{"id":5266,"date":"2020-07-02T18:58:56","date_gmt":"2020-07-02T17:58:56","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5266"},"modified":"2020-07-02T18:58:56","modified_gmt":"2020-07-02T17:58:56","slug":"protokoll-des-ethikunterrichts-vom-26-06-2020-john-stuart-mill-und-der-utilitarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5266","title":{"rendered":"Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020 \u2013 John Stuart Mill und der Utilitarismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Datum: 26.06.2020<\/p>\n\n\n\n<p>Klassenstufe: K1<\/p>\n\n\n\n<p>Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn<\/p>\n\n\n\n<p>Teilnehmer: 15 von 15 Sch\u00fclern<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Inhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br \u00fcber den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende geh\u00f6rt und anschlie\u00dfend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. Moonlight hat in ihrem Beitrag vom 25.06.2020 die L\u00f6sungen des Arbeitsauftrages bereits gut zusammengefasst, weshalb ich nicht mehr detailliert darauf eingehen werde. Hier als \u00dcbersicht eine grobe Zusammenfassung und am Ende dieses Beitrages findet ihr den passenden Aufschrieb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Utilitarismus laut John Stuart Mill &#8211; Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Gemeinwohl<\/strong> wird \u00fcber das Wohl des Einzelnen gestellt. Grunds\u00e4tzlich sollen jedem Individuum gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheiten einger\u00e4umt werden, au\u00dfer dies k\u00f6nnte dem kollektiven Gemeinwohl schaden. So lehnt diese Philosophie ungleiche Gesellschaftsformen ab, in welchen kleine Eliten den Gro\u00dfteil des Gesamtverm\u00f6gens besitzen. Um eine utilitaristische Gesellschaft zu erm\u00f6glichen, d\u00fcrfen die einzelnen Teilnehmer der Gesellschaft keine egozentrischen Weltanschauungen vertreten, sondern m\u00fcssen stets das Gemeinwohl im Auge behalten (\u2192 <strong>Wohlverstandenes Eigeninteresse<\/strong>). John Mills Theorie widerspricht der von Jeremy Bentham in dem Punkt, dass laut Mill Leid und Gl\u00fcck nicht quantitativ, sondern <strong>qualitativ<\/strong> gemessen werden muss. Hierbei ist vor allem die Langfristigkeit des Leids oder Gl\u00fccks ausschlaggebend, also welche Folgen die Handlung mit sich bringt. Hat eine Handlung die Tendenz <strong>langfristiges Gl\u00fcck<\/strong> zu bef\u00f6rdern, so wird sie von Mill als gut erachtet. Er sprach auch oft von <strong>Lust<\/strong>. Damit war allerdings nicht die sinnliche Lust, sondern die Freude an geistiger Bet\u00e4tigung gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerecht ist was dem Kollektiv n\u00fctzt. Hier spielt vor allem der <strong>Pro-Kopf-Nutzen<\/strong>, d.h. das durchschnittliche Gl\u00fcck, welches die Beteiligten erleben, eine wichtige Rolle. Der <strong>Zweck kann also die Mittel heiligen<\/strong>. Dies ist aus heutiger Sicht allerdings fraglich, da menschenunw\u00fcrdige Mittel nicht durch eine positive Konsequenz ausgeglichen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>1867 wurde das britische Wahlrecht reformiert, wodurch die Anzahl an Wahlberechtigten ungef\u00e4hr verdoppelt wurde. Hierbei war John Stuart Mill ma\u00dfgeblich beteiligt. Er forderte allerdings ein <strong>Zensuswahlrecht<\/strong> auf der Grundlage von Bildung, um eine Tyrannei der ungebildeten Mehrheit zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz seiner <strong>liberalen Ansichten<\/strong>, sah Mill es als die Aufgabe vom Staat und der Gemeinschaft bei der Deckung grundlegender Bed\u00fcrfnisse wie Nahrung und Heizung die B\u00fcrger zu unterst\u00fctzen. Au\u00dferdem war es seiner Meinung