{"id":3728,"date":"2017-01-08T16:38:19","date_gmt":"2017-01-08T16:38:19","guid":{"rendered":"http:\/\/ethikblogs.de\/?p=3728"},"modified":"2017-01-08T16:40:17","modified_gmt":"2017-01-08T16:40:17","slug":"war-frueher-alles-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=3728","title":{"rendered":"War fr\u00fcher alles besser?"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem Jahr wie 2016, von dem viele behaupten es sei seit langer Zeit eines der schlechteren Jahre, da auf gesellschaftlicher und globaler Ebene viel negatives passierte, wird oft von einer positiveren Vergangenheit geredet. Der schon vorher existierende klischeehafte Satz &#8222;fr\u00fcher war alles besser&#8220;, der in einer immer \u00e4lter werdenden Gesellschaft wie in Deutschland nicht verwunderlich ist, geistert schon l\u00e4nger herum.<\/p>\n<p>Desto \u00e4lter man wird, desto einfacher f\u00e4llt es einem Wohl die Vergangenheit und seine Jugendzeit zu glorifizieren und in der Nostalgie zu schwelgen. Dies ist nicht verwunderlich, da der Mensch zum einen dazu neigt die schlechten Erinnerungen und Erlebnisse auszublenden und zu vergessen, als auch in der Jugend und Kindheit die meisten Verantwortungen und Pflichten noch nicht aufgelegt waren. Ebenso nimmt man als Kind einige Sachen intensiver auf, so bleiben einem oft sehr gl\u00fcckliche Erinnerungen von den ersten Weihnachtsabenden an die man sich erinnern kann bevor man den &#8222;Weihnachtszauber&#8220; durchschaute oder von Filmen, die man als Kind sah und einen an jene Zeit erinnern. Einige Erlebnisse von damals wie die erste Liebe oder die erste Reise ohne Eltern verst\u00e4rken zus\u00e4tzlich dieses Bild der gl\u00fccklichen und unbeschwerten Vergangenheit, wo es keine Probleme gab.<\/p>\n<p>Heutige Probleme wie Datenschutz im Internet, Sucht nach Sozialen Netzwerken oder eine unsichere Rente waren fr\u00fcher ebenso wenig pr\u00e4sent, was aber oft unbeachtet bleibt, ist dass diese alte Probleme abl\u00f6sen. Man mag sich nur vorzustellen vor 100 Jahren seine Weisheitsz\u00e4hne gezogen zu bekommen und die wenigsten w\u00fcrden den heutigen medizinischen Stand f\u00fcr fr\u00fchere Verh\u00e4ltnisse abgeben. W\u00e4hrend es zwar immer noch L\u00e4nder mit gro\u00dfer Armut und Hunger gibt, ist weltweit jedoch die Lebenserwartung drastisch gestiegen, die Kindersterblichkeit gesunken und die Zahl der Analphabeten nahm rapide ab. Vor allem f\u00fcr Deutschland sind die momentanen Zeiten gut, denn w\u00e4hrend es vor 100 Jahren hier noch Hungersn\u00f6te und eine sehr hohe Armut gab, ist der Wohlstand deutlich gestiegen. Trotz Kriegen in Syrien und Irak ist die Zahl der Kriegsopfer zur\u00fcckgegangen, man k\u00f6nnte fast von davon reden, dass es noch nie so &#8222;wenige&#8220; Kriege auf der Erde unter den Menschen gab. Es lebte sich also fr\u00fcher deutlich ungem\u00fctlicher und gef\u00e4hrlicher.<\/p>\n<p>Oft ist auch davon die Rede, dass Musik und andere kulturelle Branchen von fr\u00fcher besser waren. Bei Musik speziell ist es jedoch \u00e4hnlich wie mit den Erinnerungen, denn man h\u00f6rt quasi nur noch die guten Lieder von damals und diejenigen, die einem nicht gefallen, m\u00fcssen nicht geh\u00f6rt werden und werden ausgeblendet. Zus\u00e4tzlich w\u00e4chst die Industrie und die Auswahl und Verschiedenheit wird gr\u00f6\u00dfer, wodurch es theoretisch mehr gibt, was einem missfallen kann. Ein Ph\u00e4nomen, dass an den &#8222;Fr\u00fcher war alles besser&#8220;-Zeitgeist ankn\u00fcpft, ist die Neuvermarktung von alten Trends.<\/p>\n<blockquote><p>Wir w\u00fcnschen uns so sehr, dass wir im Gestern w\u00e4ren<\/p>\n<p>Leben nach der Formel &#8222;je retro, desto neu&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>(Zitat von Prinz Pi &#8211; Moderne Zeiten; Text:\u00a0http:\/\/genius.com\/Prinz-pi-moderne-zeiten-lyrics )<\/p>\n<p>In dem Lied befasst sich der Rapper Prinz Pi mit dem modernen Zeitgeist, dass beispielsweise auch viele vermeintlich neue Trends nur alte in \u00a0erneuerter Form sind. So nutzen Retro und Vintage Dinge jenes Gef\u00fchl, dass die damalige Zeit besser ist, kapitalistisch aus.<\/p>\n<p>In meinen Augen macht es nicht viel Sinn die Vergangenheit komplett zu verherrlichen und ihr hinterherzuheulen w\u00e4hrend man die heutige Zeit in ein mieseres Licht darstellt als sie ist. Es gab damals Probleme und es gibt heute Probleme, was aber kein Grund ist das Positive der Neuzeit auszublenden. Oftmals werden n\u00e4mlich positive Aspekte von fr\u00fcher mit negativen von heute verglichen, was eine objektive Sichtweise verhindert. Generell kann man aber sagen, dass sich die Lebensqualit\u00e4t weitestgehend verbessert hat und\u00a0das Ausnutzen des Augenblicks als sinnvoller erscheint als nur\u00a0in Erinnerungen zu schwelgen und an altem festzuhalten. Der Philosoph Karl Valentin sagte auch dazu: &#8222;Die Zukunft war fr\u00fcher auch besser.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Jahr wie 2016, von dem viele behaupten es sei seit langer Zeit eines der schlechteren Jahre, da auf gesellschaftlicher und globaler Ebene viel negatives passierte, wird oft von einer positiveren Vergangenheit geredet. 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