{"id":4432,"date":"2018-06-03T20:46:15","date_gmt":"2018-06-03T19:46:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ethikblogs.de\/?p=4432"},"modified":"2018-06-04T14:31:03","modified_gmt":"2018-06-04T13:31:03","slug":"heute-schon-getwittert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=4432","title":{"rendered":"Heute schon getwittert?"},"content":{"rendered":"<p>Social Media ist im Alltagsleben st\u00e4ndig pr\u00e4sent: Sitzt man in der Bahn, so sieht man viele Menschen, die Bilder auf Instagram, Facebook und Co. anschauen oder Nachrichten schreiben. Bei Konzerten sieht man immer in fast jeder hochgestreckten Hand ein Smartphone, um ein Video des Konzerts auf Instagram hochzuladen, und so manche Menschen sieht man sogar beim Fahrrad oder Auto fahren Nachrichten tippen.<\/p>\n<p>Social Media hat auf den ersten Blick nur Vorteile, man kann so mit seinen Freunden in Kontakt bleiben, egal, wo sie sich im Moment befinden, kann deren Bilder anschauen oder witzige Memes mit ihnen teilen.<\/p>\n<p>Neben dem Austausch mit Freunden dienen aber Instagram, Facebook etc. auch der Selbstdarstellung, man zeigt der Welt, was man macht, man zeigt sich selbst von der Seite, wie man von anderen gesehen werden will. F\u00fcr viele Menschen sind die Likes, die ihre Bilder bekommen, sehr wichtig und dienen als Selbstbest\u00e4tigung. So hat eine Studie der Freien Universit\u00e4t Berlin belegen k\u00f6nnen, dass bei Likes das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird \u2013 auch ein Grund daf\u00fcr, dass rund 100.000 der Kinder und Jugendlichen in Deutschland abh\u00e4ngig von Social Media sind.<br \/>\nMan bem\u00fcht sich st\u00e4ndig, sich selbst m\u00f6glichst gut darzustellen und es findet auch ein Vergleich mit anderen statt. Jedes spannende Event des Lebens muss sofort mit der Kamera festgehalten werden, um es dann mit anderen zu teilen. Dabei spielt nat\u00fcrlich unterbewusst immer dieser bereits erw\u00e4hnte Wunsch nach Best\u00e4tigung und Anerkennung eine gro\u00dfe Rolle und bringt uns dazu, sch\u00f6ne Momente mit der Kamera festzuhalten und zu sp\u00e4ter zu posten.<\/p>\n<p>Doch dadurch vergisst man auch, den Moment zu genie\u00dfen! Man betrachtet die Welt nicht mehr als Akteur, sondern als Zuschauer, wenn man z.B. ein Video von einem Konzert macht. Man ist so konzentriert darauf, dass das Video m\u00f6glichst gut wird, dass man vergisst, das Konzert zu genie\u00dfen. Am Ende hat man dann ein paar Likes oder \u201eGef\u00e4llt mir- Angaben\u201c, aber nichts von dem Abend mitgenommen. Denn wer ein Video aufnimmt, kann nicht gleichzeitig ekstatisch tanzen und \/oder applaudieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4435\" aria-describedby=\"caption-attachment-4435\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-caption-dd\" src=\"http:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Konzert-945x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"694\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4435\" class=\"wp-caption-text\">Bei dieser Aufnahme sieht man allein in einem Umkreis von wenigen Metern drei Smartphones.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir erleben weniger , sind in gewisser Weise wie der Protagonist von Max Frischs Roman Walter Faber, der st\u00e4ndig filmt, blo\u00df um nichts erleben zu m\u00fcssen, man reduziert die Wirklichkeit zu einem zweidimensionalen Film . Anstatt zu erleben, was die Sinneseindr\u00fccke mit uns machen, was ein bestimmter Geruch, eine bestimmte Wahrnehmung in uns ausl\u00f6sen, sind wir zu besch\u00e4ftigt, den \u201eTeilen\u201c-Button zu dr\u00fccken.<\/p>\n<p>Zudem ist es erschreckend, wie viel Zeit die Nutzung von Social Media in Anspruch nimmt. Laut der Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums f\u00fcr Suchtfragen am Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verbringen Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren durchschnittlich rund zweieinhalb Stunden t\u00e4glich mit sozialen Medien. Wenn man das auf das gesamte Leben hochrechnet, ist das sehr viel Lebenszeit, die man damit verbringt, Bilder von Menschen anzuschauen, die man eventuell nicht einmal kennt oder nicht mag.