{"id":5264,"date":"2020-06-25T23:51:29","date_gmt":"2020-06-25T22:51:29","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5264"},"modified":"2020-06-25T23:51:29","modified_gmt":"2020-06-25T22:51:29","slug":"zusammenfassung-des-ethikunterrichts-am-19-06-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5264","title":{"rendered":"Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 19.06.2020"},"content":{"rendered":"\n<p>19.06.2020, 9:40h \u2013 11:15h, alle anwesend<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der Stunde haben wir das Dilemma des Kurzfilms \u201eSommersonntag\u201c mithilfe eines Schemas auf den Utilitarismus nach Jeremy Bentham bezogen. Dabei haben wir in einer Tabelle direktes und indirektes Gl\u00fcck direktem und indirektem Leid gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Direktes Gl\u00fcck\/Leid ist unmittelbar. Das bedeutet, dass es einen sofort, also ohne einen Mittler, betrifft. Indirektes Gl\u00fcck ist mittelbar, was bedeutet, dass ein Mittler vorhanden ist. Ein Beispiel daf\u00fcr w\u00e4re, dass ich traurig bin und meine Freunde aus Mitleid oder aufgrund der bedr\u00fcckten Atmosph\u00e4re auch traurig werden. Es kann somit auch eine Woche nach dem Geschehen auftreten, da man haupts\u00e4chlich bei anderen Menschen mitf\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bezug auf &#8222;Sommersonntag&#8220; haben wir Gl\u00fcck mit weniger oder keinem Leid gleichgestellt. Das bedeutet, dass wir beispielsweise die Reisenden als gl\u00fccklich bezeichnet haben, weil die nicht ertrunken sind und somit kein Leid hatten. Neben den Reisenden haben wir noch ihre direkt Verwandten in die Spalte &#8222;direktes Gl\u00fcck&#8220; geschrieben, da sie auch ohne Mittler um den Verlust der Person trauern werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Indirektes Gl\u00fcck haben Familie, Freunde und Bekannte, da niemand in ihrem Umfeld gestorben ist und sie das Leid anderer Personen somit nicht belasten kann. Zudem der Bundespr\u00e4sident, da wenig Leute gestorben sind, die Bahn, da sie keine Mittarbeiter und keinen Zug verloren haben und die Firmen in denen die Reisenden arbeiten, da diese keine qualifizierten Mitarbeitern verloren haben und somit keine neuen Mitarbeiter suchen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Direktes Leid hatte der Sohn, da er umgebracht wurde. Zudem hatte der Vater direktes Leid, da er seinen eigenen Sohn umbringen musste, jedoch h\u00e4tte er in jedem Fall direktes Leid erlebt und die Mutter betraf ebenfalls direktes Leid, da sie ihren Sohn verloren hat und eine Teilschuld tr\u00e4gt, da sie ihn nicht p\u00fcnktlich abgeholt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Indirektes Leid haben zum einen die restliche Familie, Freunde und Bekannte des Jungens und Leute aus dem Zug, die von dem Geschehnis mitbekommen und ein schlechtes Gewissen haben, da ein Junge f\u00fcr sie gestorben ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich haben wir einen ungef\u00e4hren Zahlenwert aufgeschrieben, um herauszufinden mit welcher Entscheidung die meisten Menschen gl\u00fccklich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zahlen sind allerdings nur grob gesch\u00e4tzt und es k\u00f6nnten eventuell noch Kategorien hinzukommen, da der Junge oder einer der Reisenden in Zukunft jemanden das Leben retten k\u00f6nnte. Zudem k\u00f6nnte unter den Reisenden sowohl ein Arzt sein, der ein Heilmittel gegen eine bisher unheilbare Krankheit entdeckt, als auch ein Serienm\u00f6rder, der in der Zukunft einige Menschen t\u00f6ten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Man h\u00e4tte zudem die Zahlen des direkten Gl\u00fccks\/Leids h\u00f6her als die des indirekten Gl\u00fccks\/Leids werten k\u00f6nnen, indem man beispielsweise alle Zahlen in der \u201edirekt-Zeile\u201c mit zwei multipliziert. Somit g\u00e4be es einen Unterschied zwischen der Mutter und den Menschen aus dem Zug, da die Langzeitwirkung des Leids f\u00fcr die Mutter wesentlich drastischer ist. Dadurch h\u00e4tte man die Schw\u00e4che der unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Gegen\u00fcberstellung ausgeglichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen ist jedoch eindeutig, dass sich der Vater zugrunde des Utilitarismus richtig entschieden hat, da die Anzahl der Menschen, die Gl\u00fcck hatten, gegen\u00fcber denen, die leiden, \u00fcberwiegt. Erstere ist nahezu 20-mal so gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Sommersonntag<\/td><td>Gl\u00fcck bzw. weniger\/kein Leid<\/td><td>Leid<\/td><\/tr><tr><td>direkt unmittelbar<\/td><td>Reisende 230 <br>Direkte Verwandte 500<\/td><td>Sohn 1 <br>Vater 1 <br>Mutter 1<\/td><\/tr><tr><td>indirekt mittelbar<\/td><td>Familie, Freunde, Bekannte 1500 Bundespr\u00e4sident 1 <br>Bahn 10 <br>Firmen 200 \u00a0<\/td><td>Restliche Familie, Freunde, Bekannte 50 <br>Leute aus dem Zug 75<\/td><\/tr><tr><td>Ergebnis<\/td><td>2441<\/td><td>128<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt des Modells ist die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt ist, quantitativ Gl\u00fcck gegen Leid abzuw\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich dieser Frage haben wir uns Beispielsituationen durchgelesen und dar\u00fcber diskutiert, ob man dieses hedonistische Kalk\u00fcl anwenden kann oder nicht. Wenn man es unserer Meinung nicht anwenden konnte, mussten wir noch bestimmen, ob man es aufgrund der Langzeitwirkung oder aufgrund der aufzubringenden Mittel\/Moral nicht anwenden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr die Anwendung w\u00e4re, dass ein Arzt einem Patienten das Bein amputiert, um sein Leben zu retten. Hierbei kann man das hedonistische Kalk\u00fcl anwenden, da der Zweck bedeutender als das Mittel ist. F\u00fcr den Patienten w\u00fcrde es sich auf jeden Fall lohnen, sein Bein amputieren zu lassen, wenn er anderenfalls stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel, dass aufgrund von Langzeitfolgen gegen das Kalk\u00fcl spricht, w\u00e4re einen Brand in einer menschenleeren Waffenfabrik nicht zu l\u00f6schen, um die Produktion weiterer Kriegswaffen zu verhindern. Dagegen spricht, dass es so viele Waffenfabriken gibt, dass eine weniger keinen Unterschied machen w\u00fcrde. Zudem w\u00fcrde sie danach wieder aufgebaut oder auf einen anderen Standort verlegt werden. Langfristig gesehen w\u00fcrde es somit nichts an Kriegen \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr, dass die Mittel sich dem Zweck gegen\u00fcbergestellt nicht lohnen oder moralisch verwerflich sind, w\u00e4re ein Frauenarzt, der Patientinnen anstelle der Anti-Baby-Pille heimlich Plazebos gibt, um die Geburtenrate zu erh\u00f6hen und somit einen langfristigen Generationenvertrag zu gew\u00e4hren. Es w\u00e4re moralisch nicht vertretbar, Frauen zu einer Schwangerschaft zu zwingen, vor allem, wenn sie nicht bereit dazu sind. Diese Frauen haben sich durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille gegen ein Kind entschieden und daf\u00fcr vermutlich Gr\u00fcnde gehabt werden. Es k\u00f6nnte unter anderem sein, dass sie noch zu jung f\u00fcr ein Kind sind, evtl. eine vererbbare Krankheit haben oder nicht die Zeit bzw. finanzielle Mittel haben, ein Kind gro\u00dfzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend diese drei Beispiele relativ deutlich zuzuordnen waren, gab es bei anderen l\u00e4ngere Diskussionen. Eines dieser Beispiele w\u00e4re, dass ein Arzt einem gesunden Menschen jahrelang unter einem Vorwand heimlich Blut abnimmt, um ein Medikament zu entwickeln, dass Millionen Leben retten kann. F\u00fcr die Anwendung des hedonistischen Kalk\u00fcls spricht, dass es dem Patienten nicht schadet, wenn ihm Blut abgenommen wird und der Arzt gleichzeitig, wenn die Herstellung des Medikaments gelingt, Millionen Leben retten kann und ein Arzt sollte alles tun, um Leben zu retten. Doch nach dem Gesetz w\u00fcrde der Patient dadurch in seiner W\u00fcrde verletzt werden und somit w\u00e4re das quantitative Gegen\u00fcberstellen von Leid und Gl\u00fcck moralisch nicht vertretbar. Der Arzt sollte den Patienten um Erlaubnis fragen oder Blut von Leuten nehmen, die es f\u00fcr diesen Zweck gespendet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vor dem Ende der Ethikstunde haben wir uns einen Podcast \u00fcber John Stuart Mill, dem Begr\u00fcnder des Utilitarismus, angeh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eckpunkte seines Lebens sind, dass er schon immer ein Querdenker war und somit andere Meinungen als die Mehrheit vertrat. Als junger Mann wurde er deshalb schon einmal zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt. Unter anderem setze er sich f\u00fcr ein Wahlrecht f\u00fcr Frauen und \u00f6ffentliche Bildungseinrichtungen f\u00fcr Notarbeiter ein. Er selbst war dem gehobenen Mittelstand zugeh\u00f6rig und politisch liberal eingestellt. Zudem war er politischer Autor und Unterhausabgeordneter. Er verglich oft den Nutzen des Individuums mit dem der Gesellschaft, wobei die Gesellschaft stets Vorrang hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele w\u00e4ren, ein Rauchverbot in Gastst\u00e4tten und Kneipen, kein freier Erwerb von Schusswaffen oder auch ein abst\u00fcrzendes Flugzeug mit 100 Insassen abzuschie\u00dfen, um 1000 Menschen am Boden zu retten.