Nietzsches „Herren- und Sklavenmoral“ und die US-Außenpolitik

Gut. Handel. Böse. Krieg. Die amerikanische Außenpolitik ist geprägt von militärischer Aggression sobald sich jemand gegen sie stellt oder dem Freihandel mit Staaten, die sich den Richtlinien Amerikas unterwerfen. Dabei sind schon am Ansatz der stark vereinfacht dargestellten außenpolitischen Strategien der USA- so wirkt es zumindest- Parallelen zu Nietzsches „Herren- und Sklavenmoral“ zu erkennen, welche vor allem an der Vormachtstellung der USA und ihren außenpolitischen Handlungen auf der Welt zu sehen sind. Doch was genau könnte eine mögliche Erklärung dafür sein, weshalb die USA ihre Außenpolitik so radikal, und beinahe gefährlich minimalistisch gestalten? Nietzsches Ethik der Selbstbestimmung lässt mögliche Rückschlüsse auf diese Frage zu, warum sich nun die die Vereinigten Staaten häufig in Konflikten mit anderen Staaten befinden. Besonders Auffällig ist dabei auch die Rolle der EU, welche sich durch Donald J. Trump langsam politisch zu emanzipieren scheinen und einen Konflikt, wahrscheinlich auf diplomatischer Ebene, evozieren. 

Zunächst stellt sich die Frage, was die sogenannten „Herren- und Sklavenmoral“ ist. Die „Herren- und Sklavenmoral“ beschreibt das Werteverhältnis zwischen zwei vergangenen gesellschaftlichen Machtverhältnissen. „Gut“ und „Böse“ sind den oberen und den unteren Schichten zuzuteilen. Aus dem ehemals „Guten“ wurde aufgrund des Umwerten der alten aristokratischen Werte durch die Unteren, das „Schlechte“. So entstand eine Moral aus dem Nicht-Moralischen, welche die Abneigung derer Ausdrückt, die vorher diejenigen waren, welche die Abneigung zu spüren bekommen haben und nun aus dem vorherigen „Schlechten“ für sich als „Gut“ bezeichnen, wie eine aus ihrer Sicht begründbaren Rachsucht oder dem Hass gegen die Vorherrschenden. Somit ist die Herrenmoral in der heutigen Zeit als moralisch schlecht zu betrachten, hingegen die Sklavenmoral der Unteren, der Unterdrückten, als moralisch gut betrachtet wird. 

Gehen wir über zu den USA. Die USA indes, sehen sich selbst als die größte politische und ökonomische Macht der Welt, welche ihre Interessen, seien es wirtschaftliche oder politische Interessen, um jeden Preis durchsetzen wollen. Nun mehr beschreibt Nietzsches Herrenmoral die Moral der USA, beziehungsweise die Strategie, nach der die USA außen- und handelspolitische Fragen zu verfolgen scheinen. Lenkt man den Blick nun auf den völlig absurden Irakkrieg (2002), der durch George W. Bush aus rein ökonomischen Absichten, bewusst initiiert wurde, so erkennt man das „moralische“ Vorgehen. Die USA gaben an, sich durch Giftgas, das sich fälschlicherweise im Besitz Saddam Husseins, dem damaligen Präsident des Iraks, befinden haben sollte, bedroht fühlen, und somit eine militärische Konfrontation als unausweichliche Reaktion angesehen hatten. Sie tauschten durch die selbst erfundene Gefahr ihre Position, und wurden aus „Herren“ selbsternannte „Sklaven“, die es für nötig hielten aufgrund einer nicht real existierenden Bedrohung, aus dem bewussten Nicht-Moralischen heraus, da sie ja die Werte des Iraks verneinten und sich dieser vereinnahmt fühlten, weshalb sie unter diesem Vorwand den Irak angriffen und bis heute, nahhaltig geschädigt haben, ein Land, dass niemals zuvor die USA angegriffen hat, geschweige, sich jemals wegen eines Mordes an einem US-Amerikaner schuldig gemacht hat. Der Wert, der hinter diesem Handeln steht ist kein ehrenwerter, gar humaner Wert. Es galt bloß die Ölvorkommen sicherzustellen, dass die USA nicht Gefahr liefen, dass Erdöl möglicherweise an Russland abgeben zu müssen. Mehr oder weniger werden wirtschaftliche Interessen einen deutlichen höheren Wert zugesprochen als menschlichen Werten. Heuchlerisch! Die USA haben nämlichen die UN Menschenrechtscharta unterschrieben, in der der erste Artikel folgendermaßen lautet „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Die USA handelten nicht immer nach dem Prinzip der Positionsumkehr. Hierbei ist der Vietnamkrieg (1955-1975) ein signifikanten und zugleich perfides Beispiel, für US-amerikanische Außen- und Kriegspolitik. Es fand kein Tausch zwischen den beiden Positionen, „Herren“ und „Sklaven“, statt. Vielmehr blieben die beiden in ihren Positionen, wobei mit „beiden“ die USA und der Nordvietnam gemeint ist, da dieser sich dem Erzfeind, den Kommunisten der UdSSR, anschloss. Die USA mit ihrer „Herrenmoral“ sahen sich dem jedoch „überlegen“, und meinten sich ihrer eigenen Stärke bewusst zu sein, womit sie sich folgenschwer verschätzten, da der Nordvietnam, sich in seiner „Sklavenmoral“ bewusst war, dass dieser nun der Schwächere sei. Auf beiden Seiten nahm man die Eigene als moralisch „gut“ wahr, jedoch scheinen die USA von Anfang an die moralischen „schlechten“ zu sein, da diese, aus ihrer Position heraus, den Nordvietnam, und somit auch den Kommunismus und dessen Werte als minderwertig, gar gefährlich ansahen. Die USA machten sich wieder der nicht-moralischen Werte (allgemein nicht-moralische Werte) eigen, die eigentlich den „Sklaven“ und nicht den Herren vorbehalten waren, weshalb der Nordvietnam sich diese hätte zu Eigen machen müssen, was er auch bei Zeiten tat, da dieser mit Rache, Hass und Krieg antwortete. So übernimmt der Nordvietnam das, was die USA mit ihm gemacht haben, und greift sie militärisch und kriegerisch an, in dem Glauben, dass man der „Gute“ und die USA die „Schlechten“ sein, was im weitesten Sinne auch als moralisch verständlich erscheint, denn es gab bei Zeiten keine Gefahr, dass der Nordvietnam, beziehungsweise der Vietnam die USA angreifen und somit in Gefahr bringen wollten. Jedoch sollte klar sein, dass Krieg nach vernünftiger Auffassung weder moralisch vertretbar noch als dauerhaft sinnvolle Lösung zu betrachten ist, da das Finanzielle und Militärische, dem Menschlichen übergeordnet wird, wodurch Abermillionen von unschuldigen Zivilisten im Vietnam, und junge unerfahrene us-amerikanische Soldaten ums leben kamen, welche durch die amerikanische Propaganda, unter den Präsidenten Eisenhower, Kennedy, Lyndon B. Johnson, Kennedy und Nixen, geblendet wurden, was das amerikanische Handeln als- endgültig- nichtmoralisch zu sehen ist. 

Heutzutage sehen wir ähnliche Tendenzen, in puncto amerikanischer Handels- und Außenpolitik, vor allem am Handelskrieg mit China. China fühlt sich von den USA angegriffen, und wendet nun die gleichen Mittel an, wie die USA und nehmen sich gleichzeitig derer an, die sie so „hassen“. Somit ist auch die eingangserwähnte Beziehung von Europa und den USA klar: der „Sklave“ emanzipiert sich vom „Herren“, in dem er das anwendet, was er am „Herren“ so gehasst hat, wobei Donald J. Trump eher eine Ausnahme ist, da sich die EU nicht seiner absurden, und inhumanen Ansichten betätigt, oder diese imitiert. 

Abschließend gilt es die, in der Einleitung erwähnte Frage zu beantworten: Nein, darauf kann Nietzsches Moraltheorie keine Rückschlüsse geben. Sie erklärt viel mehr nur das „Wie“, nämlich wie sie handeln, was der Hintergedanke ist, wie zum Beispiel die Umkehrung von „Herren- zu Sklavenposition“. Was die wahren Gründe hinter dem Handeln der USA sind, das ist von Fall zu Fall anders. Jedoch ist eins klar, der moralische Wert des Geldes, der Wirtschaft und des Militärs ist ungebrochen hoch, weshalb diese immer mit den eigentlichen Konfliktgründen einhergehen, was in einem anderen Beitrag erörtert werden muss. 

Quellen:

  • AB „Friedrich Nietzsche- Ethik der Selbstbestimmung“

Prostitution: Schadet ein Verbot?

