Was ist Toleranz?

Wir sind tolerant. Wir tolerieren Verhalten, Ideen und sogar Menschen. Toleranz: Das klingt immer gut. Ist das immer gut? Was ist überhaupt Toleranz? Wie beeinflusst Toleranz unser Verhalten anderen gegenüber? Sind wir gar nur tolerant, um uns selbst zu gefallen? Nach Reiner Forst lässt sich Toleranz (auch Duldsamkeit) in drei Aspekte gliedern. Zunächst gibt es die Ablehnungskomponente. Wenn man von Toleranz spricht, gibt es immer etwas, was einem persönlich missfällt. Dinge, die einem gefallen, muss man nicht ertragen. So gibt es mehrere Faktoren, die diesem Aspekt entsprechen, so z.B. politische Ablehnung, falls jemand die Meinung anderer nicht teilt. Dies wirkt beinahe „pervers“, da man für sich selbst erhofft, dass der andere nicht ablehnend gegenüber mir, bzw. meiner Meinung steht. So ist die eigene Intoleranz dadurch besonders hervorgerufen und fördert ein negatives Verständnis dessen, was überhaupt toleriert werden darf, kann oder soll. Des Weiteren, wird die Ablehnungskomponente durch die Akzeptanzkomponente ergänzt. Dies scheint nun gar nicht wirklich ins Bild zu passen, da Akzeptanz das Gegenstück von Ablehnung ist. Jedoch akzeptiert man eine Sache, die einem missfällt, ob man will, muss oder soll. Beispielsweise hat meine Freundin ein Tatoo, was mir nicht gefällt. Ich muss aber akzeptieren, da es sich nicht um das meinige handelt, sondern um das, einer anderen Person, dessen Lebensstil ich nicht teilen muss. Die dritte Säule ist die Zurückweisungskomponente. Ab einem bestimmten Punkt „reicht“ es einem. So zum Beispiel, wenn die Musik meines Nachbarn zu laut ist, oder sonstige Unannehmlichkeiten mich an mein Limit bringen. Hier bewegt man sich im Grenzbereich, wo das Akzeptieren durch das Zurückweisen ersetzt wird. Sie zeigt die Grenze dessen auf, ab wann wir etwas nicht mehr akzeptieren, bzw. dulden und annehmen. Alle drei Aspekte stecken sozusagen im Wort Toleranz und helfen den eigentlich sehr abstrackten Begriff „Toleranz“ genauer zu verstehen. Doch ist festzustellen, dass Toleranz negativer konogiert ist, als weithin angenommen. So setzt sie voraus, dass man die Vernuft besitzt, die eigene Ablehnung gegenüber dessen, was einen zum Ablehnen bringt, deutlich geringere Beachtung, bzw. Aufmerksamkeit schenkt, da man sonst, nicht mehr toleriert sondern diese ablehnt und die Tatsache, dass das Missfallen existiert, in den Vordergrund stellt. Deswegen läuft man eher Gefahr zu kokketieren, anstatt seinen eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Tolerieren wir andere, um unsere eigene Individualität zu wahren? Oder tolerieren wir andere, um Konflikten schon im Vorhinein vorzubeugen – eine „Schönwettergesellschaft“ zu generieren, die nach außen hin harmonisch und friedlich erscheint? Was mit einer intoleranten Gesellschaft passiert, ist uns hierzulande aus der jüngeren Geschichte bekannt. Weltweit sind die Folgen von Intoleranz auch heute deutlich sichtbar. In einer Welt, die offen und globalisiert sein möchte, treffen wir dennoch auf Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhass. Was wäre, wenn wir allen Mitmenschen unvoreingenommen entgegentreten würden? Was, wenn wir für jeden – unabhängig von Nationalität, Religion oder sozialem Stand – offen sind, wenn wir jedem seine verdiente Anerkennung zollen? Toleranz. Toleranz ist Harmonie, ist Anerkennung, ist aber vor allem Respekt – Respekt vor unseren Mitmenschen. Respekt, den wir genau so von ihnen erwarten, wie wir unseren Respekt ihnen entgegenbringen müssen. Was ist also Toleranz? Wie bin ich tolerant? Tolerant bin ich dann, wenn ich meinem Gegenüber auch dann mit Respekt gegenübertrete, wenn ich nicht derselben Meinung bin. Tolerant bin ich, wenn ich offen bin für neues, wenn ich niemanden für seine Meinung oder Haltung verurteile. Mit Toleranz zeige ich, dass ich ein klarer Gegner von Diskriminierung, von Hass und von Neid bin. Was also mit unserer Gesellschaft passieren würde – was mit einer Gesellschaft passieren würde, die „global“ sein möchte, ohne dass ich auch nur versuche, meinem gegenüber mit Freundlichkeit, mit Respekt, mit Toleranz entgegenzutreten – das kann sich jeder selbst ausmalen…

Quellen:

-Brockhaus Enzyklopädie Band 12 TO-UL (S.200-210)
– https://www.grin.com/document/458970

Protokoll des Ethikunterrichts vom 26.06.2020 – John Stuart Mill und der Utilitarismus

Datum: 26.06.2020

Klassenstufe: K1

Standort: Biologiesaal, Gymnasium Gerabronn

Teilnehmer: 15 von 15 Schülern

Inhalt

Zu Beginn der Stunde haben wir den Podcast des br über den britischen Philosophen John Stuart Mill zu Ende gehört und anschließend das passende Arbeitsblatt bearbeitet. Moonlight hat in ihrem Beitrag vom 25.06.2020 die Lösungen des Arbeitsauftrages bereits gut zusammengefasst, weshalb ich nicht mehr detailliert darauf eingehen werde. Hier als Übersicht eine grobe Zusammenfassung und am Ende dieses Beitrages findet ihr den passenden Aufschrieb.

Der Utilitarismus laut John Stuart Mill – Zusammenfassung

Das Gemeinwohl wird über das Wohl des Einzelnen gestellt. Grundsätzlich sollen jedem Individuum größtmögliche Freiheiten eingeräumt werden, außer dies könnte dem kollektiven Gemeinwohl schaden. So lehnt diese Philosophie ungleiche Gesellschaftsformen ab, in welchen kleine Eliten den Großteil des Gesamtvermögens besitzen. Um eine utilitaristische Gesellschaft zu ermöglichen, dürfen die einzelnen Teilnehmer der Gesellschaft keine egozentrischen Weltanschauungen vertreten, sondern müssen stets das Gemeinwohl im Auge behalten (→ Wohlverstandenes Eigeninteresse). John Mills Theorie widerspricht der von Jeremy Bentham in dem Punkt, dass laut Mill Leid und Glück nicht quantitativ, sondern qualitativ gemessen werden muss. Hierbei ist vor allem die Langfristigkeit des Leids oder Glücks ausschlaggebend, also welche Folgen die Handlung mit sich bringt. Hat eine Handlung die Tendenz langfristiges Glück zu befördern, so wird sie von Mill als gut erachtet. Er sprach auch oft von Lust. Damit war allerdings nicht die sinnliche Lust, sondern die Freude an geistiger Betätigung gemeint.

Gerecht ist was dem Kollektiv nützt. Hier spielt vor allem der Pro-Kopf-Nutzen, d.h. das durchschnittliche Glück, welches die Beteiligten erleben, eine wichtige Rolle. Der Zweck kann also die Mittel heiligen. Dies ist aus heutiger Sicht allerdings fraglich, da menschenunwürdige Mittel nicht durch eine positive Konsequenz ausgeglichen werden können.

1867 wurde das britische Wahlrecht reformiert, wodurch die Anzahl an Wahlberechtigten ungefähr verdoppelt wurde. Hierbei war John Stuart Mill maßgeblich beteiligt. Er forderte allerdings ein Zensuswahlrecht auf der Grundlage von Bildung, um eine Tyrannei der ungebildeten Mehrheit zu verhindern.

Trotz seiner liberalen Ansichten, sah Mill es als die Aufgabe vom Staat und der Gemeinschaft bei der Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Heizung die Bürger zu unterstützen. Außerdem war es seiner Meinung nach legitim, wenn der Staat beispielsweise die Alkoholpreise erhöht, um so die Bürger vor sich selbst zu schützen.

