{"id":5662,"date":"2020-12-23T20:18:43","date_gmt":"2020-12-23T19:18:43","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5662"},"modified":"2021-01-17T10:45:48","modified_gmt":"2021-01-17T09:45:48","slug":"verletzt-die-ausstellung-koerperwelten-die-wuerde-des-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5662","title":{"rendered":"Verletzt die Ausstellung K\u00f6rperwelten die W\u00fcrde des Menschen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Ausstellung K\u00f6rperwelten stellt plastinierte Pr\u00e4parate von \u00fcberwiegend menschlichen K\u00f6rpern aus, mit dem Ziel auf ein \u201eges\u00fcnderes und damit besseres und l\u00e4ngeres Leben\u201c (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/koerperwelten-ausstellung-in-der-kritik-meister-der-zerstueckelung-1.251323\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/koerperwelten-ausstellung-in-der-kritik-meister-der-zerstueckelung-1.251323<\/a>) aufmerksam zu machen. Die Plastination wurde von Gunther von Hagens entwickelt und ist ein Konservierungsverfahren, das bei biologischen Pr\u00e4paraten angewandt wird. Bei menschlichen Pr\u00e4paraten haben sich die Menschen zu ihren Lebzeiten f\u00fcr eine Plastination entschieden und werden nach ihrem Tod zu Gunther von Hagens und seinen Mitarbeitern gebracht. Zuerst wird die Verwesung des toten K\u00f6rpers gestoppt und dann durchl\u00e4uft der K\u00f6rper den langen Weg der Plastination und die Inszenierung um die einzelnen anatomischen Merkmale besser sichtbar zu machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den geplanten Besuch der Kursstufe unserer Schule in der Ausstellung in Heidelberg, bin ich auf die Idee gekommen \u00fcber K\u00f6rperwelten zu schreiben. Da es in der Vergangenheit \u00f6fter Gegenwind gegen die Er\u00f6ffnung von Dauerausstellungen in einzelnen St\u00e4dten gab, habe ich nachgeforscht warum dies so ist. Und so stellt sich mir die Frage, ob die Ausstellung K\u00f6rperwelten die Menschenw\u00fcrde verletzt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Durch unseren ersten Artikel im Grundgesetz: \u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt\u201c wird zum einen jedem Menschen eine W\u00fcrde zugesprochen und zum anderen die W\u00fcrde des Menschen als besonders sch\u00fctzenswert herausgehoben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn so oft von der Menschenw\u00fcrde die Rede ist, w\u00e4re es gut den Begriff W\u00fcrde zu definieren, was aber gar nicht so einfach ist. Im Duden steht folgendes als Begriffskl\u00e4rung f\u00fcr &#8222;W\u00fcrde&#8220;: \u201eDie W\u00fcrde ist das Bewusstsein des eigenen Wertes. Ein achtungsgebietender Wert, der dem Menschen innewohnt und die bedingungslose Akzeptanz der inneren Wertvorstellung eines Individuums\u201c.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJeder Mensch hat seinen eigenen Wert, ganz egal unter welchen Umst\u00e4nden dieser Mensch lebt. Und somit auch eine W\u00fcrde. Diese W\u00fcrde leitet sich vom Mensch sein ab und muss gesch\u00fctzt werden\u201c. (vgl.: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/das-junge-politik-lexikon\/321468\/wuerde-menschenwuerde\">https:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/das-junge-politik-lexikon\/321468\/wuerde-menschenwuerde<\/a>) Eine etwas andere Definition der menschlichen W\u00fcrde, aber mit dem selben Inhalt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschenw\u00fcrde als ethisches Konzept beginnt mit dem r\u00f6mischen Politiker und Philosoph Cicero. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird die Menschenw\u00fcrde immer weiter definiert und neue Aspekte werden von Philosophen hinzugebracht. Bis die W\u00fcrde der Menschen so wichtig wurde, dass sie als Menschenrecht z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegner der K\u00f6rperwelten-Ausstellung werfen der Ausstellung und speziell Gunther von Hagens eine Missachtung der Menschenw\u00fcrde vor. Sie sind der Meinung, dass die Zurschaustellung und Inszenierung von Leichen gegen die W\u00fcrde den Menschen ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Oft kommt die Kritik an der Ausstellung von den Kirchen, die die Zurschaustellung von Leichen als Verletzung der Menschenw\u00fcrde sehen. Ebenfalls sagen sie, dass der Ausstellungsraum kein angemessener Ort zum Trauern sei und dass die Ausstellung den nat\u00fcrlichen Zyklus des Lebens unterbreche. Aber auch Mediziner und Anatom Joachim Kirsch sieht die K\u00f6rperwelten als eine k\u00fcnstlerische Inszenierung und spricht der Ausstellung die Lehr- und Aufkl\u00e4rungsfunktion ab, da er findet, dass der Zweck der Ausstellung \u201eAnatomie f\u00fcr alle\u201c nicht erf\u00fcllt wurde. Seiner Meinung nach werden die anatomischen Strukturen im K\u00f6rper nicht erkl\u00e4rt und somit sind diese f\u00fcr Laien nicht zu verstehen. Also sind die Pr\u00e4parate\u00a0 f\u00fcr Ihn nur eine Darstellung von Leichen, dessen Tod in keiner Weise gew\u00fcrdigt wurde.\u00a0Weiter wird an der Ausstellung kritisiert, dass wenn der menschliche tote K\u00f6rper zum Pr\u00e4parat, sprich zum Objekt wir, erlischt die W\u00fcrde des Menschen, die bis \u00fcber den Tod hinaus geht, aber dann nicht mehr existieren kann, weil der tote K\u00f6rper als Objekt angesehen wird. Die Ausstellung wird piet\u00e4tlos gegen\u00fcber den K\u00f6rperspendern, da sie anonymisiert und verdinglicht werden.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther von Hagens wird vorgeworfen, dass nicht alle seine K\u00f6rperspender frei entschieden haben. Bei den K\u00f6rperspender f\u00fcr die Ausstellung wird der ganze K\u00f6rper ein Dauerpr\u00e4perat f\u00fcr das die Menschen zu Lebzeiten zwar W\u00fcnsche f\u00fcr die sp\u00e4tere szenische Darstellung \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen, allerdings wird dieser Wunsch nur selten verwirklicht. So wird die W\u00fcrde des Menschen nach dem Tod missachtet und die K\u00f6rper dienen als \u201eSklave der Ausstellungsmacher\u201c, da sie so dargestellt werden, wie es die Plastinatoren f\u00fcr richtig halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach wird durch die Ausstellung K\u00f6rperwelten die Menschenw\u00fcrde nicht verletzt, da sich alle K\u00f6rperspender zu Lebzeiten frei f\u00fcr eine Plastination entschieden haben. Au\u00dferdem haben sich die K\u00f6rperspender bewusst gegen eine klassische Beerdigung entschieden und daf\u00fcr der Wissenschaft und allen nachfolgenden Generationen zu dienen. Die szenische Darstellung macht Gunter von Hagens deshalb, damit sich die Besucher der Ausstellung in selbst erlebten Situationen wieder finden k\u00f6nnen und die Ausstellung auch f\u00fcr medizinische Laien ansprechend wird. Sein Ziel ist es, allen das Innere ihrer K\u00f6rper nahe zu bringen und sie \u00fcber Krankheiten und bestimmte &#8211; oft ungesunde &#8211; Lebensweisen aufzukl\u00e4ren. Und nur, wenn die Besucher emotional angesprochen werden, was durch die Verwendung von echten Pr\u00e4paraten der Fall ist, \u00fcberdenken sie Ihre eigene Lebensweise.