,,Nichts ist trauriger als eine Frau, die sich aus anderen Gründen auszieht als für die Liebe.‘‘, so laut Juliette Gréco. Sie spricht mit diesem Zitat explizit das umstrittene Thema Prostitution an. Doch wäre es besser, die sogenannte ,,Sexarbeit‘‘, welche gegen Entgelt sexuelle Handlungen vornimmt, zu verbieten oder legal bestehen zu lassen?

Viele Menschen fordern ein Verbot der Prostitution, mit der Begründung, sie sei ein fundamentaler Verstoß gegen die Würde des Menschen, wobei hier sowohl weibliche, als auch männliche Prostitution mit einbezogen ist. Doch warum sollte ein einvernehmliches Sexualverhalten gegen Bezahlung diskriminiert und verboten werden?

Ja, zum einen kann die Prostitution als Verstoß gegen unseren obersten Verfassungswert, die Menschenwürde, gesehen werden. Hierbei sollte man jedoch zwischen freiwilliger Prostitution und Zwangsprostitution differenzieren. Einerseits soll ein Mensch frei entscheiden können, wem und was man seinen eigenen Körper widmet. Viele behaupten, Prostituierte hätten keinen eigenen Willen, doch haben sie wirklich keinen eigenen Willen, wenn sie selbst über ihren eigenen Körper entscheiden? Wenn man eine Gruppe von Betätigten für ihre Entscheidung mit ihrem eigenen Körper diskriminiert, missachtet man anders betrachtet ebenso die Würde des Menschen.

In unserer Gesellschaft wird Prostitution auf der einen Seite mit Menschenhandel, Gewalt, Ausbeutung und Diskriminierung verknüpft. Auf der anderen Seite wird Prostitution als legale Arbeit anerkannt und positiver betrachtet. Doch man kann dieses umstrittene Thema nicht in zwei Seiten einteilen und pauschalisieren. Jede einzelne, in dem Bereich beschäftigte Person hat andere Gründe, der Tätigkeit nachzugehen. Eine Person kann selbstständig entscheiden, sich der Prostitution zu widmen, oder man hat diese Möglichkeit des selbstständigen Entscheidens eben nicht und es wird einem durch äußeren Einflüssen aufgezwungen. Einzelne, verschiedene Fälle zu generalisieren, indem man ihre Tätigkeit als normal und harmlos abstempelt, oder eben auch nicht anerkennt und diskriminiert, führt zur Banalität.

Beispielsweise berichtet eine Frau ihre Erfahrungen als Prostituierte, sie sehe keinen Grund dafür, sich anderweitig zu beschäftigen, weil ihre Tätigkeit ihr leicht fällt und ihr nie langweilig wird. Auch Ausbeutung, Drogen und Armut treffen auf ihr Edelbordell, welches Sie selbst führt, angeblich nicht zu. Die Frauen arbeiten selbstbestimmt und aus freiem Willen. Die Besitzerin nimmt hierbei nichts von dem Verdienst der Frauen ab, da es sonst Zuhälterei wäre. Auch müssen die Frauen nicht jeden Kunden bedienen, denn ein Rückzieher ist auch kurzfristig möglich.

Ein Gegenbeispiel ist eine andere Frau, welche bis heute gezeichnet ist, und ihre Prostitution mit Sklaverei vergleicht. Ihr Zuhälter tätowierte Sie mit einem sogenannten ,,Eigentumsstempel‘‘ am Rücken. Andere bekommen auch üblicherweise einen Barcode oder den Namen des Zuhälters tätowiert. Allein das beschreibt bereits die Nötigung vieler Prostituierten: Sie sind das Eigentum ihrer Zuhälter, für immer. Durch diese Zwangsprostitution werden viele Beschäftige traumatisiert und müssen schwere psychische Schäden erleiden und handhaben. Folgen der Prostitution sind beispielsweise über Monate und Jahre anhaltendes Kranksein, Essstörungen, Angstzustände und Depressivität. Des Weiteren gehören dazu dissoziative Zustände (Zustände, in denen die Betroffenen nichts empfinden konnten), Suizidversuche, fragliches Suchtverhalten, diverse Narben auf der Haut und Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wie Schreckhaftigkeit, sich aufdrängende Gedanken und Bilder an das Trauma (Intrusionen) und eine sexualisierte Art von Affektisolation.

Auch die Psychotherapeutin Ingeborg Kraus wird mit dem Thema Prostitution konfrontiert. Sie behandelt Prostituierte, welche aufgrund ihrer Arbeit stark leiden. Frauen, die anfänglich meinen, sie würden den Job liebend gerne tun, verleugnen sich meist selbst, denn sie blenden aus, was genau mit ihnen passiert, und meinen, sie prostituieren sich freiwillig, wobei sie durch ihre schweren Erfahrungen nur gelernt haben, abzuschalten und sich selbst zu verleugnen. Viele Frauen sind sich am Anfang der Therapie nicht bewusst, was sie ausgesetzt waren. Während die Arbeit zuerst als problemlos erscheint, tauchen im Laufe der Therapie tiefe Verletzungen in den Biografien auf.

Wir können bis jetzt festhalten, dass im ersten Beispiel der Frau, welcher das Bordell gehört, eine positive Stellung zu ihrem Geschäft herrscht. Nachdem ich die anderen Erfahrungen der Psychotherapeutin gelesen und kurz zusammengefasst habe, gehe ich davon aus, dass wir uns nun alle die Frage stellen, ob sich die erste Frau bereits sehr stark im Akt der Verleugnung und des ,,Schön-Redens‘‘ befindet. Zwar kann in unserer Gesellschaft keine Gleichberechtigung herrschen, wenn wir einen Beruf verbieten, der eigentlich normal wie jeder andere sein sollte, doch innerhalb dieses Berufes können wir genauso wenig von Gleichberechtigung sprechen. Es wird gut geredet, den Körper einer Frau zu kaufen und zu nutzen, weshalb bei dem Käufer keine Schuldgefühle auftreten, sondern genau das Gegenteil der Fall ist. Da der Käufer für die Dienste bezahlt, sieht er sich schlussendlich im Recht, die gewünschte Gegenleistung zu fordern.

Durch die Beispiele wird deutlich bemerkbar, wie heikel es ist, über ein Verbot der Prostitution zu urteilen. Ein Gesetz wie etwa in Schweden, welches nicht die Prostituierten, sondern die Freier bestraft, macht nur den Akt des Kaufens von Sex illegal. Somit werden nicht die Prostituierten verantwortlich gemacht, sondern die Freier, die die Hauptursache für das Bestehen von Prostitution sind. Wenn weniger Personen die Dienste Prostituierter in Anspruch nehmen würden, würde die Zahl der Prostituierten zurückgehen.

Nichtsdestoweniger läuft man, wenn man nicht nur den Käufer bestraft, sondern ein allgemeines Verbot der Prostitution festlegt, eventuell der Gefahr aus, dieses Geschäft in den Untergrund zu drängen und folglich dessen nicht die Kritikpunkte, welche die Prostitution mit sich bringt, zu beseitigen, sondern die Situation der Prostituierten zu verschlimmern und zu erschweren. Mit dem Prostitutionsgesetz in Deutschland haben Prostituierte demgegenüber die Möglichkeit, sich nun regulär in den gesetzlichen Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherungen zu versichern. Außerdem wirkt sich das Gesetz auf das Strafrecht aus, und somit auch auf das Zivilrecht.

Ich persönlich finde es schwer, darüber zu urteilen, ob ein Verbot der Prostitution sowohl von Frauen als auch von Männern schadet. Für viele freiwillige Prostituierte wird ihr Geschäft als Chance angesehen, für unfreiwillige Zwangsprostituierte nimmt es schwere Folgen mit sich, sowohl psychisch als auch körperlich. Es ist hierbei unerlässlich, über die psychischen Hintergründe und die Auswirkungen von Situationen nachzudenken. Wenn eine in der Prostitution beschäftigte Person tatsächlich ohne Verleugnung der Ansicht ist, dieses Geschäft wäre gut, leiden demgegenüber Andere daran. Mit einem Verbot würden die Zahlen zwar sinken, aber es lässt sich keinesfalls ausschließen, dass sowohl freiwillige Prostitution, als auch Zwangsprostitution illegal ausgeübt werden. Ich vermute, dass Betroffene aufgrund eines Verbotes viel stärker in eine Sackgasse und Aussichtslosigkeit gedrängt werden, weshalb man das Problem an der Wurzel greifen sollte: Die Verleugnung und den Zwang von äußeren Einflüssen und persönlichen Hintergründen nachgehen, anstatt Prostitution gesetzlich zu verbieten.

