{"id":6339,"date":"2022-01-03T18:44:25","date_gmt":"2022-01-03T17:44:25","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6339"},"modified":"2022-01-17T22:05:52","modified_gmt":"2022-01-17T21:05:52","slug":"ist-es-momentan-vertretbar-skifahren-zu-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6339","title":{"rendered":"Ist es momentan vertretbar Skifahren zu gehen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Da ich selbst Ski fahre und \u00fcberlegt habe, ob ich in den Weihnachtsferien gehen soll, wollte ich mich etwas genauer mit dem Thema auseinandersetzen. Im folgenden werde ich besonders auf die Aspekte Umwelt, Wirtschaft und Corona eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Umwelt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Bild entfernt. Quelle unklar. S\u00fc)<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Bau einer Skipiste werden kilometerweise W\u00e4lder gerodet, B\u00e4ume samt Wurzel herausgerissen und Waldb\u00f6den planiert. Teilweise werden sogar Felsen gesprengt oder Fl\u00fcsse umgeleitet. Doch das ist nicht alles, denn es wird ebenfalls Platz f\u00fcr Parkpl\u00e4tze, Hotelanlagen, Zubringerstra\u00dfen, Lifte und Gondeln ben\u00f6tigt. &#8222;F\u00fcr Skigebiete und die dazugeh\u00f6rige Infrastruktur sind gigantische Fl\u00e4chen notwendig. Das bedeutet einen gro\u00dfen Einschnitt in das jeweilige Gebiet und die Zerst\u00f6rung von Lebensr\u00e4umen der dort beheimateten Tiere&#8220;, so Martina von M\u00fcnchhausen, die bei WWF Deutschland als Tourismus-Expertin arbeitet. Doch nicht allein die riesige ben\u00f6tigte Fl\u00e4che ist das Problem: Durch das Planieren der Pisten wird der Boden so verh\u00e4rtet, dass er kaum mehr Wasser aufnehmen kann. (Das Planieren dient dazu, die Pisten m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfig abzuflachen, um darauf besser Skifahren zu k\u00f6nnen). Das f\u00fchrt wiederum zu \u00dcberschwemmungen, sowie Erosion, Schlamm- und Ger\u00f6lllawinen. Verst\u00e4rkt wird der Effekt ebenfalls durch die Abrodung der W\u00e4lder, da sich diese Lawinen nun ungehindert ausbreiten k\u00f6nnen. Somit kann es im Winter in den Skigebieten zu Schneelawinen kommen, besonders wenn sich die Sportler nicht an die Pistenabgrenzungen halten, man nennt dies auch Freeriden. Im Winter 2014\/2015 starben in der Schweiz 32 Menschen durch Lawinen. Durch das Freeriden k\u00f6nnen also nicht nur Lawinen ausgel\u00f6st werden, sondern man dringt dabei auch noch in die Lebensr\u00e4ume der Wildtiere ein. Die meisten Tiere verlangsamen im Winter ihren Stoffwechsel. Kommt es jedoch zu Stresssituationen, wenn bspw. ein Skifahrer das Gebiet durchkreuzt, werden die Tiere in Angst versetzt und fl\u00fcchten. Bei der Flucht verlieren sie wichtige Energiereserven, die sie br\u00e4uchten, um den Winter zu \u00fcberleben und es kommt im schlimmsten Fall zum Ersch\u00f6pfungstod. Besonders betroffen sind G\u00e4mse, Steinb\u00f6cke, Rehe, Rotwild, Schneehasen und einige Vogelarten. Die Wildtiere werden zus\u00e4tzlich in ihren Ruhephasen gest\u00f6rt, wenn die Schneekanonen aktiviert werden. Diese verursachen \u00e4hnlich gro\u00dfen L\u00e4rm wie eine stark befahrene Stra\u00dfe und werden haupts\u00e4chlich abends eingesetzt. Gerade in tiefer gelegenen Skigebieten kann man den Skitouristen ohne die Schneekanonen keine