Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020 – John Stuart Mill und der Utilitarismus

Datum: 26.06.2020

Klassenstufe: K1

Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn

Teilnehmer: 15 von 15 Schülern

Inhalt

Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br über den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende gehört und anschließend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. Moonlight hat in ihrem Beitrag vom 25.06.2020 die Lösungen des Arbeitsauftrages bereits gut zusammengefasst, weshalb ich nicht mehr detailliert darauf eingehen werde. Hier als Übersicht eine grobe Zusammenfassung und am Ende dieses Beitrages findet ihr den passenden Aufschrieb.

Der Utilitarismus laut John Stuart Mill – Zusammenfassung

Das Gemeinwohl wird über das Wohl des Einzelnen gestellt. Grundsätzlich sollen jedem Individuum größtmögliche Freiheiten eingeräumt werden, außer dies könnte dem kollektiven Gemeinwohl schaden. So lehnt diese Philosophie ungleiche Gesellschaftsformen ab, in welchen kleine Eliten den Großteil des Gesamtvermögens besitzen. Um eine utilitaristische Gesellschaft zu ermöglichen, dürfen die einzelnen Teilnehmer der Gesellschaft keine egozentrischen Weltanschauungen vertreten, sondern müssen stets das Gemeinwohl im Auge behalten (→ Wohlverstandenes Eigeninteresse). John Mills Theorie widerspricht der von Jeremy Bentham in dem Punkt, dass laut Mill Leid und Glück nicht quantitativ, sondern qualitativ gemessen werden muss. Hierbei ist vor allem die Langfristigkeit des Leids oder Glücks ausschlaggebend, also welche Folgen die Handlung mit sich bringt. Hat eine Handlung die Tendenz langfristiges Glück zu befördern, so wird sie von Mill als gut erachtet. Er sprach auch oft von Lust. Damit war allerdings nicht die sinnliche Lust, sondern die Freude an geistiger Betätigung gemeint.

Gerecht ist was dem Kollektiv nützt. Hier spielt vor allem der Pro-Kopf-Nutzen, d.h. das durchschnittliche Glück, welches die Beteiligten erleben, eine wichtige Rolle. Der Zweck kann also die Mittel heiligen. Dies ist aus heutiger Sicht allerdings fraglich, da menschenunwürdige Mittel nicht durch eine positive Konsequenz ausgeglichen werden können.

1867 wurde das britische Wahlrecht reformiert, wodurch die Anzahl an Wahlberechtigten ungefähr verdoppelt wurde. Hierbei war John Stuart Mill maßgeblich beteiligt. Er forderte allerdings ein Zensuswahlrecht auf der Grundlage von Bildung, um eine Tyrannei der ungebildeten Mehrheit zu verhindern.

Trotz seiner liberalen Ansichten, sah Mill es als die Aufgabe vom Staat und der Gemeinschaft bei der Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Heizung die Bürger zu unterstützen. Außerdem war es seiner Meinung nach legitim, wenn der Staat beispielsweise die Alkoholpreise erhöht, um so die Bürger vor sich selbst zu schützen.

Das Trolley-Dilemma

Den Rest der Stunde haben wir uns mit dem Trolley-Dilemma befasst. Hierbei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in welchem man sich in Situationen hineinversetzt, bei denen es keine gute Lösung gibt, da beispielsweise über Menschenleben abgewägt wird. Bekannt hierbei ist vor allem das Modell des Zuges. Man nimmt die Position des Weichenstellers ein, welcher entscheiden muss auf welchem Gleis der Zug weiterfährt. Das Problem ist, dass egal wie man sich entscheidet, die Situation stets ein schlechtes Ende nimmt, da auf beiden Gleisen sich z.B. unterschiedliche Anzahlen an Bauarbeitern befinden.

Hierzu haben wir das Video „Filosofix: Das Gedankenexperimet „Straßenbahn““ von dem SRF geschaut und ein passendes Arbeitsblatt bearbeitet. Auf diesem muss man selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg der Zug nehmen soll.

Der Zug tötet entweder:

  1. Einen oder fünf Bauarbeiter.
  2. Fünf Bauarbeiter oder einen dicken Mann, den man selbst von einer Brücke schubsen muss und welcher den Zug stoppen würde.
  3. Einen Bauarbeiter oder fünf Bauarbeiter, zu denen man selbst gehört.
  4. Einen selbst oder fünf Bauarbeiter.

Nach der Besprechung in der Klasse, hat sich herausgestellt, dass sich die meisten folgendermaßen entschieden haben:

  1. Die fünf Bauarbeiter retten und den Einen opfern.
  2. Den dicken Mann nicht schubsen, da dies eine mutwillige Tat wäre und einen Unbeteiligten involvieren würde.
  3. Den einzelnen Arbeiter opfern und sich selbst sowie die vier anderen Arbeiter retten.
  4. Intuitiv würde sich wahrscheinlich jeder selbst retten. Hätte man allerdings länger Zeit zu überlegen, würden sich eventuell manche selbst opfern.

Gemeinsam als Kurs haben wir per Mehrheitsabstimmung den Test der Moral Machine durchgeführt. Hierbei entscheidet man in verschiedenen Szenarien, wie ein autonomes Auto in ausweglosen Situationen zu reagieren hat. Das Prinzip ist wie oben dasselbe: Man muss zwischen Leben abwägen. In diesem Gedankenexperiment geht es jedoch nicht nur darum, wie bei den Bauarbeitern die Quantität an Leben abzuwägen, sondern die Qualität muss auch berücksichtigt werden. Der Simulator stellt einen vor Entscheidungen, bei welchen die Anzahl, das Geschlecht, die soziale Stellung, das Alter, die Befolgung der Gesetze (Fußgänger überqueren die Straße bei rot/grün) und sogar die Spezies (Haustiere sind auch Teil der Aufgabe) abgewogen werden müssen. Ein angenehmes Gefühl hinterlässt das Gedankenexperiment nicht wirklich. Trotzdem war das Ergebnis sehr interessant. Nach der Beendung der Simulation, wird eine Zusammenfassung erstellt, welche Präferenzen sich während der Durchführung gezeigt haben. In unserem Kurs sah dies wie folgt aus: Im Durchschnitt hat unser Kurs sehr utilitaristisch entschieden, was sich z.B. durch das Retten von Ärzten zeigte. Es wurden von der Mehrheit eher Männer gerettet, genauso wie jüngere und sozial höher gestellten Menschen Vorrang gegeben wurde. Bei der Entscheidung zwischen Mensch und Tier hat sich der Kurs stets für den Menschen entschieden.

Führt den Test einmal selbst durch und schreibt in die Kommentare, wie eurer Ergebnis lautet. Findet ihr die Entscheidungen unseres Kurses richtig oder hättet ihr anders gewählt? Ihr könnt auch gerne zu dem oberen Dilemma mit den Bauerbeitern Stellung beziehen.