Das anfängliche Zitat von Juliette Gréco versucht diese moralische Zwangslage zusammenzufassen. Letztendlich steckt etwas Wahrheit in dem Aspekt der Traurigkeit, dass Menschen auch anderen Gründen als der Liebe ausgesetzt sind und teils keine andere Möglichkeit sehen, ihr Leben zu handhaben.

Ich denke, wir alle sind uns der Tatsache bewusst, wie vielseitig das Thema Prostitution ist, weshalb es mich interessiert, was ihr von einem Verbot der Prostitution haltet und auf welche Aspekte ihr weiter eingehen wollt. Wenn ihr die Berichte und Erfahrungen der drei oben beschriebenen Frauen ausführlicher nachlesen wollt, findet ihr sie hier unter diesen Links:

Beispiel positive Erfahrungen:

https://www.cosmopolitan.de/amp/erfahrungen-als-prostituierte-ich-war-gerne-eine-hure-eine-studentin-berichtet-81661.html

Beispiel negative Erfahrungen:

https://www.trauma-and-prostitution.eu/category/wissenschaftliche-texte/erfahrungsberichte/

https://bvvp.de/2020/09/07/prostitution-macht-krank/

Psychotherapeutin Ingeborg Kraus:

https://www.spiegel.de/gesundheit/sex/prostitution-was-sexarbeit-anrichten-kann-a-00000000-0003-0001-0000-000002034187-amp

Quelle Zitat/weitere Quellen:

http://zitate.net/prostitution-zitate

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Prostitution

Abtreibung ~ Legitime Entscheidung oder Mord?

Schwanger werden und ein Kind zu erwarten stellt für viele Frauen oder Pärchen einen großen Wunsch dar. Diese erhoffen sich durch ein Kind das Lebensglück zu erreichen. Da scheint es doch paradox, dass einige Frauen ihre Schwangerschaft freiwillig abbrechen wollen. Doch was treibt eine Frau dazu? Und ist eine Abtreibung legitim oder muss doch eher von Kindesmord gesprochen werden?

Schon seit längerer Zeit, vor allem seit der Emanzipation der Frau, kommt oft die Frage auf, ob Schwangerschaftsabbrüche gegen moralische Gesetze verstoßen und als Mord gewertet werden sollten oder ob es sich bei der Abtreibung um eine persönliche legale Entscheidung handelt. Die Beantwortung dieser Frage gestaltet sich allerdings alles andere als einfach. Kulturen, Ideologien und Religionen vertreten oft sehr unterschiedliche Vorstellungen, was es einem demokratischen säkulären Staat erschwert ein objektives Urteil zu fällen und eine Gesetzeslage zu schaffen, welche fair ist und den Menschen schützt. In Polen gibt es momentan heftige Demonstrationen gegen das Abtreibungsverbot, welche mich zu diesem Beitrag inspiriert haben. Welche Ansichten gibt es zu diesem Thema und wie sollte darüber geurteilt werden?

Gesetzeslage in unterschiedlichen Ländern

Wenn man sich mit Abtreibungen auseinander setzt wird einem schnell klar, dass jede Entscheidung der Regierung nicht komplett richtig sein kann und alle Bürger komplett zufrieden stellt, da zwischen der Sicherheit des Kindes und der Freiheit der Mutter entschieden werden muss. Nationen gehen dabei unterschiedlich mit dem Recht, bzw. dem Verbot zur Abtreibung um.

In Deutschland ist es eigentlich gesetzlich verboten ein Kind abzutreiben. Allerdings wird hierbei die Strafverfolgung ausgesetzt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Schwangere muss mit dem Eingriff einverstanden sein
  • Die Schwangere muss mindestens drei Tage vor der Abtreibung ein Beratungsgespräch mit einem Arzt aufsuchen, welcher die Abtreibung letztendlich nicht durchführt
  • Das Kind darf zum Zeitpunkt der Abtreibung nicht älter als 12 Wochen alt sein

Die Kosten muss die betroffene Frau selbst übernehmen. Einige Frauen kritisieren, dass die Zahl der Kliniken hierzulande, welche bereit sind Abtreibungen durchzuführen in den letzten zehn Jahren um die Hälfte zurückgegangen sind. Grund hierfür ist das zunehmend schlechte Image der Abtreibung, aber auch die Tatsache, dass im Gynäkologie Studium Abtreibungen einen schwindend geringen Teil ausmachen. Für deutsche Frauen wird es also schwerer eine Schwangerschaft abzubrechen, weshalb immer mehr Frauen die Eingriffe im Ausland, wie in den Niederlanden, durchführen lassen.

Was hierzulande für einen großen Aufruhr bei den Abtreibungsbefürwortern gesorgt hat, war die Ankündigung von Jens Spahn, dass er eine Studie für fünf Millionen € in Auftrag gegeben hat um das „post abortion syndrome“ zu erforschen und zu belegen. Dieses Syndrom beschreibt, dass die Bedeutung und der Verlust durch eine Abtreibung der betroffenen Frau Jahre später bewusst wird und sie in Depressionen und Schuldgefühle stürzt. Dies würde laut manchen Wissenschaftlern die Frauen bis zum Suizid treiben. Allerdings widerlegen zahlreiche Studien diese Hypothese. Sie zeigen, dass nach längerer Zeit die eindeutige Mehrheit der Frauen ihre Entscheidung als richtig bezeichnet. Abtreibungsbefürworter bestreiten deshalb die Existenz dieses Syndroms und sehen die Studie als politisch motiviert.

Bekanntlich herrscht in den USA schon seit jeher eine gewaltige Debatte über Abtreibungsgesetze. Vor den wenigen Abtreibungskliniken, welche dort den Frauen zur Verfügung stehen, erwarten sie oft Anti-Abortion Anhänger, welche den Frauen Schuldgefühle einreden und sie des Mordes bezichtigen. Die Gesetzeslage ist in vielen Staaten eh schon ziemlich restriktiv, jedoch wollen jetzt einige Bundesstaaten wie Georgia die sogenannte „Heartbeatbill“ einführen und die Situation damit noch verschärfen. Dies bedeutet, dass sobald ein Herzschlag bei dem Embryo festgestellt werden kann, es der Frau untersagt ist die Schwangerschaft abzubrechen. Klingt zwar plausibel, allerdings kann der Herzschlag schon circa in der sechsten Schwangerschaftswoche nachgewiesen werden. Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen noch nicht einmal, dass sie ein Kind erwarten. Ihnen wird also keine Entscheidung geboten. Die Situation in Alabama ist allerdings noch extremer. Hier ist eine Abtreibung unter allen Umständen verboten, wenn das Leben der Mutter nicht akut gefährdet ist, selbst nach einer Vergewaltigung oder Inzest. In den anderen Bundesstaaten ist eine Abtreibung unter diesen Umständen noch legal.

Konservative Kräfte der Republikaner sind generell gegen Abtreibungen. Da viele Demokraten allerdings für die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen kämpfen, herrscht im Senat eine permanente Unsicherheit, wie man mit dem Thema umgehen soll, bzw. wie lange die aktuelle Gesetzeslage noch andauern wird. Neulich ist die liberale Richterin des Supreme Courts Ruth Bader Ginsburg verstorben und wurde durch die konservative Richterin Amy Coney Barrett ersetzt. Die strenggläubige Katholikin ist gegen Abtreibungen, weshalb eine Verschärfung der Gesetzeslage zu erwarten ist.

In anderen Bundesstaaten sind Abtreibung zwar teilweise zugelassen, allerdings gibt es oft in dem ganzen Staat nur eine einzige Klinik für diesen Eingriff, was es vielen Frauen unmöglich macht, die Schwangerschaft zu beenden.

Ganz anders sieht es in unserem Nachbarland Frankreich aus. Hier ist eine Abtreibung auch bis zur 12. Schwangerschaftswoche gestattet, jedoch muss die Frau zuvor keinem Beratungsgespräch beiwohnen. Außerdem werden in Frankreich die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Darüber hinaus ist es Hebammen gestattet eine medikamentöse Abtreibung durchzuführen. Jetzt fordern einige von ihnen das Recht ein auch den operativen Eingriff durchführen zu dürfen.

