Greenwashing – Wie Firmen Ihr Image aufpolieren

Was genau ist Greenwashing?

Greenwashing bezeichnet den Versuch von Firmen ihre Produkte oder Dienstleistungen klimafreundlich darzustellen. Dies dient jedoch nur als Marketings Strategie und vermittelt den Käufer*innen das Bild, die Umwelt mit dem Kauf dieses Produkts zu schonen, obwohl es dafür keine hinreichende Grundlage gibt.

Greenpeace hat dafür 4 Kriterien definiert:

  • Das Kerngeschäft an sich ist umweltschädlich (Bsp. Kreuzfahrten)
  • Mehr Investitionen in Werbung als in Umweltschutz
  • Lobbyarbeit zur Umgehung von Umweltschutz
  • Reines einhalten der Gesetze als besonders umweltfreundlich darstellen

Welche Firmen betreiben Greenwashing?

Sehr viele Firmen nutzen Greenwashing, um sich in ein besseres Licht zu rücken. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die Modekette H&M, welche inzwischen seit neun Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit wirbt. H&M veröffentlicht ein- bis zweimal pro Jahr die „Conscious Collection“, welche nachhaltig produziert sein soll. Hierbei wird mit Biobaumwolle geworben, welche nach der Better Cotton Initiative angebaut wird. Diese biete nach Nabu jedoch wenig Mehrwert, da es erlaubt ist Gentechnik einzusetzen. Außerdem ist zwar der Anbau Biologisch, die Weiterverarbeitung jedoch nicht. Hierbei wird weiterhin sehr viel Chemie eingesetzt und dadurch das Wasser und die Luft verunreinigt. Zudem ist diese Kollektion nur ein sehr kleiner Teil des Gesamtgeschäfts, verbessert allerdings sehr stark das Image, da sehr viel Werbung für diese Kollektionen gemacht wird. In der Werbung sieht das Ganze nämlich sehr umweltbewusst aus und macht einen nachhaltigen Eindruck.

Es gibt noch sehr viele weitere Marken, die sich Greenwashing zu Nutze machen. Darunter fällt auch die Marke Fiji-Water, welche Wasser von den Fidschi-Inseln, abgefüllt in Plastikflaschen, verkauft. Die Marke wirbt damit, Wasser frei von jeglicher Verschmutzung zu verkaufen, da es weit weg von Industrie abgefüllt wird. Dadurch wird vor allem in der Werbung ein sehr umweltfreundliches und gesundes Bild vermittelt. Fakt ist jedoch, dass dieses Wasser sehr weite Transportwege zurücklegt, um zum Beispiel in Europa verkauft werden zu können. Dadurch verursacht es einen sehr hohen CO2 Ausstoß und sorgt zudem durch die Plastikflaschen für weitere Umweltbelastungen. Zum Vergleich: Ein Liter Leitungswasser verursacht ca. 35 g CO2 Äquivalente und eine Flasche Fiji-Wasser ca. 12.000-mal so viel. Und das Ganze nur durch die langen Transportwege, obwohl in Europa mehr als genug Trinkwasser vorhanden ist. Allerdings hat die Firma FIJI Water auf den Fidschi-Inseln für viele Arbeitsplätze gesorgt und die Wasserversorgung der Bewohner deutlich verbessert. Die Firma hat für eine starke wirtschaftliche Entwicklung gesorgt, allerdings sind die negativen klimatischen Folgen stark und das Geschäftsmodell sehr fragwürdig.

Was fällt unter Greenwashing?

Es gibt einige Methoden, die unter den Begriff Greenwashing fallen. Vor allem hat es sehr viel mit Marketing zu tun, da in diesen das Unternehmen so gut wie möglich dastehen möchte, um viele Zielgruppen anzusprechen und Interesse zu wecken. Zu Greenwashing zählt es, wenn nur kleine Aspekte hervorgehoben werden, die besonders umweltfreundlich sind und diese dann für das ganze Unternehmen zu gelten scheinen. Dies ist zum Beispiel bei der Kreuzfahrtmarke AIDA der Fall, welche mit wenig CO2 Ausstoß und Nachhaltiger Kreuzfahrt werben. Dies tut es mithilfe eines Kreuzfahrtschiffs, welches mit Flüssigerdgas betrieben wird und deshalb weniger CO2 ausstößt. Dafür ist der Methanausstoß umso größer, weshalb es klimatechnisch nicht sinnvoll ist. Außerdem ist das lediglich bei einem Kreuzfahrtschiff der Fall und trotzdem wirken alle AIDA Kreuzfahrten somit umweltfreundlicher.

Eine weitere Methode ist es, Halbwahrheiten bzw. nicht alle Fakten darzustellen. Dies ist auch bei AIDA der Fall, welche mit dem geringeren CO2 Ausstoß werben, jedoch nicht über den erhöhten Methanausstoß informieren. Es wird eben oft nur die vermeidlich positive Seite beleuchtet und alles Negative verschwiegen, um das Unternehmen besser darzustellen.

Ein weiteres Mittel ist es die Werbung möglichst grün und natürlich zu gestalten, um ein Umweltfreundliches Bild zu schaffen. So ist es in der Fiji-Water Werbung der Fall. In ihr kommt es einem so vor als wäre das Wasser sehr natürlich und umweltfreundlich, da sehr viel Natur zu sehen ist und diese in der Flasche zu sehen ist. Es wird dem Zuschauer vermittelt, dass Fiji-Water sehr Umweltbewusst ist und man würde aufgrund der Werbung nicht auf die Idee kommen, wie umweltschädlich es eigentlich ist.

Es gibt außerdem noch die sogenannte CO2 Kompensation, welche von vielen Unternehmen verwendet wird. Das kann vom Unternehmen ausgehen, oder man kann als Käufer einen extra Betrag zahlen um damit dann „CO2 Neutral“ zu konsumieren. Hierbei wird das Geld verwendet, um in Klimaschutzprojekte zu investieren. Prinzipiell ist die CO2 Kompensation eine gute Möglichkeit, um die nach der Reduktion aller Emissionen, die es zulassen reduziert zu werden, noch verbleibenden Emissionen zu Kompensieren. Es gibt jedoch auch viele Firmen, die lediglich die Emissionen CO2-intensiver Produkte extern kompensieren, aber nicht nach Lösungen suchen die Produktion effektiver zu gestalten oder die Emissionen an sich zu reduzieren. In diesem Fall ist es wieder ein Stück weit Greenwashing, da diese Kompensationen öffentlich bekannt gegeben werden und die Firma gut dastehen lässt. Somit wird zwar Geld investiert, aber trotzdem weiterhin viel CO2 produziert, welches sich vermeiden lassen könnte.

Hat Greenwashing trotzdem positive Einwirkungen auf die Umwelt?

Greenwashing an sich hat eigentlich keine positive Einwirkung auf die Umwelt, da das Ziel darin besteht möglichst viel Profit zu machen und nicht die Umwelt zu schützen. Es verleitet zudem zu mehr Konsum, da man aufgrund des Greenwashings, weniger schlechtes Gewissen der Umwelt gegenüber hat. Es ist somit an sich schlecht, hat allerdings auch positive Seiten, da oft zumindest ein kleiner Teil der Produktion umweltfreundlicher wird und somit schonmal ein Anfang geschaffen wird, auf dem in Zukunft aufgebaut werden könnte. Es macht außerdem auch vermehrt darauf aufmerksam, da große Firmen auch sehr viel Reichweite haben, wodurch mehr Menschen von Umweltproblemen mitbekommen. Allerdings hat es trotzdem keine direkte positive Einwirkung auf die Umwelt, sondern nur auf das Image vieler Firmen. Auch durch Kompensationen wird nicht direkt das produzierte CO2 reduziert, sondern lediglich Projekte unterstützt, die sich für den Umweltschutz engagieren. Es ist natürlich gut, wenn diese gezahlt werden, allerdings sollte gleichzeitig auch an einer Reduzierung der eigenen CO2 Emission gearbeitet werden.

Fazit

Durch Firmen die Greenwashing betreiben, fällt die Entscheidung zwischen Ihnen und Firmen die wirklich etwas tun schwerer. Man kann eigentlich keiner Werbung oder ähnlichem vertrauen, da diese immer nur das positive zeigen und auf Fakten verzichten. Das heißt, dass man sich vor einem Kauf immer erst über beispielsweise Siegel informieren muss und dann entscheiden kann, ob es umweltfreundlich oder -schädlich ist. Es gilt also, wie bei vielen Dingen auch, dass man sich über alles selbst Informationen suchen und sich eine Meinung bilden muss. Da das allerdings Arbeit im Voraus erfordert, machen es viele Menschen nicht und fallen somit auf die Werbung von Firmen herein, die Greenwashing betreiben.

Der Trend in Richtung Nachhaltigkeit, der sich in den letzten Jahren entwickelt hat, ist sehr positiv, da er sehr viele Menschen dazu animiert hat, auf ihren Lebensstil zu achten. Greenwashing ist allerdings eine negative Folge davon, da sich Firmen genau diese Denkweise zu nutzen machen, um daraus Profit zu machen. Das ist meiner Meinung nach sehr fragwürdig, da mit grundsätzlich positiven Dingen geworben wird, wodurch der Konsum steigt, diese Dinge jedoch meistens nicht stimmen oder nur einen sehr kleinen Teil ausmachen. Somit werden Konsument*innen die bewusster konsumieren möchten von Marketingstrategien getäuscht und das bekommen sie nicht einmal mit. Deshalb sollte es gesetzlich vorgeschrieben sein, dass Firmen mehr über ihren Produktionsweg bekannt geben müssen, damit nicht nur die guten Seiten der Produktion an die Öffentlichkeit gelangen und es einfacher ist bewusst zu konsumieren.

  • Was haltet ihr von Greenwashing?
  • Ist es euch schon einmal im Alltag aufgefallen?
  • Findet ihr es sollte eine gesetzliche Regelung gegen Greenwashing geben?

Quellen

Ist es ethisch vertretbar ein Haustier zu besitzen?

  • Wie Umweltschädlich sind Haustiere?
  • Was sind noch Faktoren gegen das Halten von Haustieren?

Jeder zweite bis dritte Deutsche besitzt ein Haustier. Insgesamt sind es ca. 34,3 Millionen Haustiere. Davon sind ca. 10 Millionen Hunde, welche damit am häufigsten gehalten werden. Wenn man an ein Haustier denkt, bringt man meistens etwas positives mit ihnen in Verbindung. Aber sind Haustiere wirklich so unschuldig wie sie aussehen? Oder sind sie ein sogenannter Klimakiller, wie sie von vielen betitelt werden? Und haben Haustiere ein gutes Leben?

