{"id":8050,"date":"2024-11-03T19:04:20","date_gmt":"2024-11-03T18:04:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=8050"},"modified":"2025-01-01T16:20:09","modified_gmt":"2025-01-01T15:20:09","slug":"sind-menschen-etwas-besonderes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=8050","title":{"rendered":"Sind Menschen etwas Besonderes?"},"content":{"rendered":"\n<p>Nennen Sie mir ein Tier.<br>Ich nehme an die wenigsten hatten nun einen Menschen vor ihrem geistigen Auge. Woran liegt das?<br>Biologisch gesehen ist der Mensch, genauer die Art des Homo Sapiens, genauso ein Tier wie Hund oder Schwein. Wir besitzen die gleichen Grundeigenschaften: wir atmen Luft, sind Mehrzeller mit gleichen Zelltypen, haben Gehirne, sehr \u00e4hnliche Organe und sind in der Lage uns eigenst\u00e4ndig fortzupflanzen. Trotzdem liegt in den meisten Kulturen der Gedanke tief verankert, der Mensch sei besonders; gar \u00fcberlegen oder h\u00f6hergestellt als andere Lebewesen. Doch warum ist dies der Fall und worauf wird der Gedanke gest\u00fctzt?<br>Diese verschiedenen argumentativen Herangehensweisen sollen im Folgenden auf ihre Schl\u00fcssigkeit beziehungsweise ihre Aussagekraft \u00fcberpr\u00fcft werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Bevor dies jedoch erm\u00f6glicht werden kann soll jedoch vorerst die Umschreibung &#8222;etwas Besonderes&#8220; definiert werden. &#8222;Etwas Besonderes&#8220;, beziehungsweise nur das Adverb &#8222;besonders&#8220;, ist laut Duden unteranderem gleichbedeutend mit den W\u00f6rtern &#8222;individuell&#8220; bzw. einzigartig, &#8222;auffallend&#8220;, &#8222;au\u00dfergew\u00f6hnlich&#8220; und &#8222;auserlesen&#8220;. Ob diese Umschreibungen jetzt im positiven oder negativen Sinne konnotiert werden, soll vorerst nicht von Bedeutung sein. Fest steht jedoch, dass im Allgemeinen von &#8222;etwas Besonderem&#8220; gesprochen wird, wenn sich ein Subjekt von anderen &#8222;Vergleichssubjekten&#8220; in bestimmten Aspekten unterscheidet. Hierzu muss man jedoch hinzuf\u00fcgen, dass in unserem Kontext &#8211; der Lebewesen &#8211; nat\u00fcrlich alle Arten sich in bestimmten Aspekten voneinander unterscheiden m\u00fcssen, da sie sonst logischerweise nicht als verschiedene &#8222;Arten&#8220; klassifiziert werden w\u00fcrden, beziehungsweise auch die individuellen Lebewesen innerhalb der Arten sich geringf\u00fcgig z.B. durch Farbe oder Gr\u00f6\u00dfe voneinander unterscheiden. Aus diesem Grund muss es sich zus\u00e4tzlich in unserem Fall um sehr ma\u00dfgebende und herausragende Unterschiede handeln, welche den Menschen im Vergleich zu den anderen Lebewesen als &#8222;besonders&#8220; klassifizieren w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was genau macht den Menschen nun aber so besonders?<br>Eine sehr oft verwendete Begr\u00fcndung stammt aus religi\u00f6sem Gedankengut: Im Christentum zum Beispiel gilt der Mensch als besonders und in gewisser Weise als au\u00dferkoren, da in der Bibel geschrieben steht, der Mensch sei als Gottes Ebenbild geschaffen und er stehe daher von allen Gesch\u00f6pfen &#8222;Gott am n\u00e4chsten&#8220;. Auch im Islam gelten \u00e4hnliche Vorstellungen. Diese Art von Argumentation st\u00fctzt sich also der Annahme, es g\u00e4be ein h\u00f6chstes Wesen also einen Sch\u00f6pfer oder Gott. Dieser Gott sei logischerweise etwas Besonderes, beziehungsweise das &#8222;Besonderste&#8220;, dass es gibt und folglich ist der Mensch durch seine \u00c4hnlichkeit gegen\u00fcber Gottes auch etwas Besonderes. <br>Es ist schwierig, wenn nicht gar unm\u00f6glich solch einer Argumentation zu widersprechen, da diese die These voraussetzt, dass ein Gott existiert, und ist dies der Fall, ist die Argumentation auch absolut