{"id":7513,"date":"2023-11-06T00:25:36","date_gmt":"2023-11-05T23:25:36","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=7513"},"modified":"2023-11-06T00:27:27","modified_gmt":"2023-11-05T23:27:27","slug":"warum-scheitern-menschen-daran-nach-der-goldenen-regel-zu-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=7513","title":{"rendered":"Warum scheitern Menschen daran nach der Goldenen Regel zu leben?"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eWas du nicht willst, dass man dir tut, das f\u00fcg&#8216; auch keinem andern zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Fast jeder hat schon einmal etwas von der \u201eGoldenen Regel\u201c oder ihrem Prinzip geh\u00f6rt. Diese Regel bezieht sich auf einen Satz aus der Bibel, Jesus Christus: <a>\u201eAlles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen.\u201c<\/a> (Neuen Testament, Bergpredigt, Matth\u00e4us, 7, 12.) &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eGoldene Regel\u201c oder Reziprozit\u00e4tsprinzip genannt, ist als eine allgemeine Ethik des Ausgleichs von Interessen zu beschreiben. Man achtet die Bed\u00fcrfnisse und Interessen anderer und kann gleichzeitig seine eigenen Ziele verfolgen. &nbsp;In meinem vorherigen Blog-Beitrag, habe ich \u00fcber das Thema Egoismus und unserer egoistischen Gesellschaft geschrieben, was einen Teil der Regel ausmacht bzw. beinhaltet. Wir konzentrieren uns oft auf uns, unsere Interessen und unseren Vorteil, m\u00fcssen aber zugleich auch grunds\u00e4tzlich ein wenig egoistisch sein, um uns selbst zu sch\u00fctzen. Oft f\u00e4llt es uns schwer, das Gleichgewicht zwischen den eigenen Bed\u00fcrfnissen mit gesundem abgegrenztem Ego und der Beachtung der Bed\u00fcrfnisse anderer zu finden und zu leben. Schnell verliert man aus den Augen, was wichtig ist. Die Gemeinschaft und Beziehungen mit anderen Menschen zu pflegen, sich um andere sorgen und ihnen beistehen, wenn sie die Unterst\u00fctzung von jemanden brauchen. Wir Menschen sind wie Herdentiere, wir brauchen die Gemeinschaft mit unseresgleichen, um uns wohl und geborgen zu f\u00fchlen und um uns frei entfalten zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich gibt es Ausnahmen, aber die best\u00e4tigen nur die Regel. Wir leiden, wenn unsere Beziehung zu geliebten Menschen zerst\u00f6rt oder verletzt wird. Allerdings geh\u00f6rt das zum Menschsein dazu. Wir verletzen und vergeben einander, was nur funktioniert, wenn wir unser Ego und unseren Stolz herunterschlucken und \u00fcber unseren Schatten springen und es wagen Risiken einzugehen. Die Goldene Regel soll eben dieses Gleichgewicht beschreiben und eine M\u00f6glichkeit bieten, es umzusetzen. Gem\u00e4\u00df der Goldenen Regel zu leben, ist langfristig die kl\u00fcgste Art und Weise, f\u00fcr seine Bed\u00fcrfnisse und sein Eigeninteresse einzustehen und gleichzeitig f\u00fcr das Wohl anderer zu sorgen. Denn wenn man inneh\u00e4lt, bevor man etwas sagt oder tut und \u00fcberlegt, ob man aus der Perspektive der anderen, immer noch gleich handeln w\u00fcrden. Somit handeln wir bedachter, weshalb die Handlung selbst besser wird und von anderen auch als eine gute Handlung anerkannt wird, was diese wiederum ebenfalls zu guten Handlungen bewegen kann. So hat man auf lange Sicht ein gutes und wertvolles Leben gef\u00fchrt, an das man sich gerne erinnert. Wenn es mehr Mitgef\u00fchl, Gerechtigkeit und Frieden in unserer Welt geben w\u00fcrde, haben nicht nur die anderen etwas davon, sondern auch wir selbst. Es ist schwer Mitgef\u00fchl, Gerechtigkeit und Frieden zu erwarten, wenn man selbst nichts daf\u00fcr tut, dass diese Dinge passieren. Wenn ich kein Mitgef\u00fchl f\u00fcr andere zeige und sie ungerecht behandle, dann kann man nicht davon ausgehen, dass man selbst dies zur\u00fcckbekommt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass wenn man daf\u00fcr sorgt, dass mehr Mitgef\u00fchl, Gerechtigkeit und Frieden herrschen, man selbst ebenfalls diese Dinge bekommt und davon profitiert. Man kann die Regel also