Lässt sich die Todesstrafe ethisch rechtfertigen?

„Die Todesstrafe verstößt ganz grundlegend gegen die Menschenrechte. Sie verletzt das Recht auf Leben und stellt eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe dar. Darüber hinaus hat die Todesstrafe keine größere Abschreckungswirkung als beispielsweise langjährige Haftstrafen.“ (Zitat von Oliver Hendrich nach https://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/232224/todesstrafe zuletzt aufgerufen am 12.07.2020)

Oliver Hendrich ist Mitglied der Amnesty International und plädiert gegen die Todesstrafe. Die Amnesty (≙ Begnadigung, Straferlass) International ist eine globale Bewegung und setzt sich gegen Ungerechtigkeit ein. Ihr Ziel ist es Hoffnung zu bringen und Menschenrechte allgemein gültig zu machen, um dies zu verwirklichen versuchen die Mitglieder Verbrechen aufzudecken und über sie zu berichten. Außerdem kontrollieren sie Regierungen und Firmen auf die Einhaltung der Grundrechte.

Dennoch ist die Todesstrafe heutzutage in einigen Ländern legal. Genaue Zahlen in welchen Ländern Hinrichtungen ausgeführt werden und wie viele es pro Land sind, gibt es nicht bzw. kaum. Die Amnesty International hat jedoch ein Ranking erstellt, das zeigt, dass die meisten Hinrichtungen in China (Tausende, Zahlen werden geheim gehalten), Iran (251+), Saudi-Arabien (184), Irak (100+) und Ägypten (32+) ausgeführt werden. Darauf folgt die USA (22).

Das entsprechende Schaubild mit weiteren Informationen ist unter https://www.amnesty.de/sites/default/files/2020-04/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf auf Seite 4 zu finden.

Nun stellt sich die Frage, was für und gegen die Todesstrafe spricht.

Für die Todesstrafe spricht, dass sie als Abschreckung vor schlimmen Straftaten wie Mord und Vergewaltigung dienen kann. Man könnte davon ausgehen, dass Täter, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht, das Begehen einer Straftat unterlassen. Jedoch gibt es für diese Behauptung keine Beweise und in der Praxis hat das Abschaffen der Todesstrafe in den entsprechenden Staaten keine negativen Folgen. Dies könnte zum einen daran liegen, dass gewaltsame Verbrecher anders als wir denken und das Begehen der Straftat ihnen wichtiger als ihr Leben ist. Für andere könnte der Reiz eine Straftat zu begehen größer sein, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht. Zudem wird die Todesstrafe in einigen Ländern bereits für gernigere Verbrechen, wie zum Beispiel der Handel von Drogen oder Staatsfeindschaft, verhängt

Ein weiteres Argument für die Todesstrafe wäre, dass durch die Todesstrafe das Risiko des aus dem Gefängnis Ausbrechens ausgeschlossen wird. Wenn ein Mörder umgebracht wurde, müssen Zeugen keine Angst mehr haben, dass er aus dem Gefängnis ausbrechen könnte oder vorzeitig entlassen wird. Ausbrüche aus dem Gefängnis sind jedoch sehr selten, in Deutschland liegen oft Jahre zwischen Ausbrüchen, allerdings bricht meistens immer eine Gruppe von Inhaftierten aus. Empfehlenswert ist es für die Gefangenen nicht, da sie relativ schnell gefunden werden. Sie haben keine Papiere, keine Wohnung und keinen Beruf und die Polizei hat eine Liste mit ihren sozialen Kontakten, bei denen sie Zuflucht suchen könnten. Somit können sie meist nicht lange flüchten und wenn sie von der Polizei wieder in Gewahrsam genommen werden, haben sie keine Chance mehr vorzeitig entlassen zu werden und kommen meist in einen Hochsicherheitstrakt. Das können sie nur umgehen, indem sie sich selbst stellen, bevor die Polizei sie findet. Was das Entlassen aus dem Gefängnis betrifft sind die Rückfallzahlen, die Morde betreffen, extrem gering. Dies könnte daran liegen, dass Täter nur entlassen werden, wenn sich Fachleute sicher sind, dass der Täter keine erneute Straftat begehen wird.

Man könnte die Todesstrafe zudem nach der Redewendung „Wie du mir, so ich dir“ als gerechte Strafe für einen Mörder ansehen. Angehörige und Freunde des Opfers wird es eventuell die Wut nehmen, wenn es dem Täter ähnlich wie dem Opfer ergeht. Auch allgemein könnte man dies als Gerechtigkeit bezeichnen, da der Täter das was er einem Menschen angetan hat, selbst spüren muss.

Allerdings stellt sich hierbei die Frage, ob Rache ein gutes Konzept ist und ob Rache in so großem Maße legitimiert werden sollte. Die Exekutive eines Staates sollte stets eine Vorbildfunktion für den Bürger sein und Rache erfüllt keinerlei Vorbildfunktion. Vermutlich ist es allgemein besser, wenn der Staat Gewalt ablehnt und nicht gewaltgeprägt handelt.

Ein weiterer Grund für die Todesstrafe wäre, dass eine lebenslängliche  Gefängnisstrafe den betroffenen Staat viel Geld kostet. In den USA gibt es des öfteren Wirtschaftskrisen, weshalb Gefangene bereits entlassen werden mussten. Man könnte nun denken, dass sich dies durch die Todesstrafe ändern könnte, jedoch kosten die Vorbereitung einer Hinrichtung und die letztendlich Hinrichtung durchschnittlich dreimal so viel wie lebenslange Inhaftierung. Das liegt in den USA daran, dass Inhaftierte oft jahrelang bis zu ihrer Hinrichtung warten müssen. Der Durchschnitt lag 2012 nach der Süddeutschen Zeitung bei 15 Jahren. Letztendlich werden viele Verbrecher nach langer Wartezeit doch nicht hingerichtet, wobei sie in dieser Zeit enormer psychischer Belastung ausgesetzt waren.

