{"id":8490,"date":"2025-12-29T11:35:15","date_gmt":"2025-12-29T10:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=8490"},"modified":"2025-12-31T16:01:15","modified_gmt":"2025-12-31T15:01:15","slug":"kann-jeder-selbst-entscheiden-ob-und-wieviel-alkohol-er-trinkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethikblogs.de\/?p=8490","title":{"rendered":"Kann jeder selbst entscheiden, ob und wieviel Alkohol er trinkt?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Gl\u00e4schen Wein zum Abendessen, ein Bier mit Freunden oder ein Sekt zum Ansto\u00dfen. Alkohol geh\u00f6rt f\u00fcr viele Menschen selbstverst\u00e4ndlich zum Leben dazu. Herstellerangaben aus dem Jahr 2022 zufolge, konsumierte in Deutschland durchschnittlich jede Person 91,5 Liter Bier, 19,9 Liter Wein, 3,2 Liter Schaumwein und rund 5,2 Liter Spirituosen im Jahr. Oft hei\u00dft es \u201ejeder kann ja selbst entscheiden, ob er trinkt und auch wie viel\u201c Doch ist das wirklich so einfach?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst scheint die Antwort klar. Wir leben in einer freien Gesellschaftk. Schon der zweite Artikel im Grundgesetzt handelt um die Freiheit des Individuums: Artikel 2 Absatz 1 \u201eJeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Pers\u00f6nlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung oder das Sittengesetzt zerst\u00f6\u00dft\u201c. Die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung lautet hier ab 14 leichte alkoholische Getr\u00e4nke, aber nur mit dem Einverst\u00e4ndnis eines Erwachsenen. Ab 16 ist es erlaubt Bier, Wein und Sekt zu kaufen und zu konsumieren und mit der Vollj\u00e4hrigkeit ist auch hochprozentiger Alkohol erlaubt. Im Stra\u00dfenverkehr gilt f\u00fcr Fahranf\u00e4nger unter 21 und in der Probezeit 0,0 Promille und ansonsten maximal 0,5 Promille. Rechtlich gesehen kann man, wenn man \u00fcber 18 Jahre und kein Fahrer ist, ganz klar selbst entscheiden ob und wie viel Alkohol man trinkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Allerdings ist die Realit\u00e4t komplexer. 2014 wurde von dem Gesundheitspsychologin Rachel Leung aus 22 Studien untersucht, wie Freunde und Freundinnen den Alkoholkonsum von Jugendlichen beeinflussen. Sie stellte fest, dass Jugendliche, deren Freunde und Freundinnen trinken, beginnen selbst eher Alkohol zu konsumieren. Das hei\u00dft das Umfeld und der Gruppenzwang haben einen Einfluss darauf, ob Jugendliche Alkohol konsumieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Die ehemalig Alkoholabh\u00e4ngige Emily Kaner stellte 2022 durch eine Umfrage an 50 Jugendlichen von 12-16 fest, dass soziale Beziehungen insbesondere die Anwesenheit enger Freunde die Entscheidung beeinflusst, Alkohol zu konsumieren. Die Frage ob und wie viel Alkohol Jugendliche trinken liegt nicht nur an dem Individuum selbst, sondern auch an seiner Freundesgruppe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Zudem muss bedacht werden, dass es oftmals einen Rechtfertigungsdruck gibt, warum man keinen Alkohol konsumiert und man n\u00fcchtern als \u201eSpa\u00dfbremse\u201c angesehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Auch psychologische Faktoren k\u00f6nnen eine Rolle spielen. Viele Menschen greifen zu Alkohol um Stress abzubauen oder um ihre Einsamkeit zu bew\u00e4ltigen. Das Glas Rotwein nach einem stressigen Arbeitsalltag oder das Bier jeden Abend in der Kneipe mit Bekannten. Teilweise ist hier der Grund f\u00fcr den Konsum nicht Genuss oder ein Gef\u00fchl von Freiheit, sondern emotionale Abh\u00e4ngigkeit.&nbsp;Vor allem wenn der Konsum zur Gewohnheit wird und Betroffene in eine Alkoholabh\u00e4ngigkeit geraten. Alkoholabh\u00e4ngigkeit z\u00e4hlt zu einer der meistverbreiteten S\u00fcchte in Deutschland mit 1,6 bis 1,8 Millionen Betroffenen. Dazu kommen nach der Deutschen Hauptstelle f\u00fcr Sucht (DHS) 7,9 Millionen Menschen in Deutschland, deren Konsum als riskant eingestuft wird. Alkoholabh\u00e4ngige k\u00f6nnen nicht v\u00f6llig frei entscheiden, da ihre Entscheidungsf\u00e4higkeit krankheitsbedingt eingeschr\u00e4nkt ist.