Zusammenfassung der Ethikstunden vom 25.10.2019


Gymnasium Gerabronn, Ethikunterricht K1

25.10.2019, 09:40-11:15 Uhr, alle anwesend

Die Doppelstunde vom 25. Oktober 2019 handelte von den Grundzügen der Psychoanalyse von Freud, der psychologischen Theorie von Alfred Adler sowie von den Grundlangen der Lernpsychologie. Aus diesen Theorien heraus, sollten wir in Gruppen die Einschränkungen der Freiheit sowie Möglichkeiten zur Überwindung dieser Einschränkungen herausarbeiten und uns die Frage stellen, welche Relevanz diese Theorien für uns in unserer heutigen Zeit haben.

Die erste Gruppe befasste sich mit der Theorie von Sigmund Freud. Er kategorisiert unser Wissen in bewusstes Wissen, vorbewusstes Wissen und unbewusstes Wissen. Das Wissen, das wir jede Zeit abrufen können, ist bewusst. Dieses bewusste Wissen kann nach einer Zeit zum vorbewussten Wissen werden. Es werden Erinnerungen als Hilfe benötigt, um wieder an dieses Wissen zu gelangen. Schlussendlich sind wir uns einer Sache unbewusst, wenn wir es uns nicht ohne Weiteres bewusst werden können.
Freud unterteilt die Entwicklung des Kindes anhand von Lusterfahrungen in fünf Phasen ein. Kinder empfinden in den ersten sechs Lebensjahren Lust am eigenen Körper. Die ersten Jahre werden von der oralen Phase geprägt, wobei das Baby Lust durch Nahrungsaufnahme empfindet. In der analen Phase, die ab dem dritten Lebensjahr beginnt, entwickelt das Kind ein Reinlichkeitsbedürfnis durch das Ausscheiden von Kot. In der darauffolgenden Ödipalphase bilden sich geschlechtsspezifische Verhaltensweisen. Mit ungefähr sechs Jahren trifft die Latenzphase ein, in der sexuelle Wünsche verdrängt werden und sich geistige Fähigkeiten entwickeln. Mit dem Beginn der Pubertät entwickelt das Kind Lust durch das andere Geschlecht. In der sogenannten Genitalphase vereinen sich alle bisherigen Teilbereiche zum Geschlechtstrieb und das Verlangen nach sexueller Vereinigung wird geprägt. Mit der Zeit prägen sich ebenso die psychischen Instanzen aus. Freud unterscheidet zwischen dem Wesen des Es, dem Wesen des Ich und dem Wesen des Über-Ich. Das Wesen des Es herrscht im Unterbewusstsein und verfügt über unbewusste Neigungen. Während es weder Gesetze der Logik oder Moral kennt, noch die tierischen Triebe kontrollieren kann, will das Wesen des Ich der Innen- und Außenwelt gerecht werden. Es passt sich an die Reize der Außenwelt an und bildet die Selbstbehauptung. Das Wesen des Ich versucht, den Ansprüchen des Es gerecht zu werden und entscheidet, ob und wann es den Trieben nachgehen will. Wenn das Ich dabei scheitert, kann Angst entstehen. Das Wesen des Über-Ich bildet die äußeren Einflüsse von der Gesellschaft, wie z.B. Wertvorstellung und Moral.

Es lässt sich im Zusammenhang mit der Psychoanalyse von Freud erschließen, dass man tendenziell die Möglichkeit hat, frei zu sein, wenn man ein stark geprägtes Ich besitzt, sich den anderen Einflüssen bewusst ist und eine eigene Moralvorstellung vorhanden ist. Die Schüler sind der Meinung, dass die Theorie immer noch relevant ist, da jeder diese verschiedenen Phasen durchlebt und psychische Instanzen besitzt. Man muss jedoch hinzufügen, dass es in unserer heutigen Gesellschaft Einschränkungen gibt, wenn es um das Ausleben der eigenen starken Ich geht.

