Wie sehr bestimmt unsere Nationalität unsere Identität ?

Langsam nähert sich die Schulzeit ihrem Ende zu und desto näher dieser Moment kommt, desto größer wird die Frage :“Was dann ?“

Neulich sollten wir uns in unserem Spanisch-Kurs auf die Frage „Wollt ihr aus eurem Leben später ausbrechen und wenn ja wie ?“ ( eine Referenz auf die „movida madrileña“ in den 80-ern in Spaniern https://de.wikipedia.org/wiki/Movida_madrile%C3%B1a ) in drei Bereiche positionieren :

Ja : also man will raus aus Deutschland oder aus seinem „normalem“ Leben, was auch einfach eine groß Stadt sein kann.

Eventuell mal.

Nein : also ich bin glücklich mit meinem Leben hier auf dem Lande und kann mir nichts besseres vorstellen.

Das Ergebnis war recht ausgeglichen und ich positionierte mich zu den „Ja“ Menschen, denn dieses Thema ist eines, welches ich seit Jahren schon prozessiert habe. Mein persönliches Problem ist, dass ich von Kind an in zwei verschiedenen Kulturen aufwuchs und dementsprechend auch zwei verschiedene Staatsbürgerschaften habe. Geboren wurde ich zwar in Deutschland aber meine Eltern stammen aus Russland und um die Kultur beizubehalten verbrachte ich als Kind oft Zeit dort , wuchs bilingual auf (wobei ich meine ersten Lebensjahre ausschließlich russisch sprach) und lernte die Traditionen beider Länder kennen.

Nun kommen wir zum Problem. Jedes mal als wir in Russland waren, wurde ich als „der Deutsche“ betitelt, was mich immer sehr verwirrt und entrüstet hat . Doch als wir in Deutschland waren war ich plötzlich „der Russe“ und auch dies hatte mich schon immer verwirrt. Es entstand eine große Diskrepanz in mir selber, weil man nicht mehr einordnen konnte zu was man jetzt gehört . Selbst heute ist es so, dass ich mich nicht immer angesprochen fühle bei Sätzen wie :“ Du als Deutscher/Russe“ oder „Warum hast du als Deutscher/Russe (…)“

Dies alles führte dazu, dass man sich immer heimatlos fühlt und so, als ob man nie angekommen sei bzw. als wäre man nie akzeptiert, da wo man eigentlich zu Hause ist. Das erste Mal,dass ich mich so fühlte als sei ich zu Hause war, als ich in Spanien aufhielt. Plötzlich ging es nicht mehr darum was meine Wurzeln sind und ich fühlte mich so aufgenommen wie ich bin. ( Bis auf in einigen Momenten, in denen ich einfach nur als „der Deutsche“ vorgestellt wurde.) Es war alles so offen und ich fühlte mich nicht mehr auf meine Nationalität reduziert. Man sagte mir sogar ich sei ein Spanier, gefangen in einem deutschem Körper. ( Was mich jedoch noch mehr unter Druck setzte jemandem oder etwas zu entsprechen.) In einigen Momenten hatte ich sogar das Gefühl „den Deutschen“, den ich nie in mir sah, zu spüren, wenn es z.B. um Pünktlichkeit ging. Aber da orientierte ich mich natürlich erneut nur an Stereotypen.

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass Deutschland nicht das Land sein wird, wo ich für immer bleiben will. Versteht mich nicht falsch. Deutschland ist ein schönes Land und mit all den Fehlern und Problemen die es hat, ist es für mich trotzdem das sicherste Land. Manchmal sind mir die Menschen hier viel zu kalt und stechen mit ihren Blicken direkt in einen rein, jedoch ist mein Hauptproblem das diese Identitäts-Krise mich hier einfach innerlich zu einem Gefangenen macht und ich mich nie frei fühlen kann/konnte. Das ist tatsächlich ein Problem, welches einige bilingual aufgewachsene Kinder haben. Ein rastloses inneres Dasein. Weder der Eine, noch der Andere.

Doch um zu meiner Hauptfrage zu kommen:

Über all dies habe ich dann auch mit meinem Austauschpartner aus Spanien hier in Deutschland geredet und das war ein etwas augenöffnendes Gespräch für uns beide. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es unglaublich banal ist, wie die Menschen stehts versuchen sich einer Nationalität zuordnen zu müssen, nur um zu „wissen“ wer man sein „sollte“. Er selber, der nicht bilingual aufwuchs, hatte es auch satt ständig von seinem eigenem Land in die selbe Box gepackt zu werden und hatte in Deutschland das Gefühl endlich mal da raus gekommen zu sein.