Schneegarantie zusagen, was nat\u00fcrlich absto\u00dfend auf die Touristen wirkt. Durch den Klimawandel wird sich der Schneemangel in Zukunft noch verst\u00e4rken. Schon jetzt m\u00fcssen immer mehr Skigebietbetreiber die Pisten k\u00fcnstlich beschneien. Jedoch verbrauchen die Schneekanonen extrem viel Wasser und Energie. Pro Hektar verbrauchen sie j\u00e4hrlich etwa eine Millionen Liter Wasser, was dem Bedarf einer Gro\u00dfstadt wie Hamburg entspricht. In den Alpen f\u00fchren einige Fl\u00fcsse jetzt schon bis zu 70% weniger Wasser als vor Einf\u00fchrung der Schneekanonen. Um die Wassermassen in Zukunft noch bereitstellen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssten k\u00fcnstliche Speicherseen in der N\u00e4he der Skigebiete angelegt werden, was wiederum zur Eingrenzung und Zerst\u00f6rung der Natur beitr\u00e4gt. Kunstschnee ist nicht nur deshalb keine gute Ausweichm\u00f6glichkeit, er ist auch dichter als nat\u00fcrlicher Schnee, weshalb weniger Sauerstoff an die Erde gelangt. Das ist ein Problem f\u00fcr die gesamte Vegetation unter der Schneedecke, da diese abstirbt und im Sommer sich nicht mehr erholen kann. Es kommt zu kaputten Wiesen, planierten B\u00f6den und weniger Wildtieren. Man k\u00f6nnte jetzt denken, dass das Problem nur bei den Pisten liegt, doch das ist falsch! Rund 85% des CO2-Aussto\u00dfes im Wintertourismus wird allein durch die eigene An-\/Abreise produziert. Die meisten kommen nur f\u00fcr ein paar Tage und legen daf\u00fcr eine lange Strecke hinter sich. Alle fahren mit dem eigenen Auto, kaum einer nutzt Bus oder Bahn. Von 45 bis 50 Millionen Touristen im Jahr kommen gerade einmal 5% mit der Bahn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wirtschaft:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in den L\u00e4ndern \u00d6sterreich und Schweiz arbeiten viele Menschen in der Skibranche, da es dort sehr beliebte Skigebiete gibt. Mit einem Skiurlaub unterst\u00fctzt man die dortige Wirtschaft enorm. 2014 wurden in den \u00f6sterreichischen Alpen rund 66 Millionen \u00dcbernachtungen registriert. Dort arbeiten knapp 20% der Vollzeitbesch\u00e4ftigten im Bereich Freizeit und Tourismus. Angenommen keiner w\u00fcrde dieses Jahr Skifahren gehen, dann w\u00fcrde die Wirtschaft riesige Einbu\u00dfen machen und einige vermutlich sogar ihren Job verlieren. Durch Corona w\u00fcrden sie dieses Jahr zwar entsch\u00e4digt werden, doch das schadet der Wirtschaft ebenfalls, wobei man abw\u00e4gen muss was das kleinere \u00dcbel ist: Die Skibranche dicht zu halten und diese zu entsch\u00e4digen oder die Skibranche \u00f6ffnen zu lassen und dadurch weitere Lockdowns zu riskieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Corona:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreich war vor Weihnachten lange Zeit im Lockdown, um die Inzidenzen zu senken. Der Plan dahinter war, \u00fcber den Winter vor allem die Skisaison zulassen zu k\u00f6nnen. Die Wirtschaft braucht das Geld und durch den vorherigen Lockdown konnten sie die Grenzen \u00f6ffnen. Sie haben nichtsdestotrotz strenge Corona-Auflagen: F\u00fcr die Einreise nach \u00d6sterreich gilt die 2G-Plus-Regel. Das bedeutet, man muss Genesen oder Geimpft sein und zus\u00e4tzlich einen PCR-Test machen, au\u00dfer man hat schon eine Booster-Impfung. Am Skigebiet selbst gilt die 2G-Regel, man