{"id":5043,"date":"2020-01-05T19:41:21","date_gmt":"2020-01-05T18:41:21","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5043"},"modified":"2020-01-05T19:41:21","modified_gmt":"2020-01-05T18:41:21","slug":"praenatale-tests-und-designerbabies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5043","title":{"rendered":"Pr\u00e4natale Tests und Designerbabies"},"content":{"rendered":"\n<p>Der deutsche Ethikrat besch\u00e4ftigt sich im Bezug auf Wissenschaft der Gene, im Besonderen mit der Ver\u00e4nderung des Genoms. Jedoch kann bereits die Analyse des Gensatzes zu Kontroversen f\u00fchren. Im Folgenden werde ich \u00fcber pr\u00e4natale, also vorgeburtliche Tests, ob sie eingesetzt werden sollten und welche Folgen sie tragen,  schreiben, im besonderen Bezug auf das Down-Syndrom. Au\u00dferdem werde ich auf das m\u00f6gliche Risiko der Entstehung eines Designerbabies eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Pr\u00e4nataldiagnostik kann noch w\u00e4hrend der Schwangerschaft festgestellt werden, ob das Kind voraussichtlich Behinderungen, Krankheiten oder sogar Allergien hat. Dies klingt anfangs wie eine \u00e4u\u00dferst n\u00fctzliche Erfindung, jedoch muss man auch die Schattenseiten betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele werdenden Eltern h\u00f6rt sich die Vorstellung bereits vor der Geburt auf gewisse Einschr\u00e4nkungen vorbereitet zu werden sicherlich verhei\u00dfungsvoll an. Das Umfeld kann schon dementsprechend ver\u00e4ndert werden, die Eltern verf\u00fcgen \u00fcber mehr Zeit f\u00fcr ihre mentale Vorbereitung und auch die \u00c4rzte sind auf m\u00f6glich auftretende Gefahren w\u00e4hrend der Geburt vorbereitet. Nat\u00fcrlich ist es die Erleichterung, die bei einer Entwarnung zu erwarten ist, die viele von diesen Diagnosen \u00fcberzeugt. Allerdings darf man sich nicht unbedingt auf die Ergebnisse verlassen, da sie ungenau, falsch oder auf eine vorliegende Behinderung nicht ausgelegt sein k\u00f6nnen .<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Art Test birgt auch einige ethisch fragliche Risiken. Sollte das Ergebnis lauten, dass das Kind gesund auf die Welt kommen wird, ist dies sicherlich eine gewaltige Erleichterung f\u00fcr die Eltern. Was ist jedoch wenn der Test anders verl\u00e4uft? Die Situation wird sofort viel komplizierter und auch tragischer f\u00fcr manche Eltern, da viele mit diesem Wissen nicht umgehen k\u00f6nnen. Eine Erkrankung, auf welche die meisten pr\u00e4natale Tests ausgelegt sind ist die Trisomie 21 oder auch bekannt als Down-Syndrom. Auch hier bieten die Tests kein absolut verl\u00e4ssliches Ergebnis, was beispielsweise mit undiagnostizierbaren Untergruppen der Trisomie 21 zusammenh\u00e4ngt. Studien belegen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Abtreibung auf 90%  ansteigt, sollte die Frau einen Test mit dem Ergebnis der Trisomie 21 durchf\u00fchren. Dies wirft die Frage auf, ob die vom Down-Syndrom betroffenen Kinder ein geringeres Recht auf Leben haben, als Kinder mit unauff\u00e4lligen Testergebnissen. Daf\u00fcr m\u00fcssen die einzelnen Symptome der Betroffenen betrachtet werden, welche zusammengefasst neben leicht ver\u00e4ndertem Aussehen, eine langsamere Entwicklung, eine beeintr\u00e4chtigte Lern- und Konzentrationsf\u00e4higkeit, eine unterschiedlich starke geistige Behinderung und Fehlbildungen der Organe sind. Allerdings besitzen Menschen mit Trisomie 21 auch Gaben, wie k\u00fcnstlerische und musikalische F\u00e4higkeiten und emotionales Feingef\u00fchl, was sie als liebevolle Frohnaturen erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p> Meiner Meinung nach, haben Betroffene vom Down-Syndrom, eine Daseinsberechtigung, wie jeder andere. Ich kann verstehen, dass die Vorstellung ein beeintr\u00e4chtigtes Kind zu bekommen f\u00fcr einige Eltern eine starke psychische Belastung darstellt, jedoch kann man sich bei den meisten Behinderungen auf das Kind einstellen und es genauso lieben wie ein &#8222;normales&#8220;. Ausgenommen sind hier Behinderungen, die ein \u00dcberleben des Kindes oder