{"id":8142,"date":"2024-12-04T00:27:13","date_gmt":"2024-12-03T23:27:13","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=8142"},"modified":"2024-12-31T22:29:27","modified_gmt":"2024-12-31T21:29:27","slug":"sollten-soziale-medien-nicht-besser-unsoziale-medien-heissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=8142","title":{"rendered":"Sollten soziale Medien nicht besser unsoziale Medien hei\u00dfen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Nahezu jeder Jugendliche nutzt sie, die sozialen Medien. Doch hier stellt sich mir die Frage, ob sie nicht eher unsoziale Medien hei\u00dfen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Soziale Medien sind zum Teil f\u00fcr vieles n\u00fctzllich: Das schnelle Kontaktieren von Freunden auch \u00fcber weite Distanzen, wichtige Informationen austauschen und einfacheres organisieren &amp; koordinieren von Aufgaben. Z.B. Mit Hilfe von Internet kommt man schnell &amp; bequem zu vielen Informationen, ohne beispielweise noch in die Bibliothek gehen und ein passendes Buch suchen &amp; ausleihen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ist dies nicht auch gleich ein Punkt dagegen?<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl der Zugang zu einer unendlichen Menge an Informationen schnelle Recherchen erleichtert und somit sehr hilfreich im Alltag sein kann, wie z.B. bei der Suche nach Kochrezepten, \u00fcberfordert die \u00dcberflutung von Informationen und das anschlie\u00dfende &#8222;Herausfiltern&#8220; von den passenden Informationen viele.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war erst vor wenigen Tagen dabei meine GFS vorzubereiten. Ich suchte im Internet nach geeigneten Informationen und war ma\u00dflos \u00fcberfordert. Tausende von Infos, doch nur die wenigsten davon waren n\u00fctzlich. Die einen waren zu oberfl\u00e4chlich, die anderen hatten Uni-Niveau. So ist es oft der Fall, dass das Internet zwar n\u00fctzlich aber oft auch \u00fcberfordernd ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies bringt uns direkt zum n\u00e4chsten Punkt: Das Internet &amp; soziale Medien rauben unsere Zeit. Zum einen dauert es oft sehr lange die f\u00fcr einen selbst richtigen Informationen zu finden und zum anderen gibt es immer unendlich viele Infos zu einem Thema. Wenn man alles zu einem Thema finden wollen w\u00fcrde, w\u00fcrde man nie fertig werden. Es werden immer wieder neue Seiten angezeigt, die deinen Interessen entsprechen. So wird man nie fertig, z.B. alle Videos zu einem Thema anzuschauen oder alle Beitr\u00e4ge zu lesen. Man k\u00f6nnte zwar einwenden, dass es ja ganz n\u00fctzlich ist, wann man Langeweile hat oder sich ein wenig von z. B. der Schule abzulenken &amp; runterzukommen versucht, doch meistens verbringt man doch automatisch mehr Zeit als man eigentlich wollte, denn es verlangt sehr viel Selbstdisziplin, die viele nicht besitzen, das Handy wegzulegen &amp; etwas anderes zu tun. Au\u00dferdem wird das Handy leider auch sehr oft nicht nur genutzt, wenn einem langweilig ist, sondern man nimmt es zur Hand, wenn man eigentlich Dinge mit h\u00f6herer Priorit\u00e4t zu tun h\u00e4tte. Aus diesem Grund wird auch oft die Schule vernachl\u00e4ssigt, da die Zeit am Handy so schnell vergeht und man dann kaum mehr Zeit zum Lernen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnte man sich ja auch anders besch\u00e4ftigen, wenn Langeweile hochkommt, als das Handy zu z\u00fccken. Man k\u00f6nnte Sport machen oder sich mit Freunden im Real Life trefffen anstatt nur virtuell.