Zunächst möchte ich den Begriff Haustier in diesem Zusammenhang erläutern. Als Haustiere bezeichne ich hier Tiere, die mit dem Menschen unter einem Dach leben und in dem meisten Fällen als Freizeitbeschäftigung gedacht sind. Also keine reinen Nutztiere.

Aspekt Umwelt

Von außen sieht die Sache klar aus. Ein mittelgroßer Hund verursacht in seinem Leben ca. 8 Tonnen CO2. Das entspricht ungefähr einer Strecke von 3700 km pro Jahr mit dem Auto. Eine Katze verursacht in Kilometer umgerechnet CO2 für ca. 1400 km pro Jahr. Es sieht also deutlich so aus, als wären Haustiere sehr umweltschädlich und nicht wirklich ethisch vertretbar in Bezug auf die Umwelt.

Diese hohen Werte liegen jedoch zu ca. 90% an dem Futter, das die Tiere zu fressen bekommen. Das liegt daran, dass den Tieren meist nur Fleisch gefüttert wird, da es als artgerechte Nahrung gilt. Viele Tierbesitzer bringen hier das Argument, dass für Tierfutter nur Fleischreste verwendet werden, die von geschlachteten Tieren übrigbleiben und sonst weggeworfen werden würden. Viele Hundefutterhersteller werben jedoch sogar damit, dass Frisches und qualitativ hochwertiges Fleisch für ihr Futter verwendet wird. Außerdem füttern sehr viele Besitzer ihren Haustieren Fleisch mit Guter Qualität, da sie es als artgerecht empfinden. Die Herstellung dieses Fleisch verursacht sehr viel CO2, da hierbei die Haltung der Tiere und auch ihr Futter und viele weitere Ursachen auftreten.

Es ist viel besser seinem Haustier Industriefutter zu geben, als ihn von hochwertigem rohen Fleisch zu ernähren. Diese verursachen nur ca. halb so viel CO2 Ausstoß. Manche dieser Hundefuttermarken, verwenden wirklich nur Reste, weshalb nicht extra Tiere dafür geschlachtet werden. Da bei den meisten Herstellern jedoch nicht das Wohl der Tiere, sondern Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, ist es sehr wichtig darauf zu achten, dass in dem Futter keine Geschmacks Verstärker oder Zucker enthalten ist.

Für die Umwelt wäre es das Beste, wenn man sein Hausstier Vegan ernähren würde. Nicht nur wegen dem Umwelt Aspekt, es gibt auch immer mehr Hunde, die gegen jegliche Fleischsorte oder Tierisches Eiweiß allergisch sind. Hierbei gibt es jedoch sehr oft den Konflikt, dass viele eine vegane Ernährung als nicht artgerecht sehen, da der Hund vom Wolf abstammt, welcher ein reiner Fleischfresser war. Der Hund hat sich im Zusammenleben mit dem Menschen jedoch immer mehr an die Essgewohnheiten des Menschen angepasst, zum Beispiel mit unterschiedliche Enzymausstattung, durch die der Hund Kohlenhydrate viel besser verdauen und verwerten kann als ein Wolf. Um einen Hund vegan zu ernähren, muss man ihn sehr ausgewogen füttern. Hierbei muss man darauf achten, dass das Haustier alle wichtigen Nährstoffe bekommt und gegeben falls mit Supplements zu zuführen, da sie nicht vom Körper des Hundes hergestellt werden können (z.B. Taurin). Hierbei darf das Tier niemals die gleichen Tabletten wie ein Mensch nehmen, da diese oft Zucker enthalten, der für das Tier sehr gefährlich sein kann. Wenn man also unbedingt ein Fleischfressendes Haustier haben möchte, sollte man sich sehr gut mit der Ernährung auseinandergesetzt haben und diese möglichst CO2 Neutral halten. Falls man sein Tier nicht vegan ernähren möchte, könnte man wenigstens auf die Art, Herkunft und Menge des Fleisches achten. Der Haustierbesitzer trägt meiner Meinung nach auch die Verantwortung, falls das Tier geschützte Wildtiere frisst, da es frei Herumlaufen darf.

Aspekt Haltung

Der Aspekt wie das Haustier gehalten wird spielt neben dem Klimatischen Aspekt eine weitere große Rolle. Viele Haustier sind nämlich nicht für zum Beispiel ein Leben auf engem Raum oder ohne Gesellschaft geschaffen. Es gibt sehr viele Aspekte, die man bei einer Artgerechten Haltung des Tieres beachten muss. Diese sind auch bei jedem Tier unterschiedlich. Ich werde näher auf die des Hundes eingehen, da es zum einen das beliebteste Haustier in Deutschland ist und ich außerdem selbst einen besitze.

Wenn man sich einen Hund anschafft, müssen als aller erstes die Rahmenbedingungen für den Hund geschaffen werden. Das heißt man benötigt genug Platz sowohl drinnen als auch draußen, damit der Hund genügend Freiraum hat. Außerdem benötigt ein Hund je nach Rasse und Alter ca. 2 Stunden Bewegung täglich und das bei jedem Wetter. Man muss also trotz Job/ Schule und Freizeit genug Zeit für seinen Hund aufbringen können oder eine Person haben, die ihn betreut, wenn man selbst keine Zeit hat. Außerdem braucht der Hund auch Umfeld, in dem er etwas mehr Freiheiten bekommt, wie zum Beispiel ein Park in der Stadt oder ähnliches. Falls man in einer Stadt wohnt sollte man sich bewusst sein, dass es kein gewöhnliches Umfeld für einen Hund ist, da er sich an so etwas erst gewöhnen muss.

In unserer Gesellschaft wird artgerecht sehr fragwürdig dargestellt. Oftmals wird eine viel zu kleine Fläche für das Tier als artgerecht bezeichnet, da sie scheinbar nicht mehr nötig haben, aber jeder kann sich denken, dass zum Beispiel kein Hamster in einem kleinen Käfig auf Dauer glücklich ist. Außerdem sollte man sich bei dem Kauf 100% sicher sein, und auf keinen Fall einen Spontankauf tätigen, da man zum Beispiel einen Hund meistens mindestens acht Jahre hat.

Ein weiteres Problem ist, das vielen das Fachwissen beim Umgang mit den Haustieren fehlt. Hierbei zum einen im Thema Erziehung, als auch wie man mit ihm umgeht, damit sich das Haustier auch wohl fühlt. Zum Beispiel gibt es Haustiere wie Kanarienvögel, die Gesellschaft brauchen oder zum Beispiel Hamster die Einzelgänger sind. Auch der Umgang mit ihnen und die Körperhaltung ihnen gegenüber ist sehr wichtig, damit das Haustier nicht eingeschüchtert wird. Man sollte sich auch über die Körpersprache der Tiere informieren, damit man nichts falsch deutet. Außerdem sind meiner Meinung nach viele Tierarten überhaupt nicht für ein Leben in einem Haus gemacht, da sie zum Beispiel ein anderes Klima oder mehr Platz brauchen.

Viele Eltern kaufen ihren Kindern Haustiere, damit sie jemandem zum Spielen haben, die Kinder sind meistens jedoch gar nicht in der Lage so viel Verantwortung zu übernehmen und sich richtig um die Tiere zu kümmern. Dadurch haben die Tiere kein schönes und meist nur ein kurzes Leben, da die Kinder nicht mit den Tieren umgehen können. Man sollte seinen Kindern nur Haustiere kaufen, wenn man selbst genug Zeit hat sich um sie zu kümmern, da man es nicht allein den Kindern überlassen kann. Es stimmt zwar auch, dass Kinder durch Haustiere Verantwortung übernehmen lernen und einen Freund dazugewinnen, jedoch sollte dies immer unter Aufsicht einer Person geschehen, die sich gut auskennt und dem Kind helfen kann.

Aspekt Domestizierung

Als Domestizierung wird der Veränderungsprozess von Wildtieren durch genetische Isolation beschrieben. Dies geschieht durch Menschenhand, beispielsweise bei Hundezüchtern. Hierbei werden die Tiere zum Beispiel kleiner gezüchtet, da sie so süßer aussehen, oder einfacher zu handhaben sind. Dabei entstehen dann sogenannte Zuchtopfer, welche so gezüchtet wurden, dass sie später Nachteile im Leben haben. Ein Beispiel hierfür ist die Französische Bulldogge, welche durch Zucht eine extrem kurze Nase hat und deshalb Schwierigkeiten beim Atmen hat. Oder auch zu große Hunde, die früh Rückenprobleme bekommen und deswegen eingeschläfert werden müssen. Und das alles nur, weil es von Menschen als süß empfunden und als Statussymbol missbraucht wird. Zum Beispiel kleine Hunde, die von ihren Besitzern in der Handtasche mitgetragen werden. Ich finde eine Domestizierung ist soweit okay, wenn das Tier keine Schäden davonträgt. Da es auch nützliche Domestizierungen gibt, wie zum Beispiel Hütehunde.

Bei der Zucht werden viele überschüssige Tiere getötet oder für Tierversuche missbraucht, nur weil sie nicht den Anforderungen entsprechen. Außerdem machen Tier- und Zoohandlungen riesige Geschäfte mit dem Verkauf von Haustieren, da sie riesige Mengen an Haustieren verkaufen und Nachschub produzieren, obwohl tausende Tiere jährlich ausgesetzt werden und im Tierheim landen. Sehr viele Menschen halten außerdem exotische Tiere, die nicht an das Klima gewöhnt sind und auf viel zu engem Raum gehalten werden. Auch wenn Tierhalter verpflichtet sind nachzuweisen, dass ihr Haustier von einem Züchter aus Deutschland kommt, gibt es doch viele illegale Schmuggeltiere, die hier in Deutschland dann meist kein schönes Leben haben. Deshalb sollten meiner Meinung nach Tiere die eigentlich ein ganz anderes Klima zum Leben brauchen verboten werden. Es könnte eine Lizenz eingeführt werden, mit welcher man solche Tiere Halten darf. Diese kann man jedoch nur erlangen, wenn man ein Gutachten besteht, welches die Lebensbedingungen welche das Tier benötigt überprüft.

Von PETA wird empfohlen seine Haustiere kastrieren zu lassen, da es eine sehr starke Überpopulution von Haustieren gibt, und man meist nicht genau weiß wie die neuen Besitzer mit den Tieren umgehen. Durch diese Überpopulution ist es das Beste eine Adoption aus dem Tierheim zu tätigen, und sonst von Bekannten die Junge haben welche zu holen. Auf keinen Fall sollte man welche aus Tierhandlungen oder von Züchtern kaufen, da man sie keinesfalls aus den Käfigen dort rettet, sondern nur die Nachfrage erhöht und für ein größeres Angebot sorgt.

