{"id":5020,"date":"2019-11-20T23:38:40","date_gmt":"2019-11-20T22:38:40","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5020"},"modified":"2019-12-03T10:04:13","modified_gmt":"2019-12-03T09:04:13","slug":"zusammenfassung-des-ethikunterichts-am-15-11-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5020","title":{"rendered":"Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 15.11.2019"},"content":{"rendered":"\n<p>15.11.2019, 9:40h \u2013 11:15h, alle anwesend<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema der heutigen zwei Ethikstunden war Freiheit und\nDetermination, bezogen auf psychologische und soziologische Freiheit. Als\nEinf\u00fchrung schauten wir den Film \u201eHannah Arendt\u201c und bearbeiteten Aufgaben\ndazu. <\/p>\n\n\n\n<p>Der 2012 ver\u00f6ffentlichte Film \u201eHannah Arendt\u201c, ist ein autobiographischer Philosophenfilm, der spielfilm\u00e4hnlich aufgebaut ist und in Deutschland, Frankreich und Israel gedreht wurde. Er handelt von der j\u00fcdischen Philosophin Hannah Arendt, die einen Bericht \u00fcber die Anklage des SS-F\u00fchrers Eichmann verfassen m\u00f6chte. Sie selbst war zur damaligen Zeit Insassin des Internierungslagers \u201eGurs\u201c in Frankreich und somit selbst von dem schrecklichen Elend der Ankl\u00e4ger betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Film beginnt mit einer Szene, in der die Entf\u00fchrung\nEichmanns zu sehen ist. Er wird vom israelischen Geheimdienst nach Israel\nentf\u00fchrt. Dort soll eine Gerichtsverhandlung gegen ihn stattfinden. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Professorin Hannah Arendt bewirbt sich daraufhin bei der Zeitung \u201eThe New Yorker\u201c, um einen Artikel \u00fcber den Prozess zu schreiben. Der Chef der Zeitung ist sofort begeistert, da Arendt bereits ein bekanntes Buch geschrieben hat, w\u00e4hrend die anderen Redakteure skeptisch waren. Arendt\u2019s Mann bef\u00fcrwortet ihr Vorhaben ebenfalls nicht. Er hat Angst, dass sie mit ihren Erinnerungen an fr\u00fcher konfrontiert wird und das nicht verkraften kann. Doch Arendt bleibt zuversichtlich. Sie ist der Meinung, dass sie stark genug ist, um diese Aufgabe zu bew\u00e4ltigen. Schlie\u00dflich fliegt sie nach Jerusalem, dort wohnt sie w\u00e4rend der Verhandlung bei einem alten Freund.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon bald ist sie mit einer Vielzahl von Ankl\u00e4gern vor\nGericht. Eichenmann sitzt zu seinem eigenen Schutz in einem Glaskasten. Es gibt\neine nach Arendt\u2019s Meinung zu dramatische Er\u00f6ffnungsrede. Die Zeugen fangen an\nzu berichten. Eichmann verteidigt sich, er habe nur die Befehle ausgef\u00fchrt. Er\nzeigt keine Reue und hat einen relativ neutralen Gesichtsausdruck, w\u00e4hrend\nOpfer und Angeh\u00f6rige der Opfer ihre Leidensgechichten erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Arendt berichtet danach, er w\u00e4re anders als sie sich ihn\nvorgestellt hat. Sie realisierte, dass er pers\u00f6nlich eigentlich kein besonderer\nMensch ist. Sie meint, er sei wie alle Menschen. Niemand Besonderes. Seine\nMenschlichkeit bezeugt sie mit der Aussage, er habe Schnupfen gehabt. Dies\nl\u00e4sst ihn nicht besonders m\u00e4chtig oder unheimlich wirken, sondern beweist,\nseine Meschlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In der n\u00e4chsten Szene wird eine weitere Verhandlung gezeigt.\nMan sieht wieder Angeh\u00f6rige und Opfer, welche sprechen und teils weinen. Ein\nMann bricht zusammen, w\u00e4hrend er spricht, doch Eichmann verzieht keine Miene. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Arendt am Abend mit ihrem Mann telefoniert, meint sie,\ndie Ankl\u00e4ger seien viel zu unsachlich und erz\u00e4hlen haupts\u00e4chlich ihre\nLeidensgeschichte, die wenig mit dem Fall Eichmann zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Verhandlungstag beantwortet Eichmann einige\nFragen, um sein Verhalten rechtzufertigen. Er erz\u00e4hlt, er habe einen Treueid\ngeschworen. Die Frage, ob er auch seinen Vater erschossen h\u00e4tte, wenn er ein\nVerr\u00e4ter gewesen w\u00e4re, bejahte er. <\/p>\n\n\n\n<p>Arendt ist daraufhin der Meinung, dass Eichmann eigentlich\nkeine Schuld an allem hat, er hat lediglich dem Gesetz gehorcht und ist auch\nkein L\u00fcgner. Mit einem ehemaligen Freund diskutiert sie dar\u00fcber. Wenig sp\u00e4ter\nfliegt sie zur\u00fcck nach Amerika.