{"id":6929,"date":"2023-01-02T21:35:29","date_gmt":"2023-01-02T20:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6929"},"modified":"2023-01-02T21:35:29","modified_gmt":"2023-01-02T20:35:29","slug":"kann-mord-moralisch-richtig-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=6929","title":{"rendered":"Kann Mord moralisch richtig sein?"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit dem sogenannten &#8222;Trolley-Problem&#8220; haben sich schon viele Menschen besch\u00e4ftigt. In diesem Gedankenexperiment f\u00e4hrt man eine Stra\u00dfenbahn einen Berg hinunter. Nun tritt aber das Problem auf, dass die Bremsen der Stra\u00dfenbahn nicht mehr funktionieren und am Ende des Berges f\u00fcnf Arbeiter*innen auf einer Baustelle arbeiten. Wenn es zum Zusammensto\u00df k\u00e4me, w\u00fcrden alle f\u00fcnf sterben. Rechts daneben ist aber Platz, um auszuweichen. Das Problem hier ist jedoch, dass auch dort eine Person arbeitet. Diese Person w\u00fcrde sterben, wenn man ausweichen w\u00fcrde. Wie handelt man in dieser Situation? <\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Menschen w\u00fcrden ausweichen und somit eine Person statt f\u00fcnf t\u00f6ten. Nach dem Utilitarismus w\u00e4re dieser Mord moralisch richtig. Utilitarismus ist eine Form von Konsequentialismus. Hier kommt es auf die Konsequenzen einer Handlung an. Der Utilitarismus macht deutlich, dass in einer solchen Situation so gehandelt werden sollte, dass am wenigsten Schmerz oder am eben meisten Gl\u00fccklichkeit verursacht wird. Deshalb w\u00e4re die Entscheidung, auszuweichen und eine Person zu t\u00f6ten anstatt f\u00fcnf moralisch richtig. <\/p>\n\n\n\n<p>Sehen wir uns das &#8222;Trolley-Problem&#8220; nun aber aus einer anderen Perspektive an. Hier ist man nun eine Person die das ganze Geschehen von einer Br\u00fccke \u00fcber dem Berg beobachtet.  Man sieht eine Stra\u00dfenbahn den Berg herunter rasen. Es ist offensichtlich, dass die Bremsen versagt haben. Die Stra\u00dfenbahn f\u00e4hrt geradewegs auf f\u00fcnf Arbeiter*innen auf einer Baustelle zu. Wenn sie nicht irgendwie zum Anhalten gebracht werden kann, werden f\u00fcnf Leute sterben. Nun steht aber ein Mann auf der Br\u00fccke neben einem. Wenn man diesen Mann von der Br\u00fccke schubsen w\u00fcrde, w\u00fcrde dieser Mann die Stra\u00dfenbahn stoppen und somit die f\u00fcnf Arbeiter*innen retten, dabei aber sterben. Wie handelt man in einer solchen Situation?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Interessante ist hierbei, dass die meisten Menschen den Mann nicht schubsen w\u00fcrden. Nach dem Utilitarismus w\u00e4re diese Handlung aber die Richtige, da hier am wenigsten Leid erzeugt werden w\u00fcrde. Die Menschen, die den Mann nicht schubsen w\u00fcrden, handeln hier nach dem kategorischen Imperativ. Der kategorische Imperativ sucht Moral in bestimmten Pflichten und Gesetzen anstatt in den Konsequenzen einer Handlung. <\/p>\n\n\n\n<p>Also kann Mord moralisch richtig sein? Auch ich w\u00fcrde in der ersten Situation nach dem utilitaristischen Prinzip handeln und eine Person statt f\u00fcnf t\u00f6ten. W\u00fcrde ich diesen Mord deshalb als moralisch richtig bezeichnen? Nein. Ich halte grundlegend n\u00e4mlich beide Entscheidungen f\u00fcr falsch, da in beidenen Entscheidungen Personen zu Schaden kommen. Da ich jedoch nur diese beiden Optionen zu verf\u00fcgen h\u00e4tte, w\u00fcrde ich die w\u00e4hlen, die am wenigsten Leid verursacht. In der zweiten Situation w\u00fcrde ich ebenso wie die Mehrheit handeln und den Mann nicht von der Br\u00fccke schubsen. <\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb w\u00fcrde ich so handeln? Was macht die Entscheidung, weniger Menschen zu t\u00f6ten in diesen beiden Situationen so unterschiedlich? Vielleicht ist der Grund, dass ich in der ersten Situation sowieso jemanden umbringen w\u00fcrde, in der zweiten als beistehende Person aber nicht. Wenn ich den Mann n\u00e4mlich schubsen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich aktiv seinen Tod herbeif\u00fchren. Wenn ich dies nicht t\u00e4te, w\u00e4re ich lediglich ein Zeuge des Todes der f\u00fcnf und w\u00fcrde keine aktive Rolle in dem Ungl\u00fcck haben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem sogenannten &#8222;Trolley-Problem&#8220; haben sich schon viele Menschen besch\u00e4ftigt. In diesem Gedankenexperiment f\u00e4hrt man eine Stra\u00dfenbahn einen Berg hinunter. Nun tritt aber das Problem auf, dass die Bremsen der Stra\u00dfenbahn nicht mehr funktionieren und am Ende des Berges f\u00fcnf Arbeiter*innen auf einer Baustelle arbeiten. Wenn es zum Zusammensto\u00df k\u00e4me, w\u00fcrden alle f\u00fcnf sterben. 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