{"id":7436,"date":"2023-11-03T22:01:55","date_gmt":"2023-11-03T21:01:55","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=7436"},"modified":"2023-12-31T15:15:44","modified_gmt":"2023-12-31T14:15:44","slug":"ist-es-legitim-kinder-anzuluegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=7436","title":{"rendered":"Ist es legitim Kinder anzul\u00fcgen?"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eManchmal ist eine L\u00fcge das Beste.\u201c ist ein Zitat von Tracy Chapman. Den direkten Gegensatz dazu bilden die Bibel und Emanuel Kant, bei denen das moralische Gebot, nicht zu l\u00fcgen, absolut ist, das also unter keinen Umst\u00e4nden gebrochen werden darf.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen, wie unter anderem auch Tracy Chapman leben mit der Einstellung: \u201ekleine L\u00fcgen (wei\u00dfe L\u00fcgen) tun nicht weh.\u201c. Doch gibt es tats\u00e4chlich legitime Gr\u00fcnde den eigenen Kindern L\u00fcgen zu erz\u00e4hlen? Als Hauptgrund wird oft der Schutz der Kinder angef\u00fchrt, sowie der Grund, dass die\u00a0wahren Informationen beunruhigend, unverst\u00e4ndlich oder nicht n\u00fctzlich f\u00fcr das Kind seien. Andererseits wird Kindern immer wieder erz\u00e4hlt, dass l\u00fcgen nicht in Ordnung sei. Wie kann das zusammenpassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein kleines Kind zum Beispiel fragt, ob den Eltern das gemalte Bild gef\u00e4llt und sie es in Wirklichkeit nicht sch\u00f6n finden, k\u00f6nnten sie sich dazu entscheiden zu l\u00fcgen. So w\u00fcrden sie ihr Kind sch\u00fctzen, denn durch das Sagen der\u00a0\u00a0Wahrheit w\u00e4re das Kind im schlimmsten Fall traurig und entt\u00e4uscht und w\u00fcrde die Freude am Malen verlieren. Dieser Ausgang w\u00e4re schlimmer als eine \u201ekleine L\u00fcge\u201c, die in diesem Fall wom\u00f6glich weniger \u201ewehtun\u201c w\u00fcrde als die Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor man jedoch ohne weiteres beginnt zu l\u00fcgen, weil es manchmal, zumindest kurzfristig, leichter scheint als ehrlich zu sein, sollte man sich \u00fcberlegen, ob man die Wahrheit so ausdr\u00fccken kann, dass sie keinen Schaden anrichtet. Man kann die Wahrheit h\u00e4ufig so formulieren oder etwas umschreiben, dass sie weniger verletzend ist und damit sein Kind sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte sich weiter \u00fcberlegen: Wenn das Kind sp\u00e4ter die Wahrheit erf\u00e4hrt und diese akzeptieren kann, ohne Schaden zu nehmen, kann es dann auch akzeptieren, dass die L\u00fcge oder das Zur\u00fcckhalten der Informationen in seinem besten Interesse war?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Kind aus dem Beispiel sp\u00e4ter eine Karriere als K\u00fcnstler beginnen w\u00fcrde, w\u00fcrde es&nbsp;&nbsp;scheitern, weil es \u00fcberhaupt nicht malen kann, obwohl immer das Gegenteil behauptet wurde. Das w\u00fcrde mit Sicherheit mehr Schaden anrichten, als wenn man dem Kind fr\u00fcher die Wahrheit gesagt h\u00e4tte, es f\u00fcr kurze Zeit entt\u00e4uscht gewesen w\u00e4re und dann aber einen Beruf erlernt h\u00e4tte, der tats\u00e4chlich den F\u00e4higkeiten des Kindes entsprochen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beispiel ist sehr extrem und nicht wirklich realistisch. Man erkennt aber, dass Ehrlichkeit allgemein wichtig ist, damit auf l\u00e4ngere Sicht kein Vertrauensbruch entsteht. Fehlendes Vertrauen macht verl\u00e4ssliche Beziehung und somit das Zusammenleben unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte also nicht regelm\u00e4\u00dfig l\u00fcgen, sondern nur bei wirklich wichtigen Ausnahmen und wenn das Kind, falls es sp\u00e4ter die Wahrheit erf\u00e4hrt, nicht mehr Schaden nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesetzlich ist im BGB (B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch) festgehalten,\u00a0dass\u00a0Eltern ihren Schutzbefohlenen gegen\u00fcber in der Pflicht stehen, sie zu\u00a0pflegen, zu erziehen und zu beaufsichtigen. Dazu geh\u00f6rt auch\u00a0die Pflicht, stets f\u00fcr das Kindeswohl zu sorgen. Der Begriff bezieht sich auf die\u00a0k\u00f6rperliche, psychische und seelische Gesundheit\u00a0des Kindes. Wenn eine L\u00fcge, wie oben beschrieben, also tats\u00e4chlich das Wohl des Kindes sch\u00fctzen w\u00fcrde, w\u00e4re sie legitim.