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort verbringt sie die N\u00e4chte haupts\u00e4chlich mit recherchieren und die Tage mit unterrichten. Eines Tages erf\u00e4hrt sie das Urteil: Eichmann soll geh\u00e4ngt werden. Arendt denkt zuerst, es sei richtig so, doch ihr Mann hinterfragt das.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin erinnert sich Arendt zur\u00fcck an ihre Studienzeit.\nDort wurde ihr beigebracht, dass Denken schlecht f\u00fcr die Menschheit ist und\nkeinen Nutzen mit sich bringt. Sie war sehr aufgebracht, da Denken f\u00fcr sie\nwichtig und ihre Leidenschaft ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Arendt unterrichtet ihre Studenten zwischenzeitlich von\nihren Erkenntnissen \u00fcber Eichenmann. Sie meinte, er w\u00e4re gar nicht von Natur\naus b\u00f6se gewesen, sondern nur unf\u00e4hig zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies schreibt sie auch in ihren Artikel und l\u00f6st in der Redaktion der \u201eThe New Yorker\u201c eine gro\u00dfe Diskussion aus. Die Redakteure sind sich nicht schl\u00fcssig, ob sie diesen Artikel drucken k\u00f6nnen. Arendt kritisiert darin n\u00e4mlich auch einige Anf\u00fchrer der Juden, die wohl mit Nazis kooperiert haben, und damit unabsichtlich bei der Judenvernichtung geholfen haben. Doch dieser Fakt ist nicht bewiesen und kann schnell missinterpretiert werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Als der Artikel schlie\u00dflich ver\u00f6ffentlicht wird, gibt es viel Kritik. Die Leser sagen, Arendt verteidigt Eichmann zu Unrecht und beschweren sich bei der Redaktion der Zeitung. Auch Arendt\u2019s Mann erz\u00e4hlt ihr von den aufgebrachten Leuten, doch sie kann es sich kaum vorstellen, dass die Menschen sie derart missverstanden haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Quellen: <a href=\"http:\/\/www.hannaharendt-derfilm.de\/\">http:\/\/www.hannaharendt-derfilm.de\/<\/a>\nzuletzt aufgerufen am 15.11.19<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/adolf-eichmann\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/adolf-eichmann<\/a>\nzuletzt aufgerufen am 15.11.19<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende Aufgaben sollten wir zu dem Film bearbeiten:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Was ist unser Eindruck von Hannah Arendt zu ihrer Philosophie?<\/p>\n\n\n\n<p>Arendt macht in dem Film den Eindruck, als w\u00fcrde sie sehr\nrational denken und sich nicht von ihren Gef\u00fchlen beeinflussen lassen. Sie\nselbst l\u00e4sst sich schlie\u00dflich nicht von ihren Erinnerungen an Gurs beeinflussen\nund ist somit von Anfang an neutral zu dem Fall Eichmann eingestellt. Au\u00dferdem\nversteht sie die Opfer nicht, die nur ihre Leidensgeschichten erz\u00e4hlen, ohne\ndirekt auf Eichmann Bezug zu nehmen. Sie versucht das Problem logisch zu\nanalysieren und kommt schlie\u00dflich zu dem Urteil, dass Eichmann sich nur an die\nLehren der damaligen Zeit gehalten hat, ohne sie zu hinterfragen, da diese das\nDenken kritisierten. Somit h\u00e4lt sie Eichmann nicht f\u00fcr schuldig, sondern\nlediglich \u201eunf\u00e4hig zu denken\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>2. a) Der Fall Eichmann (Wer war Eichmann? Warum und wo war er angeklagt? Welche Diskussionen gibt es um seine Anklage?)<\/p>\n\n\n\n<p>Eichmann war ein SS-F\u00fchrer und organisierte einige\nDeportationen der Juden. Er wurde aufgrund von V\u00f6lkermord und Verbrechen gegen\ndie Menschlichkeit in Israel angeklagt. Bei seiner Anklage gab es eine\nDiskussion darum, ob er als Person schuldig oder unschuldig ist. Die meisten\nKl\u00e4ger hielten ihn f\u00fcr schuldig, da er die Deportation und T\u00f6tung vieler Juden\nveranlasste und selbst als der Befehl zur T\u00f6tung aufhoben wurde, weitermachte.