nach legitim, wenn der Staat beispielsweise die Alkoholpreise erh\u00f6ht, um so die B\u00fcrger vor sich selbst zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Trolley-Dilemma<\/h4>\n\n\n\n<p>Den Rest der Stunde haben wir uns mit dem Trolley-Dilemma befasst. Hierbei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in welchem man sich in Situationen hineinversetzt, bei denen es keine gute L\u00f6sung gibt, da beispielsweise \u00fcber Menschenleben abgew\u00e4gt wird. Bekannt hierbei ist vor allem das Modell des Zuges. Man nimmt die Position des Weichenstellers ein, welcher entscheiden muss auf welchem Gleis der Zug weiterf\u00e4hrt. Das Problem ist, dass egal wie man sich entscheidet, die Situation stets ein schlechtes Ende nimmt, da auf beiden Gleisen sich z.B. unterschiedliche Anzahlen an Bauarbeitern befinden. <\/p>\n\n\n\n<p>Hierzu haben wir das Video &#8222;Filosofix: Das Gedankenexperimet &#8222;Stra\u00dfenbahn&#8220;&#8220; von dem SRF geschaut und ein passendes Arbeitsblatt bearbeitet. Auf diesem muss man selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg der Zug nehmen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zug t\u00f6tet entweder:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Einen oder f\u00fcnf Bauarbeiter.<\/li><li>F\u00fcnf Bauarbeiter oder einen dicken Mann, den man selbst von einer Br\u00fccke schubsen muss und welcher den Zug stoppen w\u00fcrde.<\/li><li>Einen Bauarbeiter oder f\u00fcnf Bauarbeiter, zu denen man selbst geh\u00f6rt.<\/li><li>Einen selbst oder f\u00fcnf Bauarbeiter.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Nach der Besprechung in der Klasse, hat sich herausgestellt, dass sich die meisten folgenderma\u00dfen entschieden haben:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die f\u00fcnf Bauarbeiter retten und den Einen opfern.<\/li><li>Den dicken Mann nicht schubsen, da dies eine mutwillige Tat w\u00e4re und einen Unbeteiligten involvieren w\u00fcrde.<\/li><li>Den einzelnen Arbeiter opfern und sich selbst sowie die vier anderen Arbeiter retten.<\/li><li>Intuitiv w\u00fcrde sich wahrscheinlich jeder selbst retten. H\u00e4tte man allerdings l\u00e4nger Zeit zu \u00fcberlegen, w\u00fcrden sich eventuell manche selbst opfern.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Gemeinsam als Kurs haben wir per Mehrheitsabstimmung den Test der Moral Machine durchgef\u00fchrt. Hierbei entscheidet man in verschiedenen Szenarien, wie ein autonomes Auto in ausweglosen Situationen zu reagieren hat. Das Prinzip ist wie oben dasselbe: Man muss zwischen Leben abw\u00e4gen. In diesem Gedankenexperiment geht es jedoch nicht nur darum, wie bei den Bauarbeitern die Quantit\u00e4t an Leben abzuw\u00e4gen, sondern die Qualit\u00e4t muss auch ber\u00fccksichtigt werden. Der Simulator stellt einen vor Entscheidungen, bei welchen die Anzahl, das Geschlecht, die soziale Stellung, das Alter, die Befolgung der Gesetze (Fu\u00dfg\u00e4nger \u00fcberqueren die Stra\u00dfe bei rot\/gr\u00fcn) und sogar die Spezies (Haustiere sind auch Teil der Aufgabe) abgewogen werden m\u00fcssen. Ein angenehmes Gef\u00fchl hinterl\u00e4sst das Gedankenexperiment nicht wirklich. Trotzdem war das Ergebnis sehr interessant. Nach der Beendung der Simulation, wird eine Zusammenfassung erstellt, welche Pr\u00e4ferenzen sich w\u00e4hrend der Durchf\u00fchrung gezeigt haben. In unserem Kurs sah dies wie folgt aus: Im Durchschnitt hat unser Kurs sehr utilitaristisch entschieden, was sich z.B. durch das Retten von \u00c4rzten zeigte. Es wurden von der Mehrheit eher M\u00e4nner gerettet, genauso wie j\u00fcngere und sozial h\u00f6her gestellten Menschen Vorrang gegeben wurde. Bei der Entscheidung zwischen Mensch und Tier hat sich der Kurs stets f\u00fcr den Menschen entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrt den Test einmal selbst durch und schreibt in die Kommentare, wie eurer Ergebnis lautet. Findet ihr die Entscheidungen unseres Kurses richtig oder h\u00e4ttet ihr anders gew\u00e4hlt? Ihr k\u00f6nnt auch gerne zu dem oberen Dilemma mit den Bauerbeitern Stellung beziehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aufschrieb<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Grundgedanken<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Gerechtigkeit<\/li><li>Allgemeinwohl vor Eigenwohl \u2192 Pro-Kopf-Nutzen steigern<\/li><li>Gr\u00f6\u00dftes Gl\u00fcck f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Zahl (an Menschen) \u2192 \u201ePig philosophy\u201c? \u2192langfristiges Gl\u00fcck, Bildung, Qualit\u00e4t des Gl\u00fccks ( \u21af Gegensatz zu Bentham) \u2192auch Einschr\u00e4nkungen der Freiheit Einzelner m\u00f6glich<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritikpunkte<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u201ePig philosophy\u201c (Gegner vertreten die Meinung, Mills Philosophie w\u00fcrde ausschlie\u00dflich kurzfristige Lust erzielen)<\/li><li>Einzelinteressen werden geopfert<\/li><li>Zensuswahlrecht (Interessen von Arbeitern und Unterschicht werden nicht vertreten)<\/li><li>Gerechtigkeit ist subjektiv, wird auch von au\u00dfen beeinflusst<\/li><li>Zweck kann Mittel heiligen, auch wenn diese menschenunw\u00fcrdig sind<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Grundprinzipien des Utilitarismus<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Konsequenzen: Nicht die Motive, sondern die Folgen entscheiden \u00fcber die Moralit\u00e4t und Gutartigkeit einer Handlung<\/li><li>Utilit\u00e4t: Der Nutzen ist der Ma\u00dfstab nach dem eine Handlung beurteilt wird<\/li><li>Hedonistisches Prinzip: Das allerh\u00f6chste Gut ist die Lust oder das Gl\u00fcck (pleasure)<\/li><li>Prinzip der Universalit\u00e4t: Nicht die Individuen, sondern die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Moonlight (2020). Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 19.06.2020. Zugriff am: 28.06.2020. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5264\">https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5264<\/a>         <\/li><li>Bayrischer Rundfunk, Michael Reitz (2009). John Stuart Mill: &#8222;Was gerecht ist, ist n\u00fctzlich!&#8220; &#8211; Utilitarismus. Zugriff am: 28.06.2020. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/radiowissen\/john-stuart-mill-utilitarismus100.html\">https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/radiowissen\/john-stuart-mill-utilitarismus100.html<\/a>     <\/li><li>SRF Schweizer Radio und Fernsehen (2015). Filosofix: Das Gedankenexperimet &#8222;Stra\u00dfenbahn&#8220;. Zugriff am: 28.06.2020. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/kultur\/gesellschaft-religion\/filosofix\/darf-man-opfern-um-zu-retten-gedankenexperiment-strassenbahn\">https:\/\/www.srf.ch\/kultur\/gesellschaft-religion\/filosofix\/darf-man-opfern-um-zu-retten-gedankenexperiment-strassenbahn<\/a><\/li><li>Scalable Cooperation. Moral Machine. Zugriff am: 28.06.2020. verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/moralmachine.mit.edu\/hl\/de\">https:\/\/moralmachine.mit.edu\/hl\/de<\/a>                                       <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Datum: 26.06.2020 Klassenstufe: K1 Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn Teilnehmer: 15 von 15 Sch\u00fclern Inhalt Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br \u00fcber den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende geh\u00f6rt und anschlie\u00dfend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. 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