Zusammenfassung des Ethikunterrichts am 14.10.2020

Anzahl der Anwesenden: 12 von 15 Schüler/innen

Namen/Kürzel der Referenten: Sü

Ablauf der Doppelstunde:

  • Zusätzliche 20 Minuten Zeit zur Vorbereitung der Präsentationen über verschiedene ethische Dilemmata
  • Präsentationen
  • Beginn des Films Tomorrow

In den ersten 20 Minuten haben wir in Gruppen an unseren Präsentationen über ethische Dilemmata weitergearbeitet.

Die erste Gruppe hat den Konflikt zwischen dem Mensch und der Umwelt vorgestellt. Bei diesem Konflikt stehen der Staat, der wirtschaftliche Interessen verfolgt der Umwelt gegenüber. In der Wirtschaft geht es darum quantitativ und billig zu produzieren ohne auf langfristige Folgen zu achten.

Ein Beispiel von Umweltverschmutzung mit möglichen Lösungen

Nach dem Utilitarismus sollten wir die Umwelt der Wirtschaft vorziehen, da wir durch die Schädigung der Umwelt nur kurzfristig Profit machen und zukünftige Generationen unter den Folgen des Klimawandels leiden werden.

Nach der Verantwortungsethik würde das Dilemma ähnlich beurteilt werden, denn von der Umwelt hängt das Leben zukünftiger Generationen ab, weshalb wir den Umweltschutz der Wirtschaft vorziehen sollten.

Kant wäre vermutlich derselben Meinung gewesen, da es kein Maxim geben kann, das eine Gewinnmaximierung einzelner ohne Rücksicht auf Verluste tolerieren.

Das zweite Dilemma bezieht sich darauf, dass arme Menschen beispielsweise in Indien Müllberge nach Wertgegenständen durchsuchen, um Geld zum Überleben zu verdienen.

Träger des Konflikts sind die armen Menschen, die das Geld zum Überleben brauchen, allerdings eine sicherer Arbeit mit fairem Lohn bevorzugen würden. Zudem der Staat, der korrupt ist und fast ausschließlich zu Gunsten einer Oberschicht handelt, wobei er Arme unterdrückt. Als auch andere Länder, die die Möglichkeit nutzen ihren Müll kostengünstig in 3. Weltländern zu entsorgen und dabei das Leid der dortigen Bevölkerung tolerieren.

Dem Utilitarismus zufolge sollte es keine Oberschicht geben, die auf Kosten einer größeren Unterschicht lebt.

Den Prinzipien der Verantwortungsethik zufolge, sollten der Staat und die anderen Länder die armen Mensch mehr unterstützen.

Nach Kant wären vorerst die armen Menschen im Unrecht, da den Maximen zufolge niemand Gegenstände aus dem Müll stehlen darf und den Staat betreffend wäre die Situation in Ordnung, solange er versucht den armen Menschen zu helfen.

Die dritte Gruppe hat das Dilemma des Welthungers vorgestellt. Hierbei stehen wirtschaftliche Aspekte sozialen Aspekten gegenüber. Das wären beispielsweise Industrieländer, die Fördermittel kürzen, um Banken zu unterstützen, währenddessen die Bevölkerung in 3. Weltländern kaum ihre existentielle Bedürfnisse erfüllen kann und teilweise Schulden aufnehmen muss, um Lebensmittel zu kaufen oder sich eine Existenz aufzubauen.

Darstellung des Dilemmas

Dem Utilitarismus zufolge, wäre es moralisch nicht korrekt eine Vielzahl an Menschen hungern zu lassen, damit weniger Menschen ein besseres Leben führen können.

Den Prinzipen der Verantwortungsethik folgend, wäre es zudem unverantwortlich, die Bedürfnisse anderer Menschen, die in geographischer Distanz zu uns leben, zu ignorieren.