Aufschrieb

Grundgedanken

  • Gerechtigkeit
  • Allgemeinwohl vor Eigenwohl → Pro-Kopf-Nutzen steigern
  • Größtes Glück für die größte Zahl (an Menschen) → „Pig philosophy“? →langfristiges Glück, Bildung, Qualität des Glücks ( ↯ Gegensatz zu Bentham) →auch Einschränkungen der Freiheit Einzelner möglich

Kritikpunkte

  • „Pig philosophy“ (Gegner vertreten die Meinung, Mills Philosophie würde ausschließlich kurzfristige Lust erzielen)
  • Einzelinteressen werden geopfert
  • Zensuswahlrecht (Interessen von Arbeitern und Unterschicht werden nicht vertreten)
  • Gerechtigkeit ist subjektiv, wird auch von außen beeinflusst
  • Zweck kann Mittel heiligen, auch wenn diese menschenunwürdig sind

Grundprinzipien des Utilitarismus

  • Konsequenzen: Nicht die Motive, sondern die Folgen entscheiden über die Moralität und Gutartigkeit einer Handlung
  • Utilität: Der Nutzen ist der Maßstab nach dem eine Handlung beurteilt wird
  • Hedonistisches Prinzip: Das allerhöchste Gut ist die Lust oder das Glück (pleasure)
  • Prinzip der Universalität: Nicht die Individuen, sondern die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Quellen

Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 19.06.2020

19.06.2020, 9:40h – 11:15h, alle anwesend

Zu Beginn der Stunde haben wir das Dilemma des Kurzfilms „Sommersonntag“ mithilfe eines Schemas auf den Utilitarismus nach Jeremy Bentham bezogen. Dabei haben wir in einer Tabelle direktes und indirektes Glück direktem und indirektem Leid gegenübergestellt.

Direktes Glück/Leid ist unmittelbar. Das bedeutet, dass es einen sofort, also ohne einen Mittler, betrifft. Indirektes Glück ist mittelbar, was bedeutet, dass ein Mittler vorhanden ist. Ein Beispiel dafür wäre, dass ich traurig bin und meine Freunde aus Mitleid oder aufgrund der bedrückten Atmosphäre auch traurig werden. Es kann somit auch eine Woche nach dem Geschehen auftreten, da man hauptsächlich bei anderen Menschen mitfühlt.

In Bezug auf „Sommersonntag“ haben wir Glück mit weniger oder keinem Leid gleichgestellt. Das bedeutet, dass wir beispielsweise die Reisenden als glücklich bezeichnet haben, weil die nicht ertrunken sind und somit kein Leid hatten. Neben den Reisenden haben wir noch ihre direkt Verwandten in die Spalte „direktes Glück“ geschrieben, da sie auch ohne Mittler um den Verlust der Person trauern werden.

Indirektes Glück haben Familie, Freunde und Bekannte, da niemand in ihrem Umfeld gestorben ist und sie das Leid anderer Personen somit nicht belasten kann. Zudem der Bundespräsident, da wenig Leute gestorben sind, die Bahn, da sie keine Mittarbeiter und keinen Zug verloren haben und die Firmen in denen die Reisenden arbeiten, da diese keine qualifizierten Mitarbeitern verloren haben und somit keine neuen Mitarbeiter suchen mussten.

Direktes Leid hatte der Sohn, da er umgebracht wurde. Zudem hatte der Vater direktes Leid, da er seinen eigenen Sohn umbringen musste, jedoch hätte er in jedem Fall direktes Leid erlebt und die Mutter betraf ebenfalls direktes Leid, da sie ihren Sohn verloren hat und eine Teilschuld trägt, da sie ihn nicht pünktlich abgeholt hat.

Indirektes Leid haben zum einen die restliche Familie, Freunde und Bekannte des Jungens und Leute aus dem Zug, die von dem Geschehnis mitbekommen und ein schlechtes Gewissen haben, da ein Junge für sie gestorben ist.

Schließlich haben wir einen ungefähren Zahlenwert aufgeschrieben, um herauszufinden mit welcher Entscheidung die meisten Menschen glücklich sind.

Diese Zahlen sind allerdings nur grob geschätzt und es könnten eventuell noch Kategorien hinzukommen, da der Junge oder einer der Reisenden in Zukunft jemanden das Leben retten könnte. Zudem könnte unter den Reisenden sowohl ein Arzt sein, der ein Heilmittel gegen eine bisher unheilbare Krankheit entdeckt, als auch ein Serienmörder, der in der Zukunft einige Menschen töten wird.

Man hätte zudem die Zahlen des direkten Glücks/Leids höher als die des indirekten Glücks/Leids werten können, indem man beispielsweise alle Zahlen in der „direkt-Zeile“ mit zwei multipliziert. Somit gäbe es einen Unterschied zwischen der Mutter und den Menschen aus dem Zug, da die Langzeitwirkung des Leids für die Mutter wesentlich drastischer ist. Dadurch hätte man die Schwäche der unverhältnismäßigen Gegenüberstellung ausgeglichen.

Im Großen und Ganzen ist jedoch eindeutig, dass sich der Vater zugrunde des Utilitarismus richtig entschieden hat, da die Anzahl der Menschen, die Glück hatten, gegenüber denen, die leiden, überwiegt. Erstere ist nahezu 20-mal so groß.

SommersonntagGlück bzw. weniger/kein LeidLeid
direkt unmittelbarReisende 230
Direkte Verwandte 500
Sohn 1
Vater 1
Mutter 1
indirekt mittelbarFamilie, Freunde, Bekannte 1500 Bundespräsident 1
Bahn 10
Firmen 200  
Restliche Familie, Freunde, Bekannte 50
Leute aus dem Zug 75
Ergebnis2441128

Ein weiterer Kritikpunkt des Modells ist die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt ist, quantitativ Glück gegen Leid abzuwägen.

Bezüglich dieser Frage haben wir uns Beispielsituationen durchgelesen und darüber diskutiert, ob man dieses hedonistische Kalkül anwenden kann oder nicht. Wenn man es unserer Meinung nicht anwenden konnte, mussten wir noch bestimmen, ob man es aufgrund der Langzeitwirkung oder aufgrund der aufzubringenden Mittel/Moral nicht anwenden sollte.

Ein Beispiel für die Anwendung wäre, dass ein Arzt einem Patienten das Bein amputiert, um sein Leben zu retten. Hierbei kann man das hedonistische Kalkül anwenden, da der Zweck bedeutender als das Mittel ist. Für den Patienten würde es sich auf jeden Fall lohnen, sein Bein amputieren zu lassen, wenn er anderenfalls stirbt.

Ein Beispiel, dass aufgrund von Langzeitfolgen gegen das Kalkül spricht, wäre einen Brand in einer menschenleeren Waffenfabrik nicht zu löschen, um die Produktion weiterer Kriegswaffen zu verhindern. Dagegen spricht, dass es so viele Waffenfabriken gibt, dass eine weniger keinen Unterschied machen würde. Zudem würde sie danach wieder aufgebaut oder auf einen anderen Standort verlegt werden. Langfristig gesehen würde es somit nichts an Kriegen ändern.

Ein Beispiel dafür, dass die Mittel sich dem Zweck gegenübergestellt nicht lohnen oder moralisch verwerflich sind, wäre ein Frauenarzt, der Patientinnen anstelle der Anti-Baby-Pille heimlich Plazebos gibt, um die Geburtenrate zu erhöhen und somit einen langfristigen Generationenvertrag zu gewähren. Es wäre moralisch nicht vertretbar, Frauen zu einer Schwangerschaft zu zwingen, vor allem, wenn sie nicht bereit dazu sind. Diese Frauen haben sich durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille gegen ein Kind entschieden und dafür vermutlich Gründe gehabt werden. Es könnte unter anderem sein, dass sie noch zu jung für ein Kind sind, evtl. eine vererbbare Krankheit haben oder nicht die Zeit bzw. finanzielle Mittel haben, ein Kind großzuziehen.

Während diese drei Beispiele relativ deutlich zuzuordnen waren, gab es bei anderen längere Diskussionen. Eines dieser Beispiele wäre, dass ein Arzt einem gesunden Menschen jahrelang unter einem Vorwand heimlich Blut abnimmt, um ein Medikament zu entwickeln, dass Millionen Leben retten kann. Für die Anwendung des hedonistischen Kalküls spricht, dass es dem Patienten nicht schadet, wenn ihm Blut abgenommen wird und der Arzt gleichzeitig, wenn die Herstellung des Medikaments gelingt, Millionen Leben retten kann und ein Arzt sollte alles tun, um Leben zu retten. Doch nach dem Gesetz würde der Patient dadurch in seiner Würde verletzt werden und somit wäre das quantitative Gegenüberstellen von Leid und Glück moralisch nicht vertretbar. Der Arzt sollte den Patienten um Erlaubnis fragen oder Blut von Leuten nehmen, die es für diesen Zweck gespendet haben.

