{"id":5786,"date":"2021-01-02T22:53:37","date_gmt":"2021-01-02T21:53:37","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5786"},"modified":"2021-01-02T22:58:15","modified_gmt":"2021-01-02T21:58:15","slug":"sind-wissenschaftler-fuer-die-folgen-ihrer-erfindungen-verantwortlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=5786","title":{"rendered":"Sind Wissenschaftler f\u00fcr die Folgen ihrer Erfindungen verantwortlich?"},"content":{"rendered":"\n<p>Alfred Nobel erfand 1866 das Dynamit. Seine eigentliche Intention war das Entwickeln eines Sprengstoffs, der ohne gro\u00dfe Gefahr transportiert und verwendet werden kann. Bisherige Sprengstoffe f\u00fchrten immer wieder zu gro\u00dfen Ungl\u00fccksf\u00e4llen. Durch die verbesserten Eigenschaften entwickelte er allerdings eine Kriegswaffe, die zum Beispiel im deutsch-franz\u00f6sischen Krieg eingesetzt wurde. Schon bald verdiente Alfred Nobel ein Verm\u00f6gen mit der neuen Waffe, die nicht nur in Kriegen, sondern auch f\u00fcr Attentate verwendet wurde.<br>Nobel wird sich \u00fcber die negativen Folgen seiner Erfindung bewusst und nimmt anonym an Friedenskongresse teil und spendet Geld an pazifische Organisationen. Zus\u00e4tzlich legt er fest, dass nach seinem Tod mit dem Gro\u00dfteil seines Verm\u00f6gens eine Stiftung gegr\u00fcndet werden soll, die Menschen, die sich f\u00fcr das Wohl der Menschheit einsetzen, mit einem Preis auszeichnen soll. Daraus entstand der Nobelpreis, der auch noch heutzutage jedes Jahr an Alfred Nobel\u2019s Todestag in Stockholm verliehen wird. Nun ergibt sich die Frage, ob Wissenschaftler f\u00fcr negative Folgen ihrer Erfindungen verantwortlich gemacht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr spricht, dass die Idee der Erfindung von ihnen kommt und sie sich daf\u00fcr entschieden haben an dieser Idee zu forschen. Jeder ist hierbei f\u00fcr seine Taten selbst verantwortlich und sollte abw\u00e4gen, ob das Arbeiten an dieser Idee gef\u00e4hrlich ist. Besonders die Entscheidung seine Entdeckung zu ver\u00f6ffentlichen ist ein gro\u00dfer Schritt, der nicht ohne sorgf\u00e4ltige Kontrollen gemacht werden sollte. Vor der Ver\u00f6ffentlichung muss sicherstellen werden, dass ihre Idee nicht missbraucht werden kann.<br>Zudem k\u00f6nnte es sein, dass die Wissenschaftler die negativen Seiten ihrer Erfindung bereits erkannt haben, ihre Erfindung aber dennoch auf den Markt bringen mochten. Dies k\u00f6nnte daran liegen, dass sie Kriegsbef\u00fcrworter sind und ihr Ziel die Vernichtung ist oder dass sie ausschlie\u00dflich auf Ruhm und Geld aus sind und deshalb fahrl\u00e4ssig handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite gibt es auch einige Argumente, die dagegen sprechen, dass Wissenschaftler f\u00fcr ihre Erfindungen verantwortlich sind. Einige Wissenschaftler wussten zur Zeit ihrer Erfindung nicht, welch schwerwiegende Folgen sie haben kann. Beispielsweise wusste Otto Hahn 1938 nicht, dass durch die bei der Kernspaltung entstehenden Energie und Radioaktivit\u00e4t nicht nur f\u00fcr die Technik und Medizin, sondern auch f\u00fcr den Waffenbau genutzt werden kann.<br>Wie in vielen weiteren F\u00e4llen, hatten Wissenschaftler gute Intentionen und Ideen, doch die Gesellschaft hat sie in etwas Schlechtes weiterentwickelt. Auch Alexander Flemming, der Entdecker des Penicillins, hat viele Menschenleben gerettet. Die Gesellschaft hat trotz der Warnung vor Antibiotikaresistenzen das Medikament \u00fcberm\u00e4\u00dfig gebraucht, zum Beispiel durch den Einsatz von Antibiotika bei Masttieren, der teilweise pr\u00e4ventiv war oder allgemein durch die zu h\u00e4ufige Einnahme von Antibiotika. Somit ist nur die Gesellschaft und nicht der Erfinder selbst f\u00fcr die negativen Konsequenzen der Erfindung verantwortlich. Die Aufgabe von Wissenschaftlern ist schlie\u00dflich Dinge zu entwickeln und ihren eigentlichen Zweck auf Gefahren zu testen, nicht aber sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, ob man ihre Erfindung in eine Waffe umbauen kann. Dies ist die Verantwortung der Gesellschaft und Politik, die die Weiterentwicklung der Erfindung beobachten, eventuell durch Gesetze einschr\u00e4nken oder verbieten m\u00fcssen. Eventuell sollten mehr Institutionen eingerichtet werden, die Ideengut f\u00fcr Erfindungen sorgf\u00e4ltig \u00fcberpr\u00fcfen, bevor es ver\u00f6ffentlicht wird.