{"id":6496,"date":"2022-07-05T19:09:50","date_gmt":"2022-07-05T17:09:50","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6496"},"modified":"2022-07-05T19:09:50","modified_gmt":"2022-07-05T17:09:50","slug":"sterbehilfe-ethisch-vertretbar-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6496","title":{"rendered":"Sterbehilfe ethisch vertretbar?"},"content":{"rendered":"\n<p>Angenommen eine \u00e4ltere Frau (70-80 Jahre), die bisher ein sch\u00f6nes und erf\u00fclltes Leben hatte, in dem sie pers\u00f6nlich nie mit irgendwelchen schweren Krankheiten k\u00e4mpfen musste, wird pl\u00f6tzlich unheilbar krank. So sehr, dass sie mit allen Kr\u00e4ften immer wieder k\u00e4mpft weiterleben zu d\u00fcrfen, aber nichts mehr hilft und sie jeden Tag Schmerzen erleiden muss und das wom\u00f6glich noch f\u00fcr eine sehr lange Zeit. Ist es nun ethisch vertretbar dieser Frau auf ihren Wunsch hin Tabletten zu verabreichen, sodass sie in Frieden einschlafen und somit sterben darf?<\/p>\n\n\n\n<p>Man unterscheidet zwischen vier Arten der Sterbehilfe. Zum einen aktive, passive und indirekte Sterbehilfe, zum anderen wird auch Beihilfe zum Selbstmord als Sterbehilfe bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Unter aktiver oder direkter Sterbehilfe wird das direkte Eingreifen einer Person in den Sterbeprozess des Patienten verstanden, was zum unmittelbaren Tod f\u00fchrt. Der Sinn hierbei ist dem Patienten einen schmerzfreien Tod zu erm\u00f6glichen. In Deutschland ist diese Art von Sterbehilfe gesetzlich verboten und wird unter dem Tatbestand des Totschlages angeklagt. Im Gegensatz dazu ist die aktive Sterbehilfe in den Niederlanden, in Luxemburg, in Belgien und in Spanien legal und wird daher strafrechtlich nicht verfolgt.<\/li><li>Die zweite Form ist die passive Sterbehilfe. Sie wird von \u00c4rzten in Krankenh\u00e4usern praktiziert und ist unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafbar.&nbsp; Die passive Sterbehilfe wird durchgef\u00fchrt indem lebensverl\u00e4ngernde Ma\u00dfnahmen vom Arzt unterlassen werden und somit der Tod des Patienten eintrifft. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Beatmungsger\u00e4te abgeschalten werden oder lebensnotwendige Medikamente nicht mehr verabreicht werden. Um passive Sterbehilfe legal durchzuf\u00fchren muss entweder eine Patientenverf\u00fcgung vorhanden sein um sicherzustellen, dass der Patient dieser zustimmt. Wenn das nicht der Fall ist muss der mutma\u00dfliche Wille des Patienten durch eine sogenannte Motivforschung ermittelt werden.<\/li><li>Die dritte Form ist die indirekte Sterbehilfe, bei der es darum geht das Leid des sterbenden Patienten mit starken Schmerzmitteln zu lindern. Dadurch verbessert sich sein Zustand kurzfristig, jedoch wird der Sterbefall nicht verhindert. Diese Art der Sterbehilfe ist dem behandelnden Arzt dann erlaubt, wenn der Patient dieser zustimmt.<\/li><li>Als eine weitere Form wird die Beihilfe zum Selbstmord durch beispielsweise die Beschaffung einer t\u00f6dlichen Medikamentendosis bezeichnet. Diese muss der Patient eigenst\u00e4ndig und aus freiem Willen zu sich nehmen. Nach Eintreten der Bewusstlosigkeit muss der Sterbehilfeleistende dem Patienten jedoch Hilfe leisten. Unterl\u00e4sst er dies begeht er eine Straftat.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer der aktiven Sterbehilfe sind alle Formen legal. Nun stellt sich die Frage warum und ob das vertretbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eigentliche Problem besteht darin herauszufinden aus welchen Beweggr\u00fcnden der Sterbehilfeleistende gehandelt hat und ob \u00fcberhaupt ein Fall von Sterbehilfe vorliegt. Dies ist ohne Zweifel ein Konflikt, da das Motiv niemals mit hundertprozentiger Sicherheit nachgewiesen kann. Die Gefahr einen Todschlag oder gar Mord durch den Willen des Opfers rechtfertigen zu k\u00f6nnen ist zu hoch. Aus diesem Grund ist die aktive