{"id":5518,"date":"2020-10-03T16:21:46","date_gmt":"2020-10-03T14:21:46","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5518"},"modified":"2020-10-03T16:21:46","modified_gmt":"2020-10-03T14:21:46","slug":"protokoll-des-ethikunterrichts-vom-23-09-2020-utilitarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5518","title":{"rendered":"Protokoll des Ethikunterrichts vom 23.09.2020 ~ Utilitarismus"},"content":{"rendered":"\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Datum: 23.09.2020<\/li><li>Klassenstufe: K2<\/li><li>Standort: Ethikraum, Raum 2204, Gymnasium Gerabronn<\/li><li>Teilnehmer: 13 von 15 Sch\u00fclern<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die zweite Ethikstunde in dem neuen Schuljahr war der Ethik des Utilitarismus, im Besonderen der von John Stuart Mill gewidmet. Mit diesem Thema hatten wir bereits in der Kursstufe 1 begonnen, jedoch das Kapitel Corona-bedingt nicht vollst\u00e4ndig abschlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einstieg<\/h3>\n\n\n\n<p>Um das Wissen aus dem vergangenen Schuljahr wieder aufzufrischen, startete die Stunde mit einem Spiel. An der digitalen Tafel wurden Zitate, Portr\u00e4ts und Situationsbeschreibung eingeblendet, welche dann dem Utilitarismus oder der Pflichtethik zugeordnet werden mussten. Diese Entscheidungen sollte der Kurs gemeinsam f\u00e4llen, was auch recht gut funktionierte. Dies spiegelte sich im Resultat wider: Nur drei von ungef\u00e4hr zwanzig &#8222;K\u00e4rtchen&#8220; wurden falsch eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><iframe src=\"https:\/\/learningapps.org\/watch?app=2225574\" style=\"border:0px;width:100%;height:500px\" webkitallowfullscreen=\"true\" mozallowfullscreen=\"true\"><\/iframe><\/pre>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diejenigen die sich nicht mehr an den Unterschied erinnern k\u00f6nnen, hier eine grobe Zusammenfassung:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Utilitarismus: (passendes Protokoll: <a href=\"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5266\">26.06.2020 von Galanterie<\/a>)<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Abw\u00e4gung des <strong>Nutzens<\/strong> spielt hier eine zentrale Rolle. Das <strong>Gemeinwohl<\/strong> steht \u00fcber dem Wohl des Einzelnen. Somit wird nach dem durchschnittlichen <strong>Pro-Kopf-Nutzen<\/strong> beurteilt, ob eine Handlung als gut oder verwerflich gilt. <strong>Der Zweck heiligt die Mittel. Jeremy Bentham<\/strong> und <strong>John Stuart Mill<\/strong> gelten als die Begr\u00fcnder dieser Ethik. Bentham war der Meinung Leid und Gl\u00fcck lasse sich quantitativ messen (wenn viele Menschen \u00fcberleben und einer stirbt ist das besser als andersherum), wobei Mill die Meinung vertrat Gl\u00fcck und Leid lassen sich nur <strong>qualitativ<\/strong> messen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pflichtethik von Immanuel Kant:<\/h3>\n\n\n\n<p>Laut Kant ist einzig und allein die <strong>Motivation<\/strong> einer Handlung ausschlaggebend \u00fcber die Gutartigkeit derselben. <strong>Der Zweck kann also nicht die Mittel heiligen<\/strong>. Jeder sollte nach Gr\u00fcnden, welche als allgemeing\u00fcltige Regeln gelten k\u00f6nnten, handeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Utilitarismus von John Stuart Mill<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach dem Einstieg wurde jedem Sch\u00fcler ein Zitat von John Stuart Mill zugeteilt, zu welchem ein Arbeitsblatt ausgef\u00fcllt werden sollte. Die ausgeteilten Texte haben sich schnell als anspruchsvoll herausgestellt, jedoch gelang es jedem nach vielfachem Lesen den Sinn zu verstehen und das Blatt korrekt auszuf\u00fcllen. Hier die <a href=\"https:\/\/ethikblogs.