Die Sache mit der Berufswahl

Berufswahl.

Dieses Wörtchen wird vermutlich gerade viele Leute in meinem Alter beschäftigen.

BE-RUF-S-WAHL.

Und da kommt es wieder heraufgestiegen, aus den unergründlichen Tiefen des Unterbewusstseins: Booom!!!

Es ist zurück. Aber es war nie weg.

Es schlummert immerfort, und manchmal kommt es aus dem Hinterhalt gekrochen, um einen dann am helllichten Tag zu überraschen und einem Angst einzujagen, oder zumindest die Spur der Ungewissheit über den Rücken laufen zu lassen.

Geht es Dir genauso? Dann bist Du hier richtig.

Oder bist Du schon drüber hinweg?

Dann lass mich das wissen.

Hast Du Tipps?

Vermutlich nicht.

Ständig wird man gefragt:“Heyy, du hast es ja bald geschafft, nur noch ein Jahr, was machst du danach?“ Ist ja alles nur total lieb gemeint. Aber trotzdem unendlich schwierig zu antworten. Wenn man nicht gerade Zahnärztin werden will. Ich aber nicht. Dass ist ja das nächste: Mir fallen viele Dinge ein, die ich absolut nicht machen will. Reinigungsfachkraft, Lehrer, oder Doktor in Physik, zum Beispiel. (Wenn Du das werden willst, kann ich Dich nur dazu ermutigen, aber ich nicht!) Aber Dinge, die ich mir wirklich richtig gut vorstellen kann, da wird es schwierig.

Wenn man einmal mit seinen Großeltern redet, dann wird einem vermutlich auffallen, dass damals meistens zwischen zwei oder drei Lehrstellen entschieden wurde, dann erlernte man den Beruf und hatte sich „entschieden“. Wenn man sich heutzutage für ein Studium entscheidet (was ja nur eine zwischen vielen Optionen ist!), dann hat man nochmals die Wahl zwischen 19.559 Studiengängen. Ja, NEUNZEHNTAUSENDFÜNFHUNDERTNEUNUNDFÜNFZIG!!!!

Natürlich ist das hier jammern auf sehr, sehr hohem Niveau, unsere Großeltern wären vermutlich froh gewesen, überhaupt Studieren zu können und zu dürfen (wenn man mal die riesigen finanziellen Aspekte etc. beachtet), und auch im Vergleich zu anderen Ländern und Teilen dieser Welt sollten wir hier glücklich sein über die große, freie Auswahl an Ausbildungsplätzen, Studienplätzen etc..

Mir geht es nichtsdestotrotz immer so, dass ich Schiss habe, mich für ein Studium zu entscheiden, also durch eine Tür zu gehen, und währenddessen klappen alle anderen Türen zu und können nicht wieder geöffnet werden. Mittlerweile ist mir klar, dass man durch Umschulungen etc. nicht fest an einem speziellen Beruf gebunden ist sondern immer noch in andere Gebiete überwechseln kann. Trotzdem überfordert mich die Fülle an Möglichkeiten, die unsere Welt zu bieten hat, jedesmal. Und wenn ich dann mal einen Studiengang oder Beruf für mich entdecke, so ist es nur eine Frage von einigen Tagen bis ich etwas neues spannenderes finde als das Alte.

Ich denke, die BERUFSWAHL ist einfach keine Entscheidung, die man mal macht und dann ist das so. Es dauert eben bis man wirklich dahin kommt, es ist eben ein Prozess, wie mit allem im Leben. Wenn man mal Obama fragt, was er mit 17 Jahren werden wollte, wird er vermutlich auch nicht „Na, ist ja klar, Präsident von den Vereinigten Staaten von Amerika, was denn sonst?“ sagen.

Wobei wir da beim nächsten wären: Wo will ich überhaupt einmal leben? Will ich Familie haben? Kinder? Eine Wohnung? Ein Haus? Soll das Haus gelb oder doch lieber rosa mit Schäfchenwolken sein?

Ich glaube, ich für mich persönlich möchte das einfach nicht alles planen. Was macht man denn dann, wenn man mit 40 halt eben doch noch keine Familie gegründet hat? Nochmal von vorne anfangen geht ja schlecht. Oder wenn man doch nicht die gewünschten Ergebnisse im Beruf hatte, sei das jetzt, Geld zu verdienen, oder zu helfen, oder Menschen glücklich zu machen.

Egal was ich in 20 Jahren oder so mal machen werde, ich denke, das wichtigste ist einfach dass ich es mit Leidenschaft mache, dass ich dafür Überstunden machen würde, egal ob bezahlt oder nicht; und dass es meinen Werten entspricht, egal wie diese sich weiterentwickeln werden. Ich will nicht, dass ich nur dasitze und vor mich hin arbeite und warte bis es endlich Feierabend ist. Und ich hoffe, dass es etwas ist, was den Menschen hilft, die Menschen weiterbringt oder die Menschen berührt.

Und? Was ist mit euch? Habt ihr euch schon ENTSCHIEDEN ;)? Ich bin gespannt was ihr so schreibt und wie es euch so geht bei diesem Thema, das eigentlich alle betrifft….

 

Quellen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2854/umfrage/bachelor–und-masterstudiengaenge-in-den-einzelnen-bundeslaendern/

eigens Gehirn 🙂

Zusammenfassung der Doppelstunde vom 24.05.2019

Thema: Verantwortungsethik, fridays for future
Datum: 24.05.2019
Zeit: 7:45-9:20 Uhr


Referentin: Frau Schütze
Anwesend: Theano, Aspasia, Albinos, Kant, Sokratis, Aristoteles
Nicht anwesend: Ghandi & Hobbes


Die Stunde beginnt wie immer mit einer Tasse Tee und der Klärung der organisatorischen Sachen. Die Referentin gibt den Schülern ihre durchaus guten Klausuren der Vorwochen  zurück.  Nachdem alles zu den Klausuren geklärt ist, startet die Referentin mit einem Video zum Thema Klimawandel:

https://youtu.be/DGDMqyfK8UQ

Danach müssen die Schüler folgendes Arbeitsblatt bearbeiten:

Es wird diskutiert, ob mit Fridays for Future überhaupt etwas erreicht werden kann und ob die im AB genannten Forderungen auch verständlich sind oder nicht.
Kurz darauf ertönt die Pausenklingel, welche die Schüler aber nicht davon abhält weiter zu diskutieren. Nach der Pause geht es weiter mit Hans Jonas und der Verantwortungsethik. Die Referentin zeigt den Schülern ein weiteres Video, dieses mal von einem Philosophen:

 Die Schüler bekommen das Ethikbuch ausgehändigt und sollen die Texte zur Verantwortungsethik nach Hans Jonas bearbeiten. Bei guten Beiträgen der Schüler wird währenddessen ein Aufschrieb verfasst:

Die Stunde endet mit viel gewonnenem Wissen über Hans Jonas, Verantwortung und Verantwortungsethik.

