{"id":4820,"date":"2019-03-13T20:55:52","date_gmt":"2019-03-13T19:55:52","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=4820"},"modified":"2019-03-13T20:59:43","modified_gmt":"2019-03-13T19:59:43","slug":"stundenprotokoll-der-k1-vom-1-3-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=4820","title":{"rendered":"Stundenprotokoll der K1 vom 1.3.19"},"content":{"rendered":"<p>Thema: \u00dcberblick des Utilitarismus von John Stuart Mill<\/p>\n<p>Datum: 1. 3. 19<\/p>\n<p>Anwesend: alle Kursteilnehmer<\/p>\n<p>Referent: Frau Sch\u00fctze<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Begonnen hat diese Doppelstunde ganz traditionell mit dem Aufsetzten des Wasserkochers f\u00fcr die Minderheit der Teetrinker unter uns \ud83d\ude42<br \/>Anschlie\u00dfend ging es jedoch etwas theoretischer weiter&#8230;<br \/>Jeder Sch\u00fcler bekam einen Text des Utilitarismus von John Stuart Mill ausgeteilt, den er anschlie\u00dfend, dem Inhalt entsprechend, einem Bild zuordnen sollte. Anschlie\u00dfend tauschten wir uns \u00fcber diese Zuordnungen aus; kritisierten und machten Verbesserungsvorschl\u00e4ge. Danach wechselten wir die Texte untereinander und sollten unseren Text zusammenfassend auf einem Arbeitsblatt eintragen. Im folgenden werde ich versuchen, die Hauptpunkte herauszuarbeiten \ud83d\ude09\u00a0<\/p>\n<p>Einer der Texte warf die These auf, dass es besser sei &#8222;ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein; besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr&#8220;. Im Text selbst wird die These damit begr\u00fcndet, dass der unzufriedene Mensch beide Seiten kenne, also zur Reflexion f\u00e4hig ist, das Schwein jedoch nicht, da dieses nur die eine Seite erkennt. Folgend wurde dann erkl\u00e4rt,\u00a0dass sich Menschen aus Charakterschw\u00e4che trotzdem f\u00fcr niedere Gen\u00fcsse entscheiden, obwohl sie wissen, dass diese einen geringeren Wert hat und anschlie\u00dfend die F\u00e4higkeit, edle Gef\u00fchle zu empfinden, verk\u00fcmmere.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Textabschnitt handelte dann davon, &#8222;dem Schicksal zu begegnen&#8220;, also bereit zu sein, ohne Gl\u00fcck auszukommen, da dies den Menschen \u00fcber Schicksalsschl\u00e4ge erhebt, es sei so also leichter, schlimmen Situationen zu begegnen. Zum Beispiel kann man dann, wenn man von Grund auf nicht auf das Gl\u00fcck oder das Gl\u00fccklichsein fokussiert ist, Dinge wie eine Krankheit oder eine Trennung besser \u00fcberstehen: Das Schicksal hat keine Macht, den Menschen klein zu kriegen, ihn zu unterwerfen.<\/p>\n<p>Nun folgte die &#8222;Abgrenzung zum Opportunen&#8220;: Dieser entspricht der Verfolgung des Eigeninteresses, was ja dem zum Utilitarismus, der das Gemeininteresse an oberste Priorit\u00e4t stellt, geradezu gegens\u00e4tzlich ist.\u00a0<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurde das &#8222;Verbot zu l\u00fcgen&#8220; auf die Waagschale gestellt: An sich begr\u00fcndet man dies nach dem Schema oder der Idee des Utilitarismus als unmittelbaren Vorteil (also das Verbot), das dies das Vertrauen innerhalb der Gesellschaft unmittelbar steigere. Dies sehen wir ja auch in unserem Alltag: Menschen, von denen man wei\u00df dass sie einem die Wahrheit sagen, vertraut man bei manchen Dingen eher; da man wei\u00df, eine ungefilterte, von H\u00f6flichkeitsfloskeln freie Meinung zur\u00fcckzubekommen. Dieses &#8222;Verbot zu l\u00fcgen&#8220; sei also rein prinzipiell n\u00fctzlich, da es das Vertrauen f\u00f6rdert. Jedoch gibt es hierbei Ausnahmen; n\u00e4mlich wenn es in der speziellen Situation n\u00fctzlich ist zu l\u00fcgen, zum Beispiel wenn die Gefahr der Verletzung von Mitmenschen besteht. Diese Entscheidung, zu l\u00fcgen, obliegt aber demjenigen und seinem kurzfristigen Urteilswillen selber, es besteht trotzdem eine unbedingte Notwendigkeit zur Beschr\u00e4nkung des L\u00fcgens, so Mill. An diesem &#8222;Verbot zu l\u00fcgen&#8220; spalten sich also die verschiedenen Richtungen des Utilitarismus, der Handels- &amp; der Regelutilitarismus (n\u00e4her gehe ich nun nicht darauf ein, da dieses nicht unmittelbarer Bestandteil der Stunde war).