schl\u00fcssig. Falls ein solches Wesen jedoch nicht existieren sollte, beziehungsweise nicht in der gew\u00fcnschten Art und Weise existiert, f\u00e4llt das gesamte Argument zusammen, da die Grundvoraussetzung nicht mehr zutrifft. Da sich die Existenz Gottes jedoch weder eindeutig beweisen, noch widerlegen l\u00e4sst, l\u00e4uft der Ausgang eine Konversation in diesem Rahmen wohl immer einfach darauf hinaus, ob der Mensch nun glaubt oder nicht. Aus diesem Grund wird diese Argumentation im Folgenden auch nicht weiter behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein interessantes und rationales Argument, dass ebenfalls h\u00e4ufig in dieser Konversation an den Tag gebracht wird, ist die vergleichsweise hohe Intelligenz der Menschen, die den Menschen besonders machen soll. Auch schon Aristoteles bezeichnete den Menschen als &#8222;vern\u00fcnftiges Tier&#8220; in Gedanken daran, der entscheidende Unterschied zwischen Mensch und Tier sei die Vernunft und der Intellekt des Menschen. Diese Art der Argumentation kann durchaus sinnvoll erscheinen, wenn bedacht wird, dass die Menschenart die einzige Spezies ist, welche beispielsweise komplexe Sprachen und Wissenschaft beherrscht. Genauer betrachtet ist es vermutlich vor allem die Eigenschaft des h\u00f6heren Intellekts der Menschen, welche uns erlaubte eine globale &#8222;Vormachtstellung&#8220; im Tierreich zu erlangen und auch aufrechtzuerhalten. Vielleicht ist schon allein der Fakt, dass ich diesen Essay hier schreiben, ver\u00f6ffentlichen und mir zu einem komplexen Thema \u00fcberhaupt Gedanken machen kann, Beweis genug, dass wir Menschen etwas Besonderes sind. Man k\u00f6nnte also in gewisserma\u00dfen definitiv sagen, dass auf der Erde, der Mensch vor allem durch seine Intelligenz im Vergleich zu anderen Lebewesen heraussticht, was ihn in bestimmter Hinsicht &#8222;besonders&#8220; machen k\u00f6nnte. Hierzu k\u00f6nnte jedoch entgegnet werden, dass die Intelligenz selbst keineswegs eine Eigenschaft darstellt, welche nur der Menschenart vorenthalten ist. Lebewesen wie Elefanten, Delphine und Menschenaffen weisen ebenfalls einige Verhaltensweisen von sehr intelligentem Leben und der F\u00e4higkeit des Problem-L\u00f6sens auf. Es war sogar schon wiederholt m\u00f6glich Menschenaffen Zeichensprache in bestimmten Ma\u00dfen beizubringen, wodurch es ihnen gelang ihre Bed\u00fcrfnisse zu kommunizieren, \u00e4hnlich bei menschlichen Kindern. Diese Feststellung l\u00e4sst einen Zweifeln, ob der Unterschied in Intellekt zwischen den Menschen und anderem intelligenten Leben wirklich so extrem ist, um dies zur entscheidenden Qualit\u00e4t zu machen, welche den Menschen besonders macht. Die wenigsten w\u00fcrden beispielsweise dem Gepard &#8211; dem schnellsten Landlebewesen &#8211; auf Grund seiner au\u00dfergew\u00f6hnlichen Schnelligkeit, das gleiche Ausma\u00df an &#8222;Besonderheit&#8220;, wie die des Menschen zuschreiben, obwohl es in diesem Aspekt ebenfalls an der Spitze der Lebewesen steht. Eigenschaften, wie Intelligenz, Schnelligkeit oder St\u00e4rke entwickelten sich \u00fcber Jahrmillionen gleicherma\u00dfen in Lebewesen: durch die nat\u00fcrliche Selektion, abh\u00e4ngig von den jeweiligen Umst\u00e4nden. Wer wei\u00df, wenn es keine Menschen g\u00e4be, dann w\u00fcrden in ein paar Millionen Jahren vielleicht die Schimpansen die Weltmacht an sich rei\u00dfen. Es wird vermutlich immer eine mehr oder weniger dominante Spezies existieren, welche auf Grund ihrer herausragenden Eigenschaften einen evolution\u00e4ren Vorteil besitzt. Wobei man trotzdem erw\u00e4hnen k\u00f6nnte, dass die Intelligenz hier als Eigenschaft heraussticht, da sie ab einem bestimmten Ma\u00df einer Spezies erm\u00f6glicht sich selber durch Technologie und