{"id":6854,"date":"2022-12-30T19:18:48","date_gmt":"2022-12-30T18:18:48","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6854"},"modified":"2022-12-30T19:21:28","modified_gmt":"2022-12-30T18:21:28","slug":"herrscht-in-deutschland-soziale-gerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6854","title":{"rendered":"<strong>Herrscht in Deutschland soziale Gerechtigkeit?<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eDie Mehrheit der Deutschen hat das Gef\u00fchl, es gehe im Land nicht gerecht zu\u201c. Dies \u00e4u\u00dfert Dr. Kai Unzicker in seinem Artikel \u00fcber das Gerechtigkeitsempfinden in Deutschland. Selten ist ein Begriff so umstritten und sorgt f\u00fcr gro\u00dfe Meinungsverschiedenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Soziale Gerechtigkeit bedeutet, dass die Lebens\u00adbedingungen, die Chancen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle Menschen in einer Gesellschaft ann\u00e4hernd gleich sein sollten. Doch dies zu gew\u00e4hr\u00adleisten, ist bei gut 82 Millionen Einwohnern in Deutschland gar nicht so einfach. Oft f\u00fchrt dieses Gespr\u00e4chsthema zu Streit, da jeder seine eigene Meinung dazu hat. Daher gibt es hierbei auch kein \u201erichtig\u201c oder \u201efalsch\u201c. Soziale Fragen sind dem gesell\u00adschaftlichen Wandel unterworfen. Einen objektiven Ma\u00dfstab gibt es f\u00fcr soziale Gerechtigkeit also nicht.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;                          <\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaftler*innen Irene Becker und Richard Hauser von der Universit\u00e4t Frankfurt haben ein Modell erstellt, das den Begriff \u201esoziale Gerechtigkeit\u201c in vier Dimensionen einteilt, Chancengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Bedarfsgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit. Die vier Aspekte bedingen einander und stehen teilweise im Konflikt. Deshalb spricht man auch von einem \u201emagischen Viereck\u201c, denn es lassen sich nicht alle Ziele gleichzeitig erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Chancengerechtigkeit versteht man gleiche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle Bev\u00f6lkerungsgruppen, die eigene Individualit\u00e4t auszuleben. Das bedeutet, dass alle die gleichen Rechte haben \u2013 unabh\u00e4ngig von Herkunft, sozialem Status, Geschlecht, Alter, Behinderung oder kulturellem Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Leistungsgerechtigkeit bedeutet, dass Menschen so viel erhalten, wie sie leisten. Ungleiche L\u00f6hne sind also leistungsgerecht. Durch die Leistungsgerechtigkeit hat man sein Schicksal selbst in der Hand, da der Lohn von der eigenen Leistung abh\u00e4ngt. Es ist somit m\u00f6glich, sich selbst bessere Lebensbedingungen zu schaffen.&nbsp;Wenn die Verteilung dem objektiven Bedarf der Menschen gerecht ist, bezeichnet man das als Bedarfsgerecht. Hierbei bekommen Menschen alles nach ihrem Bedarf und es wird gro\u00dfen Wert auf die Hilfe f\u00fcr Kranke und sozial Schwache geachtet. Hinter Generationengerechtigkeit verbirgt sich das Ziel so zu leben, dass es keine negativen Folgen f\u00fcr nachfolgende Generationen hat. Junge und alte Menschen m\u00fcssen demnach einen Weg finden, Ressourcen, Lasten und Pflichten fair zu verteilen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Um Gerechtigkeit in Deutschland insgesamt erfassen zu k\u00f6nnen, muss man sich also die vier Gerechtigkeitsdimensionen anschauen. Denn gerecht ist es nur dann, wenn alle Kriterien erf\u00fcllt werden. Fakt ist, dass Deutschland im internationalen Vergleich im Gesamtranking Platz sieben erreicht hat. Mit anderen Worten: Deutschland schneidet in allen Bereichen relativ weit oben ab, liegt also immer unter den Top Ten bei jeder Gerechtigkeitsdimension. Ein weiterer Fakt ist, dass Deutschland im Falle der Bedarfsgerechtigkeit sogar insgesamt auf Platz sechs kommt. Das bedeutet, dass Deutschland denen, die besonders bed\u00fcrftig sind, hilft und sie unterst\u00fctzt, sodass sie nicht durch das soziale Netz fallen. Ein wichtiger Aspekt d\u00fcrfte hierbei Deutschlands starker Sozialstaat sein, der mithilfe von Steuergeldern bed\u00fcrftigen Menschen unter die Arme greift.