{"id":116,"date":"2011-11-27T15:31:29","date_gmt":"2011-11-27T13:31:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ethik13.wordpress.com\/?p=116"},"modified":"2011-11-27T15:31:29","modified_gmt":"2011-11-27T13:31:29","slug":"karl-jaspers-menschsein-ist-menschwerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=116","title":{"rendered":"Karl Jaspers: &quot;Menschsein ist Menschwerden&quot;"},"content":{"rendered":"<h3>&#8222;<strong>Menschsein\u00a0ist Menschwerden&#8220; <\/strong><\/h3>\n<p>Karl Jaspers Ansicht von Freiheit ist der von Sartre\u00a0\u00e4hnlich. Bei ihm ist auch der Mensch selbst\u00a0verantwortlich, ob er Freiheit erlangt oder nicht. Somit hat jeder Mensch\u00a0sein\u00a0Streben nach der Freiheit selbst in der Hand und &#8222;formt&#8220; sich im Laufe seines\u00a0Lebens zu dem, was er sein wird.\u00a0Diese Ansicht steht daher im Gegensatz zu Hobbes oder Freuds\u00a0Theorie von Menschen und deren Freiheit. Denn bei ihnen ist durch Gott schon alles\u00a0vorbestimmt, dass hei\u00dft der Mensch kann sich nicht zu dem machen wie er sich entwickelt, sondern wird zu dem wie es schon vorbestimmt wurde.<\/p>\n<p>Jasper stellte f\u00fcr seine Ansicht eine Art Formel auf, die eine Aussage zu seiner Definition von Menschen und deren Freiheit treffen soll: &#8222;Menschsein\u00a0ist Menschwerden&#8220; Damit will Jasper verdeutlichen, dass der Mensch die Eigenschaften die ihn ausmachen,\u00a0im Laufe\u00a0seiner Entwicklung erfahren wird und daher das wahre Bild\u00a0des Menschen erkennen kann. Daf\u00fcr br\u00e4uchte man nach seiner Ansicht keine Wissenschaft, denn diese (so Jaspers) k\u00f6nne nur einiges an Wissen \u00fcber den Menschen herausfinden aber nie alles \u00fcber ihn.\u00a0Es gen\u00fcgt also nach Jaspers Ansicht,\u00a0dass man durch\u00a0Selbstfindung und Selbsterkenntnis den Menschen f\u00fcr sich definieren kann und die Wissenschaft nie das\u00a0wahre Bild\u00a0des Menschen herausfinden w\u00fcrde.\u00a0Um\u00a0diese These noch zu st\u00e4rken kam er zu dem Entschluss, dass der Mensch mehr ist als wir denken\u00a0oder man von ihm wissen kann.<\/p>\n<p>&#8222;<span style=\"text-decoration:underline;\"><em>Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.&#8220; &#8211; Albert Camus<\/em><\/span><\/p>\n<p>Ich nahm dieses Zitat, da es sehr zu der Freiheitsdefinition\u00a0von Jaspers passt. In der Definition von Jaspers wird die Freiheit dem Menschen erst bewusst, wenn er die Anspr\u00fcche, die an ihn gestellt werden erkennt. Er kann diese Anspr\u00fcche oder Pflichten dann erf\u00fcllen oder nicht. Dies bleibt daher jedem Menschen offen. Wenn er die Pflichten\u00a0erf\u00fcllt, so bestimmt der Mensch f\u00fcr sich dass er frei ist. Das hei\u00dft er kann nur frei sein, wenn er die Pflichten und Anspr\u00fcche\u00a0erf\u00fcllt. Dies ist auch die Aussage des\u00a0Zitates von\u00a0Albert Camus, da in ihm nicht\u00a0Privilegien,\u00a0sondern Pflichten bestimmen ob man\u00a0Freiheit besitzt. In Jaspers Text &#8222;Menschsein\u00a0ist Menschwerden&#8220; ist noch herauszunehmen, dass wenn man\u00a0sich den Pflichten entzieht auch keine Forderungen an andere stellen kann, da man ja seine nicht erf\u00fcllt hat. Als\u00a0Beispiel\u00a0wird ein Gerichtsverfahren\u00a0genannt. Dabei begr\u00fcndet der Angeklagte seine Unschuld damit, dass er meint er sei so geboren und k\u00f6nne nichts\u00a0f\u00fcr seine\u00a0Tat. Er entzieht sich daher seiner Verantwortung f\u00fcr die Tat die er begangen hat und fordert auch indirekt, dass er freigesprochen wird.