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/AB_Mill-Utilitarismus_ausgefu\u0308llt.pdf\">Musterl\u00f6sung<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Erkl\u00e4rung<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Ethik Mills ist nicht allzu verst\u00e4ndlich, deshalb folgt hier eine kleine Erl\u00e4uterung zu dem Arbeitsblatt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kritik an Kant<\/strong>: Mill kritisiert Kant, da dieser eben nicht die Folgen einer Handlung betrachtet. Um einen guten Willen zu haben, m\u00fcssen durchaus auch die Folgen betrachtet<\/p>\n\n\n\n<p>werden um die Gutartigkeit einer Situation absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, so Mill. Laut ihm m\u00fcssen die Auswirkungen auf die gesamte Menschheit, ja sogar auf die ganze f\u00fchlende Lebenswelt mit einbezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Niedere Gen\u00fcsse<\/strong>: Geistige Freuden, also die des Verstandes oder der Gef\u00fchlswelt, sind den sinnlichen vorzuziehen. Trotzdem geben viele Menschen der niedrigen Lustbefriedigung nach, was auf Charakterschw\u00e4che zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Au\u00dferdem meint er, dass einige Menschen, aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung oder von Zeitmangel, nicht zur h\u00f6heren F\u00e4higkeit geistige Lust zu empfinden in der Lage seien. Die niederen Gen\u00fcsse sind somit ihre einzige M\u00f6glichkeit Lust zu empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dem Schicksal begegnen<\/strong>: Um sich vor &#8222;den Wechself\u00e4llen des Lebens&#8220; zu befreien, muss man das eigene Gl\u00fcck zugunsten dem von anderen aufgeben. Dabei beh\u00e4lt man trotzdem die F\u00e4higkeit Quellen seiner Freude zu pflegen, nur man rechnet nicht fest damit Gl\u00fcck zu erfahren, wodurch man nicht entt\u00e4uscht werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Opportun bedeutet:<\/strong> Das Verhalten einer Person n\u00fctzt nur ihr selbst und verschafft ihr einen Vorteil im Vergleich zu Gesellschaft. Dem Rest der Gesellschaft n\u00fctzt die Handlung nichts, oftmals schadet sie ihr sogar. Im Utilitarismus soll eben genau gegenteilig gehandelt werden, also nicht egozentrisch und nur nach dem Eigeninteresse, sondern gesamtgesellschaftlich denkend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>L\u00fcgen<\/strong>: Grunds\u00e4tzlich gilt laut Mill ein L\u00fcgenverbot. L\u00fcgen untergr\u00e4bt das gegenseitige Vertrauen und dient oft als Mittel f\u00fcr egoistisches Handeln von Einzelnen. Allerdings gibt es auch ein paar Ausnahmen, welche L\u00fcgen legitimieren. Wenn es in einer Situation, welche mithilfe des N\u00fctzlichkeitsprinzips abgewogen wird, n\u00fctzlicher erscheint zu l\u00fcgen, so ist man dazu berechtigt. Eine Beispielsituation: Ein Mann ist todkrank und wird in den n\u00e4chsten Tagen sterben. Ein ihm sehr enger Freund stirbt. In diesem Fall w\u00e4re es nach Mill in Ordnung dem Mann die Neuigkeit vorzuenthalten, um ihn vor gro\u00dfer Trauer in seinen letzten Stunden zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Utilitaristische Moral<\/strong>: Ihre Ziele sind Gl\u00fcck, Einheit, bzw. Gemeinschaftsgef\u00fchle und Gleichstellung. Deshalb sollen die Handlungen der Menschen auf das Wohlergehen der Gemeinschaft und nicht auf individuelle Bed\u00fcrfnisse ausgerichtet sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Politik und Erziehung:<\/strong> Die Politik kann dem Utilitarismus dienlich sein, indem die Interessen von unterschiedlichen Gruppen ausgetauscht, voneinander verstanden und angeglichen werden k\u00f6nnen. So k\u00f6nnen sozialen Unterschiede ausgebessert werden. Die Erziehung soll den Gemeinschaftssinn des Einzelnen st\u00e4rken und somit beg\u00fcnstigen, dass ein Jeder im Interesse des Gemeinwohls handelt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritik am Utilitarismus \/ Handlungs- und Regelutilitarismus<\/h4>\n\n\n\n<p>Am Ende der Doppelstunde erl\u00e4uterte uns unsere Lehrerin den Unterschied zwischen <a href=\"https:\/\/philosophievernetzt.files.wordpress.com\/2015\/12\/handlungs-und-regelutilitarismus.pdf\">Regel- und Handlungsutilitarismus<\/a>. Hierzu brachte sie uns eine Beispielsituation, welche wir absch\u00e4tzen sollten. Diese sah ungef\u00e4hr folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Gemeinde leidet unter Wasserknappheit, weshalb der Stadtrat alle Freibadbesitzer bittet ihre Betriebe vorl\u00e4ufig einzustellen und die Becken