{"id":7664,"date":"2023-12-30T18:28:51","date_gmt":"2023-12-30T17:28:51","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=7664"},"modified":"2023-12-30T18:32:25","modified_gmt":"2023-12-30T17:32:25","slug":"philosophie-im-21-jhd-noch-zeitgemaess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=7664","title":{"rendered":"Philosophie im 21 Jhd.: noch zeitgem\u00e4\u00df?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ausgangskonflikt der Philosophie mit der Wissenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich stehe ich der Philosophie positiv gegen\u00fcber, doch es gibt einige Aspekte an ihr, die mich st\u00f6ren. Und wenn es einen Aspekt gibt, der mich besonders st\u00f6rt, dann ist es die Undefiniertheit ihrer Grenzen. Damit meine ich nicht nur, dass in den Augen unserer Gesellschaft zwischen Philosophie und Nachdenken kaum unterschieden wird, sondern auch, dass man \u2013 wenn man Philosophie betreibt \u2013 nie genau wei\u00df, wann man \u00fcber Philosophie redet, und wann \u00fcber Wissenschaft: Redet man \u00fcber Demokrit und seine Annahme aus was die Welt bestehe, redet man unweigerlich \u00fcber Physik, diskutiert man \u00fcber Platons Staatstheorie kann man der Politikwissenschaft nicht aus dem Weg gehen. Bei Hobbes bzw. Rousseau ist es die Wissenschaft der Anthropologie und will man mehr \u00fcber Peter Bieri erfahren, muss man sich in die Grundlagen der Neurologie einarbeiten. Hiermit will ich nicht sagen, dass mich dieser Dualismus an sich st\u00f6rt, sondern nur dass mir die Ungewissheit missf\u00e4llt, wo Fakten enden und wo Philosophie (also Weltanschauung) beginnt. Denn wie wir feststellen m\u00fcssen, bestehen viele der obigen \u201ephilosophischen\u201c Theorien daraus, wissenschaftliche Fragen zu beantworten (bspw.: Aus was besteht die Welt, wie handelt der Mensch oder welchen Zw\u00e4ngen unterliegt der menschliche Denkapparat?) ohne wirklich empirische Wissenschaft zu betreiben. Doch wenn die meisten der obigen Fragen sich prinzipiell mithilfe der Wissenschaft beantworten lassen: Wird die Philosophie bei steigendem wissenschaftlichem Fortschritt von der Wissenschaft verdr\u00e4ngt?&nbsp;<strong>Ist sie obsolet oder gar eine Hemmnis, da die Wissenschaft alles erkl\u00e4ren k\u00f6nnte (und die Dinge, die sie nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnte unerkl\u00e4rbar sind)?<\/strong>&nbsp;Oder schlie\u00dfen beide Modelle sich nicht gegenseitig aus? Und wenn ja, wie sollte die Aufgabenverteilung aussehen? Diesen Fragen werde ich im Folgenden nachgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist Philosophie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wollen wir \u00fcber die Philosophie und ihre Abgrenzung zur Wissenschaft diskutieren, so m\u00fcssen wir erst einmal definieren, was Philosophie ist bzw. was nicht. So l\u00e4sst sich aus dem Namen Philosophie zwar \u201eLiebe zur Weisheit\u201c schlie\u00dfen, aber f\u00fcr eine Definition ist dieser Begriff zu vage. Das liegt vielleicht nicht unbedingt daran, dass \u201eWeisheit\u201c zu abstrakt gehalten ist, sondern vielmehr daran, dass Philosophie eben zu breit gef\u00e4chert ist, um sich durch ein einzelnes Wort zu definieren. Schauen wir also in die Geschichte der Philosophie von Thales bis Habermas und betrachten die wichtigsten Werke, so stellen wir schnell fest, dass innerhalb dieses konturlosen Fachbereichs sich allerhand Theorien befinden, die versuchen, Dingen irgendeinen Sinn zu geben. So versucht die Philosophie \u2013 rein durch die Kraft der Gedanken \u2013&nbsp;<strong>die Existenz des Menschen und der Welt zu ergr\u00fcnden und zu deuten<\/strong>. Sie versucht also die Komplexit\u00e4t der Welt einzuordnen und daraus konkrete Handlungsforderungen an den Menschen abzuleiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberschneidungen mit der Wissenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In ihren Bem\u00fchungen das Wesen der Welt zu ergr\u00fcnden, \u00fcberschnitt und \u00fcberschneidet sich die Philosophie st\u00e4ndig mit einem weiteren System der Erkenntnissuche,- der Wissenschaft. Denn will man das Wesen der Welt deuten, muss man erst die Welt verstehen, analysieren und erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Zentraler Unterschied zwischen Wissenschaft und Philosophie ist hier also der Bezug zum untersuchten Objekt: W\u00e4hrend die Wissenschaft das Objekt (also die Welt) empirisch untersucht und seine Funktionsweise erkl\u00e4rt, deutet die Philosophie diese ohne Bezug zum Objekt. So ist die Wissenschaft \u00fcberhaupt erst Voraussetzung der Philosophie.&nbsp;<a href=\"\/\/88FFA06D-6DEB-4D9E-BED6-C12D738093F8#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Fassen wir diese Gedanken zusammen lie\u00dfe sich aus meiner Sicht schlussfolgern, dass sich beide Systeme nicht ausschlie\u00dfen, da sie sich perfekt erg\u00e4nzen:&nbsp;<strong>Die Wissenschaft liefert uns die Erkenntnis und die Philosophie rahmt sie in ein passendes Weltbild ein.