„Sollte“ weil, sobald man anfängt sich auf eine Nationalität zu beschränken, packt man sich selber in eine Schublade und setzt sich unter Druck. „Ich als ein Deutscher kann doch niemals“ … „Wir Deutschen würden uns niemals…“ Da landen wir wieder bei unseren Stereotypen und Vorurteilen.

Versteht ihr was ich meine ? Ich bin der Meinung, dass die Menschheit endlich mal verstehen soll, dass wir alle eine Nationalität haben : „Mensch“ . Ich denke, wenn das alle begreifen würden, wären einige Umstände viel einfacher gewesen. Ich sage nicht, dass wir alle Traditionen und Kulturen über den Haufen schmeißen sollen , ganz im Gegenteil . Aber wir sollen anfangen aufzuhören uns selber zu limitieren , festzusetzen und die Grenzen zu schließen. Die Welt gibt so viel mehr her als unsere eigene Schublade und ich denke, es wäre schade , wenn wir das verpassen.

Wie sehr bestimmt unsere Nationalität unsere Identität ? – Sehr aber ich denke wir sind im Stande es zu beeinflussen, wenn wir es verstehen. Ich habe lange gebraucht, dass Gefühl zu verstehen was mich innerlich zerreißt wenn es um das Thema ging und noch länger hab ich gebraucht zu verstehen, wie dumm es ist, sich eine Nationalität zu suchen um zu „wissen“ wo man hingehört. Es gibt weitaus wichtigere Sachen die unsere Identität prägen dürfen und darauf will ich mich konzentrieren. Natürlich habe ich Prägungen aus beiden Richtungen und die machen mich zu dem wer ich bin und das macht mich teils stolz und teils nicht aber unabhängig davon haben sie mich viel zu lange eingeschränkt frei zu sein.

Um nun noch zu meiner Einleitung zurück zu finden: Ja, ich will aus meinem Leben ausbrechen und was neues probieren und wenn du mit deinem glücklich bist, dann fühle dich nicht unter Druck gesetzt, den selben Gedanken zu verfolgen. Ich habe z.B. für mich gemerkt, dass die Mentalität der Südländer mich anspricht und das dies der Ort ist wo ich mich frei und endlich angekommen fühlen will , ganz unabhängig davon, welche Nationalität ich habe. ( Natürlich können wir auch hier nicht alle Menschen unter einen Kamm scheren)

Was denkt ihr ? Macht das Sinn ? Sollte unsere Nationalität einen großen Einfluss auf uns haben? Zu viel Drama um nichts ? – Freue mich von jemandem zu hören und darüber zu diskutieren !

L.G. Albinos.

Under Pressure

Die Belastungen des alltäglichen Lebens sind in ihrer Essenz, das was uns unsere Zufriedenheit klaut. Der ständige Gedanke an irgendeinem störendem Faktor führt uns zu einem mentalen Stress, von dem wir nie eine Pause haben. Wann können wir denn behaupten, dass wir nicht gerade an etwas anderes denken, als das was wir im Moment erleben?

Pressure pushing down on me
Pressing down on you, no man ask for
Under pressure that burns a building down
Splits a family in two
Puts people on streets

Inzwischen empfinden wir „Druck“ oder „Stress“ als ein Symptom unserer Gegenwart. Doch bewusst und unterbewusst ein Problem zu verarbeiten ist doch so alt wie das Wort. Auch schon als Kind hat man Stress, ist dem Druck ausgesetzt, den andere auf einen Ausüben.

It’s the terror of knowing what the world is about
Watching some good friends screaming
„Let me out!“
Pray tomorrow gets me higher
Pressure on people, people on streets

Die Erwartungshaltung, die uns gegenüber gelegt wird und die wir natürlich auch anderen auferlegen, erzeugt allen Druck. Der Chef will jenes, die Freundin mehr Aufmerksamkeit, die Mutter ruft ständig an, der Hund kläfft, das Geld reicht nie aus und das Handy klingelt schon wieder! Eigentlich will man nur noch raus! Doch jeder andere scheint das ja auch hinzukriegen!