Kurz vor dem Ende der Ethikstunde haben wir uns einen Podcast über John Stuart Mill, dem Begründer des Utilitarismus, angehört.

Eckpunkte seines Lebens sind, dass er schon immer ein Querdenker war und somit andere Meinungen als die Mehrheit vertrat. Als junger Mann wurde er deshalb schon einmal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Unter anderem setze er sich für ein Wahlrecht für Frauen und öffentliche Bildungseinrichtungen für Notarbeiter ein. Er selbst war dem gehobenen Mittelstand zugehörig und politisch liberal eingestellt. Zudem war er politischer Autor und Unterhausabgeordneter. Er verglich oft den Nutzen des Individuums mit dem der Gesellschaft, wobei die Gesellschaft stets Vorrang hatte.

Beispiele wären, ein Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen, kein freier Erwerb von Schusswaffen oder auch ein abstürzendes Flugzeug mit 100 Insassen abzuschießen, um 1000 Menschen am Boden zu retten.

Negativbeispiele wären, dass 10% der bundesdeutschen Bevölkerung 30% des Volksvermögens besitzen oder dass in Dritter Welt Länder Pflanzen angebaut werden, die westliche Zivilisationen als Futtermittel benutzen.

Die Grundgedanken seines Utilitarismus beziehen sich darauf, dass Handlungen für so viele Menschen wie möglich den größtmöglichen Nutzen erfüllen sollen. Dabei darf die Freiheit des Einzelnen eingeschränkt werden.

Unter Wohlverstandenem Eigeninteresse versteht man, dass jeder nach seiner eigenen Lust und seinem eigenen Glück strebt, jedoch das Gesamtbild der Gesellschaft nicht aus dem Auge verloren werden darf.

Handlungen sind insoweit moralisch richtig, wenn sie kollektives Glück befördern.

Gerecht ist das größtmögliche Glück der größtmöglichen Anzahl von Menschen. Nun stellt sich wie Frage, ob Gehälter und Sozialleistungen gerecht sein können. Das Interesse bzw. das Glück von Minderheiten wird schließlich gegenüber dem der Mehrheit zurückgestellt.

Kritik an Mill wäre somit, dass sein Prinzip des Utilitarismus nicht auf Gleichbehandlung beruht, sondern Einzelne dem Unglück ausgesetzt sein dürfen. Allerdings wäre es ethisch nicht angemessen, Leuten ihr Glück zu verwehren und sie aus egoistischem Interesse der Mehrheit in extremes Unglück zu stürzen. Beispiele dafür wären der Nationalsozialismus oder auch das Verbot von Homo-Ehen. Somit wird deutlich, dass sich auch die Mehrheit irren kann. Doch auch ein Zensuswahlrecht, das nur Gebildeten das Wahlrecht gibt, ist nicht optimal. Wie bereits erwähnt,  ist es zu kritisieren, wenn Minderheiten benachteiligt werden. Schließlich muss man ein Kriterium finden, dass gebildete Menschen von ungebildeten Menschen trennt. Früher durften somit nur Menschen ab einem gewissen Einkommen wählen. Man kann es befürworten, da sie meist eine bessere Schulbildung hatten, allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass dadurch die Intressen der Ärmeren politisch überhaupt nicht vertreten werden.

Der Utilitarismus ist heute insofern aktuell, dass jeder wählen darf und somit die Mehrheit über die Regierung bestimmt und bestenfalls mit ihr zufrieden sein wird. Allerdings steht der Utilitarismus auch oft der Moral gegenüber. Es stellt sich die Frage, ob man Futtermittel in Dritter Welt Länder anbauen darf, um das Klima zu schützen. Tut man dies, hat die Bevölkerung dort nicht genug Anbaufläche für Nahrungsmittel, tut man es nicht, wird die Umwelt weniger geschützt. In diesem Fall wäre es moralisch vertretbarer, auf das Glück des Kollektivs zu verzichten und den Menschen dort beispielsweise mit Nahrungsmitteln auszuhelfen. Das Tierfutter wird zwar teurer, aber die Menschen dort müssten im Gegenzug nicht verhungern. Somit zeigt sich, dass der Utilitarismus eine Grundlage für ethische Grundkonzepte, die auf Gedankenexperimenten basieren, ist, jedoch heutzutage oft nicht auf die Gesellschaft bezogen werden kann, da es zu Benachteiligungen von Minderheiten führen kann.

Quelle:

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/john-stuart-mill-utilitarismus100.html zuletzt aufgerufen am 25.06.2020

Sind wir mit der Rettung der Welt überfordert?

Die westliche Gesellschaft in der wir leben ist sehr wohlhabend. Wider allen Erwartungen kommt mit Luxus auch das Bestreben weitere Probleme zu lösen, für die man in einem Kampf um die Existenz, wie er in anderen Regionen der Welt Alltag ist, nicht möglich wäre. Viele heutige Probleme sind seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar Jahrhunderten, ungelöst, jedoch sind wir heute wesentlich besser aufgeklärt als damals. An jedes Mitglied dieser unseren Gesellschaft werden Ansprüche gestellt und so viele Probleme eröffnet, die gelöst werden sollen oder müssen. Dies wirft die Frage auf, ob ein Individuum unserer Gesellschaft nicht mit den Problemen unserer Zeit überfordert ist. Sollte dies zutreffen ist fraglich wer dann überhaupt noch „die Welt retten“ oder schlicht verbessern kann.

Das allererste Problem, das höchstwahrscheinlich einem jeden in den Kopf kommt ist der Klimawandel. Von jedem von uns wird ein klarer Standpunkt zu dem Klimawandel erwartet und ein dementsprechendes Handeln. Es gibt stets Möglichkeiten das eigene Leben und dessen Auswirkungen auf die Umwelt zu verändern und zu verbessern. Dies lässt einen nie gänzlich zufrieden mit dem eigenen Leben und Verhalten sein. Reicht es mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder muss ich jetzt mit dem Fahrrad fahren? Ist regional und saisonal einzukaufen ausreichend oder muss ich fortan vegan leben? Ständig geschehen neue Umweltkatastrophen, wie die Überschwemmungen in Venedig und die Brände in Australien und im Amazonas. Uns ist klar, dass wir Mitschuld an diesen Ereignissen tragen, was zumindest bei mir oft Trauer und Frustration auslöst.

Weitere Probleme sind z.B. die soziale Ungerechtigkeit, die alleine schon Deutschland herrscht. Die Schere zwischen Armut und Reichtum wird global, aber auch national immer größer. Dies und andere politische Probleme, wie der aktuelle Rechtsdrang der Bevölkerung machen einem stets deutlich, dass eine Veränderung stattfinden muss. Jedoch fühlt sich der einzelne Bürger in unserer Gesellschaft nicht angesprochen diesen Wandel auszulösen. Man ist schlicht überfordert und schnell stellt sich das Gefühl ein, als Individuum eh nichts ändern zu können.

Das rasante Bevölkerungswachstum und die Lebensumstände in anderen Ländern sollten uns auch beschäftigen. Das Fehlen von Licht, Trinkwasser, Nahrung, Medizin und vor allem Bildung ist in vielen Teilen der Welt immer noch ein gewaltiges Problem. Für die meisten von uns würde es kein allzu großes Problem darstellen eine Spende von mehreren hundert Euro zu tätigen.Wird dies allerdings von den meisten getan? Nein. Der Grund dafür liegt ebenfalls bei der Überforderung. Allein die Auswahl des Betrags, der Organisation und des Zwecks für viele schon schwer, da es stets einen Ort gibt an dem das Geld mehr benötigt wird.

