Greenwashing – Wie Firmen Ihr Image aufpolieren

Was genau ist Greenwashing?

Greenwashing bezeichnet den Versuch von Firmen ihre Produkte oder Dienstleistungen klimafreundlich darzustellen. Dies dient jedoch nur als Marketings Strategie und vermittelt den Käufer*innen das Bild, die Umwelt mit dem Kauf dieses Produkts zu schonen, obwohl es dafür keine hinreichende Grundlage gibt.

Greenpeace hat dafür 4 Kriterien definiert:

  • Das Kerngeschäft an sich ist umweltschädlich (Bsp. Kreuzfahrten)
  • Mehr Investitionen in Werbung als in Umweltschutz
  • Lobbyarbeit zur Umgehung von Umweltschutz
  • Reines einhalten der Gesetze als besonders umweltfreundlich darstellen

Welche Firmen betreiben Greenwashing?

Sehr viele Firmen nutzen Greenwashing, um sich in ein besseres Licht zu rücken. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die Modekette H&M, welche inzwischen seit neun Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit wirbt. H&M veröffentlicht ein- bis zweimal pro Jahr die „Conscious Collection“, welche nachhaltig produziert sein soll. Hierbei wird mit Biobaumwolle geworben, welche nach der Better Cotton Initiative angebaut wird. Diese biete nach Nabu jedoch wenig Mehrwert, da es erlaubt ist Gentechnik einzusetzen. Außerdem ist zwar der Anbau Biologisch, die Weiterverarbeitung jedoch nicht. Hierbei wird weiterhin sehr viel Chemie eingesetzt und dadurch das Wasser und die Luft verunreinigt. Zudem ist diese Kollektion nur ein sehr kleiner Teil des Gesamtgeschäfts, verbessert allerdings sehr stark das Image, da sehr viel Werbung für diese Kollektionen gemacht wird. In der Werbung sieht das Ganze nämlich sehr umweltbewusst aus und macht einen nachhaltigen Eindruck.

Es gibt noch sehr viele weitere Marken, die sich Greenwashing zu Nutze machen. Darunter fällt auch die Marke Fiji-Water, welche Wasser von den Fidschi-Inseln, abgefüllt in Plastikflaschen, verkauft. Die Marke wirbt damit, Wasser frei von jeglicher Verschmutzung zu verkaufen, da es weit weg von Industrie abgefüllt wird. Dadurch wird vor allem in der Werbung ein sehr umweltfreundliches und gesundes Bild vermittelt. Fakt ist jedoch, dass dieses Wasser sehr weite Transportwege zurücklegt, um zum Beispiel in Europa verkauft werden zu können. Dadurch verursacht es einen sehr hohen CO2 Ausstoß und sorgt zudem durch die Plastikflaschen für weitere Umweltbelastungen. Zum Vergleich: Ein Liter Leitungswasser verursacht ca. 35 g CO2 Äquivalente und eine Flasche Fiji-Wasser ca. 12.000-mal so viel. Und das Ganze nur durch die langen Transportwege, obwohl in Europa mehr als genug Trinkwasser vorhanden ist. Allerdings hat die Firma FIJI Water auf den Fidschi-Inseln für viele Arbeitsplätze gesorgt und die Wasserversorgung der Bewohner deutlich verbessert. Die Firma hat für eine starke wirtschaftliche Entwicklung gesorgt, allerdings sind die negativen klimatischen Folgen stark und das Geschäftsmodell sehr fragwürdig.

Was fällt unter Greenwashing?

Es gibt einige Methoden, die unter den Begriff Greenwashing fallen. Vor allem hat es sehr viel mit Marketing zu tun, da in diesen das Unternehmen so gut wie möglich dastehen möchte, um viele Zielgruppen anzusprechen und Interesse zu wecken. Zu Greenwashing zählt es, wenn nur kleine Aspekte hervorgehoben werden, die besonders umweltfreundlich sind und diese dann für das ganze Unternehmen zu gelten scheinen. Dies ist zum Beispiel bei der Kreuzfahrtmarke AIDA der Fall, welche mit wenig CO2 Ausstoß und Nachhaltiger Kreuzfahrt werben. Dies tut es mithilfe eines Kreuzfahrtschiffs, welches mit Flüssigerdgas betrieben wird und deshalb weniger CO2 ausstößt. Dafür ist der Methanausstoß umso größer, weshalb es klimatechnisch nicht sinnvoll ist. Außerdem ist das lediglich bei einem Kreuzfahrtschiff der Fall und trotzdem wirken alle AIDA Kreuzfahrten somit umweltfreundlicher.

Eine weitere Methode ist es, Halbwahrheiten bzw. nicht alle Fakten darzustellen. Dies ist auch bei AIDA der Fall, welche mit dem geringeren CO2 Ausstoß werben, jedoch nicht über den erhöhten Methanausstoß informieren. Es wird eben oft nur die vermeidlich positive Seite beleuchtet und alles Negative verschwiegen, um das Unternehmen besser darzustellen.