Das Trolley-Dilemma

Den Rest der Stunde haben wir uns mit dem Trolley-Dilemma befasst. Hierbei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in welchem man sich in Situationen hineinversetzt, bei denen es keine gute Lösung gibt, da beispielsweise über Menschenleben abgewägt wird. Bekannt hierbei ist vor allem das Modell des Zuges. Man nimmt die Position des Weichenstellers ein, welcher entscheiden muss auf welchem Gleis der Zug weiterfährt. Das Problem ist, dass egal wie man sich entscheidet, die Situation stets ein schlechtes Ende nimmt, da auf beiden Gleisen sich z.B. unterschiedliche Anzahlen an Bauarbeitern befinden.

Hierzu haben wir das Video „Filosofix: Das Gedankenexperimet „Straßenbahn““ von dem SRF geschaut und ein passendes Arbeitsblatt bearbeitet. Auf diesem muss man selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg der Zug nehmen soll.

Der Zug tötet entweder:

  1. Einen oder fünf Bauarbeiter.
  2. Fünf Bauarbeiter oder einen dicken Mann, den man selbst von einer Brücke schubsen muss und welcher den Zug stoppen würde.
  3. Einen Bauarbeiter oder fünf Bauarbeiter, zu denen man selbst gehört.
  4. Einen selbst oder fünf Bauarbeiter.

Nach der Besprechung in der Klasse, hat sich herausgestellt, dass sich die meisten folgendermaßen entschieden haben:

  1. Die fünf Bauarbeiter retten und den Einen opfern.
  2. Den dicken Mann nicht schubsen, da dies eine mutwillige Tat wäre und einen Unbeteiligten involvieren würde.
  3. Den einzelnen Arbeiter opfern und sich selbst sowie die vier anderen Arbeiter retten.
  4. Intuitiv würde sich wahrscheinlich jeder selbst retten. Hätte man allerdings länger Zeit zu überlegen, würden sich eventuell manche selbst opfern.

Gemeinsam als Kurs haben wir per Mehrheitsabstimmung den Test der Moral Machine durchgeführt. Hierbei entscheidet man in verschiedenen Szenarien, wie ein autonomes Auto in ausweglosen Situationen zu reagieren hat. Das Prinzip ist wie oben dasselbe: Man muss zwischen Leben abwägen. In diesem Gedankenexperiment geht es jedoch nicht nur darum, wie bei den Bauarbeitern die Quantität an Leben abzuwägen, sondern die Qualität muss auch berücksichtigt werden. Der Simulator stellt einen vor Entscheidungen, bei welchen die Anzahl, das Geschlecht, die soziale Stellung, das Alter, die Befolgung der Gesetze (Fußgänger überqueren die Straße bei rot/grün) und sogar die Spezies (Haustiere sind auch Teil der Aufgabe) abgewogen werden müssen. Ein angenehmes Gefühl hinterlässt das Gedankenexperiment nicht wirklich. Trotzdem war das Ergebnis sehr interessant. Nach der Beendung der Simulation, wird eine Zusammenfassung erstellt, welche Präferenzen sich während der Durchführung gezeigt haben. In unserem Kurs sah dies wie folgt aus: Im Durchschnitt hat unser Kurs sehr utilitaristisch entschieden, was sich z.B. durch das Retten von Ärzten zeigte. Es wurden von der Mehrheit eher Männer gerettet, genauso wie jüngere und sozial höher gestellten Menschen Vorrang gegeben wurde. Bei der Entscheidung zwischen Mensch und Tier hat sich der Kurs stets für den Menschen entschieden.

Führt den Test einmal selbst durch und schreibt in die Kommentare, wie eurer Ergebnis lautet. Findet ihr die Entscheidungen unseres Kurses richtig oder hättet ihr anders gewählt? Ihr könnt auch gerne zu dem oberen Dilemma mit den Bauerbeitern Stellung beziehen.

Aufschrieb

Grundgedanken

  • Gerechtigkeit
  • Allgemeinwohl vor Eigenwohl → Pro-Kopf-Nutzen steigern
  • Größtes Glück für die größte Zahl (an Menschen) → „Pig philosophy“? →langfristiges Glück, Bildung, Qualität des Glücks ( ↯ Gegensatz zu Bentham) →auch Einschränkungen der Freiheit Einzelner möglich

Kritikpunkte

  • „Pig philosophy“ (Gegner vertreten die Meinung, Mills Philosophie würde ausschließlich kurzfristige Lust erzielen)
  • Einzelinteressen werden geopfert
  • Zensuswahlrecht (Interessen von Arbeitern und Unterschicht werden nicht vertreten)
  • Gerechtigkeit ist subjektiv, wird auch von außen beeinflusst
  • Zweck kann Mittel heiligen, auch wenn diese menschenunwürdig sind

Grundprinzipien des Utilitarismus

  • Konsequenzen: Nicht die Motive, sondern die Folgen entscheiden über die Moralität und Gutartigkeit einer Handlung
  • Utilität: Der Nutzen ist der Maßstab nach dem eine Handlung beurteilt wird
  • Hedonistisches Prinzip: Das allerhöchste Gut ist die Lust oder das Glück (pleasure)
  • Prinzip der Universalität: Nicht die Individuen, sondern die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Quellen

Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 19.06.2020

19.06.2020, 9:40h – 11:15h, alle anwesend

Zu Beginn der Stunde haben wir das Dilemma des Kurzfilms „Sommersonntag“ mithilfe eines Schemas auf den Utilitarismus nach Jeremy Bentham bezogen. Dabei haben wir in einer Tabelle direktes und indirektes Glück direktem und indirektem Leid gegenübergestellt.

Direktes Glück/Leid ist unmittelbar. Das bedeutet, dass es einen sofort, also ohne einen Mittler, betrifft. Indirektes Glück ist mittelbar, was bedeutet, dass ein Mittler vorhanden ist. Ein Beispiel dafür wäre, dass ich traurig bin und meine Freunde aus Mitleid oder aufgrund der bedrückten Atmosphäre auch traurig werden. Es kann somit auch eine Woche nach dem Geschehen auftreten, da man hauptsächlich bei anderen Menschen mitfühlt.

In Bezug auf „Sommersonntag“ haben wir Glück mit weniger oder keinem Leid gleichgestellt. Das bedeutet, dass wir beispielsweise die Reisenden als glücklich bezeichnet haben, weil die nicht ertrunken sind und somit kein Leid hatten. Neben den Reisenden haben wir noch ihre direkt Verwandten in die Spalte „direktes Glück“ geschrieben, da sie auch ohne Mittler um den Verlust der Person trauern werden.

Indirektes Glück haben Familie, Freunde und Bekannte, da niemand in ihrem Umfeld gestorben ist und sie das Leid anderer Personen somit nicht belasten kann. Zudem der Bundespräsident, da wenig Leute gestorben sind, die Bahn, da sie keine Mittarbeiter und keinen Zug verloren haben und die Firmen in denen die Reisenden arbeiten, da diese keine qualifizierten Mitarbeitern verloren haben und somit keine neuen Mitarbeiter suchen mussten.

Direktes Leid hatte der Sohn, da er umgebracht wurde. Zudem hatte der Vater direktes Leid, da er seinen eigenen Sohn umbringen musste, jedoch hätte er in jedem Fall direktes Leid erlebt und die Mutter betraf ebenfalls direktes Leid, da sie ihren Sohn verloren hat und eine Teilschuld trägt, da sie ihn nicht pünktlich abgeholt hat.

Indirektes Leid haben zum einen die restliche Familie, Freunde und Bekannte des Jungens und Leute aus dem Zug, die von dem Geschehnis mitbekommen und ein schlechtes Gewissen haben, da ein Junge für sie gestorben ist.

Schließlich haben wir einen ungefähren Zahlenwert aufgeschrieben, um herauszufinden mit welcher Entscheidung die meisten Menschen glücklich sind.

Diese Zahlen sind allerdings nur grob geschätzt und es könnten eventuell noch Kategorien hinzukommen, da der Junge oder einer der Reisenden in Zukunft jemanden das Leben retten könnte. Zudem könnte unter den Reisenden sowohl ein Arzt sein, der ein Heilmittel gegen eine bisher unheilbare Krankheit entdeckt, als auch ein Serienmörder, der in der Zukunft einige Menschen töten wird.

Man hätte zudem die Zahlen des direkten Glücks/Leids höher als die des indirekten Glücks/Leids werten können, indem man beispielsweise alle Zahlen in der „direkt-Zeile“ mit zwei multipliziert. Somit gäbe es einen Unterschied zwischen der Mutter und den Menschen aus dem Zug, da die Langzeitwirkung des Leids für die Mutter wesentlich drastischer ist. Dadurch hätte man die Schwäche der unverhältnismäßigen Gegenüberstellung ausgeglichen.