Meine Meinung

Für ein Haustier spricht, dass es ein treuer Begleiter für den Menschen ist und es außerdem sehr nützlich ist. Ein Haustier kann Menschen in vielen Situationen helfen wie zum Beispiel ein Blindenhund oder ein Drogenhund. Kinder können durch Haustiere lernen Verantwortung zu übernehmen oder sie als Freizeitbeschäftigung nutzen.

Gegen ein Haustier spricht, dass es meist eine sehr schlechte Umweltbilanz hat und es kompliziert ist dagegen zu wirken. Man muss eine Wissensgrundlage besitzen, damit man richtig mit dem Haustier umgeht und es auch verstehen kann. Man benötigt außerdem genügend Platz für das Haustier und genügend Zeit, um es zu betreuen. Es gibt zudem viel zu viele Haustier in Deutschland und falls man sich nach dem Kauf doch wieder umentscheidet, gibt es wenig Möglichkeiten es wieder los zu werden. Viele Tiere leiden zudem unter der Domestizierung, welche man durch den Kauf von einem Haustier unterstützt und das Haustier in einigen Fällen Probleme davon bekommt.

Meiner Meinung nach ist es ethisch nur vertretbar ein Haustier zu halten, wenn man sich wirklich im Klaren ist welche Verantwortung dieses mit sich bringt und wenn man den nötigen Platz für es hat. Außerdem muss man beim Kauf selbst schon sehr genau auf alles achten. Hierbei ist es wichtig, dass die Rasse kein Opfer der Domestizierung ist und somit keine gesundheitlichen Schwierigkeiten im Leben hat. Man sollte sein Tier nach dem Kauf einer Kastration unterziehen, um etwas gegen die Überpopulation zu tun und es sein Leben lang am besten komplett vegan ernähren. Man muss genügend Zeit einplanen und auch dafür sorgen können, dass die Haustiere zum Beispiel während des Urlaubs nicht alleine zu Hause sein müssen. Die Ernährung ist ein sehr wichtiger Aspekt, weil Haustiere sonst sehr umweltschädlich sind und ich es so ethisch nicht vertreten könnte ein Haustier zu halten. Auch für meinen Hund habe ich mich schon über Vegane Ernährung informiert und ziehe diese in Betracht.

Am natürlichsten wäre es allerdings, wenn jedes Tier einfach frei in der Natur leben könnte. Durch die soweit Fortgeschrittene Domestizierung ist das meistens gar nicht mehr möglich, da die Tiere zu stark vom Menschen abhängig sind. Deshalb sollte man den Tieren das angenehmste mögliche Leben ermöglichen und sie als Lebewesen sowie wir Menschen behandeln. Denn sie haben, ebenso wie wir, das Recht auf Leben.

Und Menschen, die ihren kleinen Kindern Haustiere kaufen, obwohl diese noch nicht die Verantwortung dafür übernehmen können, begehen meines Erachtens nach eine Straftat. Sie übergeben das Leben eines Tieres in die Hände eines Kleinkindes, welches sich nicht richtig um sich selbst kümmern kann.

Ein Haustier ist für mich also nur vertretbar, wenn es weitestgehend vegan ernährt wird, genug Platz hat (sowohl draußen als auch drinnen) und nicht unter einer Domestizierung leidet. Außerdem darf es nicht aus der Tierhandlung sein, sondern am Besten aus einem Tierheim oder von Bekannten.

  • Würdet ihr euch unter diesen Bedingungen ein Haustier anschaffen?
  • Was ist eure Meinung zu veganer Ernährung von Haustieren?
  • Würdet ihr ein Haustier aus dem Tierheim adoptieren?

Quellen

  • https://www.peta.de/themen/hund-katze-vegan-ernaehren/ , 21.12.20
  • https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.klimabilanz-von-hunden-wie-umweltschaedlich-sind-die-haustiere.7b68b976-8999-45c0-ba42-817cd28aaebd.html , 21.12.20
  • https://www.wiwo.de/lifestyle/werner-knallhart-haustiere-verderben-ihre-oekobilanz/23818088.html , 21.12.20
  • https://www.haz.de/Nachrichten/Wissen/Uebersicht/Warum-Haustiere-schlecht-fuers-Klima-sind , 21.12.20
  • https://www.peta.de/faq-tierische-mitbewohner/ , 02.01.21
  • https://www.youtube.com/watch?v=HynJAu7cEOM , 02.01.21
  • https://www.mein-haustier.de/magazin/hund-halten/, 02.01.21
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Domestizierung , 02.01.21
  • https://www.tiere-wissen.de/allgemein/artgerechte-haustier-haltung.html , 02.01.21

Ist der Schönheits-Standard gefährlich?

Die Barbies sind aus der Mode, dennoch sind sie lebendiger als noch nicht zuvor. Was ist Schönheit? Schönheit ist subjektiv, heißt von vielen Faktoren abhängig wie zum Beispiel Kultur, Stämme, Länder und Zeit. Während die asiatischen Länder sehr helle Haut schön finden, bevorzugt die westliche Bevölkerung eine braune Haut. Im 19. Jahrhundert galten bei den Japanern schwarze Zähne als attraktiv, wobei man heute strahlend weiße Zähne hübsch findet. In Fidschi bevorzugt man die traditionellen Frauen mit viel Gewicht, aber in der modernen Welt dreht sich alles um das „dünn“ sein. Es ist wichtig zu erwähnen, dass der Schönheits-Standard sich immer wieder ändert, denn es wird immer neue Trends geben und dementsprechend eine neue Version von Schönheit. Es gab auch mal eine Zeit, während der dünn sein als hässlich galt und Frauen Gewicht zunahmen. Ach was eine Zeit! Die heutigen Schönheits-Standarten drehen sich um ein kleines Gesicht, betonte Jawline, kleine Nase, dicke Lippen, makelloses Gesicht (keine Zeichen von Akne, Narben, usw.), keine Zeichen des Alterns, keine Cellulite, Sanduhr-Figur, flacher Bauch und dabei große Brüste und Hintern. Der Schönheits-Standard stammt aus den Jahren des Rassismus, der Ideologien und der Kolonisation der westlichen Welt. In den Jahren wurde gelehrt, dass weiß gut und hübsch ist. Nach dem koreanischen Krieg in 1950 wurden viele Operationen an Augenlider durchgeführt damit die koreanischen Frauen attraktiv auf die amerikanischen Männer wirkten. Man sah auch wie sich der Schönheits-Standard in den Köpfen der Kinder befestigte. Doktor Kenneth und Mamie Clark führten einen Versuch namens „The Doll Test“ durch. Den Kindern wurden vier Puppen gegeben, die bis auf die Farbe identisch sind, um die Rassenwahrnehmung der Kinder zu testen. Ihre Probanden, Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren, wurden gebeten, sowohl die Rasse der Puppen als auch die von ihnen bevorzugte Farbpuppe zu identifizieren. Eine Mehrheit der Kinder bevorzugte die weiße Puppe und wies ihre positiven Eigenschaften zu. Die Dr. Clark kam zu dem Schluss, dass „Vorurteile, Diskriminierung und Segregation“ bei afroamerikanischen Kindern ein Minderwertigkeitsgefühl hervorriefen und ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigten. Oft wurde auch den asiatischen Kindern eingeredet nicht rauszugehen, aus Angst ihre Hautfarbe wird dunkler. Mittlerweile ist es für uns normal geworden irgendwas an uns ändern zu wollen, sei es unsere Nase oder Farbe der Augen (mit Linsen) und all das nur damit wir europid wirken. In einer Welt des Patriarchats und der Frauenfeindlichkeit werden Frauen anhand ihres Aussehens identifiziert und geschätzt, während man bei Männern auf ihren professionellen Erfolg und Stärke achtet. Von Frauen wurde eine Disziplin, bestimmte Art von Aussehen und kleiden erwartet. Die jüngste Werbekampagne in Malaysia sagte Frauen wie sie sich verkleiden, benehmen, schminken, ihre Männer respektieren und die Hausarbeit erledigen sollen, um häusliche Streitigkeiten zu vermeiden. Die Schönheitsindustrie und die Medien bombardieren junge Mädchen und Frauen mit den westlichen Idealen der Schönheit auf internationalen Ebenen. Sie sagen einem was konventionell hübsch ist und was nicht. Sie sagen man soll sich rasieren oder schminken. Die weiblichen Zeitschriften besitzen um das 10 fache mehr Themen über Diätetik und Inhalte über Gewichtsverlust als die männlichen Zeitschriften. All dies wird in den Medien als Selbstpflege präsentiert. Sollte man sich nicht nach diesen Standarten richten, so geht man davon aus, dass man sich nicht um seinen Körper kümmert oder den Sinn im Leben verloren hat. Die Ausschließlichkeit einer Minderheit repräsentiert sich durch Scham. Eine ungesunde extreme Ausdünnung wird im Lob verherrlicht, aber plötzlich ist das, was sie loben und weswegen sie Druck auf die Menschen ausüben, plötzlich zu dünn und zu extrem. Viele Prominente haben über ihre Essstörung und dadurch entstandenen Problemen gesprochen. Victoria’s Secret ist für Ihre Unterwäsche und Lingerie für Frauen bekannt und gilt als erfolgreich. Dennoch gibt es viele ehemalige Modelle ( z.B. Erin Heatherton), welche von dem unrealistischen Druck berichteten. Laut Ihnen waren Sie gezwungen ein bestimmtes Gewicht ihre ganze Karriere lang zu halten, wenn sie mehr wogen als das Zielgewicht mussten sie eine Diät machen und im schlimmsten Fall hungern. Es war nicht nur das hungern an sich sondern auch das anstrengende Training, dass auch mehrmals am Tag stattfand, was zu Essstörung über mehrere Jahre führte. Des weiteren kann man auch in der K-Pop Industrie (koreanischer Pop) viele Folgen des Schönheits-Standards sehen. Diese kommen vor allem durch den intensiven Arbeitsdruck, extreme Medienbeobachtung und traumatisierendes Online-Mobbing zum Ausdruck. Von den K-Pop Prominenten gibt es viele Fancams, heißt jedem Mitglied der Gruppe zugeordnete Kameras, die einen, während dem ganzen Auftritt von allen Richtungen filmen. Alle K-Pop Prominente sind dafür bekannt dünn zu sein. Dennoch kommt der Gewichtsverlust nicht von ihnen selber, sondern ist das ein Zwang, den die Unternehmen ausüben. Sie setzen die Stars auf extreme Diäten und drängen sie zur Übung von Tanzchoreografien über mehrere Stunden. Es gibt viele von den Fans aufgenommene Videos, wo die Stars wegen Erschöpfung auf der Bühne ohnmächtig werden, da sie unter dem extremen Arbeitsdruck während der Diät leiden. Nichtsdestotrotz sind diese K-Pop Stars Vorbilder für viele junge Menschen, die sich z. B. einen ähnlichen Körperbau wünschen. Der Wunsch nach einer Sanduhr-Figur führt zu der Zeit zurück, wo Mädchen und Frauen ein Korsett getragen haben und obwohl sich die Schönheits-Standarten immer ändern, bleibt der Wunsch nach Sanduhr-Figur gleich. In 1950 entsprach Marilyn Monroe der derzeitige Schönheits-Standard, sowie auch der Barbie Puppe. Die Barbie wurde als wunderschön und reich präsentiert. Sie besaß eine Sanduhr-Figur, blonde Haare und blaue Augen, kurzgesagt entsprach dem Ideal und wurde ziemlich schnell populär. Sie hatte einen bedeutenden Einfluss als Vorbild für viele junge Mädchen, aber ihr unrealistischer, unverhältnismäßiger Körper löste eine Debatte über die Auswirkungen aus, die es auf junge Mädchen haben könnte. Heutzutage bekommen so viele Kinder in so jungem Alter Handys und mehr, somit sind sie dieser verzerrten Vorstellung von Schönheit ausgesetzt, die einen erheblichen Einfluss auf das Selbstwertgefühl hat und eine Störung der Körperdysmorphe auslösen kann. Es gibt so viele Hinweise darauf, dass jüngere Menschen, die mit sozialen Medien in Verbindung stehen, zunehmend psychisch belastet, depressiv und selbstmordgefährdet sind. In den letzten Jahren gab es auch einen signifikanten Anstieg von Essstörungen. Jüngere und jüngere Mädchen sind besessen von Gewichtsverlust und Diät und letztendlich ist alles auf diesen unerreichbaren Schönheitsstandard zurückzuführen. Die äußere Schönheit ist vorübergehend. Der Schönheits-Standard ändert sich ständig und zielt darauf uns unsicher zu machen, damit man mehr Pflegeprodukte verkaufen kann. Mehr gewinngierige Industrien arbeiten mit Medien zusammen, um uns eine verzerrte Wahrnehmung von uns selbst zu bieten, nur um dann Mittel gegen dieses verzerrte Selbstbild zu verkaufen. Zurück zu der Frage „Ist der Schönheits-Standard gefährlich?“ Definitiv, denn nicht nur wir kämpfen und leiden davon sondern auch die nächste Generation, wenn nicht Generationen. Es ist nicht möglich alle Menschen davon zu überzeugen was einen schlechten Einfluss der Schönheits-Standard auf uns hat. Dennoch wissen viele Menschen ihren Wert. Es ist nichts was man von heute auf morgen lösen kann. Es ist schwierig, in unser natürliches Selbst einzutauchen, wenn die Medienrepräsentation so lange hauptsächlich aus kaukasischen und eurozentrischen Merkmalen bestand. Medienvertretung ist nur eine unbedeutende Bevölkerung. Sie sagt uns, wie wir ihrer Meinung nach auszusehen haben, aber das ist Unsinn. Wir sind auf unsere Art und Weise so schön. Es gibt so viel Schönheit in allen Größen, Altersgruppen und Kulturen, die wir feiern müssen. Man muss keine bestimmte Größe haben, genauso wie man keinen bestimmten Haut Ton haben muss. Wir dürfen „Fehler“ besitzen, ob Dehnungsstreifen, Poren, Akne oder Haare. Es gibt zum Beispiel so viele schöne verschiedene Formen von Nasen. Es ist in Ordnung, dass unser Körpergewicht schwankt. Wir alle altern und man ist nicht weniger schön, wenn man Falten hat oder älter wird.

