{"id":5383,"date":"2020-07-12T18:46:53","date_gmt":"2020-07-12T17:46:53","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5383"},"modified":"2020-07-12T18:51:54","modified_gmt":"2020-07-12T17:51:54","slug":"was-ist-toleranz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5383","title":{"rendered":"Was ist Toleranz?"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir sind tolerant. Wir tolerieren Verhalten, Ideen und sogar Menschen. Toleranz: Das klingt immer gut. Ist das immer gut? Was ist \u00fcberhaupt Toleranz? Wie beeinflusst Toleranz unser Verhalten anderen gegen\u00fcber? Sind wir gar nur tolerant, um uns selbst zu gefallen? Nach Reiner Forst l\u00e4sst sich Toleranz (auch Duldsamkeit)  in drei Aspekte gliedern. Zun\u00e4chst gibt es die Ablehnungskomponente. Wenn man von Toleranz spricht, gibt es immer etwas, was einem pers\u00f6nlich missf\u00e4llt. Dinge, die einem gefallen, muss man nicht ertragen. So gibt es mehrere Faktoren, die diesem Aspekt entsprechen, so z.B. politische Ablehnung, falls jemand die Meinung anderer nicht teilt. Dies wirkt beinahe &#8222;pervers&#8220;, da man f\u00fcr sich selbst erhofft, dass der andere nicht ablehnend gegen\u00fcber mir, bzw. meiner Meinung steht. So ist die eigene Intoleranz dadurch besonders hervorgerufen und f\u00f6rdert ein negatives Verst\u00e4ndnis dessen, was \u00fcberhaupt toleriert werden darf, kann oder soll. Des Weiteren, wird die Ablehnungskomponente durch die Akzeptanzkomponente erg\u00e4nzt. Dies scheint nun gar nicht wirklich ins Bild zu passen, da Akzeptanz das Gegenst\u00fcck von Ablehnung ist. Jedoch akzeptiert man eine Sache, die einem missf\u00e4llt, ob man will, muss oder soll. Beispielsweise hat meine Freundin ein Tatoo, was mir nicht gef\u00e4llt. Ich muss aber akzeptieren, da es sich nicht um das meinige handelt, sondern um das, einer anderen Person, dessen Lebensstil ich nicht teilen muss. Die dritte S\u00e4ule ist die Zur\u00fcckweisungskomponente. Ab einem bestimmten Punkt &#8222;reicht&#8220; es einem. So zum Beispiel, wenn die Musik meines Nachbarn zu laut ist, oder sonstige Unannehmlichkeiten mich an mein Limit bringen. Hier bewegt man sich im Grenzbereich, wo das Akzeptieren durch das Zur\u00fcckweisen ersetzt wird. Sie zeigt die Grenze dessen auf, ab wann wir etwas nicht mehr akzeptieren, bzw. dulden und annehmen.  Alle drei Aspekte stecken sozusagen im Wort Toleranz und helfen den eigentlich sehr abstrackten Begriff &#8222;Toleranz&#8220; genauer zu verstehen. Doch ist festzustellen, dass Toleranz negativer konogiert ist, als weithin angenommen. So setzt sie voraus, dass man die Vernuft besitzt, die eigene Ablehnung gegen\u00fcber dessen, was einen zum Ablehnen bringt, deutlich geringere Beachtung, bzw. Aufmerksamkeit schenkt, da man sonst, nicht mehr toleriert sondern diese ablehnt und die Tatsache, dass das Missfallen existiert, in den Vordergrund stellt. Deswegen l\u00e4uft man eher Gefahr zu kokketieren, anstatt seinen eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Tolerieren wir andere, um unsere eigene Individualit\u00e4t zu wahren? Oder tolerieren wir andere, um Konflikten schon im Vorhinein vorzubeugen \u2013 eine \u201eSch\u00f6nwettergesellschaft\u201c zu generieren, die nach au\u00dfen hin harmonisch und friedlich erscheint? Was mit einer intoleranten Gesellschaft passiert, ist uns hierzulande aus der j\u00fcngeren Geschichte bekannt. Weltweit sind die Folgen von Intoleranz auch heute deutlich sichtbar. In einer Welt, die offen und globalisiert sein m\u00f6chte, treffen wir dennoch auf Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhass. Was w\u00e4re, wenn wir allen Mitmenschen unvoreingenommen entgegentreten w\u00fcrden? Was, wenn wir f\u00fcr jeden \u2013 unabh\u00e4ngig von Nationalit\u00e4t, Religion oder sozialem Stand \u2013 offen sind, wenn wir jedem seine verdiente Anerkennung zollen? Toleranz. Toleranz ist Harmonie, ist Anerkennung, ist aber vor allem Respekt \u2013 Respekt vor unseren Mitmenschen. Respekt, den wir genau so von ihnen erwarten, wie wir unseren Respekt ihnen entgegenbringen m\u00fcssen. Was ist also Toleranz? Wie bin ich tolerant? Tolerant bin ich dann, wenn ich meinem Gegen\u00fcber auch dann mit Respekt gegen\u00fcbertrete, wenn ich nicht derselben Meinung bin. Tolerant bin ich, wenn ich offen bin f\u00fcr neues, wenn ich niemanden f\u00fcr seine Meinung oder Haltung verurteile.  Mit Toleranz zeige ich, dass ich ein klarer Gegner von Diskriminierung, von Hass und von Neid bin. Was also mit unserer Gesellschaft passieren w\u00fcrde \u2013 was mit einer Gesellschaft passieren w\u00fcrde, die \u201eglobal\u201c sein m\u00f6chte, ohne dass ich auch nur versuche, meinem gegen\u00fcber mit Freundlichkeit, mit Respekt, mit Toleranz entgegenzutreten \u2013 das kann sich jeder selbst ausmalen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p>-Brockhaus Enzyklop\u00e4die Band 12 TO-UL (S.200-210) <br>&#8211; https:\/\/www.grin.com\/document\/458970  <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind tolerant. Wir tolerieren Verhalten, Ideen und sogar Menschen. Toleranz: Das klingt immer gut. Ist das immer gut? Was ist \u00fcberhaupt Toleranz? Wie beeinflusst Toleranz unser Verhalten anderen gegen\u00fcber? Sind wir gar nur tolerant, um uns selbst zu gefallen? Nach Reiner Forst l\u00e4sst sich Toleranz (auch Duldsamkeit) in drei Aspekte gliedern. 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