Auch die Arbeits- und Schulwelt macht es vor allem den jungen Generationen nicht gerade einfach. Studien zeigen, dass sich alleine in den letzten zehn Jahren die Anzahl an Studenten, die ein Burn Out erleiden mehr als verdoppelt hat und damit auch gehäuft psychische Erkrankungen einhergehen (https://www.sciencedaily.com/releases/2018/11/181105081716.htm). Dies ist nicht verwunderlich, wir leben in einer Welt des Wandels in dem permanent alles verändert und rationalisiert wird, und um für den Arbeitgeber attraktiv zu werden oder zu bleiben muss man immer mehr leisten und das mögliche Stresslevel immer höher schrauben. Allein die Berufswahl setzt viele, mich eingeschlossen, unter enormen Druck. Eben da es so viele ungelöste Probleme und Missstände gibt, sollte man seine Energie und Wissen in eines stecken, jedoch ist dies oft kein lukratives Geschäft.

Es gibt unzählige Probleme auf dieser Welt und ich bin nur auf eine handvoll davon eingegangen. Weitere Probleme wären die Energie- und nahende Wirtschaftskrisen, Kriege oder Flüchtlinge, allerdings ist das Grundprinzip für den Normalbürger dasselbe. Ein jeder von uns kennt viele Punkte in denen unsere ach so moderne Welt enormes Verbesserungspotential zeigt.Wir werden ständig mit Nachrichten von Katastrophen, Kriegen und Missständen bombardiert, sodass manche, vor allem mit schlechter Bildung dazu neigen, sich für gar nichts derartiges mehr zu interessieren. Dieses „Kopf in den Sand“ stecken ist das Schlimmste was wir machen können. Würde ein jeder von uns so reagieren, wäre jeder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und niemand könnte zur Weltrettung beitragen.

Aber was soll man nun tun? Um ein „guter“ Mensch zu sein, müsste man mehrere Leben und Versuche haben. Ich selbst verspüre oft ein Gefühl der Überforderung bei so vielen Dingen, oft auch nur Kleinigkeiten im Alltag. Wenn es allen so geht, wer kann dann überhaupt noch irgendetwas verändern? Solch pessimistische Gedanken kommen schnell auf und müssen ebenso schnell wieder verdrängt werden. Es gibt ein einfaches Mittel: Anfangen! Nichts verbessert sich, wenn jeder von einem Problem Bescheid weiß, aber niemand etwas dagegen unternimmt. Die Allgemeinheit kann enorm viel bewegen. Würde beispielsweise ein jeder regionaler einkaufen, wäre dies eine kleine Umstellung für jeden Bürger, jedoch würde sich der Marktsituation, die Umweltbilanz und vieles mehr ändern. Nicht jeder kann einen Umweltschutzbund gründen oder ähnliches, aber wenn jeder so viel wie möglich ändert ist schon viel geholfen. Auch große Persönlichkeiten wie Greta Thunberg mussten hart für ihren Erfolg arbeiten, aber vor allem erst einmal beginnen. Trotzdem hätte auch Greta keinen Erfolg gehabt, wenn sie nicht von abertausenden Menschen unterstützt worden wäre, die oft nur Kleinigkeiten beigetragen haben.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass der Beitrag zu Problemlösungen auch ein Beitrag zum persönlichen Glück ist. 5€ die an eine Wohltätigkeitsorganisation gehen, machen einen sicherlich glücklicher als ein Schein mit demselben Wert.

Das größte Problem, welches sich uns heutzutage stellt, ist die Abwägung zwischen Verzicht und eigenem Nutzen. Unsere Großeltern hatten höchstwahrscheinlich nicht die Entscheidungsmöglichkeiten und die Mittel, wie wir heute. Damals ging es bei vielen ums Überleben, somit ist das Auseinandersetzen von den Problemen, die es auf der Welt gibt, so wie wir es heute tun, ein Privileg, welches nicht zu unterschätzen ist.

Was sagt ihr zu diesem Thema? Wo und wann fühlt ihr euch überfordert?

#IStandWithMaya – Unterstützung einer transfeindlichen Welt?

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist nicht immer die Gesellschaft, in der man leben will. Nicht jeder kann sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen einigen. Deshalb kommt es im Internet und in der Öffentlichkeit immer mehr zu Diskussionen, Meinungsäußerungen und Auseinandersetzungen. Während sich viele als Individuum in unserer Gesellschaft nicht zurechtfinden, setzen sich andere für ihre bestimmten und individuellen Vorstellungen und Werte ein. So löst auch Harry Potter-Autorin J.K.Rowling eine große Internet-Debatte aus und muss um einiges an Kritik und Empörung einstecken. Über Twitter hat sich die Autorin zu der Kündigung von Maya Forstater geäußert, was viele Fans schockiert. In einem Tweet, veröffentlicht am 19. Dezember 2019, verteidigt J.K. Rowling die genderkritische Wissenschaftlerin Maya Forstater, die aufgrund transfeindlicher Aussagen auf Twitter ihren Job verloren hat. Zum einen hat die Steuerfrau dazu aufgerufen, den Sender Recognition Act zu reformieren, der Trans Menschen erlaubt, ihr Geschlecht auszugleichen. Maya Forstater sagte in einer respektlosen Schreibweise aus, dass Männer nicht zu Frauen werden könnten. Sie glaubt nicht, dass ‚Frausein‘ eine Frage der Identität oder weiblicher Gefühle ist. Für Maya Forstater zählt die Biologie und dass beide Geschlechter nicht beschränkt oder diskriminiert werden sollten, weil sie den traditionellen, geschlechtsspezifischen Erwartungen nicht entsprechen.

Durch das Anklicken des Links https://twitter.com/mforstater?lang=de könnt ihr euch einen eigenen Zugang zu den Äußerungen von Maya Forstater verschaffen.

J.K. Rowling unterstützt die Frau über Twitter, bestätigend mit dem Hashtag #IStandWithMaya. Sie schreibt:

Die Empörung vieler Fans von dieser Autorin ist groß. Eine selbst betroffene Frau schreibt davon, als Kind Zuflucht in den Büchern gesucht zu haben und dass ihre Vorstellung von Hogwarts durch die Ansichten der Autorin geplatzt sind. Ein schwuler Fan schreibt: “Knowing that Trans people wouldn’t be able to have that safety, breaks my heart.“ Auch einem Buchhändler namens Linus Giese geht es zu weit. Er schreibt, es gäbe keine Entschuldigung mehr dafür, nicht zu wissen, dass J.K. Rowling transfeindlich sei.

Ich selbst bin ein begeisterter Fan von den Harry Potter Büchern und Filmen, und bin entsetzt davon, dass sich J.K. Rowling mit dem Hashtag öffentlich auf die Seite gegen transsexuelle Menschen stellt. Die Enttäuschung der Fans lässt sich eindeutig nachvollziehen, jedoch sagt die Autorin mit ihrem Tweet ebenso die Freiheit des Menschen aus, wie dass man sich beispielsweise anziehen soll wie man will. Zwar beschreibt J.K. Rowling, dass man sein bestes Leben in Frieden und Sicherheit leben soll, jedoch erscheint es für mich widersprüchlich, wenn man die Message mit den Reaktionen der Fans vergleicht, die sich nicht mehr in Hogwarts sicher fühlen können. Zum anderen lässt sich die Frage stellen, ob man die erfundene, fesselnde Welt der Autorin mit der Realität gleich stellen sollte, um sich persönlich zurückziehen zu können. Meinem Verständnis zufolge sagt J.K. Rowling aus, dass man zu sich stehen sollte und das machen sollte, was man selbst für richtig hält. Dennoch sollte man den eigenen Körper akzeptieren und dazu stehen, was man aus biologischer Sicht ist. Sie differenziert zwischen “wer man ist“ und “was man ist“. Ich verknüpfe das mit der Frage der Existenz des jeweiligen Individuums, dass der Mensch erst existiert und sich danach erst selbst definiert, wodurch die Identität nicht das Geschlecht miteinbezieht.