Aristoteles



Wie der Fortschritt der Technik unser Leben beeinflusst

Als wir vor ein paar Wochen das Thema „Fortschritt“ im Ethikunterricht behandelt haben, haben Hobbes und ich uns überlegt wie gut es unsere Generation eigentlich erwischt hat…Eigentlich. In der Schule hilft uns die Technik enorm da wir leicht und schnell Informationen aus dem Internet holen können. Es scheint die Technik erleichtert uns so einiges und bringt eigentlich nur Vorteile mit sich, doch nein, es gibt auch sehr wichtige Faktoren die gegen die Technik sprechen. Zum Beispiel, dass sie unsere Persönlichkeit stark beeinflussen kann.Alleine in den letzten 30 Jahren hat sich die Technik so stark verändert, dass die Menschheit zum Teil immer fauler geworden ist. Wo man früher noch zu der Videothek laufen und sich einen Film ausleihen musste, tippt man heute auf die Netflix oder Amazon Prime App und hat für wenig Geld eine Menge an Filmen zur Auswahl. Genau das Gleiche spielt sich beim Essen ab: Früher ging man in Restaurants essen, heute bestellt man sein Essen per App. Klar macht man die früheren Sachen zum Teil heute noch doch mal ehrlich, wer geht heutzutage noch freiwillig den weiten Weg zum nächsten Imbiss oder Supermarkt wenn man innerhalb von wenigen Sekunden die Lieferanten anrufen und sich das Essen direkt nach Hause liefern lassen kann?
Die Digitalisierung hat natürlich ganz klar unsere Welt verändert. Viele Sachen sind nützlich und sparen uns auch Zeit. Doch meiner Meinung nach gibt es auch viele Sachen die unseren Alltag und vorallem unsere Persönlichkeit verschlechtern. Die ganzen Medien wie Instagram, Snapchat,Twitter oder sonst was. Wir halten uns viel zu sehr in diesen Apps auf und verlieren dabei stark an Persönlichkeit. Man setzt sich unnötige Ziele wie eine größtmögliche Anzahl an Followern bzw. Abonnenten zu haben und vergisst häufig das wahre Ziel im Leben: Glücklich sein. Klar kann es sein, dass viele Abonnenten einen Menschen ein wenig glücklicher machen doch wird das Glücksgefühl nie so groß sein wie das, wenn man mit seinen realen Freunden tolle Sachen unternimmt. Es sind nämlich diese Momente mit deinen Freunden die man nie wieder vergisst und nicht die Abonnentenanzahl. Was in aller Welt bringt es bei Snapchat bitte tausende von schwarzen Fotos zu schicken? Damit die Flammen erhalten bleiben. Ja toll aber was genau bringen diese Flammen bitteschön?
Wenn eine Person der anderen nicht nach weniger Zeit antwortet macht die eine Person doch unnötig Gedanken und macht sich schlimmsten Falles sogar Vorwürfe.
Ich bin der Meinung dass diese App keine einzigen Vorteile mit sich zieht.  Im Gegenteil: Sie raubt uns Zeit, Persönlichkeit und lenkt uns ab. Seitdem ich diese App nicht mehr auf dem Handy habe, habe ich mehr Zeit und Konzentration für wichtige und produktive Dinge. Irgendwann wird sowieso die Arbeit euch Mal so zum Kopfe steigen dass ihr gar nicht mehr die Lust aufbringen könnt jedem ein Foto zu schicken. Ich finde man sollte auch wieder  alte Konversationsmittel in sein Leben
lassen wie Briefe schreiben. Stellt euch mal vor ihr bekommt auf einmal einen Brief. Würdet ihr euch nicht auch freuen dass sich jemand extra für euch Zeit genommen hat um dir per Hand seine Gefühle und Erinnerungen zu vermitteln?
Der Fortschritt ist durchaus ein Fortschritt doch ist vereinzelt auch als Rückschritt einzuschränken. Heutzutage hat man es nicht leicht als Mensch ohne Handy. Fast jeder setzt auf das Mobiltelefon. Sogar der Großteil unserer Eltern kommt nicht mehr ohne aus. Doch beherrschen sollte uns dieses kleine Ding nicht.
Alles in allem finde ich man sollte sich wenn es geht einfach mal Zeit nehmen und sich von den ganzen Medien entfernen und mehr auf Persönlichkeit setzen. Je früher desto besser.
So komme ich zum Entschluss:
Medien unterhalten aber können einen auf Dauer nicht glücklich machen. Menschen können beides. Denkt mal darüber nach;)
Euer Aristoteles.

Wie sehr bestimmt unsere Nationalität unsere Identität ?

Langsam nähert sich die Schulzeit ihrem Ende zu und desto näher dieser Moment kommt, desto größer wird die Frage :“Was dann ?“

Neulich sollten wir uns in unserem Spanisch-Kurs auf die Frage „Wollt ihr aus eurem Leben später ausbrechen und wenn ja wie ?“ ( eine Referenz auf die „movida madrileña“ in den 80-ern in Spaniern https://de.wikipedia.org/wiki/Movida_madrile%C3%B1a ) in drei Bereiche positionieren :

Ja : also man will raus aus Deutschland oder aus seinem „normalem“ Leben, was auch einfach eine groß Stadt sein kann.

Eventuell mal.

Nein : also ich bin glücklich mit meinem Leben hier auf dem Lande und kann mir nichts besseres vorstellen.

Das Ergebnis war recht ausgeglichen und ich positionierte mich zu den „Ja“ Menschen, denn dieses Thema ist eines, welches ich seit Jahren schon prozessiert habe. Mein persönliches Problem ist, dass ich von Kind an in zwei verschiedenen Kulturen aufwuchs und dementsprechend auch zwei verschiedene Staatsbürgerschaften habe. Geboren wurde ich zwar in Deutschland aber meine Eltern stammen aus Russland und um die Kultur beizubehalten verbrachte ich als Kind oft Zeit dort , wuchs bilingual auf (wobei ich meine ersten Lebensjahre ausschließlich russisch sprach) und lernte die Traditionen beider Länder kennen.

