Der Aussenseiter im Inneren

Im Leben zählt das, was man mit anderen Menschen gemeinsam hat. In seinen Freunden sucht man sich diejenigen aus, mit denen man Aktivitäten oder Erfahrungen teilen kann. So solidarisieren wir uns gegenseitig durch das, was wir gemeinsam haben. Ebenso kommt uns das völlig Unbekannte und Unverständliche fremd und gefährlich vor. Automatisch entstehen Apathien und Ängste. Jedoch steht unsere Solidarisierung durch Ähnlich- und Gemeinsamkeit im Kontrast mit unserer Erfahrung als Individuum. Immerhin verstehen wir unsere menschliche Erfahrung durch Unterschied zu anderen Menschen und im Unterschied zu dem Rest des Universums. Man kann sich selbst nur dann als Individuum erkennen, wenn man den Unterschied zu anderen Menschen erkennt. Es ist der Moment, in dem sich der Mensch im Spiegel erkennt und seine Charakteristika differenziert, in dem Er als Mensch geboren wird. Gleichzeitig ist es elementar für die menschliche Erfahrung seiner Existenz, dass unsere Fühlreichweite durch die physischen Limitationen unseres Körpers beschränkt sind. Auch wenn wir im makroskopischen und mikroskopischen Bild des physikalischen Universums nicht von dem Rest dessen zu unterscheiden sind, so ist es die Eigenheit des Menschen, durch die Sinne seine Existenz in seinem Körper zu erkennen.

Auch im Verlauf des Lebens wird die Individualität des Menschen deutlich. So sind geistige und physische Merkmale jedem einzelnen Menschen individuell. Auch wenn Er Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und Merkmale mit teilweise großen Gruppen von Menschen oder allen Menschen teilt, so ist die spezifische Konstellation und Reihenfolge als auch die Originalität sowie die Qualität dieser Lebenscharakteristika unterschiedlich und definitiv einzigartig. Somit gleicht der Mensch im Laufe eines Lebens einem Cyborg. Unterschiedliche Teile seines Menschen werden durch ihn selbst oder durch andere künstlich ausgetauscht, verändert und hinzugefügt. Unsere Lebenserfahrung ist allerdings durch und durch sozial und interaktiv. Es geschieht in Gruppen oder, besser gesagt, Blasen von Menschen, die mindestens ein Charakteristikum teilen. Es ist der Mensch kein Mensch, welcher kein Charakteristikum mit einem anderem teilt. In dieser Spannung zwischen Cyborg und Menschenblase wird der Cyborg zum „Aussenseiter im Inneren“. Zwar teilt der Cyborg einen Teil seines Wesens mit dem Rest einer seiner Blasen. Aber durch seiner schiere Individualität grenzt er sich in seinem Inneren selbst aus. Seine Gedanken, Aktionen und Reaktionen werden sich von allen anderen unterscheiden. Dabei ist das „Innere“ des „Aussenseiter im Inneren“ doppeldeutig. Denn im Gruppengefüge selbst ist der Cyborg nicht zwangsläufig ein klassischer Aussenseiter, wahrscheinlich sogar meistens nicht. Die Charakteristika die er mit dem Rest der Blase teilt können in ihm so ausgeprägt sein, dass man ihm sogar als den Kern der Blase bezeichnen könnte. Er wird Nichtsdestotrotz ein Aussenseiter bleiben, auch wenn er im Innersten der Gruppe ist, weil sein Aussenseitertum im Inneren des Cyborgs stattfindet.