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer gro\u00dfer Nachteil an den unendlich vielen Infos sind nat\u00fcrlich auch die Fakenews. Mit Hilfe von sozialen Medien k\u00f6nnen L\u00fcgen und Ger\u00fcchte in k\u00fcrzester Zeit tausende von Menschen erreichen. Dies hat zur Folge, dass, wie zu Beginn schon erw\u00e4hnt, viel Zeitaufwand ben\u00f6tigt wird, um die richtigen und seri\u00f6sen Quellen zu finden und vor allem die Fakenews zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem ist ein erhebliches Suchtpotential nachgewiesen, mit dem es einem noch schwerer f\u00e4llt, das Handy wegzulegen und beispielsweise einen handyfreien Nachmittag mit seinen Freunden zu verbringen. Anstatt sich auf eine sch\u00f6ne Zeit mit den Freunden zu konzentrieren, wird st\u00e4ndig geschaut, ob nicht doch jemand geschrieben oder einen &#8222;Snap&#8220; geschickt hat und wer die letzte Story geliked hat. So werden die wirklich sozialen Kontakte z.B. mit den Freunden gest\u00f6rt, weil st\u00e4ndig nach den (un)sozialen Medien geschaut werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die st\u00e4ndige Erreichbarkeit \u00fcber WhatsApp &amp; Co. macht Kommunikation bequemer und effizienter.&#8220; schreibt das Team &#8222;Forschen mit GrafStat&#8220; auf der Webseite von Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (bpb). Allerdings kann das Gef\u00fchl, immer erreichbar und up to date zu sein um nichts zu verpassen einen auch sehr unter Druck setzten. Es ist sogar nachgewiesen, dass es Angstzust\u00e4nde und Depressionen hervorrufen kann. Hier stellt sich mir die Frage: Was ist dann daran sozial?<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich (freiwillig!) noch immer kein Handy besitze, hab ich \u00f6fter das Gef\u00fchl, die hei\u00dfesten Neuigkeiten von Freunden und Klassenkameraden nicht, erst einige Zeit sp\u00e4ter oder nur zuf\u00e4llig mitzubekommen. Meistens ist dies zwar nicht sonderlich schlimm, jedoch ist es traurig, dass man heutzutage nicht mehr normal miteinander reden kann und so seine sozialen Kontakte pflegt, sondern alles sofort mit Klicks den andern mitteilen muss. So werden diejenigen, die weniger in den sozialen Medien pr\u00e4sent sind ein St\u00fcck weit (wenn auch ungewollt) ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Punkt ist, dass das eigene Selbstbild negativ beeinflusst wird, da in den sozialen Medien oft nur von Sch\u00f6nheitsidealen ausgegangen und ein perfektes Leben vorgespielt wird. Es wird einem also ein verzerrtes Bild der Realit\u00e4t gezeigt. Dies wiederum f\u00fchrt zu einem geringeren Selbstwertgef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Szene im Bus: im hinteren Teil des Busses sind die Sitzpl\u00e4tze oft in einer 15er Gruppe kreis\u00e4hnlich angeordnet. Ich habe beobachtet, dass mind. 2\/3 der Sch\u00fcler, die dort sitzen, am Handy sind und sich mit diesem besch\u00e4ftigen, anstatt sich miteinander zu unterhalten, was sich in dieser speziellen Sitzanordnung ja eigentlich anbieten w\u00fcrde. So w\u00fcrden unter Umst\u00e4nden neue Kontakte gekn\u00fcpft und die Zeit k\u00f6nnte mit realen sozialen Kontakten gef\u00fcllt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon zu Beginn einmal kurz erw\u00e4hnt, werden Nutzern haupts\u00e4chlich Beitr\u00e4ge angezeigt, die von einem Algorithmus berechnet wurden und bei denen davon ausgegangen wird, dass sie einen interessieren. &#8222;Dadurch k\u00f6nnen wir auf anstehende Veranstaltungen, Nachrichten, Websites, etc. aufmerksam gemacht werden, die uns wom\u00f6glich interessieren und auf die wir ohne einen Hinweis vielleicht nie selbst gesto\u00dfen w\u00e4ren.