Abtreibung ~ Legitime Entscheidung oder Mord?

Schwanger werden und ein Kind zu erwarten stellt für viele Frauen oder Pärchen einen großen Wunsch dar. Diese erhoffen sich durch ein Kind das Lebensglück zu erreichen. Da scheint es doch paradox, dass einige Frauen ihre Schwangerschaft freiwillig abbrechen wollen. Doch was treibt eine Frau dazu? Und ist eine Abtreibung legitim oder muss doch eher von Kindesmord gesprochen werden?

Schon seit längerer Zeit, vor allem seit der Emanzipation der Frau, kommt oft die Frage auf, ob Schwangerschaftsabbrüche gegen moralische Gesetze verstoßen und als Mord gewertet werden sollten oder ob es sich bei der Abtreibung um eine persönliche legale Entscheidung handelt. Die Beantwortung dieser Frage gestaltet sich allerdings alles andere als einfach. Kulturen, Ideologien und Religionen vertreten oft sehr unterschiedliche Vorstellungen, was es einem demokratischen säkulären Staat erschwert ein objektives Urteil zu fällen und eine Gesetzeslage zu schaffen, welche fair ist und den Menschen schützt. In Polen gibt es momentan heftige Demonstrationen gegen das Abtreibungsverbot, welche mich zu diesem Beitrag inspiriert haben. Welche Ansichten gibt es zu diesem Thema und wie sollte darüber geurteilt werden?

Gesetzeslage in unterschiedlichen Ländern

Wenn man sich mit Abtreibungen auseinander setzt wird einem schnell klar, dass jede Entscheidung der Regierung nicht komplett richtig sein kann und alle Bürger komplett zufrieden stellt, da zwischen der Sicherheit des Kindes und der Freiheit der Mutter entschieden werden muss. Nationen gehen dabei unterschiedlich mit dem Recht, bzw. dem Verbot zur Abtreibung um.

In Deutschland ist es eigentlich gesetzlich verboten ein Kind abzutreiben. Allerdings wird hierbei die Strafverfolgung ausgesetzt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Schwangere muss mit dem Eingriff einverstanden sein
  • Die Schwangere muss mindestens drei Tage vor der Abtreibung ein Beratungsgespräch mit einem Arzt aufsuchen, welcher die Abtreibung letztendlich nicht durchführt
  • Das Kind darf zum Zeitpunkt der Abtreibung nicht älter als 12 Wochen alt sein

Die Kosten muss die betroffene Frau selbst übernehmen. Einige Frauen kritisieren, dass die Zahl der Kliniken hierzulande, welche bereit sind Abtreibungen durchzuführen in den letzten zehn Jahren um die Hälfte zurückgegangen sind. Grund hierfür ist das zunehmend schlechte Image der Abtreibung, aber auch die Tatsache, dass im Gynäkologie Studium Abtreibungen einen schwindend geringen Teil ausmachen. Für deutsche Frauen wird es also schwerer eine Schwangerschaft abzubrechen, weshalb immer mehr Frauen die Eingriffe im Ausland, wie in den Niederlanden, durchführen lassen.

Was hierzulande für einen großen Aufruhr bei den Abtreibungsbefürwortern gesorgt hat, war die Ankündigung von Jens Spahn, dass er eine Studie für fünf Millionen € in Auftrag gegeben hat um das „post abortion syndrome“ zu erforschen und zu belegen. Dieses Syndrom beschreibt, dass die Bedeutung und der Verlust durch eine Abtreibung der betroffenen Frau Jahre später bewusst wird und sie in Depressionen und Schuldgefühle stürzt. Dies würde laut manchen Wissenschaftlern die Frauen bis zum Suizid treiben. Allerdings widerlegen zahlreiche Studien diese Hypothese. Sie zeigen, dass nach längerer Zeit die eindeutige Mehrheit der Frauen ihre Entscheidung als richtig bezeichnet. Abtreibungsbefürworter bestreiten deshalb die Existenz dieses Syndroms und sehen die Studie als politisch motiviert.

Bekanntlich herrscht in den USA schon seit jeher eine gewaltige Debatte über Abtreibungsgesetze. Vor den wenigen Abtreibungskliniken, welche dort den Frauen zur Verfügung stehen, erwarten sie oft Anti-Abortion Anhänger, welche den Frauen Schuldgefühle einreden und sie des Mordes bezichtigen. Die Gesetzeslage ist in vielen Staaten eh schon ziemlich restriktiv, jedoch wollen jetzt einige Bundesstaaten wie Georgia die sogenannte „Heartbeatbill“ einführen und die Situation damit noch verschärfen. Dies bedeutet, dass sobald ein Herzschlag bei dem Embryo festgestellt werden kann, es der Frau untersagt ist die Schwangerschaft abzubrechen. Klingt zwar plausibel, allerdings kann der Herzschlag schon circa in der sechsten Schwangerschaftswoche nachgewiesen werden. Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen noch nicht einmal, dass sie ein Kind erwarten. Ihnen wird also keine Entscheidung geboten. Die Situation in Alabama ist allerdings noch extremer. Hier ist eine Abtreibung unter allen Umständen verboten, wenn das Leben der Mutter nicht akut gefährdet ist, selbst nach einer Vergewaltigung oder Inzest. In den anderen Bundesstaaten ist eine Abtreibung unter diesen Umständen noch legal.

Konservative Kräfte der Republikaner sind generell gegen Abtreibungen. Da viele Demokraten allerdings für die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen kämpfen, herrscht im Senat eine permanente Unsicherheit, wie man mit dem Thema umgehen soll, bzw. wie lange die aktuelle Gesetzeslage noch andauern wird. Neulich ist die liberale Richterin des Supreme Courts Ruth Bader Ginsburg verstorben und wurde durch die konservative Richterin Amy Coney Barrett ersetzt. Die strenggläubige Katholikin ist gegen Abtreibungen, weshalb eine Verschärfung der Gesetzeslage zu erwarten ist.

In anderen Bundesstaaten sind Abtreibung zwar teilweise zugelassen, allerdings gibt es oft in dem ganzen Staat nur eine einzige Klinik für diesen Eingriff, was es vielen Frauen unmöglich macht, die Schwangerschaft zu beenden.

Ganz anders sieht es in unserem Nachbarland Frankreich aus. Hier ist eine Abtreibung auch bis zur 12. Schwangerschaftswoche gestattet, jedoch muss die Frau zuvor keinem Beratungsgespräch beiwohnen. Außerdem werden in Frankreich die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Darüber hinaus ist es Hebammen gestattet eine medikamentöse Abtreibung durchzuführen. Jetzt fordern einige von ihnen das Recht ein auch den operativen Eingriff durchführen zu dürfen.