Der Mensch hat das Privileg, sich selbst zu gestalten, seine eigenen Normen zu erdenken und seine Individualität zu erkennen. Doch was haltet ihr von den Äußerungen von Maya Forstater und J.K. Rowling? Findet ihr sie berechtigt, missverstanden oder tatsächlich angreifend gegenüber der verschiedenen Identitäten?

Quelle:

https://www.google.de/amp/s/ze.tt/transfeindlichkeit-j-k-rowling-veraergert-mit-einem-tweet-tausende-fans/amp/

Kritik an Israel: Antisemitisch?

Es ist bereits schon alltäglich, in irgendeiner x-beliebigen Zeitung israelkritische Artikel lesen zu können, die sich v.a. mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästina, bzw. der israelischen Siedlungspolitik auseinandersetzen. Doch die meisten Menschen, die meinen diese kritisieren zu können, haben sich im Voraus nicht mit den Hintergründen dieser beschäftigt und wälzen ihre allgemein schon antiisraelische Haltung, ohne jegliche Vernunft, auf ganz Israel, und damit indirekt auf Juden ab, wodurch sie unbewusst, bzw. mittlerweile mehr und mehr beabsichtigt, Juden- und Israelfeindliches versuchen zu legitimieren. Jedoch ist Kritik am israelischem Staate nicht gleich Antisemitismus, denn kein Staat der Welt ist perfekt, und lebt daher vom demokratischen Austausch der verschiedenen Standpunkte. Doch ab wann ist “Israelkritik“ antisemitisch, bzw. ist sie überhaupt antisemitisch?

Israelkritik beinhaltet meistens einen verkapselten Antisemitismus, der darin besteht, dass man dem Staat, und dessen Politik, auf alle dort lebenden Menschen- der Großteil ist jüdisch- bezieht. Sicherlich bedeutet das nicht gleich, dass man Antisemit ist, jedoch verleitet dies, tendenziell, zu einer großen Verallgemeinerung, die dazu führen kann, dass manch dummer moderner “Halbnazi“ sich bestätigt fühlt, dass aus ihrer Sicht, das Grauen, das die Deutschen an über sechs Millionen Juden verübt haben, doch nicht so katastrophal war, da man “den Juden“ nun das “Doch-So-Schlimm-Sein“ vorwirft. Ein oft genanntes Beispiel ist die Siedlungspolitik des Ministerpräsidenten B. Netanyahus und der dazugehörigen, grob durchdachten Reaktion Palästinas, die das Gebiet Israels bombardieren, wodurch bereits sämtliche Israelis ums Leben kamen. Jedoch bewirkten die Vergeltungsanschläge Israels auf palästinensischem Boden das gleiche. Die relativ einseitige Berichterstattung der, vor allem deutschen Presse, unterstreicht den verfehlten Eindruck, da Israel meistens als das schwarze Schaf dargestellt wird. Außerdem spielt das übertriebene mit dem Zeigefinger auf Israel Zeigen eine ebenso große, wie auch wichtige Rolle. Das Ausblenden anderer, viel größerer Konflikte, wie z.B in Burkina Faso, oder in Mali, wirkt zudem kategorisch. Erschreckend dargestellt wird dies, durch die überdurchschnittliche und meist negative Berichterstattung und Publikationen über Israel, was, wie kein anderes Land, damit “beschossen“ wird, was fast schon perverse Ausmaße angenommen hat, und schon kollektiv wirkt. Ebenso wirkt das Zusichern der Bundesregierung an das Existenzrecht Israels fast schon heuchlerisch, wenn man in 83 UNO-Abstimmungen gegen Israel votiert hat. Sicherlich, Kritik an der Politik, der israelischen Regierung, ist völlig angemessen, angesichts der Tatsache, dass man das palästinensische Siedlungsgebiet zu großen Teilen geradezu abgekapselt und isoliert hat. Jedoch ist dies nun überhaupt nicht auf die Einwohner, und spezifisch auf Juden, zu zuschieben, denn es ist unmöglich, das Handeln einer kleinen Gruppe, kollektiv auf die Allgemeinheit zu übertragen. Das gilt für ALLE und sollte eigentlich unverhandelbar sein, egal ob man Jude, Syrer, Deutscher, Ukrainer, Chinese oder sonst irgendwer ist. 

 Abschließend ist es wichtig zu sagen, dass Kritik an der Politik B. Netanjahus, und damit an der Regierung Israels legitim, sogar notwendig ist. Es gehört zu jedem demokratischen Staat dazu, dass man sich kritisch mit der Politik des Landes oder sonstigen Dingen auseinander setzt. Jedoch verleitet das Thema Israel schnell zu Antisemitismus, da sich viele Menschen entweder zu wenig mit dessen Problematik auseinander setzen und bereits schon leicht antisemitische Züge aufweisen, oder eine kleine Personengruppe auf die ganze Gruppe übertragen. Die Frage ist, ob dies bewusst, oder unbewusst ist. Denn durch die Banalität des Bösen, dies einfach durchzuwinken, was momentan in der Gesellschaft geschieht, wird Antisemitismus erschreckenderweise mehr und mehr salonfähig. Es ist unsere Aufgabe differenziert und sachlich dem entgegen zu stehen und unseren jüdischen Bürgern beistand zu leisten.

Arendts “Banalität des Bösen“ und die AfD

Seit der Bundestagswahl 2017, und dem damit verbundenem Einzug der AfD in den Bundestag, polarisiert diese, quer durch die gesellschaftlichen Schichten, Massen. Durch die eigens inszenierte “Opferstellung und -haltung“, und, durch Spitzenpolitiker, wie Alexander Gauland, hervorgebrachte Aussagen, wie “Die Zeit des Nationalsozialismus war ein Vogelschiss in der glorreichen Geschichte des 1000-jährigen Reichs“. Das Ziel, was mit solchen Verbalkatastrophen verfolgt wird ist, dass die AfD den vermeintlichen “Demokratieverlust“, seitens der “etablierten Parteien“ anprangert, und dies mit Sätzen, wie “Das darf man doch wohl noch sagen“ krankhaft versucht diese zu legitimieren. Das Erstarken und Polarisieren der rechtspopulistischen Parteien erinnert stark an das Ende der 1920er Jahre sowie die Machtergreifung Hitlers, und den damit verbundenen katastrophalen Folgen- der Genozid an über 6 Millionen Juden, Homosexuellen, Sinti und Roma, Behinderten und Regimekritiker. Die Täter scheinen im ersten Augenblick wahre Monster zu sein, denn: Wem könnte man solch grauenvolle Verbrechen zutrauen? Der zweite Blick sorgt für erschreckende Ernüchterung. Es handelt sich, so Arendt, um “Schreibtischmörder“, sprich: dummes Beamtentum. Arendt beschreibt dies, als Banalität des Bösen, doch ist dies auf unsere Zeit, und dem damit verbundenen Erstarken von fremdenfeindlichen und rechtpopulistischen Parteien und Bewegungen zutreffend, speziell auf die AfD?