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Regel sind es auch die Eltern, denen das Wohl ihres Kindes am st\u00e4rksten am Herzen liegt. Aus diesem Grund schreibt unsere Verfassung das Recht auf Erziehung den Eltern zu.&nbsp;So liegen die Pflege und Erziehung der Kinder ganz pers\u00f6nlich bei den jeweiligen Eltern, die das nat\u00fcrliche Recht und ebenfalls die Pflicht haben f\u00fcr ihr Kind zu sorgen. Wie und mit welchen Werten die Eltern ihr Kind erziehen m\u00f6chten , liegt also bei ihnen und man sollte sich meiner Meinung nach auch nicht in die Kindererziehung anderer einmischen, sofern das Wohl des Kindes nicht gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mich in ein Elternteil hineinversetzen m\u00fcsste, w\u00fcrde ich situationsabh\u00e4ngig entscheiden, ob es auf l\u00e4ngere Sicht besser w\u00e4re, zu l\u00fcgen oder doch lieber bei der Wahrheit zu bleiben, auch wenn es dadurch zu einem wom\u00f6glich unangenehmeren oder schwierigeren Gespr\u00e4ch kommt. Nat\u00fcrlich kommt es dabei auch stark auf das Alter des Kindes an und darauf ob das Kind schon in der Lage ist zu verstehen, was man ihm sagt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich finde ich \u201eNotl\u00fcgen\u201c oder auch \u201ewei\u00dfe L\u00fcgen\u201c also nicht unbedingt verwerflich, da die Wahrheit alleine meiner Meinung nach keinen Wert hat. Sie dient nur Zielen, wie Informationen weiterzugeben und das Leben durch vertrauens- und respektvolle Kommunikation und damit vertrauens- und respektvolle Beziehungen besser zu machen. Wenn diese Ziele durch das Sagen der Wahrheit jedoch nicht erreicht werden, sondern dem Kind geschadet wird, hat die Wahrheit nicht mehr Wert als eine L\u00fcge. Die Verpflichtungen der Eltern keinen Schaden anzurichten und die k\u00f6rperliche und geistige Gesundheit zu f\u00f6rdern ist in meinen Augen mindestens so verbindlich, wie die Verpflichtung die Wahrheit zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte allgemein und gerade in Bezug auf Kindererziehung nat\u00fcrlich trotzdem m\u00f6glichst&nbsp;&nbsp;immer die Wahrheit sagen, da sie die Basis unserer Kommunikation ist. Auch Kinder sollten das lernen, um ungest\u00f6rt kommunizieren zu k\u00f6nnen und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen zu k\u00f6nnen. Als Elternteil, und damit h\u00e4ufig auch als Vorbild des Kindes, sollte man so zeigen wie man sich \u201erichtig\u201c verh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/ethik-heute.org\/category\/alltagsfragen\/#:~:text=impfen%20zu%20lassen%3F\">https:\/\/ethik-heute.org\/category\/alltagsfragen\/#:~:text=impfen%20zu%20lassen%3F\u201d-,Ethische%20Alltagsfragen%20In%20der%20Rubrik%20\u201cEthische%20Alltagsfragen\u201d%20greift%20der%20Philosoph,ist%20es%20meine%20pers\u00f6nliche%20Entscheidung%3F<\/a>\u201d<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/luegen-und-luegen-lassen-die-wahrheit-ist-nicht-immer-der-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/luegen-und-luegen-lassen-die-wahrheit-ist-nicht-immer-der-100.html<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eManchmal ist eine L\u00fcge das Beste.\u201c ist ein Zitat von Tracy Chapman. 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