Aber was ist denn jetzt gerade in Polen los? In Polen sind die Möglichkeiten zur Abtreibung seit längerer Zeit ziemlich eingeschränkt, weshalb Frauen öfters ins Ausland fahren, z.B. nach Berlin um die Schwangerschaft zu beenden. Vor drei Wochen hat das Verfassungsgericht, welches von der Regierungspartei PiS gesteuert wird, entschieden, dass Abtreibungen verfassungswidrig sind, außer das Leben der Frau befindet sich in großer Gefahr. Dies bedeutet, dass Abtreibungen auch dann untersagt sind, wenn bei dem Kind beträchtliche Fehlbildungen vorliegen. Die Regierung hat darauf gehofft, dass dieser Entscheid in dem ganzen Medienrummel um das Corona-Virus untergehen würde, allerdings war dies nicht der Fall. Seit dem Beschluss streiken viele polnische Bürgerinnen aber auch Bürger. Die Großstädte sind natürlich die Zentren der Demonstrationen, jedoch weiten sich die Streike über das ganze Land aus: Selbst in kleinen Gemeinden werden Gottesdienste von Demonstranten gestürmt und Bauern demonstrieren mit Traktoren etc. Der Kirche wird Lobbyarbeit in Richtung des Verbotes vorgeworfen, weshalb sie sich gerade unter großer Kritik befindet. An Kirchen werden Slogans wie „Beschäftigt euch mit dem Körper Christi – Finger weg von den Frauen!“ geschmiert. Obwohl rund 73% der polnischen Bevölkerung den Entscheid als falsch beurteilt, lenkt die Regierung bisher nicht ein, sondern setzt auf den Einsatz von Polizei und Militärpolizei um die Proteste niederzuschlagen.

Abtreibungsgegner

„Der Mutterleib ist der gefährlichste Ort auf der ganzen Welt. Nirgendwo sonst kommen so viele Menschen ums Leben.“

Diese Aussage folgte auf die Statistik, dass jährlich mehr als 50 Millionen Kinder abgetrieben, also „ermordet“ werden. Rund die Hälfte wird unter medizinisch unsicheren Umständen durchgeführt. 75% der Abtreibungen in Afrika, Asien und Lateinamerika sind als nicht sicher eingestuft.

Vor allem religiöse Menschen hegen oft eine große Abneigung gegenüber Abtreibung. Beispielsweise Christen argumentieren hierbei oft mit dem fünften Gebot: „Du sollst nicht töten.“

„Manchmal spricht man über die Abtreibung, als ob keine Opfer da wären oder als ob nur die Frauen die Opfer einer verneinten Abtreibung werden könnten. Aber es gibt immer ein Kind. Dieses Leben wird im Falle einer Abtreibung aufgeopfert.“

  Rocco Buttiglione

Es ist äußerst schwierig festzustellen ab welchem Zeitpunkt von Mord gesprochen werden kann. Ist Verhütung schon Mord? Oder die Pille danach? Oder wird der Embryo erst als Mensch anerkannt, wenn er den Mutterleib verlässt? Jeder scheint auf diese Fragen eine eigene Antwort zu haben.

Leider argumentieren Abtreibungsgegner nicht immer sachlich. Des Öfteren werden von extremen Gegnern in Internet Falschmeldungen veröffentlicht um Frauen von ihrem Vorhaben abzubringen.

Ein weiterer, vielleicht nicht so offensichtlicher Aspekt ist die Rolle des Vaters. Die Entscheidung, ob das Kind geboren wird obliegt allein der Frau. Natürlich handelt es sich um den Körper eben dieser Frau, in welchem das Kind heranwächst, jedoch wird dem Mann jegliche Entscheidungsfreiheit genommen. Es ist immerhin auch sein Kind. Sobald das Kind den Mutterleib verlässt, hat der Vater allerdings ein eben so großes Mitbestimmungsrecht, wie die Frau. Er trägt mit dem Sorgerecht eine große Verantwortung für das Kind und ist dazu verpflichtet das Kind auch finanziell zu unterstützen. Ein Kind zu bekommen ist sowohl für Frauen als auch für Männer etwas Lebensveränderndes. Einzig der Frau wird allerdings mittels der Abtreibung die Möglichkeit geboten zu entscheiden, ob sie das Kind möchte oder nicht, während der Mann mit der Entscheidung der Frau und deren Konsequenzen leben muss. Was ist in dem Fall, dass die Frau das Kind nicht möchte der Mann aber schon? Natürlich sollte keine Frau zu einer Schwangerschaft gezwungen werden, aber der Mann verliert dadurch auch sein Kind.

Abtreibungsbefürworter

Ein wichtiger Punkt, welcher für die Abtreibung spricht, sind Krankheiten oder Fehlbildungen des Kindes, welches es lebensunfähig machen oder nur ein Leben unter schlimmen Zuständen und Schmerzen ermöglichen könnten. Hier ist die Frage, ob die Schwangerschaft nicht lieber frühzeitig beendet werden sollte um dem Kind und den Angehörigen Schmerz, Leid und Trauer zu ersparen. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit Tests vor der Geburt durchzuführen, welche Aufschluss über den Gesundheitszustands des Kindes liefern (über dieses Thema habe ich einen eigenen Beitrag verfasst: https://ethikblogs.de/?p=5043).

Außerdem hat die Geschichte gezeigt, dass Frauen oft bereit sind einige Risiken einzugehen, wenn sie sich entschieden haben ein Kind nicht zu wollen. Ob mit Schlägen auf den Bauch, mit Hilfsmitteln wie Stöcken, Ziegenhörnern, dem berühmten Kleiderbügel, der Einnahme von giftigen Substanzen oder schließlich mit Selbstmord: Eine Schwangerschaft ist auch ohne Zutun eines Arztes endlich. Ich denke jedem ist klar, dass eine derartige Abtreibung rein gar nichts mit gynäkologischem Wissen, Hygiene oder Sicherheit zu tun hat. Jedes Jahr sterben rund 47 000 Frauen an den Folgen einer Abtreibung. Studien belegen außerdem, dass es einen Zusammenhang zwischen restriktiven Gesetzen und der Sterbensrate von jungen Frauen gibt. Das heißt, eine einschränkende Gesetzeslage verhindert nicht die Schwangerschaftsabbrüche, sondern zwingt die Frauen die Abtreibungen unter laienhaften Zuständen durchzuführen und sich damit in Lebensgefahr zu bringen.

Einige Frauen beklagen sich über das Image von Abtreibungen. Die Beratungsgespräche seien manipulativ und wären nur dafür gedacht, die Frau von ihrem Vorhaben abzubringen. Außerdem ist es für manche unverständlich, wieso über das Thema nicht offen gesprochen wird und Frauen welche abgetrieben haben, dies verheimlichen wollen.

Eigene Meinung

Wie kann ein Staat richtig entscheiden? Ich finde dies sehr schwierig und bin froh, dass ich diese Entscheidung nicht für eine ganze Nation treffen muss. Nehmen wir mal einen Fall als Beispiel: In Nicaragua wurde eine Neunjährige vergewaltigt und wurde daraufhin schwanger. Der Staat zwang sie das Kind zu gebären. Dies scheint unverantwortlich. Wenn die Situation allerdings anders herum gewesen wäre, also wenn ein Gesetz, bzw. die Entscheidung ihrer Erziehungsberechtigten sie dazu gezwungen hätten gegen ihren Willen die Schwangerschaft abzubrechen, wäre dies dann besser gewesen? Ich bezweifle es.

Die Meinung, dass das Image der Abtreibung aufgebessert werden müsste, kann ich nicht unterstützen. Ich finde es außerdem legitim, dass die Beratungsgespräche darauf ausgerichtet sind die Schwangere, wenn kein driftiger Grund vorliegt, zu überzeugen, von ihrem Vorhaben abzulassen. Eine Abtreibung sollte meiner Meinung nach auch nicht in der Gesellschaft als etwas normales und alltägliches angesehen werden, da es immerhin die Entscheidung ist einem Menschen seiner Zukunft zu berauben. Ich finde es unverantwortlich, dass tatsächlich manche Frauen sich weigern zu verhüten, trotzdem ein reges Sexleben führen und dann einfach ab und zu abtreiben. Dafür sollte eine Abtreibung nicht genutzt werden! Natürlich sollte eine Frau für diese Entscheidung nicht geächtet werden, trotzdem finde ich es oftmals nicht gut. Trotzdem muss die schlussendliche Entscheidung der Frau respektiert werden. (Ich beziehe mich hier nur auf Fälle, in welchen keine Ausnahmen wie eine potentielle Gefährdung, ein extrem junges oder altes Alter der Mutter oder andere unschönen Umstände wie eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung oder grausame Lebensumstände vorliegen). Wichtig ist in meinen Augen ein sachlicher Umgang mit Informationen. Ärzte müssen auch über dieses Thema bestens aufgeklärt sein und Frauen muss der Zugang zu den Informationen möglich sein. Wenn man vielleicht das Adoptionssystem aufbessern würde, würden sich mehr Frauen gegen eine Abtreibung entscheiden. Allerdings bringen Ignoranz und Lügen in dieser Angelegenheit rein gar nichts. Den Frauen muss ein offenes Ohr geboten werden, so können Probleme im Leben der Frau, welche sie zu dieser Entscheidung drängen eventuell gelöst werden.

Was haltet ihr von dem Thema? Seht ihr einen Schwangerschaftsabbruch als Entscheidung, welche jede Frau für sich selber treffen kann oder eher als absolutes Vergehen? Wie sollte die Gesetzeslage eurer Meinung sein: Liberal, moderat oder doch restriktiv?

Quellen

Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020 – John Stuart Mill und der Utilitarismus

Datum: 26.06.2020

Klassenstufe: K1

Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn

Teilnehmer: 15 von 15 Schülern

Inhalt

Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br über den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende gehört und anschließend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. Moonlight hat in ihrem Beitrag vom 25.06.2020 die Lösungen des Arbeitsauftrages bereits gut zusammengefasst, weshalb ich nicht mehr detailliert darauf eingehen werde. Hier als Übersicht eine grobe Zusammenfassung und am Ende dieses Beitrages findet ihr den passenden Aufschrieb.

