Dass unsere heutige Gesellschaft eine Leistungsgesellschaft ist, ist klar. Ebenso dass wir in einer Konsumgesellschaft leben. Und einer Wegwerfgesellschaft. Doch leben wir auch in einer „Wegguckgesellschaft“?

Wie viel Heuchelei und Selbstbetrug, Schönfärberei und Leichtgläubigkeit steckt in uns?

Wir haben das Zeitalter der Aufklärung hinter uns gebracht. Wir begingen historische Fehler, wir lernten aus ihnen.
Dass wir in keiner perfekten Welt leben, mag jedermann nachvollziehen können. Doch nutzen wir unser privilegiertes Lebensumfeld in perfider Art und Weise aus?

Es wird gemault, wenn das Handy mal wieder kaputt ist. Aber wirklich problematisch ist das nicht, denn es kann ja gleich ein neues her. Stundenlange Shoppingtouren gehören für viele Mädels zum Alltag. 50€ Taschengeld scheint vielen gar nicht auszureichen. Party Party ist ein weit verbreitetes Lebensmotto unter jungen Leuten.

Switchen wir mal rund um die Welt.
Südafrika/Brasilien: Der Lebensmittelkonzern Nestlé kauft öffentliche Trinkwasserreservoire auf, lässt die Menschen vor Ort für einen Hungerlohn das Wasser in Flaschen abfüllen, die der „privilegierten Gesellschaft“ in unseren Breitengraden zugeführt werden. Nach der Arbeit kehren die Menschen in ihre Slums zurück. Kein sauberes Trinkwasser, ihre Kinder dursten, sie selbst müssen sich oft kilometerweit auf die Suche nach trinkbarem Wasser begeben. Nestlé zeigt sich großzügig: Ein kleiner Wasserhahn tröpfelt etwas von dem kostbaren Gut ab…

Indien/Pakistan/Bangladesch etc.: Ausbeutung von Arbeitskraft ist hier alltäglich, und vor allem bekannt. Millionen Kinder weltweit müssen ihre Familie versorgen, oder besser überleben helfen, indem sie arbeiten. T-Shirts nähen für H&M, Fußbälle für Adidas. Der Verdienst: einige zehn Cents am Tag vielleicht, die Fußbälle sogar bis zu 40 Cent pro Stück.

Die Reihe von absurd klingenden Ungerechtigkeiten lässt sich beliebig fortführen.

Diese fernen Länder sind weit entfernt, das stimmt. Doch jeder, der sich in irgendeiner Form medial informiert, wird auf solche Nachrichten gestoßen sein. Spätestens bei dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch im April dieses Jahres, mehr als 1100 Tote. Tot dafür, dass wir unsere superslim Jeans tragen, teure Kashmirwolle zum Spottpreis kaufen können.

Es soll in keinster Weise unser gutes Recht, Kleidung oder Luxusartikel zu günstigen Preisen zu kaufen, oder gar einfach Wasser zu trinken, kritisiert oder aberkannt werden! Aber ist es richtig und moralisch, ethisch vertretbar und mit der Vorstellung von Menschlichkeit vereinbar, den Kopf über solche unfassbaren Dinge zu schütteln und am nächsten Tag den Super-Sale-Stand im Klamottengeschäft umzurennen? Im Grunde genommen wäre das pure Heuchelei. Tun wir nicht zu wenig? Eigentlich überhaupt nichts!?

Horchen wir mal in unser Inneres, seien wir mal ganz ehrlich: Liegt der Grund nicht einfach darin, dass es unglaublich bequem ist in unserer Gesellschaft zu leben, sich der Unterhaltungsbranche hinzugeben, in Wohlstand gebettet zu sein und bei solchen Meldungen schlicht und einfach wegzugucken?
Das was wir nicht hören wollen, schalten wir aus. Ja, auch das ist ein Privileg, wohlgemwerkt, denn andere können Hunger, Durst, Armut oder Leiden nicht einfach abstellen.

Wir sind eine „Wegguckgesellschaft“, eine Luxus-, Konsum- und Wegwerfgesellschaft, errichtet auf der Basis von Ausbeutung und Ungerechtigkeit.

-sumsilatipakitna-