{"id":5447,"date":"2020-07-12T22:51:40","date_gmt":"2020-07-12T21:51:40","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5447"},"modified":"2020-07-12T22:54:08","modified_gmt":"2020-07-12T21:54:08","slug":"laesst-sich-die-todesstrafe-ethisch-rechtfertigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5447","title":{"rendered":"L\u00e4sst sich die Todesstrafe ethisch rechtfertigen?"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eDie Todesstrafe verst\u00f6\u00dft ganz grundlegend gegen die Menschenrechte. Sie verletzt das Recht auf Leben und stellt eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe dar. Dar\u00fcber hinaus hat die Todesstrafe keine gr\u00f6\u00dfere Abschreckungswirkung als beispielsweise langj\u00e4hrige Haftstrafen.\u201c (Zitat von Oliver Hendrich nach <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/internationales\/weltweit\/menschenrechte\/232224\/todesstrafe\">https:\/\/www.bpb.de\/internationales\/weltweit\/menschenrechte\/232224\/todesstrafe<\/a> zuletzt aufgerufen am 12.07.2020)<\/p>\n\n\n\n<p>Oliver Hendrich ist Mitglied der Amnesty International und pl\u00e4diert gegen die Todesstrafe. Die Amnesty (\u2259 Begnadigung, Straferlass) International ist eine globale Bewegung und setzt sich gegen Ungerechtigkeit ein. Ihr Ziel ist es Hoffnung zu bringen und Menschenrechte allgemein g\u00fcltig zu machen, um dies zu verwirklichen versuchen die Mitglieder Verbrechen aufzudecken und \u00fcber sie zu berichten. Au\u00dferdem kontrollieren sie Regierungen und Firmen auf die Einhaltung der Grundrechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch ist die Todesstrafe heutzutage in einigen L\u00e4ndern legal. Genaue Zahlen in welchen L\u00e4ndern Hinrichtungen ausgef\u00fchrt werden und wie viele es pro Land sind, gibt es nicht bzw. kaum. Die Amnesty International hat jedoch ein Ranking erstellt, das zeigt, dass die meisten Hinrichtungen in China (Tausende, Zahlen werden geheim gehalten), Iran (251+), Saudi-Arabien (184), Irak (100+) und \u00c4gypten (32+) ausgef\u00fchrt werden. Darauf folgt die USA (22).<\/p>\n\n\n\n<p>Das entsprechende Schaubild mit weiteren Informationen ist unter <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/sites\/default\/files\/2020-04\/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf\">https:\/\/www.amnesty.de\/sites\/default\/files\/2020-04\/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf<\/a> auf Seite 4 zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun stellt sich die Frage, was f\u00fcr und gegen die Todesstrafe spricht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Todesstrafe spricht, dass sie als Abschreckung vor schlimmen Straftaten wie Mord und Vergewaltigung dienen kann. Man k\u00f6nnte davon ausgehen, dass T\u00e4ter, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht, das Begehen einer Straftat unterlassen. Jedoch gibt es f\u00fcr diese Behauptung keine Beweise und in der Praxis hat das Abschaffen der Todesstrafe in den entsprechenden Staaten keine negativen Folgen. Dies k\u00f6nnte zum einen daran liegen, dass gewaltsame Verbrecher anders als wir denken und das Begehen der Straftat ihnen wichtiger als ihr Leben ist. F\u00fcr andere k\u00f6nnte der Reiz eine Straftat zu begehen gr\u00f6\u00dfer sein, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht. Zudem wird die Todesstrafe in einigen L\u00e4ndern bereits f\u00fcr gernigere Verbrechen, wie zum Beispiel der Handel von Drogen oder Staatsfeindschaft, verh\u00e4ngt<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Argument f\u00fcr die Todesstrafe w\u00e4re, dass durch die Todesstrafe das Risiko des aus dem Gef\u00e4ngnis Ausbrechens ausgeschlossen wird. Wenn ein M\u00f6rder umgebracht wurde, m\u00fcssen Zeugen keine Angst mehr haben, dass er aus dem Gef\u00e4ngnis ausbrechen k\u00f6nnte oder vorzeitig entlassen wird. Ausbr\u00fcche aus dem Gef\u00e4ngnis sind jedoch sehr selten, in Deutschland liegen oft Jahre zwischen Ausbr\u00fcchen, allerdings bricht meistens immer eine Gruppe von Inhaftierten aus. Empfehlenswert ist es f\u00fcr die Gefangenen nicht, da sie relativ schnell gefunden werden. Sie haben keine Papiere, keine Wohnung und keinen Beruf und die Polizei hat eine Liste mit ihren sozialen Kontakten, bei denen sie Zuflucht suchen k\u00f6nnten. Somit k\u00f6nnen sie meist nicht lange fl\u00fcchten und wenn sie von der Polizei wieder in Gewahrsam genommen werden, haben sie keine Chance mehr vorzeitig entlassen zu werden und kommen meist