Arendts Theorie beschreibt das Vollüben von Verbrechen, aufgrund, beispielsweise, eines Befehls höherer Instanz, ohne diesen zu hinterfragen und infrage zu stellen: quasi aus reiner Dummheit. Dies steht jedoch auf dem ersten Blick  im Widerspruch zu dem, was die AfD von sich gibt. Es handelt sich nicht um einen Befehl von oben, sondern um scheinbar “Selbstproduziertes“. Es ist zwar somit kein Befehl, jedoch ist Vorhandenes wieder neu ausgegraben und verwendet worden, und im Bezug auf die Arendt’sche Theorie, als aus Dummheit und Nichthinterfragen gesagte Phrasen und getane Handlungen, die allerdings von einer längst vergangenen radikalen, menschenverachtenden und grauenvollen “höheren Instanz“- Nazis-   hervorgebracht wurden. Es handelt sich dabei nicht um explizite Phrasen. Es handelt sich viel mehr um- aus der Sicht von Rechtspopulisten- Allgemeingültiges, welches durch scheinbar einfache und “logische“ Antworten auf hochkomplexe Themen, welche mit einem Glanz von Dummheit und Xenophobie strahlen, die “einzig wahre Lösung“ zeigt. Die Kernaussage solcher ist:  “Wir- die wahren Deutschen- sind die Opfer der Eliten.“, womit die Altparteien gemeint sind, die nach Auffassung der AfD, dem Willen der Wähler nicht mehr nachkommen,bzw. nicht erfüllen, da sie en favor des von Rechtsradikalen und -populisten gesponnen “Bevölkerungsaustausches“ sind. Das Spinnen solcher Theorien und Gedanken spielt hierbei eine bewusste Rolle. Diese Rolle ist nun nicht mehr die Rolle des Unschuldigen, der bloß aus reiner emotionalen Angst und Wut, solches behauptet. Es ist mittlerweile ein Teil der Gesellschaft geworden, in der solche Phrasen- so scheint es- mehr und mehr akzeptiert werden, da es psychologisch deutlich einfacher ist, die Masse, die ängstlich ist, und nach einem einfachen “Ausweg“ sucht, zu manipulieren. Es bräuchte theoretisch nur einen Wahnsinnigen, der die Massen von einst, wieder mobilisieren kann, da durch die Allgemeingültigkeit der Banalität des Bösen, das ernsthafte und  unabhängige Hinterfragen geradezu zerstört wird. Die Banalität der AfD besteht darin, die Massen zu manipulieren und gleichzeitig zu mobilisieren. Die momentane Anhängerschaft dieser ist bereits schon förmlich “gleichgeschalten“ und in ihrer emotionalen Bubble gefangen. Die Aussagen und Handlungen sowie die Taten der AfD werden i.d.F., durch die Banalität des Bösen einfach durchgewunken, d.h. die Mitglieder radikalisieren sich immer mehr und unterstützen die Entwicklung zum “Schreibtischmörder“,der durch die Anhängerschaft der AfD nun wieder erneut in der modernen Form des Nationalsozialismus aufkommt. Auf der anderen Seite muss man von reiner Boshaftigkeit sprechen, da man, durch die Möglichkeiten, sich unabhängig aufklären zu können, das “Gehabe“ der Nazis erkennt und solche Tendenzen wahrnimmt. Die reine Boshaftigkeit liegt darin, dass man die Wahrheit ausblendet, und sich eine eigene erschafft. Der Hass gegenüber dem, was anders ist, ist bewusst und wird nicht nur durchgewunken, sondern weiter unterstützt, durch den eigenen Hass. Die Boshaftigkeit dieser kann nie unbewusst sein.

Die AfD fördert dies durch bewusste Verbalprovokationen, die gezielt gegen Minderheiten ausgerichtet sind, siehe A. Weidls “Kopftuchmädchen und sonstige Taugenichtse“-Rede und etc.. Im Umgang mit der AfD ist festzustellen, dass es beide Arten von Boshaftigkeit gibt: Absolute, wie die Banalität dieser. Die Gefahr besteht darin, bestimmte Seiten auszublenden und nur eine, bzw einen Teil der dargestellten Seite zu zeigen. Jedoch ist es im großen eher die Absolute Boshaftigkeit, da, die geistige zurückgebliebene Anhängerschaft, nun nicht mehr unwissend ist, sondern die Wahrheit ausblendet, und somit eine Eigene erfindet, um den selbst kreierten Hass zu “legitimieren“. 

choices

Wie und mit welcher Art man in einer Situation richtig handelt oder reagiert, ist von Person zu Personen unterschiedlich. Menschen haben verschiedene Ansichten und Blickwinkel auf Konflikte oder jegliche Art von Situationen. Sie handeln nach ihrem Gewissen oder ihren Werten. Aber wodurch definieren sich eigentlich unsere Werte und gehen diese nicht nach und nach verloren? Suchen wir uns nicht einfach immer den leichtesten Weg, Hindernissen aus zu weichen?

Werte sind tief-verwurzelte, bedeutsame und durchdringliche Überzeugungen, Haltungen (Einstellungen), Ideale und Bedürfnisse, welche gewöhnlich von den Mitgliedern einer Gesellschaft auf unbestimmte Zeit individuell geteilt werden und zumeist das Gute oder Schlechte betreffen. (https://ethik-unterrichten.de/lexikon/werte/)

Menschen müssen im Leben viele wichtige Entscheidungen treffen, die großen Einfluss auf ihr Leben haben können. Das Leben ist eine einzige Entscheidung. Man entscheidet sich jeden Tag unterbewusst dafür, zu leben. Diese Entscheidungen treffen wir nicht einfach so. Viele Faktoren haben Einfluss darauf, wie ich auf Dinge wie Probleme reagiere oder mit Drucksituationen umgehe. Oft entscheidet unser Unterbewusstsein also unser Bauchgefühl darüber was für uns moralisch falsch oder richtig ist. Wenn wir etwas tun und es unseren eigentlichen Werten wiederspricht bekommen wir meistens ein schlechtes Gewissen oder bereuen unsere Tat. Dieses Gewissen kommt nicht von alleine. Wir werden unser Leben lang durch Erfahrungen geprägt. Am Anfang spielen unsere Eltern eine entscheidende Rolle. Sie haben uns erzogen und von klein auf einen großen Einfluss auf unsere moralische Entwicklung genommen. Viele Kinder übernehmen die Wertevorstellung ihrer Eltern zu großen Teilen, auch deswegen, weil die Meinung der Eltern von einem selbst auch in fortgeschrittenem Alter noch von Bedeutung ist. Allerdings heißt das nicht zwangsläufig, dass sich unsere Werte nicht ändern. Meistens entscheidet man sich im Jugendalter dazu, wer man sein will und welche Werte für einen persönlich von Bedeutung sind. Man schließt sich Gruppen an, deren Werte und Prinzipien dich beeinflussen können. Wo wir wieder bei Entscheidungen wären…  Auch Dinge wie der Glaube beeinflussen unsere Werte und damit verbundenen Entscheidungen. Ich lebe nach den Vorstellungen meiner Religion und versuche mich nach ihren Werten und Normen zu orientieren. Hinzu kommen Erfahrungen im Leben im Guten sowie im schlechten Sinne. Schlechte Erfahrungen lassen uns kälter werden, da man nicht das Risiko eingehen möchte, nochmals enttäuscht oder verletzt zu werden. Gute Erfahrungen hingegen können uns in unseren Prinzipien stärken und an ihnen festhalten lassen. Natürlich sind hier auch Gefühle im Spiel, sie können der Grund sein, warum wir gegen unsere Prinzipien handeln, dabei spielt es keine Rolle, ob es positive oder negative Gefühle sind. Liebe oder Hass lässt uns die schlimmsten und verrücktesten Dinge machen. Aber nicht nur Gefühle sind Gründe dafür, warum wir unsere Werte in den Sand setzten und sie verleugnen. Gruppenzwang, die Angst nicht dazu zu gehören oder akzeptiert zu werden, lässt uns Dinge tun oder eben nicht tun einfach nur, um nicht aus dem Schema auf zu fallen. Es ist leichter mit der Welle zu schwimmen als gegen sie. Wir folgen dem Mainstream und dabei geht das verloren, was uns eigentlich ausmachen sollte. Leute werden Vegan, weil das alle tun und nicht aus eigener Überzeugung heraus. Man will den Menschen gefallen und ein Teil der Gesellschaft sein. Es ist einfach nicht“ in“, wenn man nicht trinkt, raucht und feiern geht. Doch genau an diesem Punkt entscheidet man sich entweder sich selber treu zu bleiben oder dafür den leichten bequemen Weg zu gehen und einer von vielen zu sein. Am Ende entscheidet niemand anderes als wir selbst, wer wir sind und welche Werte uns definieren. Für einen selber sollte nicht wichtig sein, ob man gemocht wird, sondern viel mehr, ob man sich selber mögen kann, so wie man ist.

be who you are not who the world wants you to be…it is up to you

Scientology – Hoffnungsträger oder eine Gefahr?