Wissenschaft weiterzuentwickeln, anstatt diese Entwicklung in die H\u00e4nde der eher tr\u00e4gen Evolution zu geben. Vielleicht ist es also die aus der Intelligenz resultierende Selbstverwaltung und -entwicklung der Menschen, welche sie besonders macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als letzter Argumentationsversuch wird noch kurz der an Aristoteles anschlie\u00dfende und erweiterte Gedankengang Immanuel Kants ausgef\u00fchrt. Laut Kant unterscheidet sich der Mensch vom Tier durch zum einen auch die Vernunft, jedoch auch zus\u00e4tzlich durch einen gewissen intrinsischen Moral-Kompass, den die Menschen im Gegensatz zu Tieren besitzen. Hierzu l\u00e4sst sich erwidern, dass zum einen die Moralit\u00e4t, beziehungsweise die F\u00e4higkeit zwischen richtigem und falschem Handeln zu unterscheiden, oder dieses auch als solches festzulegen, zwar vermutlich bei Menschen im Vergleich zu anderen Spezies sehr ausgepr\u00e4gt zu sein scheint. Gleichzeitig muss aber auch festgehalten werden, dass es keine so wirklich global-einheitlichen Moralvorstellungen, wie nach Kant, unter den Menschen gibt und sich diese Werte und Gesetze von Kultur zu Kultur unterscheiden k\u00f6nnen. Beispielsweise gibt es Kulturen in denen der Tod eines Menschen nichts schlechtes darstellt, weshalb damit anders als in der westlichen Kultur gehandhabt wird. Aus diesen Gr\u00fcnden w\u00fcrde ich diesen Unterschied zwischen Mensch und Tier nicht durch eine einheitliche Moralvorstellungen definieren, sondern eher durch die F\u00e4higkeit komplexe Emotionen, wie Liebe, Hass oder anderweitiger emotionaler Schmerz, worauf h\u00e4ufig erst diese verschiedenen moralischen Gesetze basieren, festlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich also festhalten, dass der Mensch durchaus einige Qualit\u00e4ten besitzt, welche ihn im Vergleich zu anderen Lebewesen auszeichnet. Beispiele w\u00e4ren unteranderem seine hohe Intelligenz, die F\u00e4higkeit sich eigenst\u00e4ndig weiterzuentwickeln und die F\u00e4higkeit komplexe Emotionen zu versp\u00fcren. Ebenfalls ist es auch m\u00f6glich die Einzigartigkeit des Menschen religi\u00f6s zu belegen. Diese Eigenschaften und Argumente k\u00f6nnten allesamt durchaus als ma\u00dfgebende Unterschiede gegen\u00fcber anderer Lebewesen angesehen werden, was auch durch die extreme Dominanz des Menschen im Tierreich in globaler Hinsicht seit hunderten von Jahren belegt werden kann. Ist der Mensch nun also besonders? Diese Frage ist trotz allem schwer zu beantworten. Rein rational gesehen ist er vermutlich einzigartig genug, um ihn als solches bezeichnen zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig war es h\u00f6chstwahrscheinlich reiner evolution\u00e4rer Zufall, dass genau unsere Spezies sich in diesen Aspekten so weiterentwickelte, wodurch uns diese Einzigartigkeit vielleicht nicht zu Kopf steigen sollte:<br>Wenn man nur aus Zufall zu etwas Besonderem wurde, kann man sich dann noch als besonders bezeichnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Was meint ihr zu dem Thema?<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<br><a href=\"https:\/\/www.duden.de\/synonyme\/besonders\">https:\/\/www.duden.de\/synonyme\/besonders<\/a><br>https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/das-verhaeltnis-von-mensch-und-tier\/1064603<br>https:\/\/arbeitskreis-kirche-und-tiere.ch\/unterlagen\/tier-in-der-philosophie<br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nennen Sie mir ein Tier.Ich nehme an die wenigsten hatten nun einen Menschen vor ihrem geistigen Auge. Woran liegt das?Biologisch gesehen ist der Mensch, genauer die Art des Homo Sapiens, genauso ein Tier wie Hund oder Schwein. 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