\u00a0Der Richter hingegen meint darauf, dass er ihn verurteilen muss und es notwendig ist, da er nach Gesetzen handeln muss.\u00a0Das\u00a0zeigt, das der Angeklagte keine Forderungen an den Richter stellen kann, da er nicht zu seiner Tat steht und der\u00a0Richter ihn nicht privilegieren\u00a0kann. So ist man wieder bei dem Zitat von Albert\u00a0Camus, welches die gleiche Botschaft hat.<\/p>\n<p>Fortlaufend in seinem Text schreibt\u00a0Jasper,\u00a0dass\u00a0sich ein zweiter Schritt von alleine tut, wenn man seiner Freiheit bewusst ist. Wenn dem Menschen also bewusst ist, dass er Freiheit besitzt, so wird der zweite Schritt eingeleitet. In diesem Schritt geht es\u00a0um die Verbundenheit zu Gott. Der Mensch\u00a0ist nach Jaspers Ansicht ein gottbezogenes\u00a0Wesen und\u00a0schuf sich daher nicht selber, sondern\u00a0wurde von Gott geschaffen. Dies ist eine Einschr\u00e4nkung zu Sartres\u00a0Theorie, denn bei ihm wurde der Mensch nicht\u00a0von Gott geschaffen. Daher bezeichne ich die Theorie von Jaspers als eine Mischung von Sartres\u00a0Theorie und der\u00a0gottbezogenen\u00a0Theorie. Durch diesen Schritt kann der Mensch bei Jaspers frei Handeln und ist auch erf\u00fcllt vom Sinn des Lebens. Diese zwei Dinge sind sehr wichtig um die Freiheit nicht zu erzwingen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration:underline;\"><em>&#8222;Frei ist man erst, wenn man sich vom Streben nach Freiheit frei macht&#8220; &#8211; Alexander Saheb<\/em><\/span><\/p>\n<p>\u00a0Wenn man die Freiheit nicht erzwingt,\u00a0desto mehr Freiheit besitzt man wiederum. Dass ist auch die Botschaft die das Zitat von ALexander\u00a0Saheb\u00a0vermitteln m\u00f6chte. Dieses Zitat basiert daher auf Jaspers Freiheitstheorie\u00a0und macht dessen Aussage in einem Satz deutlich. Als Resultat ergibt sich dann eine starke Verbundenheit mit Gott, die nicht naturgegeben ist, sondern mit der eigenen Freiheit in Verbindung steht, da man sich durch das &#8222;Freisein&#8220; erst zu Gott n\u00e4hert. Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich\u00a0sagen, dass Jaspers Ansicht gut nachvollziehbar ist, aber auch Fragen aufkommen l\u00e4sst. Wenn man seiner\u00a0Freiheit bewusst ist und sie auch hat, so bekommt man eine\u00a0n\u00e4here Verbundenheit mit Gott. Jetzt frage ich mich aber, wenn ich nicht an Gott glaube und ich mich nicht mit Gott verbunden f\u00fchle, habe\u00a0ich dann gar keine Freiheit?\u00a0Denn nach Jaspers Ansicht m\u00fcsste ich diese dann nicht unbedingt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Menschsein\u00a0ist Menschwerden&#8220; Karl Jaspers Ansicht von Freiheit ist der von Sartre\u00a0\u00e4hnlich. Bei ihm ist auch der Mensch selbst\u00a0verantwortlich, ob er Freiheit erlangt oder nicht. 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