Februar 13

Protokoll Freitag 09.02.2018

Gymnasium Gerabronn GK Kursstufe 1

Referent/in: Frau Schütze

Anwesenheit: 5 von 6 Personen

Verfasser/in des Protokolls: weise1820

Gliederung der Unterrichtsstunde:

  • „Hannah Arendt“ Film
  • Pflicht
  • Interview mit Kant / Imperative

Zu Beginn der Stunde, haben wir den Film „Hannah Arendt“ zu Ende geschaut, den wir bereits in der letzten Woche, begonnen hatten. Dieser handelt von einer jüdischen Frau, der es gelang im zweiten Weltkrieg nach Amerika zu fliehen. Diese hebt sich in einem besonderen Punkt von anderen ab. Seit der Gerichtsverhandlung von Adolf Eichmann, bei der sie dachte auf ein Monster zu treffen, jedoch auf einen Niemand stößt, versucht sie nachzuvollziehen, warum diese Menschen damals so gehandelt haben. Mit der Veröffentlichung ihrer Artikelserie „Die Banalität des Bösen“, gibt sie den Juden eine „Teilschuld“, an dem was damals passiert ist und stellt Männer, wie Eichmann, als Menschen da, die nur nicht wirklich über ihre Taten nachgedacht haben, jedoch keinen so bösen Willen hatten. Ihr wird vorgeworfen, dass sie kalt, gefühllos und arrogant sei, in den Medien starten zahlreiche Hetzkampagnen und sie verliert lebenslange Freunde. Sie beharrt jedoch auf ihrer Meinung und sucht nach Antworten, auch wenn es bedeutet „dahin zu denken, wo es weh tut“.

Nach dem doch sehr bewegenden Film, sprachen wir kurz im Plenum über das Verhalten von Hannah Arendt und ihren Freunden. Dabei konnten wir uns darauf einigen, dass das Verhalten Arendts, zumindest im Nachhinein und ohne engeren persönlichen Bezug zur Nazi-Zeit, doch sehr plausibel schien. Denn letzten Endes wollte sie lediglich das Handeln der Menschen damals verstehen, ihnen allerdings nicht im selben Zuge vergeben.

Im Anschluss dazu, haben wir das Beispiel Adolf Eichmann auf unser Thema, Kant, bezogen. Der Gedanke, war folgender: Welche Bedeutung das Wort „Pflicht“ für Kant hatte und welche wiederum für Eichmann? Diese beiden Bedeutungen, beziehungsweise Definitionen müssen sich stark unterscheiden, denn Eichmann hat seine Pflicht allein darin gesehen, die Befehle auszuführen, die ihm erteilt wurden, ohne groß darüber nachzudenken. Kant hingegen, sieht Pflicht, als den alleinigen Auslöser für moralisch gute Handlungen. Ein guter Wille, ist nur dann ein wirklich guter Wille, wenn er nicht pflichtgemäß, also aus beliebigen Beweggründen ist, sondern nur durch Pflicht bestimmt wird.

Damit kommen wir zu dem dritten Punkt, der Unterrichtsstunde, nämlich dem Kategorischen Imperativ von Kant, welcher das vollständig bedingungslose Handeln beschreibt und laut ihm, sind ausschließlich diese Handlungen moralisch gut. Nachdem wir ein Interview mit Kant gelesen hatten, indem er genaue Informationen zu seiner Ethik gibt und wir ausführlich geklärt hatten, was ein kategorischer Imperativ ist und in wiefern er sich von einem Hypothetischen Imperativ unterscheidet, also dem bedingten Handeln, versuchten wir eigene Beispiele zu finden. Doch bei dem Verallgemeinerungstest scheiterten alle Beispiele, die uns einfielen, nach Kant ist es garnicht so einfach moralisch gut zu handeln.

Arbeitsblatt: Verallgemeinerungstest mit Beispiel

 

 

April 10

Anregung zum Philosophieren: Schlafwandler?

 

Hannah
eigenes Foto, CC-by-SA

Im Nachgang zu unserer Diskussion über Eichmann las ich ein Buch über Hannah Arendt. Sie schreibt u.a. sehr direkt:

„Ein Leben ohne Denken ist durchaus möglich; es entwickelt dann sein eigenes Wesen nicht – es ist nicht nur sinnlos, es ist gar nicht recht lebendig. Menschen, die nicht denken, sind wie Schlafwandler.“ (Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes. Das Denken. Das Wollen. München 1998, S. 189f.)

Was meint ihr: ist ein Leben ohne Denken sinnlos? Kann jemand wie Eichmann als nicht-denkender Schlafwandler schuldig sein?

 

März 19

Kursprotokoll Doppelstunde 12.03.2014

Gymnasium Gerabronn; Ethik Grundkurs K1; alle (12) anwesend
Themen/Gliederung: 1) Erinnerung an Kant, 2) Freiheit und Sittlichkeit, 3) Das Floß; 12.03.2014
Protokollant: uschili

1) Erinnerung an Kant

Zunächst haben wir in Gruppen die Herleitung des kategorischen Imperativs aus der Freiheit bearbeitet. Dafür sollten wir verschieden Stichpunkte logisch sortieren. Hier ist eine von vielen Lösungen aufgezeigt.IMG_0839[1] IMG_0840[1] IMG_0841[1]
Zum Abschluss des Themas „Kant“ befassten wir uns mit Seite 11/12 und definierten technische und pragmatische Imperative, sowie Maximen (siehe Übersicht im Ethik Protokoll).