<\/p>\n<p>Ein weiteres Thema der Texte von John Stuart Mill waren die Moralischen Gef\u00fchle, die seiner Auffassung nach erworben und nicht angeboren sind, aber trotzdem sei es nat\u00fcrlich, diese im Laufe seiner Entwicklung zu erwerben. Mill nach entstehen diese moralischen Gef\u00fchle spontan, k\u00f6nnen\u00a0gepflegt sowie negativ oder positiv entwickelt werden und haben zum Ziel, Gl\u00fcck und Gemeinschaftsgeist zu f\u00f6rdern sowie die Handlungen des Individuums auf Gemeinschaftsziele auszurichten.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt beinhaltete, dass diese Gesellschaft von Gleichen nur geschaffen werden kann bzw nur existieren kann, wenn die Interessen aller gleicherma\u00dfen geachtet werden. Politisch betrachtet hei\u00dft dies, dass der Ausgleich von Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Klassen zur Zunahme des Gef\u00fchls der Einheit f\u00fchrt.\u00a0John Mill gr\u00fcndet hierbei auf das nat\u00fcrliche \u00a0Interesse eines jeden Individuums, indem er behauptet, es liege im eigenen Interesse eines jeden, die eigenen Ziele mit denen der Gesellschaft in Einklang zu bringen, was eine m\u00e4chtige Innere Verpflichtung zur Folge hat, welche sich nach der Feinf\u00fchligkeit und der Gewissenhaftigkeit des Charakters bemisst.\u00a0<\/p>\n<p>Folgend wurde der Vergleich des Utilitarismus mit der Goldenen Regel angesprochen, der hervorbringt, dass das Christliche Gebot der N\u00e4chstenliebe &#8211; also sich anderen gegen\u00fcber so zu verhalten, wie man selbst gern behandelt werden m\u00f6chte &#8211; den Kern des Utilitarismus vollkommen ausdr\u00fcckt. Zur Erf\u00fcllung bzw. Ann\u00e4herung an dieses Prinzip sei es notwendig, zwei f\u00f6rderliche Bedingungen zu erf\u00fcllen:<\/p>\n<ol>\n<li>dass Gesetze sowie gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse soweit wie m\u00f6glich mit dem Gemeininteresse in \u00dcbereinstimmung gebracht werden, und<\/li>\n<li>dass die Erziehung und die \u00f6ffentliche Meinung Eigeninteresse und Allgemeininteresse in Einklang bringen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Werden diese Bedingungen erf\u00fcllt, so steht dem Utilitarismus, der die sch\u00f6nste und h\u00f6chste Entfaltung der menschlichen Natur &#8211; zumindest f\u00fcr John Stuart Mill &#8211; darstellt, nichts mehr im Wege. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Der Utilitarismus war in unserem Kurs stark umstritten, eben deshalb weil er die Vielf\u00e4ltigkeit der menschlichen Gef\u00fchle versucht auf eine rational Ebene &#8222;herunterzubrechen&#8220;. Jedoch k\u00f6nnte eben dieses vor allem in gewissen Dilemma-Situationen (siehe der Kurzfilm &#8222;SommerSonntag&#8220;) doch durchaus &#8222;N\u00fctzlich&#8220; sein ;)&#8230;<\/p>\n<p>Gerne k\u00f6nnt ihr hier noch weiter diskutieren!<\/p>\n<p>Der Unterricht wurde ungew\u00f6hnlich sp\u00e4t mit dem Klingeln zum Stundenende um 9.20 beendet.<\/p>\n<p>PS: Hier noch das Arbeitsblatt:<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" src=\"https:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4834\" srcset=\"https:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/image-2.png 640w, https:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/image-2-300x169.png 300w\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" src=\"https:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/566B78E0-20E6-44A9-812E-4CD736367548.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4830\" srcset=\"https:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/566B78E0-20E6-44A9-812E-4CD736367548.jpg 640w, https:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/566B78E0-20E6-44A9-812E-4CD736367548-300x169.jpg 300w\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: \u00dcberblick des Utilitarismus von John Stuart Mill Datum: 1. 3. 19 Anwesend: alle Kursteilnehmer Referent: Frau Sch\u00fctze \u00a0 Begonnen hat diese Doppelstunde ganz traditionell mit dem Aufsetzten des Wasserkochers f\u00fcr die Minderheit der Teetrinker unter uns \ud83d\ude42Anschlie\u00dfend ging es jedoch etwas theoretischer weiter&#8230;Jeder Sch\u00fcler bekam einen Text des Utilitarismus von John Stuart Mill ausgeteilt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4820","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","missing-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4820"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4839,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4820\/revisions\/4839"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}