Was bedeutet diese Analyse aber für uns? Das hat mit dem Solidarisierungsmechanismus der derzeitigen Menschen zu tun. Wie Eingangs erwähnt geschieht eine Solidarisierung und eine Übereinkunft mit anderem Menschen durch Gemeinsamkeit. Somit geschehen Verständnis, Hilfe und Leben mit und füreinander nur auf der Grundlage von gemeinsamen Merkmalen. Dabei ist jeder Mensch ein Cyborg, in seiner Einzigartigkeit besonders und sich seines Unterschied zu Anderen auf existenzielle und sogar schmerzliche Art und Weise bewusst. Wozu diese Dynamik führt sind Zweierlei. Mit der Diversifizierung von Lebenswelten durch die Vermischungen von Lebensräumen im globalen Maße bilden sich zwar eine viel mehr Gruppen an Menschen. Aber da sich diese Gruppen vor allen Dingen mit- und untereinander solidarisieren und es keine gleichmäßige zahlenmäßige Verteilung von Menschen in den verschiedenen Gruppen existieren wird, feinden sich die Gruppen an. In seiner vollen Blüte sieht man diese Dynamik im Zeitalter des Nationalismus im 18ten, 19ten und 20ten Jahrhundert. Konsequenz ist also Konflikt unterhalb von verschiedenen Solidaritätsgemeinschaften. Doch noch dazu kommt die innere Entfremdung und innere Radierung von Charakteristika innerhalb des Cyborg. Einher damit geht auch eine Vereinsamung des Cyborgs. Diese Konsequenzen lassen sich auf Dynamiken innerhalb des Gruppengeflechts begründen. Mit dem kontinuierlichen Prozess der Anfeindung anderer Solidaritätsgemeinschaften sieht sich der Cyborg im Zwang, seine Individualität für eine Uniformität in dieser Blase aufzugeben. Sein Aussenseitertum und Vereinsamung wird vornehmlich in das Innere verschoben, da Andersartigkeit angefeindet wird. Der Cyborg wird also zum vermummten Soldaten der Gruppe. Seine Cyborgartigkeit ist aber ein normativer Fakt und folglich wird seine Andersartigkeit zum Problem seiner Selbstwahrnehmung und führt zur geistigen und eventuell emotionalen Vereinsamung.

Damit ist sehr eindeutig dargelegt, dass in einer Welt voller Cyborgs die Solidarisierung durch Gemeinsamkeit zu Reihen an systemischen Problemen führt. Im aktuellen Kontext ist das besonders durch identitätssuchende Bewegungen zu beobachten. In diesen Bewegungen werden mehrere Dynamiken offen zur Schau gestellt. Erstens, wie schon oben genannt, die sich im Ton verschärfende Anfeindungen zwischen Gruppen. Zweitens, die innermenschliche Vereinsamung und Entindividualisierung innerhalb einer vermeintlich homogenen Menschenblase. Drittens wird aber auch die innere Kontradiktion der Gemeinsamkeitssolidarität fast schon offensichtlich tangiert, aber nicht begriffen. Die Frage zum Beispiel, was „Deutsch-sein“ bedeuten würde, oder wie sich in der BRD der Bürger identifizieren solle, wird ausgiebig beredet. Durch die Vielschichtigkeit des Cyborgs wird aber seine schiere Individualität bei solchen Diskussionen offen gelegt aber nicht als bezeichnendes Merkmal anerkannt. Folglich werden komplexe identitätstifftende Merkmale zusammengefasst und benannt. Interessant sind dabei die Unterschiede in den Ansätzen der politischen Linken und Rechten. Während die politische Rechte mit traditionellen Werten und Idealen viele Menschen in eine Gruppe zusammenfassen will, so versucht die Linke mit ihrer Identity-politics mit der genauen Bezeichnung und Hervorhebung eines Menschen seine genaue Identität festzulegen. Aus dem Ansatz der Rechten entspringt Rassismus und Nationalismus. Aus dem der Linken entstehen ebenfalls die Dynamiken des „Aussenseiter-im-Inneren“.