Nach Kant ließen sich keine Maxime formulieren, die besagen, dass reichere Menschen auf Kosten armer Menschen leben dürfen.

Die letzte Gruppe hat sich mit einem von Rita Hilliges konstruiertem Regenfilter befasst, der verhindern soll, dass Schmutz wie Reifenabrieb ins Grundwasser gelangt. Betroffene sind hierbei die Menschheit, deren Interesse sauberes Trinkwasser ist, die Umwelt, da Tiere ebenfalls sauberes Trinkwasser zum Überleben brauchen und die Gemeinde, da dieser Filter günstiger ist, als herkömmliche Filteranlagen sind. Somit profitiert jeder von dem Projekt, es gibt keinen Konflikt, sondern nur Vorteile.

Auch nach dem Utilitarismus wäre das Projekt ethisch gerechtfertigt, da alle einen positiven Nutzen daraus ziehen, besonders die Menschheit, die durch gefiltertes Trinkwasser gesünder lebt.

Das Projekt erfüllt zudem alle Werte und Normen der Verantwortungsethik.

Nach Kant’s Maximen wäre das Projekt ebenfalls ethisch gerechtfertigt, da man ein Maxim formulieren kann, das besagt, dass alle Menschen Projekte entwickeln dürfen, die sich positiv auf den Menschen,  seine Umwelt und die Wirtschaft auswirken.

Der Film „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ ist ein 2015 erschienener Dokumentarfilm, in dem die Schauspielerin Mélanie Laurent und der französische Aktivist Cyril Dion auf einer Reise  um die Welt nach Menschen mit kreative Lösung gegen den Klimawandel suchen.

Die ersten Projekte beziehen sich auf die Beseitigung der Nahrungsmittelknappheit.

Ein Beispielort ist Detroit, eine verlassene Industriestadt. Hier bauen Menschen auf selbstangelegten Äckern eigene Nahrung an. Die körperliche Anstrengung wird hier durch kostenlose Lebensmittel und dem Zusammentreffen verschiedener Menschen belohnt.

Ein weiteres Projekt ist „Incredible Edible“, das in Todmorden (Großbritannien) gestartet wurde. Bewohner dieser Gemeinde haben an einigen öffentlichen Plätzen Lebensmittel angepflanzt. Auch hier kommen die Menschen durch die Pflanzen ins Gespräch und können kostenlose Lebensmittel ernten.

Ein ebenfalls beeindruckendes Projekt  haben Perrine und Charles Hervé-Gruyer in der Normandie gestartet. Sie haben sehr vielfältige Gärten, Äcker und Gewächshäuser gebaut, in denen Pflanzen voneinander profitieren (z.B. durch Schatten, Feuchtigkeitsabgabe und ungeziefervertreibenden Geruch). Dies ist an die Natur angelehnt, in der auch keine Monokulturen vorkommen. Es ist insofern nachhaltig, da der Boden nicht zerstört wird, keine Pestizide eingesetzt werden müssen und keine Arbeitskräfte ausgebeutet werden.

Insgesamt hat der Film bisher interessante Perspektiven gegeben, wie man dem Klimawandel entgegen wirken kann. An sich ist der Film auch sehr gut gemacht, denn er besteht aus einer ausgeglichenen Menge an Projekten und allgemeinen Fakten und Zahlen. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Film einmal anzusehen.

Quellen:

https://www.tomorrow-derfilm.de/ zuletzt aufgerufen am 20.10.2020

https://www.tomorrow-derfilm.de/experten-und-aktivisten.html zuletzt aufgerufen am 20.10.2020

Stundenzusammenfassung 02.10.20

  • Thema: Soziologie, K1/1
  • Gymnasium Gerabronn, Raum 2204, von 11:25 Uhr bis 13:00 Uhr
  • Referentin: Frau Straub
  • Anwesend: 16 von 16 Schüler*innen
  • Link zum Bildungsplan: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/ethik/unterricht-materialien-und-medien/ethik_11_12
  • Gliederung der Stunde:
    1. Vorstellung Stundenprotokoll
    2. Vorstellung Portfolio „Wie sollten Menschen Tiere behandeln?“
    3. Wettbewerb philosophischer Essays
    4. Text zur Sozialisation
    5. Filmcover „Gefährliche Schulwege“
    6. Video „Meine Eltern“