Nun kommen wir zum Problem. Jedes mal als wir in Russland waren, wurde ich als „der Deutsche“ betitelt, was mich immer sehr verwirrt und entrüstet hat . Doch als wir in Deutschland waren war ich plötzlich „der Russe“ und auch dies hatte mich schon immer verwirrt. Es entstand eine große Diskrepanz in mir selber, weil man nicht mehr einordnen konnte zu was man jetzt gehört . Selbst heute ist es so, dass ich mich nicht immer angesprochen fühle bei Sätzen wie :“ Du als Deutscher/Russe“ oder „Warum hast du als Deutscher/Russe (…)“

Dies alles führte dazu, dass man sich immer heimatlos fühlt und so, als ob man nie angekommen sei bzw. als wäre man nie akzeptiert, da wo man eigentlich zu Hause ist. Das erste Mal,dass ich mich so fühlte als sei ich zu Hause war, als ich in Spanien aufhielt. Plötzlich ging es nicht mehr darum was meine Wurzeln sind und ich fühlte mich so aufgenommen wie ich bin. ( Bis auf in einigen Momenten, in denen ich einfach nur als „der Deutsche“ vorgestellt wurde.) Es war alles so offen und ich fühlte mich nicht mehr auf meine Nationalität reduziert. Man sagte mir sogar ich sei ein Spanier, gefangen in einem deutschem Körper. ( Was mich jedoch noch mehr unter Druck setzte jemandem oder etwas zu entsprechen.) In einigen Momenten hatte ich sogar das Gefühl „den Deutschen“, den ich nie in mir sah, zu spüren, wenn es z.B. um Pünktlichkeit ging. Aber da orientierte ich mich natürlich erneut nur an Stereotypen.

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass Deutschland nicht das Land sein wird, wo ich für immer bleiben will. Versteht mich nicht falsch. Deutschland ist ein schönes Land und mit all den Fehlern und Problemen die es hat, ist es für mich trotzdem das sicherste Land. Manchmal sind mir die Menschen hier viel zu kalt und stechen mit ihren Blicken direkt in einen rein, jedoch ist mein Hauptproblem das diese Identitäts-Krise mich hier einfach innerlich zu einem Gefangenen macht und ich mich nie frei fühlen kann/konnte. Das ist tatsächlich ein Problem, welches einige bilingual aufgewachsene Kinder haben. Ein rastloses inneres Dasein. Weder der Eine, noch der Andere.

Doch um zu meiner Hauptfrage zu kommen:

Über all dies habe ich dann auch mit meinem Austauschpartner aus Spanien hier in Deutschland geredet und das war ein etwas augenöffnendes Gespräch für uns beide. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es unglaublich banal ist, wie die Menschen stehts versuchen sich einer Nationalität zuordnen zu müssen, nur um zu „wissen“ wer man sein „sollte“. Er selber, der nicht bilingual aufwuchs, hatte es auch satt ständig von seinem eigenem Land in die selbe Box gepackt zu werden und hatte in Deutschland das Gefühl endlich mal da raus gekommen zu sein.

„Sollte“ weil, sobald man anfängt sich auf eine Nationalität zu beschränken, packt man sich selber in eine Schublade und setzt sich unter Druck. „Ich als ein Deutscher kann doch niemals“ … „Wir Deutschen würden uns niemals…“ Da landen wir wieder bei unseren Stereotypen und Vorurteilen.

Versteht ihr was ich meine ? Ich bin der Meinung, dass die Menschheit endlich mal verstehen soll, dass wir alle eine Nationalität haben : „Mensch“ . Ich denke, wenn das alle begreifen würden, wären einige Umstände viel einfacher gewesen. Ich sage nicht, dass wir alle Traditionen und Kulturen über den Haufen schmeißen sollen , ganz im Gegenteil . Aber wir sollen anfangen aufzuhören uns selber zu limitieren , festzusetzen und die Grenzen zu schließen. Die Welt gibt so viel mehr her als unsere eigene Schublade und ich denke, es wäre schade , wenn wir das verpassen.

Wie sehr bestimmt unsere Nationalität unsere Identität ? – Sehr aber ich denke wir sind im Stande es zu beeinflussen, wenn wir es verstehen. Ich habe lange gebraucht, dass Gefühl zu verstehen was mich innerlich zerreißt wenn es um das Thema ging und noch länger hab ich gebraucht zu verstehen, wie dumm es ist, sich eine Nationalität zu suchen um zu „wissen“ wo man hingehört. Es gibt weitaus wichtigere Sachen die unsere Identität prägen dürfen und darauf will ich mich konzentrieren. Natürlich habe ich Prägungen aus beiden Richtungen und die machen mich zu dem wer ich bin und das macht mich teils stolz und teils nicht aber unabhängig davon haben sie mich viel zu lange eingeschränkt frei zu sein.

Um nun noch zu meiner Einleitung zurück zu finden: Ja, ich will aus meinem Leben ausbrechen und was neues probieren und wenn du mit deinem glücklich bist, dann fühle dich nicht unter Druck gesetzt, den selben Gedanken zu verfolgen. Ich habe z.B. für mich gemerkt, dass die Mentalität der Südländer mich anspricht und das dies der Ort ist wo ich mich frei und endlich angekommen fühlen will , ganz unabhängig davon, welche Nationalität ich habe. ( Natürlich können wir auch hier nicht alle Menschen unter einen Kamm scheren)

Was denkt ihr ? Macht das Sinn ? Sollte unsere Nationalität einen großen Einfluss auf uns haben? Zu viel Drama um nichts ? – Freue mich von jemandem zu hören und darüber zu diskutieren !

L.G. Albinos.

Ethik-Doppelstunde K1 vom 12.4.2019

Die Unterrichtsstunde begann damit, dass wir uns das Video: „Organspende was da los?“ angeschaut haben. In diesem Video wurden wir grob über die Organspende aufgeklärt und wir erfuhren, dass wir zu wenige Spender haben und es auch an Fachpersonal von Ärtzten mangelt.

Anschließend schauten wir uns noch ein Video über die Organspende an, wobei es sich bei diesem Video um eine Theatergruppe handelt, die eine Situation nachspielt, in der die Angehörigen sich für oder gegen eine Organspende entscheiden müssen. Bei diesem Video wurde mehr auf die ethischen Fragen eingegangen und es diente im Unterschied zu dem ersten Video weniger als Informationsviedeo, sondern dazu, dass man besser die unterschiedlichen Einsellungen zum Thema Organspende nachvollziehen kann.