der Mutter unm\u00f6glich bzw. sehr unwahrscheinlich machen. Bei solchen F\u00e4llen ist eine Abtreibung f\u00fcr mich ersichtlich, um unn\u00f6tiges Leiden zu ersparen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem ist der Missbrauch der Pr\u00e4nataldiagnostik. In den USA gibt es bereits Tests, welche F\u00f6ten auf bis zu 80 unterschiedliche Merkmale analysieren. Bei einer Weiterentwicklung dieser Diagnostiktechnik ergibt sich die Gefahr eines Designerbabies. Damit ist die Auslese der Kinder aufgrund von nicht lebensbedrohlichen Merkmalen gemeint. Eltern, die eine klare Vorstellung ihres Kindes im Kopf haben, k\u00f6nnten so lange Abtreibungen durchf\u00fchren, bis das Kind mit dem gew\u00fcnschten Merkmal ausgestattet ist. Als ich zum ersten Mal von diesem Ph\u00e4nomen geh\u00f6rt habe, musste ich sofort an das Erstellen eines Avatars in einem Videospiel denken. &#8222;Das Baby ist nicht blond? Dann will ich es nicht.&#8220; Zwar mag dies sehr \u00fcberspitzt wirken, jedoch besteht bereits seit l\u00e4ngerem diese Art von Kinderwunsch. Dazu z\u00e4hlen z.B. Schwangerschaftsabbr\u00fcche in China und Indien, die durchgef\u00fchrt werden, da ein M\u00e4dchen erwartet wird. Bei einer Weiterentwicklung der Pr\u00e4nataldiagnostik werden immer mehr Paare auf solch eigentlich unwichtige Details Wert legen. Dabei geht allerdings die Vielfalt und Individualit\u00e4t verloren, was in gro\u00dfem Stile zu einer Ver\u00e4nderung der Bev\u00f6lkerung f\u00fchren k\u00f6nnte. So w\u00e4ren unter dem Nationalsozialismus weniger, aber mehr dem Ideal des Ariers entsprechende Kinder geboren worden. Diese Auslese der Kinder w\u00e4re ein weiterer Faktor in dem die Menschen versuchen sich die Natur untertan zu machen. Die Frage stellt sich allerdings, ob nicht schon das Testen auf Fehlbildungen etc. und dadurch begr\u00fcndete Abtreibungen eine Unterform dieser menschlichen Hybris ist.  <\/p>\n\n\n\n<p>Als abschlie\u00dfende Betrachtung sind die M\u00f6glichkeiten der vorgeburtliche Analyse sehr vielversprechend und manchmal definitiv sinnvoll. Jedoch sind sie mit Vorsicht zu genie\u00dfen, da stets ein Risiko auf Missbrauch besteht und bei vielen Verfahren das Fehlgeburtenrisiko steigt. Meiner Meinung nach sollte man sich fr\u00fch entscheiden, ob man das Kind haben m\u00f6chte oder nicht. Dabei sollten werdende Eltern keine Bedingungen an ihr Kind stellen, welche bei Abweichungen zur Abtreibung f\u00fchren. Besonderheiten eines Kindes, wie Trisomie 21, w\u00fcrden es nicht weniger liebenswert machen wie ein normales. Bei vielen Behinderungen ist es, denke ich, nicht allzu schwer sich daran zu gew\u00f6hnen. Daf\u00fcr gibt es auch sehr viele Unterst\u00fctzungseinrichtungen, die sowohl dem Betroffenen, als auch seinen Angeh\u00f6rigen helfen. Trotzdem gibt es f\u00fcr die meisten eine Grenze ab welcher sich f\u00fcr eine Abtreibung entschieden wird. Diese liegt z.B bei der F\u00e4higkeit des Kindes zu \u00fcberleben, wie bei mir pers\u00f6nlich. Jedoch gibt es auch Eltern, bei denen das Kind besondere Eigenschaften haben muss, ohne welche die Schwangerschaft abgebrochen wird. Dieses Verhalten empfinde ich als abscheulich, da jedes Kind eigentlich ein Recht auf Leben haben sollte und eine Bewertung, beispielsweise nach dem Geschlecht absolut unfair diskriminierend ist. Deshalb sehe ich eine zu ausf\u00fchrliche Pr\u00e4nataldiagnostik als gef\u00e4hrlich, obwohl eine technische Weiterentwicklung jener Tests, die auf lebensbedrohliche Einschr\u00e4nkungen abzielen nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst positiv ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Ethikrat besch\u00e4ftigt sich im Bezug auf Wissenschaft der Gene, im Besonderen mit der Ver\u00e4nderung des Genoms. Jedoch kann bereits die Analyse des Gensatzes zu Kontroversen f\u00fchren. Im Folgenden werde ich \u00fcber pr\u00e4natale, also vorgeburtliche Tests, ob sie eingesetzt werden sollten und welche Folgen sie tragen, schreiben, im besonderen Bezug auf das Down-Syndrom. 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