Alfred Adler befasste sich damit, dass das Gefühl von Minderwertigkeit durch beispielsweise frühkindlichen Behinderungen und die dadurch entstehenden Benachteiligungen anscheinend ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und dem Drang verleihen, immer weiter nach oben zu streben. Das verspürte Minderwertigkeitsgefühl wird durch eine Leitlinie und durch Ziele überspielt. Dabei stehen sich die beiden Aspekte Gemeinschaftsgefühl und Streben nach Macht gegenüber. Wenn man durch den eigenen Erfolg zu mehr zur Macht tendiert, verringert sich dementsprechend oft das Gemeinschaftsgefühl.

Da jeder Mensch laut Alfred Adler über neurotische Züge verfügt und das Minderwertigkeitsgefühl größtenteils von der Erziehung abhängt, ist diese Theorie für unsere heutige Zeit relevant. Wenn dem Kind nichts zugetraut wird, fühlt es sich hilflos. Auch die Unterdrückung der Person hat Auswirkungen auf das Minderwertigkeitsgefühl. Somit ist es wichtig, dass man Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen in die Gesellschaft mit einbezieht und unterstützt, anstatt dass die Person sozial isoliert wird und unter Zwängen leidet.

Die letzte Gruppe befasste sich mit den verschiedenen Lernstrategien von Psychologen. Durch deren Versuche ließ sich feststellen, dass man durch das Auslösen eines Reizes das Eintreten einer bestimmten Reaktion bewirken kann. Durch Strafen oder Belohnungen wurden Tiere dazu gebracht, gewisse Dinge zu tun/zu erlernen oder zu lassen. Wenn sie die Möglichkeit hatten, nahmen sie den leichtesten Weg.

Auch wir Menschen tendieren dazu, den leichteren Weg zu nehmen. Jedoch sind wir in der Lage, unser Lernverhalten selbstständig zu beeinflussen und besitzen in diesem Sinne über einen größeren Freiraum.

Ist es ethisch vertretbar, den Urwaldvölkern unsere Kultur aufzudrängen?

Ich habe den Anfang eines Buches gelesen, das mich letztendlich auf diese Idee gebracht hat, über dieses Thema zu schreiben. Der Titel ist ‚Überleben in der Todeszone‘ und ich frage mich, ob es richtig ist, den Urwaldvölkern unsere Kultur aufzudrängen. Sicherlich ist es nicht richtig, ihre Bäume aus reiner Geldgier zu fällen und sie und die dort lebenden Tiere auszurotten. Aber manche Menschen unserer Zivilisation gehen auch friedlich mit  ihnen um und lassen ihnen Kleidung da und geben ihnen fremde Geschenke. Irgendwann werden auch diese Menschen in die Zivilisation kommen, ihre Urinstinkte und das Wissen von Jahrtausenden wird verloren gehen, da man bei den jüngeren Generationen schon vermehr beobachten kann, dass sie elektronische Geräte mehr interessieren als ihre Landeskunde und die damit verbundenen Rezepte, Heilungsmethoden, die übrigens sehr eng mit unseren verbunden sind und im Endeffekt ebenso funktionieren. Es verläuft friedlich, aber ist es richtig? Sie merken es nicht und wir merken es auch nicht, das ist wie ein langsam kriechender Krankheitserreger, der sich in den Menschen einnistet; es gibt für viele von ihnen kein Entkommen mehr. Für Geld führen sie Biologen und Wissenschafter durch ihren Dschungel und lassen sich T-Shirts und noch viel modernere Dinge als indirekte Bestechung bzw. schlecht durchdachtes Dankeschön schenken. Ja, Menschen sind neugierig und ich kann verstehen, dass es sie interessiert, wenn da eine für sie unbekannte und neue Lebensweise zum Vorschein kommt. Ich wäre manchmal gerne ein ‚Urwaldmensch‘, man hätte nicht weniger Probleme, aber andere und man ist mehr mit dem Überleben beschäftigt als damit, sich in furchteinflößende Situationen zu begeben, um Angstlust zu empfinden. Leider gibt es kaum mehr Urwaldvölker, die komplett ohne Einfluss von außen leben. Die Alten wissen auch, dass es nichts Gutes ist, aber sie können nichts dagegen tun und die Jungen können nicht wissen, welches Wissen da verloren geht. Mein Standpunkt dürfte damit vage begründet und deutlich geworden sein, aber mich würde eure Meinung dazu interessieren. Vielleicht gibt es ja auch Vorteile davon.