Aber was ist denn jetzt gerade in Polen los? In Polen sind die Möglichkeiten zur Abtreibung seit längerer Zeit ziemlich eingeschränkt, weshalb Frauen öfters ins Ausland fahren, z.B. nach Berlin um die Schwangerschaft zu beenden. Vor drei Wochen hat das Verfassungsgericht, welches von der Regierungspartei PiS gesteuert wird, entschieden, dass Abtreibungen verfassungswidrig sind, außer das Leben der Frau befindet sich in großer Gefahr. Dies bedeutet, dass Abtreibungen auch dann untersagt sind, wenn bei dem Kind beträchtliche Fehlbildungen vorliegen. Die Regierung hat darauf gehofft, dass dieser Entscheid in dem ganzen Medienrummel um das Corona-Virus untergehen würde, allerdings war dies nicht der Fall. Seit dem Beschluss streiken viele polnische Bürgerinnen aber auch Bürger. Die Großstädte sind natürlich die Zentren der Demonstrationen, jedoch weiten sich die Streike über das ganze Land aus: Selbst in kleinen Gemeinden werden Gottesdienste von Demonstranten gestürmt und Bauern demonstrieren mit Traktoren etc. Der Kirche wird Lobbyarbeit in Richtung des Verbotes vorgeworfen, weshalb sie sich gerade unter großer Kritik befindet. An Kirchen werden Slogans wie „Beschäftigt euch mit dem Körper Christi – Finger weg von den Frauen!“ geschmiert. Obwohl rund 73% der polnischen Bevölkerung den Entscheid als falsch beurteilt, lenkt die Regierung bisher nicht ein, sondern setzt auf den Einsatz von Polizei und Militärpolizei um die Proteste niederzuschlagen.

Abtreibungsgegner

„Der Mutterleib ist der gefährlichste Ort auf der ganzen Welt. Nirgendwo sonst kommen so viele Menschen ums Leben.“

Diese Aussage folgte auf die Statistik, dass jährlich mehr als 50 Millionen Kinder abgetrieben, also „ermordet“ werden. Rund die Hälfte wird unter medizinisch unsicheren Umständen durchgeführt. 75% der Abtreibungen in Afrika, Asien und Lateinamerika sind als nicht sicher eingestuft.

Vor allem religiöse Menschen hegen oft eine große Abneigung gegenüber Abtreibung. Beispielsweise Christen argumentieren hierbei oft mit dem fünften Gebot: „Du sollst nicht töten.“

„Manchmal spricht man über die Abtreibung, als ob keine Opfer da wären oder als ob nur die Frauen die Opfer einer verneinten Abtreibung werden könnten. Aber es gibt immer ein Kind. Dieses Leben wird im Falle einer Abtreibung aufgeopfert.“

  Rocco Buttiglione

Es ist äußerst schwierig festzustellen ab welchem Zeitpunkt von Mord gesprochen werden kann. Ist Verhütung schon Mord? Oder die Pille danach? Oder wird der Embryo erst als Mensch anerkannt, wenn er den Mutterleib verlässt? Jeder scheint auf diese Fragen eine eigene Antwort zu haben.

Leider argumentieren Abtreibungsgegner nicht immer sachlich. Des Öfteren werden von extremen Gegnern in Internet Falschmeldungen veröffentlicht um Frauen von ihrem Vorhaben abzubringen.

Ein weiterer, vielleicht nicht so offensichtlicher Aspekt ist die Rolle des Vaters. Die Entscheidung, ob das Kind geboren wird obliegt allein der Frau. Natürlich handelt es sich um den Körper eben dieser Frau, in welchem das Kind heranwächst, jedoch wird dem Mann jegliche Entscheidungsfreiheit genommen. Es ist immerhin auch sein Kind. Sobald das Kind den Mutterleib verlässt, hat der Vater allerdings ein eben so großes Mitbestimmungsrecht, wie die Frau. Er trägt mit dem Sorgerecht eine große Verantwortung für das Kind und ist dazu verpflichtet das Kind auch finanziell zu unterstützen. Ein Kind zu bekommen ist sowohl für Frauen als auch für Männer etwas Lebensveränderndes. Einzig der Frau wird allerdings mittels der Abtreibung die Möglichkeit geboten zu entscheiden, ob sie das Kind möchte oder nicht, während der Mann mit der Entscheidung der Frau und deren Konsequenzen leben muss. Was ist in dem Fall, dass die Frau das Kind nicht möchte der Mann aber schon? Natürlich sollte keine Frau zu einer Schwangerschaft gezwungen werden, aber der Mann verliert dadurch auch sein Kind.

Abtreibungsbefürworter

Ein wichtiger Punkt, welcher für die Abtreibung spricht, sind Krankheiten oder Fehlbildungen des Kindes, welches es lebensunfähig machen oder nur ein Leben unter schlimmen Zuständen und Schmerzen ermöglichen könnten. Hier ist die Frage, ob die Schwangerschaft nicht lieber frühzeitig beendet werden sollte um dem Kind und den Angehörigen Schmerz, Leid und Trauer zu ersparen. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit Tests vor der Geburt durchzuführen, welche Aufschluss über den Gesundheitszustands des Kindes liefern (über dieses Thema habe ich einen eigenen Beitrag verfasst: https://ethikblogs.de/?p=5043).

Außerdem hat die Geschichte gezeigt, dass Frauen oft bereit sind einige Risiken einzugehen, wenn sie sich entschieden haben ein Kind nicht zu wollen. Ob mit Schlägen auf den Bauch, mit Hilfsmitteln wie Stöcken, Ziegenhörnern, dem berühmten Kleiderbügel, der Einnahme von giftigen Substanzen oder schließlich mit Selbstmord: Eine Schwangerschaft ist auch ohne Zutun eines Arztes endlich. Ich denke jedem ist klar, dass eine derartige Abtreibung rein gar nichts mit gynäkologischem Wissen, Hygiene oder Sicherheit zu tun hat. Jedes Jahr sterben rund 47 000 Frauen an den Folgen einer Abtreibung. Studien belegen außerdem, dass es einen Zusammenhang zwischen restriktiven Gesetzen und der Sterbensrate von jungen Frauen gibt. Das heißt, eine einschränkende Gesetzeslage verhindert nicht die Schwangerschaftsabbrüche, sondern zwingt die Frauen die Abtreibungen unter laienhaften Zuständen durchzuführen und sich damit in Lebensgefahr zu bringen.

Einige Frauen beklagen sich über das Image von Abtreibungen. Die Beratungsgespräche seien manipulativ und wären nur dafür gedacht, die Frau von ihrem Vorhaben abzubringen. Außerdem ist es für manche unverständlich, wieso über das Thema nicht offen gesprochen wird und Frauen welche abgetrieben haben, dies verheimlichen wollen.

Eigene Meinung

Wie kann ein Staat richtig entscheiden? Ich finde dies sehr schwierig und bin froh, dass ich diese Entscheidung nicht für eine ganze Nation treffen muss. Nehmen wir mal einen Fall als Beispiel: In Nicaragua wurde eine Neunjährige vergewaltigt und wurde daraufhin schwanger. Der Staat zwang sie das Kind zu gebären. Dies scheint unverantwortlich. Wenn die Situation allerdings anders herum gewesen wäre, also wenn ein Gesetz, bzw. die Entscheidung ihrer Erziehungsberechtigten sie dazu gezwungen hätten gegen ihren Willen die Schwangerschaft abzubrechen, wäre dies dann besser gewesen? Ich bezweifle es.

Die Meinung, dass das Image der Abtreibung aufgebessert werden müsste, kann ich nicht unterstützen. Ich finde es außerdem legitim, dass die Beratungsgespräche darauf ausgerichtet sind die Schwangere, wenn kein driftiger Grund vorliegt, zu überzeugen, von ihrem Vorhaben abzulassen. Eine Abtreibung sollte meiner Meinung nach auch nicht in der Gesellschaft als etwas normales und alltägliches angesehen werden, da es immerhin die Entscheidung ist einem Menschen seiner Zukunft zu berauben. Ich finde es unverantwortlich, dass tatsächlich manche Frauen sich weigern zu verhüten, trotzdem ein reges Sexleben führen und dann einfach ab und zu abtreiben. Dafür sollte eine Abtreibung nicht genutzt werden! Natürlich sollte eine Frau für diese Entscheidung nicht geächtet werden, trotzdem finde ich es oftmals nicht gut. Trotzdem muss die schlussendliche Entscheidung der Frau respektiert werden. (Ich beziehe mich hier nur auf Fälle, in welchen keine Ausnahmen wie eine potentielle Gefährdung, ein extrem junges oder altes Alter der Mutter oder andere unschönen Umstände wie eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung oder grausame Lebensumstände vorliegen). Wichtig ist in meinen Augen ein sachlicher Umgang mit Informationen. Ärzte müssen auch über dieses Thema bestens aufgeklärt sein und Frauen muss der Zugang zu den Informationen möglich sein. Wenn man vielleicht das Adoptionssystem aufbessern würde, würden sich mehr Frauen gegen eine Abtreibung entscheiden. Allerdings bringen Ignoranz und Lügen in dieser Angelegenheit rein gar nichts. Den Frauen muss ein offenes Ohr geboten werden, so können Probleme im Leben der Frau, welche sie zu dieser Entscheidung drängen eventuell gelöst werden.