It’s the terror of knowing what the world is about
Watching some good friends screaming
‚Let me out‘
Pray tomorrow gets me higher, high
Pressure on people, people on streets

Jeder guckt einen mit der Fresse an, die sagt, dass man zu funktionieren hat, und so guckt man auch zurück! Und wenn jeder so eine Fratze zieht, dann vergisst man schnell die Liebe, die eigentlich so wichtig ist. Wir nehmen unsere Zeit als so wertvoll an, dass wir vergessen sie zu genießen und ihr Sklave werden. Doch wo bleibt die Liebe, wenn wir uns aus Stress miteinander streiten? Wenn wir die Mutter nur noch wegdrücken? Wenn wir den Chef nicht mehr als Mentor sehen, sondern als Arschloch?

Turned away from it all like a blind man
Sat on a fence but it don’t work
Keep coming up with love but it’s so slashed and torn
Why, why, why?
Love, love, love, love, love
Insanity laughs under pressure we’re breaking

Rauben wir uns gegenseitig mit Erwartungen und den erzeugten Stress die Liebe? Es ist wohl die Natur unseres Leben, funktionieren zu müssen, um zu überleben. Aber wir brauchen noch etwas mehr, um zu überleben! Unsere gegenseitige Liebe! Wir sind schon so weit gekommen, als Gesellschaft, als Menschheit und auch jeder Einzelne! Jetzt ist es Zeit, unsere Zeit, die Zeit zu lieben!

Can’t we give ourselves one more chance?
Why can’t we give love that one more chance?
Why can’t we give love, give love, give love, give love
Give love, give love, give love, give love, give love?
‚Cause love’s such an old fashioned word
And love dares you to care for
The people on the edge of the night
And love (people on streets) dares you to change our way of
Caring about ourselves
This is our last dance
This is our last dance
This is ourselves under pressure
Under pressure
Pressure

Songwriter: David Bowie / John Richard Deacon / Brian Harold May / Freddie Mercury / Roger Meddows Songtext von Under Pressure © Sony/ATV Music Publishing LLC

Körperwelten – Dürfen Tote im Rampenlicht stehen und Kunst sein? Aufklärung oder Verletzung der Menschenwürde?

Am 8.11.2018 besuchten die Biokurse die Ausstellung der „Körperwelten“ in Heidelberg.

Dort kriegt man tiefste Einblicke in den menschlichen Körper was für die Wissenschaft eine große Hilfe ist.

Das Besondere ? Alle ausgestellten Plastinate sind konservierte, tote Menschen, die vor ihrem Tod dazu eingewilligt haben sich ausstellen zu lassen. (Plastination :Die Methode, Wasser aus den Zellen im Vakuum durch Kunststoff zu ersetzen )

Die Motive sind meistens die, dass man der Familie mit Kosten usw. nicht zur Last fallen oder der Nachwelt und der Wissenschaft dienen will.

Es war unglaublich spannend so genaue und tiefe Einblicke in das Arbeiten des menschlichen Körpers zu kriegen, doch durch die ganze Ausstellung zog sich ein mulmiges Gefühl durch.

Nicht nur, weil man wusste, dass man umgeben von Leichen ist , sondern , weil der Erfinden , Dr. Gunther von Hagen – Arzt und Anatom, einen künstlerisch, inszenierten Aspekt reinbringt.

Die Plastinate sind in verschieden sowohl lebensnahen als auch sehr besondere Posen dargestellt und da stellt sich die Frage, ob die Plastinate gegen die Menschenwürde gehen und wenn ja , darf die Wissenschaft die Berechtigung dafür sein?

Zu erst muss man sagen, dass solche Einblick in den Menschlichen Körper kein Schema in einem Lehrbuch und irgendwelche Puppen jemals geben könnten.

So detailliert und natürlich kann nur die Genauigkeit des menschlichen Körpers darstellen.

Somit dient der Einblick der Wissenschaft, besonders Medizinern und Studenten bzw. Auszubildenden in diesem Bereich.

So anschaulich konnte man vorher nicht der Anatomie auf die Spur gehen.

Dazu muss man erwähnen, dass von Hagen selbst betont, dass es ihm wichtig sei durch die Plastinate das menschliche Wunderwerk auch an den Leihen zu bringen, der sich damit nicht auskennt. Dafür benötige er diesen inszenierenden Weg und den Reiz.

Viele Menschen können vor ihrem Tod dazu entscheiden, wie sie inszeniert werden und sich somit einen eignen würdigen Abgang aus dem Leben aussuchen, denn der Gedanke daran eine von Würmern zerfressene Leiche unter der Erde zu werden erscheint vielen als noch unwürdiger.