Der Utilitarismus laut John Stuart Mill – Zusammenfassung

Das Gemeinwohl wird über das Wohl des Einzelnen gestellt. Grundsätzlich sollen jedem Individuum größtmögliche Freiheiten eingeräumt werden, außer dies könnte dem kollektiven Gemeinwohl schaden. So lehnt diese Philosophie ungleiche Gesellschaftsformen ab, in welchen kleine Eliten den Großteil des Gesamtvermögens besitzen. Um eine utilitaristische Gesellschaft zu ermöglichen, dürfen die einzelnen Teilnehmer der Gesellschaft keine egozentrischen Weltanschauungen vertreten, sondern müssen stets das Gemeinwohl im Auge behalten (→ Wohlverstandenes Eigeninteresse). John Mills Theorie widerspricht der von Jeremy Bentham in dem Punkt, dass laut Mill Leid und Glück nicht quantitativ, sondern qualitativ gemessen werden muss. Hierbei ist vor allem die Langfristigkeit des Leids oder Glücks ausschlaggebend, also welche Folgen die Handlung mit sich bringt. Hat eine Handlung die Tendenz langfristiges Glück zu befördern, so wird sie von Mill als gut erachtet. Er sprach auch oft von Lust. Damit war allerdings nicht die sinnliche Lust, sondern die Freude an geistiger Betätigung gemeint.

Gerecht ist was dem Kollektiv nützt. Hier spielt vor allem der Pro-Kopf-Nutzen, d.h. das durchschnittliche Glück, welches die Beteiligten erleben, eine wichtige Rolle. Der Zweck kann also die Mittel heiligen. Dies ist aus heutiger Sicht allerdings fraglich, da menschenunwürdige Mittel nicht durch eine positive Konsequenz ausgeglichen werden können.

1867 wurde das britische Wahlrecht reformiert, wodurch die Anzahl an Wahlberechtigten ungefähr verdoppelt wurde. Hierbei war John Stuart Mill maßgeblich beteiligt. Er forderte allerdings ein Zensuswahlrecht auf der Grundlage von Bildung, um eine Tyrannei der ungebildeten Mehrheit zu verhindern.

Trotz seiner liberalen Ansichten, sah Mill es als die Aufgabe vom Staat und der Gemeinschaft bei der Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Heizung die Bürger zu unterstützen. Außerdem war es seiner Meinung nach legitim, wenn der Staat beispielsweise die Alkoholpreise erhöht, um so die Bürger vor sich selbst zu schützen.

Das Trolley-Dilemma

Den Rest der Stunde haben wir uns mit dem Trolley-Dilemma befasst. Hierbei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in welchem man sich in Situationen hineinversetzt, bei denen es keine gute Lösung gibt, da beispielsweise über Menschenleben abgewägt wird. Bekannt hierbei ist vor allem das Modell des Zuges. Man nimmt die Position des Weichenstellers ein, welcher entscheiden muss auf welchem Gleis der Zug weiterfährt. Das Problem ist, dass egal wie man sich entscheidet, die Situation stets ein schlechtes Ende nimmt, da auf beiden Gleisen sich z.B. unterschiedliche Anzahlen an Bauarbeitern befinden.

Hierzu haben wir das Video „Filosofix: Das Gedankenexperimet „Straßenbahn““ von dem SRF geschaut und ein passendes Arbeitsblatt bearbeitet. Auf diesem muss man selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg der Zug nehmen soll.

Der Zug tötet entweder:

  1. Einen oder fünf Bauarbeiter.
  2. Fünf Bauarbeiter oder einen dicken Mann, den man selbst von einer Brücke schubsen muss und welcher den Zug stoppen würde.
  3. Einen Bauarbeiter oder fünf Bauarbeiter, zu denen man selbst gehört.
  4. Einen selbst oder fünf Bauarbeiter.

Nach der Besprechung in der Klasse, hat sich herausgestellt, dass sich die meisten folgendermaßen entschieden haben:

  1. Die fünf Bauarbeiter retten und den Einen opfern.
  2. Den dicken Mann nicht schubsen, da dies eine mutwillige Tat wäre und einen Unbeteiligten involvieren würde.
  3. Den einzelnen Arbeiter opfern und sich selbst sowie die vier anderen Arbeiter retten.
  4. Intuitiv würde sich wahrscheinlich jeder selbst retten. Hätte man allerdings länger Zeit zu überlegen, würden sich eventuell manche selbst opfern.

Gemeinsam als Kurs haben wir per Mehrheitsabstimmung den Test der Moral Machine durchgeführt. Hierbei entscheidet man in verschiedenen Szenarien, wie ein autonomes Auto in ausweglosen Situationen zu reagieren hat. Das Prinzip ist wie oben dasselbe: Man muss zwischen Leben abwägen. In diesem Gedankenexperiment geht es jedoch nicht nur darum, wie bei den Bauarbeitern die Quantität an Leben abzuwägen, sondern die Qualität muss auch berücksichtigt werden. Der Simulator stellt einen vor Entscheidungen, bei welchen die Anzahl, das Geschlecht, die soziale Stellung, das Alter, die Befolgung der Gesetze (Fußgänger überqueren die Straße bei rot/grün) und sogar die Spezies (Haustiere sind auch Teil der Aufgabe) abgewogen werden müssen. Ein angenehmes Gefühl hinterlässt das Gedankenexperiment nicht wirklich. Trotzdem war das Ergebnis sehr interessant. Nach der Beendung der Simulation, wird eine Zusammenfassung erstellt, welche Präferenzen sich während der Durchführung gezeigt haben. In unserem Kurs sah dies wie folgt aus: Im Durchschnitt hat unser Kurs sehr utilitaristisch entschieden, was sich z.B. durch das Retten von Ärzten zeigte. Es wurden von der Mehrheit eher Männer gerettet, genauso wie jüngere und sozial höher gestellten Menschen Vorrang gegeben wurde. Bei der Entscheidung zwischen Mensch und Tier hat sich der Kurs stets für den Menschen entschieden.

Führt den Test einmal selbst durch und schreibt in die Kommentare, wie eurer Ergebnis lautet. Findet ihr die Entscheidungen unseres Kurses richtig oder hättet ihr anders gewählt? Ihr könnt auch gerne zu dem oberen Dilemma mit den Bauerbeitern Stellung beziehen.

Aufschrieb

Grundgedanken

  • Gerechtigkeit
  • Allgemeinwohl vor Eigenwohl → Pro-Kopf-Nutzen steigern
  • Größtes Glück für die größte Zahl (an Menschen) → „Pig philosophy“? →langfristiges Glück, Bildung, Qualität des Glücks ( ↯ Gegensatz zu Bentham) →auch Einschränkungen der Freiheit Einzelner möglich

Kritikpunkte

  • „Pig philosophy“ (Gegner vertreten die Meinung, Mills Philosophie würde ausschließlich kurzfristige Lust erzielen)
  • Einzelinteressen werden geopfert
  • Zensuswahlrecht (Interessen von Arbeitern und Unterschicht werden nicht vertreten)
  • Gerechtigkeit ist subjektiv, wird auch von außen beeinflusst
  • Zweck kann Mittel heiligen, auch wenn diese menschenunwürdig sind

Grundprinzipien des Utilitarismus

  • Konsequenzen: Nicht die Motive, sondern die Folgen entscheiden über die Moralität und Gutartigkeit einer Handlung
  • Utilität: Der Nutzen ist der Maßstab nach dem eine Handlung beurteilt wird
  • Hedonistisches Prinzip: Das allerhöchste Gut ist die Lust oder das Glück (pleasure)
  • Prinzip der Universalität: Nicht die Individuen, sondern die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Quellen

Pränatale Tests und Designerbabies

Der deutsche Ethikrat beschäftigt sich im Bezug auf Wissenschaft der Gene, im Besonderen mit der Veränderung des Genoms. Jedoch kann bereits die Analyse des Gensatzes zu Kontroversen führen. Im Folgenden werde ich über pränatale, also vorgeburtliche Tests, ob sie eingesetzt werden sollten und welche Folgen sie tragen, schreiben, im besonderen Bezug auf das Down-Syndrom. Außerdem werde ich auf das mögliche Risiko der Entstehung eines Designerbabies eingehen.

Bei Pränataldiagnostik kann noch während der Schwangerschaft festgestellt werden, ob das Kind voraussichtlich Behinderungen, Krankheiten oder sogar Allergien hat. Dies klingt anfangs wie eine äußerst nützliche Erfindung, jedoch muss man auch die Schattenseiten betrachten.

Für viele werdenden Eltern hört sich die Vorstellung bereits vor der Geburt auf gewisse Einschränkungen vorbereitet zu werden sicherlich verheißungsvoll an. Das Umfeld kann schon dementsprechend verändert werden, die Eltern verfügen über mehr Zeit für ihre mentale Vorbereitung und auch die Ärzte sind auf möglich auftretende Gefahren während der Geburt vorbereitet. Natürlich ist es die Erleichterung, die bei einer Entwarnung zu erwarten ist, die viele von diesen Diagnosen überzeugt. Allerdings darf man sich nicht unbedingt auf die Ergebnisse verlassen, da sie ungenau, falsch oder auf eine vorliegende Behinderung nicht ausgelegt sein können .

Diese Art Test birgt auch einige ethisch fragliche Risiken. Sollte das Ergebnis lauten, dass das Kind gesund auf die Welt kommen wird, ist dies sicherlich eine gewaltige Erleichterung für die Eltern. Was ist jedoch wenn der Test anders verläuft? Die Situation wird sofort viel komplizierter und auch tragischer für manche Eltern, da viele mit diesem Wissen nicht umgehen können. Eine Erkrankung, auf welche die meisten pränatale Tests ausgelegt sind ist die Trisomie 21 oder auch bekannt als Down-Syndrom. Auch hier bieten die Tests kein absolut verlässliches Ergebnis, was beispielsweise mit undiagnostizierbaren Untergruppen der Trisomie 21 zusammenhängt. Studien belegen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Abtreibung auf 90% ansteigt, sollte die Frau einen Test mit dem Ergebnis der Trisomie 21 durchführen. Dies wirft die Frage auf, ob die vom Down-Syndrom betroffenen Kinder ein geringeres Recht auf Leben haben, als Kinder mit unauffälligen Testergebnissen. Dafür müssen die einzelnen Symptome der Betroffenen betrachtet werden, welche zusammengefasst neben leicht verändertem Aussehen, eine langsamere Entwicklung, eine beeinträchtigte Lern- und Konzentrationsfähigkeit, eine unterschiedlich starke geistige Behinderung und Fehlbildungen der Organe sind. Allerdings besitzen Menschen mit Trisomie 21 auch Gaben, wie künstlerische und musikalische Fähigkeiten und emotionales Feingefühl, was sie als liebevolle Frohnaturen erscheinen lässt.