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Zusammenfassend ist die Frage, ob jeder selbst entscheiden kann ob und wie viel Alkohol er konsumiert, komplexer als nur die rechtliche Seite. Vor allem bei Jugendlichen spielt der Gruppenzwang in einer Freundesgruppe und der Wunsch nach sozialen Beziehungen eine gro\u00dfe Rolle. Auch der Konsum aufgrund einer emotionalen Abh\u00e4ngigkeit bis hin zu einer Alkoholabh\u00e4ngigkeit ist die Entscheidungsfreiheit, auch krankheitsbedingt, eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">\u00a0Ich selbst bin 17 Jahre und meiner Erfahrung nach ist die Freundesgruppe entscheidend, wie viel man trinkt. Ist man in einer Freundesgruppe, bei der der Konsum von Alkohol eine untergeordnete Rolle spielt, ist es m\u00f6glich frei \u00fcber seinen Konsum zu entscheiden. Es herrscht kein Gruppenzwang und auch keine Rechtfertigungsdruck.\u00a0 Allerdings sieht dies in einer Freundesgruppe f\u00fcr die Alkohol normalisiert ist, ganz anders aus. Trinkt man nicht sind oftmals soziale Beziehungen und Freundschaften schwierig bis nicht m\u00f6glich und man wird aus der Gruppe ausgeschlossen. Das ist auch verst\u00e4ndlich, da man nicht gleich wie die anderen aufgeschlossen und offen ist. Ein weitere Punkt der beachtet werden muss ist, dass das Ablehnen von Alkohol, welches einem aufgedr\u00e4ngt wird, meistens zu Unverst\u00e4ndnis und Rechtfertigungsnot f\u00fchrt. Dies f\u00fchrt immer zu einer unangenehmen Situation. Zudem ist es bei Saufspielen zwar m\u00f6glich den Alkohol durch Limo zu tauschen, allerdings ist es nicht sehr erw\u00fcnscht. Wenn man dies verhindern m\u00f6chte, m\u00fcsste man Alkohol konsumieren. Der Konsum dann ist alles andere als eine freie Entscheidung, sondern den Wunsch nach sozialen Beziehungen und Freundschaften. Ich denke allerdings, dass es in der Zukunft normalisierter ist, keinen Alkohol zu konsumieren und damit der Rechtfertigungsdruck nicht mehr so hoch ist. Es gibt einen langfristigen R\u00fcckgang des Alkoholkonsums seit 40 Jahren. Der Pro Kopf Verbrauch sank von 147 Liter (2003) auf 95 Liter (2023\/2024). Vor allem sinkt der Verbrauch von Bier stark. Der Bierabsatz hat sich in den 30 Jahren fast halbiert. Von rund 130 Liter 1995 auf ca. 88 Liter 2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Quellen:National Library of Medicine Rachel K Leunng: 2011, URL: https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/25211209\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">National Library of Medicine Emily Kane: 2022, URL: https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/35660334\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">My Way Betty Ford Klinik: 21.10.25, URL: https:\/\/www.mywaybettyford.de\/suchtkompendium\/leben-ohne-alkohol\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Deutsche Hauptstelle f\u00fcr Suchtanfragen (DHS): 2022, URL: https:\/\/www.dhs.de\/suechte\/alkohol\/zahlen-daten-fakten\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">T-Online, Claudia Zehrfeld: 12.09.22, URL: https:\/\/www.t-online.de\/leben\/familie\/teens\/id_49295364\/jugendschutzgesetz-alkohol-ab-wann-und-was-ist-erlaubt-.html<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gl\u00e4schen Wein zum Abendessen, ein Bier mit Freunden oder ein Sekt zum Ansto\u00dfen. Alkohol geh\u00f6rt f\u00fcr viele Menschen selbstverst\u00e4ndlich zum Leben dazu. Herstellerangaben aus dem Jahr 2022 zufolge, konsumierte in Deutschland durchschnittlich jede Person 91,5 Liter Bier, 19,9 Liter Wein, 3,2 Liter Schaumwein und rund 5,2 Liter Spirituosen im Jahr. Oft hei\u00dft es \u201ejeder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":199,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"0","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-8490","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","missing-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/199"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8490"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8490\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8612,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8490\/revisions\/8612"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethikblogs.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}