in einen Hochsicherheitstrakt. Das k\u00f6nnen sie nur umgehen, indem sie sich selbst stellen, bevor die Polizei sie findet. Was das Entlassen aus dem Gef\u00e4ngnis betrifft sind die R\u00fcckfallzahlen, die Morde betreffen, extrem gering. Dies k\u00f6nnte daran liegen, dass T\u00e4ter nur entlassen werden, wenn sich Fachleute sicher sind, dass der T\u00e4ter keine erneute Straftat begehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte die Todesstrafe zudem nach der Redewendung &#8222;Wie du mir, so ich dir&#8220; als gerechte Strafe f\u00fcr einen M\u00f6rder ansehen. Angeh\u00f6rige und Freunde des Opfers wird es eventuell die Wut nehmen, wenn es dem T\u00e4ter \u00e4hnlich wie dem Opfer ergeht. Auch allgemein k\u00f6nnte man dies als Gerechtigkeit bezeichnen, da der T\u00e4ter das was er einem Menschen angetan hat, selbst sp\u00fcren muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings stellt sich hierbei die Frage, ob Rache ein gutes Konzept ist und ob Rache in so gro\u00dfem Ma\u00dfe legitimiert werden sollte. Die Exekutive eines Staates sollte stets eine Vorbildfunktion f\u00fcr den B\u00fcrger sein und Rache erf\u00fcllt keinerlei Vorbildfunktion. Vermutlich ist es allgemein besser, wenn der Staat Gewalt ablehnt und nicht gewaltgepr\u00e4gt handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr die Todesstrafe w\u00e4re, dass eine lebensl\u00e4ngliche&nbsp; Gef\u00e4ngnisstrafe den betroffenen Staat viel Geld kostet. In den USA gibt es des \u00f6fteren Wirtschaftskrisen, weshalb Gefangene bereits entlassen werden mussten. Man k\u00f6nnte nun denken, dass sich dies durch die Todesstrafe \u00e4ndern k\u00f6nnte, jedoch kosten die Vorbereitung einer Hinrichtung und die letztendlich Hinrichtung durchschnittlich dreimal so viel wie lebenslange Inhaftierung. Das liegt in den USA daran, dass Inhaftierte oft jahrelang bis zu ihrer Hinrichtung warten m\u00fcssen. Der Durchschnitt lag 2012 nach der S\u00fcddeutschen Zeitung bei 15 Jahren. Letztendlich werden viele Verbrecher nach langer Wartezeit doch nicht hingerichtet, wobei sie in dieser Zeit enormer psychischer Belastung ausgesetzt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Gr\u00fcnde, die gegen Hinrichtungen sprechen, w\u00e4ren, dass Hinrichtungen gegen die Menschenrechte versto\u00dfen. Jeder hat ein Recht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit (Pers\u00f6nlichkeitsrechte). Derzeit sind Menschenrechte noch nicht weltweit g\u00fcltig, weshalb die Todesstrafe nicht gegen das V\u00f6lkerecht verst\u00f6\u00dft und somit in manchen L\u00e4ndern noch G\u00fcltigkeit erlangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem erleiden einige Hingerichteten einen oft einen grausamen Tod. \u00dcber Komplikationen bei der Giftspritze schreibt die Zeit: \u201eBei jedem 14. Todeskandidaten in den USA (sieben Prozent), der per Injektion hingerichtet wird, treten Schwierigkeiten auf, sch\u00e4tzen Experten. Oft qu\u00e4len sich zum Tode Verurteilte minutenlang, w\u00e4hrend sie sterben: Sie ringen nach Luft, b\u00e4umen sich auf und verziehen das Gesicht vor Schmerzen. 2014 starb Clayton Lockett auf der Liege der Todeszelle nicht etwa an den Medikamenten der Giftspritze, sondern an einem Herzinfarkt \u2013 eine Nebenwirkung der stressigen Hinrichtung.\u201c (Zitat nach <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/2017-04\/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq\/komplettansicht\">https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/2017-04\/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq\/komplettansicht<\/a>). Dies l\u00e4ge daran, dass \u00c4rzte sich aufgrund ihres Berufsethoses oft weigern Hinrichtungen durchzuf\u00fchren. Dadurch muss auf kaum daf\u00fcr ausgebildetes Gef\u00e4ngnispersonal zur\u00fcckgegriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt ist es nicht auszuschlie\u00dfen, dass Unschuldige hingerichtet werden. In einigen F\u00e4llen konnte man dies sp\u00e4ter durch DNA-Untersuchungen beweisen. Manche Menschen wurden kurz vor ihrer Hinrichtung als unschuldig erkl\u00e4rt. Nat\u00fcrlich ist es ebenfalls grausam, wenn ein Unschuldiger ins Gef\u00e4ngnis muss, ihn kann man jedoch wieder entlassen und entsch\u00e4digen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die Todesstrafe nicht ethisch vertretbar ist. Meiner Meinung nach werden Menschen, die andere Personen, selbst wenn diese Verbrecher sind, hinrichten, auch zu M\u00f6rder. Kein Mensch sollte das Recht