Was haltet ihr von dem Thema? Seht ihr einen Schwangerschaftsabbruch als Entscheidung, welche jede Frau für sich selber treffen kann oder eher als absolutes Vergehen? Wie sollte die Gesetzeslage eurer Meinung sein: Liberal, moderat oder doch restriktiv?

Quellen

Lässt sich die Todesstrafe ethisch rechtfertigen?

„Die Todesstrafe verstößt ganz grundlegend gegen die Menschenrechte. Sie verletzt das Recht auf Leben und stellt eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe dar. Darüber hinaus hat die Todesstrafe keine größere Abschreckungswirkung als beispielsweise langjährige Haftstrafen.“ (Zitat von Oliver Hendrich nach https://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/232224/todesstrafe zuletzt aufgerufen am 12.07.2020)

Oliver Hendrich ist Mitglied der Amnesty International und plädiert gegen die Todesstrafe. Die Amnesty (≙ Begnadigung, Straferlass) International ist eine globale Bewegung und setzt sich gegen Ungerechtigkeit ein. Ihr Ziel ist es Hoffnung zu bringen und Menschenrechte allgemein gültig zu machen, um dies zu verwirklichen versuchen die Mitglieder Verbrechen aufzudecken und über sie zu berichten. Außerdem kontrollieren sie Regierungen und Firmen auf die Einhaltung der Grundrechte.

Dennoch ist die Todesstrafe heutzutage in einigen Ländern legal. Genaue Zahlen in welchen Ländern Hinrichtungen ausgeführt werden und wie viele es pro Land sind, gibt es nicht bzw. kaum. Die Amnesty International hat jedoch ein Ranking erstellt, das zeigt, dass die meisten Hinrichtungen in China (Tausende, Zahlen werden geheim gehalten), Iran (251+), Saudi-Arabien (184), Irak (100+) und Ägypten (32+) ausgeführt werden. Darauf folgt die USA (22).

Das entsprechende Schaubild mit weiteren Informationen ist unter https://www.amnesty.de/sites/default/files/2020-04/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf auf Seite 4 zu finden.

Nun stellt sich die Frage, was für und gegen die Todesstrafe spricht.

Für die Todesstrafe spricht, dass sie als Abschreckung vor schlimmen Straftaten wie Mord und Vergewaltigung dienen kann. Man könnte davon ausgehen, dass Täter, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht, das Begehen einer Straftat unterlassen. Jedoch gibt es für diese Behauptung keine Beweise und in der Praxis hat das Abschaffen der Todesstrafe in den entsprechenden Staaten keine negativen Folgen. Dies könnte zum einen daran liegen, dass gewaltsame Verbrecher anders als wir denken und das Begehen der Straftat ihnen wichtiger als ihr Leben ist. Für andere könnte der Reiz eine Straftat zu begehen größer sein, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht. Zudem wird die Todesstrafe in einigen Ländern bereits für gernigere Verbrechen, wie zum Beispiel der Handel von Drogen oder Staatsfeindschaft, verhängt

Ein weiteres Argument für die Todesstrafe wäre, dass durch die Todesstrafe das Risiko des aus dem Gefängnis Ausbrechens ausgeschlossen wird. Wenn ein Mörder umgebracht wurde, müssen Zeugen keine Angst mehr haben, dass er aus dem Gefängnis ausbrechen könnte oder vorzeitig entlassen wird. Ausbrüche aus dem Gefängnis sind jedoch sehr selten, in Deutschland liegen oft Jahre zwischen Ausbrüchen, allerdings bricht meistens immer eine Gruppe von Inhaftierten aus. Empfehlenswert ist es für die Gefangenen nicht, da sie relativ schnell gefunden werden. Sie haben keine Papiere, keine Wohnung und keinen Beruf und die Polizei hat eine Liste mit ihren sozialen Kontakten, bei denen sie Zuflucht suchen könnten. Somit können sie meist nicht lange flüchten und wenn sie von der Polizei wieder in Gewahrsam genommen werden, haben sie keine Chance mehr vorzeitig entlassen zu werden und kommen meist in einen Hochsicherheitstrakt. Das können sie nur umgehen, indem sie sich selbst stellen, bevor die Polizei sie findet. Was das Entlassen aus dem Gefängnis betrifft sind die Rückfallzahlen, die Morde betreffen, extrem gering. Dies könnte daran liegen, dass Täter nur entlassen werden, wenn sich Fachleute sicher sind, dass der Täter keine erneute Straftat begehen wird.

Man könnte die Todesstrafe zudem nach der Redewendung „Wie du mir, so ich dir“ als gerechte Strafe für einen Mörder ansehen. Angehörige und Freunde des Opfers wird es eventuell die Wut nehmen, wenn es dem Täter ähnlich wie dem Opfer ergeht. Auch allgemein könnte man dies als Gerechtigkeit bezeichnen, da der Täter das was er einem Menschen angetan hat, selbst spüren muss.

Allerdings stellt sich hierbei die Frage, ob Rache ein gutes Konzept ist und ob Rache in so großem Maße legitimiert werden sollte. Die Exekutive eines Staates sollte stets eine Vorbildfunktion für den Bürger sein und Rache erfüllt keinerlei Vorbildfunktion. Vermutlich ist es allgemein besser, wenn der Staat Gewalt ablehnt und nicht gewaltgeprägt handelt.

Ein weiterer Grund für die Todesstrafe wäre, dass eine lebenslängliche  Gefängnisstrafe den betroffenen Staat viel Geld kostet. In den USA gibt es des öfteren Wirtschaftskrisen, weshalb Gefangene bereits entlassen werden mussten. Man könnte nun denken, dass sich dies durch die Todesstrafe ändern könnte, jedoch kosten die Vorbereitung einer Hinrichtung und die letztendlich Hinrichtung durchschnittlich dreimal so viel wie lebenslange Inhaftierung. Das liegt in den USA daran, dass Inhaftierte oft jahrelang bis zu ihrer Hinrichtung warten müssen. Der Durchschnitt lag 2012 nach der Süddeutschen Zeitung bei 15 Jahren. Letztendlich werden viele Verbrecher nach langer Wartezeit doch nicht hingerichtet, wobei sie in dieser Zeit enormer psychischer Belastung ausgesetzt waren.

Weitere Gründe, die gegen Hinrichtungen sprechen, wären, dass Hinrichtungen gegen die Menschenrechte verstoßen. Jeder hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Persönlichkeitsrechte). Derzeit sind Menschenrechte noch nicht weltweit gültig, weshalb die Todesstrafe nicht gegen das Völkerecht verstößt und somit in manchen Ländern noch Gültigkeit erlangt.

Zudem erleiden einige Hingerichteten einen oft einen grausamen Tod. Über Komplikationen bei der Giftspritze schreibt die Zeit: „Bei jedem 14. Todeskandidaten in den USA (sieben Prozent), der per Injektion hingerichtet wird, treten Schwierigkeiten auf, schätzen Experten. Oft quälen sich zum Tode Verurteilte minutenlang, während sie sterben: Sie ringen nach Luft, bäumen sich auf und verziehen das Gesicht vor Schmerzen. 2014 starb Clayton Lockett auf der Liege der Todeszelle nicht etwa an den Medikamenten der Giftspritze, sondern an einem Herzinfarkt – eine Nebenwirkung der stressigen Hinrichtung.“ (Zitat nach https://www.zeit.de/wissen/2017-04/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq/komplettansicht). Dies läge daran, dass Ärzte sich aufgrund ihres Berufsethoses oft weigern Hinrichtungen durchzuführen. Dadurch muss auf kaum dafür ausgebildetes Gefängnispersonal zurückgegriffen werden.

Zuletzt ist es nicht auszuschließen, dass Unschuldige hingerichtet werden. In einigen Fällen konnte man dies später durch DNA-Untersuchungen beweisen. Manche Menschen wurden kurz vor ihrer Hinrichtung als unschuldig erklärt. Natürlich ist es ebenfalls grausam, wenn ein Unschuldiger ins Gefängnis muss, ihn kann man jedoch wieder entlassen und entschädigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Todesstrafe nicht ethisch vertretbar ist. Meiner Meinung nach werden Menschen, die andere Personen, selbst wenn diese Verbrecher sind, hinrichten, auch zu Mörder. Kein Mensch sollte das Recht haben, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen oder auch nur zu entscheiden, dass das Leben eines anderen Menschen frühzeitig beendet werden soll. Dies lässt sich auch auf die Grundlagen des Christentums, nämlich auf das 5. Gebot „Du sollst nicht töten“, übertragen. Aus meiner Sicht hat jeder eine zweite Chance verdient, dazu zählen auch Gewaltverbrecher, denn diese haben oft psychische Probleme und können sich eventuell durch eine entsprechende Therapie bessern. Die Todesstrafe ist zumeist aus historischen Gründen oder um politische Symbolkraft zu verleihen, bestehen geblieben und meiner Meinung nach veraltet.