Die Doppelstunde Ethik am 02.10.20 startete damit, dass eine Schülerin ihr Stundenprotokoll von der letzten Doppelstunde vorstellte. Hierbei wurde nochmal die letzte Stunde zusammengefasst und Tipps für das Erstellen der Stundenprotokolle gegeben. Als nächstes wurde das Portfolio einer Schülerin präsentiert. Es hatte die Leitfrage „Wie sollten Menschen Tiere behandeln?“ und startete mit einer Pro und Contra Liste, ob Tiere eine Seele haben. Danach ging es mit einem selbst verfassten Tagebucheintrag weiter, ob ein Tierleben genauso viel Wert ist wie ein Menschenleben. Als letztes Werkstück wurde ein Blogbeitrag verwendet, indem es darum ging wie sich Massentierhaltung auf die Tiere auswirkt. Die Schülerin geht seitdem viel Bewusster mit dem Thema Fleisch um. Die Referentin empfahl dieses Portfolio als Input für die Blogbeiträge zu verwenden, falls einen das Thema interessiert. Hierbei wurde auch geklärt, wie man ein Thema ethisch behandelt, nämlich indem man sich auf das menschliche Handeln bezieht. Außerdem ging es noch um die Länge die ein Blogbeitrag haben sollte, wobei ein Blogbeitrag zur Todesstrafe als Beispiel gezeigt wurde. Als nächstes wurde ein Wettbewerb zu philosophischen Essays vorgestellt (→Siehe Anhang „Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay Herbst 2020). Hierzu haben wir auch zwei Methodenblätter erhalten, wie man einen philosophischen Essay verfasst (→Siehe AB „Methodenblatt: einen philosophischen Essay schreiben“).

Mit der Aufgabe, zur Frage „Was heißt Sozialisation?“, ein Brainstorming zu machen, wurde in das neue Thema Soziologie gestartet. Hierbei wurde auch darauf eingegangen was es mit Freiheit zu tun hat. Nach dem Brainstormen wurde ein Text zur Sozialisation (→Siehe AB „MA 2 Sozialisation“) ausgeteilt. Dieser wurde Abschnittsweise gelesen und dabei verschiedene Begriffe, sowie Unverständlichkeiten geklärt. Extra-uterin bedeutet, das etwas unvollständig auf der Welt ist. Es wurden durch den Text auch die Kasper-Hauser-Versuche angesprochen, bei welchen Kinder ohne Zuwendung aufgezogen werden, um ihre Entwicklung zu beobachten. Hierbei wurde festgestellt, das Kinder die keine Zuneigung bekamen, als Erwachsene oftmals Gewalttätig sind. Die Kindheit ist also sehr wichtig für das spätere Leben, da sich die Kinder oftmals ein Vorbild suchen das sowohl positiv als auch negativ sein kann. Als Beispiel wurde hier ein Kettenraucher genannt, dieser kann das Kind entweder abschrecken oder dazu verleiten selbst zu rauchen.