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann die Argumente, dass die Ausstellung K\u00f6rperwelten die W\u00fcrde des Menschen verletzt nicht nachvollziehen. Dadurch, dass ich selber schon eine K\u00f6rperwelten Ausstellung besucht habe, kann ich sagen, dass es sehr ruhig in der Ausstellung ist und dass die W\u00fcrde der Menschen, die ihren K\u00f6rper f\u00fcr die Ausstellung gespendet haben auf jeden Fall geachtet wird. \u00dcber die Achtung der W\u00fcrde hinaus fand ich die Ausstellung sehr interessant und lehrreich, da sie Menschen wie mir, die nicht so viel Ahnung von Medizin und dem Aufbau unseres K\u00f6rpers haben einen sehr guten Einblick gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Argument, dass den meisten Menschen nicht bewusst ist, wie sie dargestellt werden, kann ich so nicht unterst\u00fctzen, da sich die allermeisten Spender f\u00fcr eine K\u00f6rperspende entschieden haben, nachdem sie selbst die K\u00f6rperwelten Ausstellung besucht haben. Also wissen sie, dass entweder nur einige Teile ihres K\u00f6rpers plastiniert und ausgestellt werden. Und sie wissen auch, dass ihr K\u00f6rper szenisch dargestellt werden kann. Ich fand die Ausstellung auch in dem Aspekt der Aufkl\u00e4rung \u00fcber Krankheiten sehr Interessant. Und gerade weil die Plastinate echte K\u00f6rper sind, kann alles viel besser dargestellt werden und die Ausnahmen im menschlichen K\u00f6rper k\u00f6nnen wahrheitsgem\u00e4\u00df abgebildet werden. Zudem kommt noch, Die Tatsache, dass echte K\u00f6rper ausgestellt werden und so hatte ich einen viel pers\u00f6nlicheren Bezug zu der Ausstellung und ich habe jetzt ein viel besseres und realeres Bild davon, wie mein K\u00f6rper aussieht und funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sagt ihr dazu, wird die W\u00fcrde des Menschen durch die Ausstellung K\u00f6rperwelten verletzt oder nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.evangelische-religion.de\/menschenw\u00fcrde.html\">https:\/\/www.evangelische-religion.de\/menschenw\u00fcrde.html <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/radiowissen\/ethik-und-philosophie\/wuerde-unantastbar-philosophie102.html\">https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/radiowissen\/ethik-und-philosophie\/wuerde-unantastbar-philosophie102.html <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.rnz.de\/nachrichten\/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Kritik-an-Koerperwelten-in-Heidelberg-Auch-Koerperspender-haben-eine-Wuerde-_arid,286898.html\">https:\/\/www.rnz.de\/nachrichten\/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Kritik-an-Koerperwelten-in-Heidelberg-Auch-Koerperspender-haben-eine-Wuerde-_arid,286898.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/40378\/Koerperwelten-Pietaetlose-Erlebnisanatomie\">https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/40378\/Koerperwelten-Pietaetlose-Erlebnisanatomie<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/koerperwelten-ausstellung-in-der-kritik-meister-der-zerstueckelung-1.251323\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/koerperwelten-ausstellung-in-der-kritik-meister-der-zerstueckelung-1.251323<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/kultur\/diverses\/museen-umstrittenes-koerperwelten-museum-oeffnet_id_7643976.html\">https:\/\/www.focus.de\/kultur\/diverses\/museen-umstrittenes-koerperwelten-museum-oeffnet_id_7643976.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Angelina Whalley - K\u00f6rperwelten - Menschen in M\u00fcnchen\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/LVLJWj9j5_U?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellung K\u00f6rperwelten stellt plastinierte Pr\u00e4parate von \u00fcberwiegend menschlichen K\u00f6rpern aus, mit dem Ziel auf ein \u201eges\u00fcnderes und damit besseres und l\u00e4ngeres Leben\u201c (https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/koerperwelten-ausstellung-in-der-kritik-meister-der-zerstueckelung-1.251323) aufmerksam zu machen. 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