Empfehlung (Warnung, nichts für schwache Nerven!):

https://youtu.be/wRP2a9pPw7Y

In diesem Video werden die letzten 24 Stunden vor einer Hinrichtung in Amerika gezeigt. Die Menschen essen ihre letzte Mahlzeit, dürfen den letzten Anruf tätigen, mit dem dortigen Pfarrer reden und wählen, wie sie umgebracht werden. Die Methoden unterscheiden sich in den Bundesstaaten. Auf erschießen, erhängen, vergaßen, eine Gift Injektion und den elektronischen Stuhl wurde genauer eingegangen. Zudem werden beteiligten Personen interviewt.

Quellen:

„Es gibt einen klaren Trend gegen die Todesstrafe“, Oliver Hendrich. September 2016. https://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/232224/todesstrafe  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Amnesty International. https://www.amnesty.org/en/who-we-are/  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

AMNESTY INTERNATIONAL GLOBAL REPORT – DEATH SENTENCES AND EXECUTIONS 2019. April 2019. https://www.amnesty.de/sites/default/files/2020-04/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

AMNESTY-BERICHT ZUR TODESSTRAFE 2019. April 2020. https://www.amnesty.de/allgemein/pressemitteilung/amnesty-bericht-zur-todesstrafe-2019  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Hauptsache, hinrichten, Sven Stockrahm und Jakob Simmank. April 2017. https://www.zeit.de/wissen/2017-04/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq/komplettansicht zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Vice – Wir haben einen Kriminologen gefragt, ob es sich lohnt, aus dem Gefängnis auszubrechen, Matern Boeselager. Januar 2018. https://www.google.com/amp/s/www.vice.com/amp/de/article/ev5pea/wir-haben-einen-kriminologen-gefragt-ob-es-sich-lohnt-aus-dem-gefangnis-auszubrechen zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Süddeutsche Zeitung – Wie sich der Strafvollzug in den USA wandeln muss, Jörg Häntzschel. Mai 2012. https://www.sueddeutsche.de/politik/mildere-strafen-vorzeitige-entlassungen-warum-sich-der-strafvollzug-in-den-usa-wandeln-muss-1.1346389-3 zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020 – John Stuart Mill und der Utilitarismus

Datum: 26.06.2020

Klassenstufe: K1

Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn

Teilnehmer: 15 von 15 Schülern

Inhalt

Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br über den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende gehört und anschließend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. Moonlight hat in ihrem Beitrag vom 25.06.2020 die Lösungen des Arbeitsauftrages bereits gut zusammengefasst, weshalb ich nicht mehr detailliert darauf eingehen werde. Hier als Übersicht eine grobe Zusammenfassung und am Ende dieses Beitrages findet ihr den passenden Aufschrieb.

Der Utilitarismus laut John Stuart Mill – Zusammenfassung

Das Gemeinwohl wird über das Wohl des Einzelnen gestellt. Grundsätzlich sollen jedem Individuum größtmögliche Freiheiten eingeräumt werden, außer dies könnte dem kollektiven Gemeinwohl schaden. So lehnt diese Philosophie ungleiche Gesellschaftsformen ab, in welchen kleine Eliten den Großteil des Gesamtvermögens besitzen. Um eine utilitaristische Gesellschaft zu ermöglichen, dürfen die einzelnen Teilnehmer der Gesellschaft keine egozentrischen Weltanschauungen vertreten, sondern müssen stets das Gemeinwohl im Auge behalten (→ Wohlverstandenes Eigeninteresse). John Mills Theorie widerspricht der von Jeremy Bentham in dem Punkt, dass laut Mill Leid und Glück nicht quantitativ, sondern qualitativ gemessen werden muss. Hierbei ist vor allem die Langfristigkeit des Leids oder Glücks ausschlaggebend, also welche Folgen die Handlung mit sich bringt. Hat eine Handlung die Tendenz langfristiges Glück zu befördern, so wird sie von Mill als gut erachtet. Er sprach auch oft von Lust. Damit war allerdings nicht die sinnliche Lust, sondern die Freude an geistiger Betätigung gemeint.

Gerecht ist was dem Kollektiv nützt. Hier spielt vor allem der Pro-Kopf-Nutzen, d.h. das durchschnittliche Glück, welches die Beteiligten erleben, eine wichtige Rolle. Der Zweck kann also die Mittel heiligen. Dies ist aus heutiger Sicht allerdings fraglich, da menschenunwürdige Mittel nicht durch eine positive Konsequenz ausgeglichen werden können.

1867 wurde das britische Wahlrecht reformiert, wodurch die Anzahl an Wahlberechtigten ungefähr verdoppelt wurde. Hierbei war John Stuart Mill maßgeblich beteiligt. Er forderte allerdings ein Zensuswahlrecht auf der Grundlage von Bildung, um eine Tyrannei der ungebildeten Mehrheit zu verhindern.

Trotz seiner liberalen Ansichten, sah Mill es als die Aufgabe vom Staat und der Gemeinschaft bei der Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Heizung die Bürger zu unterstützen. Außerdem war es seiner Meinung nach legitim, wenn der Staat beispielsweise die Alkoholpreise erhöht, um so die Bürger vor sich selbst zu schützen.

Das Trolley-Dilemma

Den Rest der Stunde haben wir uns mit dem Trolley-Dilemma befasst. Hierbei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in welchem man sich in Situationen hineinversetzt, bei denen es keine gute Lösung gibt, da beispielsweise über Menschenleben abgewägt wird. Bekannt hierbei ist vor allem das Modell des Zuges. Man nimmt die Position des Weichenstellers ein, welcher entscheiden muss auf welchem Gleis der Zug weiterfährt. Das Problem ist, dass egal wie man sich entscheidet, die Situation stets ein schlechtes Ende nimmt, da auf beiden Gleisen sich z.B. unterschiedliche Anzahlen an Bauarbeitern befinden.

Hierzu haben wir das Video „Filosofix: Das Gedankenexperimet „Straßenbahn““ von dem SRF geschaut und ein passendes Arbeitsblatt bearbeitet. Auf diesem muss man selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg der Zug nehmen soll.

Der Zug tötet entweder:

  1. Einen oder fünf Bauarbeiter.
  2. Fünf Bauarbeiter oder einen dicken Mann, den man selbst von einer Brücke schubsen muss und welcher den Zug stoppen würde.
  3. Einen Bauarbeiter oder fünf Bauarbeiter, zu denen man selbst gehört.
  4. Einen selbst oder fünf Bauarbeiter.

Nach der Besprechung in der Klasse, hat sich herausgestellt, dass sich die meisten folgendermaßen entschieden haben:

  1. Die fünf Bauarbeiter retten und den Einen opfern.
  2. Den dicken Mann nicht schubsen, da dies eine mutwillige Tat wäre und einen Unbeteiligten involvieren würde.
  3. Den einzelnen Arbeiter opfern und sich selbst sowie die vier anderen Arbeiter retten.
  4. Intuitiv würde sich wahrscheinlich jeder selbst retten. Hätte man allerdings länger Zeit zu überlegen, würden sich eventuell manche selbst opfern.

Gemeinsam als Kurs haben wir per Mehrheitsabstimmung den Test der Moral Machine durchgeführt. Hierbei entscheidet man in verschiedenen Szenarien, wie ein autonomes Auto in ausweglosen Situationen zu reagieren hat. Das Prinzip ist wie oben dasselbe: Man muss zwischen Leben abwägen. In diesem Gedankenexperiment geht es jedoch nicht nur darum, wie bei den Bauarbeitern die Quantität an Leben abzuwägen, sondern die Qualität muss auch berücksichtigt werden. Der Simulator stellt einen vor Entscheidungen, bei welchen die Anzahl, das Geschlecht, die soziale Stellung, das Alter, die Befolgung der Gesetze (Fußgänger überqueren die Straße bei rot/grün) und sogar die Spezies (Haustiere sind auch Teil der Aufgabe) abgewogen werden müssen. Ein angenehmes Gefühl hinterlässt das Gedankenexperiment nicht wirklich. Trotzdem war das Ergebnis sehr interessant. Nach der Beendung der Simulation, wird eine Zusammenfassung erstellt, welche Präferenzen sich während der Durchführung gezeigt haben. In unserem Kurs sah dies wie folgt aus: Im Durchschnitt hat unser Kurs sehr utilitaristisch entschieden, was sich z.B. durch das Retten von Ärzten zeigte. Es wurden von der Mehrheit eher Männer gerettet, genauso wie jüngere und sozial höher gestellten Menschen Vorrang gegeben wurde. Bei der Entscheidung zwischen Mensch und Tier hat sich der Kurs stets für den Menschen entschieden.

