{"id":6766,"date":"2022-12-23T17:42:29","date_gmt":"2022-12-23T16:42:29","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6766"},"modified":"2022-12-23T17:42:56","modified_gmt":"2022-12-23T16:42:56","slug":"die-faehigkeit-uns-zu-wundern-ist-das-einzige-was-wir-brauchen-um-gute-philosophen-zu-werden-alle-kleinen-kinder-haben-diese-faehigkeit-das-ist-ja-wohl-klarjostein-gaarder-sofi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6766","title":{"rendered":"\u201eDIE F\u00c4HIGKEIT UNS ZU WUNDERN, IST DAS EINZIGE, WAS WIR BRAUCHEN UM GUTE PHILOSOPHEN ZU WERDEN. ALLE KLEINEN KINDER HABEN DIESE F\u00c4HIGKEIT, DAS IST JA WOHL KLAR\u201c(JOSTEIN GAARDER, SOFIES WELT, S. 23)"},"content":{"rendered":"\n<p>Das ist ein Satz von Alberto Knox aus dem Buch &#8222;Sofies Welt&#8220;, geschrieben von Jostein Gaarder, der mich zum Nachdenken brachte. Das Buch erz\u00e4hlt die Geschichte der 14-j\u00e4hrigen Sofie Amundsen, die eines Tages mysteri\u00f6se Briefe erh\u00e4lt, in denen ihr philosophische Fragen gestellt werden. Es stellt sich schnell heraus, dass der Absender der Briefe eben jener Alberto Knox ist, von dem das obige Zitat stammt, und der ihr in Gespr\u00e4chen und Briefen die Welt der Philosophie von Sokrates bis Sartre n\u00e4herbringt. Das Zitat stammt gleich aus dem Anfang des Buches und motiviert den Leser, weiterzulesen und einzutauchen in eine Welt des (Hinter-) Fragens.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder. Sie werden fast nie mit Vernunft, Intellekt und vor allem Philosophie in Verbindung gebracht. Dar\u00fcber, ob Kinder eine angeborene Vernunft besitzen, will ich auch nicht n\u00e4her eingehen, vielmehr doch aber auf eine fehlerhafte Verkn\u00fcpfung von diesen drei Ideen. Die meisten Menschen unserer Gesellschaft nehmen an, letzteres, die Philosophie k\u00f6nnte man erst mit den Voraussetzungen der ersteren Begriffe, Intellekt und Vernunft betreiben. Wie auch anders, in einer Geschichte der Philosophie von Menschen, die meistens alle drei Kriterien erf\u00fcllten? Doch in meiner Auffassung, wie auch der von Alberto Knox ist die Voraussetzung eine g\u00e4nzlich andere: das Kindsein selber. In diesem Sinne also das Staunen und Wundern \u00fcber gegebene Konstanten, die in unseren Erfahrungen verankert sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man nicht aber auch zum Beantworten der ganz gro\u00dfen Fragen der Menschheit nur \u00fcber einen kleinen Intellekt verf\u00fcgen? Denn was n\u00fctzt einem das Wissen einer Enzyklop\u00e4die im Angesicht der Frage nach dem Sinn des Lebens? Fragen der Philosophie zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht mit dem Intellekt alleine beantwortet werden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Philosoph, der wohl wie kein anderer den Grundgedanken des obigen Zitats beherzigte, war Sokrates. Auf der Agora, dem Marktplatz von Athen verwickelte er Menschen in ein \u201esokratisches Gespr\u00e4ch\u201c. In diesem stellte er mit der Maieutik seinem Gegen\u00fcber gezielt Fragen zu einem Sachverhalt, um ihm zu gr\u00f6\u00dferer Einsicht zu verhelfen. Sokrates gilt heute als Urphilosoph und Begr\u00fcnder der abendl\u00e4ndischen Philosophie. Aber kennen wir das Schema nicht von anderswo? Hat er sich nicht einfach von fragenden Kindern inspirieren lassen mit Fragen wie: \u201eMama\/Papa, was ist denn eigentlich Tugend?