In der zweiten Unterrichtsstunde schauten wir uns ein Fallbeispiel an, wo eine Organspende gegen den Willen der Angehörigen durchgeführt wurde und gingen bei der ethischen Analyse auf möglichst alle Beteiligten ein.

Schließlich gingen wir noch auf die moraltheoretische Analyse von Kant und den Utilitaristen erneut zum Thema Organspende ein. Zum Abschluss diskutierten wir noch, wie jeder von uns zum Thema Organspende gegen den Willen der Angehörigen steht. Auch hier trafen die unterschiedlichsten Meinungen aufeinander. Danach war die Doppelstunde auch schon zu Ende. Unseren Aufschrieb hab ich noch einmal für euch zum Nachlesen:


Verlernte Zukunft

Kulturkapitalismus.

Es kommt immer das gleiche in der Glotze

Ich hab mich schon immer gefragt woher Redewendungen wie „Es kommt immer das gleiche in der Glotze!“ oder „Das Radio spielt immer die fünf gleichen Lieder!“ kommen. Immerhin sind das Radio und der Fernseher unser alltäglicher Kontakt mit unserer Kultur und es wäre ausgesprochen beschreibend für unseren gesellschaftlichen Zustand, wenn die von uns erzeugten Kulturgüter monoton, uninteressant und repetitiv wären. Wenn man also die heutigen Kulturstätten und -Veranstaltungen betrachtet, kann man die heutige kulturelle Erfahrung in fünf Kategorien teilen: Musik, Fernsehen, Film und Theater bzw. Oper und Musicals. Dabei sind Musik, Fernsehen und Film die mit Abstand beliebtesten Kunstformen, denn sie sind mit heutiger Technologie fast nicht Ortsgebunden und sehr Alltags- und massentauglich. Hinter der Fassade der Interpreten, Moderatoren und Schauspielern bei diesen drei Medien verbergen sich zumeist ziemlich große Industriekomplexe. Disney, Time Warner, Paramount Pictures, Spotify, Sony, 21st Century Fox, HBO, RTL, Netflix, um nur die Größten zu nennen. All jene Komplexe, die das heimische Fernsehen, das kleinstädtische Kino und das Radio mit ihrer Musik, ihren Filmen und ihren Sendungen dominieren, sind Börsennotierte Unternehmen mit Milliardenumsätzen, die nicht selten noch größeren Unternehmungen angehören. Sie arbeiten stets nach den Prinzipien des freien Marktes und der Gewinnmaximierung. Dementsprechend liegt es in ihrem Interesse, mit ihren Produkten, welche unsere Kulturgüter sind, eine möglichst große Masse anzusprechen. Das bedeutet, dass ihre Produktpalette für Massen optimiert werden und optimiert sind. Offensichtlich führt das dazu, dass sich die Radiomusik ausgesprochen ausgelutscht fühlt. Und das obwohl, wenn man sich die musikalische Entwicklung der Charts in den letzten Zehn Jahren anguckt, man feststellen wird, dass sich die Musik, die als massentauglich gilt, sehr stark gewandelt hat. Besonders gut stellt das der Vergleich der Charts 2014 und 2018 dar. Das Top 1 Lied 2014 hieß wortwörtlich „Happy“ während das Top 17 Lied 2018 wortwörtlich „SAD!“ hieß. Trotzdem hat sich am Gefühl nichts geändert, dass sich Musik immerzu gleich anhört. Und das liegt primär daran, dass es keine originelle Musik, ferner auch Kunstprodukte, mehr gibt, sondern nur noch Kopien von Kopien. Das lässt sich in unserer Musikindustrie noch nicht so stark erahnen, da sie von Unterbrechungen wie Lorde’s „Royals“ 2013 gestört wird und einige Künstler durchaus mit One-Hit-Wondern oder mit dem Independent-Dasein überleben können, zum Beispiel Macklemore. Aber wenn man ins fernöstliche Südkorea blickt, findet man eine eine Musikindustrie, die sich im Hyperkapitalismus befindet. Es ist, um das zu verstehen, empfehlenswert, selber einige Musikvideos anzuschauen. Aber schon an der Aufmachung der Videos erkennt man, dass kein Stück dieses Kunstproduktes dem Zufall oder dem Künstlerischem Genie überlassen wird. Die Interpreten, sogenannte. Acts, werden von Kindesalter an wie Fußballspieler (übrigens eine interessante Analogie, so ist Sport auch ein Kulturgut) trainiert und durch eine Industrie groß gemacht, die sich danach richtet, was für ein Trend gerade in der breiten Mittelschicht beliebt ist. Dieser Trend allerdings, ein Zusammenspiel von modischer Kleidung, der richtigen Musik, und den angesagtesten Acts, ist selber von der Industrie gesteuert und geliefert. Das Ergebnis davon ist eine Gesellschaft und eine Industrie, die Musik produziert, die nur Musik kopiert, die selber nur andere Musik kopiert hat. Ergo entwickelt sich eine Kultur der Kopien von Kopien, die Seele der Musik, die Originalität geht dabei flöten.
Jetzt mag man sich fragen, inwiefern das einen betrifft, wenn irgendwo in Korea eine Gesellschaft sich kulturell in den Ruin treibt und sich nebenbei durch die kulturindustriell gesetzten Kaufanreize in die Kreditkartenschuldenfalle reinreitet. Immerhin scheinen unsere Kulturgüter doch mehr oder weniger zu funktionieren. Das ist aber nur eine Halbwahrheit. Während es wahr ist, dass die westliche Kulturlandschaft durch eine reiche Musikgeschichte noch lange nicht sich im gleichen Zustand wie die koreanische befindet, so ist es gleichzeitig nicht verneinbar, dass sich eine Produktion von Kopien von Kopien seit Jahrzehnten anbahnt und verstärkt. Kaufreize für Mode, wie es in Korea schon lange üblich ist, kommen auch im Westen immer mehr in die Musik, Stichwort Guccihype. Man darf auch nicht die Filmindustrie vergessen, denn diese wird sowohl in Deutschland als auch in fast der ganzen restlichen Welt von Hollywood beherrscht. In dieser Industrie herrschen die gleichen Regeln, nur mit noch viel höheren Einsätzen. Darum ist die gedankliche Monotonie der Blockbuster umso redundanter. Besonders klar wird das in den Endlosen Serien der wahnsinnig erfolgreichen Komikbuchverfilmungen des Hauses Marvel oder den Revivals von Filmen aus den 80ern wie „IT“, „Robocop“, „Star Wars“, „Star Trek“, „Blade Runner“ und so weiter. Diese, schon in den 80ern erfolgreiche Universen sind eigentlich schon zu Ende erzählt und bedürfen aus künstlerischer Sicht keine Revivals oder Verfilmungen, genauso wie bei den Komikbüchern. Allerdings garantieren sie durch Nostalgiefans Einnahmen und sind mit Fachkenntnissen so realisierbar, dass die Produkte Fans genügend befriedigen um sie bei der Fortsetzung wieder ins Kino zu locken. Filme mit unbekannten Regisseuren und unbekannten Namen hätten im Gegensatz dazu keine Chance, und das finanzielle Risiko wäre zu gewaltig, da die Produktionskosten und die Vermarktungskosten für einzelne Filme gerne mal eine Milliarde Euro kosten darf. Dementsprechend ist es lohnenswert, Kopien von Originalen und von denen wiederum Kopien anzufertigen. Eine gewissen künstlerische Freiheit hingegen können Streaminganbieter bereitstellen, da sie ein sehr flexibles Abonnementsystem haben. Allerdings lebt auch Netflix im Konkurrenzkampf und muss sich der Marktwirtschaft beugen. Auch „Stranger Things“, war eigentlich nur ein Revival von verschiedensten Einflüssen aus den 80ern und 90ern. Und auch wenn sich die Oscars und die Grammys, als auch die Berlinale oder Cannes sich als akademisch/künstlerische Oase ausgeben, so sind die gepriesenen Filme keine Massenmedien. Zumindest nicht vergleichend mit dem 10ten „Fast and Furious“. Vom produzierendem Prinzip her funktionieren Musicals des weiteren genau gleich, nur dass sie eine Mischung aus Musik- und Film sind, wobei sie mehr der Filmindustrie mit kleinem Publikum ähneln. Theater und Oper hingegen leben in einer Trance der ständigen Wiederaufführung von Stücken aus besseren Zeiten weiter, oder sind derart unbedeutend, dass sie nicht als bedeutsam für die Kultur gesehen werden können, vor allem, weil sie eine sehr beschränkte (und damit meine ich alt und bürgerlich) Adressatengruppe haben. Eine weitere Ebene, die nicht mehr direkt Kulturgut ist, auf die diese Form des Kapitalismus vorgedrungen ist, ist die Nachrichtenmedienlandschaft, vornehmlich in den staatsmedienlosen, freimärktlichen Vereinigten Staaten. Die Kräfte des freien Marktes haben nämlich dazu geführt, dass die Ware „qualitativer Journalismus“ nicht nur stark verteuert wird, sondern auch rar wird. Daraus entsteht ein Nachrichtenzyklus, das nicht wie ernst zunehmende Nachrichten anbietet, sondern wie Entertainment mit Realityfaktor. Ab dieser Schwelle fangen die oben genannten Prinzipien der Kopie-der-Kopie-Industrie an zu wirken, und das wichtigste Prinzip der Mediendemokratie, freie und ehrliche Berichterstattung, wird dem Kapital unterworfen. Zu was das führt, lässt sich sehr schön an der amerikanischen Demokratie beobachten.