2) Freiheit und Sittlichkeit

Wir haben die Goldene Regel mit dem Kategorischen Imperativ verglichen (S.13).
Zu den Gemeinsamkeiten gehören der Handlungsleitsatz als Richtlinie, der Perspektivwechsel sowie die Verallgemeinerung, so dass es jeweils für alle Menschen gültig ist.
Jedoch ist bei den Unterschieden zu beachten, dass sich die Goldene Regel auf die Handlung und deren Folgen bezieht, während der Kategorische Imperativ stets die Motive betrachtet. Während die Goldene Regel das Handeln aus Selbstzweck und somit den hypothetischen Imperativ hervorruft, handelt man beim Kategorischen Imperativ aus Vernunft (kategorischer Imperativ).

3) Das Floß

Der Kurzfilm „Das Floß“ handelt von zwei abgemagerten Schiffsbrüchigen, die auf einem Floß auf dem offenen Meer treiben. Die zwei vor Hunger fast sterbenden Männer kämpfen um einen gefangenen Fisch. Einer der beiden fällt ins Wasser, ihm nähert sich ein Hai. Der Fisch landet auf dem Floß. Als sich eine Möwe dem Fisch nähert, muss der andere sich entscheiden, ob er dem einen aus dem Wasser hilft oder sich auf den Fisch konzentriert. An dieser Stelle stoppten wir den Film und überlegten uns Beweggründe wie Egoismus, schlechtes Gewissen, etc. Diese ordneten wir der deontologischen (deon=Pflicht; auch Gesinnung) bzw. der teleologischen (telos=Ziel/Wirkung) Ethik zu (siehe Tabelle im Ethik Protokoll).
Unsere Vermutung, er würde zu dem Fisch rennen, obgleich die Argumente sich für seinen möglichen Freund zu entscheiden überwogen, bestätigte sich, jedoch starb er ebenfalls.

Oktober 13

Was ist Freiheit

(Inspiriert durch den Film „Drei Farben: Blau“ und http://www.epos.uni-osnabrueck.de/music/templates/buch.php?id=25)

Bedeutet Freiheit, frei zu sein von allem, was bindet?

Diese Frage wirft sich durch den oben genannten Film auf. Wenn man etwas so Schreckliches erlebt wie die Hauptperson des Filmes, will man, wie sie, erst einmal Abstand gewinnen bzw. alle Erinnerungen an die Person, die man verloren hat, vernichten, um nicht länger gequält zu werden. Dazu müssen auch alle Beziehungen abgebrochen werden, letztlich muss man sein ganzes Leben ändern, sich eine neue Umgebung suchen, um zumindest nicht mehr bei jedem Schritt und Tritt daran denken zu müssen. Vielleicht beschließt man auch, nie wieder Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen – auch sie könnte man doch eines Tages wieder verlieren, und dieses Risiko will man nicht mehr eingehen. Die Frau aus dem Film drückt sich so aus: »Aber jetzt habe ich verstanden, dass ich nur noch eins tun werde: nichts; dass ich keinen Besitz mehr will, keine Erinnerungen, keine Liebe, keine Bindungen, keine Freunde.«

Im Laufe des Films erlebt sie aber, dass Erinnerungen wie das Seil bei einem Bungeesprung sind: Wenn man losspringt (wenn man sich befreien will), spürt man zunächst nichts mehr von dem Seil und erlebt kurzfristig das Gefühl „absoluter Freiheit“ – aber bevor man den Boden erreicht, spannt es sich und man wird von ihm zurückgehalten (die Erinnerungen holen einen irgendwann wieder ein).

Diese Rolle der Erinnerung übernimmt in dem Film die Musik ihres Mannes, die ihr ständig in den Kopf kommt – genauso, wie man sich von einem Ohrwurm nur schwer wieder trennt, sind auch Erinnerungen nur schwer loszubekommen.

Letztlich muss sie einsehen, dass sie nicht ewig davonrennen kann, und sie beginnt, sich wieder neu für ihre Umwelt und menschliche Bindungen zu öffnen, schließlich komponiert sie sogar das Stück zu Ende.

Ich denke, dass das eine sehr gute Metapher ist: Freiheit bedeutet meiner Meinung nach nicht, frei zu sein von jeglicher Bindung und sich von allem loszusagen. Man mag eine Weile lang vermeintlich frei sein, aber irgendwann kommt, wie in dem Film mit der Musik, alles wieder zurück, und man spürt, dass man doch noch immer an dem „Bungeeseil“ der Erinnerungen hängt.

„Die Flucht nach vorn“ ist es also nicht, was frei macht. Ich denke, dass nur der frei ist, der vor nichts mehr davonlaufen muss, der seinen Frieden mit der Vergangenheit und mit seiner Lebenssituation geschlossen hat.

Was denkst du darüber? Was ist Freiheit?