{"id":5091,"date":"2020-01-03T22:51:05","date_gmt":"2020-01-03T21:51:05","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5091"},"modified":"2020-01-03T22:54:20","modified_gmt":"2020-01-03T21:54:20","slug":"praenantaldiagnostik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5091","title":{"rendered":"Pr\u00e4nantaldiagnostik"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eSofern der Tod eines behinderten S\u00e4uglings zur Geburt eines anderen S\u00e4uglings mit besseren Aussichten auf ein gl\u00fcckliches Leben f\u00fchrt, dann ist die Gesamtsumme des Gl\u00fccks gr\u00f6\u00dfer, wenn der behinderte S\u00e4ugling get\u00f6tet wird.\u201c, das ist ein bekanntes Zitat von Peter Singer, der lange Zeit ein Verfechter des Pr\u00e4ferenzutilitarismus war. Ich habe mich f\u00fcr dieses Zitat entschieden, da es meiner Meinung nach sehr gut eine weit verbreitete Sicht auf die Pr\u00e4nantaldiagnostik darstellt und eine m\u00f6gliche Antwort auf die,\u00a0durch einen positiven Befund anfallende,\u00a0Entscheidung liefert. Peter Singer sagt hiermit aus, dass es vertretbar ist einen S\u00e4ugling zu t\u00f6ten, wenn durch beispielsweise einer der vier Methoden der Pr\u00e4nantaldiagnostik festgestellt wurde, dass das Kind in der Zukunft durch eine Krankheit wie etwa Trisomie 21 eingeschr\u00e4nkt sein k\u00f6nnte. Jedoch stellt Singer zu Bedingung, dass es nur tragbar ist einen behinderten S\u00e4ugling zu t\u00f6ten, wenn es dadurch zu einem anderen S\u00e4ugling mit besseren Aussichten auf ein gl\u00fcckliches Leben f\u00fchrt. Meiner Meinung nach verdeutlicht er mit diesem Zitat, dass er die Pr\u00e4nantaldiagnostik unterst\u00fctzt, da durch sie eine gr\u00f6\u00dfere \u201eGesamtsumme des Gl\u00fccks\u201c entsteht. Er bezieht sich auf die \u201eGesamtsumme des Gl\u00fccks\u201c mit dem Gedanken, dass ein behindertes Kind weniger Gl\u00fcck empfindet und auch anderen in seiner Umgebung gibt, zum Beispiel seinen Eltern, als ein gesundes Kind. Ebenfalls geht er davon aus, dass es nach einer Abtreibung eines behinderten F\u00f6tus anschlie\u00dfend eine erneute Schwangerschaft geben wird, die zu einem gesunden Kind und somit zu mehr Gl\u00fcck f\u00fchren wird, anderenfalls w\u00e4re die T\u00f6tung nicht mit seinem Zitat zu belegen. In diesem Essay m\u00f6chte ich mit Hilfe der M\u00f6glichkeiten und Risiken der Pr\u00e4nantaldiagnostik aufzeigen, dass sie sowohl viele Nachteile als auch Vorteile mit sich bringen kann und dass jede Frau bzw. jedes Paar f\u00fcr sich selbst entscheiden muss was f\u00fcr sie die richtige Wahl ist.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Anl\u00e4sse f\u00fcr die Entscheidung zu einer Methode der Pr\u00e4nantaldiagnostik liegen f\u00fcr mich pers\u00f6nlich klar auf der Hand. Der erste Anlass f\u00fcr mich und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr viele anderen Frauen w\u00e4re eine Risikoschwangerschaft, also eine Schwangerschaft ab dem Alter von 35 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit einer Chromosomenst\u00f6rung auf die Welt kommt ist durch die schon in die Jahre gekommenen Eizellen der Frau um einiges h\u00f6her.\u00a0Dies\u00a0ist allgemein bekannt und somit w\u00e4re es f\u00fcr mich untragbar keine weiteren Untersuchungen durchzuf\u00fchren und damit das Leben meines Kindes zu gef\u00e4hrden. Au\u00dferdem ist es in Deutschland vorgeschrieben, dass Risikoschwangerschaften intensiver untersucht werden m\u00fcssen und somit mehr Untersuchungen auch von der Krankenkasse \u00fcbernommen werden. Ein weiterer Anlass w\u00e4ren Auff\u00e4lligkeiten bei den nicht invasiven Methoden wie vergleichsweise bei einem Ultraschall oder allgemeinen Sorgen der Eltern um das Wohlergehen ihres Kindes wie es auch f\u00fcr mich in meiner Schwangerschaft h\u00f6chstwahrscheinlich eine gro\u00dfe Rolle spielen wird, da die Erberkrankung Mukoviszidose in meinem nahen famili\u00e4ren Umfeld bereits aufgetreten ist. Dieser Punkt h\u00e4ngt auch sehr nah mit dem letzten Anlass zusammen einer vorrausgehenden Fehlgeburt, da auch hier viel mehr Sorge auf den Eltern lastet durch vorherige pr\u00e4gende Ereignisse. Zusammenfassend liefert die Pr\u00e4nantaldiagnostik somit die M\u00f6glichkeit zur Beruhigung der werdenden Eltern und einer gelassenen Weiterf\u00fchrung der Schwangerschaft.