Scientology („Lehre des Wissens“) ist eine neue religiöse Bewegung, die 1954 gegründet wurde und auf den Schriften von L. Ron Hubbard beruht. Sein berühmtestes Buch „Dianetik: Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“ wurde sogar über 21 Millionen Mal gedruckt. In diesem geht stellt er klar, dass alle Lebewesen das Ziel zum überleben haben. Dies wird durch unseren Verstand gesteuert. Laut Hubbbard besteht dieser aus zwei Teilen: einem analytischen, der für jedes Problem eine Lösung hat, und dem reaktivem, der bei negativen Eindrücken und emotionalen Schmerzen aktiv wird. Deshalb möchte diese Organisation diese „fehlerhaften Datenansätze“ durch einen sogenannten E-Meter aufspüren und löschen, damit der Verstand wieder fehlerfrei arbeiten kann. Somit sieht Scientology sich als Erlösungsreligion, die dem Menschen den Zustand geistiger Freiheit vermittelt und ihn von seinen Fesseln im physischen Universum befreien will. Ihr Ziel ist es also die Vernichtung aller menschlichen Defekte und eine perfekten Welt ohne Mängel zu erreichen. Dabei spielt aber auch die Gerechtigkeit für jeden einzelnen Menschen eine Rolle. Um diese Ideologie gut zu verbreiten, wird viel durch Bücher, Versprechungen wir die Heilung schwerer Krankheiten aber auch durch Stars geworben, die nur Gutes darüber erzählen. Vor allem Tom Cruise ist einer der berühmtesten davon. Doch gerade durch negative Gefühle wie z.B. Einsamkeit und Trauer, sehen manche Menschen in Scientology einen Hoffnungsträger. Schaut man sich jedoch Berichte zu ausgestiegenen Personen an, bekommt man einen sehr guten Blick hinter die eigentliche Kulisse. Es wird berichtet, dass die Versprechungen nicht eingehalten werden und vor allem Kinder es sehr schwer haben. Diese werden nämlich als Erwachsene in kleinen Körpern gesehen und haben deshalb keine leichte Kindheit und eine harte Erziehung. Auch gibt es das sogenannte „Rehabilitation Project Force“. Es ist ein Programm für Mitglieder, die angeblich gegen Erwartungen oder Richtlinien verstoßen haben. Doch man kann es genau so gut als ein Privatgefängnis ansehen, da jede kleinste Übertretung bestraft wurde. Aus einem Bericht eines Deutschen an das Amtsgericht in Berlin finden wir diese Worte:

„Die Repressalien der „Kirchenleitung“ gipfelten im Juni/Juli 1996 darin, daß der Kläger, da er und seine Freundin immer noch nicht von Ihren Heiratsplänen Abstand nahmen, zwei Wochen lang in einem ca. 4 qm großem fensterlosen Raum in Clearwater gefangengehalten und insbesondere psychisch gefoltert wurde.“

Auch kann Scientology für die Mitglieder sehr gefährlich werden, da diese völlig abhängig gemacht werden können. Vor allem Aussteiger können mit Verfolgung oder Erpressung rechnen.

Für mich persönlich waren diese Berichte erschreckend. Erstens sind wir perfekt so wie wir von Gott erschaffen worden sind und man darf auf keinen Fall behaupten, der Mensch hätte menschliche Defekte und sollte sie deshalb beseitigen. Außerdem sollte jeder Mensch eine Entscheidungsfreiheit besitzen und nicht mit negativen Folgen nach einem Ausstieg rechnen müssen. Auch verstößt Scientology gegen die Menschenrechte, da niemand einfach so eingesperrt werden darf.

Jetzt würde mich natürlich auch brennend interessieren, was ihr zu diesem thema sagt und wie ihr dazu steht, weshalb ich mich über eure Kommentare freuen würde!

Quellen:

https://e-hausaufgaben.de/Referate/D10590-Praesentation-Scientology-zwischen-Attraktivitaet-und-Gefahr.php

https://www.planet-wissen.de/kultur/religion/jenseits_der_traditionellen_kirchen/pwiescientology100.html#lehre

http://agpf.de/Archiv/RPF.htm

Lg Aspasia

Der Aussenseiter im Inneren

Im Leben zählt das, was man mit anderen Menschen gemeinsam hat. In seinen Freunden sucht man sich diejenigen aus, mit denen man Aktivitäten oder Erfahrungen teilen kann. So solidarisieren wir uns gegenseitig durch das, was wir gemeinsam haben. Ebenso kommt uns das völlig Unbekannte und Unverständliche fremd und gefährlich vor. Automatisch entstehen Apathien und Ängste. Jedoch steht unsere Solidarisierung durch Ähnlich- und Gemeinsamkeit im Kontrast mit unserer Erfahrung als Individuum. Immerhin verstehen wir unsere menschliche Erfahrung durch Unterschied zu anderen Menschen und im Unterschied zu dem Rest des Universums. Man kann sich selbst nur dann als Individuum erkennen, wenn man den Unterschied zu anderen Menschen erkennt. Es ist der Moment, in dem sich der Mensch im Spiegel erkennt und seine Charakteristika differenziert, in dem Er als Mensch geboren wird. Gleichzeitig ist es elementar für die menschliche Erfahrung seiner Existenz, dass unsere Fühlreichweite durch die physischen Limitationen unseres Körpers beschränkt sind. Auch wenn wir im makroskopischen und mikroskopischen Bild des physikalischen Universums nicht von dem Rest dessen zu unterscheiden sind, so ist es die Eigenheit des Menschen, durch die Sinne seine Existenz in seinem Körper zu erkennen.

Auch im Verlauf des Lebens wird die Individualität des Menschen deutlich. So sind geistige und physische Merkmale jedem einzelnen Menschen individuell. Auch wenn Er Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und Merkmale mit teilweise großen Gruppen von Menschen oder allen Menschen teilt, so ist die spezifische Konstellation und Reihenfolge als auch die Originalität sowie die Qualität dieser Lebenscharakteristika unterschiedlich und definitiv einzigartig. Somit gleicht der Mensch im Laufe eines Lebens einem Cyborg. Unterschiedliche Teile seines Menschen werden durch ihn selbst oder durch andere künstlich ausgetauscht, verändert und hinzugefügt. Unsere Lebenserfahrung ist allerdings durch und durch sozial und interaktiv. Es geschieht in Gruppen oder, besser gesagt, Blasen von Menschen, die mindestens ein Charakteristikum teilen. Es ist der Mensch kein Mensch, welcher kein Charakteristikum mit einem anderem teilt. In dieser Spannung zwischen Cyborg und Menschenblase wird der Cyborg zum „Aussenseiter im Inneren“. Zwar teilt der Cyborg einen Teil seines Wesens mit dem Rest einer seiner Blasen. Aber durch seiner schiere Individualität grenzt er sich in seinem Inneren selbst aus. Seine Gedanken, Aktionen und Reaktionen werden sich von allen anderen unterscheiden. Dabei ist das „Innere“ des „Aussenseiter im Inneren“ doppeldeutig. Denn im Gruppengefüge selbst ist der Cyborg nicht zwangsläufig ein klassischer Aussenseiter, wahrscheinlich sogar meistens nicht. Die Charakteristika die er mit dem Rest der Blase teilt können in ihm so ausgeprägt sein, dass man ihm sogar als den Kern der Blase bezeichnen könnte. Er wird Nichtsdestotrotz ein Aussenseiter bleiben, auch wenn er im Innersten der Gruppe ist, weil sein Aussenseitertum im Inneren des Cyborgs stattfindet.