&nbsp;<\/strong>Dementsprechend sollte sich die Philosophie anhand der Wissenschaft orientieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anregungen f\u00fcr eine bessere Philosophie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie wir in den oben geschilderten Beispielen sehen mussten, klappt diese Arbeitsaufteilung nur in beschr\u00e4nktem Ma\u00dfe, da die Philosophie nicht immer die Funktion aus\u00fcbt die sie aus\u00fcben sollte. In vielen Gesellschaften der Vergangenheit war dies auch nicht unbedingt problematisch, da die Wissenschaft noch nicht ausgereift genug war, um sich mit der Philosophie zu \u00fcberscheiden und nicht m\u00e4chtig genug, als dass die Dysfunktion der Philosophie aufgefallen w\u00e4re. Doch in Zeiten in denen wir die Grundaufbau der Welt nutzen k\u00f6nnten um zu zerst\u00f6ren (Atombombe) und in denen wir die Raffinesse besitzen um Menschen nachzuahmen (KI) brauchen wir eine funktionsf\u00e4hige Philosophie. Wir brauchen sie aus dem einfachen Grund uns selbst nicht zu vernichten. Dazu muss sie sich jedoch deutlich von der Wissenschaft abgrenzen und sich auf die oben geschilderte Grundfunktion beschr\u00e4nken. In diesem Sinne folgen hier vier Anregungen an die Philosophie (in Anlehnung an die vier Punkte Kants):<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Was ist Wissenschaft?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><\/ol>\n\n\n\n<p>Dieser Punkt ist im Sinne der Wissenschaftstheorie zu verstehen. Er bezieht sich so auf die Fragen was Wissenschaft \u00fcberhaupt f\u00fcr Erkenntnisse liefern kann, wie Wissenschaft betrieben werden muss, um als wissenschaftlich zu gelten und wie sich diese wissenschaftliche Methodik von unwissenschaftlicher Methodik abgrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p>    2. <strong>Wie weit darf Wissenschaft gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hiermit meine ich nicht nur, dass wir uns z.B. fragen sollten ob es legitim ist, dass f\u00fcr die Wissenschaft Menschenleben gef\u00e4hrdet werden, sondern auch ob wir als Menschen \u00fcberhaupt alle Dinge wissen wollen. Wollen wir verstehen wie die menschliche Psyche funktioniert, oder biete dieses Wissen nicht zu viel Potenzial f\u00fcr Manipulation? Wollen wir den Grundaufbau der Welt verstehen oder biete dies nicht Potential f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere und st\u00e4rkere Waffen?<\/p>\n\n\n\n<p>   3. <strong>Was ist die Bedeutung von Wissenschaft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Punkt ist der wichtigste Punkt meiner Anregungen und dahingegen zu verstehen, als dass die Philosophie die Erkenntnisse der Wissenschaft gewichtet und sie interpretiert: Was sind die Schussfolgerungen (f\u00fcr den Menschen) aus den Erkenntnissen z.B. der Quantenmechanik\/ der Neurobiologie? Warum lohnt es sich sie zu erforschen?\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>   4. <strong>Wie handeln wir nach den Erkenntnissen der Wissenschaft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wissen wir aufgrund der Erkenntnisse der Wissenschaft (z.B. in einer Pandemie), welches Handeln welche Konsequenzen mit sich zieht; wie entscheiden wir uns? Es ist die Grundfrage der Ethik, die wir heute besonders brauchen, da das Leben eines einzelnen Menschen noch nie so gro\u00dfe Auswirkungen auf das Leben von so vielen anderen Menschen hatte. Noch nie zuvor stand ein Durchschnittsb\u00fcrger der westlichen Welt durch einen einzigen Mausklick in einem wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnis zu Menschen aus dem Rest der Welt und konnte \u00fcber ihre Zukunft entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Suchen wir eine funktionsf\u00e4hige Philosophie, so sollten die obigen Fragen ein Teil von ihr sein. Ohne sie jedoch w\u00fcrde die Philosophie in ihrer Funktion scheitern und w\u00e4re somit irrelevant. Dies bedeutet gleichfalls einige Themenfeldern wie die Metaphysik hinter sich zu lassen, da ihre Grundannahme bereits dem Prinzip der Wissenschaft widerspricht; Wir k\u00f6nnen manche Dinge nicht wissen und es w\u00e4re eine Zeitverschwendung sich damit zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was denkt ihr dar\u00fcber? Denkt ihr Philosophie&nbsp;<strong>ist<\/strong>&nbsp;Zeitverschwendung, weil in ihr kein Erkenntnisgewinn liegt? Oder sollte sich die Wissenschaft an der Philosophie orientieren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Quellen:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philosophie\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philosophie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Eigenes Gehirn<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/philosophie-in-der-digitalen-welt-digikant-oder-vier-fragen-102.html#:~:text=Was%20kann%20ich%20wissen%3F,Was%20ist%20der%20Mensch%3F\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/philosophie-in-der-digitalen-welt-digikant-oder-vier-fragen-102.html#:~:text=Was%20kann%20ich%20wissen%3F,Was%20ist%20der%20Mensch%3F<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"\/\/88FFA06D-6DEB-4D9E-BED6-C12D738093F8#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Interessant dargestellt auch unter: https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/forschung-philosophie-als-wissenschaft-100.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgangskonflikt der Philosophie mit der Wissenschaft Grunds\u00e4tzlich stehe ich der Philosophie positiv gegen\u00fcber, doch es gibt einige Aspekte an ihr, die mich st\u00f6ren. Und wenn es einen Aspekt gibt, der mich besonders st\u00f6rt, dann ist es die Undefiniertheit ihrer Grenzen. Damit meine ich nicht nur, dass in den Augen unserer Gesellschaft zwischen Philosophie und Nachdenken [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","missing-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7664"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7673,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7664\/revisions\/7673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}