Sterbehilfe in Deutschland untersagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Desweiteren sind die moralischen Aspekte zu beachten. F\u00fcr \u00c4rzte w\u00fcrde aktive Sterbehilfe leisten oftmals hei\u00dfen sich in einen Gewissenskonflikt zu begeben. Sie haben einen Eid geschworen alles in ihrer Macht Stehende zu tun um Menschenleben zu retten. Auf der anderen Seite wollen sie aber auch daf\u00fcr sorgen, dass ein Patient nicht unn\u00f6tiges Leid durchlebt. Damit kommen wir auf das Beispiel am Anfang von der alten Frau zur\u00fcck. In ihrem Fall ist eine Heilung ausgeschlossen und sie w\u00fcrde weiterhin tagt\u00e4glich Schmerzen ausgesetzt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach ist es schwierig die Grenzen zu ziehen, vor allem weil es nat\u00fcrlich unverantwortlich w\u00e4re zu riskieren, dass Todschlag mit Sterbehilfe entschuldigt wird. Allerdings halte ich es f\u00fcr unmenschlich einem leidenden Menschen, welcher aussichtslos auf Heilung einer schlimmen Krankheit ausgesetzt ist, Sterbehilfe zu untersagen. Zwar kann man ein Tier niemals mit einem Mensch gleichsetzen, aber w\u00e4re so etwas bei einem Springpferd oder selbst bei der Hauskatze der Fall, w\u00fcrde jeder dazu raten das \u201earme Tier\u201c, welches nun schon einige Jahre gelebt hat von den Schmerzen zu befreien. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen bei so einer aktiven Sterbehilfe die Rahmenbedingungen absolut passen und gesetzlich geregelt sein. Entweder eben wie bei der passiven Sterbehilfe in Form einer Patientenverf\u00fcgung und je nach M\u00f6glichkeit einer zus\u00e4tzlichen Zustimmung. Oder in Form der Motivforschung, welche sehr genau durchgef\u00fchrt werden muss durch direkte Gespr\u00e4che mit dem Patienten und wom\u00f6glich Angeh\u00f6rigen. Wenn diese genauen Nachforschungen und Gegebenheiten erf\u00fcllt sind, sollte die aktive Sterbehilfe meiner Meinung nach legal unter \u00e4rztlicher Aufsicht ablaufen d\u00fcrfen. Au\u00dferdem finde ich es schwierig einen gesellschaftlichen Aspekt miteinzubringen, da ich es f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Entscheidung halte. Jeder Mensch sollte die Freiheit und das Recht dazu haben \u00fcber die Art seines Todes bzw. seinen Todeszeitpunkt im Fall einer Krankheit\/ Einschr\u00e4nkung entscheiden zu d\u00fcrfen. Oftmals f\u00e4llt das Argument mit verschiedenen Religionen, welches in meinen Augen aber auch fraglich ist. Zum einen w\u00fcrde ich pers\u00f6nlich in Frage stellen ob \u201eGott\u201c wirklich wollen w\u00fcrde, dass ein Patient zusammen mit seiner Familie mehrere Jahre leidet und am Ende sogar qualvoll stirbt. Zum anderen ist es der freie Wille eines jeden einzelnen sich f\u00fcr oder gegen eine aktive Sterbehilfe zu entscheiden, bei dem jeder seine Religionen frei ausleben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist eure Meinung zu dem Thema?<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bestatter.de\/wissen\/todesfall\/sterbehilfe\/\">https:\/\/www.bestatter.de\/wissen\/todesfall\/sterbehilfe\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.cdl-rlp.de\/Unsere_Arbeit\/Sterbehilfe\/Sterbehilfe-in-Europa.html\">https:\/\/www.cdl-rlp.de\/Unsere_Arbeit\/Sterbehilfe\/Sterbehilfe-in-Europa.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/sterbehilfe-faq-105.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/sterbehilfe-faq-105.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?client=firefox-b-d&amp;q=planetwissen\">https:\/\/www.google.com\/search?client=firefox-b-d&amp;q=planetwissen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angenommen eine \u00e4ltere Frau (70-80 Jahre), die bisher ein sch\u00f6nes und erf\u00fclltes Leben hatte, in dem sie pers\u00f6nlich nie mit irgendwelchen schweren Krankheiten k\u00e4mpfen musste, wird pl\u00f6tzlich unheilbar krank. 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