abzulassen. Ein Freibadbesitzer (ein Utilitarist) \u00fcberlegt sich sein Bad offen zu lassen, um so den Menschen eine M\u00f6glichkeit zur Abk\u00fchlung an hei\u00dfen Sommertagen zu bieten und ihnen so eine Freude zu bereiten. Er ist der Meinung, dass wenn er als einziger sein Bad \u00f6ffnet, der Wasserverbrauch \u00fcberschaubar sei. Soll er sein Freibad offen lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Diskussion \u00fcber das Fallbeispiel ging in eine Diskussion zur Kritik am Utilitarismus \u00fcber. Folgende Punkte wurden in der Kursdiskussion genannt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ein Schwimmbad sollte im Sinne der Bev\u00f6lkerung ge\u00f6ffnet bleiben, allerdings muss dies unter allen Freibadbesitzern abgesprochen werden. Hierbei w\u00e4re es gut, wenn sich die Stadt einmischen w\u00fcrde und zwischen den Besitzern vermittelt. Wenn die Besitzer zusammen arbeiten, kann Personal, Arbeit und somit auch letztendlich der Profit geteilt werden.<\/li><li>Es ist nicht \u00fcberpr\u00fcfbar, ob der Freibadbesitzer wirklich im Sinne der Allgemeinheit denkt oder ob er nur eine konkurrenzlose M\u00f6glichkeit sieht Profit abzusch\u00f6pfen.<\/li><li>Eine wirklich utilitaristische Handlung w\u00e4re es, das Freibad zu \u00f6ffnen, dabei allerdings auf Eintrittskosten zu verzichten oder mittels des Erl\u00f6ses die Bek\u00e4mpfung der Wasserknappheit zu unterst\u00fctzen. Allgemeine Kritik am Utilitarismus<\/li><li>Es ist von au\u00dfen nicht einsch\u00e4tzbar, ob ein Mensch eigenn\u00fctzig oder altruistisch handelt. Mit dem Vorwand nur f\u00fcr die Gesellschaft etwas Gutes tun zu wollen, wurden in der Geschichte der Menschheit schon sehr egoistische und grausame Handlungen legitimiert \u2192 Scheinutilitarismus<\/li><li>Die goldene Regel (Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst) ist erst dann anwendbar, wenn man sich selbst liebt. Wenn man zu sich selbst eine \u00e4u\u00dferst schlechte Beziehung hegt, ist es unm\u00f6glich sich anderen gegen\u00fcber korrekt und utilitaristisch zu verhalten.<\/li><li>Da der Zweck die Mittel heiligt und es um das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Gl\u00fcck geht, werden Minderheiten nicht gesch\u00fctzt und k\u00f6nnen einfach ausgebeutet werden.<\/li><li>Der Utilitarismus kann nicht in allen Situationen einen Leitfaden bieten, da durchaus Entscheidungen getroffen werden m\u00fcssen, bei welchen komplett unterschiedliche Optionen die gleiche N\u00fctzlichkeit haben. Ein Beispiel ist die Problematik mit dem autonomen Fahren. Wenn ein Computer eines Autos entscheiden muss, ob es einen Mann oder eine Frau \u00fcberf\u00e4hrt, so birgt der Utilitarismus (wenn man sich von keinen Vorurteilen leiten l\u00e4sst) keine L\u00f6sung. Wie denkt ihr \u00fcber den Utiltarismus? Eignet er sich als Ethik, nach welcher ihr euer Leben ausrichten k\u00f6nntet oder eher nicht?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Galanterie (2020). <a href=\"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5266\">Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020<\/a> \u2013 John Stuart Mill und der Utilitarismus. Zugriff am: 27.09.2020. <\/li><li>YouTube, PhiloGramm (2019). <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qC3Gh71no00\">Die Pflichtethik von Immanuel Kant<\/a>. Zugriff am: 27.09.2020. <\/li><li>YouTube, Die Merkhilfe (2015). John Stuart Mill: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Z0bxZNb6u28\">Der Utilitarismus &#8211; Qualitativer Hedonismus \/ N\u00fctzlichkeitsprinzip | Ethik<\/a> 16. Zugriff am: 27.09.2020. <\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Datum: 23.09.2020 Klassenstufe: K2 Standort: Ethikraum, Raum 2204, Gymnasium Gerabronn Teilnehmer: 13 von 15 Sch\u00fclern Die zweite Ethikstunde in dem neuen Schuljahr war der Ethik des Utilitarismus, im Besonderen der von John Stuart Mill gewidmet. Mit diesem Thema hatten wir bereits in der Kursstufe 1 begonnen, jedoch das Kapitel Corona-bedingt nicht vollst\u00e4ndig abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. 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