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br>Nat\u00fcrlich bringt sie aber auch viele Risiken mit sich die zudem das Leben des Kindes gef\u00e4hrden k\u00f6nnten wie Fehlgeburten, vorzeitiger Blasensprung, Kontraktionen der Geb\u00e4rmutter, Blutungen, Infektion und Vorzeitige Wehen. Ebenfalls kann es zu direkten Verletzungen des F\u00f6tus kommen da f\u00fcr drei der vier M\u00f6glichkeiten der Pr\u00e4nantaldiagnostik Nadeln in die unmittelbare N\u00e4he des F\u00f6tus gebracht werden m\u00fcssen. Vor allem die Chordozentese birgt gro\u00dfe Risiken wie die eines Nabelschnurh\u00e4matoms welcher die Versorgung zum F\u00f6tus unterbrechen k\u00f6nnte. Diese Risiken sind Gr\u00fcnde weshalb ich pers\u00f6nlich keine Chordozentese durchf\u00fchren w\u00fcrde und sowohl die Chorionzottenbiopsie als auch die Aminozentese nur nach genauem\u00a0Pr\u00fcfen\u00a0und pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen mit den behandelnden \u00c4rzten durchf\u00fchren lassen w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ich pers\u00f6nlich finde, dass die Pr\u00e4nantaldiagnostik eine unglaublich gro\u00dfe Chance sein kann. 95% aller Kinder auf dieser Welt werden gesund geboren, trotz dessen hat jede Schwangere\u00a0Sorgen\u00a0um ihr Kind, diese k\u00f6nnen durch schlimme Erfahrungen in der Vergangenheit,\u00a0wie beispielsweise eine vorherige Fehlgeburt,\u00a0auch noch viel gr\u00f6\u00dfer sein. Hier k\u00f6nnen die Tests beruhigen und die Frau kann ihre Schwangerschaft entspannter und gl\u00fccklicher fortf\u00fchren. Ebenfalls k\u00f6nnen sie das Leiden aller beteiligten minimieren, wird beispielsweise bei einem F\u00f6tus Trisomie 13 festgestellt, so hat das Kind eine Lebenserwartung von wenigen Wochen. In diesem Fall w\u00fcrde ich einen Abbruch der Schwangerschaft nachvollziehen k\u00f6nnen und ihn auch bevorzugen, da hier das Kind leiden w\u00fcrde und die Eltern nat\u00fcrlich auch. Jedoch beinhaltet die Pr\u00e4nantaldiagnostik auch viele Risiken wie die einer Fehlgeburt. Ich selbst k\u00f6nnte nicht damit leben, wenn die Ergebnisse des Tests zwar unauff\u00e4llig waren ich jedoch als Folge von ihnen mein v\u00f6llig gesundes Kind verlieren w\u00fcrde. Ebenfalls stellt sie das Paar bzw. die Frau vor schwere Entscheidungen, denn was soll getan werden, wenn lebensbedrohliche Krankheit wie Mukoviszidose diagnostiziert wurde, laut Singer werden behinderte Kinder sowohl weniger Gl\u00fcck empfinden als auch geben aber diese Aussage trifft meiner Meinung nach nicht zu. In der Pr\u00e4nantaldiagnostik kann man nicht sagen wie stark am Ende die Krankheit ausgepr\u00e4gt sein wird, somit ist es auch nicht m\u00f6glich zu sagen, dass das Kind kein gl\u00fcckliches oder nur ein kurzes Leben haben wird. Es kann sein, dass das Kind schon im ersten Lebensjahr stirbt oder auch erst im Alter von 50 Jahren und ein gl\u00fcckliches und erf\u00fclltes Leben trotz der Krankheit hatte. Deshalb finde ich das jede Frau bzw. Paar welches \u00fcber eine Pr\u00e4nantaldiagnostik nachdenkt, sich die Zeit nehmen soll sich detailliert mit dem Thema zu befassen um dann die f\u00fcr sich richtige Wahl zu treffen.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSofern der Tod eines behinderten S\u00e4uglings zur Geburt eines anderen S\u00e4uglings mit besseren Aussichten auf ein gl\u00fcckliches Leben f\u00fchrt, dann ist die Gesamtsumme des Gl\u00fccks gr\u00f6\u00dfer, wenn der behinderte S\u00e4ugling get\u00f6tet wird.\u201c, das ist ein bekanntes Zitat von Peter Singer, der lange Zeit ein Verfechter des Pr\u00e4ferenzutilitarismus war. 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