<\/p>\n<p>Kritisch zu sehen ist auch, dass Social Media niemals wirklichen Kontakt zwischen Menschen ersetzen kann. Im Gegenteil, es f\u00fchrt oft eher zu Konflikten, da Missverst\u00e4ndnisse auftreten. Anstatt Differenzen pers\u00f6nlich zu regeln, l\u00e4dt man seine Wut oder seine Entt\u00e4uschung \u00fcber WhatsApp ab- weil\u2019s einfacher ist. Nat\u00fcrlich ist es vollkommen legitim, \u00fcber Social Media mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben oder allgemein zur Kommunikation zu nutzen, aber man muss sich dabei der oben genannten Aspekte bewusst sein. Und letztendlich geht auch nichts \u00fcber das pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch, da man so viel mehr Dimensionen wahrnimmt, als wenn man chattet.<\/p>\n<p>Und wie auch schon Epikur gesagt hat: \u201eVon allem, was die Weisheit f\u00fcr die Gl\u00fcckseligkeit des ganzen Lebens bereitstellt, ist der Gewinn der Freundschaft das bei weitem Wichtigste.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich nutze nat\u00fcrlich WhatsApp, Instagram und Co., aber gerade in letzter Zeit ist mir bewusst geworden, wie viel Zeit die Nutzung von Social Media in Anspruch nimmt. Au\u00dferdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich eher gezeichnete Bilder von anderen anschaue, anstatt selbst kreativ zu sein und etwas zu zeichnen. Einen Gro\u00dfteil der Zeit, die man f\u00fcr Social Media verwendet, k\u00f6nnte man darin investieren, sich selbst zu entfalten und Dinge zu tun, die einem Spa\u00df machen und die einen erf\u00fcllen. Zudem ist es oft so, dass man sich mit den K\u00fcnstlern im Internet vergleicht und dann deprimiert ist, weil man denkt, man k\u00f6nne sowieso nie so gut werden wie die anderen. Dementsprechend ist man dann eher geneigt, erst gar nichts auszuprobieren. Deshalb habe ich auch jetzt in den Ferien Social Media Detox gemacht, dh. (mit einer Unterbrechung von einem Tag) fast zwei Wochen ohne Internet verbracht, was ich als echt befreiend empfunden habe, vor allem, da ich auch mehr Zeit hatte, um zu zeichnen \ud83d\ude09 Dennoch finde ich nicht, dass man gleich ganz ohne Social Media leben muss, man muss sich nur bewusst sein, wie stark und oft man es nutzt und ob man nicht vielleicht lieber den Moment genie\u00dfen sollte.<\/p>\n<p>Wie steht ihr dazu? K\u00f6nntet ihr es euch vorstellen, eine Woche ohne Internet zu verbringen? Oder seid ihr der Meinung, dass die Vorteile von Social Media bei Weitem \u00fcberwiegen?<\/p>\n<p>LG Entschlossenheit \ud83d\ude0a<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Weiterlesen: Woran erkennt man eine Abh\u00e4ngigkeit von Social Media?<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ccam-ascor.nl\/research-measures\/166-engels\/research-measures\/484-social-media-disorder-scale\">https:\/\/ccam-ascor.nl\/research-measures\/166-engels\/research-measures\/484-social-media-disorder-scale<\/a><br \/>\nSelbsttest <a href=\"https:\/\/www.jumpradio.de\/thema\/selbsttest-internetsucht-100_showImage-frage-test-internetsucht-106_zc-e6ab0709.html\">https:\/\/www.jumpradio.de\/thema\/selbsttest-internetsucht-100_showImage-frage-test-internetsucht-106_zc-e6ab0709.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Jocelyn de Kwant \u201eDas teile ich jetzt mal nicht\u201c, Flow-Magazin, ver\u00f6ffentlicht am 17.April 2018, Hamburg (Leseprobe: http:\/\/www.flow-magazin.de\/article\/das-teile-ich-jetzt-mal-nicht)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.dak.de\/dak\/gesundheit\/social-media-sucht-1968334.html\">https:\/\/www.dak.de\/dak\/gesundheit\/social-media-sucht-1968334.html<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/studie-zur-wirkung-von-facebook-was-dem-gehirn-gefaellt\/8724606.html\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/studie-zur-wirkung-von-facebook-was-dem-gehirn-gefaellt\/8724606.html<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Epikur#Zweck_und_Gestaltung_sozialer_Beziehungen\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Epikur#Zweck_und_Gestaltung_sozialer_Beziehungen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Social Media ist im Alltagsleben st\u00e4ndig pr\u00e4sent: Sitzt man in der Bahn, so sieht man viele Menschen, die Bilder auf Instagram, Facebook und Co. anschauen oder Nachrichten schreiben. 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