Führt den Test einmal selbst durch und schreibt in die Kommentare, wie eurer Ergebnis lautet. Findet ihr die Entscheidungen unseres Kurses richtig oder hättet ihr anders gewählt? Ihr könnt auch gerne zu dem oberen Dilemma mit den Bauerbeitern Stellung beziehen.

Aufschrieb

Grundgedanken

  • Gerechtigkeit
  • Allgemeinwohl vor Eigenwohl → Pro-Kopf-Nutzen steigern
  • Größtes Glück für die größte Zahl (an Menschen) → „Pig philosophy“? →langfristiges Glück, Bildung, Qualität des Glücks ( ↯ Gegensatz zu Bentham) →auch Einschränkungen der Freiheit Einzelner möglich

Kritikpunkte

  • „Pig philosophy“ (Gegner vertreten die Meinung, Mills Philosophie würde ausschließlich kurzfristige Lust erzielen)
  • Einzelinteressen werden geopfert
  • Zensuswahlrecht (Interessen von Arbeitern und Unterschicht werden nicht vertreten)
  • Gerechtigkeit ist subjektiv, wird auch von außen beeinflusst
  • Zweck kann Mittel heiligen, auch wenn diese menschenunwürdig sind

Grundprinzipien des Utilitarismus

  • Konsequenzen: Nicht die Motive, sondern die Folgen entscheiden über die Moralität und Gutartigkeit einer Handlung
  • Utilität: Der Nutzen ist der Maßstab nach dem eine Handlung beurteilt wird
  • Hedonistisches Prinzip: Das allerhöchste Gut ist die Lust oder das Glück (pleasure)
  • Prinzip der Universalität: Nicht die Individuen, sondern die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Quellen

Die Frage nach Gerechtigkeit

Es ist heiß.
Ich gehe mit meiner kleinen Schwester durch die Stadt, wir besorgen uns Eis, gehen in den Park. Setzen uns in den Schatten einer großen Linde. „Kim!“, ruft sie plötzlich, aufgesprungen und losgerannt zu der großen Statue, die auf dem gegenüberliegenden Platz steht. „Was ist denn?“ gebe ich -zugegebenermaßen: genervt – von mir. „Wieso hat die Frau denn verbundene Augen? Und was macht die überhaupt?“ fragt sie und ich muss erst mal hochschauen, gegen die Sonne. Oh das ist ja Justizia!

Keine blöde Frage, die meine Schwester da gestellt hatte.
Allgemein bekannt ist ja, dass Justizia ein Zeichen der Gerechtigkeit ist. Beziehungsweise der Rechtsstaatlichkeit. Oder beidem? Aber was ist denn Gerechtigkeit? Aristoteles hatte ja die Idee, dass Gerechtigkeit eine Tugend ist, die nur in konkreten Handlungen oder Taten zum Vorschein kommt, und unterschied zwischen Gerechtigkeit zwischen Staat und Bürger sowie Bürger und Bürger. Fehlverhalten sollte berichtigt werden. Aber ist das „nützlich“? Und kann ich das tun? Bzw. ein Staat, in dem er über jemanden entscheidet? Wenn jemand vor Gericht kommt, weil er etwas gestohlen hat, dann wird zum einen sein Motiv gewertet, also die Beweggründe, weshalb er die Tat beging, des weiteren die Tat selbst: Wie war der Tathergang? Wie groß der Wert des entwendeten Objekts? Und weiter: Wenn nun eine Geldstrafe verhängt wird, oder bei schlimmeren Vergehen sogar die Freiheitsstrafe, wird über die Zukunft des Angeklagten entschieden. Man geht also davon aus, dass der Schaden ausgeglichen werden muss, im materiellen Sinn (-> Geld) oder im immateriellen (->Freiheitsstrafe), und dass dies von einem Staat angeordnet werden muss. Dafür steht dann das Schwert der Justizia, also für die Durchführung der Gerechtigkeit. Nun geht man also davon aus, dass der Täter diese Tat nicht von selbst begleichen oder reflektieren würde.

Das heißt, es gibt kein Vertrauen darauf, dass er dies tun würde, bzw. die Tat gar nicht erst begehen würde, was man ja an geläufigen Kriminalitätsraten durchaus als rationale Entscheidung nachvollziehen kann.

Das heißt, dar Rechtsstaat ist eine Absicherung, falls doch etwas schief geht. Falls der Mensch die Grenze übertritt, die Grenze, an der die Freiheit des anderen beginnt. 

In einer optimalen Gesellschaft bräuchte man das also nicht. Jeder würde sich gerecht verhalten.

Keine Justizia mehr benötigt? Aber nein, sie steht noch da, auf dem Platz mit dem Kopfsteinpflaster und den roten Bänken, Sie ist keine Illusion, keine Vision, sie steht da. Und da ist meiner Meinung nach der Punkt: In einer Utopie der gerechten Gesellschaft handelt jeder gerecht. „Gerecht“ ist aber Definitionsfrage. Das geht schon beim Eis los: Wer bekommt am meisten?

Der, der am meisten benötigt?

Oder am meisten geleistet hat?

Oder, wie Walter Rathenau meinte: Allen das Gleiche?

So geht es aber nicht nur in der Nachtischdebatte zu, sondern auch bei der Steuerpolitik: Kann man, aufgrund des wachsenden Abstandes zwischen arm und reich, Steuern auf große Erbschaften, Kapitalerträge und Immobilien erhöhen, da „die (…) Konzentration von Reichtum in einer demokratischen Gesellschaft nicht zuträglich ist“, wie es Hannes Koch 2005 formulierte? Natürlich kann man hier auch fragen, ob der Kapitalismus an sich gerecht ist: Hayes meinte hierzu, er sei das, da der Markt sich selbst regle, sie starken ihren Lohn bekommen, die faulen bzw schwachen eben weniger. Wobei die Frage ist, wo dann die Empathie bzw. die christliche Nächstenliebe bleibt, wenn im Kapitalismus jeder nach größtmöglichem Eigenerfolg strebt. Mit Kapitalismuskritiker könnte man jedoch etliche weitere Seiten füllen – wäre der Kapitalismus diesem Aufwand gerecht ;)? -deshalb zurück zum Platz der Justizia:

Es gibt also unterschiedliche Weisen, Gerechtigkeit zu definieren: Einer meint, es wäre gerecht, die schwachen auf die roten Bänke sitzen zu lassen, ein anderer meint, die, die hart gearbeitet haben, dürfen sich unter dem Baum ins weiche Gras in den Schatten legen, der nächste ist der Auffassung, alle müssen auf dem Kopfsteinpflaster stehen. Und da eben nicht alle einer Meinung sein werden, diskutiert man eben zu siebenhundertneunt, lässt Gesetzte entwerfen, beschließen, die eben von den Personen in schwarzer Robe angewendet werden: Um sich auf die eine „Norm“ zu einigen. Die nie alle einhalten werden, da es eben nie der Meinung aller 80 Millionen entsprechen wird.

Ist absolute Gerechtigkeit also eine Illusion, etwas, das nie erreicht werden kann? Um die Frage, nach dem was kommen wird zu beantworten, kann man einmal den Blick auf das was war wenden:

Das erste, was einem hierbei einfällt, ist vermutlich die griechische Polis: Um die Gerechtigkeit auszuloten, wurden in regelmäßigem Abstand andere Mitglieder des „Parlaments“ durch den Zufall des Loses bestimmt. Und kann es etwas gerechteres geben als den Zufall? Doch trotz alledem traf die Möglichkeit, mitbestimmen zu können. nur auf Bürger zu. Sklaven und Frauen waren nicht mutinbegriffen.

Selbst heute scheint es, als hätten sich die Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen der einen Gruppe durch die andere keineswegs aufgelöst, sondern sich nur in post-kolonialer Abhängigkeit über den gesamten Globus erstreckt und verschlimmert. 

Und trotzdem gibt es jeden Tag Menschen, die für ihre Rechte oder die anderer einstehen, Gerechtigkeit fordern und fördern. Nelson Mandela? Malala? Schindler? Manchmal genügt das sitzenbleiben einer Person zum Aufstand der Welt: Rosa Parks. Greta Thunberg. Manchmal fordert es hartnäckigen, langwierigen zivilen Ungehorsam: Mahatma Grandi. Wobei letzterer bekanntlich für seine Vision von einem Andersdenkenden  erschossen wurde.. Also doch nur Illusion?

