{"id":481,"date":"2012-06-29T17:51:26","date_gmt":"2012-06-29T15:51:26","guid":{"rendered":"http:\/\/ethik13.wordpress.com\/?p=481"},"modified":"2012-06-29T17:51:26","modified_gmt":"2012-06-29T15:51:26","slug":"mudigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=481","title":{"rendered":"M\u00fcdigkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eM\u00fcde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.\u201c<br \/>\n(Marie von Ebner-Eschenbach)<\/strong><\/p>\n<p>Ich konnte entdecken, wie wahr diese Aussage ist. Zun\u00e4chst wirkt es paradox: Normalerweise ist man doch ersch\u00f6pft, wenn man viel arbeitet, noch dazu k\u00f6rperlich arbeitet. Aber durch das Nichtstun m\u00fcde werden? Wie geht das? Ist Entspannen nicht eine sch\u00f6ne Besch\u00e4ftigung? Eigentlich schon. Aber hier geht es um ein besonderes Nichtstun: Nicht etwa um das Ausruhen nach getaner Arbeit, oder das geruhsame D\u00f6sen an einem Ferientag, sondern das Nichtstun, wenn man eigentlich viel arbeiten m\u00fcsste. Au\u00dferdem ist die M\u00fcdigkeit hier weniger auf den K\u00f6rper, als vielmehr auf das seelische Befinden bezogen.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcr meinen Teil erlebe das oft: In meinem Hausaufgabenheft stehen so viele Dinge, die ich erledigen m\u00fcsste, Klausuren, die vorbereitet werden m\u00fcssten, und auch im Hinterkopf gibt es noch eine Liste, die sich mehr um meine Familie und meine Freunde dreht und um Beziehungen, die gepflegt werden m\u00fcssten. Von allen Seiten werden Erwartungen gestellt. Ich sehe all das vor mir, und trotzdem fange ich nicht an zu arbeiten. Ich bin irgendwie blockiert. Gleichzeitig stehe ich unter Druck, weil die Zeit vergeht. Und diese innere Blockade und das schlechte Gewissen zerm\u00fcrben mich, machen mich m\u00fcde.<br \/>\nOft erlebe ich, wenn ich dann doch noch anfange, dass die erledigte Arbeit mich richtig gl\u00fccklich macht, und ich Spa\u00df daran habe, die Liste abzuarbeiten. Aber der erste Schritt der \u00dcberwindung f\u00e4llt sehr schwer.<br \/>\nAm Schlimmsten ist es sogar, wenn ich keinen Termindruck habe \u2013 dann schiebe ich die Arbeit vor mir her und werde sie nie los, sie schwebt immer \u00fcber mir wie ein Schatten. Ich kann keinen Frieden mehr haben, solange sie mir immer wieder in den Sinn kommt und mich geradezu qu\u00e4lt, weil ich Angst vor ihr habe, oder weil ich sie in meiner Faulheit f\u00fcr sehr aufwendig oder unangenehm halte.<\/p>\n<p>Seelisch m\u00fcde machen auch die Pflichten, die unser Gewissen uns vorschreibt, aber die wir trotzdem liegenlassen, ignorieren und einfach weitergehen. Man hat die Gelegenheit nicht genutzt, und nun ist sie vorbei, und man f\u00fchlt sich schuldig. Innere Vorw\u00fcrfe rauben die Ruhe. Es war nicht richtig, das Notwendige zu unterlassen, und doch hat man es getan. Wie viel h\u00e4tte man sich erspart, wenn man einfach angepackt h\u00e4tte! Es w\u00e4re vielleicht anstrengend und schwierig gewesen, aber daf\u00fcr k\u00f6nnte man noch ruhig schlafen, das Gewissen w\u00e4re rein.<br \/>\nSo eine unerf\u00fcllte Pflicht kann z.B. unterlassene Hilfeleistung bei einem Autounfall sein, an dem man einfach vorbeif\u00e4hrt, oder wenn man einem Mitsch\u00fcler nicht hilft, von dem man wei\u00df, dass er gro\u00dfe Probleme hat, und eines Tages erf\u00e4hrt man, dass er Selbstmord gemacht hat.<br \/>\nManche Menschen schleppen solche Erlebnisse ihr Leben lang mit sich herum und k\u00f6nnen sich nicht vergeben. So etwas ist nie wieder gutzumachen! W\u00e4re man nur vorher schon so klug gewesen, und h\u00e4tte sich nicht gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Insofern ist die Arbeit, die man liegen l\u00e4sst, viel belastender und zerm\u00fcrbender als die Arbeit, die man angeht und erledigt. Bei der einen wird man seelisch, bei der anderen k\u00f6rperlich m\u00fcde \u2013 und seelische M\u00fcdigkeit ist oft schwerwiegender und l\u00e4sst sich nicht so leicht beheben, wie k\u00f6rperliche Ersch\u00f6pfung.<\/p>\n<p><em>Hat dich das\u00a0Nichtstun schon mal ersch\u00f6pft?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eM\u00fcde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.\u201c (Marie von Ebner-Eschenbach) Ich konnte entdecken, wie wahr diese Aussage ist. Zun\u00e4chst wirkt es paradox: Normalerweise ist man doch ersch\u00f6pft, wenn man viel arbeitet, noch dazu k\u00f6rperlich arbeitet. Aber durch das Nichtstun m\u00fcde werden? Wie geht das? 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