Im Großen und Ganzen ist jedoch eindeutig, dass sich der Vater zugrunde des Utilitarismus richtig entschieden hat, da die Anzahl der Menschen, die Glück hatten, gegenüber denen, die leiden, überwiegt. Erstere ist nahezu 20-mal so groß.

SommersonntagGlück bzw. weniger/kein LeidLeid
direkt unmittelbarReisende 230
Direkte Verwandte 500
Sohn 1
Vater 1
Mutter 1
indirekt mittelbarFamilie, Freunde, Bekannte 1500 Bundespräsident 1
Bahn 10
Firmen 200  
Restliche Familie, Freunde, Bekannte 50
Leute aus dem Zug 75
Ergebnis2441128

Ein weiterer Kritikpunkt des Modells ist die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt ist, quantitativ Glück gegen Leid abzuwägen.

Bezüglich dieser Frage haben wir uns Beispielsituationen durchgelesen und darüber diskutiert, ob man dieses hedonistische Kalkül anwenden kann oder nicht. Wenn man es unserer Meinung nicht anwenden konnte, mussten wir noch bestimmen, ob man es aufgrund der Langzeitwirkung oder aufgrund der aufzubringenden Mittel/Moral nicht anwenden sollte.

Ein Beispiel für die Anwendung wäre, dass ein Arzt einem Patienten das Bein amputiert, um sein Leben zu retten. Hierbei kann man das hedonistische Kalkül anwenden, da der Zweck bedeutender als das Mittel ist. Für den Patienten würde es sich auf jeden Fall lohnen, sein Bein amputieren zu lassen, wenn er anderenfalls stirbt.

Ein Beispiel, dass aufgrund von Langzeitfolgen gegen das Kalkül spricht, wäre einen Brand in einer menschenleeren Waffenfabrik nicht zu löschen, um die Produktion weiterer Kriegswaffen zu verhindern. Dagegen spricht, dass es so viele Waffenfabriken gibt, dass eine weniger keinen Unterschied machen würde. Zudem würde sie danach wieder aufgebaut oder auf einen anderen Standort verlegt werden. Langfristig gesehen würde es somit nichts an Kriegen ändern.

Ein Beispiel dafür, dass die Mittel sich dem Zweck gegenübergestellt nicht lohnen oder moralisch verwerflich sind, wäre ein Frauenarzt, der Patientinnen anstelle der Anti-Baby-Pille heimlich Plazebos gibt, um die Geburtenrate zu erhöhen und somit einen langfristigen Generationenvertrag zu gewähren. Es wäre moralisch nicht vertretbar, Frauen zu einer Schwangerschaft zu zwingen, vor allem, wenn sie nicht bereit dazu sind. Diese Frauen haben sich durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille gegen ein Kind entschieden und dafür vermutlich Gründe gehabt werden. Es könnte unter anderem sein, dass sie noch zu jung für ein Kind sind, evtl. eine vererbbare Krankheit haben oder nicht die Zeit bzw. finanzielle Mittel haben, ein Kind großzuziehen.

Während diese drei Beispiele relativ deutlich zuzuordnen waren, gab es bei anderen längere Diskussionen. Eines dieser Beispiele wäre, dass ein Arzt einem gesunden Menschen jahrelang unter einem Vorwand heimlich Blut abnimmt, um ein Medikament zu entwickeln, dass Millionen Leben retten kann. Für die Anwendung des hedonistischen Kalküls spricht, dass es dem Patienten nicht schadet, wenn ihm Blut abgenommen wird und der Arzt gleichzeitig, wenn die Herstellung des Medikaments gelingt, Millionen Leben retten kann und ein Arzt sollte alles tun, um Leben zu retten. Doch nach dem Gesetz würde der Patient dadurch in seiner Würde verletzt werden und somit wäre das quantitative Gegenüberstellen von Leid und Glück moralisch nicht vertretbar. Der Arzt sollte den Patienten um Erlaubnis fragen oder Blut von Leuten nehmen, die es für diesen Zweck gespendet haben.

Kurz vor dem Ende der Ethikstunde haben wir uns einen Podcast über John Stuart Mill, dem Begründer des Utilitarismus, angehört.

Eckpunkte seines Lebens sind, dass er schon immer ein Querdenker war und somit andere Meinungen als die Mehrheit vertrat. Als junger Mann wurde er deshalb schon einmal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Unter anderem setze er sich für ein Wahlrecht für Frauen und öffentliche Bildungseinrichtungen für Notarbeiter ein. Er selbst war dem gehobenen Mittelstand zugehörig und politisch liberal eingestellt. Zudem war er politischer Autor und Unterhausabgeordneter. Er verglich oft den Nutzen des Individuums mit dem der Gesellschaft, wobei die Gesellschaft stets Vorrang hatte.

Beispiele wären, ein Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen, kein freier Erwerb von Schusswaffen oder auch ein abstürzendes Flugzeug mit 100 Insassen abzuschießen, um 1000 Menschen am Boden zu retten.

Negativbeispiele wären, dass 10% der bundesdeutschen Bevölkerung 30% des Volksvermögens besitzen oder dass in Dritter Welt Länder Pflanzen angebaut werden, die westliche Zivilisationen als Futtermittel benutzen.

Die Grundgedanken seines Utilitarismus beziehen sich darauf, dass Handlungen für so viele Menschen wie möglich den größtmöglichen Nutzen erfüllen sollen. Dabei darf die Freiheit des Einzelnen eingeschränkt werden.

Unter Wohlverstandenem Eigeninteresse versteht man, dass jeder nach seiner eigenen Lust und seinem eigenen Glück strebt, jedoch das Gesamtbild der Gesellschaft nicht aus dem Auge verloren werden darf.

Handlungen sind insoweit moralisch richtig, wenn sie kollektives Glück befördern.

Gerecht ist das größtmögliche Glück der größtmöglichen Anzahl von Menschen. Nun stellt sich wie Frage, ob Gehälter und Sozialleistungen gerecht sein können. Das Interesse bzw. das Glück von Minderheiten wird schließlich gegenüber dem der Mehrheit zurückgestellt.

Kritik an Mill wäre somit, dass sein Prinzip des Utilitarismus nicht auf Gleichbehandlung beruht, sondern Einzelne dem Unglück ausgesetzt sein dürfen. Allerdings wäre es ethisch nicht angemessen, Leuten ihr Glück zu verwehren und sie aus egoistischem Interesse der Mehrheit in extremes Unglück zu stürzen. Beispiele dafür wären der Nationalsozialismus oder auch das Verbot von Homo-Ehen. Somit wird deutlich, dass sich auch die Mehrheit irren kann. Doch auch ein Zensuswahlrecht, das nur Gebildeten das Wahlrecht gibt, ist nicht optimal. Wie bereits erwähnt,  ist es zu kritisieren, wenn Minderheiten benachteiligt werden. Schließlich muss man ein Kriterium finden, dass gebildete Menschen von ungebildeten Menschen trennt. Früher durften somit nur Menschen ab einem gewissen Einkommen wählen. Man kann es befürworten, da sie meist eine bessere Schulbildung hatten, allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass dadurch die Intressen der Ärmeren politisch überhaupt nicht vertreten werden.

Der Utilitarismus ist heute insofern aktuell, dass jeder wählen darf und somit die Mehrheit über die Regierung bestimmt und bestenfalls mit ihr zufrieden sein wird. Allerdings steht der Utilitarismus auch oft der Moral gegenüber. Es stellt sich die Frage, ob man Futtermittel in Dritter Welt Länder anbauen darf, um das Klima zu schützen. Tut man dies, hat die Bevölkerung dort nicht genug Anbaufläche für Nahrungsmittel, tut man es nicht, wird die Umwelt weniger geschützt. In diesem Fall wäre es moralisch vertretbarer, auf das Glück des Kollektivs zu verzichten und den Menschen dort beispielsweise mit Nahrungsmitteln auszuhelfen. Das Tierfutter wird zwar teurer, aber die Menschen dort müssten im Gegenzug nicht verhungern. Somit zeigt sich, dass der Utilitarismus eine Grundlage für ethische Grundkonzepte, die auf Gedankenexperimenten basieren, ist, jedoch heutzutage oft nicht auf die Gesellschaft bezogen werden kann, da es zu Benachteiligungen von Minderheiten führen kann.