Als Plastinat können die Menschen der Nachwelt dienen und z.B. durch besondere Krankheiten auch mehr Verständnis der Medizin und der Allgemeinheit geben.

Medizinerin Angelina Whalley , Ehefrau von Gunther von Hagen, argumentiert in einem Interview damit , dass jeder Mensch jede Sekunde seines Lebens die freie Entscheidung über sein Leben hat, warum sollte er nicht auch das Recht die Entscheidung über seine „Bestattung“ zu entscheiden haben ?

Es wird auch keiner gezwungen zur Ausstellung zu kommen somit muss die Sensationslust des Menschen nicht die Intention dafür sein.

Zu Letzt kann man anhängen, dass acht darauf gegeben wird , dass der Plastinationsvorgang würdevoll passiert.

Soweit scheint es doch als sei die Erfindung der Plastination eine Bereicherung für unsere Welt, jedoch gibt es in der Kontroverse natürlich auch eine ethische Gegenseite.

Im folgendem stelle ich einige ethische Fragen die jeder für sich selber oder in einer Diskussion unten gerne beantworten darf. Meine Meinung kommt am Ende.

Anfangs kann man einwerfen, dass nicht alle Plastinate komplett verwendet werden.

Dadurch, dass die Anfrage groß ist kann man nicht alle Plastinate ausstellen und so werden manchmal nur Einzelteile, wie ein Arm, an Universitäten für eine Einzelntersuchtung geschickt.

Hier stellt sich die Frage:“ Wie sehr wird hier die Würde des Menschen geehrt, wenn sein Körper als nur teils notwendig angesehen wird und der Rest „weggeschmissen wird?“ Wäre es für dich eine ehrenvolle Bestattung?

Ein anderer Punkt ist offensichtlich die schaulustige Darstellung der Plastinate.

Man kriegt durchaus intime Einblicke eben auch über den Intimbereich eines verstorbenen Menschen, welcher diesen wahrscheinlich sein Leben lang intim gehalten hat und nun wird dieser offen für alle Welt.

Zudem gibt es durchaus fragwürdige Plastinate wie zum Beispiel die Embryonenausstellung.

Zugegeben ist diese ein spannender Einblick,jedoch verletzt sie nicht nur anhand der christlichen Weltansicht sondern auch der weltlichen die Menschenwürde.

Ein anderes Beispiel ist zwei Plastinate beim Geschlechtsackt, wo wir erneut bei der Intimsphäre landen.

Noch makaberer wird es aber bei den künstlich angehauchten Plastinaten , die einen eigenen Titel tragen und äußerst poetisch und künstlerisch dargestellt werden.

Konnte man nicht die selben Aussagen und Details in einem Plastinat zeigen ohne ein „Kunstwerk“ daraus zu machen ?

Hier sagen viele, dass der menschliche Körper schon für sich ein Kunstwerk ist und hier eine Plattform gegeben wird, dieses genauer zu betrachten.

Wie weit darf Kunst gehen bzw. ist es schon Kunst?

In dem Fall könnte man sogar sagen, dass Kunst versucht das Ableben des Menschen in Würde darzustellen aber ist nicht die selbe Begründung ein Gegenargument?

Verliert der tote Mensch durch eine Inszenierung gerade dadurch seine Würde. Währen kann er sich ja nicht mehr.

Propst für Rheinhessen , Klaus-Volker Schütz äußert in einer Diskussion im evangelischem Dekanat in Mainz, dass wir heutzutage technisch so weit wären, dass ein 3D Druck das selbe darstellen könne und man keine toten Menschen dort posieren müssten.

Irgendwo bricht man durch das Plastinieren auch den Tod.

Dadurch, dass man der Körper durch das Plastinieren ewig halten kann, könnte man auch sagen,dass man ein elementaren Punkt des Lebens, den Tod, umgangen hat und einen Menschen ewig gemacht hat oder zumindest sein Fleisch.

Anhängend muss man sagen, dass die Angehörigen nicht unbedingt wissen und nicht entscheiden was mit dem verstorbenen passiert und es möglich ist den toten Opa plötzlich in Scheiben auf einer Ausstellung zu sehen ist. Hier erneut die Frage : Wäre eine klassische Bestattung nicht würdevoller und könnte dem verstorbenen den Respekt erweisen ?

Sollte ein Toter im Rampenlicht stehen ? Nur für die Wissenschaft ? Oder darf man dies auch künstlerisch umsetzten ?