Meiner Meinung nach, haben Betroffene vom Down-Syndrom, eine Daseinsberechtigung, wie jeder andere. Ich kann verstehen, dass die Vorstellung ein beeinträchtigtes Kind zu bekommen für einige Eltern eine starke psychische Belastung darstellt, jedoch kann man sich bei den meisten Behinderungen auf das Kind einstellen und es genauso lieben wie ein „normales“. Ausgenommen sind hier Behinderungen, die ein Überleben des Kindes oder der Mutter unmöglich bzw. sehr unwahrscheinlich machen. Bei solchen Fällen ist eine Abtreibung für mich ersichtlich, um unnötiges Leiden zu ersparen.

Ein weiteres Problem ist der Missbrauch der Pränataldiagnostik. In den USA gibt es bereits Tests, welche Föten auf bis zu 80 unterschiedliche Merkmale analysieren. Bei einer Weiterentwicklung dieser Diagnostiktechnik ergibt sich die Gefahr eines Designerbabies. Damit ist die Auslese der Kinder aufgrund von nicht lebensbedrohlichen Merkmalen gemeint. Eltern, die eine klare Vorstellung ihres Kindes im Kopf haben, könnten so lange Abtreibungen durchführen, bis das Kind mit dem gewünschten Merkmal ausgestattet ist. Als ich zum ersten Mal von diesem Phänomen gehört habe, musste ich sofort an das Erstellen eines Avatars in einem Videospiel denken. „Das Baby ist nicht blond? Dann will ich es nicht.“ Zwar mag dies sehr überspitzt wirken, jedoch besteht bereits seit längerem diese Art von Kinderwunsch. Dazu zählen z.B. Schwangerschaftsabbrüche in China und Indien, die durchgeführt werden, da ein Mädchen erwartet wird. Bei einer Weiterentwicklung der Pränataldiagnostik werden immer mehr Paare auf solch eigentlich unwichtige Details Wert legen. Dabei geht allerdings die Vielfalt und Individualität verloren, was in großem Stile zu einer Veränderung der Bevölkerung führen könnte. So wären unter dem Nationalsozialismus weniger, aber mehr dem Ideal des Ariers entsprechende Kinder geboren worden. Diese Auslese der Kinder wäre ein weiterer Faktor in dem die Menschen versuchen sich die Natur untertan zu machen. Die Frage stellt sich allerdings, ob nicht schon das Testen auf Fehlbildungen etc. und dadurch begründete Abtreibungen eine Unterform dieser menschlichen Hybris ist.

Als abschließende Betrachtung sind die Möglichkeiten der vorgeburtliche Analyse sehr vielversprechend und manchmal definitiv sinnvoll. Jedoch sind sie mit Vorsicht zu genießen, da stets ein Risiko auf Missbrauch besteht und bei vielen Verfahren das Fehlgeburtenrisiko steigt. Meiner Meinung nach sollte man sich früh entscheiden, ob man das Kind haben möchte oder nicht. Dabei sollten werdende Eltern keine Bedingungen an ihr Kind stellen, welche bei Abweichungen zur Abtreibung führen. Besonderheiten eines Kindes, wie Trisomie 21, würden es nicht weniger liebenswert machen wie ein normales. Bei vielen Behinderungen ist es, denke ich, nicht allzu schwer sich daran zu gewöhnen. Dafür gibt es auch sehr viele Unterstützungseinrichtungen, die sowohl dem Betroffenen, als auch seinen Angehörigen helfen. Trotzdem gibt es für die meisten eine Grenze ab welcher sich für eine Abtreibung entschieden wird. Diese liegt z.B bei der Fähigkeit des Kindes zu überleben, wie bei mir persönlich. Jedoch gibt es auch Eltern, bei denen das Kind besondere Eigenschaften haben muss, ohne welche die Schwangerschaft abgebrochen wird. Dieses Verhalten empfinde ich als abscheulich, da jedes Kind eigentlich ein Recht auf Leben haben sollte und eine Bewertung, beispielsweise nach dem Geschlecht absolut unfair diskriminierend ist. Deshalb sehe ich eine zu ausführliche Pränataldiagnostik als gefährlich, obwohl eine technische Weiterentwicklung jener Tests, die auf lebensbedrohliche Einschränkungen abzielen natürlich äußerst positiv ist.

#IStandWithMaya – Unterstützung einer transfeindlichen Welt?

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist nicht immer die Gesellschaft, in der man leben will. Nicht jeder kann sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen einigen. Deshalb kommt es im Internet und in der Öffentlichkeit immer mehr zu Diskussionen, Meinungsäußerungen und Auseinandersetzungen. Während sich viele als Individuum in unserer Gesellschaft nicht zurechtfinden, setzen sich andere für ihre bestimmten und individuellen Vorstellungen und Werte ein. So löst auch Harry Potter-Autorin J.K.Rowling eine große Internet-Debatte aus und muss um einiges an Kritik und Empörung einstecken. Über Twitter hat sich die Autorin zu der Kündigung von Maya Forstater geäußert, was viele Fans schockiert. In einem Tweet, veröffentlicht am 19. Dezember 2019, verteidigt J.K. Rowling die genderkritische Wissenschaftlerin Maya Forstater, die aufgrund transfeindlicher Aussagen auf Twitter ihren Job verloren hat. Zum einen hat die Steuerfrau dazu aufgerufen, den Sender Recognition Act zu reformieren, der Trans Menschen erlaubt, ihr Geschlecht auszugleichen. Maya Forstater sagte in einer respektlosen Schreibweise aus, dass Männer nicht zu Frauen werden könnten. Sie glaubt nicht, dass ‚Frausein‘ eine Frage der Identität oder weiblicher Gefühle ist. Für Maya Forstater zählt die Biologie und dass beide Geschlechter nicht beschränkt oder diskriminiert werden sollten, weil sie den traditionellen, geschlechtsspezifischen Erwartungen nicht entsprechen.

Durch das Anklicken des Links https://twitter.com/mforstater?lang=de könnt ihr euch einen eigenen Zugang zu den Äußerungen von Maya Forstater verschaffen.

J.K. Rowling unterstützt die Frau über Twitter, bestätigend mit dem Hashtag #IStandWithMaya. Sie schreibt:

Die Empörung vieler Fans von dieser Autorin ist groß. Eine selbst betroffene Frau schreibt davon, als Kind Zuflucht in den Büchern gesucht zu haben und dass ihre Vorstellung von Hogwarts durch die Ansichten der Autorin geplatzt sind. Ein schwuler Fan schreibt: “Knowing that Trans people wouldn’t be able to have that safety, breaks my heart.“ Auch einem Buchhändler namens Linus Giese geht es zu weit. Er schreibt, es gäbe keine Entschuldigung mehr dafür, nicht zu wissen, dass J.K. Rowling transfeindlich sei.

Ich selbst bin ein begeisterter Fan von den Harry Potter Büchern und Filmen, und bin entsetzt davon, dass sich J.K. Rowling mit dem Hashtag öffentlich auf die Seite gegen transsexuelle Menschen stellt. Die Enttäuschung der Fans lässt sich eindeutig nachvollziehen, jedoch sagt die Autorin mit ihrem Tweet ebenso die Freiheit des Menschen aus, wie dass man sich beispielsweise anziehen soll wie man will. Zwar beschreibt J.K. Rowling, dass man sein bestes Leben in Frieden und Sicherheit leben soll, jedoch erscheint es für mich widersprüchlich, wenn man die Message mit den Reaktionen der Fans vergleicht, die sich nicht mehr in Hogwarts sicher fühlen können. Zum anderen lässt sich die Frage stellen, ob man die erfundene, fesselnde Welt der Autorin mit der Realität gleich stellen sollte, um sich persönlich zurückziehen zu können. Meinem Verständnis zufolge sagt J.K. Rowling aus, dass man zu sich stehen sollte und das machen sollte, was man selbst für richtig hält. Dennoch sollte man den eigenen Körper akzeptieren und dazu stehen, was man aus biologischer Sicht ist. Sie differenziert zwischen “wer man ist“ und “was man ist“. Ich verknüpfe das mit der Frage der Existenz des jeweiligen Individuums, dass der Mensch erst existiert und sich danach erst selbst definiert, wodurch die Identität nicht das Geschlecht miteinbezieht.

Der Mensch hat das Privileg, sich selbst zu gestalten, seine eigenen Normen zu erdenken und seine Individualität zu erkennen. Doch was haltet ihr von den Äußerungen von Maya Forstater und J.K. Rowling? Findet ihr sie berechtigt, missverstanden oder tatsächlich angreifend gegenüber der verschiedenen Identitäten?

Quelle:

https://www.google.de/amp/s/ze.tt/transfeindlichkeit-j-k-rowling-veraergert-mit-einem-tweet-tausende-fans/amp/

Scientology – Hoffnungsträger oder eine Gefahr?

Scientology („Lehre des Wissens“) ist eine neue religiöse Bewegung, die 1954 gegründet wurde und auf den Schriften von L. Ron Hubbard beruht. Sein berühmtestes Buch „Dianetik: Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“ wurde sogar über 21 Millionen Mal gedruckt. In diesem geht stellt er klar, dass alle Lebewesen das Ziel zum überleben haben. Dies wird durch unseren Verstand gesteuert. Laut Hubbbard besteht dieser aus zwei Teilen: einem analytischen, der für jedes Problem eine Lösung hat, und dem reaktivem, der bei negativen Eindrücken und emotionalen Schmerzen aktiv wird. Deshalb möchte diese Organisation diese „fehlerhaften Datenansätze“ durch einen sogenannten E-Meter aufspüren und löschen, damit der Verstand wieder fehlerfrei arbeiten kann. Somit sieht Scientology sich als Erlösungsreligion, die dem Menschen den Zustand geistiger Freiheit vermittelt und ihn von seinen Fesseln im physischen Universum befreien will. Ihr Ziel ist es also die Vernichtung aller menschlichen Defekte und eine perfekten Welt ohne Mängel zu erreichen. Dabei spielt aber auch die Gerechtigkeit für jeden einzelnen Menschen eine Rolle. Um diese Ideologie gut zu verbreiten, wird viel durch Bücher, Versprechungen wir die Heilung schwerer Krankheiten aber auch durch Stars geworben, die nur Gutes darüber erzählen. Vor allem Tom Cruise ist einer der berühmtesten davon. Doch gerade durch negative Gefühle wie z.B. Einsamkeit und Trauer, sehen manche Menschen in Scientology einen Hoffnungsträger. Schaut man sich jedoch Berichte zu ausgestiegenen Personen an, bekommt man einen sehr guten Blick hinter die eigentliche Kulisse. Es wird berichtet, dass die Versprechungen nicht eingehalten werden und vor allem Kinder es sehr schwer haben. Diese werden nämlich als Erwachsene in kleinen Körpern gesehen und haben deshalb keine leichte Kindheit und eine harte Erziehung. Auch gibt es das sogenannte „Rehabilitation Project Force“. Es ist ein Programm für Mitglieder, die angeblich gegen Erwartungen oder Richtlinien verstoßen haben. Doch man kann es genau so gut als ein Privatgefängnis ansehen, da jede kleinste Übertretung bestraft wurde. Aus einem Bericht eines Deutschen an das Amtsgericht in Berlin finden wir diese Worte:

„Die Repressalien der „Kirchenleitung“ gipfelten im Juni/Juli 1996 darin, daß der Kläger, da er und seine Freundin immer noch nicht von Ihren Heiratsplänen Abstand nahmen, zwei Wochen lang in einem ca. 4 qm großem fensterlosen Raum in Clearwater gefangengehalten und insbesondere psychisch gefoltert wurde.“

Auch kann Scientology für die Mitglieder sehr gefährlich werden, da diese völlig abhängig gemacht werden können. Vor allem Aussteiger können mit Verfolgung oder Erpressung rechnen.