&#8220; schreibt ebenfalls das Team &#8222;Forschen mit GrafStat&#8220; auf bpb. Jedoch wird durch den Algorithmus oft Werbung angezeigt, die interessant erscheint und somit das eigene Kaufverhalten beeinflusst und zu einem h\u00f6heren, oft unn\u00f6tigen Konsum verleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentraler Punkt ist ebenfalls, dass Cybermobbing Jugendliche verfolgt und im Extremfall sogar t\u00f6dlich enden kann. Regelrechte Shitstorms auf Personen, die evtl. anderer Meinung sind, z\u00e4hlen f\u00fcr mich keinesfalls zu &#8222;sozial&#8220; und w\u00fcrden meiner Meinung nach ohne soziale Medien und Internet weniger extrem ausfallen. Das Verstecken hinter seiner Anonymit\u00e4t erleichtert f\u00fcr viele, Dinge zu schreiben, die sie sich im &#8222;real life&#8220; nicht zu sagen trauen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein weiterer Punkt ist, dass es vielen Menschen schwer f\u00e4llt, ihre eigene Privatsph\u00e4re zu sch\u00fctzen, da das Internet dazu motiviert viel von sich preiszugeben. Man verliert ein St\u00fcck weit die Kontrolle \u00fcber seine Daten, da diese unter Umst\u00e4nden nie wieder gel\u00f6scht werden. Viele soziale Medien kosten zwar kein Geld, sind aber keinesfalls kostenlos, denn man bezahlt mit seinen pers\u00f6nlichen Daten, mit denen sich viel Geld verdienen l\u00e4sst. Diese Daten werden dann f\u00fcr Werbezwecke genutzt, um wie bereits erw\u00e4hnt, f\u00fcr dich passende Produkte zu empfehlen und dich auch politisch zu beeinflussen. (vgl. Gerd Schneider \/ Christiane Toyka-Seid; bpb)<\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze Thema ist auch sehr aktuell im Hinblick auf Australien. Erst vor kurzem wurde dort ein Gesetz verabschiedet: Social Media, ausgenommen Messengerdienste wie Whatsapp, Onlinegaming Plattformen und Videoplattformen wie YouTube, sollen f\u00fcr unter-16j\u00e4hrige verboten werden. &#8222;Soziale Medien gef\u00e4hrden aus Sicht der australischen Regierung das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen.&#8220; (Jennifer Johnston, ARD Singapur, Tagesschau) Ich finde schon allein dieser Aspekt vom Verbot von Social Media sollte uns zu Denken geben, dass soziale Medien vielleicht in vielem doch nicht so sozial sind, wie es auf den ersten Blick aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Um auf die Leitfrage zur\u00fcckzukommen, kann man sagen, soziale Medien k\u00f6nnen zwar zum Teil n\u00fctzlich sein, z.B. das Aufrechterhalten einer Freundschaft \u00fcber weite Distanzen, wenn man sie korrekt und diszipliniert gebraucht. Jedoch rauben soziale Medien viel Zeit, was durch das Suchtpotenzial weiter erh\u00f6ht wird. Sie k\u00f6nnen gesundheitliche Probleme hervorrufen, wie z.B. Angstzust\u00e4nde und Depressionen bei dem Gef\u00fchl, immer erreichbar sein zu m\u00fcssen oder bei Cybermobbing. Au\u00dferdem wird man durch bewusst eingesetzter Werbung zu unn\u00f6tigem Konsum verleitet und die Privatsph\u00e4re geht in vielen F\u00e4llen verloren. Aus diesen Gr\u00fcnden sehe ich keinen direkten Zusammenhang, warum sie soziale Medien hei\u00dfen. Ich empfinde sie in vielen Situationen eher unsozial als sozial.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Quellen: <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/das-junge-politik-lexikon\/321140\/soziale-medien-soziale-netzwerke-social-media\/\">https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/das-junge-politik-lexikon\/321140\/soziale-medien-soziale-netzwerke-social-media\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/lernen\/angebote\/grafstat\/digitalisierung-grafstat\/310190\/info-03-09-pro-contra-dimension-information-und-kommunikation\">https:\/\/www.bpb.de\/lernen\/angebote\/grafstat\/digitalisierung-grafstat\/310190\/info-03-09-pro-contra-dimension-information-und-kommunikation<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ozeanien\/australien-social-media-102.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ozeanien\/australien-social-media-102.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nahezu jeder Jugendliche nutzt sie, die sozialen Medien. 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