Auch darf man sich fragen, ob wirklich alle Ausgestellten vorher gefragt wurden. Was ist mit denen die keine Angehörigen haben ? Es gab schon oft kuriose Momente bei von Hagens.

Meiner Meinung nach ist die Aufstellung auch für mich sehr Eindrucksvoll gewesen.

Danach geht man irgendwie verändert raus, denn die Ausstellung regt definitiv zum denken an.

Selten ist die Grenze zwischen Leben und Tod zu greifbar und man fragt sich irgendwo auch , ob man so enden will .

Desto länger man sich dort aufhält desto weniger sieht man das Leben und seinen Körper als selbstverständlich an. Soviel passiert was man nicht bemerkt und so schnell kann alles vorbei sein.

Irgendwo schätzt man seine Körper danach mehr wert.

Somit hat der wissenschaftliche Aspekt auf alle Fälle zugeschlagen.

Jedoch hatte auch ich durchgehend ein komisches Gefühl bei dem Gedanken auf einer „Kunstausstellung toter Menschen“ zu sein. Immer hielt ich mir vor Augen, dass das vor mir mal was Lebendiges war und dann fängt man an mehr drüber nachzudenken.

Desto mehr echte Details, wie zum Beispiel die Haare, dran waren desto makaberer wurde es.

In meinen Augen wäre es keine würdevolle Bestattung .

Natürlich kann ich dadurch der Wissenschaft dienen, doch ich will nicht nur meine Seele sondern auch meinen Körper von dieser Welt trennen und mich nicht verewigen

Zugmahl will ich nicht das intimste Innere von mir jedem zur Show stellen, weil ich dadurch das Gefühl habe meine Würde verloren zu haben .

Ich würde zu einem Objekt werden und für die Schau- und Sensationslust der anderen dienen.

Vieles spricht auch gegen meinen Glauben und ethische Grundsätze; somit würde ich persönlich mich nicht plastinieren lassen. Zwar falle ich meinen Angehörigen bei meinem Tod zur Last aber der Wunsch des Menschen auch nach dem Tod mit Würde behandelt zu werden strebt in jedem, nur muss es jeder für sich definieren.

Letztendlich muss jeder für sich Entscheiden ob es eine Option für einen selber wäre.

Wenn man mit der Waage zwischen Kunst und Wissenschaft gut klar kommt, dann ist ein Besuch zu den Körperwelten definitiv wert.

Quellen :

https://www.stern.de/panorama/wissen/debatte-um–koerperwelten–ausstellung-die-plastinate-gehoeren-in-unsere-mitte–3833316.html

Ich freue mich auf eine Diskussion ! – Albinos

Anregung zum Philosophieren: Unendlich

CC-by-SA 4.0, M. Schütze, September 2018

Albert Einstein wird gern folgendes Zitat in den Mund gelegt: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Was bedeutet „menschliche Dummheit“? Niemand kann alles wissen, aber das scheint auch nicht der Anspruch zu sein. Was könnte dann damit gemeint sein? Eine Art praktische Intelligenz, um sein Leben zu meistern? Emotionale Intelligenz, um andere Menschen und ihre Bedürfnisse zu verstehen und entsprechend zu handeln? Sind damit vielleicht die vielen falschen Entscheidungen gemeint, die wir bewusst treffen – obwohl wir es besser wüssten (z.B. Fleisch aus Massentierhaltung essen, Klamotten aus Billiglohnländern kaufen, zu viel Plastikmüll erzeugen, etc.)? Oder geht es eher darum, dass man in seiner eigenen Welt, in seiner Filterblase, lebt und alles andere draußen mindestens suspekt, oft aber auch einfach falsch findet?

Und überhaupt: ist das nicht ein sehr pessimistisches Bild auf die Menschheit?

und noch ein Zitat von Curt Goetz: „Wer in einem gewissen Alter nicht merkt, dass er hauptsächlich von Idioten umgeben ist, merkt es aus einem gewissen Grunde nicht.“ (Ingeborg – Eine Komödie in drei Akten (1922). Deutsche Verlags-Anstalt 1952, S. 38 f.)

Anregung zum Philosophieren: Achtsamkeit

CC-by-SA 4.0, M. Schütze, August 2018

Achtsamkeit bedeutet bewusste Wahrnehmung der alltäglichen Dinge, Konzentration auf genau das, was man gerade tut. Oft machen wir viele Dinge gleichzeitig, geben den Gedanken keine Ruhe. Wie fühlt sich Nichtstun an? Kann man den Strom der Gedanken bewusst verlangsamen / anhalten, auf die Gegenwart lenken und dort behalten? Gibt es noch Langeweile?