&nbsp;Wenn man sich nun die Frage nach der Chancengerechtigkeit in Deutschland stellt, ist festzustellen, dass Deutschland hier bisher noch im Mittelfeld liegt \u2013 allerdings in den letzten Jahren mit einer deutlich steigenden Entwicklung. Ein Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte sein, dass die Jugendarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich in Deutschland extrem gering ist und bei weniger als acht Prozent liegt. Neben der Jugendarbeitslosigkeit spielt nat\u00fcrlich auch die Frage der Bildung eine gro\u00dfe Rolle. Die fr\u00fchkindliche Bildung ist auch ein zentraler Aspekt, der bei der Frage nach Chancengerechtigkeit ber\u00fccksichtigt werden muss. Insbesondere der Ausbau der Kindertagesst\u00e4tten in den vergangenen Jahren und der Ausbau der Infrastruktur hat in Deutschland die letzten Jahre deutlich zugenommen. Dennoch gibt es immer noch viele Jugendliche, die sich kein Studium selbst finanzieren k\u00f6nnen und auch nicht auf Hilfe ihrer Eltern setzen k\u00f6nnen. Allerdings muss man in diesem Punkt zugeben, dass eine vollkommene Chancengerechtigkeit nicht realisierbar ist, da es viele Aspekte gibt, die von Menschen nicht beeinflusst werden k\u00f6nnen. Leistungsgerechtigkeit in Deutschland zu definieren ist deutlich schwieriger, da Leistung erst definiert werden muss und es au\u00dferdem auch auf die Wertsch\u00e4tzung der Leistung in der Gesellschaft drauf ankommt. Fakt ist nur, dass ein Manager im Vergleich zu einer Reinigungskraft doppelt bis vierfach so viel verdienen kann. Denn ein Manager hat eine deutlich h\u00f6here Verantwortung und Leistung, deshalb wird er auch besser bezahlt. Dennoch ist es schwierig, die Leistungen der einzelnen Berufe zu beurteilen und zu bewerten. Ein Problem der Leistungsgerechtigkeit in Deutschland ist vor allem aber der sogenannte \u201eGender Pay Gap\u201c. Ein Beispiel daf\u00fcr ist, dass eine Industriekauffrau im Schnitt zwanzig Prozent weniger verdienen als ein Industriekaufmann. Generationengerechtigkeit ist in Deutschland vor allem durch den Umweltschutz ein aktuelles Thema geworden. Die Aktionen der \u201eLetzten Generation\u201c deuten darauf hin, dass die Bev\u00f6lkerung sich f\u00fcr kommende Generationen einsetzt und ihnen gleiche Lebensbedingungen erm\u00f6glichen will. Auch die Wende zum Ausbau von erneuerbaren Energien ist eine Vorsorge f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen. Dennoch gibt es genug Aspekte, die das Leben der folgenden Generationen beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnten, wie zum Beispiel der hohe Verbrauch von Plastik oder der ein erheblicher Aussto\u00df von Treibhausgasen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich festhalten, dass Deutschland in vielen Bereichen schon ein gewisses Gerechtigkeitslevel erreicht hat, denn Deutschland ist vor allem in der Sozialpolitik sehr fortschrittlich. Auch das pr\u00e4sente Streben nach Umweltschutz ist ein gerechtes Handeln f\u00fcr die Zukunft. Dennoch muss man sich bei der Frage nach Gerechtigkeit immer bewusst sein, dass ein vollkommenes Gerechtigkeitsideal in einer Gesellschaft nicht realisierbar ist und somit auch kein Ziel f\u00fcr die Zukunft sein kann. Weiterhin ist jedoch wichtig, dass die Politik und auch jeder einzelne B\u00fcrger versucht, Gerechtigkeit herzustellen, sodass wir dem Ideal immer n\u00e4herkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/boeckler-impuls-dimensionen-sozialer-gerechtigkeit-10602.htm\">https:\/\/www.boeckler.de\/de\/boeckler-impuls-dimensionen-sozialer-gerechtigkeit-10602.htm<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/unsere-projekte\/gesellschaftlicher-zusammenhalt\/projektnachrichten\/gerechtigkeitsempfinden-in-deutschland-2022\">https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/unsere-projekte\/gesellschaftlicher-zusammenhalt\/projektnachrichten\/gerechtigkeitsempfinden-in-deutschland-2022<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.sozialpolitik.com\/soziale-gerechtigkeit\">https:\/\/www.sozialpolitik.com\/soziale-gerechtigkeit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Mehrheit der Deutschen hat das Gef\u00fchl, es gehe im Land nicht gerecht zu\u201c. Dies \u00e4u\u00dfert Dr. Kai Unzicker in seinem Artikel \u00fcber das Gerechtigkeitsempfinden in Deutschland. Selten ist ein Begriff so umstritten und sorgt f\u00fcr gro\u00dfe Meinungsverschiedenheit. Soziale Gerechtigkeit bedeutet, dass die Lebens\u00adbedingungen, die Chancen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle Menschen in einer Gesellschaft ann\u00e4hernd [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6854","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","missing-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6854"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6854\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6858,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6854\/revisions\/6858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}