<\/p>\n\n\n\n<p>Negativbeispiele w\u00e4ren, dass 10% der bundesdeutschen Bev\u00f6lkerung 30% des Volksverm\u00f6gens besitzen oder dass in Dritter Welt L\u00e4nder Pflanzen angebaut werden, die westliche Zivilisationen als Futtermittel benutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Grundgedanken seines Utilitarismus beziehen sich darauf, dass Handlungen f\u00fcr so viele Menschen wie m\u00f6glich den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Nutzen erf\u00fcllen sollen. Dabei darf die Freiheit des Einzelnen eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Wohlverstandenem Eigeninteresse versteht man, dass jeder nach seiner eigenen Lust und seinem eigenen Gl\u00fcck strebt, jedoch das Gesamtbild der Gesellschaft nicht aus dem Auge verloren werden darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Handlungen sind insoweit moralisch richtig, wenn sie kollektives Gl\u00fcck bef\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerecht ist das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Gl\u00fcck der gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Anzahl von Menschen. Nun stellt sich wie Frage, ob Geh\u00e4lter und Sozialleistungen gerecht sein k\u00f6nnen. Das Interesse bzw. das Gl\u00fcck von Minderheiten wird schlie\u00dflich gegen\u00fcber dem der Mehrheit zur\u00fcckgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritik an Mill w\u00e4re somit, dass sein Prinzip des Utilitarismus nicht auf Gleichbehandlung beruht, sondern Einzelne dem Ungl\u00fcck ausgesetzt sein d\u00fcrfen. Allerdings w\u00e4re es ethisch nicht angemessen, Leuten ihr Gl\u00fcck zu verwehren und sie aus egoistischem Interesse der Mehrheit in extremes Ungl\u00fcck zu st\u00fcrzen. Beispiele daf\u00fcr w\u00e4ren der Nationalsozialismus oder auch das Verbot von Homo-Ehen. Somit wird deutlich, dass sich auch die Mehrheit irren kann. Doch auch ein Zensuswahlrecht, das nur Gebildeten das Wahlrecht gibt, ist nicht optimal. Wie bereits erw\u00e4hnt, \u00a0ist es zu kritisieren, wenn Minderheiten benachteiligt werden. Schlie\u00dflich muss man ein Kriterium finden, dass gebildete Menschen von ungebildeten Menschen trennt. Fr\u00fcher durften somit nur Menschen ab einem gewissen Einkommen w\u00e4hlen. Man kann es bef\u00fcrworten, da sie meist eine bessere Schulbildung hatten, allerdings darf man nicht au\u00dfer Acht lassen, dass dadurch die Intressen der \u00c4rmeren politisch \u00fcberhaupt nicht vertreten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Utilitarismus ist heute insofern aktuell, dass jeder w\u00e4hlen darf und somit die Mehrheit \u00fcber die Regierung bestimmt und bestenfalls mit ihr zufrieden sein wird. Allerdings steht der Utilitarismus auch oft der Moral gegen\u00fcber. Es stellt sich die Frage, ob man Futtermittel in Dritter Welt L\u00e4nder anbauen darf, um das Klima zu sch\u00fctzen. Tut man dies, hat die Bev\u00f6lkerung dort nicht genug Anbaufl\u00e4che f\u00fcr Nahrungsmittel, tut man es nicht, wird die Umwelt weniger gesch\u00fctzt. In diesem Fall w\u00e4re es moralisch vertretbarer, auf das Gl\u00fcck des Kollektivs zu verzichten und den Menschen dort beispielsweise mit Nahrungsmitteln auszuhelfen. Das Tierfutter wird zwar teurer, aber die Menschen dort m\u00fcssten im Gegenzug nicht verhungern. Somit zeigt sich, dass der Utilitarismus eine Grundlage f\u00fcr ethische Grundkonzepte, die auf Gedankenexperimenten basieren, ist, jedoch heutzutage oft nicht auf die Gesellschaft bezogen werden kann, da es zu Benachteiligungen von Minderheiten f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/radiowissen\/john-stuart-mill-utilitarismus100.html\">https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/radiowissen\/john-stuart-mill-utilitarismus100.html<\/a> zuletzt aufgerufen am 25.06.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.06.2020, 9:40h \u2013 11:15h, alle anwesend Zu Beginn der Stunde haben wir das Dilemma des Kurzfilms \u201eSommersonntag\u201c mithilfe eines Schemas auf den Utilitarismus nach Jeremy Bentham bezogen. 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