muss \u00fcberall Abstand halten und beim Lift eine FFP2-Maske tragen. Drau\u00dfen w\u00e4hrend des Fahrens ist die Ansteckungsgefahr relativ gering, doch auch ohne Apr\u00e8s-Ski werden die Leute sich in Innenr\u00e4umen aufhalten und essen oder einkaufen. Das muss gar nicht mal zwingend direkt am Berg sein. Wenn die Touristen in die Einkaufsl\u00e4den gehen und sich dort m\u00f6glicherweise anstecken, tragen sie das Virus von dort bis in ihre Heimat, wo es sich dann schnell ausbreiten kann. Dadurch kann das Virus in alle Welt hinausgetragen werden. Beim Skifahren passieren immer wieder schwere Unf\u00e4lle. Im Winter 2013\/2014 wurden rund 41.000 verletzte deutsche Skifahrer registriert. Die Krankenh\u00e4user sind in Zeiten von Corona um jeden Menschen weniger froh, den sie versorgen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da die negativen Aspekte (Umweltzerst\u00f6rung, erh\u00f6hte Virusausbreitung,&#8230;) des Skifahrens eindeutig den positiven Aspekten (Ankurbeln der Wirtschaft) \u00fcberwiegen, bin ich pers\u00f6nlich gegen einen Skiurlaub, besonders wenn Corona noch herrscht. Ich finde man sollte nun nicht auf Zwang die Skigebiete \u00f6ffnen, nur damit die Leute f\u00fcr ein paar Tage das Skifahren genie\u00dfen k\u00f6nnen. Im Vordergrund sollte die Eind\u00e4mmung des Virus stehen, bevor man \u00fcberlegt, was man alles wieder \u00f6ffnet. Ebenfalls der Umwelt sollte mehr Beachtung geschenkt werden. Vielen ist diese Klimas\u00fcnde gar nicht bewusst. Wer jedoch trotz der verheerenden Folgen das Skifahren nicht missen m\u00f6chte, der kann unter folgendem Link Tipps f\u00fcr m\u00f6glichst nachhaltiges Skifahren finden (ganz unten auf der Seite): <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.wwf.de\/aktiv-werden\/tipps-fuer-den-alltag\/umweltvertraeglich-reisen\/skifahren-wintersport-mit-folgen\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.wwf.de\/aktiv-werden\/tipps-fuer-den-alltag\/umweltvertraeglich-reisen\/skifahren-wintersport-mit-folgen\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.derwesten.de\/reise\/gefahren-des-tiefschnees-pro-und-contra-wintersport-id11335996.html\">https:\/\/www.derwesten.de\/reise\/gefahren-des-tiefschnees-pro-und-contra-wintersport-id11335996.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000121992674\/pro-und-kontra-skigebiete-zusperren\">https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000121992674\/pro-und-kontra-skigebiete-zusperren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/aktiv-werden\/tipps-fuer-den-alltag\/umweltvertraeglich-reisen\/skifahren-wintersport-mit-folgen\/\">https:\/\/www.wwf.de\/aktiv-werden\/tipps-fuer-den-alltag\/umweltvertraeglich-reisen\/skifahren-wintersport-mit-folgen\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.snowplaza.de\/weblog\/21539-skifahren-nachhaltigkeit-umwelt\/\">https:\/\/www.snowplaza.de\/weblog\/21539-skifahren-nachhaltigkeit-umwelt\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.adac.de\/reise-freizeit\/skifahren-corona\/\">https:\/\/www.adac.de\/reise-freizeit\/skifahren-corona\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ich selbst Ski fahre und \u00fcberlegt habe, ob ich in den Weihnachtsferien gehen soll, wollte ich mich etwas genauer mit dem Thema auseinandersetzen. 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