Ideologische Entkernung.

Kunst, die eigentlich ein Selbstzweck ist, dient dem Kapital.

Die Frage die sich aus dem Ganzen stellt, ist inwiefern dieses ganze Komplex uns wirklich tangiert. Immerhin kann das gebildete, selbst-reflektierte und aufgeklärte Individuum hoffentlich zwischen Kunst und Abfall unterscheiden. Aber das ist falsch. Zwangsläufig wird immer mehr der Kulturgutproduktion den Zyklen der Kulturkapitalismus unterworfen und inhaltlich entkernt. Kunst, die eigentlich ein Selbstzweck ist, dient dem Kapital. Aber mehr als das, denn Kunst ist nicht nur eine Äußerung von phantastischen Einfällen. Es heißt nicht umsonst, dass man in jeder Porträtzeichnung von Rembrandt, Rembrandt auch selbst irgendwo sehen kann. In jedem Kunstwerk ist zwangläufig ein Teil der Welt und des Künstlers verarbeitet, der das Kunstwerk erschafft. Darum ist Interpretation von Kunstwerken gültig. Weil das Kunstwerk im Verhältnis zu den Umständen des Schaffens und zu den Umständen des Betrachters eine Aussage kreiert. Doch was passiert, wenn Kunst aus Kopien von Kopien besteht, wie das zum Beispiel in Korea geschieht? Zum Einen wird Kunst nicht mehr erinnert. „Bohemian Rhapsody“ ist ein Kunstwerk durch und durch, es ist über Jahrzehnte ein Klassiker und wird nie ganz vergessen sein, solange es Aufzeichnungen davon gibt. Goethes Faust oder Stanley Kubriks „The Shining“ auch nicht. Aber Gangam Styles einzige Eigenschaft, die es in Korea selbst (nicht im Rest der Welt) hervorgehoben hat, ist, dass es eine Parodie auf den Lifestyle der reichen Koreaner ist. In Korea war es auch kein besonderer Erfolg übrigens. Inhaltslose Kunst wird also vergessen werden. Das ist das Erste. Das Zweite ist, dass die Kopien der Kopien nur noch eine Ideologische Deutung übrig lassen: die Kopie selbst. Um das zu verstehen möchte ich kurz das Prinzip der Referenz erklären. An sich ist das ein Mittel, um auf ein anderes Kunstwerk von anderen Künstlern zu rekurrieren bzw. anzuspielen. Schon die alten Griechen haben das gerne gemacht. Doch heutzutage führt das dazu, dass Filme wie zum Beispiel „Ready Player One“ oder „Ralph Reichts!“ nur noch aus Anspielungen an andere popkulturellen Produkte bestehen. Das Internetphänomen des Memes, was zunehmends den Komikern das Handwerk legen und die bevorzugte Expressionsmethode einer ganzen Generation ist, beruht nur auf dieses Prinzip. Folglich wird die leitende ideologische Strömung aller „Kunst“ nur noch die Kopie beziehungsweise die Anspielung. Das ganze hat aber eine noch tiefere Ebene. Denn wenn die breite Allgemeinheit, als auch die Kunstschaffenden und Eliten verlernen, mehr als nur Kopien anzufertigen, dann geschieht etwas nie dagewesenes: Der Mensch verlernt sich die Zukunft vorzustellen, es fehlen schlichtweg die denkerischen Räume, sich andere Welten vorzustellen, als die bereits Vorhandene. Doch die Fähigkeit, sich die Zukunft vorzustellen ist für das menschliche Dasein essentiell. Denn dank seines ausgereiften Gehirns ist der Mensch in der Lage seine empirische Sinnlosigkeit festzustellen, womit ihm nur die Flucht in das Metaphysische bleibt, um sich selbst einen Sinn zu geben, eine Zukunft zu geben. Im Grunde genommen ist genau das die Essenz des Glaubens, unabhängig ob es der Glaube an das Karma, dem Kommunismus oder an Gott ist. Der Glaube verspricht durch eine gewisse Art und Weise zu leben, eine Zukunft bereitzustellen, für die es sich gelohnt hat, zu leben und in der Sinnlosigkeit zu „leiden“. Das kann die sozialistische Utopie oder das Paradies mit 72 Jungfrauen sein, es geht darum, dass es eine Zukunft ist. In der Gesellschaft des Hyperkapitalismus hat der Mensch also verlernt, sich eine Zukunft vorzustellen, da der Kulturelle Zustand ihm einfach jeglichen Raum für solche Vorstellungen genommen hat. Da bleibt nur noch eine Frage: Ist dieses ganze bedruckte Papier es wirklich Wert?