Als nächstes wurde ein Filmcover von einem Film über Schulwege gezeigt, in welchem Kinder für Bildung täglich stundenlang zur Schule laufen (Um auf die Pädagogik hinzuarbeiten, mit der wir uns in späteren Stunden noch beschäftigen werden). Woran man sieht das jeder eine andere Erziehung hat, wie zum Beispiel drei Brüder von denen einer im Rollstuhl sitzt und die anderen ihn täglich 4 km durch Schlamm zur Schule tragen. Als nächstes wurde über die Koedukative Erziehung, bei welcher Mädchen und Jungen zusammen Unterricht haben und über ihre Vor- und Nachteile gesprochen. Es wurde auch festgestellt, das man Erziehung von überall bekommt, zum Beispiel aus der Schule, Training oder auch von Zuhause. Danach folgte eine kurze Diskussion zu verschiedenen Statussymbolen und dass wir in unserem Kaufverhalten sehr stark beeinflusst werden, außerdem darüber, das wir allgemein in unserem Handeln immer von etwas geleitet werden und nicht frei sind. Als nächstes verwies die Referentin darauf, dass die Gewalt gegen Lehrer zunimmt, da den Schülern zunehmend der Respekt fehlt und vor allem die Jungs im Schulsystem verlieren, da es immer mehr Lehrerinnen als Lehrer gibt. Auch das wäre ein mögliches Blog-Thema. Dann ging es darum ob Bildung Freiheit ist, wobei festgestellt wurde, dass auch die Schulbücher Erziehung bzw. Meinungsbildung sind. Die Referentin verwies auf den Spruch „Nicht das Gedachte sollte gelehrt werden, sondern das Denken“, da man sich so seine eigene Meinung zu jedem Thema bilden kann.

Als letztes wurde das Video „Meine Eltern“ gezeigt (→Siehe: https://youtu.be/_O_xipy1Mx8). In diesem Video ging es darum, dass sich die Eltern eines Mädchens nicht mehr lieben, es aber ausschweigen. Da die Tochter ihren Freund mitbringen möchte, dem sie Lügen über die Eltern erzählt hat, sollen sich die Eltern für dieses Treffen anders verhalten, wodurch sie merken was alles falsch läuft. So realisieren sie das ihr Beziehung kaputt geht und ändern viel, wodurch sie sehr viel besser läuft. Hier raus lässt sich für mich schließen, das es gut ist Dinge die einen stören anzusprechen, um sie lösen zu können, anstatt alles Tod zu schweigen. In der nächsten Stunde werden wir nochmals genauer über das Video sprechen und uns eine Meinung dazu bilden. Außerdem werden wir den Text zu Sozialisation fertig lesen und dieses Thema vertiefen.

Freiheit und Determination – Wichtige Begriffe

SoziologieRollenerwartungEs wird immer etwas bestimmtes von einem erwartet, man ist nie wirklich frei in seinen Entscheidungen
ErziehungBei jedem unterschiedlich, wird während der Kindheit von jeder nahestehenden Person beeinflusst
StatusStatussymbole sind in unserer Gesellschaft stark vertretten und für die meisten Menschen eine Art sich auszudrücken
VorbilderEs gibt sowohl positive als auch negative, die eine starke Einwirkung auf die Kindheit haben können
MeinungsbildungWird durch Vorbilder geschaffen, kann aber auch z.B. durch Schulbücher geprägt werden
(Tabelle sollte vom nächsten Protokollanten fortgeführt werden)

Protokoll des Ethikunterrichts vom 23.09.2020 ~ Utilitarismus

  • Datum: 23.09.2020
  • Klassenstufe: K2
  • Standort: Ethikraum, Raum 2204, Gymnasium Gerabronn
  • Teilnehmer: 13 von 15 Schülern

Die zweite Ethikstunde in dem neuen Schuljahr war der Ethik des Utilitarismus, im Besonderen der von John Stuart Mill gewidmet. Mit diesem Thema hatten wir bereits in der Kursstufe 1 begonnen, jedoch das Kapitel Corona-bedingt nicht vollständig abschließen können.

Einstieg

Um das Wissen aus dem vergangenen Schuljahr wieder aufzufrischen, startete die Stunde mit einem Spiel. An der digitalen Tafel wurden Zitate, Porträts und Situationsbeschreibung eingeblendet, welche dann dem Utilitarismus oder der Pflichtethik zugeordnet werden mussten. Diese Entscheidungen sollte der Kurs gemeinsam fällen, was auch recht gut funktionierte. Dies spiegelte sich im Resultat wider: Nur drei von ungefähr zwanzig „Kärtchen“ wurden falsch eingeschätzt.

