{"id":4870,"date":"2019-05-05T21:58:43","date_gmt":"2019-05-05T20:58:43","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=4870"},"modified":"2019-05-06T20:11:19","modified_gmt":"2019-05-06T19:11:19","slug":"wie-sehr-bestimmt-unsere-nationalitaet-unsere-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=4870","title":{"rendered":"Wie sehr bestimmt unsere Nationalit\u00e4t unsere Identit\u00e4t ?"},"content":{"rendered":"\n<p>Langsam n\u00e4hert sich die Schulzeit ihrem Ende zu und desto n\u00e4her dieser Moment kommt, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Frage :&#8220;Was dann ?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Neulich sollten wir uns in unserem Spanisch-Kurs auf die Frage &#8222;Wollt ihr aus eurem Leben sp\u00e4ter ausbrechen und wenn ja wie ?&#8220; ( eine Referenz auf die &#8222;movida madrile\u00f1a&#8220; in den 80-ern in Spaniern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Movida_madrile%C3%B1a\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Movida_madrile%C3%B1a<\/a>  ) in drei Bereiche positionieren : <\/p>\n\n\n\n<p>Ja : also man will raus aus Deutschland oder aus seinem &#8222;normalem&#8220; Leben, was auch einfach eine gro\u00df Stadt sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Eventuell mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein : also ich bin gl\u00fccklich mit meinem Leben hier auf dem Lande und kann mir nichts besseres vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis war recht ausgeglichen und ich positionierte mich zu den &#8222;Ja&#8220; Menschen, denn dieses Thema ist eines, welches ich seit Jahren schon prozessiert habe. Mein pers\u00f6nliches Problem ist, dass ich von Kind an in zwei verschiedenen Kulturen aufwuchs und dementsprechend auch zwei verschiedene Staatsb\u00fcrgerschaften habe. Geboren wurde ich zwar in Deutschland aber meine Eltern stammen aus Russland und um die Kultur beizubehalten verbrachte ich als Kind oft Zeit dort , wuchs bilingual auf (wobei ich meine ersten Lebensjahre ausschlie\u00dflich russisch sprach) und lernte die Traditionen beider L\u00e4nder kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kommen wir zum Problem. Jedes mal als wir in Russland waren, wurde ich als &#8222;der Deutsche&#8220; betitelt, was mich immer sehr verwirrt und entr\u00fcstet hat . Doch als wir in Deutschland waren war ich pl\u00f6tzlich &#8222;der Russe&#8220; und auch dies hatte mich schon immer verwirrt. Es entstand eine gro\u00dfe Diskrepanz in mir selber, weil man nicht mehr einordnen konnte zu was man jetzt geh\u00f6rt . Selbst heute ist es so, dass ich mich nicht immer angesprochen f\u00fchle bei S\u00e4tzen wie :&#8220; Du als Deutscher\/Russe&#8220; oder &#8222;Warum hast du als Deutscher\/Russe (&#8230;)&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dies alles f\u00fchrte dazu, dass man sich immer heimatlos f\u00fchlt und so, als ob man nie angekommen sei bzw. als w\u00e4re man nie akzeptiert, da wo man eigentlich zu Hause ist. Das erste Mal,dass ich mich so f\u00fchlte als sei ich zu Hause war, als ich in Spanien aufhielt. Pl\u00f6tzlich ging es nicht mehr darum was meine Wurzeln sind und ich f\u00fchlte mich so aufgenommen wie ich bin. ( Bis auf in  einigen Momenten, in denen ich einfach nur als &#8222;der Deutsche&#8220; vorgestellt wurde.) Es war alles so offen und ich f\u00fchlte mich nicht mehr auf meine Nationalit\u00e4t reduziert. Man sagte mir sogar ich sei ein Spanier, gefangen in einem deutschem K\u00f6rper. ( Was mich jedoch noch mehr unter Druck setzte jemandem oder etwas zu entsprechen.) In einigen Momenten hatte ich sogar das Gef\u00fchl &#8222;den Deutschen&#8220;, den ich nie in mir sah, zu sp\u00fcren, wenn es z.B. um P\u00fcnktlichkeit ging. Aber da orientierte ich mich nat\u00fcrlich erneut nur an Stereotypen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte schon immer das Gef\u00fchl, dass Deutschland nicht das Land sein wird, wo ich f\u00fcr immer bleiben will. Versteht mich nicht falsch. Deutschland ist ein sch\u00f6nes Land und mit all den Fehlern und Problemen die es hat, ist es f\u00fcr mich trotzdem das sicherste Land. Manchmal sind mir die Menschen hier viel zu kalt und stechen mit ihren Blicken direkt in einen rein, jedoch ist mein Hauptproblem das diese Identit\u00e4ts-Krise mich hier einfach innerlich zu einem Gefangenen macht und ich mich nie frei f\u00fchlen kann\/konnte. Das ist tats\u00e4chlich ein Problem, welches einige bilingual aufgewachsene Kinder haben. Ein rastloses inneres Dasein. Weder der Eine, noch der Andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch um zu meiner Hauptfrage zu kommen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber all dies habe ich dann auch mit meinem Austauschpartner aus Spanien hier in Deutschland geredet und das war ein etwas augen\u00f6ffnendes Gespr\u00e4ch f\u00fcr uns beide. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es unglaublich banal ist, wie die Menschen stehts versuchen sich einer Nationalit\u00e4t zuordnen zu m\u00fcssen, nur um zu &#8222;wissen&#8220; wer man sein &#8222;sollte&#8220;. Er selber, der nicht bilingual aufwuchs, hatte es auch satt st\u00e4ndig von seinem eigenem Land in die selbe Box gepackt zu werden und hatte in Deutschland das Gef\u00fchl endlich mal da raus gekommen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sollte&#8220; weil, sobald man anf\u00e4ngt sich auf eine Nationalit\u00e4t zu beschr\u00e4nken, packt man sich selber in eine Schublade und setzt sich unter Druck. &#8222;Ich als ein Deutscher kann doch niemals&#8220; &#8230; &#8222;Wir Deutschen w\u00fcrden uns niemals&#8230;&#8220; Da landen wir wieder bei unseren Stereotypen und Vorurteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Versteht ihr was ich meine ? Ich bin der Meinung, dass die Menschheit endlich mal verstehen soll, dass wir alle eine Nationalit\u00e4t haben : &#8222;Mensch&#8220; . Ich denke, wenn das alle begreifen w\u00fcrden, w\u00e4ren einige Umst\u00e4nde viel einfacher gewesen. Ich sage nicht, dass wir alle Traditionen und Kulturen \u00fcber den Haufen schmei\u00dfen sollen , ganz im Gegenteil . Aber wir sollen anfangen aufzuh\u00f6ren uns selber zu limitieren , festzusetzen und die Grenzen zu schlie\u00dfen. Die Welt gibt so viel mehr her als unsere eigene Schublade und ich denke, es w\u00e4re schade , wenn wir das verpassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie sehr bestimmt unsere Nationalit\u00e4t unsere Identit\u00e4t ? &#8211; Sehr aber ich denke wir sind im Stande es zu beeinflussen, wenn wir es verstehen. Ich habe lange gebraucht, dass Gef\u00fchl zu verstehen was mich innerlich zerrei\u00dft wenn es um das Thema ging und noch l\u00e4nger hab ich gebraucht zu verstehen, wie dumm es ist, sich eine Nationalit\u00e4t zu suchen um zu &#8222;wissen&#8220; wo man hingeh\u00f6rt. Es gibt weitaus wichtigere Sachen die unsere Identit\u00e4t pr\u00e4gen d\u00fcrfen und darauf will ich mich konzentrieren. Nat\u00fcrlich habe ich Pr\u00e4gungen aus beiden Richtungen und die machen mich zu dem wer ich bin und das macht mich teils stolz und teils nicht aber unabh\u00e4ngig davon haben sie mich viel zu lange eingeschr\u00e4nkt frei zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Um nun noch zu meiner Einleitung zur\u00fcck zu finden: Ja, ich will aus meinem Leben ausbrechen und was neues probieren und wenn du mit deinem gl\u00fccklich bist, dann f\u00fchle dich nicht unter Druck gesetzt, den selben Gedanken zu verfolgen. Ich habe z.B. f\u00fcr mich gemerkt, dass die Mentalit\u00e4t der S\u00fcdl\u00e4nder mich anspricht und das dies der Ort ist wo ich mich frei und endlich angekommen f\u00fchlen will , ganz unabh\u00e4ngig davon, welche Nationalit\u00e4t ich habe. ( Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir auch hier nicht alle Menschen unter einen Kamm scheren) <\/p>\n\n\n\n<p>Was denkt ihr ? Macht das Sinn ? Sollte unsere Nationalit\u00e4t einen gro\u00dfen Einfluss auf uns haben? Zu viel Drama um nichts ? &#8211; Freue mich von jemandem zu h\u00f6ren und dar\u00fcber zu diskutieren !<\/p>\n\n\n\n<p>L.G. Albinos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Langsam n\u00e4hert sich die Schulzeit ihrem Ende zu und desto n\u00e4her dieser Moment kommt, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Frage :&#8220;Was dann ?&#8220; Neulich sollten wir uns in unserem Spanisch-Kurs auf die Frage &#8222;Wollt ihr aus eurem Leben sp\u00e4ter ausbrechen und wenn ja wie ?&#8220; ( eine Referenz auf die &#8222;movida madrile\u00f1a&#8220; in den 80-ern in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,8,9,15],"tags":[32],"class_list":["post-4870","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-freiheit","category-gesellschaft","category-gluck","category-philosophieren","tag-freiheit","missing-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4870","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4870"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4870\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4881,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4870\/revisions\/4881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}