Weitere Gründe, die gegen Hinrichtungen sprechen, wären, dass Hinrichtungen gegen die Menschenrechte verstoßen. Jeder hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Persönlichkeitsrechte). Derzeit sind Menschenrechte noch nicht weltweit gültig, weshalb die Todesstrafe nicht gegen das Völkerecht verstößt und somit in manchen Ländern noch Gültigkeit erlangt.

Zudem erleiden einige Hingerichteten einen oft einen grausamen Tod. Über Komplikationen bei der Giftspritze schreibt die Zeit: „Bei jedem 14. Todeskandidaten in den USA (sieben Prozent), der per Injektion hingerichtet wird, treten Schwierigkeiten auf, schätzen Experten. Oft quälen sich zum Tode Verurteilte minutenlang, während sie sterben: Sie ringen nach Luft, bäumen sich auf und verziehen das Gesicht vor Schmerzen. 2014 starb Clayton Lockett auf der Liege der Todeszelle nicht etwa an den Medikamenten der Giftspritze, sondern an einem Herzinfarkt – eine Nebenwirkung der stressigen Hinrichtung.“ (Zitat nach https://www.zeit.de/wissen/2017-04/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq/komplettansicht). Dies läge daran, dass Ärzte sich aufgrund ihres Berufsethoses oft weigern Hinrichtungen durchzuführen. Dadurch muss auf kaum dafür ausgebildetes Gefängnispersonal zurückgegriffen werden.

Zuletzt ist es nicht auszuschließen, dass Unschuldige hingerichtet werden. In einigen Fällen konnte man dies später durch DNA-Untersuchungen beweisen. Manche Menschen wurden kurz vor ihrer Hinrichtung als unschuldig erklärt. Natürlich ist es ebenfalls grausam, wenn ein Unschuldiger ins Gefängnis muss, ihn kann man jedoch wieder entlassen und entschädigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Todesstrafe nicht ethisch vertretbar ist. Meiner Meinung nach werden Menschen, die andere Personen, selbst wenn diese Verbrecher sind, hinrichten, auch zu Mörder. Kein Mensch sollte das Recht haben, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen oder auch nur zu entscheiden, dass das Leben eines anderen Menschen frühzeitig beendet werden soll. Dies lässt sich auch auf die Grundlagen des Christentums, nämlich auf das 5. Gebot „Du sollst nicht töten“, übertragen. Aus meiner Sicht hat jeder eine zweite Chance verdient, dazu zählen auch Gewaltverbrecher, denn diese haben oft psychische Probleme und können sich eventuell durch eine entsprechende Therapie bessern. Die Todesstrafe ist zumeist aus historischen Gründen oder um politische Symbolkraft zu verleihen, bestehen geblieben und meiner Meinung nach veraltet.

Empfehlung (Warnung, nichts für schwache Nerven!):

https://youtu.be/wRP2a9pPw7Y

In diesem Video werden die letzten 24 Stunden vor einer Hinrichtung in Amerika gezeigt. Die Menschen essen ihre letzte Mahlzeit, dürfen den letzten Anruf tätigen, mit dem dortigen Pfarrer reden und wählen, wie sie umgebracht werden. Die Methoden unterscheiden sich in den Bundesstaaten. Auf erschießen, erhängen, vergaßen, eine Gift Injektion und den elektronischen Stuhl wurde genauer eingegangen. Zudem werden beteiligten Personen interviewt.

Quellen:

„Es gibt einen klaren Trend gegen die Todesstrafe“, Oliver Hendrich. September 2016. https://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/232224/todesstrafe  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Amnesty International. https://www.amnesty.org/en/who-we-are/  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

AMNESTY INTERNATIONAL GLOBAL REPORT – DEATH SENTENCES AND EXECUTIONS 2019. April 2019. https://www.amnesty.de/sites/default/files/2020-04/Amnesty-Bericht-Todesstrafe-2019-April-Englische-Version.pdf  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

AMNESTY-BERICHT ZUR TODESSTRAFE 2019. April 2020. https://www.amnesty.de/allgemein/pressemitteilung/amnesty-bericht-zur-todesstrafe-2019  zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Hauptsache, hinrichten, Sven Stockrahm und Jakob Simmank. April 2017. https://www.zeit.de/wissen/2017-04/todesstrafe-hinrichtungen-wo-wie-warum-faq/komplettansicht zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Vice – Wir haben einen Kriminologen gefragt, ob es sich lohnt, aus dem Gefängnis auszubrechen, Matern Boeselager. Januar 2018. https://www.google.com/amp/s/www.vice.com/amp/de/article/ev5pea/wir-haben-einen-kriminologen-gefragt-ob-es-sich-lohnt-aus-dem-gefangnis-auszubrechen zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Süddeutsche Zeitung – Wie sich der Strafvollzug in den USA wandeln muss, Jörg Häntzschel. Mai 2012. https://www.sueddeutsche.de/politik/mildere-strafen-vorzeitige-entlassungen-warum-sich-der-strafvollzug-in-den-usa-wandeln-muss-1.1346389-3 zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.