Mit freundlichen Grüßen, Kartharsis

PS.: Alles gute nachträglich zum Geburtstag, Frau Schütze!

Stundenprotokoll der K1

Thema: Utilitarismus nach Peter Singer

Datum: 15.03.19 7:45 Uhr – 9:20 Uhr

Anwesend: Theano, Ghandi, Hobbes, Aspasia, Albinos, Kant, Sokrates

Abwesend: Hobbes (Krankheitsbedingt)

Referent: Frau Schütze

Wie immer hat unsere Doppelstunde mit einer Tasse Tee begonnen. Nach einem kurzen Plausch konzentrierten wir uns aber auf die für die Doppelstunde anstehenden Themen:

– Schwimmbad Beispiel

– Peter Singer

Wir starteten den Unterrricht mit dem Schwimmbad Beispiel. Bei diesem handelt es sich um folgende Situation:

Wegen akuter Wasserknappheit in einem besonders trockenen Sommer hat die Stadtverwaltung alle Betreiber von Schwimmbädern gebeten, diese für zwei Wochen zu schließen. Herr F., Betreiber eines Vergnügungsbades und Utilitarist, denkt sich, dass das Öffnen seines Schwimmbades die Wasserknappheit insgesamt kaum beinflussen würde, wenn alle anderen ihre Bäder geschlossen hielten. Auch würde es vielen Menschen eine Freude bereiten, im heißen Sommer bei ihm ein Bad zu nehmen.

Darunter war folgende Frage formoliert: Sollte F. sein Schwimmbad öffnen?

Diese Frage sollten wir nun gemeinsam in der Klasse disskutieren und beantworten. Allerdings unter der Berücksichtigung der Begriffe des Handlungs- und Regelutiliarismus, mit welchen wir uns zuvor, auf einem Aufgabenblatt, als Hausaufgabe auseinandergesetzt haben.

Nach einigem hin und her kamen wir zu dem Ergebnis,dass wenn F. nach dem Handlungsutilitarismus handeln würde, würde er das Schwimmbad öffnen. Der Allgemeinnutzen steht hier nämlich im Vordergrund und da sich die Besucher freuen würden, wenn weiterhin ein Schwimmbad offen wäre und er selber mehr Geld verdienen würde, wäre jedem geholfen und jeder hat seinen Nutzen aus der Situation gezogen.

…wenn F. allerdings nach dem Regelutilitarismus handeln würde, würde er das Schwimmbad geschlossen halten. Er hätte eine Regel nicht eingehalten, was dazu führen könnte, dass andere Schwimmbadbesitzer das Gleiche tun werden. Nach dem Motto: „Er hält sich nicht an die Vorschrift, also mus ich es auch nicht tun“. somit könnte diese Handlung zu noch größerem Wassermangel führen.

In der zweiten Stunde haben wir uns zu Beginn ein Video von dem noch lebenden Philosophen Peter Singer angeschaut. In diesem setzt er sich mit dem Utilitarismus auseinander.

https://youtu.be/Diuv3XZQXyc

Hauptsächlich spricht er darüber, was wir zum Allgemeinnutzen beitragen können ohne groß etwas dafür zu tun. Wichtig ist es nur ein effektiver Alturist zu sein. Wir sollten uns im Bilde sein, dass alle Menschen den gleichen Wert haben. Doch viele suchen Ausreden und Begründungen warum sie z.B. nichts für die hohe Kindersterberate tun. Peter Singer listet diese auf und zeigt, dass es eben keine unwiederlgebaren Ausreden sind.

  1. Was für ein Unterschied kann Ich schon machen?
  2. Soll Ich meine Karriere und Zeit aufgeben?
  3. Wohltätigkeit ist doch nicht wirklich effktiv?
  4. Ist es nicht eine Bürde so viel aufzugeben?

Sein Hauptargument für alturitisches handeln war, dass es einem Erfüllung im Leben gibt, Erfüllung, welche viele Menschen verzweifelt suchen.

Nach dem Filmclip wurden wir in Zweiergruppen eingeteilt und haben Quellen zu dem aufgezeigten Arbeitsblatt, mit verschiedenen Thesen des Utilitarismus, bekommen. Diese sollten wir bearbeiten. Die einzelnen Gruppen stellten ihre jeweiligen Ergebnisse vor, bis es schließlich zum Stundenende geklingelt hat.

Stundenprotokoll der K1 vom 1.3.19

Thema: Überblick des Utilitarismus von John Stuart Mill

Datum: 1. 3. 19

Anwesend: alle Kursteilnehmer

Referent: Frau Schütze

 

Begonnen hat diese Doppelstunde ganz traditionell mit dem Aufsetzten des Wasserkochers für die Minderheit der Teetrinker unter uns 🙂
Anschließend ging es jedoch etwas theoretischer weiter…
Jeder Schüler bekam einen Text des Utilitarismus von John Stuart Mill ausgeteilt, den er anschließend, dem Inhalt entsprechend, einem Bild zuordnen sollte. Anschließend tauschten wir uns über diese Zuordnungen aus; kritisierten und machten Verbesserungsvorschläge. Danach wechselten wir die Texte untereinander und sollten unseren Text zusammenfassend auf einem Arbeitsblatt eintragen. Im folgenden werde ich versuchen, die Hauptpunkte herauszuarbeiten 😉 

Einer der Texte warf die These auf, dass es besser sei „ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein; besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr“. Im Text selbst wird die These damit begründet, dass der unzufriedene Mensch beide Seiten kenne, also zur Reflexion fähig ist, das Schwein jedoch nicht, da dieses nur die eine Seite erkennt. Folgend wurde dann erklärt, dass sich Menschen aus Charakterschwäche trotzdem für niedere Genüsse entscheiden, obwohl sie wissen, dass diese einen geringeren Wert hat und anschließend die Fähigkeit, edle Gefühle zu empfinden, verkümmere.