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Allerdings wird die Politik ihrer Verantwortung nicht immer gerecht. Wissenschaftler haben bereits vor negativen Seiten ihrer Erfindungen gewarnt, diese wurden jedoch ignoriert. Beispielsweise wurde bei der Inbetriebnahme vieler Atomkraftwerke keine L\u00f6sung gefunden, wo der radioaktiven Atomm\u00fcll gelagert werden kann. Man hat vorwiegend die Energiegewinnung, die positive Seite der Kernkraft, gesehen und die negativen Aspekte, wie zum Beispiel den entstehenden Atomm\u00fcll, verdr\u00e4ngt und optimistisch gedacht, dass die Wissenschaft in Zukunft eine L\u00f6sung finden wird. Nun kann man nicht die Wissenschaft, sondern muss die Gesellschaft f\u00fcr das Atomm\u00fcllproblem verantwortlich machen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Zudem kann man fast jede Erfindung in etwas Schlechtes umwandeln. Selbst Transportmittel sind schlecht f\u00fcr die Umwelt, k\u00f6nnen schwere Unf\u00e4lle verursachen oder k\u00f6nnen f\u00fcr Anschl\u00e4ge benutzt werden und dennoch k\u00f6nnten wir uns heute ein Leben ohne Transportmittel nicht mehr vorstellen und nur schwer darauf verzichten. Aufgrund dessen sollten ihre Erfinder geehrt und nicht durch falschen Umgang mit ihren Erfindungen f\u00fcr Katastrophen verantwortlich gemacht werden. In einigen F\u00e4llen \u00fcberwiegt n\u00e4mlich der gute Nutzen der Erfindung.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Zuletzt l\u00e4sst sich sagen, dass einige Erfindungen so essentiell sind, dass sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter erfunden werden mussten. Damals kam es schlie\u00dflich \u00f6fter vor, dass Dinge gleichzeitig an verschiedenen Orten von verschiedenen Forschern erfunden wurden. Das bedeutet, dass man eine Erfindung nicht unbedingt an einer Person festmachen kann und behaupten k\u00f6nnte, dass sie ohne diese Person nicht existieren w\u00fcrde. H\u00f6chstwahrscheinlich w\u00e4re die Erfindung dann ein paar Jahre sp\u00e4ter auf den Markt gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich komme ich zu dem Fazit, dass Wissenschaftler zumeist nicht f\u00fcr ihre Erfindungen verantwortlich gemacht werden sollten. Nat\u00fcrlich spielen dabei auch Faktoren wie die Intention oder die Vorhersehbarkeit der negativen Folgen eine Rolle, doch in den meisten F\u00e4llen wollten Wissenschaftler das Wohl der Menschheit f\u00f6rdern, indem sie Technologien voranbringen und das haben sie aufgrund vieler Erfindungen geschafft. Wenn man abw\u00e4gen w\u00fcrde, haben die meisten essentiellen Erfindungen der Menschheit vorwiegend gute Folgen und werden meist von Menschen absichtlich missbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/Alfred-Nobel-und-die-Erfindung-des-Dynamits,alfrednobel104.html#:~:text=September%201867%3A%20Dynamit-Patent%20f%C3%BCr%20Alfred%20Nobel&amp;\">https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/Alfred-Nobel-und-die-Erfindung-des-Dynamits,alfrednobel104.html#:~:text=September%201867%3A%20Dynamit-Patent%20f%C3%BCr%20Alfred%20Nobel&amp;<\/a> zuletzt aufgereufen am 02.01.2021<br><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/Die-Entdeckung-der-Kernspaltung,uranspaltung100.html\">https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/Die-Entdeckung-der-Kernspaltung,uranspaltung100.html<\/a> zuletzt aufgerufen am 02.01.2021<br><a href=\"https:\/\/www.philosophie.ch\/blogartikel\/highlights\/philosophie-aktuell\/die-verantwortung-der-wissenschaft\">https:\/\/www.philosophie.ch\/blogartikel\/highlights\/philosophie-aktuell\/die-verantwortung-der-wissenschaft<\/a> zuletzt aufgerufen am 02.01.2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Nobel erfand 1866 das Dynamit. 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