Quelle:

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/john-stuart-mill-utilitarismus100.html zuletzt aufgerufen am 25.06.2020

#IStandWithMaya – Unterstützung einer transfeindlichen Welt?

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist nicht immer die Gesellschaft, in der man leben will. Nicht jeder kann sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen einigen. Deshalb kommt es im Internet und in der Öffentlichkeit immer mehr zu Diskussionen, Meinungsäußerungen und Auseinandersetzungen. Während sich viele als Individuum in unserer Gesellschaft nicht zurechtfinden, setzen sich andere für ihre bestimmten und individuellen Vorstellungen und Werte ein. So löst auch Harry Potter-Autorin J.K.Rowling eine große Internet-Debatte aus und muss um einiges an Kritik und Empörung einstecken. Über Twitter hat sich die Autorin zu der Kündigung von Maya Forstater geäußert, was viele Fans schockiert. In einem Tweet, veröffentlicht am 19. Dezember 2019, verteidigt J.K. Rowling die genderkritische Wissenschaftlerin Maya Forstater, die aufgrund transfeindlicher Aussagen auf Twitter ihren Job verloren hat. Zum einen hat die Steuerfrau dazu aufgerufen, den Sender Recognition Act zu reformieren, der Trans Menschen erlaubt, ihr Geschlecht auszugleichen. Maya Forstater sagte in einer respektlosen Schreibweise aus, dass Männer nicht zu Frauen werden könnten. Sie glaubt nicht, dass ‚Frausein‘ eine Frage der Identität oder weiblicher Gefühle ist. Für Maya Forstater zählt die Biologie und dass beide Geschlechter nicht beschränkt oder diskriminiert werden sollten, weil sie den traditionellen, geschlechtsspezifischen Erwartungen nicht entsprechen.

Durch das Anklicken des Links https://twitter.com/mforstater?lang=de könnt ihr euch einen eigenen Zugang zu den Äußerungen von Maya Forstater verschaffen.

J.K. Rowling unterstützt die Frau über Twitter, bestätigend mit dem Hashtag #IStandWithMaya. Sie schreibt:

Die Empörung vieler Fans von dieser Autorin ist groß. Eine selbst betroffene Frau schreibt davon, als Kind Zuflucht in den Büchern gesucht zu haben und dass ihre Vorstellung von Hogwarts durch die Ansichten der Autorin geplatzt sind. Ein schwuler Fan schreibt: “Knowing that Trans people wouldn’t be able to have that safety, breaks my heart.“ Auch einem Buchhändler namens Linus Giese geht es zu weit. Er schreibt, es gäbe keine Entschuldigung mehr dafür, nicht zu wissen, dass J.K. Rowling transfeindlich sei.

Ich selbst bin ein begeisterter Fan von den Harry Potter Büchern und Filmen, und bin entsetzt davon, dass sich J.K. Rowling mit dem Hashtag öffentlich auf die Seite gegen transsexuelle Menschen stellt. Die Enttäuschung der Fans lässt sich eindeutig nachvollziehen, jedoch sagt die Autorin mit ihrem Tweet ebenso die Freiheit des Menschen aus, wie dass man sich beispielsweise anziehen soll wie man will. Zwar beschreibt J.K. Rowling, dass man sein bestes Leben in Frieden und Sicherheit leben soll, jedoch erscheint es für mich widersprüchlich, wenn man die Message mit den Reaktionen der Fans vergleicht, die sich nicht mehr in Hogwarts sicher fühlen können. Zum anderen lässt sich die Frage stellen, ob man die erfundene, fesselnde Welt der Autorin mit der Realität gleich stellen sollte, um sich persönlich zurückziehen zu können. Meinem Verständnis zufolge sagt J.K. Rowling aus, dass man zu sich stehen sollte und das machen sollte, was man selbst für richtig hält. Dennoch sollte man den eigenen Körper akzeptieren und dazu stehen, was man aus biologischer Sicht ist. Sie differenziert zwischen “wer man ist“ und “was man ist“. Ich verknüpfe das mit der Frage der Existenz des jeweiligen Individuums, dass der Mensch erst existiert und sich danach erst selbst definiert, wodurch die Identität nicht das Geschlecht miteinbezieht.

Der Mensch hat das Privileg, sich selbst zu gestalten, seine eigenen Normen zu erdenken und seine Individualität zu erkennen. Doch was haltet ihr von den Äußerungen von Maya Forstater und J.K. Rowling? Findet ihr sie berechtigt, missverstanden oder tatsächlich angreifend gegenüber der verschiedenen Identitäten?

Quelle:

https://www.google.de/amp/s/ze.tt/transfeindlichkeit-j-k-rowling-veraergert-mit-einem-tweet-tausende-fans/amp/

Der Aussenseiter im Inneren

Im Leben zählt das, was man mit anderen Menschen gemeinsam hat. In seinen Freunden sucht man sich diejenigen aus, mit denen man Aktivitäten oder Erfahrungen teilen kann. So solidarisieren wir uns gegenseitig durch das, was wir gemeinsam haben. Ebenso kommt uns das völlig Unbekannte und Unverständliche fremd und gefährlich vor. Automatisch entstehen Apathien und Ängste. Jedoch steht unsere Solidarisierung durch Ähnlich- und Gemeinsamkeit im Kontrast mit unserer Erfahrung als Individuum. Immerhin verstehen wir unsere menschliche Erfahrung durch Unterschied zu anderen Menschen und im Unterschied zu dem Rest des Universums. Man kann sich selbst nur dann als Individuum erkennen, wenn man den Unterschied zu anderen Menschen erkennt. Es ist der Moment, in dem sich der Mensch im Spiegel erkennt und seine Charakteristika differenziert, in dem Er als Mensch geboren wird. Gleichzeitig ist es elementar für die menschliche Erfahrung seiner Existenz, dass unsere Fühlreichweite durch die physischen Limitationen unseres Körpers beschränkt sind. Auch wenn wir im makroskopischen und mikroskopischen Bild des physikalischen Universums nicht von dem Rest dessen zu unterscheiden sind, so ist es die Eigenheit des Menschen, durch die Sinne seine Existenz in seinem Körper zu erkennen.

Auch im Verlauf des Lebens wird die Individualität des Menschen deutlich. So sind geistige und physische Merkmale jedem einzelnen Menschen individuell. Auch wenn Er Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und Merkmale mit teilweise großen Gruppen von Menschen oder allen Menschen teilt, so ist die spezifische Konstellation und Reihenfolge als auch die Originalität sowie die Qualität dieser Lebenscharakteristika unterschiedlich und definitiv einzigartig. Somit gleicht der Mensch im Laufe eines Lebens einem Cyborg. Unterschiedliche Teile seines Menschen werden durch ihn selbst oder durch andere künstlich ausgetauscht, verändert und hinzugefügt. Unsere Lebenserfahrung ist allerdings durch und durch sozial und interaktiv. Es geschieht in Gruppen oder, besser gesagt, Blasen von Menschen, die mindestens ein Charakteristikum teilen. Es ist der Mensch kein Mensch, welcher kein Charakteristikum mit einem anderem teilt. In dieser Spannung zwischen Cyborg und Menschenblase wird der Cyborg zum „Aussenseiter im Inneren“. Zwar teilt der Cyborg einen Teil seines Wesens mit dem Rest einer seiner Blasen. Aber durch seiner schiere Individualität grenzt er sich in seinem Inneren selbst aus. Seine Gedanken, Aktionen und Reaktionen werden sich von allen anderen unterscheiden. Dabei ist das „Innere“ des „Aussenseiter im Inneren“ doppeldeutig. Denn im Gruppengefüge selbst ist der Cyborg nicht zwangsläufig ein klassischer Aussenseiter, wahrscheinlich sogar meistens nicht. Die Charakteristika die er mit dem Rest der Blase teilt können in ihm so ausgeprägt sein, dass man ihm sogar als den Kern der Blase bezeichnen könnte. Er wird Nichtsdestotrotz ein Aussenseiter bleiben, auch wenn er im Innersten der Gruppe ist, weil sein Aussenseitertum im Inneren des Cyborgs stattfindet.