Was bedeutet diese Analyse aber für uns? Das hat mit dem Solidarisierungsmechanismus der derzeitigen Menschen zu tun. Wie Eingangs erwähnt geschieht eine Solidarisierung und eine Übereinkunft mit anderem Menschen durch Gemeinsamkeit. Somit geschehen Verständnis, Hilfe und Leben mit und füreinander nur auf der Grundlage von gemeinsamen Merkmalen. Dabei ist jeder Mensch ein Cyborg, in seiner Einzigartigkeit besonders und sich seines Unterschied zu Anderen auf existenzielle und sogar schmerzliche Art und Weise bewusst. Wozu diese Dynamik führt sind Zweierlei. Mit der Diversifizierung von Lebenswelten durch die Vermischungen von Lebensräumen im globalen Maße bilden sich zwar eine viel mehr Gruppen an Menschen. Aber da sich diese Gruppen vor allen Dingen mit- und untereinander solidarisieren und es keine gleichmäßige zahlenmäßige Verteilung von Menschen in den verschiedenen Gruppen existieren wird, feinden sich die Gruppen an. In seiner vollen Blüte sieht man diese Dynamik im Zeitalter des Nationalismus im 18ten, 19ten und 20ten Jahrhundert. Konsequenz ist also Konflikt unterhalb von verschiedenen Solidaritätsgemeinschaften. Doch noch dazu kommt die innere Entfremdung und innere Radierung von Charakteristika innerhalb des Cyborg. Einher damit geht auch eine Vereinsamung des Cyborgs. Diese Konsequenzen lassen sich auf Dynamiken innerhalb des Gruppengeflechts begründen. Mit dem kontinuierlichen Prozess der Anfeindung anderer Solidaritätsgemeinschaften sieht sich der Cyborg im Zwang, seine Individualität für eine Uniformität in dieser Blase aufzugeben. Sein Aussenseitertum und Vereinsamung wird vornehmlich in das Innere verschoben, da Andersartigkeit angefeindet wird. Der Cyborg wird also zum vermummten Soldaten der Gruppe. Seine Cyborgartigkeit ist aber ein normativer Fakt und folglich wird seine Andersartigkeit zum Problem seiner Selbstwahrnehmung und führt zur geistigen und eventuell emotionalen Vereinsamung.

Damit ist sehr eindeutig dargelegt, dass in einer Welt voller Cyborgs die Solidarisierung durch Gemeinsamkeit zu Reihen an systemischen Problemen führt. Im aktuellen Kontext ist das besonders durch identitätssuchende Bewegungen zu beobachten. In diesen Bewegungen werden mehrere Dynamiken offen zur Schau gestellt. Erstens, wie schon oben genannt, die sich im Ton verschärfende Anfeindungen zwischen Gruppen. Zweitens, die innermenschliche Vereinsamung und Entindividualisierung innerhalb einer vermeintlich homogenen Menschenblase. Drittens wird aber auch die innere Kontradiktion der Gemeinsamkeitssolidarität fast schon offensichtlich tangiert, aber nicht begriffen. Die Frage zum Beispiel, was „Deutsch-sein“ bedeuten würde, oder wie sich in der BRD der Bürger identifizieren solle, wird ausgiebig beredet. Durch die Vielschichtigkeit des Cyborgs wird aber seine schiere Individualität bei solchen Diskussionen offen gelegt aber nicht als bezeichnendes Merkmal anerkannt. Folglich werden komplexe identitätstifftende Merkmale zusammengefasst und benannt. Interessant sind dabei die Unterschiede in den Ansätzen der politischen Linken und Rechten. Während die politische Rechte mit traditionellen Werten und Idealen viele Menschen in eine Gruppe zusammenfassen will, so versucht die Linke mit ihrer Identity-politics mit der genauen Bezeichnung und Hervorhebung eines Menschen seine genaue Identität festzulegen. Aus dem Ansatz der Rechten entspringt Rassismus und Nationalismus. Aus dem der Linken entstehen ebenfalls die Dynamiken des „Aussenseiter-im-Inneren“.

Natürlich beruhen beide Ansätze immer noch auf der gleichen Devise, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede hervorzuheben. Beides ist das Gleiche, nur der Augenschein kann die Trennung von Gemeinsamkeit und Unterschied zu wahren. Es lassen sich alle Gemeinsamkeiten so umformulieren, dass aus ihnen Unterschiede werden und umgekehrt. So kann aus dem Fakt, dass wir alle Individuen sind, geschlossen werden, dass wir es gerade deswegen nicht sind. Somit bieten beide Ansätze keine neue Art und Weise Solidarität zwischen Menschen herzustellen. Was hier auf dem Spiel steht ist tatsächlich größer als das Wort Solidarität vermuten lässt. Es ist die Grundlage für die menschliche Interaktion. Die Grundlage für Freundschaft, Familie und Staat. Wenn sich also am menschlichen Solidarisierungsprozess etwas ändern würde so auch eine gewaltige Menge an Strukturen. Familie, Staat und Gemeinde würde sich wandeln, auflösen, trennen und vereinen. Individuelle Identität würde sich auf anderen Strukturen stützen oder je nach der Veränderung auch auflösen. Es steht und fällt also in der politischen Welt des Mensch alles mit Solidarität. In besonderer Art und Weise wurde diese Tatsache und auch oben genannten Dynamiken in der Amerikanischen Geschichte demonstriert. Aus ihr geht auch sehr deutlich hervor, dass es nicht einfach so möglich ist, unterschiedliche Ethnien zu mischen und zu erwarten, dass alle beteiligten Gruppen mit dem Ergebnis zufrieden seien. Der Gründe warum man allerdings nicht einfach so jedem Volk sein Gebiet geben kann und hofft, dass jeder damit glücklich wird sind aber vielerlei. Zum Beispiel wird zwangsweise Imperialismus und Expansionismus diese Gebietsverteilung annullieren. Zudem ist ein Volk ebenso ein Cyborg wie die Einzelnen Menschen, die das Volk bilden. Folglich sind die Grenzen eines Volkes zu einem anderem fließend und niemals statisch. Doch die größte Hürde für ein Weltkonzept mit partikulierten Völkern mit Selbstbestimmungsrechten ist die Transport- und Logistiktechnologie in Kombination mit der Kommunikationstechnologie. In Folge der Globalisierung mit diesen Branchen der Industrie ist eine Vermischung von Gruppen, Menschenblasen, Kulturen und Interessen unvermeidbar und unumgänglich und jederzeit vorhanden. Auf dieser Grundlage ist es also das Ziel eine Solidarisierung zwischen Menschen zu ermöglichen, die die Probleme des jetzigen Prozesses lösen und neue Formen der politischen Interaktion eröffnen kann.

Wie soll diese Solidarität aussehen?