Für diejenigen die sich nicht mehr an den Unterschied erinnern können, hier eine grobe Zusammenfassung:

Utilitarismus: (passendes Protokoll: 26.06.2020 von Galanterie)

Die Abwägung des Nutzens spielt hier eine zentrale Rolle. Das Gemeinwohl steht über dem Wohl des Einzelnen. Somit wird nach dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Nutzen beurteilt, ob eine Handlung als gut oder verwerflich gilt. Der Zweck heiligt die Mittel. Jeremy Bentham und John Stuart Mill gelten als die Begründer dieser Ethik. Bentham war der Meinung Leid und Glück lasse sich quantitativ messen (wenn viele Menschen überleben und einer stirbt ist das besser als andersherum), wobei Mill die Meinung vertrat Glück und Leid lassen sich nur qualitativ messen.

Pflichtethik von Immanuel Kant:

Laut Kant ist einzig und allein die Motivation einer Handlung ausschlaggebend über die Gutartigkeit derselben. Der Zweck kann also nicht die Mittel heiligen. Jeder sollte nach Gründen, welche als allgemeingültige Regeln gelten könnten, handeln.

Utilitarismus von John Stuart Mill

Nach dem Einstieg wurde jedem Schüler ein Zitat von John Stuart Mill zugeteilt, zu welchem ein Arbeitsblatt ausgefüllt werden sollte. Die ausgeteilten Texte haben sich schnell als anspruchsvoll herausgestellt, jedoch gelang es jedem nach vielfachem Lesen den Sinn zu verstehen und das Blatt korrekt auszufüllen. Hier die Musterlösung.

Erklärung

Die Ethik Mills ist nicht allzu verständlich, deshalb folgt hier eine kleine Erläuterung zu dem Arbeitsblatt.

Kritik an Kant: Mill kritisiert Kant, da dieser eben nicht die Folgen einer Handlung betrachtet. Um einen guten Willen zu haben, müssen durchaus auch die Folgen betrachtet

werden um die Gutartigkeit einer Situation abschätzen zu können, so Mill. Laut ihm müssen die Auswirkungen auf die gesamte Menschheit, ja sogar auf die ganze fühlende Lebenswelt mit einbezogen werden.

Niedere Genüsse: Geistige Freuden, also die des Verstandes oder der Gefühlswelt, sind den sinnlichen vorzuziehen. Trotzdem geben viele Menschen der niedrigen Lustbefriedigung nach, was auf Charakterschwäche zurückzuführen ist. Außerdem meint er, dass einige Menschen, aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung oder von Zeitmangel, nicht zur höheren Fähigkeit geistige Lust zu empfinden in der Lage seien. Die niederen Genüsse sind somit ihre einzige Möglichkeit Lust zu empfinden.

Dem Schicksal begegnen: Um sich vor „den Wechselfällen des Lebens“ zu befreien, muss man das eigene Glück zugunsten dem von anderen aufgeben. Dabei behält man trotzdem die Fähigkeit Quellen seiner Freude zu pflegen, nur man rechnet nicht fest damit Glück zu erfahren, wodurch man nicht enttäuscht werden kann.

Opportun bedeutet: Das Verhalten einer Person nützt nur ihr selbst und verschafft ihr einen Vorteil im Vergleich zu Gesellschaft. Dem Rest der Gesellschaft nützt die Handlung nichts, oftmals schadet sie ihr sogar. Im Utilitarismus soll eben genau gegenteilig gehandelt werden, also nicht egozentrisch und nur nach dem Eigeninteresse, sondern gesamtgesellschaftlich denkend.