Durch das Smartphone ist man jederzeit scheinbar mit der Gedankenwelt von anderen verbunden. Während man ein Buch liest, hat man gleichzeitig Teil an einem Film, den Freunde schauen, kann über Katastrophen aus allen Teilen der Welt erfahren – Inwiefern prägt uns diese Gleichzeitigkeit der mittelbaren und unmittelbaren Erfahrungen – unsere Wahrnehmung, unsere Lebenswelt?

Anregung zum Philosophieren: Weihnachten

Was bedeutet Weihnachten für dich?

CC-by-SA 4.0, M. Schütze, Dezember 2018

Ein paar Gedanken:

Innerhalb von zwei Wochen sind drei christliche und ein weltlicher Feiertag, im Jahresverlauf ist das Verhältnis ähnlich. Ist das sinnvoll? Trotz der Trennung von Kirche und Staat gibt es in unserem Land nur christliche Feiertage, z.b. keine muslimischen oder buddhistischen. Wäre es denkbar, dass alle Religionsgemeinschaften eine bestimmte Anzahl freier Tage selbst im Jahr verteilen dürfte? Wie könnte man mit den Atheisten verfahren? Was müsste sich dafür in der Gesellschaft ändern? Ist das wünschenswert?

„Es müsste der Begriff der GABE weiter bedacht werden. Es müsste gefragt werden, ob der Menschen für den anderen wesentlich Gabe ist. Ob die Gaben, die Geschenke, geradezu Weihnachten, Ausdruck dieser wesentlichen Gabe des Daseins sind oder heute noch sein können. Verdeckt der Konsumismus den Charakter der Gabe?“ (zum Weiterlesen gern hier entlang)

Kann man ethisch schenken? Angefangen bei den Motiven zu schenken, weiter zu den Bedingungen der Herstellung der Dinge, die man verschenkt und zu den Unmengen an Verpackungsmaterial.

Religion, nur ein Konfliktauslöser?

Mit der aktuellen Situation, dass der IS, eine radikal- islamistische Organisation, eine große Bedrohung darstellt, kommt immer öfter die Frage zum tragen, ob Religion nur einen Konflikt mit sich führt und es besser ohne sie wäre.

Um das zu klären, muss zuerst klar sein was dabei zum Konflikt führt und dafür wiederum, muss geklärt werden was als Religion angesehen wird.

„Religion ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Weltanschauungen, deren Grundlage der jeweilige Glaube an bestimmte transzendente ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Religion)

Das bedeutet, dass jeder voneinander abweichende Glaube insofern einer anderen Religion angehört. Da sich Menschen allerdings an vorhergehenden Traditionen orientieren werden Religionen weitervererbt, dass die verschiedenen Religionen in sich relativ einstimmig sind, sprich, dass eine Religion nicht in endlos viele Splittergruppen geteilt wird. Da es allerdings Veränderungen gibt/gab,  entstehen aus den alten Religionen neue heraus, wie zum Beispiel das Christentum, das sich auf dem Judentum aufgebaut hatte.

Daraus lässt sich schließen, dass eine andere Weltanschauung, ein anderer Glaube, sich eigentlich in eine andere Religion einordnet, egal ob sich diese Person zu einer anderen bekennt.

Ein etwas älteres Beispiel: Die alten Kreuzzüge des Mittelalters, die dem fünften Gebot der Christen widersprechen, sind so als eigentlich „nicht christlich“ einzuordnen. Wer nun schuld daran hatte, dass diese dennoch in dem christlichen Bekenntnis ausgeführt wurden ist hier die Frage. Zum einen sind da diejenigen, die als Kreuzritter auszogen, zum anderen auch das christliche Oberhaupt, dass die Legitimation gab. Die ausführenden haben geglaubt, was ihnen gesagt wurde was sie tun sollten, so wie es ihnen ihre Religion bestimmt und der Papst gab den „Befehl“ um gegen den Islam zu kämpfen, der eine Bedrohung für die Kirche darstellte.