Der nächste Textabschnitt handelte dann davon, „dem Schicksal zu begegnen“, also bereit zu sein, ohne Glück auszukommen, da dies den Menschen über Schicksalsschläge erhebt, es sei so also leichter, schlimmen Situationen zu begegnen. Zum Beispiel kann man dann, wenn man von Grund auf nicht auf das Glück oder das Glücklichsein fokussiert ist, Dinge wie eine Krankheit oder eine Trennung besser überstehen: Das Schicksal hat keine Macht, den Menschen klein zu kriegen, ihn zu unterwerfen.

Nun folgte die „Abgrenzung zum Opportunen“: Dieser entspricht der Verfolgung des Eigeninteresses, was ja dem zum Utilitarismus, der das Gemeininteresse an oberste Priorität stellt, geradezu gegensätzlich ist. 

Anschließend wurde das „Verbot zu lügen“ auf die Waagschale gestellt: An sich begründet man dies nach dem Schema oder der Idee des Utilitarismus als unmittelbaren Vorteil (also das Verbot), das dies das Vertrauen innerhalb der Gesellschaft unmittelbar steigere. Dies sehen wir ja auch in unserem Alltag: Menschen, von denen man weiß dass sie einem die Wahrheit sagen, vertraut man bei manchen Dingen eher; da man weiß, eine ungefilterte, von Höflichkeitsfloskeln freie Meinung zurückzubekommen. Dieses „Verbot zu lügen“ sei also rein prinzipiell nützlich, da es das Vertrauen fördert. Jedoch gibt es hierbei Ausnahmen; nämlich wenn es in der speziellen Situation nützlich ist zu lügen, zum Beispiel wenn die Gefahr der Verletzung von Mitmenschen besteht. Diese Entscheidung, zu lügen, obliegt aber demjenigen und seinem kurzfristigen Urteilswillen selber, es besteht trotzdem eine unbedingte Notwendigkeit zur Beschränkung des Lügens, so Mill. An diesem „Verbot zu lügen“ spalten sich also die verschiedenen Richtungen des Utilitarismus, der Handels- & der Regelutilitarismus (näher gehe ich nun nicht darauf ein, da dieses nicht unmittelbarer Bestandteil der Stunde war).

Ein weiteres Thema der Texte von John Stuart Mill waren die Moralischen Gefühle, die seiner Auffassung nach erworben und nicht angeboren sind, aber trotzdem sei es natürlich, diese im Laufe seiner Entwicklung zu erwerben. Mill nach entstehen diese moralischen Gefühle spontan, können gepflegt sowie negativ oder positiv entwickelt werden und haben zum Ziel, Glück und Gemeinschaftsgeist zu fördern sowie die Handlungen des Individuums auf Gemeinschaftsziele auszurichten.

Ein weiterer Punkt beinhaltete, dass diese Gesellschaft von Gleichen nur geschaffen werden kann bzw nur existieren kann, wenn die Interessen aller gleichermaßen geachtet werden. Politisch betrachtet heißt dies, dass der Ausgleich von Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Klassen zur Zunahme des Gefühls der Einheit führt. John Mill gründet hierbei auf das natürliche  Interesse eines jeden Individuums, indem er behauptet, es liege im eigenen Interesse eines jeden, die eigenen Ziele mit denen der Gesellschaft in Einklang zu bringen, was eine mächtige Innere Verpflichtung zur Folge hat, welche sich nach der Feinfühligkeit und der Gewissenhaftigkeit des Charakters bemisst. 

Folgend wurde der Vergleich des Utilitarismus mit der Goldenen Regel angesprochen, der hervorbringt, dass das Christliche Gebot der Nächstenliebe – also sich anderen gegenüber so zu verhalten, wie man selbst gern behandelt werden möchte – den Kern des Utilitarismus vollkommen ausdrückt. Zur Erfüllung bzw. Annäherung an dieses Prinzip sei es notwendig, zwei förderliche Bedingungen zu erfüllen:

  1. dass Gesetze sowie gesellschaftliche Verhältnisse soweit wie möglich mit dem Gemeininteresse in Übereinstimmung gebracht werden, und
  2. dass die Erziehung und die öffentliche Meinung Eigeninteresse und Allgemeininteresse in Einklang bringen

Werden diese Bedingungen erfüllt, so steht dem Utilitarismus, der die schönste und höchste Entfaltung der menschlichen Natur – zumindest für John Stuart Mill – darstellt, nichts mehr im Wege. 😉

Der Utilitarismus war in unserem Kurs stark umstritten, eben deshalb weil er die Vielfältigkeit der menschlichen Gefühle versucht auf eine rational Ebene „herunterzubrechen“. Jedoch könnte eben dieses vor allem in gewissen Dilemma-Situationen (siehe der Kurzfilm „SommerSonntag“) doch durchaus „Nützlich“ sein ;)…

Gerne könnt ihr hier noch weiter diskutieren!

Der Unterricht wurde ungewöhnlich spät mit dem Klingeln zum Stundenende um 9.20 beendet.