Ein weiteres Mittel ist es die Werbung möglichst grün und natürlich zu gestalten, um ein Umweltfreundliches Bild zu schaffen. So ist es in der Fiji-Water Werbung der Fall. In ihr kommt es einem so vor als wäre das Wasser sehr natürlich und umweltfreundlich, da sehr viel Natur zu sehen ist und diese in der Flasche zu sehen ist. Es wird dem Zuschauer vermittelt, dass Fiji-Water sehr Umweltbewusst ist und man würde aufgrund der Werbung nicht auf die Idee kommen, wie umweltschädlich es eigentlich ist.

Es gibt außerdem noch die sogenannte CO2 Kompensation, welche von vielen Unternehmen verwendet wird. Das kann vom Unternehmen ausgehen, oder man kann als Käufer einen extra Betrag zahlen um damit dann „CO2 Neutral“ zu konsumieren. Hierbei wird das Geld verwendet, um in Klimaschutzprojekte zu investieren. Prinzipiell ist die CO2 Kompensation eine gute Möglichkeit, um die nach der Reduktion aller Emissionen, die es zulassen reduziert zu werden, noch verbleibenden Emissionen zu Kompensieren. Es gibt jedoch auch viele Firmen, die lediglich die Emissionen CO2-intensiver Produkte extern kompensieren, aber nicht nach Lösungen suchen die Produktion effektiver zu gestalten oder die Emissionen an sich zu reduzieren. In diesem Fall ist es wieder ein Stück weit Greenwashing, da diese Kompensationen öffentlich bekannt gegeben werden und die Firma gut dastehen lässt. Somit wird zwar Geld investiert, aber trotzdem weiterhin viel CO2 produziert, welches sich vermeiden lassen könnte.

Hat Greenwashing trotzdem positive Einwirkungen auf die Umwelt?

Greenwashing an sich hat eigentlich keine positive Einwirkung auf die Umwelt, da das Ziel darin besteht möglichst viel Profit zu machen und nicht die Umwelt zu schützen. Es verleitet zudem zu mehr Konsum, da man aufgrund des Greenwashings, weniger schlechtes Gewissen der Umwelt gegenüber hat. Es ist somit an sich schlecht, hat allerdings auch positive Seiten, da oft zumindest ein kleiner Teil der Produktion umweltfreundlicher wird und somit schonmal ein Anfang geschaffen wird, auf dem in Zukunft aufgebaut werden könnte. Es macht außerdem auch vermehrt darauf aufmerksam, da große Firmen auch sehr viel Reichweite haben, wodurch mehr Menschen von Umweltproblemen mitbekommen. Allerdings hat es trotzdem keine direkte positive Einwirkung auf die Umwelt, sondern nur auf das Image vieler Firmen. Auch durch Kompensationen wird nicht direkt das produzierte CO2 reduziert, sondern lediglich Projekte unterstützt, die sich für den Umweltschutz engagieren. Es ist natürlich gut, wenn diese gezahlt werden, allerdings sollte gleichzeitig auch an einer Reduzierung der eigenen CO2 Emission gearbeitet werden.

Fazit

Durch Firmen die Greenwashing betreiben, fällt die Entscheidung zwischen Ihnen und Firmen die wirklich etwas tun schwerer. Man kann eigentlich keiner Werbung oder ähnlichem vertrauen, da diese immer nur das positive zeigen und auf Fakten verzichten. Das heißt, dass man sich vor einem Kauf immer erst über beispielsweise Siegel informieren muss und dann entscheiden kann, ob es umweltfreundlich oder -schädlich ist. Es gilt also, wie bei vielen Dingen auch, dass man sich über alles selbst Informationen suchen und sich eine Meinung bilden muss. Da das allerdings Arbeit im Voraus erfordert, machen es viele Menschen nicht und fallen somit auf die Werbung von Firmen herein, die Greenwashing betreiben.

Der Trend in Richtung Nachhaltigkeit, der sich in den letzten Jahren entwickelt hat, ist sehr positiv, da er sehr viele Menschen dazu animiert hat, auf ihren Lebensstil zu achten. Greenwashing ist allerdings eine negative Folge davon, da sich Firmen genau diese Denkweise zu nutzen machen, um daraus Profit zu machen. Das ist meiner Meinung nach sehr fragwürdig, da mit grundsätzlich positiven Dingen geworben wird, wodurch der Konsum steigt, diese Dinge jedoch meistens nicht stimmen oder nur einen sehr kleinen Teil ausmachen. Somit werden Konsument*innen die bewusster konsumieren möchten von Marketingstrategien getäuscht und das bekommen sie nicht einmal mit. Deshalb sollte es gesetzlich vorgeschrieben sein, dass Firmen mehr über ihren Produktionsweg bekannt geben müssen, damit nicht nur die guten Seiten der Produktion an die Öffentlichkeit gelangen und es einfacher ist bewusst zu konsumieren.