Hieraus geht zwar hervor, dass die Religion daran „schuld“ ist, dass der Kreuzzug ausgeführt wurde, da man als „frommer Christ“ dem folgen musste, allerdings wäre es durch das fünfte Gebot, welches ein fundamentaler Teil der katholischen Kirche ist, verboten gewesen. Demnach entsteht ein Konflikt innerhalb der Religion, wobei sich die meisten Menschen oft (leider) die Legitimation heraussuchen, die für sie einen Vorteil bringt und diese dann als Religion benutzen.

Ähnlich ist das auch heute noch mit der aktuellen Lage. Da es allerdings um ein vieles komplizierter ist möchte ich nicht im Detail darauf eingehen. Um auf den Anfang zurückzugreifen, Anhänger des IS adaptierten immer mehr zu Radikalen, wobei sie sich immer noch zum Islam bekennen, wobei innerhalb des Islam dann, wie im obigen Beispiel, ebenfalls ein Konflikt entsteht. Die Auslegungen eines Glaubens, insofern sie zu Brutalität neigen, (es gibt durchaus auch positive) die so zu einer Gefahr für die Sicherheit von Leben wird ist somit die Ursache.

Da Religion eine Weltansicht ist und somit auch eine Auslegungssache, entsteht dabei normalerweise immer ein Konflikt, da wir Menschen nun einmal auf Veränderungen „geeicht“ sind und so immer Auslegungen eines Glaubens entstehen. Sei es wie oben genannt die Legitimation zu Kreuzzügen oder zu Terror-Radikalen-Organisationen usw.

Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass Religionen ein Konstrukt menschlicher Natur sind, ob nun eine sich als wahr behaupten sollte oder nicht. Daher ist es sehr wichtig zu klären, dass somit der Mensch, der sich zu einer Religion, bzw. einer Religions-Ausrichtung (Konfession, radikale Splittergruppen) bekennt, der eigentliche Punkt ist, an dem ein Konflikt entsteht. Wir Menschen definieren uns auch, dadurch zu sagen was wir nicht sind. Dadurch grenzt man sich von anderen Religionen ab, was was ein Konfliktfundament bietet.

Zu sagen, dass die Religion schuld ist, um es abzuschließen, ist nur die halbe Wahrheit, denn die Religionsangehörigen sind eigentlich diejenigen, zwischen denen der Konflikt entsteht aufgrund von Auslegungen des eigenen Glaubens oder aufgrund von feindseliger Einstellung zu einer anderen Gemeinschaft.

Religion hat allerdings auf der Kehrseite auch ihre guten Eigenschaften. Sie kann einem Menschen positive Orientierung geben bei der Selbstfindung. Weiterhin kann die Religion viele wichtigen Werte vermitteln, wie zum Beispiel das Recht auf Unversehrtheit oder Grundlegende Sachen, wie den anderen zu behandeln wie sich selbst. Weiterhin kann einem Religion dabei helfen seine eigene Balance zu finden und so sein seelisches Gleichgewicht zu finden. Auch kulturell sind die Religionen/ die Religionsvielfalt sehr wichtig, da so viele verschiedene kulturell wertvolle Einflüsse entstehen.

Religionen sind also, je nach dem wie mit ihr umgegangen wird entweder gut und bereichernd oder negativ und destruktiv sein, woraus ein Konflikt wachsen kann. Es häng dabei stark von den Menschen ab, die ihr angehören!

 

Anregung zum Philosophieren: im Netz von Big Data

„Vielmehr bezeichnet Big Data ein Bündel neu entwickelter Methoden und Technologien, die die Erfassung, Speicherung und Analyse eines großen und beliebig erweiterbaren Volumens unterschiedlich strukturierter Daten ermöglicht.“ (Quelle: Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages, 2013.)

Große Mengen an Daten zu verarbeiten ist ein wichtiges Innovationsthema in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft, Wissenschaft und der öffentlichen Verwaltung geworden. Ein paar Beispiele:

  • vor einigen Wochen gab es einen Artikel, der ganz stark im Netz gestreut wurde: „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt„, dabei geht es um die Möglichkeiten der Datenanalyse und Datenkombination bis hin zu bewussten Streuung und Steuerung von Meinungen an zwei Beispielen: dem Brexit und der US-Wahl. Kurze Zeit später gab es bereits gegenteilige Artikel, u.a. „Big Data allein entscheidet keine Wahl„, die die Macht der Datenanalysten etwas abmilderten.
  • Fitnessarmbänder messen jederzeit die Schrittanzahl, Herzfrequenz, Schlafzeiten, Bewegungsmuster etc. Alles kann bei der Herstellerfirma hochgeladen werden und der persönliche Fitnessstand gemessen werden, dazu gibt es Tipps für die persönliche Optimierung. Bekommen nun Krankenkassen oder Pharmaunternehmen die riesigen Datenmengen, können sie damit einerseits gezielter ihre Produkte entwerfen und dem Kunden anbieten, andererseits können sie auch viel personalisierter (und damit finanziell) auf gute und schlechte Lebensweisen reagieren. (mehr Infos)
  • In den USA werden schon seit vielen Jahren Algorithmen verwendet um das Rückfallrisiko von Straftätern zu ermitteln. Bei jenen mit hohem Rückfallrisiko wird der Antrag auf Bewährung eher seltener gewährt, die Kautionshöhe ist größer, etc.. Da die Algorithmen intransparent sind („Geschäftsgeheimnis“), können nur die Ergebnisse ausgewertet werden. Und diese zeigen eindeutig, dass Afroamerikaner systematisch schlechter bewertet wurden. Dies hat gavierende Auswirkungen für jeden einzelnen Häftling. (mehr Infos)

Die Fragen, die sich dabei aufdrängen, sind unter anderem: wie sehr vertrauen wir als Gesellschaft uns den Algorithmen, letztlich Maschinen, an? Welche moralischen Grenzen gibt es, die nicht überschritten werden dürfen? Ist unsere Handlungs- und Willensfreiheit in Gefahr?

Natürlich gibt es auch positive Beispiele:  Open Data – also viele Daten, die frei verfügbar sind, ermöglichen ganz neue wissenschaftliche Erkenntnisse, auch mit Hilfe ganz „normaler“ Bürger, so genannter Citizen Science („Bürgerwissenschaft“).

  • So gibt es z.B. einen Bastelbausatz zur Messung von Luft-(verschmutzungs)-daten, alle Daten werden in die Datenbank gespeist und ausgewertet. Die Luftdaten sind beispielsweise für Stuttgart viel detailierter als die amtlichen Daten.
  • Auf naturgucker.de kann jeder Fotos seiner Naturbeobachtungen sowie zusätzliche Daten hochladen. Außerdem gibt es zahlreiche Hilfen bei der Bestimmung von Arten. So kann man beispielsweise Zugvögel auf ihren Routen beobachten, da alle Daten sowohl art- als auch ortsbezogen ausgewertet und gefiltert werden können.

Daraus ergeben sich weitere Fragen: wie transparent darf/muss Wissenschaft sein? Welche Möglichkeiten gibt es für Schüler sich an solchen Projekten (auch fächerübergreifend) zu beteiligen – welche Fragen könnten spannend und interessant sein? Sollten nicht alle Daten, die von der „Allgemeinheit“, also aus Steuermitteln, finanziert werden offen und frei zur Verfügung stehen?

Anregung zum Philosophieren: die Welt von morgen

Wie sollte die Schule Jugendliche auf die „Welt von morgen“ vorbereiten?

Wir wissen weder, wie die Welt von morgen aussehen wird noch welche Anforderungen sie an den einzelnen Menschen oder die Gesellschaft als Ganzes stellen wird.

Unsere aktuellen Lehrpläne in der Oberstufe sind gültig seit 2004 (neue werden gerade in Kl. 5&6 eingeführt), erstellt wurden sie also Anfang der 2000er Jahre, in dem Zeitraum wurde ein Großteil meiner aktuellen Schüler geboren. Und schon in den letzten 10 Jahren hat sich so viel verändert.

Das alles gab es z.B. 2006 noch nicht:

  • iPhone
  • iPad
  • Kindle
  • Uber
  • Airbnb
  • Android
  • Oculus
  • Whatsapp
  • Instagram
  • Slack
  • Spotify
  • Snapchat

Heute sind die meisten dieser aus dem Leben nicht mehr weg zu denken – und sie haben das Leben, zumindest in unserer westlichen Welt, sehr stark verändert. Die Digitalisierung hat Einzug in (fast) jede Hosentasche gehalten. 2006 war niemandem klar, welchen großen Einfluss gesammelte Daten, Algorithmen und die Kombination von beidem auf das Leben hat – und ich denke, dabei stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung.

Die Frage stellt sich nun, nicht nur mir als einzelner Lehrerin, sondern auch der Institution und dem System Schule: mit welchen Kompetenzen, mit welchem Wissen, mit welchen Skills sollten wir / ich unsere / meine Schüler ausstatten, damit sie gut vorbereitet sind auf „die echte Welt“?