ist sehr wohlhabend. Wider allen Erwartungen kommt mit Luxus auch das Bestreben weitere Probleme zu lösen, für die man in einem Kampf um die Existenz, wie er in anderen Regionen der Welt Alltag ist, nicht möglich wäre. Viele heutige Probleme sind seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar Jahrhunderten, ungelöst, jedoch sind wir heute wesentlich besser aufgeklärt als damals. An jedes Mitglied dieser unseren Gesellschaft werden Ansprüche gestellt und so viele Probleme eröffnet, die gelöst werden sollen oder müssen. Dies wirft die Frage auf, ob ein Individuum unserer Gesellschaft nicht mit den Problemen unserer Zeit überfordert ist. Sollte dies zutreffen ist fraglich wer dann überhaupt noch „die Welt retten“ oder schlicht verbessern kann.

Das allererste Problem, das höchstwahrscheinlich einem jeden in den Kopf kommt ist der Klimawandel. Von jedem von uns wird ein klarer Standpunkt zu dem Klimawandel erwartet und ein dementsprechendes Handeln. Es gibt stets Möglichkeiten das eigene Leben und dessen Auswirkungen auf die Umwelt zu verändern und zu verbessern. Dies lässt einen nie gänzlich zufrieden mit dem eigenen Leben und Verhalten sein. Reicht es mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder muss ich jetzt mit dem Fahrrad fahren? Ist regional und saisonal einzukaufen ausreichend oder muss ich fortan vegan leben? Ständig geschehen neue Umweltkatastrophen, wie die Überschwemmungen in Venedig und die Brände in Australien und im Amazonas. Uns ist klar, dass wir Mitschuld an diesen Ereignissen tragen, was zumindest bei mir oft Trauer und Frustration auslöst.

Weitere Probleme sind z.B. die soziale Ungerechtigkeit, die alleine schon Deutschland herrscht. Die Schere zwischen Armut und Reichtum wird global, aber auch national immer größer. Dies und andere politische Probleme, wie der aktuelle Rechtsdrang der Bevölkerung machen einem stets deutlich, dass eine Veränderung stattfinden muss. Jedoch fühlt sich der einzelne Bürger in unserer Gesellschaft nicht angesprochen diesen Wandel auszulösen. Man ist schlicht überfordert und schnell stellt sich das Gefühl ein, als Individuum eh nichts ändern zu können.

Das rasante Bevölkerungswachstum und die Lebensumstände in anderen Ländern sollten uns auch beschäftigen. Das Fehlen von Licht, Trinkwasser, Nahrung, Medizin und vor allem Bildung ist in vielen Teilen der Welt immer noch ein gewaltiges Problem. Für die meisten von uns würde es kein allzu großes Problem darstellen eine Spende von mehreren hundert Euro zu tätigen.Wird dies allerdings von den meisten getan? Nein. Der Grund dafür liegt ebenfalls bei der Überforderung. Allein die Auswahl des Betrags, der Organisation und des Zwecks für viele schon schwer, da es stets einen Ort gibt an dem das Geld mehr benötigt wird.

Auch die Arbeits- und Schulwelt macht es vor allem den jungen Generationen nicht gerade einfach. Studien zeigen, dass sich alleine in den letzten zehn Jahren die Anzahl an Studenten, die ein Burn Out erleiden mehr als verdoppelt hat und damit auch gehäuft psychische Erkrankungen einhergehen (https://www.sciencedaily.com/releases/2018/11/181105081716.htm). Dies ist nicht verwunderlich, wir leben in einer Welt des Wandels in dem permanent alles verändert und rationalisiert wird, und um für den Arbeitgeber attraktiv zu werden oder zu bleiben muss man immer mehr leisten und das mögliche Stresslevel immer höher schrauben. Allein die Berufswahl setzt viele, mich eingeschlossen, unter enormen Druck. Eben da es so viele ungelöste Probleme und Missstände gibt, sollte man seine Energie und Wissen in eines stecken, jedoch ist dies oft kein lukratives Geschäft.

Es gibt unzählige Probleme auf dieser Welt und ich bin nur auf eine handvoll davon eingegangen. Weitere Probleme wären die Energie- und nahende Wirtschaftskrisen, Kriege oder Flüchtlinge, allerdings ist das Grundprinzip für den Normalbürger dasselbe. Ein jeder von uns kennt viele Punkte in denen unsere ach so moderne Welt enormes Verbesserungspotential zeigt.Wir werden ständig mit Nachrichten von Katastrophen, Kriegen und Missständen bombardiert, sodass manche, vor allem mit schlechter Bildung dazu neigen, sich für gar nichts derartiges mehr zu interessieren. Dieses „Kopf in den Sand“ stecken ist das Schlimmste was wir machen können. Würde ein jeder von uns so reagieren, wäre jeder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und niemand könnte zur Weltrettung beitragen.

Aber was soll man nun tun? Um ein „guter“ Mensch zu sein, müsste man mehrere Leben und Versuche haben. Ich selbst verspüre oft ein Gefühl der Überforderung bei so vielen Dingen, oft auch nur Kleinigkeiten im Alltag. Wenn es allen so geht, wer kann dann überhaupt noch irgendetwas verändern? Solch pessimistische Gedanken kommen schnell auf und müssen ebenso schnell wieder verdrängt werden. Es gibt ein einfaches Mittel: Anfangen! Nichts verbessert sich, wenn jeder von einem Problem Bescheid weiß, aber niemand etwas dagegen unternimmt. Die Allgemeinheit kann enorm viel bewegen. Würde beispielsweise ein jeder regionaler einkaufen, wäre dies eine kleine Umstellung für jeden Bürger, jedoch würde sich der Marktsituation, die Umweltbilanz und vieles mehr ändern. Nicht jeder kann einen Umweltschutzbund gründen oder ähnliches, aber wenn jeder so viel wie möglich ändert ist schon viel geholfen. Auch große Persönlichkeiten wie Greta Thunberg mussten hart für ihren Erfolg arbeiten, aber vor allem erst einmal beginnen. Trotzdem hätte auch Greta keinen Erfolg gehabt, wenn sie nicht von abertausenden Menschen unterstützt worden wäre, die oft nur Kleinigkeiten beigetragen haben.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass der Beitrag zu Problemlösungen auch ein Beitrag zum persönlichen Glück ist. 5€ die an eine Wohltätigkeitsorganisation gehen, machen einen sicherlich glücklicher als ein Schein mit demselben Wert.

Das größte Problem, welches sich uns heutzutage stellt, ist die Abwägung zwischen Verzicht und eigenem Nutzen. Unsere Großeltern hatten höchstwahrscheinlich nicht die Entscheidungsmöglichkeiten und die Mittel, wie wir heute. Damals ging es bei vielen ums Überleben, somit ist das Auseinandersetzen von den Problemen, die es auf der Welt gibt, so wie wir es heute tun, ein Privileg, welches nicht zu unterschätzen ist.

Was sagt ihr zu diesem Thema? Wo und wann fühlt ihr euch überfordert?