als Klugheitsregel bezeichnen, denn wer etwas f\u00fcr andere tut, wie z.B. Vergebung und Hilfsbereitschaft, der tut damit auch etwas f\u00fcr sich selbst. Menschen sind weder gut noch b\u00f6se. Da jeder eine andere Auffassung hat, was gut und erstrebenswert und was b\u00f6se und falsch ist, ist jede Aussage zu diesem Thema subjektiv und kann somit nicht f\u00fcr die Allgemeinheit stehen. Nat\u00fcrlich kann ein Mensch eher zu negativen Handlungen und Verhaltensmustern tendieren, was aber nicht gleich bedeutet, dass derjenige b\u00f6se ist. Oft ist es Unwissenheit oder Fahrl\u00e4ssigkeit bzw. auch Gleichg\u00fcltigkeit \u00fcber die Folgen, die ihr Handeln verursachen und wie sie gepr\u00e4gt worden sind, was ihr Handeln pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;Es ist wichtig zuerst mit sich selbst im Reinen zu sein und sich bewusst zu machen, was unser Handeln motiviert. Wenn wir mit uns selbst im Zwiespalt sind und nicht wissen was wir wollen ist unser Selbstbewusstsein gest\u00f6rt was unser Handeln und Denken beeinflusst. Das f\u00fchrt oft zu Selbsthass, Selbstzweifel und Angst. Wenn wir uns selbst und unser Leben und wie wir es leben nicht lieben, sind die Grundsteine der Goldenen Regel nicht mehr vorhanden. Was von uns oft als Selbstliebe bezeichnet wird ist vor allem Selbstrespekt. Ohne diese Voraussetzung ist es unheimlich schwer die Goldene Regel anzuwenden, da die Achtung und Liebe zu Anderen nicht wachsen kann, wenn man sich selber hasst. Wenn man verbittert ist, ist es schwer, seine Gef\u00fchle abzugrenzen und das Gl\u00fcck der anderen wird zum Gift f\u00fcr einen selbst, weshalb die Absichten gegen\u00fcber diesen Menschen oft eher negativer und ablehnender Natur sind. Die Goldene Regel ist eine Leitrichtung f\u00fcr jeden Menschen, der nach ethischen Grundprinzipien leben m\u00f6chte. &nbsp;Das Sprichwort \u201eWie du mir, so ich dir\u201c wird oft als selbstverst\u00e4ndlich angesehen und auch als eine Art Goldene Regel bezeichnet. Die beiden Prinzipien klingen im ersten Moment sehr \u00e4hnlich, jedoch erkennt man bei genauerem Betrachten, dass sie im Kern das Gegenteil voneinander sind. Das zweite Prinzip geht nicht darum, ob mein Handeln einen anderen verletzen k\u00f6nnte und mir damit ein schlechtes Gewissen macht und ich nicht m\u00f6chte, dass mir das auch passiert. Sondern es geht darum, dass ich genau das gleich gebe beziehungsweise bekomme, was ich einem anderen antue oder mir angetan wird. Ich revanchiere mich also f\u00fcr etwas, ob das nun eine gute oder schlechte Handlung ist, ist hierbei unwichtig. Durch die Goldene Regel sollen Menschen, denen es schwerf\u00e4llt, sich in andere hinein zu versetzen eine Erleichterung im ethischen Umgang mit anderen Menschen gegeben werden. Denjenigen, denen es schwerf\u00e4llt, an sich selbst zu denken, ohne sich direkt schlecht zu f\u00fchlen, ist es ebenso eine Hilfe, diese Schuldgef\u00fchle zu \u00fcberwinden und ihre Liebe zu anderen zum nat\u00fcrlichen Ma\u00dfstab f\u00fcr ihre Selbstliebe zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>In unserer Welt stehen Gewalt und Verbrechen auf der Tagesordnung. St\u00e4ndig werden wir in allen m\u00f6glichen Bereichen mit diesen Themen konfrontiert. Es reicht schon aus, das Radio bzw. Handynews einzuschalten und die Nachrichten zu verfolgen. Direkt h\u00f6rt man die Berichte zu aktuellen Kriegen und Verbrechen, die begangen werden. Kinder und Jugendliche k\u00f6nnen mit solch gro\u00dfen und schrecklichen Themen \u00fcber Gewalt und Krieg noch nicht allzu viel anfangen, da sie meistens keinen pers\u00f6nlichen Bezug dazu haben. Jedoch erfahren sie in der Schule und ihrem Umfeld, wie gelogen und betrogen wird, wie die Wahrheit so hingedreht wird, dass ein Vorteil gezogen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber warum f\u00e4llt es uns \u00fcberhaupt oft so schwer nach dem Prinzip der Goldenen Regel zu leben und die Welt dadurch zu einem besseren Ort zu machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort auf diese Frage liegt in der Ungenauigkeit der Regel. So wie Kants Kategorischer Imperativ ist die goldene Regel nur ein formales Prinzip. Es gibt noch keine direkten ethischen Richtlinien, wie man sich genau zu verhalten hat. Wenn in einer Situation unklar ist, was man zu tun oder zu lassen hat, sind wir oft \u00fcberfordert. Da jeder Mensch seine eigenen Prinzipien und Interessen hat, kann das Ergebnis sich, wenn sich die verschiedenen Personen auf die goldene Regel berufen, zu komplett entgegengesetzten Handlungsweisen entwickeln. Ein passendes Beispiel daf\u00fcr sind Menschen, die von ihrem Charakter her keine Hilfe von anderen Menschen annehmen wollen oder k\u00f6nnen und davon ausgehen, dass es den anderen genauso geht. Was dazu f\u00fchrt, dass sie anderen keine Hilfe anbieten und es somit zu Missverst\u00e4ndnissen kommen kann. Das Grundprinzip der Goldenen Regel muss durch greifbare definierte Werte erg\u00e4nzt werden, damit es eine funktionierende ethische Orientierungshilfe f\u00fcr die Praxis gibt. Es muss ein Fundament geschaffen werden, das gewisse Werte beinhaltet, um die Regel in eine bestimmte Richtung zu begrenzen um den Geltungsbereich sinnvoll sichtbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>200 Jahre lang, stand die Regel im Schatten von Immanuel Kant da er sie mit dem \u201eKategorischen Imperativ\u201c weitgehend ersetzt hatte. Der Kategorische Imperativ \u201eHandle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde\u201c, ist also ein Teil der Goldenen Regel. Er soll \u00e4hnliches bezwecken, ist jedoch in der Ausf\u00fchrung und Anwendung verschieden. &nbsp;Wo es bei der Goldenen Regel konkret um N\u00e4chstenliebe und das Verh\u00e4ltnis zwischen Altruismus (Selbstlosigkeit) und Egoismus (Selbstzentriertheit) geht, geht es im Kategorischen Imperativ um das Handeln an sich und die Frage ob die Handlung als Gesetz gelten soll. Zudem geht es hierbei an erster Stelle um das eigene Wohl und bei der Regel um ein gutes Zusammenleben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns Menschen ist es immer schwer unser Ego abzulegen und auch mal \u00fcber unseren Schatten zu springen, also unsere Vorteile und unseren Stolz abzulegen. Wenn wir nicht von klein auf davon gepr\u00e4gt sind, auf die Bed\u00fcrfnisse anderer zu achten, ist es durchaus schwer, sich diese Eigenschaft der Empathie anzueignen. Somit f\u00e4llt es uns je nach Erziehung, Pr\u00e4gung oder eigener Moral unheimlich schwer unsere Gewohnheiten und Prinzipien und unsere Moral zu ver\u00e4ndern oder als falsch zu akzeptieren. Da jedoch eine Anwendung der Goldenen Regel nur mit der Einsicht, sich falsch verhalten zu haben, funktionieren kann, ist es f\u00fcr uns Menschen oft mehr theoretisches Wunschdenken als die Regel in die Tat umzusetzen. Denn ob wir wollen oder nicht, wir sind und bleiben nun einmal Menschen und Menschen haben es noch nie geschafft, absolut und vollkommen selbstlos zu sein, denn ein kleiner Teil in uns wird immer nach h\u00f6herem und besseren f\u00fcr sich selbst streben. Es liegt in unserer Natur uns um uns und unser \u00dcberleben zu k\u00fcmmern und die anderen erst an zweiter Stelle zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-ethik-heute wp-block-embed-ethik-heute\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"xfmPb9niKE\"><a href=\"https:\/\/ethik-heute.org\/die-goldene-regel\/\">Die Interessen der anderen achten<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Die Interessen der anderen achten&#8220; &#8212; Ethik Heute\" src=\"https:\/\/ethik-heute.org\/die-goldene-regel\/embed\/#?secret=yI6mawCOIf#?secret=xfmPb9niKE\" data-secret=\"xfmPb9niKE\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Bibel<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas du nicht willst, dass man dir tut, das f\u00fcg&#8216; auch keinem andern zu.\u201c Fast jeder hat schon einmal etwas von der \u201eGoldenen Regel\u201c oder ihrem Prinzip geh\u00f6rt. 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