haben, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen oder auch nur zu entscheiden, dass das Leben eines anderen Menschen fr\u00fchzeitig beendet werden soll. Dies l\u00e4sst sich auch auf die Grundlagen des Christentums, n\u00e4mlich auf das 5. Gebot \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c, \u00fcbertragen. Aus meiner Sicht hat jeder eine zweite Chance verdient, dazu z\u00e4hlen auch Gewaltverbrecher, denn diese haben oft psychische Probleme und k\u00f6nnen sich eventuell durch eine entsprechende Therapie bessern. Die Todesstrafe ist zumeist aus historischen Gr\u00fcnden oder um politische Symbolkraft zu verleihen, bestehen geblieben und meiner Meinung nach veraltet.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Empfehlung (Warnung, nichts f\u00fcr schwache Nerven!):<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/wRP2a9pPw7Y\">https:\/\/youtu.be\/wRP2a9pPw7Y<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Video werden die letzten 24 Stunden vor einer Hinrichtung in Amerika gezeigt. Die Menschen essen ihre letzte Mahlzeit, d\u00fcrfen den letzten Anruf t\u00e4tigen, mit dem dortigen Pfarrer reden und w\u00e4hlen, wie sie umgebracht werden. Die Methoden unterscheiden sich in den Bundesstaaten. Auf erschie\u00dfen, erh\u00e4ngen, verga\u00dfen, eine Gift Injektion und den elektronischen Stuhl wurde genauer eingegangen. Zudem werden beteiligten Personen interviewt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es gibt einen klaren Trend gegen die Todesstrafe&#8220;, Oliver Hendrich. September 2016. <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/internationales\/weltweit\/menschenrechte\/232224\/todesstrafe\">https:\/\/www.bpb.de\/internationales\/weltweit\/menschenrechte\/232224\/todesstrafe<\/a> &nbsp;zuletzt aufgerufen am 12.07.2020<\/p>\n\n\n\n<p>Amnesty International. <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/who-we-are\/\">https:\/\/www.amnesty.org\/en\/who-we-are\/<\/a> &nbsp;zuletzt aufgerufen am 12.07.2020<\/p>\n\n\n\n<p>AMNESTY INTERNATIONAL GLOBAL REPORT &#8211; DEATH SENTENCES AND EXECUTIONS 2019. April 2019. <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/sites\/default\/files\/2020-04\/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf\">https:\/\/www.amnesty.de\/sites\/default\/files\/2020-04\/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf<\/a> &nbsp;zuletzt aufgerufen am 12.07.2020<\/p>\n\n\n\n<p>AMNESTY-BERICHT ZUR TODESSTRAFE 2019. April 2020. <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/allgemein\/pressemitteilung\/amnesty-bericht-zur-todesstrafe-2019\">https:\/\/www.amnesty.de\/allgemein\/pressemitteilung\/amnesty-bericht-zur-todesstrafe-2019<\/a> &nbsp;zuletzt aufgerufen am 12.07.2020<\/p>\n\n\n\n<p>Hauptsache, hinrichten, Sven Stockrahm und Jakob Simmank. April 2017. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/2017-04\/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq\/komplettansicht%20zuletzt%20aufgerufen%20am%2012.07.2020\">https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/2017-04\/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq\/komplettansicht <\/a> zuletzt aufgerufen am 12.07.2020<\/p>\n\n\n\n<p>Vice &#8211; Wir haben einen Kriminologen gefragt, ob es sich lohnt, aus dem Gef\u00e4ngnis auszubrechen, Matern Boeselager. Januar 2018. <a href=\"https:\/\/www.google.com\/amp\/s\/www.vice.com\/amp\/de\/article\/ev5pea\/wir-haben-einen-kriminologen-gefragt-ob-es-sich-lohnt-aus-dem-gefangnis-auszubrechen\">https:\/\/www.google.com\/amp\/s\/www.vice.com\/amp\/de\/article\/ev5pea\/wir-haben-einen-kriminologen-gefragt-ob-es-sich-lohnt-aus-dem-gefangnis-auszubrechen<\/a> zuletzt aufgerufen am 12.07.2020<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00fcddeutsche Zeitung &#8211; Wie sich der Strafvollzug in den USA wandeln muss, J\u00f6rg H\u00e4ntzschel. Mai 2012. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/mildere-strafen-vorzeitige-entlassungen-warum-sich-der-strafvollzug-in-den-usa-wandeln-muss-1.1346389-3\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/mildere-strafen-vorzeitige-entlassungen-warum-sich-der-strafvollzug-in-den-usa-wandeln-muss-1.1346389-3<\/a> zuletzt aufgerufen am 12.07.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Todesstrafe verst\u00f6\u00dft ganz grundlegend gegen die Menschenrechte. Sie verletzt das Recht auf Leben und stellt eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe dar. 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