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir auf die Welt kommen werden wir in eine f\u00fcr uns fremde Welt geboren. Wir wissen nichts \u00fcber ihre Eigenschaften und das Verhalten von Stoffen in ihr, was uns in einen konstanten Zustand des Wunderns und Staunens f\u00fchrt. Es ist unausweichlich uns \u00fcber die Welt zu wundern, doch dieses Wundern vergeht mit dem Altern und weicht der Gewohnheit. Wohingegen wir als Kind gr\u00f6\u00dfte Heiterkeit gegen\u00fcber einer muhenden Kuh ausdr\u00fccken, sinkt das Staunen mit fortschreitendem Alter und wir sehen eine Kuh nur als eines unter vielen Lebewesen, dass entfernt mit uns verwandt ist. Vielleicht besteht der einzige Gedanke auch darin, dass K\u00fche uns am Morgen Milch geben und zu Mittag Fleisch. Wir sind an ihre Eigenschaften und an ihren Nutzen f\u00fcr uns gew\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiges Nebenprodukt des Wunders ist, so denke ich, die Dankbarkeit. W\u00fcrden wir die Welt nicht als gegeben sehen, sondern ihr t\u00e4glich mit neuen Augen entgegentreten, stiege auch die Dankbarkeit \u00fcber unseren derzeitigen Zustand. Ja, wir leben doch tats\u00e4chlich auf dem Einen unter vielen Planeten, auf dem, neben Wasser sogar die Entstehung komplexen Lebens m\u00f6glich ward! Nach Millionen von Jahren Evolution und der Entstehung einer Atmosph\u00e4re gibt es nun dich, und uns. Und wir fragen uns warum wir eigentlich da sind, was uns ausmacht und wie wir zusammenleben k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich ist es notwendig, sich irgendwann an die Welt zu gew\u00f6hnen, um sein Gehirn nicht mit allzu vielen Reizen zu \u00fcberfluten. Dennoch bleiben einige unter uns in ihrer Herangehensweise gegen\u00fcber dem Gegebenen wie auch dem Neuen wie Kinder. Sie wundern sich immer noch \u00fcber Dinge des Alltags und aus dem Wundern folgt das Fragen. Erst wundert man sich \u00fcber die Vielfalt des Lebens, doch dann stellt man Fragen wie: &#8222;Was ist Leben?&#8220;, &#8222;Wie unterscheidet sich Leben&#8220; oder &#8222;Welchen Sinn hat Leben&#8220;. Sie sind die Philosoph:innen. Es ist wahrscheinlich, dass einige dieser Fragen durch die modernen Wissenschaften gekl\u00e4rt werden. Leben zum Beispiel definiert man heutzutage in den Naturwissenschaften als einen Organismus, der mit seiner Umwelt Stoffwechsel betreibt und sich fortpflanzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber an einigen Stellen kommt auch die Wissenschaft an ihre Grenzen. Ein Beispiel hierf\u00fcr sind die Grundbaustoffe des Lebens. Urspr\u00fcnglich ging man in der Philosophie von einem Urstoff aus, daraufhin folgte das Modell von 4 Elementen. Schlie\u00dflich legte Demokrit die Bausteine f\u00fcr die atomare Anschauung, dass alles aus unteilbaren Einheiten, den Atomen besteht. Doch auch dieses Modell hatte keine Ewigkeitsgarantie. Man merkte einige Zeit sp\u00e4ter, dass ein Atom aus weiteren Einheiten besteht: Elektronen, Protonen und Neutronen.&nbsp; Die moderne Auffassung unterteilt diese in weitere Elementarteilchen. Nun stellt sich die Frage: &#8222;Aus was bestehen diese?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wahrscheinlicher, dass wir viele Fragen, insbesondere die elementaren Fragen des Lebens nie endg\u00fcltig kl\u00e4ren k\u00f6nnen. Wir werden verschiedenste Antwortans\u00e4tze finden, die allumfassende Antwort vielleicht nie. Letztendlich bleiben nur noch die Fragen, doch das ist vielleicht das Wichtigste. Denn allein das Fragen f\u00fchrt zu einer Selbstreflexion und somit kommen wir uns und unserer Umwelt ein St\u00fcck n\u00e4her. Diese Fragen bringen uns vielleicht nicht zur Weisheit, gelten aber als Schneise zur Orientierung in unsere Welt. Die meisten Nicht-Mehr-Kinder haben wohl ihre Orientierung f\u00fcr sich gefunden. Es bleibt zu hoffen, dass andere nie aufh\u00f6ren, neue Wege zu suchen, um die Orientierung der Menschheit in ihrem dunklen Dasein zu finden.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist ein Satz von Alberto Knox aus dem Buch &#8222;Sofies Welt&#8220;, geschrieben von Jostein Gaarder, der mich zum Nachdenken brachte. Das Buch erz\u00e4hlt die Geschichte der 14-j\u00e4hrigen Sofie Amundsen, die eines Tages mysteri\u00f6se Briefe erh\u00e4lt, in denen ihr philosophische Fragen gestellt werden. 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