PS: Hier noch das Arbeitsblatt:

Ethik Protokoll – Doppelstunde K1 vom 14.02.2019

Thema : Anwendung der utilitaristischen Grundsätze und deren Klassiker
Datum: 14.02.2001 Zeit : 7:45 bis 9:20 Uhr Anwesende: Theano, Ghandi, Hobbes, Albinos, Kant, Sokrates Referentin: Frau Schütze

Ablauf: 1. Organisatorisches 2. Kurzfilm: SommerSONNTAG 3. Arbeitsblatt: „Und nun, Herr Benthmam? “ – Anwendung der utilitaristischen Grundsätze auf einen Kurzfilm 4. Audio und Arbeitsblatt: Klassiker des Utilitarismus: John Stuart Mill: -Leben & Wirken -qualitativer Utilitarismus

Nachdem sich (fast) jeder eine Tasse Tee gemacht hatte und auch Organisatorisches schnell geklärt wurde, startete der Unterricht mit einem Kurzfilm Namens „SommerSONNTAG“. In diesem geht es um einen Brückenmeister, der dafür sorgt, dass die Brücke unten ist, wenn ein Zug durchfährt und dass sie oben ist, wenn ein Schiff durchfährt. Eines Tages nimmt er seinen gehörlosen Sohn mit auf die Arbeit, der sich sogleich mit Stift, Papier und der Mütze seines Vaters bewaffnet draußen neben die Gleisen setzt. Währenddessen kämpft sein Vater mit einem Stromausfall. Plötzlich jedoch kommt ein Windstoß und weht dem Jungen die Mütze vom Kopf direkt auf einen kleinen Vorsprung. Daraufhin klettert der Junge sofort hinterher. Die Brücke ist zwar oben, doch es nähert sich ein Zug und die Regel besagt das die Brücke drei Minuten vor Zugeinfahrt komplett geschlossen sein muss. Doch dann sieht der Vater seinen Sohn unter der Brücke, dem Tode geweiht, da er die Warnrufe seines Vaters nicht hören kann. Nun muss der Vater sich entscheiden: Opfert er 293 Zuggäste und lässt die Brücke oben oder er opfert das Leben seines Kindes und schließt die Brücke. An dieser Stelle hielt Frau Schütze den Kurzfilm an und fragte uns nach unserer Entscheidung. Dabei sollten wir uns in den Protagonisten hineinversetzen und seine möglichen Gedanken und Gefühle wiedergeben.

Nach einer kurzen Diskussion waren wir uns alle einig, dass es richtig wäre die Brücke herunterzulassen und somit den eigenen Sohn zu opfern. Trotzdem mussten wir uns eingestehen, dass so eine Entscheidung, in so einer Situation zu fällen, viel schwieriger ist, als nur darüber zu reden und zu behaupten man hätte so gehandelt. Die Beziehung des Vaters zu seinem Kind ist nämlich viel größer als die Beziehung des Vaters zu den Zuggästen die er eventuell nicht einmal kennt oder noch nie gesehen hat. Aber auch der Utilitarismus unterstützt diese Entscheidung, da die Entscheidung die Brücke zu senken besser für die Allgemeinheit ist, da mehr Menschenleben gerettet werden und weniger Schaden und Leid verursacht wird. Passend dazu hörten wir uns noch eine Audio über John Stuart Mill, einer der Begründer des Utilitarismus, an und sollten dabei noch ein Arbeitsblatt ausfüllen, dass wir dann auch gleich danach besprachen.

Nach der Besprechung und einer engagierten Diskussion beendete Frau Schütze PÜNKTLICH zum klingeln um 9:20 Uhr den Unterricht 😉

Von Goblins und Priestern

Im tiefen Südwesten Chiles gibt es eine Insel namens Chiloé, welche die Heimat eines unglaublich hässlichen Goblins namens „El Trauco“ und seiner genauso hässlichen Frau ist. Aber obwohl er so hässlich ist, schafft er es dank seiner morphologischen Eigenschaften immer wieder, ein junges Mädchen zu schwängern. Das heißt, von seiner Art her ist er ähnlich wie der christliche Gott, nur lange nicht so berühmt. Soweit so Monogam. Ausserehelicher Sex und die darauffolgenden Nebenwirkungen sind ein verbreitetes Problem aller monogamen Zivilisationen und um nicht alle jungen und schwangeren Frauen an das soziale Stigma zu verlieren und sie verbannen zu müssen, ist es nur logisch eine gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit zu schaffen, die aber das Stigma an sich nicht verliert (darum ist El Trauco auch so betont hässlich). El Trauco ist sozusagen ein Sündenablassschein, um die Bevölkerung langfristig zu erhalten, ein klassischer Succubus. Doch was die Geschichte wirklich besonders macht, ist das, was die Kolonialisierung Chilés durch die Spanier aus dem Goblin machte. Ab da begann der Succubus häufiger die Form reicher Männer und frommer Priester anzunehmen, denn die Konquistadores waren selten für ihre freundliche Behandlung von einheimischen Frauen bekannt. Mit dem Einzug der Vergewaltiger in Chiloé bekam El Trauco die Rolle einer unausgesprochen Vereinbarung, um dem Problem aus dem Weg zu gehen. Aber man muss sich in die Haut der
indigenen Huilliches versetzen: Man konnte nicht die Übermacht der reichen und militärisch überlegenen Spanier überwinden. Und noch weniger konnte man tausende von jungen Frauen mit dem wichtigen Nachwuchs wegschicken. Doch vor allem konnte man nicht nachfragen, was wirklich passiert sei. Was sollen die Frauen denn sagen? Dass sie vom Inselgourverneur vergewaltigt wurden, und sie sein Kind austragen? Da war es für die Menschen das einfachste sich auf das Codewort „El Trauco“ zu reduzieren. Ein Südenablass für die Frau und ein Freifahrtsschein für Männer. Es ist einfacher an einem Goblin zu glauben, als die Wahrheit zu erforschen.

El Trauco (CC2, Wikimedia)

Genau das liegt in der Essenz von allem Glauben. Es ist einfacher nach den Worten des Korans seinen Lebensweg auszulegen, anstatt die intrinsische Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz auf den Schultern zu tragen. Zudem ist es wahrscheinlich auch besser, einen Glauben zu leben, anstatt „einen Wissen“ zu leben. Ich halte es für außer Frage, dass jeder Mensch, mit genug kognitiver Fähigkeit zu predigen, auch erkennt, dass es keinen tatsächlichen Sinn in seinem Glauben und Handeln gibt. Jedoch halte ich es für genauso außer Frage, dass jeder an etwas glaubt, auch der hartnäckige Empiriker und Skeptiker muss das machen. Was ist schon die Alternative? Wissen kann man nicht leben, noch weniger mit derart nihilistischem Wissen. Doch mit dem Wissen einen Glauben zu leben, das geht. Das konnten die tausende Inselbewohnerinnen, ihre Kinder und eine ganze Gesellschaft auch. Vielleicht ist es ein deprimierendes Gefühl, mit dem Wissen um diese Fehlerhaftigkeit in jedem Glauben weiterzuleben, aber die Jungfrauen, die im Himmel auf mich warten, gleichen dieses Gefühl wieder aus.