  • Was haltet ihr von Greenwashing?
  • Ist es euch schon einmal im Alltag aufgefallen?
  • Findet ihr es sollte eine gesetzliche Regelung gegen Greenwashing geben?

Quellen

Protokoll vom 24. Oktober 2016

Gymnasium Gerabronn, Ethikkurs 2015-2017

Stundenzusammenfassung vom 24.10.2016 7:45 bis 9:20

18 Anwesende

Referentin: Sü

Verfasser des Protokolls: Bananapancake0

__________________________________________________________________________________________

Gliederung: 

  1. Wiederholung Hayek/ Rawls
  2. Sind Ethik und Wirtschaft vereinbar?
  3. CSR und Greenwashing
  4. Manifest gegen Nachhaltigkeit

___________________________________________________________________________________________

 

1.Wiederholung Hayek/Raw

Friedich August von Hayek

John Rawls

bildschirmfoto-2016-11-01-um-10-37-10

bildschirmfoto-2016-11-01-um-10-37-19

 

bildschirmfoto-2016-11-01-um-10-37-27

Bilder anklicken, dann werden sie größer

__________________________________________________________________________________________

 

2.Sind Ethik und Wirtschaft vereinbar? 

Unsere ersten Gedanken zu dieser Frage waren z.B.

JA:

  • es gibt (oftmals) einen bestimmten Mindestlohn
  • die Arbeit unter menschenwürdigen Bedingungen wird ermöglicht
  • Umwelt- und Tierschutz wird (oftmals) berücksichtigt

NEIN:

  • Machtmissbrauch großer Firmen
  • Wirtschaftssystem an sich schließt ethisches Agieren aus

Was Wirtschaftsethik genauer bedeutet, erfuhren wir dann anhand der Präsentation.               Anhand des eingefügten Bildes aus der Präsentation kann man dies nochmals nachvollziehen.     Die komplette Präsentation ist am Ende des Protokolls zu finden.

bildschirmfoto-2016-11-01-um-10-39-04

Bild anklicken, dann wird es größer

__________________________________________________________________________________________

 

3.CSR und Greenwashing

Im Folgenden betrachteten wir den Aspekt der Unternehmensethik genauer,                            dazu sahen wir uns ein Video zum Konzept CSR an.

Hierzu der Link: https://www.youtube.com/watch?v=3ejgFi5hYLQ

 

CSR steht für Corporate Social Responsibility, was sich unter dem Begriff Unternehmensverantwortung zusammenfassen lässt. Es geht dabei um die Gerechtigkeitsfrage für jetztige und zukünftige Generationen, also wie ein Unternehmen seine Gewinne erwirtschaftet. Aufgaben von CSR sind z.B. die Vermeidung moralisch verwerflicher Methoden wie Korruption oder Betrug. Angesprochene Bereiche sind Individual- und Institutionenethik, aber auch der Staat und die Politik (auch wenn deren Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind).          Die Globalisierung der Wirtschaft und die häufige Bindung der Politik und des Rechts an Landesgrenzen stellen Probleme dar, da dies zu einem Regulierungsdefizit führt.                 Außerdem wird CSR häufig nicht eingehalten und dient oft nur dem Greenwashing.

 

Was Greenwashing genau ist, erfuhren wir in folgendem Video:                                               https://www.youtube.com/watch?v=4WX7z1wDxh4

Am Beispiel von Getränkekartons wird Greenwashing erklärt. Tetrapack wirbt mit Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit, täuscht den Verbraucher jedoch mit der Werbung,         die das Aluminium und auch Plastik im Tetrapack verschweigt. Also verbessert eine Firma ihr Image durch Greenwashing. Weitere Beispiele sind ExxonMobil im Bereich Erdgasbohrungen und die Automarke Opel mit dem Modell Ampera.

__________________________________________________________________________________________

 

4.Manifest gegen Nachhaltigkeit

Zum Abschluss lasen wir den Text ,,Manifest gegen die Nachhaltigkeit“ von Sina Trinkwalder (http://taz.de/Greenwashing/!5108411/).

Unsere Aufgabe war es, ihren Standpunkt zusammenzufassen. Dazu hier einige Stichpunkte:

Frau Trinkwalder kritisiert die Rolle des Verbrauchers und das Greenwashing der Unternehmen:

  • die Menschen tragen die Sehnsucht nach einer besseren Welt in sich
  • deshalb werden ,,grüne Produkte“ gekauft, ohne deren Produktion genauer zu hinterfragen
  • der Konsument hat die Macht, zu entscheiden, was er kauft, zeigt sich jedoch zu leichtgläubig und vertraut Scheinlösungen
  • der Schein, ,,grün“ zu sein, ist für Unternehmen günstiger, als wirklich umweltfreundlich zu handeln
  • der Verbraucher muss bereit sein, mehr für die Produkte zu bezahlen
  • die Unternehmen müssen bereit sein, Verantwortung für ihr Handeln zu unternehmen

Die gesamte Präsentation aus dem Unterricht:

2016-wirtschaftsethik