Natürlich beruhen beide Ansätze immer noch auf der gleichen Devise, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede hervorzuheben. Beides ist das Gleiche, nur der Augenschein kann die Trennung von Gemeinsamkeit und Unterschied zu wahren. Es lassen sich alle Gemeinsamkeiten so umformulieren, dass aus ihnen Unterschiede werden und umgekehrt. So kann aus dem Fakt, dass wir alle Individuen sind, geschlossen werden, dass wir es gerade deswegen nicht sind. Somit bieten beide Ansätze keine neue Art und Weise Solidarität zwischen Menschen herzustellen. Was hier auf dem Spiel steht ist tatsächlich größer als das Wort Solidarität vermuten lässt. Es ist die Grundlage für die menschliche Interaktion. Die Grundlage für Freundschaft, Familie und Staat. Wenn sich also am menschlichen Solidarisierungsprozess etwas ändern würde so auch eine gewaltige Menge an Strukturen. Familie, Staat und Gemeinde würde sich wandeln, auflösen, trennen und vereinen. Individuelle Identität würde sich auf anderen Strukturen stützen oder je nach der Veränderung auch auflösen. Es steht und fällt also in der politischen Welt des Mensch alles mit Solidarität. In besonderer Art und Weise wurde diese Tatsache und auch oben genannten Dynamiken in der Amerikanischen Geschichte demonstriert. Aus ihr geht auch sehr deutlich hervor, dass es nicht einfach so möglich ist, unterschiedliche Ethnien zu mischen und zu erwarten, dass alle beteiligten Gruppen mit dem Ergebnis zufrieden seien. Der Gründe warum man allerdings nicht einfach so jedem Volk sein Gebiet geben kann und hofft, dass jeder damit glücklich wird sind aber vielerlei. Zum Beispiel wird zwangsweise Imperialismus und Expansionismus diese Gebietsverteilung annullieren. Zudem ist ein Volk ebenso ein Cyborg wie die Einzelnen Menschen, die das Volk bilden. Folglich sind die Grenzen eines Volkes zu einem anderem fließend und niemals statisch. Doch die größte Hürde für ein Weltkonzept mit partikulierten Völkern mit Selbstbestimmungsrechten ist die Transport- und Logistiktechnologie in Kombination mit der Kommunikationstechnologie. In Folge der Globalisierung mit diesen Branchen der Industrie ist eine Vermischung von Gruppen, Menschenblasen, Kulturen und Interessen unvermeidbar und unumgänglich und jederzeit vorhanden. Auf dieser Grundlage ist es also das Ziel eine Solidarisierung zwischen Menschen zu ermöglichen, die die Probleme des jetzigen Prozesses lösen und neue Formen der politischen Interaktion eröffnen kann.

Wie soll diese Solidarität aussehen?

Die Sache mit der Berufswahl

Berufswahl.

Dieses Wörtchen wird vermutlich gerade viele Leute in meinem Alter beschäftigen.

BE-RUF-S-WAHL.

Und da kommt es wieder heraufgestiegen, aus den unergründlichen Tiefen des Unterbewusstseins: Booom!!!

Es ist zurück. Aber es war nie weg.

Es schlummert immerfort, und manchmal kommt es aus dem Hinterhalt gekrochen, um einen dann am helllichten Tag zu überraschen und einem Angst einzujagen, oder zumindest die Spur der Ungewissheit über den Rücken laufen zu lassen.

Geht es Dir genauso? Dann bist Du hier richtig.

Oder bist Du schon drüber hinweg?

Dann lass mich das wissen.

Hast Du Tipps?

Vermutlich nicht.

Ständig wird man gefragt:“Heyy, du hast es ja bald geschafft, nur noch ein Jahr, was machst du danach?“ Ist ja alles nur total lieb gemeint. Aber trotzdem unendlich schwierig zu antworten. Wenn man nicht gerade Zahnärztin werden will. Ich aber nicht. Dass ist ja das nächste: Mir fallen viele Dinge ein, die ich absolut nicht machen will. Reinigungsfachkraft, Lehrer, oder Doktor in Physik, zum Beispiel. (Wenn Du das werden willst, kann ich Dich nur dazu ermutigen, aber ich nicht!) Aber Dinge, die ich mir wirklich richtig gut vorstellen kann, da wird es schwierig.

Wenn man einmal mit seinen Großeltern redet, dann wird einem vermutlich auffallen, dass damals meistens zwischen zwei oder drei Lehrstellen entschieden wurde, dann erlernte man den Beruf und hatte sich „entschieden“. Wenn man sich heutzutage für ein Studium entscheidet (was ja nur eine zwischen vielen Optionen ist!), dann hat man nochmals die Wahl zwischen 19.559 Studiengängen. Ja, NEUNZEHNTAUSENDFÜNFHUNDERTNEUNUNDFÜNFZIG!!!!

Natürlich ist das hier jammern auf sehr, sehr hohem Niveau, unsere Großeltern wären vermutlich froh gewesen, überhaupt Studieren zu können und zu dürfen (wenn man mal die riesigen finanziellen Aspekte etc. beachtet), und auch im Vergleich zu anderen Ländern und Teilen dieser Welt sollten wir hier glücklich sein über die große, freie Auswahl an Ausbildungsplätzen, Studienplätzen etc..