\nEr selbst meinte jedoch, er wollte eine angefangene Sache nicht unbeendet\nlassen und habe nur dem Gesetz gehorcht, wie er es bereits in einem Treueid\nschw\u00f6ren musste. Diesen Treueid wollte er auf keinen Fall brechen. Arendt ist\nunter anderem der Meinung, Menschen wie Eichmann w\u00e4re es untersagt gewesen zu\ndenken und sie pers\u00f6nlich h\u00e4tten somit keine Schuld, da sie es nie anderes\ngelernt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.zukunft-braucht-erinnerung.de\/der-eichmann-prozess-in-jerusalem-1961\/\">https:\/\/www.zukunft-braucht-erinnerung.de\/der-eichmann-prozess-in-jerusalem-1961\/<\/a> zuletzt aufgerufen am 19.11.19<\/p>\n\n\n\n<p>b) Argumente, die f\u00fcr bzw. gegen psychologische und soziologische Determination Eichmanns sprechen<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr psychologische Determination nach Freud spricht, dass\nEichmann vermutlich nicht nach den Bed\u00fcrfnissen des Wesens des Es gehandelt\nhat, da es ihm nicht das Bed\u00fcrfnis zum T\u00f6ten gibt. Vermutlich sorgt es sogar\neher daf\u00fcr, dass wir mit unseren Mitmenschen in Frieden leben m\u00f6chten. Das Wesen\ndes \u00dcber-Ich m\u00f6chte jedoch der gesellschaftlichen Norm und Moral gehorchen. In\nEichmann\u2019s Fall war dies die Treue zum Staat. Das Wesen des \u00dcber-Ich war somit\ndem Es \u00fcberlegen. Eichmann war nicht stark genug, um den Bed\u00fcrfnissen des\n\u00dcber-Ichs zu widerstehen und lies es somit gewinnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem besitzt jeder Mensch nach Alfred Adler neurotische\nZ\u00fcge. Ihn k\u00f6nnte das Minderwertigkeitsgef\u00fchl, das durch die strikten Regeln der\ndamaligen Zeit aufkam so sehr gepr\u00e4gt haben, dass er sich selbst nicht zutraute\nBefehle zu hinterfragen, sondern sie widerstandslos ausf\u00fchrte. <\/p>\n\n\n\n<p>Gegen psychologische Determination Eichmanns spricht, dass\njeder Mensch durch Lernstrategien unterbewusst lernt, ob er sich in einer\nbestimmten Situation gut oder schlecht verhalten hat und somit entweder\ngleichbleibend handelt oder etwas an seinem Handeln \u00e4ndert. Da Eichmann nie\netwas an seinem Handeln \u00e4nderte, ist davon auszugehen, dass er seine Taten\nnicht als schlecht ansah. Wir Menschen besitzen des Weiteren den Freiraum auch\nunabh\u00e4ngig von diesem Gef\u00fchl zu handeln. Eichmann h\u00e4tte sich somit, auch wenn\ner sein Handeln nicht als schlecht ansah, anders verhalten k\u00f6nnen. Somit hatte\ner die Freiheit selbst zu entscheiden, ob er die Befehle letztendlich ausf\u00fchrt\noder nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die soziologische Determination Eichmanns spricht, dass\ner sich der Rolle eines unfreien B\u00fcrgers, der einen Treueid geschworen hat und\njegliche Befehle des Staats ausf\u00fchrt, untergeordnet hat und sich bis zum Tod\nnie anders verh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die soziologische Determination Eichmanns spricht,\ndass er sich \u00fcberhaupt nicht in die Rolle eines \u201enormalen\u201c\nmitgef\u00fchlempfindenten B\u00fcrgers einordnen lassen kann. Er hat die Befehle des\nStaats ohne R\u00fccksicht und Mitgef\u00fchl mit den Menschen ausgef\u00fchrt. Was ihn\nebenfalls besonders macht ist, dass er nie dar\u00fcber nachgedacht hat, die Befehle\nzu hinterfragen. Dies spricht allerdings wiederum daf\u00fcr, wie sehr er in der\nRolle des Menschen gefangen war, der einen Treueid schw\u00f6ren musste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.11.2019, 9:40h \u2013 11:15h, alle anwesend Das Thema der heutigen zwei Ethikstunden war Freiheit und Determination, bezogen auf psychologische und soziologische Freiheit. Als Einf\u00fchrung schauten wir den Film \u201eHannah Arendt\u201c und bearbeiteten Aufgaben dazu. 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