Was bedeutet diese Analyse aber für uns? Das hat mit dem Solidarisierungsmechanismus der derzeitigen Menschen zu tun. Wie Eingangs erwähnt geschieht eine Solidarisierung und eine Übereinkunft mit anderem Menschen durch Gemeinsamkeit. Somit geschehen Verständnis, Hilfe und Leben mit und füreinander nur auf der Grundlage von gemeinsamen Merkmalen. Dabei ist jeder Mensch ein Cyborg, in seiner Einzigartigkeit besonders und sich seines Unterschied zu Anderen auf existenzielle und sogar schmerzliche Art und Weise bewusst. Wozu diese Dynamik führt sind Zweierlei. Mit der Diversifizierung von Lebenswelten durch die Vermischungen von Lebensräumen im globalen Maße bilden sich zwar eine viel mehr Gruppen an Menschen. Aber da sich diese Gruppen vor allen Dingen mit- und untereinander solidarisieren und es keine gleichmäßige zahlenmäßige Verteilung von Menschen in den verschiedenen Gruppen existieren wird, feinden sich die Gruppen an. In seiner vollen Blüte sieht man diese Dynamik im Zeitalter des Nationalismus im 18ten, 19ten und 20ten Jahrhundert. Konsequenz ist also Konflikt unterhalb von verschiedenen Solidaritätsgemeinschaften. Doch noch dazu kommt die innere Entfremdung und innere Radierung von Charakteristika innerhalb des Cyborg. Einher damit geht auch eine Vereinsamung des Cyborgs. Diese Konsequenzen lassen sich auf Dynamiken innerhalb des Gruppengeflechts begründen. Mit dem kontinuierlichen Prozess der Anfeindung anderer Solidaritätsgemeinschaften sieht sich der Cyborg im Zwang, seine Individualität für eine Uniformität in dieser Blase aufzugeben. Sein Aussenseitertum und Vereinsamung wird vornehmlich in das Innere verschoben, da Andersartigkeit angefeindet wird. Der Cyborg wird also zum vermummten Soldaten der Gruppe. Seine Cyborgartigkeit ist aber ein normativer Fakt und folglich wird seine Andersartigkeit zum Problem seiner Selbstwahrnehmung und führt zur geistigen und eventuell emotionalen Vereinsamung.

Damit ist sehr eindeutig dargelegt, dass in einer Welt voller Cyborgs die Solidarisierung durch Gemeinsamkeit zu Reihen an systemischen Problemen führt. Im aktuellen Kontext ist das besonders durch identitätssuchende Bewegungen zu beobachten. In diesen Bewegungen werden mehrere Dynamiken offen zur Schau gestellt. Erstens, wie schon oben genannt, die sich im Ton verschärfende Anfeindungen zwischen Gruppen. Zweitens, die innermenschliche Vereinsamung und Entindividualisierung innerhalb einer vermeintlich homogenen Menschenblase. Drittens wird aber auch die innere Kontradiktion der Gemeinsamkeitssolidarität fast schon offensichtlich tangiert, aber nicht begriffen. Die Frage zum Beispiel, was „Deutsch-sein“ bedeuten würde, oder wie sich in der BRD der Bürger identifizieren solle, wird ausgiebig beredet. Durch die Vielschichtigkeit des Cyborgs wird aber seine schiere Individualität bei solchen Diskussionen offen gelegt aber nicht als bezeichnendes Merkmal anerkannt. Folglich werden komplexe identitätstifftende Merkmale zusammengefasst und benannt. Interessant sind dabei die Unterschiede in den Ansätzen der politischen Linken und Rechten. Während die politische Rechte mit traditionellen Werten und Idealen viele Menschen in eine Gruppe zusammenfassen will, so versucht die Linke mit ihrer Identity-politics mit der genauen Bezeichnung und Hervorhebung eines Menschen seine genaue Identität festzulegen. Aus dem Ansatz der Rechten entspringt Rassismus und Nationalismus. Aus dem der Linken entstehen ebenfalls die Dynamiken des „Aussenseiter-im-Inneren“.

Natürlich beruhen beide Ansätze immer noch auf der gleichen Devise, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede hervorzuheben. Beides ist das Gleiche, nur der Augenschein kann die Trennung von Gemeinsamkeit und Unterschied zu wahren. Es lassen sich alle Gemeinsamkeiten so umformulieren, dass aus ihnen Unterschiede werden und umgekehrt. So kann aus dem Fakt, dass wir alle Individuen sind, geschlossen werden, dass wir es gerade deswegen nicht sind. Somit bieten beide Ansätze keine neue Art und Weise Solidarität zwischen Menschen herzustellen. Was hier auf dem Spiel steht ist tatsächlich größer als das Wort Solidarität vermuten lässt. Es ist die Grundlage für die menschliche Interaktion. Die Grundlage für Freundschaft, Familie und Staat. Wenn sich also am menschlichen Solidarisierungsprozess etwas ändern würde so auch eine gewaltige Menge an Strukturen. Familie, Staat und Gemeinde würde sich wandeln, auflösen, trennen und vereinen. Individuelle Identität würde sich auf anderen Strukturen stützen oder je nach der Veränderung auch auflösen. Es steht und fällt also in der politischen Welt des Mensch alles mit Solidarität. In besonderer Art und Weise wurde diese Tatsache und auch oben genannten Dynamiken in der Amerikanischen Geschichte demonstriert. Aus ihr geht auch sehr deutlich hervor, dass es nicht einfach so möglich ist, unterschiedliche Ethnien zu mischen und zu erwarten, dass alle beteiligten Gruppen mit dem Ergebnis zufrieden seien. Der Gründe warum man allerdings nicht einfach so jedem Volk sein Gebiet geben kann und hofft, dass jeder damit glücklich wird sind aber vielerlei. Zum Beispiel wird zwangsweise Imperialismus und Expansionismus diese Gebietsverteilung annullieren. Zudem ist ein Volk ebenso ein Cyborg wie die Einzelnen Menschen, die das Volk bilden. Folglich sind die Grenzen eines Volkes zu einem anderem fließend und niemals statisch. Doch die größte Hürde für ein Weltkonzept mit partikulierten Völkern mit Selbstbestimmungsrechten ist die Transport- und Logistiktechnologie in Kombination mit der Kommunikationstechnologie. In Folge der Globalisierung mit diesen Branchen der Industrie ist eine Vermischung von Gruppen, Menschenblasen, Kulturen und Interessen unvermeidbar und unumgänglich und jederzeit vorhanden. Auf dieser Grundlage ist es also das Ziel eine Solidarisierung zwischen Menschen zu ermöglichen, die die Probleme des jetzigen Prozesses lösen und neue Formen der politischen Interaktion eröffnen kann.

Wie soll diese Solidarität aussehen?

Verlernte Zukunft

Kulturkapitalismus.