Mir geht es nichtsdestotrotz immer so, dass ich Schiss habe, mich für ein Studium zu entscheiden, also durch eine Tür zu gehen, und währenddessen klappen alle anderen Türen zu und können nicht wieder geöffnet werden. Mittlerweile ist mir klar, dass man durch Umschulungen etc. nicht fest an einem speziellen Beruf gebunden ist sondern immer noch in andere Gebiete überwechseln kann. Trotzdem überfordert mich die Fülle an Möglichkeiten, die unsere Welt zu bieten hat, jedesmal. Und wenn ich dann mal einen Studiengang oder Beruf für mich entdecke, so ist es nur eine Frage von einigen Tagen bis ich etwas neues spannenderes finde als das Alte.

Ich denke, die BERUFSWAHL ist einfach keine Entscheidung, die man mal macht und dann ist das so. Es dauert eben bis man wirklich dahin kommt, es ist eben ein Prozess, wie mit allem im Leben. Wenn man mal Obama fragt, was er mit 17 Jahren werden wollte, wird er vermutlich auch nicht „Na, ist ja klar, Präsident von den Vereinigten Staaten von Amerika, was denn sonst?“ sagen.

Wobei wir da beim nächsten wären: Wo will ich überhaupt einmal leben? Will ich Familie haben? Kinder? Eine Wohnung? Ein Haus? Soll das Haus gelb oder doch lieber rosa mit Schäfchenwolken sein?

Ich glaube, ich für mich persönlich möchte das einfach nicht alles planen. Was macht man denn dann, wenn man mit 40 halt eben doch noch keine Familie gegründet hat? Nochmal von vorne anfangen geht ja schlecht. Oder wenn man doch nicht die gewünschten Ergebnisse im Beruf hatte, sei das jetzt, Geld zu verdienen, oder zu helfen, oder Menschen glücklich zu machen.

Egal was ich in 20 Jahren oder so mal machen werde, ich denke, das wichtigste ist einfach dass ich es mit Leidenschaft mache, dass ich dafür Überstunden machen würde, egal ob bezahlt oder nicht; und dass es meinen Werten entspricht, egal wie diese sich weiterentwickeln werden. Ich will nicht, dass ich nur dasitze und vor mich hin arbeite und warte bis es endlich Feierabend ist. Und ich hoffe, dass es etwas ist, was den Menschen hilft, die Menschen weiterbringt oder die Menschen berührt.

Und? Was ist mit euch? Habt ihr euch schon ENTSCHIEDEN ;)? Ich bin gespannt was ihr so schreibt und wie es euch so geht bei diesem Thema, das eigentlich alle betrifft….

 

Quellen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2854/umfrage/bachelor–und-masterstudiengaenge-in-den-einzelnen-bundeslaendern/

eigens Gehirn 🙂

Zusammenfassung der Doppelstunde vom 24.05.2019

Thema: Verantwortungsethik, fridays for future
Datum: 24.05.2019
Zeit: 7:45-9:20 Uhr


Referentin: Frau Schütze
Anwesend: Theano, Aspasia, Albinos, Kant, Sokratis, Aristoteles
Nicht anwesend: Ghandi & Hobbes


Die Stunde beginnt wie immer mit einer Tasse Tee und der Klärung der organisatorischen Sachen. Die Referentin gibt den Schülern ihre durchaus guten Klausuren der Vorwochen  zurück.  Nachdem alles zu den Klausuren geklärt ist, startet die Referentin mit einem Video zum Thema Klimawandel:

https://youtu.be/DGDMqyfK8UQ

Danach müssen die Schüler folgendes Arbeitsblatt bearbeiten:

Es wird diskutiert, ob mit Fridays for Future überhaupt etwas erreicht werden kann und ob die im AB genannten Forderungen auch verständlich sind oder nicht.
Kurz darauf ertönt die Pausenklingel, welche die Schüler aber nicht davon abhält weiter zu diskutieren. Nach der Pause geht es weiter mit Hans Jonas und der Verantwortungsethik. Die Referentin zeigt den Schülern ein weiteres Video, dieses mal von einem Philosophen:

 Die Schüler bekommen das Ethikbuch ausgehändigt und sollen die Texte zur Verantwortungsethik nach Hans Jonas bearbeiten. Bei guten Beiträgen der Schüler wird währenddessen ein Aufschrieb verfasst:

Die Stunde endet mit viel gewonnenem Wissen über Hans Jonas, Verantwortung und Verantwortungsethik.

Aristoteles