{"id":1813,"date":"2013-12-10T20:33:31","date_gmt":"2013-12-10T18:33:31","guid":{"rendered":"http:\/\/ethik13.wordpress.com\/?p=1813"},"modified":"2013-12-10T20:33:31","modified_gmt":"2013-12-10T18:33:31","slug":"korperwelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=1813","title":{"rendered":"K\u00f6rperwelten"},"content":{"rendered":"<p>\u201eK\u00f6rperwelten\u201c lautet der Titel einer Ausstellung von Gunther von Hagens, die nicht unumstritten ist. Demn\u00e4chst werde ich sie mit meinem Biologiekurs besuchen. Vielen ist diese Ausstellung sicherlich schon bekannt, da sie, als sie vor einigen Jahren er\u00f6ffnet wurde, bereits f\u00fcr einige kontroverse Berichte in den Medien gesorgt hat.<\/p>\n<p>Es handelt sich um ein Wanderausstellung, in der plastinierte menschliche K\u00f6rper gezeigt werden. Gunther von Hagens hat dazu ein Verfahren entwickelt, mit dem er es schafft, die K\u00f6rper zu konservieren. Es handelt sich also um echte menschliche K\u00f6rper, die damit auf eine Weise behandelt werden, dass sie nicht nur haltbar f\u00fcr eine Ausstellung sind, sondern auch noch in verschiedene Formen gebracht werden k\u00f6nnen. Dadurch gibt es beispielsweise Plastinate, die so dargestellt sind, als w\u00fcrden sie gerade Fu\u00dfball spielen. Womit sich eine zentrale Frage ergibt: Ist es eigentlich in Ordnung, Tote zu benutzen, um abstrakte Kunstwerke anzufertigen?<\/p>\n<p>Zuerst einmal haben sich diese Toten nat\u00fcrlich zu Lebzeiten freiwillig daf\u00fcr entschieden, dass mit ihrem K\u00f6rper nach ihrem Ableben derartiges geschehen darf. Wobei sie nicht mitbestimmen durften, wie genau sie sp\u00e4ter dargestellt werden w\u00fcrden.\u00a0 Eine schwangere Frau ist nun beispielsweise Teil der Ausstellung. Man sieht sie auf dem Bett liegend in einer offensichtlich aufreizenden Pose. Ob es das war, was sie wollte, als sie beschlossen hatte, ihren K\u00f6rper \u201eunsterblich\u201c zu machen? M\u00f6glicherweise nicht. Andererseits sollte eine Ausstellung auch kein trockener Biologieunterricht sein, sondern das Interesse der Zuschauer wecken. Wahrscheinlich lernen die meisten Menschen durch die interessant gestalteten Werke auch wirklich extrem viel \u00fcber den menschlichen K\u00f6rper. Insofern geht die Ausstellung also absolut den richtigen Weg. \u00dcbrigens erkennt so oder so niemand mehr bei irgendeinem Toten, wer er einmal war. Denn alle werden bei ihrer Plastination verfremdet, indem ihnen die Haut abgezogen wird \u2013 der Betrachter sieht nur noch die Muskeln, und es ist ihm nicht m\u00f6glich, noch jemanden zu identifizieren.<\/p>\n<p>Wie schon gesagt handelt es sich um eine Ausstellung von jemandem, der nicht allein Biologe, sondern genauso K\u00fcnstler ist. Von Hagens selber, der Hersteller aller Plastinate ist, bezeichnet seine Ausstellungsst\u00fccke jedenfalls als Kunst. Er m\u00f6chte den Leuten mehr zeigen als nur K\u00f6rperteile mit ihren lateinischen Fachbegriffen \u2013 was ihm auch offensichtlich ziemlich gut gelingt. Das zeigt sich schon bei einem Blick auf die Besucherzahlen, die au\u00dferordentlich gut sind. Und die Ausstellung ist inzwischen selbst international sehr erfolgreich, sogar in den USA wurde sie schon gezeigt. Man k\u00f6nnte gegenhalten, dass Von Hagens nun einerseits weder die Anspr\u00fcche erf\u00fcllt, die Biologen haben, da er seine Ausstellungsst\u00fccke nicht sachlich-n\u00fcchtern vorf\u00fchrt. Andererseits macht er sich f\u00fcr richtige Kunstwerke auch m\u00f6glicherweise nicht genug Gedanken. Sind seine Werke nicht letztendlich nur Unterhaltung f\u00fcr die Massen? Antwort: Ja, sie sind Unterhaltung. Aber mit zwei wichtigen Zielen: Erstens, den Menschen ihren eigenen K\u00f6rper aus biologischer Sicht n\u00e4her zu bringen. Und zweitens, ihnen die Angst vor dem Tod zu nehmen. Nicht umsonst tr\u00e4gt die Ausstellung den Untertitel \u201eDer Zyklus des Lebens\u201c.<\/p>\n<p>Gunther von Hagens schafft also Kunstwerke, die gleichzeitig viele Einsichten in die Biologie in Bezug auf die Anatomie des Menschen liefern und dazu durch k\u00fcnstlerische Aspekte interessant gemacht werden. Des Weiteren schafft er es, die Menschen dazu zu bringen, \u00fcber ihr eigenes Leben und den Tod nachzudenken, vor dem er gleichzeitig die Angst nimmt. Folglich benutzt er keinesfalls tote Menschen als Unterhaltungsgegenstand, sondern bringt vielmehr seinen Zuschauern den menschlichen K\u00f6rper auf interessante Art und Weise n\u00e4her und zeigt ihnen tats\u00e4chlich den Zyklus des Lebens.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>\u00dcbrigens:<\/em> Gunther von Hagens selbst sagt, er w\u00fcrde das Leben viel mehr sch\u00e4tzen, seitdem er Plastinate f\u00fcr die Ausstellung erarbeitet. Wenn er einmal stirbt, will auch er seinen K\u00f6rper daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stellen. <em>W\u00fcrdet ihr zustimmen, dass euer K\u00f6rper nach dem Ableben f\u00fcr wissenschaftliche Zwecke oder sogar solch eine Ausstellung verwendet wird &#8211; oder findet ihr,\u00a0die W\u00fcrde eines Menschen wird damit (im Nachhinein) verletzt?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eK\u00f6rperwelten\u201c lautet der Titel einer Ausstellung von Gunther von Hagens, die nicht unumstritten ist. 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