Es kommt immer das gleiche in der Glotze

Ich hab mich schon immer gefragt woher Redewendungen wie „Es kommt immer das gleiche in der Glotze!“ oder „Das Radio spielt immer die fünf gleichen Lieder!“ kommen. Immerhin sind das Radio und der Fernseher unser alltäglicher Kontakt mit unserer Kultur und es wäre ausgesprochen beschreibend für unseren gesellschaftlichen Zustand, wenn die von uns erzeugten Kulturgüter monoton, uninteressant und repetitiv wären. Wenn man also die heutigen Kulturstätten und -Veranstaltungen betrachtet, kann man die heutige kulturelle Erfahrung in fünf Kategorien teilen: Musik, Fernsehen, Film und Theater bzw. Oper und Musicals. Dabei sind Musik, Fernsehen und Film die mit Abstand beliebtesten Kunstformen, denn sie sind mit heutiger Technologie fast nicht Ortsgebunden und sehr Alltags- und massentauglich. Hinter der Fassade der Interpreten, Moderatoren und Schauspielern bei diesen drei Medien verbergen sich zumeist ziemlich große Industriekomplexe. Disney, Time Warner, Paramount Pictures, Spotify, Sony, 21st Century Fox, HBO, RTL, Netflix, um nur die Größten zu nennen. All jene Komplexe, die das heimische Fernsehen, das kleinstädtische Kino und das Radio mit ihrer Musik, ihren Filmen und ihren Sendungen dominieren, sind Börsennotierte Unternehmen mit Milliardenumsätzen, die nicht selten noch größeren Unternehmungen angehören. Sie arbeiten stets nach den Prinzipien des freien Marktes und der Gewinnmaximierung. Dementsprechend liegt es in ihrem Interesse, mit ihren Produkten, welche unsere Kulturgüter sind, eine möglichst große Masse anzusprechen. Das bedeutet, dass ihre Produktpalette für Massen optimiert werden und optimiert sind. Offensichtlich führt das dazu, dass sich die Radiomusik ausgesprochen ausgelutscht fühlt. Und das obwohl, wenn man sich die musikalische Entwicklung der Charts in den letzten Zehn Jahren anguckt, man feststellen wird, dass sich die Musik, die als massentauglich gilt, sehr stark gewandelt hat. Besonders gut stellt das der Vergleich der Charts 2014 und 2018 dar. Das Top 1 Lied 2014 hieß wortwörtlich „Happy“ während das Top 17 Lied 2018 wortwörtlich „SAD!“ hieß. Trotzdem hat sich am Gefühl nichts geändert, dass sich Musik immerzu gleich anhört. Und das liegt primär daran, dass es keine originelle Musik, ferner auch Kunstprodukte, mehr gibt, sondern nur noch Kopien von Kopien. Das lässt sich in unserer Musikindustrie noch nicht so stark erahnen, da sie von Unterbrechungen wie Lorde’s „Royals“ 2013 gestört wird und einige Künstler durchaus mit One-Hit-Wondern oder mit dem Independent-Dasein überleben können, zum Beispiel Macklemore. Aber wenn man ins fernöstliche Südkorea blickt, findet man eine eine Musikindustrie, die sich im Hyperkapitalismus befindet. Es ist, um das zu verstehen, empfehlenswert, selber einige Musikvideos anzuschauen. Aber schon an der Aufmachung der Videos erkennt man, dass kein Stück dieses Kunstproduktes dem Zufall oder dem Künstlerischem Genie überlassen wird. Die Interpreten, sogenannte. Acts, werden von Kindesalter an wie Fußballspieler (übrigens eine interessante Analogie, so ist Sport auch ein Kulturgut) trainiert und durch eine Industrie groß gemacht, die sich danach richtet, was für ein Trend gerade in der breiten Mittelschicht beliebt ist. Dieser Trend allerdings, ein Zusammenspiel von modischer Kleidung, der richtigen Musik, und den angesagtesten Acts, ist selber von der Industrie gesteuert und geliefert. Das Ergebnis davon ist eine Gesellschaft und eine Industrie, die Musik produziert, die nur Musik kopiert, die selber nur andere Musik kopiert hat. Ergo entwickelt sich eine Kultur der Kopien von Kopien, die Seele der Musik, die Originalität geht dabei flöten.
Jetzt mag man sich fragen, inwiefern das einen betrifft, wenn irgendwo in Korea eine Gesellschaft sich kulturell in den Ruin treibt und sich nebenbei durch die kulturindustriell gesetzten Kaufanreize in die Kreditkartenschuldenfalle reinreitet. Immerhin scheinen unsere Kulturgüter doch mehr oder weniger zu funktionieren. Das ist aber nur eine Halbwahrheit. Während es wahr ist, dass die westliche Kulturlandschaft durch eine reiche Musikgeschichte noch lange nicht sich im gleichen Zustand wie die koreanische befindet, so ist es gleichzeitig nicht verneinbar, dass sich eine Produktion von Kopien von Kopien seit Jahrzehnten anbahnt und verstärkt. Kaufreize für Mode, wie es in Korea schon lange üblich ist, kommen auch im Westen immer mehr in die Musik, Stichwort Guccihype. Man darf auch nicht die Filmindustrie vergessen, denn diese wird sowohl in Deutschland als auch in fast der ganzen restlichen Welt von Hollywood beherrscht. In dieser Industrie herrschen die gleichen Regeln, nur mit noch viel höheren Einsätzen. Darum ist die gedankliche Monotonie der Blockbuster umso redundanter. Besonders klar wird das in den Endlosen Serien der wahnsinnig erfolgreichen Komikbuchverfilmungen des Hauses Marvel oder den Revivals von Filmen aus den 80ern wie „IT“, „Robocop“, „Star Wars“, „Star Trek“, „Blade Runner“ und so weiter. Diese, schon in den 80ern erfolgreiche Universen sind eigentlich schon zu Ende erzählt und bedürfen aus künstlerischer Sicht keine Revivals oder Verfilmungen, genauso wie bei den Komikbüchern. Allerdings garantieren sie durch Nostalgiefans Einnahmen und sind mit Fachkenntnissen so realisierbar, dass die Produkte Fans genügend befriedigen um sie bei der Fortsetzung wieder ins Kino zu locken. Filme mit unbekannten Regisseuren und unbekannten Namen hätten im Gegensatz dazu keine Chance, und das finanzielle Risiko wäre zu gewaltig, da die Produktionskosten und die Vermarktungskosten für einzelne Filme gerne mal eine Milliarde Euro kosten darf. Dementsprechend ist es lohnenswert, Kopien von Originalen und von denen wiederum Kopien anzufertigen. Eine gewissen künstlerische Freiheit hingegen können Streaminganbieter bereitstellen, da sie ein sehr flexibles Abonnementsystem haben. Allerdings lebt auch Netflix im Konkurrenzkampf und muss sich der Marktwirtschaft beugen. Auch „Stranger Things“, war eigentlich nur ein Revival von verschiedensten Einflüssen aus den 80ern und 90ern. Und auch wenn sich die Oscars und die Grammys, als auch die Berlinale oder Cannes sich als akademisch/künstlerische Oase ausgeben, so sind die gepriesenen Filme keine Massenmedien. Zumindest nicht vergleichend mit dem 10ten „Fast and Furious“. Vom produzierendem Prinzip her funktionieren Musicals des weiteren genau gleich, nur dass sie eine Mischung aus Musik- und Film sind, wobei sie mehr der Filmindustrie mit kleinem Publikum ähneln. Theater und Oper hingegen leben in einer Trance der ständigen Wiederaufführung von Stücken aus besseren Zeiten weiter, oder sind derart unbedeutend, dass sie nicht als bedeutsam für die Kultur gesehen werden können, vor allem, weil sie eine sehr beschränkte (und damit meine ich alt und bürgerlich) Adressatengruppe haben. Eine weitere Ebene, die nicht mehr direkt Kulturgut ist, auf die diese Form des Kapitalismus vorgedrungen ist, ist die Nachrichtenmedienlandschaft, vornehmlich in den staatsmedienlosen, freimärktlichen Vereinigten Staaten. Die Kräfte des freien Marktes haben nämlich dazu geführt, dass die Ware „qualitativer Journalismus“ nicht nur stark verteuert wird, sondern auch rar wird. Daraus entsteht ein Nachrichtenzyklus, das nicht wie ernst zunehmende Nachrichten anbietet, sondern wie Entertainment mit Realityfaktor. Ab dieser Schwelle fangen die oben genannten Prinzipien der Kopie-der-Kopie-Industrie an zu wirken, und das wichtigste Prinzip der Mediendemokratie, freie und ehrliche Berichterstattung, wird dem Kapital unterworfen. Zu was das führt, lässt sich sehr schön an der amerikanischen Demokratie beobachten.

Ideologische Entkernung.

Kunst, die eigentlich ein Selbstzweck ist, dient dem Kapital.

