{"id":5674,"date":"2020-12-30T16:37:09","date_gmt":"2020-12-30T15:37:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5674"},"modified":"2021-01-02T23:27:45","modified_gmt":"2021-01-02T22:27:45","slug":"prostitution-schadet-ein-verbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5674","title":{"rendered":"Prostitution: Schadet ein Verbot?"},"content":{"rendered":"\n<p>,,Nichts ist trauriger als eine Frau, die sich aus anderen Gr\u00fcnden auszieht als f\u00fcr die Liebe.\u2018\u2018, so laut Juliette Gr\u00e9co. Sie spricht mit diesem Zitat explizit das umstrittene Thema Prostitution an. Doch w\u00e4re es besser, die sogenannte ,,Sexarbeit\u2018\u2018, welche gegen Entgelt sexuelle Handlungen vornimmt, zu verbieten oder legal bestehen zu lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen fordern ein Verbot der Prostitution, mit der Begr\u00fcndung, sie sei ein fundamentaler Versto\u00df gegen die W\u00fcrde des Menschen, wobei hier sowohl weibliche, als auch m\u00e4nnliche Prostitution mit einbezogen ist. Doch warum sollte ein einvernehmliches Sexualverhalten gegen Bezahlung diskriminiert und verboten werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, zum einen kann die Prostitution als Versto\u00df gegen unseren obersten Verfassungswert, die Menschenw\u00fcrde, gesehen werden. Hierbei sollte man jedoch zwischen freiwilliger Prostitution und Zwangsprostitution differenzieren. Einerseits soll ein Mensch frei entscheiden k\u00f6nnen, wem und was man seinen eigenen K\u00f6rper widmet. Viele behaupten, Prostituierte h\u00e4tten keinen eigenen Willen, doch haben sie wirklich keinen eigenen Willen, wenn sie selbst \u00fcber ihren eigenen K\u00f6rper entscheiden?  Wenn man eine Gruppe von Bet\u00e4tigten f\u00fcr ihre Entscheidung mit ihrem eigenen K\u00f6rper diskriminiert, missachtet man anders betrachtet ebenso die W\u00fcrde des Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p>In unserer Gesellschaft wird Prostitution auf der einen Seite mit Menschenhandel, Gewalt, Ausbeutung und Diskriminierung verkn\u00fcpft. Auf der anderen Seite wird Prostitution als legale Arbeit anerkannt und positiver betrachtet. Doch man kann dieses umstrittene Thema nicht in zwei Seiten einteilen und pauschalisieren. Jede einzelne, in dem Bereich besch\u00e4ftigte Person hat andere Gr\u00fcnde, der T\u00e4tigkeit nachzugehen. Eine Person kann selbstst\u00e4ndig entscheiden, sich der Prostitution zu widmen, oder man hat diese M\u00f6glichkeit des selbstst\u00e4ndigen Entscheidens eben nicht und es wird einem durch \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen aufgezwungen. Einzelne, verschiedene F\u00e4lle zu generalisieren, indem man ihre T\u00e4tigkeit als normal und harmlos abstempelt, oder eben auch nicht anerkennt und diskriminiert, f\u00fchrt zur Banalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielsweise berichtet eine Frau ihre Erfahrungen als Prostituierte, sie sehe keinen Grund daf\u00fcr, sich anderweitig zu besch\u00e4ftigen, weil ihre T\u00e4tigkeit ihr leicht f\u00e4llt und ihr nie langweilig wird. Auch Ausbeutung, Drogen und Armut treffen auf ihr Edelbordell, welches Sie selbst f\u00fchrt, angeblich nicht zu. Die Frauen arbeiten selbstbestimmt und aus freiem Willen. Die Besitzerin nimmt hierbei nichts von dem Verdienst der Frauen ab, da es sonst Zuh\u00e4lterei w\u00e4re. Auch m\u00fcssen die Frauen nicht jeden Kunden bedienen, denn ein R\u00fcckzieher ist auch kurzfristig m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gegenbeispiel ist eine andere Frau, welche bis heute gezeichnet ist, und ihre Prostitution mit Sklaverei vergleicht. Ihr Zuh\u00e4lter t\u00e4towierte Sie mit einem sogenannten ,,Eigentumsstempel\u2018\u2018 am R\u00fccken. Andere bekommen auch \u00fcblicherweise einen Barcode oder den Namen des Zuh\u00e4lters t\u00e4towiert. Allein das beschreibt bereits die N\u00f6tigung vieler Prostituierten: Sie sind das