Mein Blick fällt wieder auf die Statue. Sie ist noch da. Vielleicht benötigt es nur Menschen, die sie sehen. Wie meine Schwester. Die aus der Illusion eine Vision machen

„Kim!!! Was ist denn jetzt?“ Ja hmmmmm. Wie erkläre ich das jetzt?

„Schau die Frau hat die Augen verbunden dass sie uns nicht sieht, die Waage, dass sie entscheiden kann, ob wir lieb zueinander sind. Das Schwert ist zum drohen da…“ (Nicht gerade pathetisch)

Fragend blickt mich meine 5-jährige Schwester mit großen Augen an.

„Ok…wieso braucht man das denn? Naja, egal, Erwachsene sind ja manchmal komisch. Aber hey, magst du mein Eis haben? Ich kann nicht mehr!“

„Klar“, grinse ich. Kinder brauchen auch gar keine Erklärung, manche haben es einfach schon verinnerlicht – auch wenn sie es gar nicht wissen kann.

Quellen:

  • Mahatma Ghandi – „Was für einen Menschen möglich ist, ist für alle möglich“ , (2015), Planet Wissen -ARD
  • Lady_Justice (07.01.2020)
  • Bedenkliche Schieflage, (2015), Hannes Koch
  • Auf dem Fechtboden des Geistes. Aphorismen aus seinen Notizbüchern, Walther Rathenau (1953)
  • Eigenes Gehirn 🙂

#IStandWithMaya – Unterstützung einer transfeindlichen Welt?

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist nicht immer die Gesellschaft, in der man leben will. Nicht jeder kann sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen einigen. Deshalb kommt es im Internet und in der Öffentlichkeit immer mehr zu Diskussionen, Meinungsäußerungen und Auseinandersetzungen. Während sich viele als Individuum in unserer Gesellschaft nicht zurechtfinden, setzen sich andere für ihre bestimmten und individuellen Vorstellungen und Werte ein. So löst auch Harry Potter-Autorin J.K.Rowling eine große Internet-Debatte aus und muss um einiges an Kritik und Empörung einstecken. Über Twitter hat sich die Autorin zu der Kündigung von Maya Forstater geäußert, was viele Fans schockiert. In einem Tweet, veröffentlicht am 19. Dezember 2019, verteidigt J.K. Rowling die genderkritische Wissenschaftlerin Maya Forstater, die aufgrund transfeindlicher Aussagen auf Twitter ihren Job verloren hat. Zum einen hat die Steuerfrau dazu aufgerufen, den Sender Recognition Act zu reformieren, der Trans Menschen erlaubt, ihr Geschlecht auszugleichen. Maya Forstater sagte in einer respektlosen Schreibweise aus, dass Männer nicht zu Frauen werden könnten. Sie glaubt nicht, dass ‚Frausein‘ eine Frage der Identität oder weiblicher Gefühle ist. Für Maya Forstater zählt die Biologie und dass beide Geschlechter nicht beschränkt oder diskriminiert werden sollten, weil sie den traditionellen, geschlechtsspezifischen Erwartungen nicht entsprechen.

Durch das Anklicken des Links https://twitter.com/mforstater?lang=de könnt ihr euch einen eigenen Zugang zu den Äußerungen von Maya Forstater verschaffen.

J.K. Rowling unterstützt die Frau über Twitter, bestätigend mit dem Hashtag #IStandWithMaya. Sie schreibt:

Die Empörung vieler Fans von dieser Autorin ist groß. Eine selbst betroffene Frau schreibt davon, als Kind Zuflucht in den Büchern gesucht zu haben und dass ihre Vorstellung von Hogwarts durch die Ansichten der Autorin geplatzt sind. Ein schwuler Fan schreibt: “Knowing that Trans people wouldn’t be able to have that safety, breaks my heart.“ Auch einem Buchhändler namens Linus Giese geht es zu weit. Er schreibt, es gäbe keine Entschuldigung mehr dafür, nicht zu wissen, dass J.K. Rowling transfeindlich sei.

Ich selbst bin ein begeisterter Fan von den Harry Potter Büchern und Filmen, und bin entsetzt davon, dass sich J.K. Rowling mit dem Hashtag öffentlich auf die Seite gegen transsexuelle Menschen stellt. Die Enttäuschung der Fans lässt sich eindeutig nachvollziehen, jedoch sagt die Autorin mit ihrem Tweet ebenso die Freiheit des Menschen aus, wie dass man sich beispielsweise anziehen soll wie man will. Zwar beschreibt J.K. Rowling, dass man sein bestes Leben in Frieden und Sicherheit leben soll, jedoch erscheint es für mich widersprüchlich, wenn man die Message mit den Reaktionen der Fans vergleicht, die sich nicht mehr in Hogwarts sicher fühlen können. Zum anderen lässt sich die Frage stellen, ob man die erfundene, fesselnde Welt der Autorin mit der Realität gleich stellen sollte, um sich persönlich zurückziehen zu können. Meinem Verständnis zufolge sagt J.K. Rowling aus, dass man zu sich stehen sollte und das machen sollte, was man selbst für richtig hält. Dennoch sollte man den eigenen Körper akzeptieren und dazu stehen, was man aus biologischer Sicht ist. Sie differenziert zwischen “wer man ist“ und “was man ist“. Ich verknüpfe das mit der Frage der Existenz des jeweiligen Individuums, dass der Mensch erst existiert und sich danach erst selbst definiert, wodurch die Identität nicht das Geschlecht miteinbezieht.

Der Mensch hat das Privileg, sich selbst zu gestalten, seine eigenen Normen zu erdenken und seine Individualität zu erkennen. Doch was haltet ihr von den Äußerungen von Maya Forstater und J.K. Rowling? Findet ihr sie berechtigt, missverstanden oder tatsächlich angreifend gegenüber der verschiedenen Identitäten?

Quelle:

https://www.google.de/amp/s/ze.tt/transfeindlichkeit-j-k-rowling-veraergert-mit-einem-tweet-tausende-fans/amp/

Frauen in Islam

Der Umgang mit Frauen ist abhängig von dem Land in dem sie leben und ihre Religion, obwohl Frauen überall gleiche Rechte haben sollten und dementsprechend überall gut behandelt werden sollten. Dennoch spielt Religion eine größere Rolle im Leben einer Frau, da auch wenn man in einem nichtislamischem Land lebt trotzdem sich an die Religion halten muss, ansonsten gibt es schlimme Konsequenzen seitens der Familie.

Die muslimische Männer haben nur ein bestimmtes Frauenbild im Kopf, eins in dem Gleichberechtigung wie auch Selbstbestimmung nicht existiert. Ihrer Meinung nach sollte eine ehrbare Frau/Mädchen nicht alleine unterwegs sein und schon gar nicht erst nachts, sie sollte stets zur Familie stehen und aufs Wort hören. Frauen die viel unterwegs sind, zeit in Bars und Diskotheken verbringen, tanzen und Spaß haben, sind gleich zu haben und dienen dem Vergnügen. Somit ist es kein Unrecht sie zu beleidigen oder anzufassen, schließlich wollen sie nicht anders.

Die Ironie in dem ganzen ist dass diese Männer nicht einmal strenggläubige Muslime sind und man sie oft Alkohol trinken und manche Drogen nehmen sieht. Man kann deutlich sagen, dass dieses Verhalten nicht dem eines gottgefälligem Leben entspricht, aber sie sind in dem Glaube dass eine Frau einen minderwertigen Status haben sollte, aufgezogen worden und kennen es somit nicht anders.

Sollten nichtmuslimische Männer ihre Frauen schlagen oder sie umbringen, wird in den Nachrichten von tragischen Beziehungstaten gesprochen. Während die westliche Gesellschaft Gewalt, Rachemord und Vergewaltigung verurteilt, werden diese Taten in Islam sogar legitimiert. Als Beispiel könnte man den Umgang mit Vergewaltigungsopfern nehmen. Eine Frau/Mädchen, die in einem islamischen Land einen sexuellen Übergriff meldet, wird oft selber dafür bestraft. Die Frauen werden selbst in Haft genommen, weil ihnen “vorehelicher Geschlechtsverkehr“ vorgeworfen wird. Man wertet eine Vergewaltigung als ausserehelichen Sex, wenn der Täter nicht geständigt oder die Frau nicht vier männliche Zeugen benennen kann. Ist die Frau verheiratet, wird sie sogar wegen Ehebruchs verurteilt und ihr kann sogar die Steinigung drohen.

Die islamischen Frauen/Mädchen flüchten aus diesen Gründen mit ihren Familien in die westliche Länder um für sich und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu haben und das Leben genießen zu dürfen. Sie haben zwar auch Regeln und Traditionen in der Familie an die sie sich halten, aber mehr Freiheit als in den islamischen Ländern.