Lügen: Grundsätzlich gilt laut Mill ein Lügenverbot. Lügen untergräbt das gegenseitige Vertrauen und dient oft als Mittel für egoistisches Handeln von Einzelnen. Allerdings gibt es auch ein paar Ausnahmen, welche Lügen legitimieren. Wenn es in einer Situation, welche mithilfe des Nützlichkeitsprinzips abgewogen wird, nützlicher erscheint zu lügen, so ist man dazu berechtigt. Eine Beispielsituation: Ein Mann ist todkrank und wird in den nächsten Tagen sterben. Ein ihm sehr enger Freund stirbt. In diesem Fall wäre es nach Mill in Ordnung dem Mann die Neuigkeit vorzuenthalten, um ihn vor großer Trauer in seinen letzten Stunden zu schützen.

Utilitaristische Moral: Ihre Ziele sind Glück, Einheit, bzw. Gemeinschaftsgefühle und Gleichstellung. Deshalb sollen die Handlungen der Menschen auf das Wohlergehen der Gemeinschaft und nicht auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet sein.

Politik und Erziehung: Die Politik kann dem Utilitarismus dienlich sein, indem die Interessen von unterschiedlichen Gruppen ausgetauscht, voneinander verstanden und angeglichen werden können. So können sozialen Unterschiede ausgebessert werden. Die Erziehung soll den Gemeinschaftssinn des Einzelnen stärken und somit begünstigen, dass ein Jeder im Interesse des Gemeinwohls handelt.

Kritik am Utilitarismus / Handlungs- und Regelutilitarismus

Am Ende der Doppelstunde erläuterte uns unsere Lehrerin den Unterschied zwischen Regel- und Handlungsutilitarismus. Hierzu brachte sie uns eine Beispielsituation, welche wir abschätzen sollten. Diese sah ungefähr folgendermaßen aus:

Eine Gemeinde leidet unter Wasserknappheit, weshalb der Stadtrat alle Freibadbesitzer bittet ihre Betriebe vorläufig einzustellen und die Becken abzulassen. Ein Freibadbesitzer (ein Utilitarist) überlegt sich sein Bad offen zu lassen, um so den Menschen eine Möglichkeit zur Abkühlung an heißen Sommertagen zu bieten und ihnen so eine Freude zu bereiten. Er ist der Meinung, dass wenn er als einziger sein Bad öffnet, der Wasserverbrauch überschaubar sei. Soll er sein Freibad offen lassen?

Die Diskussion über das Fallbeispiel ging in eine Diskussion zur Kritik am Utilitarismus über. Folgende Punkte wurden in der Kursdiskussion genannt:

  • Ein Schwimmbad sollte im Sinne der Bevölkerung geöffnet bleiben, allerdings muss dies unter allen Freibadbesitzern abgesprochen werden. Hierbei wäre es gut, wenn sich die Stadt einmischen würde und zwischen den Besitzern vermittelt. Wenn die Besitzer zusammen arbeiten, kann Personal, Arbeit und somit auch letztendlich der Profit geteilt werden.
  • Es ist nicht überprüfbar, ob der Freibadbesitzer wirklich im Sinne der Allgemeinheit denkt oder ob er nur eine konkurrenzlose Möglichkeit sieht Profit abzuschöpfen.
  • Eine wirklich utilitaristische Handlung wäre es, das Freibad zu öffnen, dabei allerdings auf Eintrittskosten zu verzichten oder mittels des Erlöses die Bekämpfung der Wasserknappheit zu unterstützen. Allgemeine Kritik am Utilitarismus
  • Es ist von außen nicht einschätzbar, ob ein Mensch eigennützig oder altruistisch handelt. Mit dem Vorwand nur für die Gesellschaft etwas Gutes tun zu wollen, wurden in der Geschichte der Menschheit schon sehr egoistische und grausame Handlungen legitimiert → Scheinutilitarismus
  • Die goldene Regel (Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst) ist erst dann anwendbar, wenn man sich selbst liebt. Wenn man zu sich selbst eine äußerst schlechte Beziehung hegt, ist es unmöglich sich anderen gegenüber korrekt und utilitaristisch zu verhalten.
  • Da der Zweck die Mittel heiligt und es um das größtmögliche Glück geht, werden Minderheiten nicht geschützt und können einfach ausgebeutet werden.
  • Der Utilitarismus kann nicht in allen Situationen einen Leitfaden bieten, da durchaus Entscheidungen getroffen werden müssen, bei welchen komplett unterschiedliche Optionen die gleiche Nützlichkeit haben. Ein Beispiel ist die Problematik mit dem autonomen Fahren. Wenn ein Computer eines Autos entscheiden muss, ob es einen Mann oder eine Frau überfährt, so birgt der Utilitarismus (wenn man sich von keinen Vorurteilen leiten lässt) keine Lösung. Wie denkt ihr über den Utiltarismus? Eignet er sich als Ethik, nach welcher ihr euer Leben ausrichten könntet oder eher nicht?

