Anregung zum Philosophieren: Zeit

Sie sah die Zeit; jetzt versuchte sie, die Zeit zu verstehen. Sie füllte Hefte mit ihren Fragen und Beobachtungen. Existierte die Zeit unabhängig, in der physischen Welt, oder nur in der Vorstellung? Wurde sie nur von Menschen wahrgenommen? Was ließ manche Momente zu Stunden anschwellen und manche Jahre zu Tagen schrumpfen? Hatten Tiere ein Empfinden für das Vergehen der Zeit, wenn sie einen Gefährten verloren oder ihre Beute töteten?

aus: Jhumpa Lahiri „Das Tiefland“, Rowohlt Taschenbuch, 2014, S. 232.

2 Replies to “Anregung zum Philosophieren: Zeit

  1. Die Zeit ist durchaus ein großes mysterium, sie kann vergehen in sekunden oder sich zu einer Ewigkeit hinziehen. Mann kann sie schnell vergessen und oft holt sie einen wieder ein wenn man sie verdrängt.
    Es ist schwer zu verstehen warum das so ist, aber ich vermute, dass es mit unserer Vorstellung zu tun hat und unserem Empfinden. Wenn wir etwas lustiges erleben und abgelenkt sind von der Zeit, merken wir garnicht wie schnell sie vergeht. Sind wir aber gelangweilt und haben keine Beschäftigung die uns ablenkt, dann scheint es als würde sich jede Minute zu einer Ewigkeit hin ziehen.
    Die Zeit in der wir schöne Dinge erlebt haben bleibt uns besser in Erinnerung als ein normaler tagsablauf und auch über einen größeren Zeitraum vergessen wir manche Dinge einfach nicht.
    Ob Tiere Zeit empfinden ist eine gute Frage, aber ich denke die Meisten Tiere schon, zumindest unbewusst. Viele haben ja auch einen geregelten Rhythmus so wie wir Menschen.
    Es kommt glaube ich darauf an, wie sehr sich unser Gehirn bewusst oder unbewusst auf die Zeit konzentriert und wie wir diese warnehmen.
    Sie ist nichts greifbares und so sehr wir uns auch bemühen, wir können die Zeit nicht beeinflussen.

  2. „Jetzt versuchte sie die Zeit zu verstehen“, dieser Satz lässt mich nachdenken. Kann man Zeit überhaupt verstehen? Hab‘ ich sie verstanden, wenn ich weiß, wie viele Minuten eine Stunde hat? Oder ist das nur eine Tatsache, die man uns beibringt, die uns aber letztlich nicht dabei hilft die Zeit zu verstehen? Ich denke, dass jeder, ja auch Tiere, die Zeit unterschiedlich wahrnimmt, denn wie ernstfranz schon kommentiert hat, kann sie je nachdem was man gerade tut, schnell oder eben langsam vergehen. Aber es hat ja nicht jeder Mensch immer zur gleichen Zeit Spaß oder ist im selben Moment, wie sein Nachbar gelangweilt.
    Man kann die Zeit, die Momente, die man einmal erlebt hat, auch nicht noch ein zweites Mal erleben, man kann sich anschließend nur an diese Zeit zurückerinnern. Aber vielleicht ist es das, was die „Zeit“ so rätselhaft macht, dass sie einfach weiterläuft, dass wir sie nicht aufhalten können, dass wir uns nach ihr richten, uns ihr anpassen „müssen“. Vielleicht ist es aber auch gut, dass wir teilweise gezwungen sind, uns ihr anzupassen, denn sie gibt unserem Leben eine bestimmte Struktur.

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