Die Frage die sich aus dem Ganzen stellt, ist inwiefern dieses ganze Komplex uns wirklich tangiert. Immerhin kann das gebildete, selbst-reflektierte und aufgeklärte Individuum hoffentlich zwischen Kunst und Abfall unterscheiden. Aber das ist falsch. Zwangsläufig wird immer mehr der Kulturgutproduktion den Zyklen der Kulturkapitalismus unterworfen und inhaltlich entkernt. Kunst, die eigentlich ein Selbstzweck ist, dient dem Kapital. Aber mehr als das, denn Kunst ist nicht nur eine Äußerung von phantastischen Einfällen. Es heißt nicht umsonst, dass man in jeder Porträtzeichnung von Rembrandt, Rembrandt auch selbst irgendwo sehen kann. In jedem Kunstwerk ist zwangläufig ein Teil der Welt und des Künstlers verarbeitet, der das Kunstwerk erschafft. Darum ist Interpretation von Kunstwerken gültig. Weil das Kunstwerk im Verhältnis zu den Umständen des Schaffens und zu den Umständen des Betrachters eine Aussage kreiert. Doch was passiert, wenn Kunst aus Kopien von Kopien besteht, wie das zum Beispiel in Korea geschieht? Zum Einen wird Kunst nicht mehr erinnert. „Bohemian Rhapsody“ ist ein Kunstwerk durch und durch, es ist über Jahrzehnte ein Klassiker und wird nie ganz vergessen sein, solange es Aufzeichnungen davon gibt. Goethes Faust oder Stanley Kubriks „The Shining“ auch nicht. Aber Gangam Styles einzige Eigenschaft, die es in Korea selbst (nicht im Rest der Welt) hervorgehoben hat, ist, dass es eine Parodie auf den Lifestyle der reichen Koreaner ist. In Korea war es auch kein besonderer Erfolg übrigens. Inhaltslose Kunst wird also vergessen werden. Das ist das Erste. Das Zweite ist, dass die Kopien der Kopien nur noch eine Ideologische Deutung übrig lassen: die Kopie selbst. Um das zu verstehen möchte ich kurz das Prinzip der Referenz erklären. An sich ist das ein Mittel, um auf ein anderes Kunstwerk von anderen Künstlern zu rekurrieren bzw. anzuspielen. Schon die alten Griechen haben das gerne gemacht. Doch heutzutage führt das dazu, dass Filme wie zum Beispiel „Ready Player One“ oder „Ralph Reichts!“ nur noch aus Anspielungen an andere popkulturellen Produkte bestehen. Das Internetphänomen des Memes, was zunehmends den Komikern das Handwerk legen und die bevorzugte Expressionsmethode einer ganzen Generation ist, beruht nur auf dieses Prinzip. Folglich wird die leitende ideologische Strömung aller „Kunst“ nur noch die Kopie beziehungsweise die Anspielung. Das ganze hat aber eine noch tiefere Ebene. Denn wenn die breite Allgemeinheit, als auch die Kunstschaffenden und Eliten verlernen, mehr als nur Kopien anzufertigen, dann geschieht etwas nie dagewesenes: Der Mensch verlernt sich die Zukunft vorzustellen, es fehlen schlichtweg die denkerischen Räume, sich andere Welten vorzustellen, als die bereits Vorhandene. Doch die Fähigkeit, sich die Zukunft vorzustellen ist für das menschliche Dasein essentiell. Denn dank seines ausgereiften Gehirns ist der Mensch in der Lage seine empirische Sinnlosigkeit festzustellen, womit ihm nur die Flucht in das Metaphysische bleibt, um sich selbst einen Sinn zu geben, eine Zukunft zu geben. Im Grunde genommen ist genau das die Essenz des Glaubens, unabhängig ob es der Glaube an das Karma, dem Kommunismus oder an Gott ist. Der Glaube verspricht durch eine gewisse Art und Weise zu leben, eine Zukunft bereitzustellen, für die es sich gelohnt hat, zu leben und in der Sinnlosigkeit zu „leiden“. Das kann die sozialistische Utopie oder das Paradies mit 72 Jungfrauen sein, es geht darum, dass es eine Zukunft ist. In der Gesellschaft des Hyperkapitalismus hat der Mensch also verlernt, sich eine Zukunft vorzustellen, da der Kulturelle Zustand ihm einfach jeglichen Raum für solche Vorstellungen genommen hat. Da bleibt nur noch eine Frage: Ist dieses ganze bedruckte Papier es wirklich Wert?

Mit freundlichen Grüßen, Kartharsis

PS.: Alles gute nachträglich zum Geburtstag, Frau Schütze!

Die technologische Allmacht des Menschen

Tatsachen haben heutzutage in hochtechnologischen Gesellschaften einen sehr relativen Wert. Vor der Möglichkeit der Geschlechteoperation, war es eindeutig und unbestreitbar, ob man Mann oder Frau war. Heute ist mit genügendem Willen das eine, das andere oder alles dazwischen, für den Menschen zu entscheiden. Früher war es unbestreitbar, dass der Mensch stirbt, heute denken die ersten über Pläne nach, wie man den Mensch Mithilfe von Medizin und Robotern auf Nanometergröße faktisch unsterblich macht. Wir haben nur eine Erde, ist seit langem eine eingängige Doktrin, doch bereits in 15 Jahren sollen die ersten Menschen auf dem Mars leben, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, über die manche Wissenschaftler und  Visionare  auf längeren Zeiträumen theorisieren. Auf längere Sicht schafft es die technologische Entwicklung eine durchgehende gesellschaftliche Revolution zu erzeugen, die allen Bereichen des menschlichem Lebens neue, übernatürliche Dimensionen und Möglichkeiten verschafft. Visionäre sprechen nicht mehr über die Kontrolle der Erde sondern über die Kontrolle ganzer Sonnensysteme und Galaxien als langfristige Ziele unserer Zivilisation, wie schon 1964 in der Kardashow-Skala. Heutzutage scheinen diese Ziele immer noch wie science Fiction, aber die technologische Entwicklung der letzen 30 Jahre hat uns gelehrt, dass uns eigentlich keine Grenzen gesetzt wurden, und wir die natürliche Ordnung selbst, wie zum Beispiel die verheerende Macht von Tsunamis oder die unvorstellbar große Energie der Sonne bezwingen und verarbeiten könnten. Wir ordnen unsere Umwelt und die Natur nach unserem Willen, und nutzen sie nach unserem Vorteil aus.

Als noch Religionen die treibenden ethischen Grundsätze diktierten, war es klar geregelt, wie die Beziehung des Menschen zu der Natur zu sein hatte, nämlich unterwürfig und respektvoll gegenüber „Gottes Werk“. Denn im Grunde hatte die Natur eine Rolle als Sprachrohr des Willen Gottes, zudem waren Naturkatastrophen und Krankheiten derart übermächtig, dass sie eine wahnsinnige Furcht in Menschen auslösten. Diese Dynamik ist nicht mehr gegeben und überlässt uns mit mehr Verantwortung als je zuvor: denn nun entschieden wir, was geschieht, wie die Zukunft einer Erde, eines Sonnensystems oder gar einer Galaxie aussieht, und wir müssen damit sorgfältig umgehen und endlich eine wie ein Loch klaffende Frage in der Menschheitsgeschichte lösen: was ist unser Ziel als Zivilisation? Wie soll unsere Zukunft langfristig aussehen? Wie stark sollten, wollen oder dürfen wir die bereits vorhandene Welt verändern?

Erst mit dieser Antwort kann entscheiden werden, nach welchen Maximen die Allmacht der technologischen Entwicklung eingesetzt werden soll. Soll, zum Beispiel, das Wohlergehen aller Menschen an erster Stelle stehen? Oder ist eine bestimmte Maschine das ziel, eine Simulation unserer Selbst zum Beispiel? Diese Antwort zu finden hat keine höchste Dringlichkeit, weil wir zwar in unserem technologischem Stand zwar in der Lage sind, ausserordentliches zu vollbringen, aber längst keine Allmacht mitsamt Unsterblichkeit und Kontrolle über Sonnensysteme genießen. Es ist lediglich schon vorauszuahnen, dass es in einiger Zukunft der Fall sein könnte.

 

Was denkt ihr, was für Prioritäten sollte sich die Menschheit setzten, in Anbetracht der technologischen Allmacht, die uns im Laufe der Zeit zu Verfügung stehen wird?

 

14. Dalai Lama – Säkulare Ethik

Der 14. Dalai Lama stammt ursprünglich aus Tibet, musste allerdings schon vor vielen Jahren aus seiner Heimat fliehen, da die Chinesen aus rein politischen Gründen Tibet besetzten und die tibetischen Buddhisten verfolgten, beziehungsweise noch immer verfolgen. Aus diesem Grund lebt auch der Dalai Lama oder wie man auf deutsch sagen würde „eure Heiligkeit“ im Exil in Nordindien und das seit 56 Jahren. Einer der Punkte, der ihn besonders macht ist, dass er trotz seiner Geschichte keinen Hass gegenüber den Chinesen hat, im Gegenteil er versucht diese besser kennenzulernen und versucht ihr Handeln und ihre Gedanken nachvollziehen zu können.

Als 14. Reinkarnation ist er bei den tibetischen Buddhisten bekannt und wird von diesen angebetet, im Rest der Welt kennt man ihn allerdings auch als Friedensnobelpreisträger und als einen Mann der versucht mit seinen Worten und seinem Lächeln, die Welt ein bisschen besser zu machen. Er setzt als Ziel der Menschheit, beziehungsweise der Gesellschaft, den Weltfrieden, neben ihm noch andere wesentliche Punkte, wie Umweltschutz oder soziale Gerechtigkeit.
Um diese Ziele, oder alles umfassend diesen Weg zu gehen, hat er die Idee einer säkularen Ethik.
Einer Ethik, jenseits aller Religionen, die das Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung in jedem einzelnen stillt, fernab der Herkunft, der Kultur, dem Geschlecht und der Religion.
In dieser besonderen, neuen Ethik soll es darum gehen, als Gemeinschaft in der Welt etwas zu verändern mit Werten, wie zum Beispiel Mut, Feindesliebe, Mitgefühl, Meditation, Umweltbewusstsein.