Quellen:

Philosophischer Essay-Wettbewerb

21. Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay Herbst 2020

Angesprochen sind philosophieinteressierte Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II. Sie müssen nicht unbedingt einen Philosophie-Kurs besuchen. – Die Interessierten bekommen von ihrer Fachlehrerin bzw. ihrem Fachlehrer die folgenden vier Themen zur Auswahl und schreiben einen philosophischen Essay zu einem dieser Themen:

  1. Müssen wir glücklich sein wollen?
  2. „Gesellschaften reproduzieren sich, indem sie vermeiden, daß zu viele Irrtümer tradiert werden.“ (Jürgen Habermas, Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag 1976, S. 189.)
  3. „Unser Denken […] ist ein Sinn, mittels dessen wir das Unendliche ausspähen und unter anderem mathematisch darstellen können.“ (Markus Gabriel, Der Sinn des Denkens, Berlin Ullstein Buchverlage 2018, S. 28. )
  4. „Auf seine Freiheit verzichten heißt, auf sein Menschtum, auf die Menschenrechte, sogar auf seine Pflichten zu verzichten“ (Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes, in: Politische Schriften; Bd. 1. Paderborn: Ferdinand Schöningh 1977, S. 67.)

Der Essay darf maximal vier Seiten umfassen. Einsendeschluss: 6. Dezember 2020 (Poststempel). Im Kopf jeder abgegebenen Arbeit müssen der Name der Verfasserin bzw. des Verfassers, die Jahrgangsstufe, der Name der zuständigen Lehrkraft, die Schul- und Privatadresse (mit E- Mailadresse) angegeben werden. – Am Ende des Essays muss folgende Erklärung stehen:

„Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe und alle Entlehnungen als solche gekennzeichnet habe.“ (Unterschrift)

Alle im Rahmen des Wettbewerbs erhobenen persönlichen Daten werden vertraulich behandelt. Eingereichte Arbeiten werden nicht zurückgesandt. Es sollten nicht mehr als zwei Essays pro Kurs eingesendet werden.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die einen gelungenen Essay verfasst haben, bekommen im Januar/ Februar eine Urkunde von der jeweiligen Regional-/Landesjury zugesandt. Die von den regionalen Jurorinnen und Juroren ausgewählten 26 besten Essayschreiber werden im Februar 2021 zur Philosophischen Winterakademie nach Münster/Westf. eingeladen.Dort werden erneut Essays geschrieben (in vier Zeitstunden, auf Englisch oder Französisch) und es werden philosophische Vorträge gehört und diskutiert. Die dort ausgewählten fünf besten Essayschreiber werden der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen werden. Die beiden besten Essayschreiber nehmen im Mai 2021 als Vertreter Deutschlands an der XXIV. Internationalen Philosophie-Olympiade teil.

Bitte wendet euch an mich (Frau Schütze), wenn ihr teilnehmen wollt!