Für mich persönlich waren diese Berichte erschreckend. Erstens sind wir perfekt so wie wir von Gott erschaffen worden sind und man darf auf keinen Fall behaupten, der Mensch hätte menschliche Defekte und sollte sie deshalb beseitigen. Außerdem sollte jeder Mensch eine Entscheidungsfreiheit besitzen und nicht mit negativen Folgen nach einem Ausstieg rechnen müssen. Auch verstößt Scientology gegen die Menschenrechte, da niemand einfach so eingesperrt werden darf.

Jetzt würde mich natürlich auch brennend interessieren, was ihr zu diesem thema sagt und wie ihr dazu steht, weshalb ich mich über eure Kommentare freuen würde!

Quellen:

https://e-hausaufgaben.de/Referate/D10590-Praesentation-Scientology-zwischen-Attraktivitaet-und-Gefahr.php

https://www.planet-wissen.de/kultur/religion/jenseits_der_traditionellen_kirchen/pwiescientology100.html#lehre

http://agpf.de/Archiv/RPF.htm

Lg Aspasia

Von Goblins und Priestern

Im tiefen Südwesten Chiles gibt es eine Insel namens Chiloé, welche die Heimat eines unglaublich hässlichen Goblins namens „El Trauco“ und seiner genauso hässlichen Frau ist. Aber obwohl er so hässlich ist, schafft er es dank seiner morphologischen Eigenschaften immer wieder, ein junges Mädchen zu schwängern. Das heißt, von seiner Art her ist er ähnlich wie der christliche Gott, nur lange nicht so berühmt. Soweit so Monogam. Ausserehelicher Sex und die darauffolgenden Nebenwirkungen sind ein verbreitetes Problem aller monogamen Zivilisationen und um nicht alle jungen und schwangeren Frauen an das soziale Stigma zu verlieren und sie verbannen zu müssen, ist es nur logisch eine gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit zu schaffen, die aber das Stigma an sich nicht verliert (darum ist El Trauco auch so betont hässlich). El Trauco ist sozusagen ein Sündenablassschein, um die Bevölkerung langfristig zu erhalten, ein klassischer Succubus. Doch was die Geschichte wirklich besonders macht, ist das, was die Kolonialisierung Chilés durch die Spanier aus dem Goblin machte. Ab da begann der Succubus häufiger die Form reicher Männer und frommer Priester anzunehmen, denn die Konquistadores waren selten für ihre freundliche Behandlung von einheimischen Frauen bekannt. Mit dem Einzug der Vergewaltiger in Chiloé bekam El Trauco die Rolle einer unausgesprochen Vereinbarung, um dem Problem aus dem Weg zu gehen. Aber man muss sich in die Haut der
indigenen Huilliches versetzen: Man konnte nicht die Übermacht der reichen und militärisch überlegenen Spanier überwinden. Und noch weniger konnte man tausende von jungen Frauen mit dem wichtigen Nachwuchs wegschicken. Doch vor allem konnte man nicht nachfragen, was wirklich passiert sei. Was sollen die Frauen denn sagen? Dass sie vom Inselgourverneur vergewaltigt wurden, und sie sein Kind austragen? Da war es für die Menschen das einfachste sich auf das Codewort „El Trauco“ zu reduzieren. Ein Südenablass für die Frau und ein Freifahrtsschein für Männer. Es ist einfacher an einem Goblin zu glauben, als die Wahrheit zu erforschen.

El Trauco (CC2, Wikimedia)

Genau das liegt in der Essenz von allem Glauben. Es ist einfacher nach den Worten des Korans seinen Lebensweg auszulegen, anstatt die intrinsische Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz auf den Schultern zu tragen. Zudem ist es wahrscheinlich auch besser, einen Glauben zu leben, anstatt „einen Wissen“ zu leben. Ich halte es für außer Frage, dass jeder Mensch, mit genug kognitiver Fähigkeit zu predigen, auch erkennt, dass es keinen tatsächlichen Sinn in seinem Glauben und Handeln gibt. Jedoch halte ich es für genauso außer Frage, dass jeder an etwas glaubt, auch der hartnäckige Empiriker und Skeptiker muss das machen. Was ist schon die Alternative? Wissen kann man nicht leben, noch weniger mit derart nihilistischem Wissen. Doch mit dem Wissen einen Glauben zu leben, das geht. Das konnten die tausende Inselbewohnerinnen, ihre Kinder und eine ganze Gesellschaft auch. Vielleicht ist es ein deprimierendes Gefühl, mit dem Wissen um diese Fehlerhaftigkeit in jedem Glauben weiterzuleben, aber die Jungfrauen, die im Himmel auf mich warten, gleichen dieses Gefühl wieder aus.

Eine Generation für den Klimaschutz

Vor einigen Tagen habe ich an einem Schulstreik für den Klima- und Umweltschutz teilgenommen. Initiiert und Organisiert wurde dieser Streik natürlich von Schülern, nach dem Vorbild des schwedischen Mädchens Greta Thunberg, die seit Monaten jeden Freitag in Stockholm anstatt vor der Tafel, vor dem Parlament sitzt. Die Demo in Hall war ein voller Erfolg. Rund 400 Schüler streikten, stimmten Sprechchöre an, tauschten sich aus, marschierten durch die Straßen und machten deutlich: Wir wissen, dass es um unseren Planeten geht, wir wissen wer daran Schuld ist, und wir wollen gehört und beachtet werden. Uns steht ein gesunder Planet zu.

Lautstark, etwas jugendlich-naiv, aber mit sehr viel Wut wurden konkrete Forderungen an Politik und Wirtschaft gestellt. Kohleausstieg bis 2030. Einhalten des 1,5 Grad Ziels. Abschalten aller AKW’S, dazu mehr Tierschutz. Ich glaube, wer sich intensiv mit der globalen Erderwärmung, sowie mit der industriellen Vernichtung der Natur beschäftigt und noch 70 Jahre auf der Erde verbringen wird, denkt nicht mehr in den bisherigen altruistischen Kategorien wie unsere Eltern. Klimaschutz ist für uns nicht mehr etwas, was man aus Güte der nächsten Generation betreibt, sondern weil man seinen eigenen Hintern retten möchte. Vielleicht ist es den Teilnehmern des Streikes auf Papier klar, dass unsere Zukunft auf dem Spiel steht, aber wenn in einigen Jahren, die Dürren häufiger werden, die Fluten heftiger, die Bienen staatlich gefördert und Venedig unter Wasser ist, dann werden sie wirklich realisieren, warum Klimaschutz wichtig ist, warum die globale Erderwärmung keine Bedrohung für die Natur, sondern für den Menschen ist. Und dann sind es diese Schüler, Wir, die das Rückgrat der Wirtschaft, der Politik und der Welt sind. Eine Generation, die mit Klimaschutz groß geworden ist. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, an dem Klimaschutz noch kein großes politisches und mediales Thema war. Wir sind mit ihm groß geworden. Was das bedeutet ist Zukunftsprägend. Es bedeutet Menschen, die ihr Leben dieser Aufgabe widmen werden. Das bedeutet kleine Änderungen im Alltag wie effektive Recyclingsysteme und Klima neutrale Fortbewegung, das bedeutet aber auch multinationale Unternehmen, die es irgendwie geschafft haben, mit Klimaschutz Geld zu verdienen. Das bedeutet eine ganze Generation, die die Fehler der Vergangenen ausbügelt, und zwar nicht weil sie Tiere so unglaublich niedlich findet, sondern weil sie sonst von im russischen Permafrost auftauenden Krankheiten dezimiert wird. Dabei ist meine Generation nicht besser als die meiner Eltern, auch wenn diese uns eindeutig in diese Situation geritten hat. Aber Menschen sind Menschen, und Menschen handeln meistens dann, wenn Not wirklich spürbar ist, und wir werden sie spüren. Neun der Zehn heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung -ein Zeitraum von 140 Jahren- waren in den letzten 19 Jahren. Doch entscheidender als das, was wir spüren werden, ist wie wir handeln werden, und da müssen wir unseren Eltern danken, denn das grüne Gedankengut ist in uns stark verankert und ist Schicht-unabhängig, was zum Beispiel die Grünen zur Volkspartei befördert. Klimaschutz wird von einem Thema auf der Straße zu einem Thema der Tagesordnung übergehen, Klimaschutz wird ein fester Bestandteil unseres Lebens sein. In zwanzig Jahren werde Ich nicht auf die Straße gegen Kohlestrom gehen, sondern in der Institutionalisierung und Industrialisierung des Klimaschutzes mein tägliches Brot verdienen. John F. Kenndy sagte: „Nur eines ist auf Dauer teurer als Bildung: Keine Bildung“. Heute ist Bildung in fast allen Staaten eine Institution und für Jeden, für Bildung wird auf internationaler Ebene gekämpft. Heute können wir sagen „Nur eines ist auf Dauer teurer als Klimaschutz: kein Klimaschutz“, und morgen können wir eine Welt haben, in der wir leben können. Dieses Ziel ist die Aufgabe unserer Generation, und unweigerlich werden wir dieses Ziel erreichen müssen. Aber wenn ich an die hunderten jungen Leute denke, die mit ihren beschränkten Mitteln und gegen den Willen vieler Schulen am Freitag da waren, sehe ich weniger Grund zum Pessimismus.

Mit freundlichen Grüßen, Karthasis