Eigentum ihrer Zuh\u00e4lter, f\u00fcr immer. Durch diese Zwangsprostitution werden viele Besch\u00e4ftige traumatisiert und m\u00fcssen schwere psychische Sch\u00e4den erleiden und handhaben. Folgen der Prostitution sind beispielsweise \u00fcber Monate und Jahre anhaltendes Kranksein, Essst\u00f6rungen, Angstzust\u00e4nde und Depressivit\u00e4t. Des Weiteren geh\u00f6ren dazu dissoziative Zust\u00e4nde (Zust\u00e4nde, in denen die Betroffenen nichts empfinden konnten), Suizidversuche, fragliches Suchtverhalten, diverse Narben auf der Haut und Symptome einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung (PTBS) wie Schreckhaftigkeit, sich aufdr\u00e4ngende Gedanken und Bilder an das Trauma (Intrusionen) und eine sexualisierte Art von Affektisolation. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Psychotherapeutin Ingeborg Kraus wird mit dem Thema Prostitution konfrontiert. Sie behandelt Prostituierte, welche aufgrund ihrer Arbeit stark leiden. Frauen, die anf\u00e4nglich meinen, sie w\u00fcrden den Job liebend gerne tun, verleugnen sich meist selbst, denn sie blenden aus, was genau mit ihnen passiert, und meinen, sie prostituieren sich freiwillig, wobei sie durch ihre schweren Erfahrungen nur gelernt haben, abzuschalten und sich selbst zu verleugnen. Viele Frauen sind sich am Anfang der Therapie nicht bewusst, was sie ausgesetzt waren. W\u00e4hrend die Arbeit zuerst als problemlos erscheint, tauchen im Laufe der Therapie tiefe Verletzungen in den Biografien auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen bis jetzt festhalten, dass im ersten Beispiel der Frau, welcher das Bordell geh\u00f6rt, eine positive Stellung zu ihrem Gesch\u00e4ft herrscht. Nachdem ich die anderen Erfahrungen der Psychotherapeutin gelesen und kurz zusammengefasst habe, gehe ich davon aus, dass wir uns nun alle die Frage stellen, ob sich die erste Frau bereits sehr stark im Akt der Verleugnung und des ,,Sch\u00f6n-Redens\u2018\u2018 befindet. Zwar kann in unserer Gesellschaft keine Gleichberechtigung herrschen, wenn wir einen Beruf verbieten, der eigentlich normal wie jeder andere sein sollte, doch innerhalb dieses Berufes k\u00f6nnen wir genauso wenig von Gleichberechtigung sprechen. Es wird gut geredet, den K\u00f6rper einer Frau zu kaufen und zu nutzen, weshalb bei dem K\u00e4ufer keine Schuldgef\u00fchle auftreten, sondern genau das Gegenteil der Fall ist. Da der K\u00e4ufer f\u00fcr die Dienste bezahlt, sieht er sich schlussendlich im Recht, die gew\u00fcnschte Gegenleistung zu fordern. <\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Beispiele wird deutlich bemerkbar, wie heikel es ist, \u00fcber ein Verbot der Prostitution zu urteilen. Ein Gesetz wie etwa in Schweden, welches nicht die Prostituierten, sondern die Freier bestraft, macht nur den Akt des Kaufens von Sex illegal. Somit werden nicht die Prostituierten verantwortlich gemacht, sondern die Freier, die die Hauptursache f\u00fcr das Bestehen von Prostitution sind. Wenn weniger Personen die Dienste Prostituierter in Anspruch nehmen w\u00fcrden, w\u00fcrde die Zahl der Prostituierten zur\u00fcckgehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nichtsdestoweniger l\u00e4uft man, wenn man nicht nur den K\u00e4ufer bestraft, sondern ein allgemeines Verbot der Prostitution festlegt, eventuell der Gefahr aus, dieses Gesch\u00e4ft in den Untergrund zu dr\u00e4ngen und folglich dessen nicht die Kritikpunkte, welche die Prostitution mit sich bringt, zu beseitigen, sondern die Situation der Prostituierten zu verschlimmern und zu erschweren. Mit dem Prostitutionsgesetz in Deutschland haben Prostituierte demgegen\u00fcber die M\u00f6glichkeit, sich nun regul\u00e4r in den gesetzlichen Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherungen zu versichern. Au\u00dferdem wirkt sich das Gesetz auf das Strafrecht aus, und somit auch auf das Zivilrecht.  <\/p>\n\n\n\n<p>Ich pers\u00f6nlich finde es schwer, dar\u00fcber zu urteilen, ob ein Verbot der Prostitution sowohl von Frauen als auch von M\u00e4nnern schadet. F\u00fcr viele freiwillige Prostituierte wird ihr Gesch\u00e4ft als Chance angesehen, f\u00fcr unfreiwillige Zwangsprostituierte nimmt es schwere Folgen mit sich, sowohl psychisch als auch k\u00f6rperlich. Es ist hierbei unerl\u00e4sslich, \u00fcber die psychischen Hintergr\u00fcnde und die Auswirkungen von Situationen nachzudenken. Wenn eine in der Prostitution besch\u00e4ftigte Person tats\u00e4chlich ohne Verleugnung der Ansicht ist, dieses Gesch\u00e4ft w\u00e4re gut, leiden demgegen\u00fcber Andere daran. Mit einem Verbot w\u00fcrden die Zahlen zwar sinken, aber es l\u00e4sst sich keinesfalls ausschlie\u00dfen, dass sowohl freiwillige Prostitution, als auch Zwangsprostitution illegal ausge\u00fcbt werden. Ich vermute, dass Betroffene aufgrund eines Verbotes viel st\u00e4rker in eine Sackgasse und Aussichtslosigkeit gedr\u00e4ngt werden, weshalb man das Problem an der Wurzel greifen sollte: Die Verleugnung und den Zwang von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen und pers\u00f6nlichen Hintergr\u00fcnden nachgehen, anstatt Prostitution gesetzlich zu verbieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das anf\u00e4ngliche Zitat von Juliette Gr\u00e9co versucht diese moralische Zwangslage zusammenzufassen. Letztendlich steckt etwas Wahrheit in dem Aspekt der Traurigkeit, dass Menschen auch anderen Gr\u00fcnden als der Liebe ausgesetzt sind und teils keine andere M\u00f6glichkeit sehen, ihr Leben zu handhaben. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, wir alle sind uns der Tatsache bewusst, wie vielseitig das Thema Prostitution ist, weshalb es mich interessiert, was ihr von einem Verbot der Prostitution haltet und auf welche Aspekte ihr weiter eingehen wollt. Wenn ihr die Berichte und Erfahrungen der drei oben beschriebenen Frauen ausf\u00fchrlicher nachlesen wollt, findet ihr sie hier unter diesen Links:<br><\/p>\n\n\n\n<p>Beispiel positive Erfahrungen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.cosmopolitan.de\/amp\/erfahrungen-als-prostituierte-ich-war-gerne-eine-hure-eine-studentin-berichtet-81661.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.cosmopolitan.de\/amp\/erfahrungen-als-prostituierte-ich-war-gerne-eine-hure-eine-studentin-berichtet-81661.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Beispiel negative Erfahrungen:<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.trauma-and-prostitution.eu\/category\/wissenschaftliche-texte\/erfahrungsberichte\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.trauma-and-prostitution.eu\/category\/wissenschaftliche-texte\/erfahrungsberichte\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/bvvp.de\/2020\/09\/07\/prostitution-macht-krank\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/bvvp.de\/2020\/09\/07\/prostitution-macht-krank\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Psychotherapeutin Ingeborg Kraus:<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/sex\/prostitution-was-sexarbeit-anrichten-kann-a-00000000-0003-0001-0000-000002034187-amp\" target=\"_blank\">https:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/sex\/prostitution-was-sexarbeit-anrichten-kann-a-00000000-0003-0001-0000-000002034187-amp<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Quelle Zitat\/weitere Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/zitate.net\/prostitution-zitate\" target=\"_blank\">http:\/\/zitate.net\/prostitution-zitate<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Prostitution\" target=\"_blank\">https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Prostitution<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>,,Nichts ist trauriger als eine Frau, die sich aus anderen Gr\u00fcnden auszieht als f\u00fcr die Liebe.\u2018\u2018, so laut Juliette Gr\u00e9co. 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