Er selbst, als gläubiger Mensch, ist der Überzeugung, dass Religionen oft intolerant sind und der eigentliche Wert in der elementaren menschlichen Spiritualität liegt, außerdem sagt er, dass ein Leben ohne Religion gut möglich ist, eines ohne innere Werte allerdings nicht. Er versucht dies mit folgendem Beispiel zu erklären:

„Nach meiner Überzeugung können Menschen zwar ohne Religion auskommen, aber nicht ohne innere Werte, nicht ohne Ethik. Der Unterschied zwischen Ethik und Religion ähnelt dem Unterschied zwischen Wasser und Tee. Ethik und innere Werte, die sich auf einen religiösen Kontext stützen, sind eher wie Tee. Der Tee, den wir trinken, besteht zum größten Teil aus Wasser, aber er enthält noch weitere Zutaten – Teeblätter, Gewürze, vielleicht ein wenig Zucker und – in Tibet jedenfalls – auch eine Prise Salz, und das macht ihn gehaltvoller, nachhaltiger und zu etwas, das wir jeden Tag haben möchten. Aber unabhängig davon, wie der Tee zubereitet wird: Sein Hauptbestandteil ist immer Wasser. Wir können ohne Tee leben, aber nicht ohne Wasser. Und genau so werden wir zwar ohne Religion geboren, aber nicht ohne das Grundbedürfnis nach Mitgefühl – und auch nicht ohne Wasser.“

Der Buddhismus ist eine der friedlichsten Religionen, die auf unserer Erde existieren, somit ist es für den Dalai Lama nicht unfassbar schwer nach seinen selbst aufgestellten Regeln zu leben, allerdings verfolgt er diese in besonderem Ausmaß. Er bleibt sich und seiner Religion in fast allen Lebenssituationen treu, man könnte sagen, dass er ein „vorzeige“ Mensch ist, wenn man den Frieden und eine friedliche Gemeinschaft als Ziel nimmt.

Für mich persönlich ist dieser Mensch absolut beneidenswert, wären mehr Menschen mehr wie er, wäre unsere Welt mit Sicherheit ein ganzes Stück besser. Allerdings empfinde seine Idee einer säkularen Ethik noch bedeutsamer, da nicht in jeder Religion, der Frieden oberstes Privileg ist und Themen, wie der Umweltschutz nur selten in diesem Zusammenhang behandelt werden. Was sagt ihr dazu, würdet ihr eine solche, neue Ethik jenseits aller Religionen befürworten? Oder glaubt ihr, dass eine Säkulare Ethik noch keine Chance hat in unserer Gesellschaft?

Ethisches Handeln und die Scheinmoral

Jeder hat es schon gesehen: ein T-Shirt für 3,99 €. Die einen schlagen zu, die anderen gehen für diesen Betrag lieber Kaffee trinken (fair angebaut und gehandelt natürlich!). Bin ich unmoralisch, wenn ich bei diesem scheinbar unschlagbaren Angebot schwach werde? Kann ich diesen unmoralischen Kauf kompensieren?

Wir alle können selber entscheiden, ob wir ein Kleidungsstück kaufen wollen, bei dessen Herstellung Menschen gelitten haben. Oder ob wir lieber die fairere Variante wählen. Gerade in dieser Möglichkeit zum moralischen Handeln zeigt sich unsere Freiheit. Sonst wären wir einfach willenlose Konsumenten. (Evi Hartmann)

Wir stehen ja heutzutage vor einem gar unüberschaubaren Markt, egal ob nun Kleidung oder andere Produkte. Im Einkaufsladen beispielsweise: Da gibt es 250 g Butter zu 89 ct oder für 2,29 €. Da denke ich ja auch nicht nach, ob es den Kühen beim Melken nun schlecht ging oder nicht.

Aber hilft es vielleicht auch meinem eigenen Ego, zum teureren Produkt zu greifen? Ob ich nun Butter von Gut&Günstig oder von demeter kaufe, interessiert später keinen, wenn sie erst mal im Kuchen gelandet ist. Aber beim T-Shirt? Primark oder G-Star? Das trägt man ja schließlich am Körper, jeder sieht es zwangsläufig. Da greift der, der etwas auf sich hält doch zum Shirt für 49,99 €. Ein Schelm, wer hier eine Doppelmoral erkennt.

Vielleicht ist das ja auch eine Art Kompensationsreflex, billige Nahrung, teure Kleidung. Witzigerweise kann man manchen auch genau das Gegenteil unterstellen – teure Fair-Trade-Produkte, billige Kleidung (ich glaube wir haben da ja unsere Vorstellung bestimmter Menschen).

Aber Weg von der Butter: Wir alle haben ja eine Verantwortung mit unseren Taten (Käufen), auch wenn wir uns dieser nicht gleich bewusst sind. Die Frage ist ja eher, was uns als Konsument besser fühlen lässt? Diese Freiheit kann einem bisher nicht genommen werden, insofern nicht strenger kontrolliert wird, wie sehr der Milchbauer unter der billigen Butter leidet oder wie Menschen in Fabriken behandelt werden.

Wie denkt Ihr darüber? Ist man konsequent, was ethisches Handeln betrifft? Oder legt man eher darauf wert, was einen immerhin so aussehen lässt? Seid Ihr konsequent?

Träume – Vorhersage oder Auslöser der Zukunft?

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Früher glaubten viele Menschen an die Zukunftsvorhersagen von Orakel. Diese sind meist Orte, an denen ein Medium die Zukunft oder die Bestimmung von bestimmten Dingen sehen kann.

Neben Orakel gibt es noch einige andere Methoden, wie man seine Zukunft erfährt. Unter anderem glauben manche Menschen daran, dass sie in Kaffeesatz oder in Teeblättern zu erkennen ist.

Wieder andere (eher fragwürdige) Methoden sind Kristallkugeln, Kartenlegen oder Horoskope.

Eine andere Möglichkeit ist jedoch, die Zukunft aus Träumen zu deuten. In der Wissenschaft gelten Träume als der Spiegel des psychischen Erlebens während des Schlafes. Alles, was wir im Wachzustand erleben und fühlen, geht in unseren Träumen weiter. Hierbei wird unsere instinktive, emotionale Seite aufgedeckt und tiefe Gefühle und Wünsche kommen zum Vorschein.

Viele Menschen glauben jedoch auch, dass Träume wichtig für unsere Zukunft sind. Hierbei gibt es feste Symbole, die in bestimmtem Zuständen bestimmte Dinge über uns aussagen sollen, unter anderem, was uns in unserer Zukunft erwartet.

Ich selbst glaube nicht wirklich daran, dass wir unsere Zukunft vorhersehen können, egal welche Methode man wählt. Trotzdem denke ich, dass Träume eine Auswirkung auf unsere Zukunft haben können.

Nehmen wir als Beispiel einen Mann, der davon geträumt hat, dass er sich für eine Person opfern wird. Im Wachzustand gerät er plötzlich in eine Schießerei und da er davon überzeugt ist, dass sein Traum wahr wird, stellt er sich zwischen die Person, die eigentlich getötet werden sollte und den Mörder und stirbt. Ohne diesen Traum wäre das vielleicht nicht geschehen und er würde statt dem eigentlichen Opfer leben.

Natürlich ist das ein bisschen extrem dargestellt, aber wenn man daran glaubt, dass Träume wahr werden können, passieren manche Dinge vielleicht eher, weil man der Überzeugung ist, dass man keine andere Wahl hat. Man handelt sozusagen schicksalsergeben.

Meiner Meinung nach sollte man sich nicht zu sehr auf irgendwelche Vorhersagen verlassen und immer daran denken, dass man die freie Wahl hat, zu entscheiden. Ich denke auch, dass eine Person, die ihre Zukunft meint zu kennen, nur eingeschränkt in ihrem Handeln ist. Man sollte nicht nur die ganze Zeit daran denken, was als nächstes passiert, sondern im Moment leben und es genießen.

Glaubt ihr an Zukunftsdeutungen mithilfe von Träumen? Oder an andere Arten von Vorhersagen?